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Full text of "Deutsches Dichterheim - unter Mitwirkung der hervorragendsten Dichter und Schriftsteller hrsg. von Paul Heinze 9=18.1889"

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ÜNIVEKSITY OF CALIFORNIA 
DAVIS 


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LIBRARY 

UNIVEKSITY OF CALIFORNIA 
DAVIS 



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Stnfei; pUwiirftttng 


bet 

^ervortagcniiftcn itdjtcc nnb Sitctftftctlec 

1^ er ausgc geben 






4 - 


|>ce$be}t-$tttef'ett. 

1889. 


LIBRARY 

VNIVEKSJTY OF CAI.1FORNIA 
DAVIS 


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I V. Jtbfcr, S8[if?cfm, 

1 Slbcubtieb.411 

1 itretci^i, ^gftdrrt, 

, ©turmmpt^uä.-01 

Jirmittitts, ^if^efm, 

j 3[)a9anten'§eimfel)r.217 

j D^iä^tlic^e 0cefa^rt.342 

' Jtnjenflrtt6er, 

0pä^nc. B 

! 38artf(^, Stein^ofb, 

Ä'anipf.313 

SJafler, ^arf, 

!lraucr.123 

I ^er lüilbe .^oicuftraud) .... li)6 

I Xcr 33cttler üon ^olcbo .... 463 

1 Saerges, 

I (iTinneriiuß.380 

I saeffeir, 

I ©cjtonbnife.218 

I Meum est propositum in taberna 

I mori.411 

j t>. ^ntffer, ^ottfxUb, 

0(]^aii auf mid^ l^cnüebcr, bu Aj)otbc, 

' Seine.327 

^fttt^gen, Victor, 

5llbumblätter.452 

SSoift, ilffreb, 

33er)unfnc§ @lücf.176 

^)cimfe^r.242 

9 . jaobenffebt, ^riebdd^, 

1 5)aä ?ebcn.13 

?lm 3)iecre.40 

Sare|f, 

^Dcufft bu ber Olad^t?.68 

Sarieger, ^^boff, 

©efpräd^ mit einem lobten ... 98 

lol^nt fid^ nid^t!.211 

5Dcboral^.460 


8 $. 


©dte. 

oott ISufmerinrq, ^ade, 

9)laria.482 

^»n^Attpt, <j»elndd^, 

Otid^tfpruc^.225 

^infamfeit.258 

Saunge, S^ttboff, 

^^orfbrünnelein.213 

3auf($, 

X)er 33erbannte.295 

Saudgerafb, ^?arre5, 

0:lenb.460 

^antaciijcne, Sllade ^ürffin, 

iöcrflungenc lieber.16 

gttrmer, 

Man im Salbe.212 

Srü^ja^rögrug. 369 • 

$roon-3Saper, ^mma, 

^cimatolocfen.44 

ä^ie gofbne 33lume.478 

®er Äönig in DIorge. 1 

pe^mef, ^i^axb, 

iBcim Sanbern.KX) 

£Iage um ben beliebten .... 175 

yicntcr, Termine, ge0. 9. (j»lirern, 

Ave Maria.261 

Pienes, ji., 

£:ic Burgruine.179 

Porer, ^bmnnb, 

Slugbereit.58 

pdrr, ^franj Jofef. 

3m Sanne.59 

predjfef, SRade, 

.§>erbitma^nung.139 

Sicberfe^en.466 

^Ser^arbt, ^dlE^, 

3(m Sei^nad^tSabenb.148 


(11 e b t d) t e. 

©eite. ] 


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IV 


©dte. 

ff0er5, Öeorg, 

@prud^.12 

2ln Olga.158 

^^renderg, 

33ittc.135 

5lnncttc oou J)roflci^>üt§l^ofj . . . 323 
2)c§ griil^IingS Söccfnif .... 343 

^^fttgrun, $iege., 

2Ba8 roär’ mein 2ebeu? . : . . 245 

^(^robt, ^iibtoig, 

^evbfigang.82 

ÜJiai:(fantate.340 

0tillcr Ort.481 

^nenfter, ^orftmar, 

So^anniöfcucr.376 

^rfurl^, Slidjarb, 

Äloftcr ^aulinjcÜc.45 

^rn(l, 

Sintermärd^cn.175 

Raffte, 

Ave Maria.209 

5lm ^ergfec.453 

^efbmantt, 

gioanjig Salären.162 

dobral. 484 

Siiebfer, 0U0, 

grü^ting§glaube.'.368 

glüt|tigcä (Slücf.432 

^fogfar, cJttbwig, 

©eclennjanberung.273 

Montane, f 9^obor, 

^aralb ^arfaget. 7 

^riebmann, jtffrcb, 

2)arn)iniancr im grü^Iing ... 296 
^tiebricQ, ^r{ebr{<9, 

M l^affc bic^.65 

O, möd^teft fo bu immer bteiben . 197 

Stein^ofb, 

3Jtonbnad^t am ©tranbe .... 136 
2lu8 bem S3orn]^olmer ©fijgcnbud^ . 243 
9^inioc.299 

^alTc, 31 m 

©pater grü^Iiug.245 

^enfid^eit, 0tto 3^ran), 

6-rfter 9f?eib.260 

©in ©tcid^cö.333 

dernd, ^f(c, 

fiepter ©5rug ..184 

üarr, 

S^ad^tgebanfen.145 

^ofb^ein, g., 

S3crgongcnc§ 9cib.294 

2öunfd^.462 


©dte. 

Ijosfttr, g., 

O fpric^ 3 U mir.218 

p. gottSerg, jiberaibe, 

TaS meige H'Icib.174 

goette, 3tttboff, 

©(couorc 3^rod^a8fa.95 

'^cä .r'^ammerö ^''cim^olung . . . 253 

V. 0oUfißa([, ^uboCf, 

©^riftop^er ^Harloroc.256 

greif, Sttarfin, 

5)a8 ©onnenfinb.84 

©rroieberte gragc. .286 

9Jlorgcnnäl^c.383 

2eptcr ©ouncnblicf.482 

grimm, ^., 

Jritl^jofg 5rbid^icb.431 

groffe, JuHus, 


Oa8 3^olfram§Iicb. ©in ©ang au8 uujeren 
^agen. 29, 69, 109, 14'9, 185. 229, 
274, 313, 353, 397, 421, 442. 


grüttiitger, ßans g?r., 

^icbe.139 

gtttientag, 3 i. 30 ., 

Taä ©3en)ittcr. 170 

©ertnib.273 

4 »amerring, 3 toeert, 

3n ber Älaufe. 9 

Oer O'ic^iter uub fein 29erf . . . 257 

ßane, gugen, 

©mig Derlorcn!.198 

4 »ari, ^ufiits, 

©rinnenmg.430 

V. ,^augmi^, 3 ^arie, 

5luf ber §ö^’!.383 

4 üeibt, iiarf gaaritt, 

9lbenb.59 

©Jenefung.326 

4 üeinae, S^nuf, 

Jrieb^ofärofe.16 

Srbifd^e Seiäl^eit.3U0 

i^elTmaier, <^ttbmig, 

©elfe Doofen.121 

<^erming, gfifaSet^, 

3«fJu(^t.55 

i»enaeit, gSif^efm, 

Oie brei Oage.214 

Oer Suftfd^iffer.260 

aJtäbd^enfe^nfud;t.325 

4 ^ermann, Siie^arb, 

©pätrot^.52 

<^irfg, ^rnna, 

5>agantciicinfatl.410 

i»o 9 en, Sttaii^ias, 

3ln meine ©raiit.199 

<i5om6ttrg, jietirl, 

©d^ön ©lg.294 


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V 




-59 


0citc. 

jioral?, 3t., 

0e]^nfud^t.o'^f) 

Shimengiufe.37 

Jafgte, #., 

$?icbc§n)crbiing.383 

?ber, 

Tk ©d&tad^t bei Worringen . . . 33 

©lücf.381 

Senfen, ^ir^erm, 

Oiücfforbcnmg.JU 

2lbcnb|ounc.243 

ilaben, ^bmunb, 

(^^alat^ee.44 

ilareecfi, gsajr, 

5®ic e§ gc^t.1G5 

galfcbc ?icbe.382 

äiarie.4G3 

<^airttsft9, ^art^a, 

3?ogel 336 

<Ä., 

^ie 9^ac^t in bcr C^ampagim . . 159 
0abbat^ auf bem Äriegöft^iffe . . 3GG 

(^elTerSaufr, @t!o, 

.'ocrbftfobrt.42 

(?rnft Wori^ 3lrnbt.171 

ileirerbaitcr, Süofa, 

0onntag§frür)c.1G9 

0cerofcn.338 

iiiereßamp, «ioebivig, 

2tm 0tranbe.380 

«^icfctoetler, 

0(^cnf ein!.57 

(^l (>anclo.476 

SBie c8 gel^t.3G8 

ilfcematin, ^auf, 

Jrofi.45 

iinetit, garf, 

0ommerbilb au§ bcr fübruffifc^cn 

0teppc.43 

3m 2ibcnbfd^attcn.244 

V. ünorr, S^ofep^inc ^rditt, 

SScrgöttcnmg.168 

üoe^ffc^, Stic^arb, 

^onrabinä !l:ob.133 

©icgeäfd^rocrt.476 

,|l69fifd>, iäfbmig, 

®aä ®offäIicb.8-1 

(Ermunterung.262 

jioftt, 4^eriitantt 

Ave Maria.176 

iiarf, 

2lbenbanbad^t.2(X) 


@dte. 

üruger, ^o^annts, 

0e]^nfuc]^t.326 

<#irttfe, ßdnxii^, 

5)cr Lorbeer auf 3foIa beHa ... 89 

^ttc^fer, 3f., 

5^cr 9tuf bc§ ?en 3 Cä.379 

c^ttttcrf, Jl., 

^^orbei.217 

C^in ©ommerfonnenfhal^I .... 481 

(^anbesmanit, jibofp^» 

?l}^ein (E'ebct.10 

51n 9iifoIguä 2enau.96 

^ttiige, ^rfricbc, 

?(n bic .r^albcn.53 

(^catiber, Sült^arb, 

0pätfrül)ling.269 

c^egerfo^, ^uflav, 

^ic 'l'crlaffenc.55 

^eflTer, 3»i(5orl», 

3]or meinem genfter im 9tebenge3n)cig 482 

0. gießen, ^Ittna, 

5:a§ müd .17 

c^iep^ofb, ^app^o, 

4ifingftfeier.377 

3c^ fann cö nic^t.483 

V. c^ifiettcron, Petfeo ^r^r., 

(Entfaguna.205 

^eutf^e Swcimrcin^cit.343 

(ilnflg, ^^kcrmatm, 

grommcr Sunfc^.41 

.^tritif.137 

5ln 2lllerfeelen.181 

(giften, ^ufius, 

2Iltc Erinnerung.378 

c^orttt, Jdieronpmus, 

23crIorcner vipimmcl.25 

l^or bem 0tcrben.94 

9?ät^|fcl bcr ©d^Bnl^cit.289 

^dtoe, ^eobor, 

5lm ^amin.. . 135 

(Gnomen .325 

SSaber, 

0empad^.337 

^ic feajfergcujcn.352 

^dnett, So9anite5, 

3m E^lüd ber jungen 2icbc . . . 381 

V. jtrma, 

0pätc§ SBicbcrfel^cn.431 

fernes, 

3:obtcnfcft.120 

Sintcrncbcl.228 

2)er Xob.327 

SITeper, ^arf, 

Slnbrcaä ^)ofcr.82 

SSeper, ^er^arb, 

grü^lingSgebanfen im ^)erbft . . 122 


-52 


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Google 





























































VI 


H- 


55 


Jllidlerls, ^t^axUs, 

S^rage. 

Sfrifoto, ^lepl^an, 

9111 ba§ mild . 

Xen 9J?a^incrn. 

®cine 93riefc. 

l^icb bcr Vicbcnbcn . . . . 

2)?a^ming. 

Iriuntpb bcS .<> 615^13 . . . 

SSoefcr, <^f6crt, 

^angcnialja. 

^in Äöuigöberj. 

Tic ^ofjc oon 'IRavö:lQ4oiir > 
.\enicn uiib Sprüche . . . 

C^iner 93cre^reriu. 

itaiferin CHigenic. 

?icb bcr 'l'cUcba. 


Sdte. 

134 


41 

101 

•J14 

•JOT 

310 

If)! 


10 

ot; 

IT-J 

JOO 

:\:r> 

41)0 

464 


V, b. pM 

©tänbd^en.58 

^tt^^mann, 0ttirU, 

'‘J^eueö l'ebcn.13‘> 

Taö rechte Tiilbcn.3J7 

^ttlTer, ^fara, 

.<5crbftn)inb. 11 

Ji^crbft.138 

(urt, 

Um ^o^cn ^^vci§.108 

0cd^sfer, SloOert, 

ißerfefd^mieb.’JIO 

^anfioto, JkeCTntut^, 

(^ntfaguiig.1J4 

yaffarflc, 3*o6ert, 

Ji^albanbac^t.160 

S^ettenpauf, 

Tcm (Sämigen.JOO 

S^fdnnet \u f ^r. ^Suttner, 

9luf pnftrer 53a^n.190 

S^fttitcft, ^rnft, 

(Hilft inib jc(jit..‘»‘.’G 

Ter 0tcvu.461 

S^fwgge, 3«. 

(5?ebct.3J8 

yoITacft, yauf, 

9Jad)tgni6.'JOS 

yre$0cr, ^ubolf, 

S^ciietiauifd^c lieber.467 

yrefer, ^arf, 

SBou ^uft imb Seib.41 

l'cim bcutfc^cu Söeiuc.1J3 

V. S^reuff^en, «Termine, 

mild .430 

yrofdf, ü., 

Titte.34‘i 

Pfttit, 3?idor, 

0cl}n[iid^t.56 

^Waft im Salbe ....... 83 


©eite. 

Ste^Oein, jtri^ur, 

bcr (beliebten.367 

SlenneSerg, f 9<^obor, 

Tcrgcbli(^ dampfen.3J5 

Ter beutfdic i^säger.‘350 

Ter Saibmann.341 

Ta6 0(^lob in ber Bc^meij . . . 480 
^l^einfänber, Jtugo, 

Tie OfQd)c.160 

(HomrocU.'^55 

?lofe, ۥ, 

;>nucrer Trang.4GJ 

SiüOfaameit, S^ofa, 

^cpbta’ö Toebter. 12 

^artori. S^aul, 

Tqqco bc C^ama. 5 

9tormanncnab(cbieb.54 

^t^fierOaig, 

'ij?onbnad)t.110 

Salbraft.393 

^rftrdflTcr, 

9iadf)tgejang.203 

^(grotfie, 0fto, 

0ommertag.467 

^t^tttibf, ^arf ^ugen, 

(^anpmeb.210 

jWcicber Orfap.466 

bereinigt.161 

>1 Salb.218 

^ifbegerf, 

(^Icidinife.384 

|u S^rinj gntlf, 

Puellae innuptae. 4 

0pät:.i5erbft.120 

Tom 0cbcibcn.297 

p. $(6dii6erg, gritfl, 

^Reercäfriebcu.90 

0(bneefturm.212 

Torbei.263 

$(^irdbfr, 

Dummheit wecr’t ok apenbor . . 413 

§<^ufj, 3lo6erf, 

2icb im Tolföton.213 

(Jrifa 00 m D^iebc.412 

^t^waae, Sofef, 

Talb fommt bcr Tag.4[)2 

$(ofar, 3^{c$aer, 

Ta§ TaterbauS.461 

$c6us, $ar(, 

(5in altes 2ieb.483 

p. §l(5arf, ^opf^U, 

9lbcnblieb.*28 

^irgrrflein, ,|lPgu|!, 

Oin ein)am .283 

Tcö jägerö .H'inb.437 


( 


I t 

8 $— 




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©eite. 

$ou($a9, t^eobor, 

jyentab.-iOr» 

$pief?aflen, ^vUbti^, 

doppelte 53crroanbtfd^aft .... 

^larmauns, 

^lofd^cnc (Strahlen.r)3 

$tdtt, 0ttiric, 

(?bcliüei&. 

^tempfinger, ^buarb, 

mnfif . 

$fcputttt, S»iirv, 

§crbftglücf.1-1 

$fern, 

BJ^argret.15 

$frdf, Jtrfreb, 

^octcnlooS.l'^8 

0^necglöcfd^eu. 

§tttrm, ^iifitts, 

(^roig bicfclbc. 5 

X'ic '0ounc.57 

^)^ur stampf.1<J5 

(Jntroeber ober!.1^5 

(^croittcr.‘-Mi 

3n ftifler Tiad)i .-'37 

^11 gr. 9iücfcrt§ Serfen .... 341 

0c^laf unb ^raum.417 

^teiuigfeiten.480 

^efmann, ^ottrab, 

kommet in 0orrcnt.13 

Slmalfi.30 

S^i^eiufa^rt.13(5 

3n '^^ompeji.315 

Vorfrühling.385 

2tm gußc bc§ 2letna.307 

‘t^leberg, 

grühlingölnft.341 

t>. f^ttttgcti, 

3)er 23ach.B3 

^agbftf 

^innerung.379 

%o5(ano, 3- 

Älagc ber 3ungfran.170 

^icrorbt, ^dndcht 
Tic Tobten non 0amoa .... 373 
^olgl, <^nntt, 

^d) benfe bein. 14 

(^ricagrnß.139 


©eite. 

(^ricagrng.174 

grühlingSflnrm.467 

SSageuer, brutto, 

Ter 2)?arQthon:5öote.300 

^afbrnüircr-puSoc, Robert, 

Tic ©efd^nmhtc.138 

^alTing, ^üntber, 

'TJorb nnb 0üb.15 

gSebf, greobor, 

Tev Ti(htcr fpri^t.173 

Ton Jnan’g 0tänbd^cn .... 344 
^tanneofinn.309 

SSebßopf, ^amilT, 

CHner 0chlummernben.216 

38db, Jlfßerf, 

3cb njcin nicht, ob uim grociten 93^al 197 

Tn, ober Jteine.384 

2lbicit§.404 

pettber-Marburg, «jinna, 

2D^ein 2?atcrhan§.210 

^efermann, 

(Einern ^D^äbd;en.85 

3m 9ioggen.453 

0 . gSifbenbrueb, ftnf!, 

Unterem ÜJiad^anbetbaiim .... 12 

Sbirbdm, üboff, 

23efenntni&.412 

Ta§ Tünengrab ..481 

Sboffram, 

Ter flerbenbc 9?oftem.377 

gboertttantt, ^axt, 

2ln giDci Siegen.97 

Salbroeben.457 

Jdfe, ^dnrirb, 

C^vinncrung an 0chn)ebcn .... 14 

Ter @eift in ber D'^atnr .... 173 

2Jionbnad;t.354 

Ü^orroegenö 0tcrn.324 

5eftef, Stauitp, 

Cffcnbarung ber Siebe.52 

5dtef, <#ittrf, 

03rci|enQlter.382 

Tichtiing unb ..... 473 

Jieft, ^rnß, 

griebe in (^ott!.246 



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vm 


lll)i|fenfd)ttftlid)c Ski^^cn, 3t|il)ori8mcn, firitik, 

rekactionelle Jlittljcilungcn etc. 




S^rof. Dr. 

3iiv ,9?üdfcrtliteratiir . . . 250, 270, 290 

I ^rlcbmann, Jtffreb, 

05u 9 be SJiaupafiant.yo 

^oeiU, Sluboff, 

(^\\\ (5po§ her SSertgcfd^id^te . . . 374 

t>. Slttboff, 

9lutobiogrQp^ifd;c 9iücfbUcfe . . . 2, 26 

<^elnje, ?*auf, 

Gilt 2)lciilcr beg ^iilorif^cn D^omang. 350 
?äuf, imb ^uboff poetle, 

iDic ^id^ter bcr 3?cfrciunggfriege. 106, J30 


Dr. Jlbofp^, 

5)cr größte ^id^tcr Ungavng . . 50, 66 
3iDci Subitäcu . . . 310, 33 i 

(^viitnerungeu an beu !5::ici^tcr non 
„^Jofenmütter unb giiiFc" . . . 474 

ßefer unb ÄritiFer.458 

^oreitj, SJT., 

3BaItl^cr non ber üßogclincibc . 206, 226 

^($rattcnt9<trf iiarf, 


Sag nng bic bcutfd;en grauen cr^ 


3Ö^Icn. (VIII.) . . 394, 418, 439 

^ore^fc^, g., 

®cr ^arallcUgmug im bcutfd^cn 
ißoirgacbc .... 146, J66, 182 

jtamerring, ^oßerl, f.433 


Offener ^ptet^faal 

O^ntl^ält 93ricfe unb 3)Iitt^eilungen non : 
9Fcbaction beg „^T^culfc^en ^ic^ters 
^cim" . 177, 220, 30J, 387, 415, 454 


Seite. 

^uUug O^ron'e. . . 223, 307, 390, 433 
3lufruf 3U griebrid) non ^-8obenftcbt’g 

70. 6'^eburtgtage.266 

g. ituci^lcr.346 

Dr. 3o|<inneg gaftcnvatl) .... 371 

0>e^eimrnt^ ^a^ii.388 

'Dagobert n. O^cr^arbt ('Mmpntor) . 389 
.g'ofrat^ 'ßrof. Dr. 0. 33cpcr . . . 389 
Solfgaug Kivd^bad^ .... 389, 390 

Olcinbolb guc^g.416, 486 

3Iuguft greubentl^al.470 

Dr. 33üttncr 311 ‘4^al . . 486 

^p^orisntfit, iinb Epi¬ 
gramme .-413 

Literatur unb itunf! 

20, 62, 101, 142, 177, 219, 264, 301, 
344, 3^5, 432, 469 

S3ut$erf($att 

17, 45, 60, 85, 124, 140, 162, 202, 246, 
263, 286, 328, 369, 384, 453, 468, .485 

freue ^ttt^er. 87, 345 

SSrieffi^afier 

22, 47, 63, 88, 102, 126, 143, 164, 179, 
203, 224, 248, 267, 287, 307, 331, 347, 
371, 391, 416, 436, 456, 471, 486 

f^rebausfe^reiSen.21 

f^erfauf be$ festen uub ^nßunbigung 
eines neuen f^reisausftQreiSens 266 

$efr. fSead^iung empfoßfenl . . 64 

friert )n ttSerfe^enl. . 103, 126, 144 

ffriii^eiCung ber E^P^biiion. . . 308 



JtfSerti, Eonrab, 
©rot! .... 
jtlTmers, «Hermann, 

gromm unb frei . 


Sef|itod)ene jßäd)er. 


©eite. 

468 

369 


fSaumbat^, ftuboff, 

3'ruggolb.. 19 

n. fSobenfiebt, gtriebrit^, 

Wnnerungen aug meinem 2eben . 329 


SS. 




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IX 


SSotmantt, ^btoin, 

3JIci loip’ id^ mir .... 60 

^icbcrl^ort.163 

?a?n, ^rcrijT, 

grebigunbiS.85 

.141 

ffaers, $eorg, 

(l'reb.163 

®Äart, ^uboff, 

Sid^t imb 0c^Qttcn.140 

Sießrs, Jolfautt ^ltiri<^, 

@cbid^tc.264 

5 betifto, 

Stimmen bcS 2BertIcib§ .... 329 
^riebranb, ^erbinanb, 

0eianS lob.384 

^rdcbmann, <#trfreb, 

3i0€i^(^^cn.60 

®cr lobeSring, ber ißenuSburd^gang 453 

0 ., 

§afd^i|^.286 

$enfi($en, 0tto ^ranj, 

Sungbrunnen.485 

fteroß, ^arf, 

Unter bcm 5lbcnbftern.246 

». «^oftfc^air, Slttboff, 

Berlins iBanbcrungcn.61 

^^eater unb ferama bcr (5M: 

«efcn.. 

fbrelf, Martin, 

(^ebid^te.263 

(Jpifoben unb (Epiloge.86 

(^'in grouenlooä.86 

V. Ötttttjfrrf, Rutins §rnß, 

^ebid^tc.. 

ßametfing, Rodert, 

^^omunciiluä.45 

ßane, gugeit, 

Träumereien im 0tubirfiübd^en . . 142 

<^anßfein, Jibafßert » 011 , 

3llbert 2inbner.485 

^art, (jbeinric^, 

Ta§ Sieb ber 9Jienfd^t;eit .... 374 
<^irbe6raiib, ^auC, 

Sugenbflänge.247 

30 fen, «^cttriß, 

Ä'aifer unb (Galiläer.385 

^enfen, ^Ulferm, 

23ier 9Bei]^nad^täer3äl^Iungen . . . 454 


jiäßropp, ^ußav, 

Sprifd^eg unb (Jpifd^eö.369 

Ter !D7enfc^enfenner.202 

jire^er, gffttjt, 

53unte§ 33udf;.286 

iittrfdjttcr, 3^ofepf, 


Tie beutfd;e Ülationalliteratur . . 287 

^eo, ^riebri(^ jlugufi, 


I ©cbid^te.85 

J^e$(ßipo, Ji., 

öod^fommer. 409 

Siebe unb Seibcnfc^aft . . . . ! 469 

cJitte«, 3iifiu5, 

Panzaechi, Stecchetti, D’Annunzio 202 

^ttborff, 5rr.. 

.385 

Sfl^Ägajiii für ble ^Ifcrafur bes Jn- 

Mnb <|itt5ranbe5.330 

V. ^eerßcim^, 3li(?arb, 

^^Ipd^obramen.263 

^cper, ^onrab Serblnanb, 

Tie iBerfud^ung beS ^cScara ... 125 

Lüfter, Jlboff, 

Toctor gauft’ä (Snbe.384 

p. ^rajmajcr, SRade, 

3o§Qnni§feucr. 37 O 

^acrdre^rr, ^asi, 

Sucianä ^ctärengefprad^e .... 468 

^on beutfd^er 21 rt.125 

p. ^reufißen, ßerminf, 

Regina vitae .. 453 

gtttßfWÄnn, ilffreb, 

Sofef Söictor 0 . 0 d^effel .... 60 

^djmibt-gaattttls, 3ti<?arb, 

^^3ciTtmiftbeet^ iBlüt^en jüngftbeutfd^er 
Sprif.124 

^crap^lntt.85 

^teiger, 0gar, 


Ter Äampf um bie neue Tid^tung. 247 

$fertt, Jiboff, 

@efc^id^tc ber Weltliteratur ... 162 

Tic lebten. vr*>umaniftcn.350 

O'amoenä. 351 

C^ne 3beale . .. .*351 

farmen, 

Sälanbfifd^er.246 

f dmann, üonrab, 

Comtesse Cldmence.202 


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X 


R- 

6dte. 


Seite. 

^ierorbt, ^einricQ, 


prnbranbf, ^rati}, 


5lfant^u§blättei:. 

19 

Sfampra. 

. 3G9 

^afbSttrg, ^rd^tt ^opf^le, 


^eottbarl, 

(^cbirf)tc. 

. 140 i 

Ta^cim iinb llntcnpcgS . . . . 

17 

1 

^eitf(ßrift für i>eutf(ße ^pratße. 

. 3T0’ 1 

^alTing, ^ütti^er, 


5ier, ^rnft, 


I '?liiö bcu lagen ^tarlö beö fünften 

;w 1 

^itcrarifd^e 9?clicfö. 

. 140 

1 




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) 





9)rgnti für Di(iitKuti|l und (3)er „Deiitfüfien Diifiterfinffe" 18. £niiil.) 

Herausgeber: 7aitf j&einje. 


MonatUoh 9 mal. Preis: 6 Ut halbj&hrl., voraussahlb. Man abonuirt durch Jede Buchhandlung, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des nDcutscheii Dichterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nur bis 
1. Mira beziehentlich 1. September angenommen. Einzelne Nummern h50 6 StUck einer Nummer 1,50. 


'at eiitfi eftt iidttig in btt falt’ einen liefen $rani. 

per fanft iftn üOer bie Jtugen^ fo oft btt JiOenb Antn. 


Pm %ng {ifTog er bes ^(alfes^ bes Siebes unb bts Siedls 
3lnb »nflele »elfe bts Pfriebens nnb la^ifer bes ^tftd^is. 

po<9 n’Ann in JtOenbnfofAen in’;s 3Q:eer bie ponne fanA^ 
pann »nrb ifm IröO bas Pnge^ bann »arb bas ^er) ifm AranA« 


Penn einß in P0enbn>olAen tsar ifm bas JAeiA enlfd^tseAl. 
pd^tsanffügefig, mit Stanfifen^ bas Anr) Oei iljm gefeAl. 


,,^a9r moljf!^^ — rief fle fernieber — ,,bie Heimat jiefl mid^ an, 
ijins «pimmfifd^e |n fallen^ vermag Aein frbenmann/^ 


fs falte feilfer ber iidnig, ber Iferfaffne^ liefen 0ram 
Per fanA ifm über bie Pugen^ fo oft ber PAenb Aam« 


t 


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2 


rsr 


-fs 



'gKuto6io0iopöif(fte 'glüÄöfiÄc. 

$on Stitboff von 


^d) bin ein 0o]^n bc8 fd^onen 
' 0^lcficrlanbc8, bem aud^ meine 
r-, Butter entflammte, rool^renb 
‘ meines SßaterS Ofi= 

preu^en mar: er leitete aber 
feine ^)erfunft ob »on ben wegen il^reä 
(Glaubens nertriebenen ©olgburgem, bie bort 
in ben baltifd^en fionben mit offenen Slrmen 
aiifgenommen würben. 

(Geboren bin id^ am 30. September J823 
in ©reStau, wo mein SSater bamalS als Sir* 
tiHerieoffixier in ©arnifon ftanb; mein ©es 
burtSl^auS ftonb biÄt an ber Ober, auf ber 
Strobe, bie nod^ ber 35iebweibe unb nod^ ^öpeU 
wib fü^rt. Später fiebelte mein 33oter nod^ 
bem 33ürgerwerber über unb gu meinen 
erften Äinbl^eitSerinnerungen gehört ber 33ranb 
einer unS gegenüber, ber unS 

heU in bie gen Rer leuchtete. 

93on ©reSlou würbe mein ©oter noch 
S^eiffe oerfe^t. §ier iR mir befonberS ein 
trüber Sf^o^mittog in ber Erinnerung geblies 
ben, wo meine wlutter fehr oufgeregt unb 
trourig wor: Re theilte mir mit, boR ber 
©ruber unferer ©onne wegen irgenb eines 
©erbrechenS gerobert würbe. Ob unfere ©onne 
aerobe ihren 5lu8gehtag hatte ober Urlaub ers 
hielt, um biefem entfeRlichen Schoufpiel bei: 
guwohnen, weiR ich nicht mehr. 

iJleiffe blieben wir nur ein hatöeS S^hr: 
mein ©oter wor leibenb unb ging beSholb 
in ben militorifchen ©erwoItungSbienR über; 
er erhielt eine Stelle ols ^mgeopitain in 
^obleng, unb wir muRten mitten im Sinter 
eine wochenlange gohrt mit ber lÄeifefutfche 
burch gong 5)eutfmlanb machen, ©tein ©rüs 
berchen, bo§ Reh in fehr gortem Sougling8s 
olter befonb, würbe bobei oon ber Slmme in 
einem pelggefütterten $:rogebettd^eu im 2lrm 
geholten. ES ging burdb oiele Stabte unb 
oieler Herren Sonber; in ber groRen ©teRRobt 
ßeipgij oerlief ich nii*, würbe ober noch 
glücrlich in unfer ^otel gurücfgebrocht. 3” 
jfobleng, om herrlichen Rfheinftrom, braute 
ich aun meine erRen Änobenjohre gu, im 
Spiel unb Äompfe mit ben jungen ber 
©ochborRroRen, bie an ben äeußhof Ö^^ngten, 
in wel^m bie befcheibene ^lenRwohnung 
meines ©oterS log. Oft begleitete ich liefen 
auf ben EhrenbreitRein uno bie ^orthoufe 
unb erfreute mich beS weiten ^(uSbliclS ouf 
bie proÄtige 9lhe*nlonbfchoft. ©ad^bem ich 
boS 2ls©sE bei §erm ©unoenroth gelernt, 
fom ich bie unterRe klaffe beS ©pmno: 
Rums, wo ich ouf ©runbloge meiner OueUens 
Rubien ouS ©ecfer’S Seltocf^idbte einen „Sils 
beim oon Oronien", meiR in ben SchulRun: 
Den, bichtete unb olS Oeclomotor Sluffehen 
erregte, inbem ich, ouf bie 2lnfroge beS 2eh= 
rerS, ob einer ber SÄüler ben ©tonolog ouS 
ber „Jungfrou oon Orleans" fenne, bieS be: 


johte unb olsbolb oom ^otheber hrrob gu 
beclomiren begann: 

Sebt wohl, ihr ©erge, bu jeliebte §ammel: 
beerbe, 

®ie §anne fogt euch SlbjeS. 

Ob i^ noch ’uiol gurüefe fommen werbe, 

Ser weeR, wer weeR! 

SchoHenbeS ©elächter folgte biefer meiner 
erRen beclomatorifchen ?eiftung: ich hotte bie 
©orobie irbenbwo gelefen, auSwenbig gelernt 
unb gloiibte in oUern ErnR, ben berühmten 
©Monolog ou8 ber „Sungfrou oon Orleans" 
in mein geiRigeS Eigenthum oerwonbelt ju 
hoben, ©teine erRe theatralifche 2eiftung lief 
nicht oiel glücflicher ob: eS war eine ©ors 
Rellung fehr junger Kräfte im ^)aufe beS 
fpoteren ©JiniReriolrathS ©rueggemonn: 
Ä'örner’S „3:onp" unb „^ebwig" würben 
gegeben. 3” bem erRen Stüdfe fpielte ich 
einen ©^ohreiifnoben, ber in ber 3uJ»fthru= 
poufe nicht mehr weiR^wofehen werben fonnte, 
unb fo muRte ich als Schilbwoche in „^onp", 
um boS 2ocalcolorit gu retten, bem ©ublifum 
ben 5lnblicf eines holSRarrig epotifchen ©e= 
R^teS möglichR gut gu oerbergen fuchen. Sehr 
eifrig trieb ich fu ^obleng militärifche Stubien: 
auf Der ©rigabebibliothef im Schlöffe ho^l® 
ich mir friegSwiffenfi^aftliche Serfe; aUe 
muRten ober fchone ©läne unb harten hoben; 
eS war meine Sonne, bie 3lufRellung ber 
bunten ^ruppenquorreS auf biefen noch^ 
jufehen. ©efonberS bie Schlachten beS Reben: 
jährigen Kriegs fonnte id^ auSwenbig; baS 
Sonnegefühl, auf ber ©ibliothef, wo mi^ 
ber Oberfeuerwerfer oft allein lieR, alle bie 
©änbe mit bem blauen Umfd^lag unb ber 
heürothen ober bunfelrothen Etifette, einen 
nach onbem, h^i^ouSgugreifen unb burch: 
guftobern, fann ich noch nad^fühlen: ber 
5Duft biefer militärifchen ©ücherei hotte etwas 
überaus 5lnheimelnbeS für mich. 

®a mein ©ater R^ wieber wohler fühlte, 
lieR er Reh in bie actioe 3lrmee gurüefoerfeRen 
unb e8 würbe ihm in ber ©unbeSfeRung 
©faing eine ^IrtiÜeriecompagnie anoertraut, 
beren ^aferne am Xh^^rgarten lag. ^)ier in 
©faing höbe ich ^oS ©pmnoRum oon ber 
uiiterRen jtlaffe bis gur Sccunba abfoloirt. 
5:roR meiner bichterifchen ©ebenbefchäftigungen 
war ich ein ReiRiger Sd^üler, ber auch öfters 
©rämien erhielt. Oie ^oefie freilich erfüllte 
fchon bomalS mein 2ebeu gang. 3n ben 
unterRen .klaffen überfeRte iA bie gabeln beS 
©höbruS, bie ich bann bei öffentli^en ©rüfs 
ungen oortragen muRte: fpäter übertrug i^ 
eingelne ©fetamorphofen beS Ooib in beutfehe 
©eimoerfc. Oaneben bichtete ich in jeber 
Älaffe ein 3:rauerfpiel in 3omben; ich bcQonn 
mit ber ©omertragobie, einem „EaiuS ©rac: 
chuS" unb „Eatilina", wanbte mich bann, 
oon ©oethe’S „ 3 Pht 9 ^nie" angeregt, einem 


SS- 




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gricd^ifd^en ©agenfloff gu, bic^tete eine 2)rucf erfd^ien, natücUd^ auf 0ubfeription; 

pobamia"'; fpoter locfte mi(^ bie 'J^orblanbgs i^ erlebte aud^ mel^rere ^itifen, non benen 

tragöbie im ©rabbe’fd^en ©t^I; mein „(5e: einige mir ben energifd^ genug mujd^cn. 

rigo", bei rocitem ber befte meiner bamaligen Stugerbcm l^atte id^ bie „Sintigone" be§ @o= 

SBerfud^e, oon bem einige ©eenen in ben pl^ofleS in bcrfelbcn gorm überfept, loic 

Wain^er Unterl^altungSblattern oeröftentncl)t ©d^iDer bie „Sp^igenie in SluIiS" be§ ©uri= 

ronrben, mein ©d^onfpiel: „^ic 4)oppeI= pibe§. 

oänger“ roaten etjeugntffe freiet (Srpiibung. jn ÄönigSberg, roobtn mein Boter nad^ 
daneben btd^teie ic§ aud^ «'• ©poS m mer= SBertauf feineä ffeinen ©eft^t^umS mit mir 

unbäiBonjtg gutgesa^lten ©ejangen: „ 5 er= übergeftebelt loar, wibmete ic^ midb bem ©tu= 

bmanb (Sortej", m roeld^em mit jLor= bium ber ^ec^te, börte ^nflitutioncn unb ©an: 
quato Joffo roetteiterte. ®obet taS idf) oOe beften bei bem jebigen fReid^Sgerit^täptäri» 

©tuefe oon Woupai^, Sluffenbetg, 3 mmet= jenten ©imfon, mit bem id^ oudb (onft oiel 

mann, @robbe, •t'olm unb ben anbeira ba^ oerfe^rte unb in beffen ^aufe idb einige 3 «^re 

molä oiclgenonnlen SJromatitern, bic <Bd)nU fpöter mein juriftifd^eä ®octoreramen mad^te. 

ten btt 3 iingbeiit(d^en, ^»eineä, ©ugforoä, ©eSr anregtnb roirften auf midb bie Bor= 

aKunbt’^ SoubeS; befonbetä aber fc^roarmte lefnngeii oon £arl SRofenfranj, ben i^ eben= 

n^ für 3*fln Baut, beffen äRomone unb fgQg t)äufig befiiÄte unb auf leinen ©pajiet= 
motiftif^e ffierfe ic^ mit feltenem eitet bnr^^^ „öngen begleitete. ®ie Rolge baoon mar, 

ftubirte. ©ie ©dion^eitenber Of^einlanbji^aft gaft i(^ ein ge^arnifdbter Hegelianer mürbe 

in i^rer med^felnben ©ekm^tung entäueften „„„ £opf ,,, g.„| „„b bie nod^ in meinen 

m 4 ; fie Rotten mein Baturgeiubt geroedt befinbiidfien ffierfe fömmttii^e 

unb gtrabt ba§ fanb in 3*?« Boul 8 ©i^rif: ssänoe oon änfong biä ju enbe mit meinen 

©leifliftfiriiben oetfebeti, beroeifen iiir @e= 
©c^ilberung bdt t^utingifd^en unb franfifi^en ,iggt ^ bafe ii nidbt bloä bem Bornen nai 
Berge unb gluren, fflalber unb Batfe auf ganger j^egel’« mar. flKit Btoftffot 

bie anmutgige fnlieingegenb. ©imfon, bet ein H‘t 6 örtianet mor, geriet^ 

^cinc militärifd^en ©tubien maren im ic^ barüber öfters in lebhafte 5)cbattcn. 

ämifd|tn nid^t eingeWlaftn: nur maren fie eg „„ bomat« bie 3 eit bet politifi^en 
auä btt J^eorit me§r in bit Brayiä uber= ©emegung in Öftpteu§en. „®it oier 3 to= 

gegangen. 3 <| , begleitete bie liompagnie gen“ non 3 o^ann 3 ®tobp, bie ©loffen unb 

meines ©aterä bei je^t oielen Uebungen_unb Banbjtii^nungen oon ffialeStobe Ratten bie 

aWanootni unb batte mic^ ouef» bei bet ofler« jjugen pon gonj Beutfe^tonb ouf bie baltifi^e 

rcid^ifd^en (.Hawifon ongenettert, fobaß idß ©rooini gelenft. Hwotgl), feinet 

aueß mit ben ©eißtoden sut Uebuna ouäjog, anbienj bei tönig Äriebtid^ ffiilßelm IV. 

benn uß mor oieten Dffiiieten unb Äorpo= bortbin fam, mürbe alä ein großer ©änger 

taleii moßlbefannt. ein oiteubcnfeft mar cä bet greißeit gefeiert. Botiitlidß fonnte ein 

ur mi(ß, ol 8 mein ©ater muß jut ©4ieß= adßtjeßnjößriger ©tubent biefet ©egtifJerung, 

Übung mit natßÄoblenj noßm; bott auf bet non nielcßer ja oueß feßr gefeßte fieute, 

^artbaufe, beim Ba^tfißteßeii mit glußenben niie bit oftpteußif*cn ©tänbe, fuß ßinteißen 

ließen, nidbt mibetßeßen. M bitßlete meine 
ben 'DJorfttn in bie Sufte itiegen, fußlte itß ^gjebtr ber ©egenmort", bie olSbolb »mei 

mieß ganj ftiegtrifcß geßimmt, fdßon olä Mnftagen erlebten, unb bo aOe fflelt bomols 

©dßlaißtenbummlet, obf^on uß nur ein Wo« Q„f oftpreußen blidtte, pel biefet ©lief aueß 

itöoerbummler mar. auf mieß unb itß ßotte leibet feßr ftüß 

SO^iein 33 otcr no^m inbeg im 3 a^re 1839 Slnla^, mid^ für berühmt gu Italien, benn 

[einen Slbfd^icb unb jog in [eine b^imatlid^e alle bcutfd^en Blätter bc(prac^)cn meine @e= 

^rooinj Oftpreußen, roo er bei JÄaftenburg bießte. ÖamolS gab e§ nod^ Öenfur; ber 

Ticß ein ©üteßen faiifte. ©o fam id^ auS ^enfor roar ©d^ulratß SucaS, berfelbe, unter 

ben 9ißeinlanben in bie 9täf)e ber SJtafurifcßen beffen Slugen ic^ mein Slbiturientenejamen 

©een; icß befud^te ©ecunba unb ^rima beftanben ßatte unb ber mir beStjalb feßr 

beS (iJnmnafiumS unb maeßte im Jlaßre 1841 rooßlgefinnt raar. 2öir oerßanbelten gemütßs 

mein Slbiturientene^amen. 2 )a itß baS abs ließ bei einer ^affe Kaffee über bic einzelnen 

ftßriftlicße ^oeß befipe, fo fann itß (^ebießte; einige paffirten bic 6 cn[ur nießt 

mit gutem (^eroiffen fagen, baß e§ au 8 neß= unb mürben barauf als „^enfurflücßtlingc" 

menb günftig mar, befonberS maS Ocutfeß, in ber ©eßmeig gebrueft. ffiaS bie Oppoption 

?atein unb ^rangofifcß, ©efeßießte unb S}ta= unb bie politiftßc 2i)rif in Oftpreußen bamalS 

tßcmatif betraf, bem leßtcren gaeß mar oerlangtc, eine conßitutionclle Serfafjung, 
i^ ein STfitglieb ber auSerlefenen ©^aar, ber baS mürbe ßeute aueß oon ber ultraconfer^ 

in ^^traflunbcn bie Oiffcren 3 ial=‘ unb 3n= oatioen Partei als etmaS ©elbftocrßönblitßcS 

tegralrccßnung beigebraeßt mürbe. 3n meU angefeßen merben; boeß bamalS maeßte c 8 

nen üWußeßunben ftubirte itß bie ältere @e= böjeS ®(ut unb bie SSertreter biefer Slnfitßt 

ftßitßte OftpreußenS natß bem flaffiftßen SBcrfe mürben in Sltßt unb ißann getßan. ©o ers 

oon SoßttnneS 93oigt; bie Kämpfe ber Ors ging cS autß mir: icß geßorte bamalS ber 

benSritter unb ber alten ipreußen begeifterten iöurftßenjtßaft Sllbertina an, beren SD^itglics 

mitß JU einem Orama: „ 6 eofuS SJtontc, ber früßer Sulian ©tßmibt unb Sllbert ®ulf 

ber ipreußen §eerfürjt", meltßcS au^ im gemefen maren, jener ber Vertreter beS nütßters 


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4 


nen, pl^ilofopl^ifc^ gefc^ultcn SBerfianbeJ, biefcr au8 bcr allgemeinen Snitiotioe b^morging. 

ein ©enialitatgmenjcb, ber peb in ben ejtremften $ier gab eö nur eine 2lrt non 3nbicien= 

9^icbtungen gepel. Sluperbem toaren meine beweis; ba icb aber bie Slnfünbigung ber 

0tubiengenofien unb ®eno(fen ber Sllbertina 23orlcfung am febwargen 53rette bejorgt, fo 

^e^pig, ber (pater als Siterarbiporifer unb rogr icb natürli^ in bob^ni STtape oerbatbtig; 

©bnftfptcireinterpret fid^ einen tarnen ges man war frob, irgenb einen Slnbalt gu buben 

mad^t, oon ^eubeU, bcr fpatcre ©otfebafter in unb icb mürbe mit feebS 5lnberen nerurtbeilt 

S3ern, ^)obrccbt, (pater Oberbürgermeiper in unb mit bem consilium abeundi bebaebt. ®ie 

Berlin unb ginan^iniPer, unb auch tüchtige (JarcerPrafc, roclcbe ben Slnberen guerfannt 

^^ubliciften, mie S&altcr Piogge, ber (pater in roorben, erliep man mir auf @runb beS 

Sffiien eine JRoUe (pieltc. ©aleSrobe hielt ba^ Acugni((e8, roelcbeS ber Leiter bcS juripipben 

malS (eine öpcntlicben 33orle(ungen unb mar ©eminarS, ^rofc((or 0anio, mir auSgefteUt, 

auch bereit, ben 0tubenten eine (old^e gu benn icb butte (oeben für meine Arbeit über 

bultcn. (5S mürbe bicS am (cbmargen 93rett bie Condictio causa data causa non secuta 

angefcblagen unb icb, ber icb ^il ^em 33or= ben erften ^reiS erbalten, 

lefer ndber befannt mar, butte biefc ®cfannt= (5iner meiner naebPen Sreuube in ÄonigSs 
muebung beforgt. 5)cr ^rorector, ^rofc((or berg mar SBilbelm Soroan geworben: er 

0dbubcrt, oerbot biefe Sorlcfung; in golge mar aOerbingS (cbon ^octor ber ^bi^ofophie, 

beffen befcbloffen ßanbSmannf^uftcr unb mäbrenb icb noch junger 0tubent mar; auch 

5öur(cben(cbafter, ibm bafür ein '^^creat gu mar er ^anoSmonnfebafter, Üittbauer, gemefen 

bringen. ^)ic überroiegenbe ü)^cbrbeit ber unb icb war 53urfcbenfcbafter. S)ocb mir roa= 

0tubcntcn(cbuft betbeiligte ficb babei. 5Dic ren ®cibe junge frcigeijtigc Siebter unb baS 

SluSfübrung mar eine moblgelungene, benn führte unS g^ufammen. butte bamalS 
bie J^apenmufif mit ?cierfoften, ^^feifen, ger= „(^locfe unb Äunonc" erfebeinen luffen: „3^- 

bro^enen Xöpfen liep nichts gu münfeben bifdjc “'j^buntafiecn" folgten, welche oie Sebren 

übrig. ®ie Unterfuebung butte eine fcbmic= ber ^cgcrjcbcn ^b^oiophic in poetifeber gorm 

rige 5lufgabe, benn fie fonntc boeb nicht oertruten. 3lucb bic ?Rcigung für baS fi’bombres 

einige ^unbert ©tubenten beprafen; bic (piel unb bie 'PrujiS beficlbeii führten unS 

D^obelSfübrer aber waren (ehr febmer gu cr= gufammen. 

mittein bei einem Unternehmen, baS glcicbfam (gortfepung folgt.) 


Puellae innuptae. 


@S tfl ein 9lprtftag im ©üben, 

6in Jag, gor füg ju oerträumen, 
®ic Slütben, bic roeipen, müben, 
©leiten fliU oon ben ®äumen. 

®aS roiU mich an §ergen gemahnen, 
®ic in bcr SKitten 

©(hieben oon ©rbenbuhnen, 

@h’ Pc geliebt unb gelitten, 

®aS mahnt mich un greubcnlefen, 
5llS Sug^nb unb §immel einft offen, 
9ln Jräume, bic grop geroefen 
Unb nun oerfunfen ohn* hoffen. 


Än erper Siebe ©dbaucr, 

S)ie uns buS ^erg geroenbet 
3u ©Ott, unb bo^ in Jruuer 
©0 früh, fo geenbet — 

Jic 33lüthcn, bic unS lachten, 

®ic ein grühling ermeeft unb genommen, 
@h' Pc (SrfüUung brachten, 

©inb nicht oergebenS gefommen. 

Domit uns ein ©chnfuchtSfchimmcr 
35erflärt hub’ Seben unb Sieben, 

Unb meil am (ügeften immer, 

3BaS unerreicht geblieben. 


Sin SlUeS, roaS einft mit ©chimmer ^iep ©ott oorbei pc fchmeben, 
S)aS Seben burchPrublt unb oerhüllet, ®ie ©cheibeftunbe oerfrüheub. 
Sin SlUeS, louS Icuchtcnb immer Um einjlt im befferen Seben 

Unb hoch blieb unerfüUet, ©ic unS gurüefgugeben 

Stein, eroig blühenb. 

yring f mir gu 


^^ 



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5 


c^Swifl 

(Sroig bicfcIBc bleibt Siebe, 

MUetn SEBec^fel entl^obcn, 

SBäre rool^I, menn fie’ä nic^t bliebe, 
Siebe geuer oon oben? 


5iefef5e. 

®otte§ §crjcn entfprungen, 
fionn fic niemals oerlobem, 

9Rag auc^, nom ®rabe aerfc^lungen, 
2BaS an unS fterblid^, nermobern. 

_ Sttdii# ^inxtiu 


'^asco 5e ^ama. 

I. 

9^6’ cuc^, bie auf biefer ©ellenflur 
i)ie crjlen roagcfrol^cn Segler maren, 

SRic^t länger folg’ id^ eurer fiebern Spur! 

®aS Äap ber guten Hoffnung ifi umfahren. 

Unb gute Hoffnung, bie mic^ l^olb umflog 
SiS ^eut, pc foö aud^ fürber mic^ geleiten, 

®enn Seiner, ben bcS OftenS ä^g, 

Drang tiefer in bie rätl^felooHcn fficiten. — 

Da ragt eS auf, baS nadfte S^lfenriff, 

Der Pfeiler, oon Orfanen roilb gergei^clt. 

Den cinft baS erfte ^ortugiefenf^iff 
9llS ®rcnjmal aufgerid^tet unb bcmcigelt. 

3cl^n finb’S, feit i^n ber SRcgcn flrcic^t 

Unb SBcUcn gierig feinen gug ummü^len, — 

Unb l^aben all’ bie Iropfen l^ingereic^t. 

Um Dias’ blut’ge Jl^ränen roegjufpülen? 

§ier lag er in SSerjroeiflung auf ben Änien, 

Die 3lrme um bie SEBappenfäule flammernb. 

Die bleichen gal^rtgenoffen riefen il^n 

3Rit angfloerroormem Drol^n, — ba fc^rie er jammemb: 

„SRur einen Jag, nur einen einj’gen Jag 
Sa^t mid^ baS Steuer nod^ nac^ Often richten, 

Unb wenn id^’S bann nod^ immer nid^t oermag 

®en SRorb ju menben, — mo^l, ic^ miU oerjic^ten!" — 

Sie aber tobten: „Seine Stunbe mel^r! 

35BaS mir gefud^t, @ott roiU eS unS nid^t geben, 

Unb immer näl^er roanbelt um un^ ^er 
f Der graufe Job, — mir aber motten leben!" — 

Sie motten leben! — Sei eS benn barum! 

©r bügt eS mit bem feineS SebenS; — 

9ln 33orb! an 33orb! bie Siele menben um, 

Unb maS er tl^at unb fann, — eS mar oergebenS! 


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6 


IS-58 

9^cin, nein, o eblcr ®ia8! 5Rie nerpegt 
®cin SRu^mcSqucII im SBc^felbilb ber 
S)u roiefeft unö, maS bunfcl por un§ liegt, 

Unb beine ^fabc pnb cä, bic mir fc^rciten. 

9Sor @ott unb oor mir fclbft befenn' id^ (per, 

®o ^^ödcnqual bein tapfres §crj jerriffen: 

5(n ^'^elbcnmutl) roarb mir nicl)t me^r, benn bir, — 

Cb me^r an ®(ücf? — ber ^immcl mag eS roiffen! 


11. 

©litjfeiicr gtül^n, baS milbe 9Kecr erfrac^t 
Unb bäumt-peb in erbarmungSlofem Spotte, 

®ie britte ]d;on, bie fürcbtcrlicbpe Dtoebt 
C)räut ptbern £ob ber ^'ortugiefenpotte. 

Äviftaßne 3Bänbe tbürmen pcb empor, 

Sie meipen givPc fteigen, jittern, faden, 

Unb auS bem berPenben @cmog’ 

Ertönt eS in beS Rimmels Sonnerfebaden: 

„3urü(f, jurücf, oermegne dKenfebenbrut! 

3br flcuug geroagt, genug gefeben! 

Ser 2ße(ten SRicgcl pnb in unfrer ^^ut, — 

SBäbnt ibr, pe fönuten cueb nicht roiberPeben?" — 

9Sie taufenb riefenbafte g-äupe bricbt’S 
C'on öden ©eiten jornig auS ben ®eden: 

„3uvücf, jurücf! ffiääbnt ibr, eS gäbe nichts, 

9(n bem pcb SHenfebenmide mag jerfebeden?" — 

i)2a(b OP gemanbt ben tobeSmutb’gen ©lief, * 

©telp ®amo bo^b^ ©teuer fePgebunben: 

„3lebt ober nie erfüdt pcb mein ®cfcbicf, 

$err, hilf i»i biefen lebten ^vüfungSPunben!" 

Unb aus ber 23olfcnbüde freifebt ber ©türm 
3Jtit febvidem ^obn bic ^Intmort ibm entgegen: 

„2ßcnn nicht bie ©ebiffe, mid id), ©rbenraurm. 

Sie Seiber ^um erfebnten ©tranbe fegen!" 

„$err, b'^ unS", betet ®ama, „hilf unS nun! 

Sn gabp bie 6rbe beinen 3J^enfd)cnfinbern, 

Unb menn pc b'^^ uicbt rapen unb nicht rubn, 

©ermag eS beine SJtajePät ju minbern? ^ 

3d) geijc nicht nach eitler Sanb, 

Sa9 ©pätre meines ©iegeS grüebte erben, 

®ieb mir ben SBedenpfab ^um 3}iorgcnlQnb, 

Unb menn ich ib» gefunben, lap mich Perben!" 

SS-S8 


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7 


S-0 

S)a leuc^tcfä auf im Oft! ©in fc^road^cr Schein 
Ourc^glü^t am fernen §orijont ba§ ®unfel, 

Unb in bie Söafferfämme fpielt l^inein 
®e§ üRorgenrotl^S ncrl^ei§enbe§ (Sefunfel. 

®ie SBoIfen fliel^n, bie gotbne ©onne fteigt 
Unb trönft baS 9111 mit lebenöroarmen ©lutl^en, 
tagt, eS tagt! ber l^ol^le ©turmminb fc^meigt 
Unb l^offnungSfarbig fc^immert'S in ben glutl^en. 

ift fein SBal^n! — (Sin einj’ger ^ubetfe^rei 
©emaltig bonnernb fc^aUt non allen 33orben: 

„triumpl^! Sriump^! ba3 3Kcer im Oft ift frei, 

Unb fel^t! bie Äüfle menbet gen SRorben!" 

©ie brängen nor, f'c preffen ftc^ bie $anb, 

©ie füffen fic^ mit S^rSnen unb mit Sachen, — 

SRur @ama, nod^ am ©teuer feftgebannt, 

©tel^t mortloä, roic in feligem ©rroac^cn. 

SBofür 3a]^rl^unberte in federn ©piel 
Umfonjl gefömpft mit fel^nfuc^tl^eijem 9ll^nen, 

6ö ift erpegt! 35er biente ©c^teier pel, 

Unb frei 3 um @angeS finb bie äSafferbal^nen! 

_ y«iif $arfod. 

ibaialb jbatfagei. 

®a fprad^ Äönig $aralb (§arfager jubenannt): 

„SBigt benn, ic^ l^ab' einen 33oten an SRpnl^ilb au§gefanbt, 

^n Sftpnl^ilb, SSlaatanb’ö loc^ter. Unb ^iel^ct fie morgen ein, 

Unter meinen grauen allen foH fortan auc^ SRpn^itbe fein." 

©0 fprac^ ßönig ^aralb. Unb auf unb ab im ©aal 
3m ©c^loffe gu 35rammen fagen bie ©ropen adgumat, 

Unb bajmifeben in tac^enber 3ugenb unb roie fiinber angufc^aun, 

©apen blonb unb ftolg unb glüdlic^ §aralb §arfager’8 neununbgmangig graun. 

Unb als ber fiönig gefproc^en, 9llIeS pü^erte leiS. 

9lber plö^lid^ fc^n)ieg i^r glüftern; Olaf S^urefon trat in ben ÄreiS, 

Olaf l:^urcfon, §aralb’S 93ote. ®or ben Äönig tritt er unb fprid^t: 
bringe SRpnl^ilbenS 9lntn)ort, SRpnl^ilben aber bring id^ nid^t. 

SRoffilbe, mic^ gu l^ören bereit, 

©tanb pe, ben Steifen im ©otb^aar, an Äönig ®taatanb’S ©eit’, 

Sängp mar i§r ^unbe gefommen, um mePentmill’ ic^ fam, 

Unb pe fpra4/ biemeit pe bie ©pange mie fpielenb oon il^rem 9trme na^m: 

„„Äönig §aralb ip §err über Stormeg, über StormegS grauen auc^, 

®er (Suer iBraud^ in Grammen iP nic^t in Stoffilbe 33raud^, 

Unb liebt’ i(^ i^n, mie ic^ il^n l^aPe, meine Siebe ^ätte nid^t (Sir, 

©in §erge mill Stpnl^ilbe, nic^t eine« §ergen8 breipigPen Il^eil."" 

IS-a 


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8 


«-fS 

Olaf Sl^urcfon fprac^’§. Unb roic greubc jucffö um bic Sippe ber graun, 

2(bcr rotl^ auf ^aratb’ö ©tirnc roar ba§ 3otnc§maal ju fc^oun, 

@r rief: „Unb merben nic^t Sßortc, fo roerbe benn bo§ ®^rocrt, 

9^oc^ nie l^at Äönig §oralb ein Äönigäfinb umfonfl begehrt." 

Unb er ftieg ^inob ^um ©tvonbe. ©egelfertig ©(biff um ©c^iff: 

3tm erften Soge oorüber an ©fagenS ^orn unb SRiff, 

5lm 3 n)eiten: ^ebcl unb roinbftill, aUc ©egel fd^laff unb matt, 

3tber fteb, mit SRuberf(btage ge^t e§ fübermärtS in ba§ Äattegott. 

Unb am britten Sag ein SBinbflog unb jerriffen bie SRebclfcbtei’r 
Unb om blauen §immcl bie ©onne. „Oie ©onne, bie febieft un§ grej’r, 
grej’r miH ben 3öeg unS jeigen" . . . Unter äBaffenflirren an ®orb 
Unb bei Äriegcsbömerblafen läuft §arolb ein in SRoffilbe^gjorb. 

$ocb oben ober am ©aaltbor ouf ber Ireppe oon 9toffilb', 

3n Stube flebt Äönig S3laotanb unb neben ibm Stpnbilb’, 

Unb fie ^äblen bie 9torblanb§f(biffe, ©egel faft, 

Unb am S3ug ftebt Äönig ^arolb. Äriegöroimpel flattern b^cb am SDtaft. 

Ärieg bringt er. 9lber plö^licb . . . mag ifl eg, bag ©anbei febuf? 

©g febmeigt bog ©affenflirren, eg f(bmeigt ber ©cblocbtenruf, 

®g f(bmeigt ber §örner ®lafen, — nur ©pmbeln unb ©cbolmein, 

„§arolb fommt, ni(bt um ju feebten, §aralb fommt, um minniglicb ju frein." 

Unb fteb, ©tufen fteigt er unb beugt fein Änie: 

„Äönig SSloatonb, Oeine locbter, in Oemutb merb' icb um fic; 

Weinen ©tolg b^i begroungen. Unb meiner Ärone ©lang 

3l(b miH ibn tbcilen mit Stgnbilb. 9lber mein §crg befttjt fte gang." . 

^oniane« 


f P ä 6 n e. 

Oie Wenge fennt nur bie gemeine Sfotb, 

Oie gcift'gen ®üter überläßt fie 
©ie leicbt ift gu regieren pe! ®ebt ®rob — 
Unb aller greibeitöbrang gebt Praefg oerloren. 
3b^ fönnt an SReebt unb ©itte euch oergreifen 
Unb ©ibe breeben, bie ibr jüngft geftbmoren, 
gür ©uff fönnt ©urc geinbe ibr erfäufen, 
gür ©roten pe alg §ej’ unb Äet^cr febmoren; 
Oodb bie ©efebiebte mirb, bag merft biebei, 
gür immer foltbc regipriren 

©tetg mit Stobegpicrre'g Sobegjcbrei: 

„Oie ©(bufte triumpbiren!" 


fiS--^-ä 


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9 


^pxi^woxt - f 

®on SSötfem fpvid^t mau oft genug, 
äßic in bcm ©pvic^mort oon bcm Ävug 
Unb fönnte bcr roic jene fagcn: 
ge^c nid^t, ic^ roerb’ getragen. 

JittiengmOer. 


Jn 5er Jifaufe. 

„O fönnt' ic^ boc^ nur einmal, einmal no^ 

©eniegen einen 5lugenblicf be§ @lücfö! 

9^ocl^ einmal einen lag gefunb unb frö^lid) 

^uf blü^nben ^uen fd^roeifen einen lag lang, 

J^ur einen einj’gcn blauen ©ommertag 

3)ie 3Belt burebmanbern, 9)tenfc^ fein unter TOenfc^cn, 

9toc^ einmal in ein liebenb 9luge bliefen, 

3toc^ einen 3^9 SJonnebec^er 

I)e§ 2eben§, ober minbeftenS boc^ leiblo§ 

Verbringen einen lag — mit ruhigem 
Sel^agcn einen lag, mie anbre TOenfc^en, 

®en Obern in mic^ ^iel^n be§ 2let^er^aud^§! — 

®oc^ bann? 3öa§ bann, roenn jener ©lüdfämoment, 
glü(|tig loic aß’ bic irbifc^en TOomente, 

9tun burd^genoffen roär’ unb ^ingeft^rounben, 

©rlofd^en roie ein ©tra^l, um ju machen 
$er alten Oüfterni^? 3[i>a§ ^ätt’ ic^ bran? 

Vorbei mär’ er, oorbei roie all’ bie anbern, 

®ie ©onnenblicfe bcö oergangnen üebenS. 

Vereic^ert mär’ bie lange bunte Steife 
Von fc^önen freunblid^en ©rinnerungen 
Um eine — ba§ mär’ 9lße§. Ob fte länger, 
fiürjer, bic $crlenfd}nur, um eine ^crlc, 

2Ba§ liegt baran? 9tein, lieber gar nic^t miß ic^’ö, 

®a§ @lüdf be^ 9lugcnblirf§! Stimm beinen gortgang, 

O Seben, löic mir’^ ba§ ©efd^idf bcfc^iebenl 
®ie mad^en anfprud^öooß ben SDtcnfc^cn, 

‘Oa^ er jule^t nur noch ein @lüdf begel^rt, 

®a§ nic^t blo6 mc^rt bie ©umme be§ oergangnen, 

®aö blü^t in croig ^olber ©egenioart, 

®a§ fi^ erneut, aßtäglid^ unb aßftünblid^, 

Unb einen milben @lanj in fc^önem ©leicbma^ 

Verbreitet um ein ganjeö Grbcnbafcin, 

JBär’S auch beö Sobc§ ooß" . . . 

©0 in ber Älaufc fann ber fiec^e Älauöncr. 

JloOeri j>atiierfing« 


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10 


'§Rcin $e6et 

®u lüü^tcfl gern, ob mir ber ©taube felgte, 

Ob icb oerteugne ®otte§ SKajeftät, 

Unb ob fid^ nie erfcbliege meine Seele 
9Sor einem ^ö^ren 3Befen im ©ebet? 

5ll§ ic^, ein fiinb no^, burd^ bie SEBälber ftreifte, 

$alb unbemugt oereint mit ber Statur, 

®or meinem 5lug’ bie grud^t am Saume reifte, 

Unb iebe§ Stott emponoud^S in ber glur, 

2)a mürben jene roei^eootlen Stunben, 

2Bo id^, oon fü§cm @el;nfuc^t§brang burd^roel^t, 

©in unbegreiflich tiefeS ©lücf empfunben, 
gür meine fiinbeäfeele jum ©ebet. 

Siel fpäter, ba bie Änabenjeit oerflogen, 

3ft mir ein ©ben in ber Äuuft erblüht. 

Sie niich oft um meinen Sebmerj betrogen, 

Serfenft in SBonnetaumel mein ©emüth- 

SBenn bann, umbrauft oon hintmlifchen 5lccorben, 

3u märchenhaftem ©lücf mein ©eift geräth, 

®e§ Sebenä Oualen ihm jum Jraum geroorben, 

5)urdhbebt mein ganjeS Sein ein fhimm’ ©ebet. 

Unb al§ idh bich jum erften 9Kal erbtiefte, 

5)ein 5lnblicf ooü unb roarm in’g §erj mir brang, 

Unb e§ mit rounberfamen £roft erquiefte, 

9ll§ mir jum erften 9Jtat bein SBort erUang, 

®a roar’S, al§ ob mein Seben finoSpen triebe, 

3ldh fühlte, ma§ mein Slidf bir oft gefleht, 

S)ag bu mein ©lücf, mein Schmerj — ba§ ich 
?luch bie§ ©mpfinben ift für mich — ©ebet. 

_ Jtbofph ^anbesmanit« 


cianflenfalja- 

(27. Sunt 1866.) 

®er blinbe ßonig halt int ßorn, 

3m roinbburdbmallten, h^h^n; 

©§ fämpfen bie ^ecre in hellem 3ont, 

®cr Schlachtruf tönet, e§ fchmettert ba§ ^)orn, 
Unb töbtliche Sli^e lohen. 

Oer Äönig taufcht bem roirren Schall, 

Oen lauten ©ommanborufen, 

Oie fierchen entfliehn oor bem OonnerhaU, 

Oie Stumen, bie rothen unb blauen, finb all' 
3crtreten oon SRoffe^hnfen. 


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11 




i^SWein Sol^n, fag* an: mit ftc^t bic ©c^tac^t? 

©icgcn roir ober erliegen?" 

„^9tnftürmen bie SReiter, bie unfern, mit 3Rac^t, 
@S Bliljen bie ©c^roerter, ber ^)arnif(^ frac^t, 
9Rein Satcr, mir fiegen, mir fiegen!"" 

5)a fpielt ein lichter greubenftra^l 
Um’§ 3lug\ um’ö fterncnlofe, 

I)ie SBange glü^t, bic füngft noc^ fal^l, 

Unb n)ic SRufif tönt il^m im £l^al 
®aö roilbc Äampfgetofe. 

O Äönig, fürchte beö ©d^icffalö §o^n! 

@in ^at bic^ betrogen; 

3Bol^l fiegft bu ^eute, boc^ morgen fc^on 
3lrrt\ bu als £^ron, 

Sift rings oon geinben urajogen. 

33on Äönig 3lo^önn, bem ßaiferfprog, 

Dem blinben, roo^l l^örteft bu fiunbe; 

6r lieg binben auf'S l^o^e SRog, 

©tob mut^ig in rafenber geinbe Xrog 
Unb fu(^tc bic lobeSrounbc. ♦) 

Die taufcnbiäl^rigc §crrlid^fcit 

Der JBelfcn, nun brid^t pc in ©d^erben; 
aSerbanne bic $opnung fern unb loeit, 

3Birf, mie ^ol^ann, bi^ in ben ©treit 
Unb Pirb, roic gelben Perben. 


*) 0ci C^TCQl) 1346. 


antti mftt. 


<^ei5|tii)tn5. 


Durc^ fa^lbelaubte SSäumc 
9Rit mübem £on ber §crbPn)inb pngt, 
Die fcl^nfuc^tbange 2Bcifc Hingt 
Des SRad^tS in meine iräume: 

„2lc^, alle SSlumcnbüftc, 

Das garbenfpiel ber SRofen^cit, 

Die ganje ©onnenfeligfeit 
3crPoben in bic Süftc! 

33crPummt ip ©(^erj unb Äofen. 

Die mir geblül^t in tiefPer Srup, 

Das alte £eib, bie alte 2uP, 

©ie Parben mit ben SRofen. 


SRun roill fein ©tern mc^r fd^cinen. 
Der §immcl trüb unb roolfenfc^mcr, 
Das ^aupt fo müb*, boS aiugc leer, - 
^ab ocrlernt baS JBeinen! 

Unb roenn bic ©e^nfuc^tSlicbcr 
Der -Rac^troinb auf ben gluren pngt, 
3n meinem §crjen ^allt unb Hingt 
©ein traumhaft SRaufc^cn roiber. 

©r feufjt in ^)ain unb ^)agc, 

®r pngt in Pcrncnlofer 92ac^t, 

9}om @eip ber ©eiten fclbp erbad^t. 
Des ©ommerS DobtenHage. 

_ tfUr« SBUer. 


& 


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12 




Poppeße '^eiipanbtfctafi 

5 )ur(^ Slutäs unb SBal^locrroanbtjc^aft fcfl ocrbunbcn, 
^at cinö bc§ anbcrn licbcnb ftct§ gcbac^t. 

®u, Sc^rocftcr, roarft mein Stern in bunftcr S^ac^t; 
®ruber l^atteft bu ben greunb gcfuuben. 

SÖQö icb nur ®ute^, Sd^öncS mod^f erfunben, 

^abc atlcö trcuHc^ bir gebracht. 

®a marb gelernt, gef^roärmt, gefc^erjt, gclad^t — 
Unb fo oergingen un§ bie l^olben Stunben. 

2 )aö ift ni(^t me^r. Sängfl trennte unS baö £ebcn; 

hinein mu§ tragen icl^ fo ®(ücf roic Üeib! 

S)od^ n)Q§ ic^ fei^affen mag unb maS erftreben, 

f(^aut bein Sluge Flar ^u jeber 
3 n meiner Seele ticfge^cimfteö $Bcben. 

3 Wein ®id^tcn, Denfcn — bir bleibt e§ gemeint. 

_ ^riebri<9 


'^nfei’m '^aföttnbelßaum- 

( 2 llt = ÜJtärfifc^.) 

Unter’m 3 Kad)anbelbaum 
Sa ift ein ^]>la(j — 

Sufala bufala — 

Sa fi^t mein 

Sii^t auf bem grünen @raö, 

Si^t auf bem grünen ^lee — 

„^aft ja bie klugen nag, 

Sift ja mic 9 }Ulcb unb Schnee — 

Sufala bufala 
2 ffio t^ufö benn roel^?" 

„^ommft bu fo fpät jurücf? 
i}hin ift'ö ju fpät füfs ®lücf. 

^ruß von SKifbenOrud). 


Äenne bic^ gar nid^t mel^r, 

ÜKir ift baö §er|i oerquer — 
Sufala bufala 
ffiollt’, tobt ic^ mörM" 

,,Scbn)ar 3 ift ba§ ®rabelod^, 
i^eb’ boc^ ein SBeild^en nod^, 
aSJarf noc^ bis Sanct Äat^rein, 
Sa roill i^ um bid^ frci’n, 
äöart' noc^ bis Sanct 9 Rartein, 
Sa foü bie ^) 0 (^jeit fein — 
Sufala bufala 
®ieb bid^ barein." 


§ p I u d). 

SaS fc^ioerftc Seib l^ab’ i(^ in fliUen Stunben, 
5 lm beften ftetS mit mir allein oeriounben, 

Soc^ fam baS ®lücf, mir fro^e 2 uft ju beuen, 
33 raucl)t' ic^ ®cnoffen, um mi^ rec^t ju freuen. 


^eorg f bers. 


St 


JS 


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13 


cS c ß c n. 


Pas 

®eflog' nid^t bc§ Scbcnö Äürjc : 
©ic ijl feine befte SBur^e. 

Sie treibt un§ frül^ ju ftveben, 

(Sö rourbig ju bur^leben. 

®aö @(ü(f immer eilig, 

Äcin ^Itcr ift i^m ^cilig. 

Stur Unglücf jäl^U nad^ Sauren, 


35Bcnn mir jur ®rube fal^ren. 
Unb roic fu^ auc^ MeS roenbe: 
(S^ fü^rt ju ruhigem 6nbe . . . 
Söaö unö ba§ ®lücf befeuert, 
Un§ Unglücf nimmt im Beben: 

^at feinen anbern SBert^, 
Sllö ben mir fclbfl il^m geben. 


^riebrid) Stoben^ebt« 


§ommei in ^oiicnt. 


®ie Sage öH* in leuc^tenbem ©lau, 
SJtit immer flammenber ©onne, — 

©ie gleichen fid^ einanber genau 
3n glü^enber I)afcin§monnc; 

©ic gleichen fid^ mit ber ftiUcn 
J)ie faum eine SJellc träufelt, 

SJtit purpurn finfenber Slbcnbglutl^, 

®ie feiten ein §aud^ burd^fäufelt. 

©ic gleichen fic^ mit bem fd^roülen ®uft 
S)cr Oleanbcr in ®lüt^en, 
üBit flimmernb fengenber SJtittagöluft, 
darinnen bic ®affcn brüten; 

2Kit träger SRul^e, in bie gebannt 
®a§ Beben fc^lummert bei £agc, 
©orbettofc^lürfen Slbenbö am ©tranb 
Unb näc^t’ger SKoSfito^Page. 

Som geuerberge ber blaue SRaud^ 

©teigt auf in bie Slet^errcinc, 

Unb Stad^tö roetteifert fein glammcn^auc^ 
üJtit fprü^enbem ©ternenfc^cine. 

Steapcl grügt um bie ®ämmcr^eit 
3n tanjenbem Bic^tgcfunfel, 
ffienn jur ®uitarrc i^r Biebc§leib 
Die ©urfeben fingen in’§ ®unfcl. 


3ln blenbcnber ^eHe glänjt bie ©eit, 
®ie ©lätter ber ©äume bleichen, 

®cr SRebftoef roelft unb e§ borrt ba§ gelb, 
®leid^förmige SGBod^en fd^leid^en. 

O, fließe fd^auernber 32inb^aud^ nur 
®in einzig SJtal burc^ bie ©lätter 
Unb jög' am ^immcl bic gcüerfpur 
3Jtit ®onncr unb ©liij ein ®etter! 

O, fü^rc praffclnber §agelfc^lag 
^)erab auf brennenbe §albc, 

Unb bürft' id^ at^men nur einen ?:ag 
3m l^cimifd^en ©ud^enmalbc! 

3luf §aupt unb ®liebern lafict e§ fd^roül, 
3u fd^ön, ju ^cH ifi baS Beben; 

@in norbifc^er §aud^ nur, frifc^ unb fü^l, 
®r fönnte ©rquiefung geben. 

O, toftc nur einmal roilb bic ©ec, 

Unb leeften herauf bic ©Jcücn, 

roürb’ in ber ©ruft bie§ öbe 3 Be^ 
32 ie fc^äumenbe glutl^ jerfc^eüen. 

SKir ift ber ©onnc ju oiel, ju oici, — 
roinfen grünenbe üKatten 
®em Icc^jenbcn ©inn als lodPcnb* ^icl 
Unb büfterer Söalbcäfd^atten. 



@in ©ommer, ber auc^ ju roettern meig, 

(Sr frommte bem ©onnenmüben, 
gür ©türm unb Stegen gäbe ic^ preis 
®ie glü^nbc ffionne im ©üben! 

_ jtonrab f efmaittt« 


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14 


K-^-5;^ 

Jrittneiunfl 

9^o(^ flüftcrn mir bic ©irfcnroälbcr, 

®ic id^ auf Sc^rocbcnö giur gcfc^aut, 

9^od^ fcl^ ic^ feine grünen gelber — 

3J?it tQufenb perlen üDert^aut. 

Unb benfe ic^ nergangncr ^tiitn 
Unb il^rer greuben, i^re^ 2öe^ö, 

S)ann fe^ ic^ ftill unb friebli^ gleiten 
®ie Flare glut^ be§ aJtälarfeeS. 

Unb alö ic^ einfam unb uerlaffen 
3n monber^ellter ©ommernad^t 
3og burd^ Upfalaö fülle ©affen, 

§a6 feinet ^)elben \6) gebadet, 

®er beirre ©c^la^ten einft gefd^lagen, 

9Bie Dor unb nac^ i^m deiner je, 

§cll ftral;lt bein 3tu^m in allen lagen, 

®u gottbegnabeter ünne. 

®ann roicber bac^f id^ jener tage, 

®ie in ©todPlplm ic^ jugebrad^t, 

Unb fa^, mic au§ bem ©arfopl^age 
®id^ Äarl erl^ob um 3JFittcrnad;t, 

2Bte er, ein SRittcr uielberounbert, 

25or meinem 5lug’ oorübcrglitt, 

Unb burc^ ba§ ^aunenbe ^^'^^^unbert 
3n feiner ©partergrö^e fc^ritt. 

- <j»eiitri<9 Jelfe. 

benäe bein. 

®er Gic^roalb träumt, mittag^fc^roülem ©(^meigen 
SRu^t ring§ bie ffielt, oom ©onnengolb burc^glü^t; 

Äein Söinb^aud^ roedPt bie Sögel in ben 
©ie fd)licfcn ein, be§ müb\ — 

^uc^ ic^ träumenb auf bemooftem ©tein, 

Unb benfe bein. — 

Unb fd^emen^ft au§ bunflcn ffieil^crö tiefe 
©teigt Dor mir auf bein licbeö ^ngcfic^t; 

5üar'§ nic^t, al^ ob bein 3}funb mic^ fd^mcic^elnb riefe? 

Sernal^m ic^ beine leifen ©d^ritte niÄt? 

SergebenS, a(^, fd^au ic^ be§ 2Beg§ ba^er, 
tu fommft ni(^t me^r. — 

Som SRofenbufc^ fällt Slüt^' um Slütl^c nieber 
I Unb melft unb fürbt, nur tornen beut er mir. 

Sorber! — tic Sfofenjeit feiert nic^t me^r micber, 
j ©ie ging bal^in, unb bu, bu gingft mit il^r; 

Sffun ic^ einfam auf bemooftem ©tein, 

Unb benfe bein. — 

_ Jintttt 90i%U 

IK-«i 


n $(^ii)e5en. 

3e(jt ru^t ber §elb in enger tru^e, 
ter fämpfenb flog oon Janb ^u fianb, 
Dtac^ feigen ©c^lac^tcn fanb er SRul^e 
^n feiner Oftfee fü^lem ©tranb. 

Unb über i^m toe^n ftol^c gal^nen, 
©etränft mit feiner ©ebroeben ©lut, 
^^ier iff§, roo neben feinen Sinnen 
ter jroölfte Äarl jetjt frieblicb ru^t. 

tann trug ein tampfer mich im fc^nellen 
glug, roeftroärtä riebtenb feinen Sauf, 
Unb frieblicb nahmen mich bie SBellen 
teö SBenemfecö, be3 ftoljen, auf, 

©i^ be§ troUb^tta^ roilbeS Stollen 
9luö roeiter gerne bumpf erflang, 
ter bonnernb oon granitnen ©tollen 
Sauttofenb in ben ^bgrunb fprang. 

©0 taueben ©ilber ftet§ auf ©Uber 
^u§ alter, längftoergangner 3^^t 
Sor meinem ^ug’ empor, in roilber, 

3« nie geahnter §errliebfcit. 

O fönnü i(b einmal nur noeb fahren 
33eit bureh be^ 9torblanb§ ftolje glur, 
2Bie ieh bereinft oor langen ^^h^^^n 
©ntjüeh bureh ©ehroebenä ©auen fuhr! 


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15 


%oih unb f ttb. 

©inb nic^t bic bcutfc^cn Gid^cn Unb füllt btc beutfd)c Jrcuc — 

@0 grün am Sfarftranb, ^cin prunfenb leeret SBort — 

5Bic an ber Oftmarf ^cid^cn ®a§ ^erj mit l^cK'gcv ©d^eue 

Unb an ber SUpen SBanb? ©üben nic^t, roic 9tovb? 

GrUingt am ®üncnfanbc ®rum fort mit bem ©ebanfen, 

SWic^t i^cH ba§ bcutf^c Sieb, S)cr S)cutfd^c oft getrennt, 

©0 mit am S^eeforftranbe, Ob man un§ ^reugen, granfen, 

3lnt SRorben roic im ©üb? Ob ©ad^fen, Saiern nennt. 

Oie bcutfd^en ®anncr, melden „Gin ^)irt unb eine ^eerbe, 

©ie nic^t fo ftotj am SRl^ein, Gin ®oIf in 2Baff unb 2Bc^r", 

Ueber bcö ©d^roarjroalbö ©eecn, ©o fc^aüfö, roo bcutfd^c Grbc, 

Jßie über Gm§ unb üJ^ain? ©o brauft’ö oon gelö ju 2J?ccr. 

_ ^uniljer Staffing. 


'Margret. 

po9f mtt mein peg }n S9^fe. 

ffiol^t fül^rt mein ®eg ju S^ale Oer 9?a(^troinb regt leife, 

Unb SIbenb roarb’S im Sanb, Soc^ ^ört mein O^r allein 

Ooc^ bleibt mein ©lief bem ©tral^lc Oie tröftli^ ^olbc 9Beife: 

Oc§ üic^tcö gugeroanbt. Ocin ^erj, o §crj, ifl mein. 

Unb ob c§ mäl^tig bunfelt, 

3Ki(^ bünft bic 9tad^t noc^ fern, 

©0 lang bein 5luge funfeit, 

5llS l^cllfter 9lbenbftcm! 


i^lnmogfiif! 

O, roic oft in bc§ Jageä Sauf ®eil fo raftloS ber ©ötter 32cib, 

3Jföc^t’ ic^ bic^ fc^irmenb umfd)lingcn, 3Eeil fo flüd^tig bie ©tuubc, 

SBolfcn fc^au id^ — fic jie^en l^erauf, ©eil fo e^cru fc^reitet ba^ Scib 
©c^roere ©etter ju bringen. 2Rit ber ©orge im ©unbe; 

©äl^renb roir forgen um Säger unb ©i^, ©eil id) nid^t roenben fann baö ©efd^ief, 

©äl^rcnb roir fc^müdPen bic ©änbe, Oa§ roir jum Gnbc gleiten, 

©irft un§ oieCleid^t ein praffclnber ©li^ 3}föc^t' ic^ über ben ^lugenWicf 
in ba§ §ou§ bie Sränbe. ©c^üi^enb bic §änbe breiten. 

Oa^ uns oon feiner ©eligfeit 
GtroaS — etroaS bod^ bliebe, 

3}^öd^t’ id^ fcffcln bie ©c^roinge ber 
geffcln ben ^aud^ ber Siebe. 



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16 


jlm 'gtettjo^tsmotgeit. 

@1^’ noc^ bic laute, roirt gefd^äft’gc 
©crnütl^ unb geber, Siebfie, mir cntroeil^t, 

®ci rote ein ©ternbilb jroifeben lag unb 5tadbt 
Sn reiner ©tide bir mein ®ru§ gebracht. 

©inb roir nur Äinber ber 93ergängli(^feit, 

©0 fag’ xd) treu: ®i(^ lieb’ i^ allezeit, 

Unb finb roir mel^r, fo fd^liegt bie§ ffiörtlein au(^ 
S)ie ©roigfeit in feinen furjen §auc^! 


Jlitf bet ^etfe. 

Sd^ fal^re l^in in l^albcr Ütad^t, dJtorgenftitle fte^t ber $ag, 

S)ie SBelt ift trüb, ba§ Sanb ift grau. Um ben ber roeige Diebel braut, 

®odb leu(^tenb, roo bein 5luge lac^t, ®oc^ bein gebenfenb roirb e§ £ag, 

©ein ®ort erflingt, o golbne grau! Unb Serd^enjubel f(bmettcrt laut; 

®u ^aft mir ©rojlt unb @(ücf O golbner ©agcöfc^ein, 

©0 überreich gegeben — C !^enj unb S^^Ö^i^^Wiw^nter, 

Üiimm feinen ©tra^l unb §au(^ jurücf, ©r fommt oon bir, oon bir allein — 
gel^t um §eil unb Jeben. — ®eroal§r i§n mir für immer! 

_ Jlboff $tertt. 


Jiieböofsiofe. 

O bu lieblid^er Äelc^, umrooben oon ©uft, 

®on ^urpurfd^immer burcbfunfelt, — 

©anft lobern in bir bie glammen 
©eö ©cbönen in 6ine jufammen, — 

Unb blü^fi bo(^ über be^ JebenS ©ruft, 

®on fd^roarjen ß^preffen umbunfelt. 

®ift bu auö jener anberen 9Belt 
3ll§ freunblic^cö entboten, 

©a§ einft im grieben be§ ©c^önen 
©aö Seben fn^ roerbe oerfö^nenV — 

©eifter^aud^ fädelt baö ©räberfelb: 

©elig, felig bie lobten. 

yauf i»eitt|e. 


'^erßfunflcne 

©u fennft mic^ — glaubeft mid^ ju fennen, ©o^ meines ©eins tufinnerft SSäefen 

3Beil id^ fo SSieleS bir oertraut, gliegt ni^t in Söorten, Siebern ^in, 

©ir meine Sieber felbft gefungen ©ie roa^rften alle finb oerflungen 

Unb bu mir tief in’S §erj gefd^aut. Unb id^ allein i^r Saufd^er bin. 


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17 


R- 

lücil^Doö flittcn, fc^öucn ©tunbcn ®tc ftnb ju mächtig, fic ju l^oltcn - 

5>q braufcTi fic burc^'S $crj mit ÜKac^t — (S§ bleibt ber ©riffel mie gebannt 

laufi' unb laufd^' bis pc ncrl^atten Unb fpäter — pnb fic mir entfallen 
I Unb ©cligfeit ip mir erroac^t. — ®u ^aft pc nie gefannt. 

I _ ^arie ^ürflitt ^attiarniette« 


Pas 

'JJaS ©lücf, roie glcid^t’S bem ©c^mettcrling 
5IJtit bunter g^^^ben ^Jrangen! 

®S iP ein leidstes glatterbing 
Unb lägt Pd^ niemals fangen. 

2öie püdbtig iP bie hirjc £uP 
®er frol^ genoPnen ©tunben! 

®cnn, rocr beS ©lüdfS pd^ mirb bemupt, 

®em ip eS fc^on entfe^rounben. 

Unb ^ältp bu mit ©croalt cS fep 
Unb milip bu bir’S crjroingen, 

©0 bleibt bir nur als trüber 5RcP 
®cr ©taub oon feinen ©c^roingen. 

_ jlttna »Oll (${e0e«. 



Gräfin Sophie Waldbnrg. ,fDa1ieim erfeunung beS ^reifes verbreitete P4 i>on 

nnd üiiterweßre.“ (55cbicbte. (^annftatt.) Sltüncben auS, bem bamaligen ©obnfip ber 

(^rapn ©op^ie Salbburg, obgleid^ erft vor ^ic^terin, eine beutf^e SJtational = §pmne: 

roenigen ü)tonatcn auf bem ©cbauplap beS „Sir finb bereit", bie unmittelbare ^Introort 

literarifcben SirfenS erfd)iencn, ift bereits auf bie iveltbefannte 9tebe, roelcbe ber 9leic^S= 

eine im engften ©innebeS SorteS gep rief die fangier im gebruar b. % auf ber 3:ribüne 

^Dichterin. !I)enn baS ^reifenSroertric an i^r bcS beutfeben JWeiebStageS gehalten bot. 5DaS 

bat bie materielle ©eftalt angenommen, oon beutjebe ^-l^olf oerfäumte nicht, jene biebterifebe 

ber p(b unfere 3^it om liebften überzeugen (Entgegnung als feine eigene 2lntn)ort amu* 

lagt, ber fie am roiHigften (Glauben febenft: feben, loaS bureb bie fdbnelle 'Popularität oer 

baS 'PreifenSroertbe bot bie (E5eftalt eines auSs «g'vmne, bureb ben böupgen öpentlidben 33orj 

begablten ^PreifeS angenommen. 5)ie Sefer trag bcrfelben in verfebiebenen dompofitionen, 

beS „$)eutfcben iDidbterbeim" hoben biefe ^bot= tbotfäcblicb beiviefen mürbe, 

fache in um fo freunblicberer (Erinnerung, als 9ticbtS ift eborafteriftifeber für bie 2prif ber 
ihnen mit ber Dtacbricbt, ba| ein (EJebiebt ber (EJräpn Salbburg, als biefe ungeroöbnlicb 

(>5räpn ©opbie Salbburg einen von biefem frühe Perfnüpfung ber eigenften ^otereffen 

Platte auSgefefeten preis errang, baS begügs ber ©eele mit ben 3ntereffen ber Seit. $)ie 

liebe ©ebiept jelbp unter bem Xitel „(5in Süprif, im SlUgemeinen ein nur febroer unb 

Sort" vorgelegt mürbe. feiten vernehmbarer iMuSbruef ber 3unenmelt, 

Xiefer wfolg mar nicht ber erpe ©cj^ritt bot eS fonft mie ein Sunber gu begrüpen, 

ber Xiefiterin in eine p^ für fie ungemohn* roenn bie geräufcbvolle unb meip nur auf 

UA rafcb lur Berühmtheit gePaltenbe Ceffent» praftifebe 3iUe gerichtete tlupenmelt pcb bem 

lidpfeit. iWur roenige Soeben vor ber 3«* ©efange beS Xi^terS mit gangem unb lautem 


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18 


J» 

C^inoerftonbuiS juneigt. 2 öie luenig bie ^itif 
unterer 3:Qge ^ur Vermittlung ber einfamen 
bid^terifd^en S^^enroelt mit ber nur mü^fam 
gu erroerfenben ömpfänglic^Feit ber 3lu§en= 
roelt geeignet ift, ba§ bot nach nielen anbem 
namhaften 5)icbtem jüngft auch 9’Fobert 
§Qmerling in biefen Vlättern an bem 
(Scbicffal feiner eigenen ^I^icbtungen nacb= 

t eroiefeu. ©in neue§ Vueb mirb ftetä non 
denjenigen aufmerffam gelefen, bie auä 
©'rünben be§ ©kmütbeö ober auch nur be§ 
guten 'Ione§ oerleitet roerben, oon einem 
neuen Vuebe Äenntnife 311 nebmen, ober fonft 
ni^t bie geringfte materielle Verpflichtung 
haben, fjdb bamit gu befeböftigen. ©in neueä 
Vueb roiro ftetä am unaufmerffamften unb 
oberflacblicbfien oon ^Denjenigen gelefen, benen 
bie Äenntnifenabme al 8 eine laflige Verufäs 
Pflicht obliegt, aifo 00 m ^ritifer, roie er heut= 
mtage befepaffen ift. 2 ßenn aleiebroohl ber 
freiroinige ?efer, roeil er nicht viterat ift, bie 
Klarheit über feine empfangenen ©inbrüefe 
im Urtbeil beS ergroungenen ?eferä, be§ ßite= 
raten, auffueben mug, fo ergiebt ficb au§ 
biefem Umflanb oon felbft, roeicbe Venoirrs 
ungen unb roeicbe Hemmungen für bie geiflige 
^ortbilbung ber 9>^ation oon ben literarifcp= 
fritifeben 3 aftänben unferer 3:age oerfcbulbet 
roerben. 9^icbt feiten begegnet man im 5 euine= 
ton eines fogenannten feeltblatteS einer itritiF 
über ein neues Vueb, roeicbe mit febreienber 
^DeutlicbFeit oerrätb, ba 6 fic auS ben 3 ers 
fireuten, bureb ^b^^afen Fünftlicb oerbunbenen 
©liebem früher erfebienener, 00 m Veruf er= 
jrounaener 3«tungSurtbeile beftebt unb ber 
ben ulhmb ooUnebmenbe 5lutor einer folcben 
SBeltblatts^ritiF in ben Äern feines ©egen= 
ftanbeS nicht felbftftänbig eingebrungen ilF. 

SRirgenbS aber ftiftet ein berartigeS, febon 
an ficb oerroecflid^eS FritifebeS Verfahren 
größeren D^acbtheil als gegenüber einer neuen 
©rfebeinung auf bem ©ebiete ber SpriF. "Denn 
biefe ift, roenn fie in einem neuen 5)i^ter 
neue ©eftalt geroinnt, am febroerften oerftänb= 
lieb unb ihr Äern erforbert baS tieffte unb 
eingebenbfte ©tubium, roie eS abfolut nicht 
in Den Ü^eigungen unb ©epflogenheiten ber 
mobernen 3<^itungSFritiFer liegt, ©in neuer 
SpriFer ift ein neuer 5ltenfcb, roenn er über^ 
baupt ein neuer SpriFer ift, unb roie febroer 
ift baS Verftänbnig für einen eigenthümlichen 
ÜJienfcben, roelcber baS ein 3 ige 5^eue unter ber 
©onne ift, m geroinnen! 2ln bic ©teile beS 
SluSbruefS für baS oon ihm unoerftanbene 
9ieue fept ber .^ritiFer langft oerbraudhte gor= 
men beS UrtheilS, ba eS ihm oiel 3 U unbe= 
guem roarc, für ben noch nicht bageroefenen 
©toff erjt eine noch nicht bageroefene !!Jtobel= 
lirung gu erfinnen. ©0 roirb im günftigen 
^aHe mit ber Vegeiebnung „ftimmungSooll", 
im ungünftigen mit ber Ve 3 eicbnung „peffi* 
miftifcb" SlUeS abgetban. 

Um ein Veifpiel an 3 ufübren, baS mir am 
näcbften liegen muß, finb fogar meine be^ 
fcbeibenen „VeFenntniffe* in biefen Vlöttem 
mit ber VerFennung aufgefa§t roorben, bie 
bem gebanfenlofen I)rüberbinbufcben fo bes 

& 


quem ift. ^an bat gefagt, bag ich mich mit 
.panbeii unb gü^en bagegen roebre, für einen 
„'t^effimiften" angefehen 3 U roeroen, roabrenb 
ich mich nur gegen bie falfcben ©onfequen 3 en 
roebrte, bic man in ethifeber unb äftbetifd^er 
Ve 3 iehung auS einer SBcltanfcbauung, roeicbe 
bie 3 efu ©hrifti roar, gicben 3 U bürfen glaubt. 
5Dtan bat mir fogar oorgeroorfen, bog ich ben 
legten 5lugeiiblicf bcS Gebens für feinen feböm 
ften crFlört hatte, SBortc, bic ich einem irap= 
piften 3 ur Umfebreibung beS memento niori 
in ben dDhinb gelegt habe, ffiar eS ober 
nicht oon jeher baS ficberfte itcnnseicben ob-- 
folutcr Fritifd)er UnfähigFeit, roenn fie für 
bie VIeinung bcS SlutorS hielt, roaS gur 
©haroFteriftiF feiner giguren bient? 

^DaS 9luftrctcn ber ©räfin ©opbie ®olbs 
bürg ift oon einem fcltcnen ©cbidPfal be^ 
günftigt roorben: fie hat ber ^^itungSFritiF 
nicht beburft, um als Dichterin allgemein 
beFannt iu roerben. $)ic Vrfiö 3 ucrFcnnung, 
bic ihr lieblicher ©efang „©in 5Bort*, bie 
VolFStbümlicbFeit, bie ihre |)pmne „2Bir finb 
bereit" erfahren, haben fogleiA ihren 9>tamcn 
in eine ^öbc getragen, roelcpc ouf noch fo 
hoch aufgetbürmten 3 citungSartiFeln feiten 3 U 
erpeigen ip. SBenn ich nun biefe frühe Vers 
Fnüpfung oon SciPung mit ©rfolg, oon ben 
eigenften Satereffen ber ©eele mit ben Snters 
effen ber Seit ebaroFteriftifeb für bie im 
pifeben gcfammclt erfebienenen unb oben 
im 4itel angeführten ©ebiebte ber ©rapn 
Salbburg genannt habe, fo ip bamit ges 
meint, bog bic Icgtern fidb febon oon felbp 
mehr ber 2 lugenroclt, als oem innem Seben 
guroenben. ©ie gcroäbrcn ben ©inbrucF, als 
ob eine forgfam behütete Sugenb ;um erpen 
3Jtale mit reijenbem ©rftaunen bie Singen 
3 um ©fallen in bie Seit unb in bie S'Fatur 
auffchlüge. SaS ficb auf bie ^)icbtcrlippen 
ber ©ebauenben brängt, ip baber grögtens 
^eilS ein ent 3 ÜcFteS ober melancpolifcbeS 
Sicbcrgcbcn ber plapifcben ©rfebeinungen in 
Seit unb Piatur. 

3 n ber erpen Slbtbeilung „5)abeim" gieben 
baS ^icFicbt unb bic Dichtungen beS SalocS 
unb bie halb rauhen unb halb lieblichen ©es 
palten beS ^5orfeS in jener geroinnenben Sieiis 
heit an unS oorüber, in jener fap epifeben 
©ebrungenheit, in roelcber eben eine jugenbs 
freubige Sluffaffung fie gum erpen üJ^ale ers 
blieft. ^6) hebe auS ber erPen Slbtbeilung 
auger „t)tx ©cbroinbelfcc", „^dunFel", „‘Ibaas 
roettcr" befonberS benior: „5)er arme dpeter" 
unb „©ein Vub", baS legtere in roenigeh 
Furien ©tropben eine tief unb geipreicb nach* 
gefühlte Jdorfgefdbicbte. SaS ben ©d^auem 
Den begaubert, baS roirFt pets, talentooH 
roicbergegeben, auch auf ben ^örenben bes 
gaubernb, unb bieS Faun oon manchen eingcls 
nen ©tücFen ber grociten Slbtbeilung „Unters 
roegS" gefagt roerben, roeicbe ©inbrüefe auS 
Ungarn, ©nglanb, Italien k. roiebergeben. 
^ie SMioität unb Sagenbfrifebe, roenn pcb 
bie ^)icbterlippcn gum erpen SWale erfcbliegen, 
haben natürlich oft auch nur ungeübte 3:öne 
gur Verfügung, roie eS ficb guroeilen in 


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19 


R- 

bcr Unoefügigfeit bc3 ©abbaucS, bcS JÄeimeS, 
ber 9’?99t^men öcrrätb- 'DaS gange 53ucb 
jcbocb läfet bem 5cfer baS für bcn ?(utor üet§ 
fcbmeid^erbafte (S^cfü^l gurücf, bap c§ gu frü^ 

I abgefjbloffcn roäre, im ?lugcnblicfc namlicb, 
ba bic noch fcufcbe unb gittcrnbc 0angc§= 
abe ben 3)^utb gewinnen roiH, aii§ bcn biSs 
er geheim gehaltenen "liefen ber ©ccic bcn 
©chmerg unb bie (^ebanfen - Sonne eincä 
eiftigen ‘Caheim unb Untenoegä an ba§ 
gu bringen, ©olchc ©chöbe einer im 
erften Suche noch uncrfchloffeucn liefe roers 
ben guoerfichtlich bic folgcnbcn Ceiftungen ber 
©rapn ©oph^c Salbburg ber beutfehen Site= 
ratur in ben ©d^oob nierfen. 

Hieronymus Lorm. 

Akanthnsblätter. ^iebtungen au§ 
lien unb ©riechenlaub non Heinricli Vier- 
ordt. (^eibelberg, 6. Sinter.) Seim fchon 
gelegentlich ber ^vieber unb Satlabeu" bcS 
äutorS in biefen Slättern gejagt rourbe, bab 
berfelbe, fonicl fid^ im Giugeinen auch an 
feinen ©ebichten au§(eben lieb, gu unferen 
begabteften unb formgeroanbteften ^oeten 
re^ne, bcr bei ftrengerer ©elbftgucht in bie 
erfte S^eihe berfelbcn treten roerbe, fo fönnen 
mir bieS Urtheil feinem neuen (^ebichtbuch 
gegenüber nur noüinhaltlich beftStigen, ms 
gleich aber roahrheitSgemab beifügen, bab oic 
„^Ifanthuäblätter" einen fehr bebeutenben 
Rortfehritt beS 3^ichtcrS befunben unb in 
formeUcr Segiehung faft nichts mehr gu er= 
innern geben. Gingelne unreine fHeime finb 
ja nicht nermcibbar. 2)eä ©chönen unb Sor= 
trefjli^cn aber bietet bic ©ammlung niel. 
Ser fiiblichc ßanbfchaft unb ©timmung fennt, 
roirb oor &llem gcftchen müffen, bab 
orbt bicfclbe meiftcriich gu fchaucn unb gu 
fehilbem nerftcht. 5)a8 feinfte, bichtcrif^c 
^mpfinben eint fich hi« niit grober .fraft 
unb SSrmc beS SluSbruefS. 3)tan Icfe g. S. 
ben »Slbfchieb non (^riechcnlanb", „©union", 
^©elinunt". Unroillfürlich loirb bei ben (Sc« 
bichten aus ©riedbenlanb natürlich bie (5r« 
innerung an unferen h«rlichcn (^manuel 
@eibel geroedft, bem Sicrorbt überbieS pietät« 
ooHe unb begeiftertc ©trophen geioibmct hui- 
Unb man mub fagen, bab bcr jünger n^h 
feines groben SorbilbeS nicht unioürbig geigt. 
Sierorbt roanbclt eigenartige ^fabe unb geigt 
eine befonbere ^:ichtcrphi)riognomie. 5)ieS im 
Serein mit feinem ernften ^unftftreben, feiner 
9^atiirbegcifterung, feiner hoh^u unb echten 
Segabung fichert feiner neuen Cicberfammlung 
einen chrenooüen ^^lag in ber mobernen 

Konrad Telmann. 

Truggold, ^rgähfuug auS bem 17ten 
3ahrhunbert oon Rudolf Baumbacli. 
fünfte Sluflage. (Serlin, Gilbert (Solbfchmibt.) 
i^aS oorliegcnbe, glängenb auSgeftattete Such 
ift baS unter einem ^^feubonpm herausgegebene 
(SrftlingSnjcrf eines ingroifchen gu hohem Sin« 


fehn unb ungeroohnlid^cr Seliebtheit gelangten 
SDichterS unb hut erft neuerlich um oeSmiHen 
roicber feine Slufcrftcbung gefeiert, ©onflt märe 
eS roohl lange oerfcpollen. Unb baS roäre in 
bcr Xhat fchabe; beim roenn mir eS auch hi« 
mit feinem ungcroöhnlich bebeutenben, tiefen 
unb geiftooHen Serfe gu thun hoben, baS 
berechtigt roöre, unocrgänglichcS Cfigenthum 
bcr Nation gu bleiben, fo ftedt hoch fo oiel 
e^te 't^ocfic, fo oiel fchalfhafter grohrmn, fo 
oiel heitre JicbenSioürbigfeit in bem Suche, 
bag eS 3ebem heü unb roohlig gu SJfuthe 
roerben muB, ber cS lieft. (^S ift ein fonnigeS 
Such. (Sar feine ©elchrfamfeit, gar fein 
fultu^iftorifchcS Sciioerf, gar feine gcfchi^t« 
liebe Sferfroürbigfeit barin, nur freies, froh' 
liebes gabuliren, golbige Shoutafien unb ein 
föjtlichcr, hoemlofcr §umor. SJfit einem 
Sorte: fchon ber gange Saumbach, ben mir 
feither aus fo oielen Sauber« unb Sein« 
fiebern fennen gelenit. Siel mit ©ebanfen« 
fracht pflegt er |ich ja nid^t gu belaften, aber 
es freift Doch echtes So«cublut in feinen 
Slbem, unb um beSroillen mag man feiner 
Serübmtheit auch nicht grollen unb pc ift 
ficherlich unter allen unferen 3Jfobebichtem 
feinem licbenSroürbigeren unb anfpruchS« 
loferen gu Xh^ü gcniorben. ©o loirb benn 
auch feine merfroiirbige unb frifch ergählte, 
unterhaltenbe ©efchichtc oon bem Slpothefer, 
ber gern öJolb machen rooHte, unb oon ber 
blonoen SlpotheferStochter, bie fchlieplich ben 

3 flaufenen ©tubenten heirathet, eitel Soh^ 
cn erregen, unb baS mit Ofecht. 

Konrad Telmann. 

Gedichte oon Julius Ernst von 
GUnthert. (©tuttgort, (^. öotta.) (5in 
gealterter Soet bietet unS hier in .bunter golge 
einen jtranj oon ?iebeni bar, roie er jte 
oon feinen jungen Sohren an bis in bie fpätc 
öireifengeit auf feinen roedjfelnben SebenS« 
megen gefungen. Unb eS pnbet fich oiel ^In« 
fprcchenoeS unb (Erfreuliches barunter. B^^^or 
lägt pch nicht behaupten, bag unS in (55ünthert 
eine neue unb eigenartige bichterifchc 3nbi= 
oibualität engegenträte, aber er roeip oft ge« 
hörte .klänge in anberer Slrt reigooll unb 
anmuthig auf’s 9>feue angufchlagcn unb er« 
iDcift ptv in feinem ^fa^emppnoen unb in 
feiner ©timmungSmalcrci als ein loirflicher 
5)ichter oon (Ocholt. 3ln Slnflängen an Se= 
fannteS fehlt cS freilich auch nicht gang unb 
manche T)ichtungen höUen loir überhaupt 
aus bem Su(hc tortgeroünfeht. 3m (EJangen 
geht aber ein fräftiger, männlicher 'Ion burch 
bie lieber hin, uno in bcn poctifchen IRcifc« 
fchilberuiigen, foroie in ben baHabenartigcn 
Silbern leipet (^ünthert ^öhereS, als in bcr 
eigentlichen (JJcfühlSlprif; ber legieren ge« 
bricht eS oft an ©chmclg unb ^ortbeit. 3n 
formaler Segiehung hotte mon^mal fhenger 
oerfahren roerben fonnen, ber unreinen 9fcime 
finb 5 iemli(^ Piele. TelmMn. 


ö-la 


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20 



gr 


Friedrich Hofmann (geh. 18. 2lpvil 1813 
u Äoburg), (5'^renvebactcur bcr „(Wartens 
Qube", ijf am 14. 3luQuft in gc^ 

i torben unb bot aud^ {eine le^te D^u^eftatte 
mjcibfl gcfunScn. 

- * - 

Gustav Freytag ^at baS ©roSfrcuj be§ 
^er;ogl. fod^f.^femcftin. öauSorbcnS erhalten. 
Iluf Den mit biefcr 23cvlci^ung nerbunbcncn 
Slbclöftonb I^Qt ber iJid^ter SSerjid^t gcleiftet. 


„T^unftc 53lattcv au§ ber (^>e(^ic^tc 
lienS" nennt Feodor Wehl eiiii^ Heinere 
örgä^tungen, roelc^e foeben bei ytedam jr. 
in Seipjig in ber ^^Uninertalbibliotl^ef" ers 
fc^ienen finb. 

- « - 

Paul Heinze, ber JperauSgeber biefeö ildatteS, 
roirb unter 'iDtitroirfung non Rudolf Goette, 
roeld^er am 1. Octobcr o. 3- hie bereite früher 
non i^m innege^abte 0tcUung als gmeitcr 
S^tebacteur beS „^eutfd^en SDid^terl^eim" roie^ 
ber antritt, bemnöd^jt bie iPearbeitung einer 
^^)eutfd[)en ^oetif" unb einer „(S^efd^id^te ber 
beutfd^en ^Rationalliteratur feit Öoetl^e’g lobe" 
in Eingriff nel^men. 53eibe 2öerfe, melc^c in 
$aul Ijeinge’ä illerlag in ^reSbeiis^triefen 
crfd^ciuen werben, burften burc^ niebrigen 
ipreis für 3?bcrmann leidet gu erwerben fein. 


Max Kretzer oeröffentlicbt 3lnfang 0ep5 
tember eine neue iRonellenfammtung „^)ag 
bunte ©ud^"; ber S3anb enthält fiebeu Grs 
ga§lungen (G. iflierfon’ö 93erlag, $)reSben). 

- m — 

Richard Voss neröffentlic^t einen neuen 
©anb iHömifd^er ©figgeu unb ytlonenen unter 
bem 3:itel „GrlebteS unb GJefc^auteö" (Jp. 
Goftenoble, ^tnd). 

- *- 

Wilhelm Raabe bat eine Gr^ä^Iung „5^a§ 
Obfelb" Doflenbet; biefelbe gelangt foeben in 
iöue^form bei 33. Glifc^er iRad^f. in Seipgig 
gur ®eröffent(id^ung. 


iöiS gum 1. 3uli 1888 ergangt, erfc^eint 
bemnäc^ft bie Dritte 2luögabe non Franz 
Brümmer’s „Jepifon ber beutfe^en ®ic^ter 
unb 'llrofaiften beS neunge^nten3o|r'^»nbertö" 
(D'ieclam jr., Ceipgig). 

- * -- 

iBom 1. Slug. b. 3* on erfc^cint in Ceipgig 
ein ,, Central bla tt für Musik“; als ^>trauSs 
geber unb ißerleger geid^uet Sluguft ^)ettler. 

-♦ - 

I»-— 


3m Stellage non SSid^arb Gcfflein Dla^f. 
in ^Berlin erjAeint bemnäd^fl folgenbeS ins 
tereffante Söerf: „Unter gwei Königen", Gr? 
innerungen an Botho von Hülsen, 3*'Rns 
baut ber Äöniglid^en ©d^aufpiele, 1851—1886. 
G^efammelt unb ^erauSgegeben non Helene 
von Hülsen. 

-- *- 

Gustav zu Putlitz beabfid^tigt, wie bie 
„33ab. Sanbeägeitung" mitt^eilt, am 1.3öHuar 
1889 feine ©tellung als §oft^eaters3ntenbant 
gu Karlsruhe gu nerlaffen; ber Girofe^ergog 
joU bie Gntlafiung bereits genehmigt ^aben. 

- ♦ - 

Die elfte Sluffü^rung non Ernst von Wil- 
deiibruch’s „Sllenouit" am ÄgI. 0d^aufpiel 
in iöerlin trug bem Dichter entfc^icbenen, 
reichen Grfolg ein; baS 0tücf war gwar be« 
reitS an gwei ^Berliner X^eatern gegeben wor« 
ben, war jeboe^ für bie Ä'öniglic^c 33ü^ne 
9lonität. 

-«- 

Das Darmfläbter ^oft^cater ^at baS neue 
nieraftige ?uftfpiel „Unfere ®on 

Johannes Prölss gut Sluffü^riing angenoms 
men. 

Alexandre Dumas fd^reibt eine ^omöbie 
„Die 3ottrnaliften". 

-]» - 

Die bieSjä^rigen Bayreuther Bühnenfest¬ 
spiele ^aben nic^t nur einen bebeutenben 
fünftlerifcbem fonbern aud^ einen fe^r erfreus 
lid^cn pefuniären Grfolg aufguweifen; eS finb 
nämli^ in ben 17 neranftalteteii Sluffü^rs 
ungen nid^t nur bie .Soften non 310 000 Ji 
gebeeft, fonbern eS bürfte fid^ auc^ noc^ ein 
UeberfcS^uß ergeben. 

- «- 

Franz von Lenbach mad^t gur ^^it bie 
lebten 33infelftrid^e an einem ^Sorträt Gruft 
^41offart’S als Gaefar". 

- He - 

Alma Tadema ^t^t foeben ein neues Gies 
mälbe „Unterbrochenes G'efpräch" noHenbet; 
baS SBcrf fteHt baS 3t^i^^re eines römifchen 
grifeurlabenS nor. 

-* - 

H. von Anpli weilt gegenwärtig in ^lotSs 
bam, um ^aifer SBilhelm II. gu malen. 

- - 

Die Slcrl^Sanflalt für £uuft unb SBiffens 
fchaft in IRünchen tritt mit einem neuen 
großen Unternehmen nor bie Oeffentlichfeit; 


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21 


baffetbe trogt ben ^tte( „Klassischer Bilder¬ 
schatz“, b^rouSocgebcn oon J^on; oon Sftebcr 
unb ab. feopcrSborfer unb foQ oie fammt= 
licken üWeiflcrrocrfc ber bilbeiiben Künftc aller 
3eiten unb oder dJtciJlcr nach unb noc^ uer^ 
einigen unb junäd^fl in Jovm eineä Sieferungä^ 
roerfeä erfc^einen. 5)ie iBIätter crfd^cinen in 
(5^artenlauben=5ormat, monotlid; giuei .g'efte 


mit je 6 SBlottern gum ^^reife non 50 '^f. 
pro l>eft. _ _ 


am 18. augufl, bem 3c,brcätQg ber 0d^laci^t 
non 0t. ^rinat, nmrbe in 5?eipjig auf bem 
dJtarftplap ba§ 0iegcäbenfmal fcierlicfi ent= 
biidt; ba§ ^Tcnfmol ift bo8 3Berf Rudolf 
Siemering’s. 


^eiötttt 5 r<$reißen. 


hiermit fepen mir für unfere ültitarbeiter unb abonnenten einen '^.^reiä uon 

100 igOarft fttt eine ^alTaiie, 

einen ^vci§ non 

100 gSnrß fnr ein rein ^eitii^t, 

unb einen ^reiS oon 

100 gOarß für eine potüfi^e ^rjü^^nng in geBuntiener ^e)>e 

aus. 


X)aS ^IreiSrid^teramt oermalten bie Herren: 


<^arr 

yottf jicfnje, 
4»ieronpmu5 <iorm^ 


^ritt} $mir )u ^c^dnaic^-^arofalf 

unb 

^mß von S^iCbendruiß. 


©oUten bie greife in (Ermangelung preiSmürbiger ©ebic^te nur tbeilmeife ober gar 
nid^t gur Sert^eilung gelangen, fo fliegen bie Beträge für ben, refp. bie nid^t gur auS« 
lablung gefommenen greife einer für biefen gall oon ber dtebaction noc^ gu beftimmenben 
unterftüpungSfaffe ober 0tiftung gu. 


Sebtngnngen: 

1. Jebem 33emerber ift nur eine einmalige ©infenbung gegattet. 

2. Äeine ©infenbung barf me^r, als je ein noep niept oeröffentlicpteS ©ebid^t ber obigen 
brei $)icptungSgattungcn enthalten. 

3. 3r^rr ^Beitrag ift auf ein 33lott kopier apart gu fd^reiben. 

4. S)ie ©ebiepte jeber ©infenbung paben ein gleid^lautenbcS dRotto gu tragen, melcpeS 
iugleicb auf ber augenfeite eines bcigulegenben oerfcploffenen ^ouoertS bepnben mug, 
oaS dtamen unb genaue abrefie beS ©infenberS, fomie ben ^aepmeis beS erfolgten 
abonnementS auf baS „^cutfepe ^)id^terbeim" enthält. — ^ntbunben oon ber ®eis 
bringung einer abonncmentSbefd;cinigung finb nur unfere altbemäprten dJtitarbeiter oon 
D’tuf, fomie unfere birecten abonnenten. 

5. J^ie (Eebicbtc felbg bürfen meber mit bem mirflid^en dtamen beS 23erfafferS, nodb mit 
einem ^feubonpni gegeid^net fein, aiicp bürfen biefelben niept in ber eigenen ^anbfd^rift 
beS 33erfafferS eingerciept merben. 

6. Ter Umfang ber poetif^en ^rgöblung barf 300 FeincSfaHS übergeigen; eine nod^ 

Fnappere gorm mirb bei ber ißatlabe unb befonberS bei bem Iprifcpen (^ebicpt als felbg^ 
oergänblidl oorauSgefept. 

7. T^ie (5infenbiingen müffen fpätegenS bis 10. SDecember b. 3. in unferen ^änben fein. 

8. 3ebe abroeid)ung oon biefen ^ebingungeu pat ben 33erluft jcglicpen anfprueps bei eoen« 
tuen beabgeptigter ^reiSfronung ber betreffenben ©infenbung gur golge. 

^I'ie jHebaction beS „^eutfd^en 2)icpterpeim" beabgeptigt, neben oen preiSgeFrönten 
aud^ bie begen niept preiSgeFrönten ©ebidpte im „^^eiitfcpen ^^idptcrpeim" eoentueH gum abs 
bruef gu bringen, unb bepält gep beSpalb baS dtedpt oor, naep iBeFanntgabe beS dFefultateS 
ber '4'rfiöconcurreng bie ©ouoertS mit ben dtamen ber ©emerber gu öffnen. 

©ine OFücFfenbung ber eingegangenen ©oncurrengarbeiten erfolgt in Feinem galle. 

Tie ©nifdpeibung beS ^reiSridpter:©oHegium8 miro balbtpunlidpft im ^^Jeutfdpen ©iepter^ 
peim" beFannt gegeben merben mann biefelbe erfolgt, mirb oon ber mehr ober minber garFen 
©etpeiligung ber ißemerber abpangig fein, gu ber mir freunblidpg einlaoen. 

Pie ^eiiadton ttnb ^rrfags^auMnttg i>rs „Oentfi^ett 


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22 



Beftiminongen TOn alliT^Helner Geltoag. Jeda Eioiendong, Ober deren er. Verwendung Ans- 
konft gewttnsobt ^rd, muM deutlich und mit nicht su blaaeer Tinte geschrieben sein. Ferner ist jeder 
Beitrag auf ein Blatt Papier besonders su schreiben und darf eine Einsendung deren höchstens fOnf 
enthalten. Briefliche Kritik ertheilen wir nur unseren Abonnenten und zwar sind für das Antwort¬ 
schreiben und BUcksendung der Manuscripte jedesmal 50 Pf. in Briefmarken (resp. 30 Kr., 60 Cts. etc.) 
nebst adressirtem Couvert beizufUgen. Bei Einsendungen, welche an dieser Stelle Erledigung finden 
sollen, bewahre man sich dagegen Abschrift, da wir in diesem Falle Gedichte Oberhaupt nicht, grossere 
Arbeiten aber nur dann zurUcksenden, wenn der volle Betrag zur Bestreitung des ROckporto’s bei¬ 
liegt. Bei erstmaliger Einsendung ist Angabe der Bezugsquelle des „D. erforderlich. Briefe, welche 
mit Strafporto belastet bei uns anlangei^ werden ausnahmslos zurOckgewiesen. Anonyme, sowie alle 
diesen Bestimmungen nicht OenOge leistenden Briefe verfallen dem Papierkorbe. Es werden nur 
Originalbeiträge acceptirt. 


A. H. in S—n. 2 Barum fo ocqagt? 9Bir 
l^cigcn mit greuben jebeö junge ‘lalent n)iC(= 
fommen, roofern c 8 fid^ nur roivflic^ olS 
fold^cS errocift! ©old^e 311 förbem — barin 
erblicfen mir ja gerabc unferc Hauptaufgabe. 

H. M. in B—n. 0oU gelcgentlid^ er)ci^ei= 
nen. 

Dr. K. Z. in H—f b. A. „^Imalft" ; Prof. 
J. 0. in S—n „©turmflutl^*; V. K. in K—g 
„SHaft im 2ßa(be"; R. D. in B—n, jroei ber 
„0prü(be'' (an un§ gerichtete 55riefe fenben 
mir niept ^urücf); A. K. in H—f „Oboaferö 
(^nbe"; P. P. in R—t „"tit ^Pergfee"; P. K. 
in S—n „0crbifche Seifen"; R. R. in K—t 
„®ie 'ph^^roonen"; W. F. in N — n „ 3 ^^" 
fprungne 0aiten"; C. B. in R—tz „Sanb: 
tiing"; Th. VV. in T — s (itaufafuS) „^a§ 
0tcppenro6". Angenommen! 

D. T. in E—f; 0 . M. in C—g (ennarten 
3lnbcre§); A. H. in M—m (lefen 0ic H^ine 
unb Deibel): A. v. S. in B —n (ohne alleä 
SSerämag); P. B. in 0—n; R. W. G. in B—n 
(0ie fchibcifen gebanftich su oft ab); C. E. 
S. in P—y (ftreift oielfaÄ bie (^reivte be§ 
Slufnahmefähigen); Z. M. T. in J—f (thcilö 
unflar, thcil§ unreine D'teime); H. W. in L—g 


(6(b(uB ber SRebaction biefer 


(nicht recht flar); 0. S. in L—g; E. A. D. 
in A.-F—n; K. L. in K—e (oft 3 U fchmie-- 
rige Gonflructionen!); E. L. in D—n; K. K. 
in E — ch (oft aO^u fchlicht unb 3 un)eilen 
loeldje ^feime!); F. H. in G—n; H. G. in 
H-g; A. H. in B—g; Grf. 01. Z.-L. in 
Ti—n; A. H. in B—n (311 breit); A. T. in 
L —g (im ?lu§brucf 3 U troefen}; K. H. in 
B—n. Dankend abgelehnt! 

A. K. in D —dt. Sir ftnb 
für ;);hre gute 2 Reinung 3 U unferer ©clchr= 
faniFeit fchr banfbar, aber teiber nicht in ber 
Sh^en bie bctaiüirten Stuäfünfte über 
bie 0 trafen ber 5?rahminen in befonberen 
gäüen 3C. 2 f. ju ertheilen; roenben 0ie fich 
beShoIb an einen 0 pccialforfcher. — H^rr 
Dr. 3itclmann hött fich Hoedem 

borf bei Slltbamm auf. (:!^cbichte unoernjenb; 
bar. 

H. S. in G — z. 0ie rooüen bie „blaue 
Sunbcrblume ber ^^oefic" gefunben hoben? 
Senn 0ie un§ baö beiocifen, fo rootlen loir’ä 
glauben; fehiefen 0 ie fie un§ hoch einmal, 
ifeermuthli^ ift fie loeuigftenä fehr längs 
ftielig. 


tpumnier: 90. «uguft 1888.) 


SnSaRfiperjettfinig. 

CrMAtt bon .frlii Dabn, Priv) CnU 3diBnaiib-€arolatb, 3alinf jBtnm. Pani 3arton, Xbrobor .fontanr, 
€. Attieniinibtr, Kobrrt Itamerlina, Abolf Conbrimann, Albrrt insfrr, Clara ÜlfiUrr, irirbritb dplrlbagrn, Crnfi 
non IPilbrabrn^. Crorg (Ebtrs, .^rirbriib non fiobrnflrbt, fionrab Crlmann, Ceinriib 3r{rt, Anna Poigt, CBntbrr 
IVaUinq, Abolf .^trrn, Pani firinu, iVlarir iOrlUn Cantacnjrne unb Anna non i’iebrn. — Antooiograpbirfbr 
KBfhbirdir. SSoii Unbolf non CottrdioB. — fiBiberfiban. — Citrratnr nnb finnfl. — Prrioanfftbrribrn. — firitffibaUrr. 

nur unter genauer jtnelTenangade geblattet. 


SBefteHungen ftnb 3 U richten an bie Expedition (Paul Heinze’e Verlag), ^infenbiingen 
an bie Redaotlon des „Deutschen Olohterhelm“ In Dresden-Striesen, Gommiffion: 
TrQb*sohe Buchhandlung (91. 0(hmtttner) in Zürich unb E. Steiger &. Cie. in New-York. 


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23 




19 


Verlag der Qt, J. Göschen'schen Yerlagshandlang in Stuttgart. 

Dentsche Poetik. 

Theoretisch - praktisches Handbacb der dentseben Dicbtkanst. 

Von I>r*. C. JBeyet*. 

3 Bde. in 5 Liefrgn. ä Ji 3.— ; coniplet M 15.— ; in 3 Halbfrzbdn. M 19.—. 

Die Kritik bezeichnet diese Poetik als: ..ein bahnbrechendes Werk^, das man ..seiner 
Eigenart, wissenschaftlichen Gründlichkeit und seiner AuHführlichkeit halber als den Kosmos der 
deutschen Dichtkunst bezeichnen möchte“. „Ein Handbuch im vollsten und besten Sinne des 
Wortes.** „Die erste VoUeudung einer Wissenschaft der Poetik.“ 


Verlag von Carl Konegen In Wien. 

Die Lieder des Anakreon. In sinngetreuer Nach¬ 
dichtung T. Dr. Vincenz Knauer. 2 I 

Arastrong, B. fj., Im Spätsommer. Gedichte. 

1.20 ur. 

Beek, Fr., Ernste Weisen. 1 Bändch. Lyrik. 2J(. , 
Delle Grazie, H. E., Gedichte. N. Ausg. 1.40 uV. 

— Hermann. Deutsch. Heldenged. 2. Aufl. iJK. | 
Grosz, Ferd., Lieder aus dem Gebirge. 1 Jt. i 
GQnther t. Freiberg. Dijon-Rosen. Ged. 3 Jt. ' 
Srbmdek, lloriz, A bisserl wes. 1.20 Jl. I 

— Dass d* Zeit vergebt. 1.20 J(. I 

(Gedichte in niedcrösterreich. Mundart.) I 
Stonm, Buch d. Liebe. Gedichte. 1.20 UT. 
Durch alle Bachhandlangen zu beziehen. ' 


In stillem feinem 
geistesverwandtem Hause | 

wünscht sich zu liebreicher Pflege und trau¬ 
licher Gesellschaft einer vereinsamten freund¬ 
lichen alten Dame, oder auch pflegebedürf¬ 
tigen Greises, eiue gemUthvolle j. Dame v. j 
feiner Familie uud edler Geistesbildung zu | 
widmen. Eiue Erwiederuog unter „Agathe“ 
nimmt entgegen die Expedition des „Deut¬ 
schen Dichterheim“. 




Stimmen aus dem deutschen Diehterwaide. 

Ein Musenalmanach für das deutsche Haus. 

Heransgegeben von A. und P. Heinze. 

2. Auflage. 

Original-Prachtband mit Goldschnitt und dem Porträt Carmen Sylvas (Königin Elisabeth von 

Rumänien). 


Dresden-Striesen. 


Preis 4 Mark. 


Pani Heinze’s Verlag. 



iE.Pierson'>7erlaDaDresilen t Leipzig 


Neuigkeiten 1888. 

Oedichte. 

Wllh. ArmlBlus, Das Bild der Wendengöttin. 

Alfred Beetzehen, Jugendeiland. 

Eugen Han^, Träumereien im Studierstübchen. 

Arthur Bey, Keime und Knospen. 

Branko Kadlezevies, Lyrische Dichtungeu. Aus 
dem Serbischen von Georg von Sehnlpe. 
ä Band 1»/» Uf, eleg geh. 2 V 2 Jt. 

Franz Korsehann, Ideale Liebe. 2 Jt, geh. 3 Jt. 

Jobs. Trennann, König Laurin. 1,20 uf. 2.#. 

Oramen. 

C. Blnder-Krieglsteln, Vil&gos. Histor. Trauer¬ 
spiel. 2*/2 Jf. 

Max Kretaer, Bürgerlicher Tod. Drama. 1 Jf. 

Seeger an der Latz, Ulrich von Hutten. Schau¬ 
spiel. 2 Ut. 

Carl Streibel, Julia Alpinula. Schauspiel. 2 Jf. 

T^omane und IVovellen. 

Otto Fnehs, Haschisch. Erzahluugeu a. d. 
modernen Egypten. 

Pani Kirsten, Zwirl-Dudenflng. Humor. Roman. 

Max Kretaer, Das bunte Buch. Allerlei Ge¬ 
schichten. - _ . „ „ , 

ä Band 3 Mark. 

E. Pierson's Verlag in Dresden & Leipxig. 


Verlag von L. Bosheuyers Bnohhandlung 
in Cannstatt. i 


Gedichte 

von S* Waldburg* 

Verfasser des neuen Vaterlandsliedes „'Wir 
sind bereit“, sowie des durch die Redaction 
des „D. Dichterheim“ preisgekrönten Ge¬ 
dichtes „Ein Wort“. 

Preis 2 Mark, eleg. geh. ra. Goldschn. 3 Mark. 
Allen Freunden wahrer Poesie auPs Angelegent¬ 
lichste empfohlen. 

Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 

ooiMiaiiMiaomiaoa a asiaaa Ba KMinaoaaaiMMiaMMMMiaM^ 


fr.ccr vTv? i j 

I _ ^uboff 

^ □Ti-u^-Grold. “ 

I Erdhiong ans dm 17. JabrhiBdert tob Bndolf BiBabieli. | 

I Miniatur-Ausgabe, elegant gebdn., 6 Mark. 

I Illustr. Pracht-Ausgabe, mit Illustrationen von | 
I Pb. Grot-Johann. 10 Vollbilder und 82 Text- 
; bilder. Prächtiger Original-Einband nach einer j 
V^orlage aus dem 17. Jahrhundert. SO Mark. 


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24 


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-5S 


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Voi-nehme F'estgeschenke. 


In jedem deutschen Hause willkommen, von Schulmännern warm empfohlen, 
in Schul- und Volksbüchereien eingeführt: 

Gerhard von Amyntor’s vaterländ. Romane: 

, 9 Fraaeiilob.^^ 2 ßde. eleg. geb., III. Aufl. 

9 ,Oerke ISuteminne.^^ 3 Bde. eleg. geb., II. Aufl. 

Desselben Verfassers: 

99 Fttr und über die deiitfücheii Frauen.^^ 1. Bd. eleg. geb., 
allen gebildeten Frauen empfohlen. 

BHF* Alle drei Werke durch jede Buchhandlung sofort zu beziehen. 






Verlag der Sc)inlze*sc1ien Hof-Bachhandlung (A. Schwartz) in Oldenburg. 
Soeben erschien in zweiter Auflage: 


Gedichte 

von EmmsL Croon-Mayei*. 

Elegant gebunden m. G. 4 M. Brosch. 3 M. 

Schon vor ErBchninen der Sammlung äussert sich der „Salon“ fnlgendermassen: Ein neues, 
ansprechendes Talent, dcBsen Aufnahme beim Publikum man mit Spannung erwarten kanu, 
tritt uns in Frau Emma Croon-Mayer, deren Dichtungen unter dem Sammelnamen „Lie- 
dcrboru“ demnächst in der Schulze’schen Hofbuchhandlung in Oldenburg erscheinen wer¬ 
den, entgegen. Die uns vorliegenden Aushängebogen euthalteu so viel Tiefes und SchOnes, dass 
wir uns uicht versagen mögen, unsere Leser schon jetzt auf das Buch hinzuweisen. Die Dich¬ 
terin i»t ein echt weibliches Talent — ihre Stoffe sind der Natur, dem Herzenslebeu und dem 
traulichen Kreis der Familie eutnommen, der 'Ion ihrer Lieder ist weich, mild und versöhnend, 
selbst im Schmerz nicht herbe. Dabei sind ihre Lieder doch voll Kraft und neuer eigenartiger 
Gedanken oder das Oftgesagte ist wenigstens mit neuem sprachlichen Reiz wiedorgogeben, der es 
fesselnd erscheinen lässt. Wenn wir nicht irren, wird das Buch überhaupt dazu auserlesen sein, 
vor Allem der Familie ein liebes Gut zu werden. Wir empfehlen es auf’s Wärmste und sind 
Überzeugt, dass der bewährte Geschmack und Takt der bekannten Verlagshandluug dem hübschen 
Buch auch eiu würdiges und reizendes äusseres Gewand verleihen wiriL 




(Carl Ulrici). 

Von Lenz zu Herbst. 

Diohtongen. 

Zweite vielfach veränderte Aufl. Preis: elegant gebunden M 5.—. 

Grimit ai*i*eiilcläiig-e. 

Volks- und volksthümliche Lieder Spaniens, 
üebersetzungen, nebst Anhang eigener Gedichte. 

Preis: elegant gebunden M 5.—. 

Vom Land des Weins und der Gesänge. 

-4^ Wanderungen durch Spanien an der Hand der Dichtkunst. Wrh- 
Fremdes und Eigenes. 

Preis: elegant gebunden in Leder M 7.—. 

^ In allen Buchhandlungen Torrftthig* ^ 



^l^efsiHebacteur unb (Sigent^ümer: 7aitt <^ein}e. 

^nt(f non 9erb(nanb Xbomag In Treiben. — Ißobict bon ber Eibener 9)apterfabTll. 




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fiic DiditSiiiiß iiml üritii (Der „Deiitflei 

Herausgeber: <^ein}e. 


Mouatlioh 2 mal. Frei». 6 halbjftbri., vorauszahlb. Mau abouuirt durch jede Buuhhaitdluug, eowie di« 
reot bei der Expedition des ^DeuUclieu liiohterlieim** in Dreedeu-Strieeen. Abbeetellungeii werden nur bi» 
1. Märx beeiobeDtlich 1. September angenommen. Eineelue Nummern 2^, 5 StUok einer Nummer 1,fi0. 


ein ^ugenbgCttdi^ bas b^’fbe, fängftenffernte^ 
^(^eiben gab’s mir notb ein iingebinbe, 
^0 merif nnb banernb^ ba|i an i^m i($ finbe 
J)as 3$efie f^Ux von meines Redens ^ruie. 


neigt ber ^immef ßtß, ber reit^befternfe^ 
31m einiufaugen feiHen pnfi ber iinbe; 
pie $rbe britbt nicht mehr bem ^rbenftinbe, 
pas einen i^immet früh v^tHeren fernte. 


$r gab mir^ nicht nach neuem ^rncft )u fchweifenl 
penn emig brangt’s mein ^erj ans irb’fth^n pchranften 
3iach früh vrrfornem (j»immersgfüdi |tt greifen. 


0B biefes ^^immefs ^tuthen auch nerfanfteu^ 
0ß feine 3^acht nichts mehr vermag |n reifen, 
pie trügt afs pterne meines «^eibs gehäuften. 


4»ieronpmtts «^orm, 


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!S- 


-5S 



'gtutoßiofltapöiftöe '^ü(ß6fidie. 

$on ^uboff von ^ottfc^alT. 

(5ortfc|3iing unb 0c^l»p.) 


0 bejogcn roir eine gemein^ 
fame ®ot)nung unb (d^rie- 
ben .Hönigöberger 'Voi’traitä, 
bie aber nie baö lUc^t ber 
©eit erblidten. 3eber be^ 
arbeitete ein (5apitcl; unfer 
0tpl roar ncr]'d)iebcn, aber unicre t^'cilnnung 
gleic^. ^a anc^ ;^orban Äönigöbcig mrlicb', 
fo hielten roir guiammen eine '3lbfd)ieböDor: 
lefung, bic rcc^t gut bejucht roar; jeber trug 
feine Cl'cbichte por unb ba bie 53orlefung un* 
cenfirt roar, fo berauben fich barunter manche 
(5enfurflüd)tlingc, bie burch ben miinbli^en 
3]ortrag eingcfchmuggclt rourben. ‘Ter febr 
liebcnSiPÜrbigc unb liberale 'l>oli3eiprä|ibent 
5lbagp hielt eö hoch für nöthig, fteh ”ttd): 
träglich baä üJ^anufeript geben ;u laffen. 
iTod) roar baffelbe fdhon in bie ?Wocftafd)e 
eineä 3*^^)orer§ geroanbert unb beöholb un^ 
auffinbbar. 0o blieb bie 0ache auf ücb be-- 
ruhen, (^he ich i^'^e^ abreifte, rourbe mir 
no(^ bie unangen^me Ueberra|d)ung bereitet, 
bafi einer meiner 2)^itftubenten meinen Koffer 
erbrach unb mir mein gan^eö iReifegelb ftahl: 
er roar ein ÜJiebiciner, begab ficb, nad)bem 
er fich Porher feinen ':^art poifid^tigcrroeife 
hatte rafiren laffen, nach (^nglanb, fpäter 
nach i?luftralien unb ift pieQeicht ein berühmt 
ter ^Irjt geroorben. 

23on Königsberg roanbte ich ^^^id) n^ch 
meiner ^.^ateritabt iH'eSlau: ich ^üurbe nicht 
immatriculirt, roeil man ^ögerte, bie ©irf: 
ungen beS consilium abeiindi auf^uheben. 
2)och burfte ich '-l^orlefungen i'^icr 

traten nun anbere i^erfönlidiFeiten in mein 
£eben: ber greife ^eeS pon (^fenbeef, ber be¬ 
rühmte S?otaniFer, ein ^Teutfeh: 

fatholifen, ein JrciQcift emeh in 53c3ug auf 
gefellfchaftliche ?ebenSperhältniffe, ber iugenb= 
liehe l^^raf C'buarb Pon :)feid)cnbad;, ein ehe^ 
maliger 3^nenfer ^ihir|d)enfdinftcr, ber mir 
burd) feine ganje 'i>crjönlid)Foit, feine i\iifd)e 
unb Kühnheit auSnehnienb imponivte, Aer^ 
binanb i^affalle, ein SllterS^ unb ^tubien- 
genoffe, mit bem ich oft in ben 'inerFellern 
ftunbenlang über .^egel unb 0d)cning biepu; 
tirte, ber auf mich burd) feine feltcne Kennt- 
nih biefer ^PhiMoph<^n, burd) feine 0d)lag= 
fertigfeit, feine bialectifche C^^eroanbtheit ben 
C^inhruef eines bebeutenben KopfeS machte. 
J:ann gab eS eine 0[t?enge ^?lnhänger non 
'!l3roubhon unb ber bamaligen 0ocialiften: 
bie franjöfifche ^eoolution fpuFtc in beii 
Köpfen. ^Tairch mein Xrama: „J)^obcspierre" 
trug ich ^tefer Dichtung meinen ‘Iribut ab. 
^)o^ meines ^leibenS in 33rcSlau foöte nid)t 
lange fein. ^|>rofeffor 53?raniü, ein gei)V 
reicher 5JFann, hoch mehr ber ^chelling’ichen 
^i^tung folgenb, griff in einem feiner t'ol: 
legien 5^apib 0trauü unb ^euerbach an; bie 
0tubenten proteftirten, inoem fie mit ben 


^•üfien fd)airten, roaS bamalS nod) nicht für 
5lpplauS galt, ^in 0tubent, ber fid) fpäter 
als 0chriftftc(ler einen geachteten 'Jtamen er: 
roorben, fteHte feine l5ommilitonen barüber 
in ber 3^^tung jur ?)tebe. Darauf rourbe 
pon 5lnberen eine gro^c 0tubentenperfamm: 
lung einberufen, in roelcher jener fich i’ccht= 
fertigen follte. 3** tiefer 53crfammlung er: 
griff auch ich ^ciS ©ort, ebenfo Vajfalle: bei 
meiner preeären Stellung genügte bicS öffent: 
liehe Sluftreten, ba6 ich ouch auS ^reSlau 
perroiefen rourbe. 3” J^c^cinjig ©agen, bar: 
unter pie'en iUerfpännern mit i^oftillonen, 
^ab mir bie 0tubentenfd)aft baS ci'cleit; auch 
Acrbinanb ;'affalle betheiligte fid) an meinem 
(Jomitat. 3ch begab mid) ^um C^3rafen 
.'Itcichwtbad) nad) ©talbborf bei ‘Dteiffe, roo 
auch ber gemafucgelte 'jL'rofeffor .^pofjmann 
pon gallcrSleben perroeilte unb bei ber ^^^unid): 
borolc feine unpolitifchen lieber fang, bie er 
fpäter als nagclfd)iihiger ^Jtinftrel ber 
heit in oielen beutfehen v^otclS ju fingen 
pflegte. 3^^ ber 'Jtähe hettte mein Onfel 
Drefd)er ein gropeS ©albgut: bort brachte ich 
abroechfelub ben 0ommer ju, fchof; gelegent: 
lieh Krähen unb (,^idihörnchen, ohne bei ben 
Icpteren beS IniltuSminiflerS ju gebeiiFen, ber 
meine ienbcn;eu perurtheilte, irie ich bie 
fei ui gen. 

Doch ich rouc'bc roicber in (^Miaben an: 
genommen, im 3cihve in D'erlin ma-- 

iriculirt, roo idi gleid) 3 eitig bei ben t^arbc: 
fd)üuen, ben 'JieufcliateHern, mein A^hr ctb: 
biente unb mid) bei ben 'Dtärfchen im Aran: 
^öfifchen üben fonnte, inbem ich ”tid) mit 
ben Cfficieren auS ^aufanne unb Ü^eufchatel 
unterhielt. ('S roar ein gang flotteS l'eben 
bei ben ö'arbefchüt^en unb roenn auch unfer 
D'arabemaifcl) piel gii roünfd)en übrig lieji, 
fo iparen roir bocl) in allem anbeien, im 
gerfireuten (^3efedU, fehr roohl am ^da^e. 

(^in Vieiitenant meiner (Compagnie theilte 
mit mir baS 3ntereffe für neuere Literatur: 
roir unterhielten unS fehr oft über bie nam: 
haften 0cl)vift|teller. Cn' ht^tte ben 'Dramen 
Pon ^Kofer unb roar lein anberer, als ber jc^t 
fo beliebte Vuftfpiclbid)tcr, bamalS mein un: 
gef ähr gleichalteriger '^'orgefe^ter. 

3d) erhielt nad) '.?lbfchiuS meiner Dienft: 
;eit, bie mid) allerbingS am 'ikfud)c ber ('ol: 
legien roefcntli^ gehinbeit höltc, baS Cuali-- 
ficationS;eugnif? ;um Vanbroehrofficier. 3*^ 
^^'erlin hatte icl) bie '^'efanntfd)aft mit Dheo= 
bor OJhinbt, ^eo^t^r ©el)!, '-I'arnhagen pon 
('nfe unb anberen 0d)viftftellern gemad)t. 
5^tun lüftete id) mich ju meinem iiiriftifd)en 
roctoreramen, roeldieS id) in Königsberg im 
lltärg 1M»‘» glüeflid) abfoloirte. Der junge 
Doctor trat auS einer ©olFe oon ^atinitat 
herpor, Pon roelcher bie je^igen Doctores 
jiiris feine '^Ihnuiig mehr 


ß- 




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27 


IS- 

teinifc^e große 5lrbeiten au 8 ben ^'anbefteu 
unb bem Äirc^enred^t, eine loteinifd^e ^^octor- 
biffertation, ein (ateinifeßeä münbiie^eä (^jrQ= 
men, bei roetd^em oicle (^Tontinatoren unb ber 
^jraminanbuS fic^ gleidimäßig an 3)?. X. (Ci¬ 
cero Derjiinbigten, bann noc^ eine lateinifd^e 
TiSputation — me^v bes Latein fonnte man 
faum oerlangen. 2 ll§ bei ber lepteren einige 
1 pbiloiopfjifc^e 5 *^agen berührt mürben, ^atte 
icß bie .^eperei, auf einmal baä profane 
Teutjd^ patt be§ l'ateinijc^eu 3 ur Stnroenbiing 
ju bringen. ^^aS b^tte jur 
beiben i^cbede, bie in i^rev roiirbigen Slintä- 
trac^t fic^ bereite bem ^albfc^Iummer über- 
laffen, auf einmal auf machten unb fic^ er- 
fiaunt bie ^ugen rieben. 

3lu(i^ meine '^robeoorlefnng über ^^ugo 
©rotiuä, $obbe§ unb '^.Uifenborf mar gliicf- 
lid^ oom 0 tapel gelaufen, unb id^ hoffte nun 
mit noden ©egeln in ba§ ga^rmafjer ber 
afabemifd^cn ^arrike einlenfen 311 fönnen, 
als Don Sßerlin bie Reifung fam, e^e icb 
mid^ ^abilitiren bürfe, müßte id^ ^^eroeife 
oeränberter (^efinnung geben; man merbe 
nad^ ^abreSfrifi micber nac^fvagen. Ta icb 
meiner C^ermnung nic^t eine fo rafeße Sanb= 
lungSfabigfcit 3 utraute, fo 30 g icb eS oor, 
baS 2 lnerbieten beS bamaligen 
torS in Königsberg, 'Jlrtbur Solteröborff, ber 
feines ^icbenS auch ^urift, babei aber ein 
reicher Idiann mar, an 3 unebmen unb Txa' 
maturg an feiner 23übne 3 U roerben. 0 o 
trat i% bem Tbcater nabe, oon bem icb 
eigentli* jeitlebcnS nidbt micber loSgefommen 
bin. 34 fübrtc ?efeproben ein, bei beneu icb 
ben Künfllern bie Jcnben 3 beS 0 tücfeS unb 
bie iBebcutung ber eiiuelnen (^botaftere auS: 
einanberfepte; icb roobnte aden Ibeatei'pro' 
ben bei unb oertrat ben ^irector in feiner 
2 lbmefenbeit. (IS mar bamalS eine ^lütbe- 
3 eit beS beutfeben JWepertoirS: e§ genügt, 3 U 
erroabnen, baß mir in einer unb berielben 
0aifon als 9^ooitäten (^ußforo’S „Uriel 
^tcofia", Jaube’S „KarlSfcbüler" unb grep= 
tag’S „53alentine" 3 ur Sluffübrung bringen 
fonnten. jeb felbft b^ttc auf (^runb einer 
fran 3 örif(ben (l^'rjäblung oon 0 oulie ein ^ra= 
ma: „i:ie 55linbc oon 9llcara" oerfaßt, meU 
dbeS mit (Molg 3 ur Sluffübrung fom, nacb= 
bem fein (^enngerer als C^ari ^ofenfran 3 
bureb einen Slrtifel in ber „KönigSberger 
3 eitung'' oon oornberein bie 5Bcbenfen 3 er: 
ftreut b^^ll^f melcbe man aderbiiigS gegen 
ben etmaS gemagten 0toff b^g^n burfte. 
5lucb febrieb er eine Kritif beS 0tücfeS in 
ben JÄötfcber’fcben „bramaturgifeben 
bücbern". Ta^ 0 tücf mürbe fpäter in Seip= 
lig gegeben, oerunglüefte aber bort megen 
bcS 0toffe8, ber eine Variante beS oon ^eb= 
bei oerfaßten Dramas: „IRaria dJfagbalcna" 
mar. 5)ann biebtete icb nieincn „?orb iBpron 
in ^loltcn", ber cbenfads mit (Erfolg jur 
Sluffübrung fam. gü^ 0 tücf interefiirte 
fid^ ber geniale 0 cbaiifpiclcr 53aifon, ber ba= 
malige 4)ircctor beS Hamburger 0 tabttbea 5 
I terS, unb er gab ficb dKübe, mi^ nach ^)ams 
bürg 3 U 3 ieben, meil er mich für ben geeigs 


& 


neten Ticbtcr hielt, um einen 0toff auS ber 
oatcrlaiibifcbcn ©efebiebte, ber ibni am ^txitn 
lag, bramatifcb 3 U gehalten. 

3 n 3 miicben mar baS Jabr 1848 angebrochen: 
ich btillc fdbon längere 3 eit in ber 0 täbtifcben 
?7feffource 33orträge gehalten, mie 3 . über 
ben ^^ilatonifcben 0 taat unb bie JRebner ber ba= 
bifeben Kammer unb auch in (^ebiebten bie 
"ißarifer Jebruarreoolution oerberrlicbt. Tk 
iRär^tage in 5?erlin riefen eine ungeheure 
9lufiegung beriJor: melcbeS (^ut 3 Ücfen, als 
nierft bie beutfeben i^arben an ben dJfüßen 
Der 0olbaten unb auf bem 5)acbe beS ’^ 5 oli 3 ei= 
pröfibiumS auftauebten! ^Die ^ürgermebren 
mürben eingefübrt, unb ich commanbirte bie 
gan 3 e ^ürgermebr eines 0tabtoiertelS. 3cb 
rann nicht leugnen, baß 311 meiner ^quipir= 
ung nicht nur ber '^^ofamentier, bei bem ich 
mobnte, biircb einen febroara s rotb = golbnen 
(^urt, fonbern auch bie 5;b^ol^^S[örberobe 
bureb einen geeigneten 0 äbcl beigefteuert 
batte. 3”^ffKn 30 g eS mid() nach Hamburg. 
5?ei ber ^^urebreije bureb 53crlin fab ich bie 
noch boebö^^b^t'^^^^^ Sogen ber reoolutionären 
^emegung, hörte bie Jl^ebner oor ben 3 ^ 1 ten 
fpreeben, auch ben langbärtigen ^elb am 
Krcu 5 berge. 3 » •^'aniburg oerfaßte ich nach 
iBaifon’S ’Plan unb im fortmäbrenben ^er« 
febr mit ihm baS Xrauerfpiel: „^ieronpmuS 
0nitger, ber 33olfStribun oon ^amburo". 
Leiber! aber fodte er felbft nicht mehr bie 
litelrode fpiclen: er erfranftc febmer unb 
ftarb. ^aS 0 tücf mürbe fpäter mit gläiuens 
ber 9lu3fiattung unb oielem iBcifad gegeben. 
(^Heiebseitig hotte ich bie iBcfanntfcbaft mit 
'4'ogumil fcamifon, ber bamalS am ibolias 
tbeater bic C^rftlinge feines JlfubmeS pflürfte, 
gemacht. Tort mürbe mein einactioeS i^rama: 
„Tk dJtarfeidaife" gegeben unb 2)amifon 
als .Gonget bc SiSle rief bei aden 3 ablreicben 
Sieberbolungen bcS 0tücfcS eine günbenbe 
Sirfung beroor. 3 ^ trampe, bem oon ^)eine 
gefeierten 3 ttbober ber Jirma ^)offmann unb 
C'ampe, mar ich in nähere 33 e 3 iebungen gc^ 
treten: er oerlegte meine „Sein= 3 ntmorteden", 
meine „©ebiebte" nnb fpäter meine „(^öt^ 
tin", einen poetifeben ^ibturambuS, in met= 
ehern meine erfte 0 turm= unb ©rangepoebe 
3 um 3lbfcbluß fam. 

3ucrft nach Königsberg 3 urücfgefebrt, mo 
id) bie I bcoterfritif ber „.'!>artuiig’icben 3 ^t= 
tuna" übernahm, manbte i 4 mid) bann mieber 
ber fcbterifdjen A^eimat 311 nnb mad;te bort bie 
5^efanntfci)aft oon (i^corg oon i*>aiienfcbilb, ber 
unter bem ricbtcrnanien War Salbau als ?i)= 
rifer unb ^fomanfebriftfteder aufgetreten mar. 
tiefer jugcnblidjc geniale ^Ciebter mürbe mein 
^>er 3 enSfreunb; ic^ befuebte ihn auf feinem 
0cbloffe J febeibt bei 53aucrmib unb er fam öfter 
3 U mir nad) ^rcSlau. 5lucb mobnte er meiner 
«po(b 3 eit bei: im 3 obi^ oermäblte ich 
mich mit Warie f^reiin oon 0 ebcrr: Ibo 6 
aus bem .^aufe ClbcrSborf. Sir 3 ogen 3 U 5 
erft nach .^'•amburg, bann nach 33reSlau, mo 
ich in ben 3 obr«it 1853 bis 1862 meinen 
Slufentbalt nahm. Weine ^)icbtung: ,,(5arlo 
3 eno" hotte ich in 3?erlin unb Hamburg 


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28 


5t' 


üorgelefen: ft« crfc^icn ]853 unb braute mir 
oiel glanjenbeS tin. (^Icid^jeitig 

rcid^le id^ mein erfolgreichfteS Suftfpiel: „'pitt 
unb Jop" bem ^reälauer Ih^^^ter ein, 
roo es alsbalb einen fchönen (Erfolg hotte 
unb über oiele 9?ühnen ging. (^|t 3 ehn 
3ahre fpäter brachte eS bie feiener 5?urg, roo 
cS bis heute ^epertoirftücf geblieben ift. 
53reS(au roibmete ich uteinc ganje 3eit bich= 
terifchen Schöpfungen unb roiffenjchaftlicher 
Arbeit: nur ein 3oht hinburch rebigirte ich 
baS geuitleton ber „93reSlauer 3citung''. ^icr 
oerfaSte ich nieine „^ationalliteratur beS 
10. ^oh^^hunbertS", meine „^oetif", meine 
Xrauerfpiele: „^ajeppa" unb „Xev 3'^abob", 
baS 2uftfpiel „Tie Tiplomaten". lieber 
meine (iterorifche Ihötigfeit eingehenben 53e: 
rid^t 3 U erftatten unb baran eine Selbftfritif 
gu fnüpfen, ift h'tr nicht ber Crt: ebcn{o= 
roenig bürfen bie intimeren 33orgänge beS 
^Familienlebens ein allgemeines ^utereffe in 
^nfpruch nehmen, ^^h rrioöhne nur noch, 
bah ith JWcbaction ber „Cft; 

preuhif^en 3^'*ung" in ^lofcn übernahm, 
bah ober bie Tenbcng, bie beutfehe unb pot= 
nifche ^ftationalität gu nerföhnen, auf J^inber: 
niffe ftich, bah ich eine JReife nach 3to= 
lien mad^te unb nachbem ich cu 5keölau 
meine „Katharina ^oroarb" oerfaht, bie [ich 
als bie roirffamfte meiner Iragöbien erroieS, 
im Jahre 18(34 nach ^cipgig gog, wohin mich 
bie girma J. ?l. il^rodfhauS gur Uebernahme 
ber ^ebaction ber „53lätter für liter. Untere 
baltung" unb oon „Unfere ^^^t" berufen 
hotte, lieber 22 ^ahrc leitete uh biefe 
fchriften, inbem i^ glei^geitig bie Ih^oter: 
fritifen, anfangs für bie „Teutfehe 3lllgemeine 
Leitung", feit 1S60 für baS „Veipgiger ^age^ 
blatt" fchrieb. jeh höbe in meinem lieben 
loohl über 2(X)(} Theaterfritifen gejehrieben 
unb auch meine 95ü^erfritifcn mürben, wenn 
ich fammcln wollte, eine beträchtliche ^ohl 
non Sßänben einnehmen, ^ier in ^eipgig 


fd^rieb idb bie Tramen: „5lnne^ion", „2luf 
rother Orbe", „Ter Vermittler", „5lnip Otob; 
fort", „Slrabeäa Stuart", „SchulröSchen", 
„Ter Spion oon JHheinSberg", gab eine neue 
Sammlung meiner (^5ebichte bei (^rnft i^eil 
heraus, mehrere Vänbe VortraitS unb Stu- 
bien unb fchrieb fieben, mcift gröbere O?05 
manc, oon benen ber hiftorifche: „3m Vann 
beS Schwargen 2lblerS" ben meiften '2lnflang 
fanb. Schon früher öfters an bie .?^öfe oon 
(^otha unb Söeimar eingelaben, erhielt ich 
non ben funftfinnigen dürften mannigfoche 
5luS;cichnungen. Tie gröhte würbe mir 
aHerbingS burch £aifer SÖilhelm 1. gu 
^ine cingehenbe Selbftbiographie würbe 
auch aus meiner ?cipgiger ?ebenSepoche fehr 
oieleS oon allgemeineni Jntereffe gu berichten 
haben: meine 93e;iehungen ju h^^oorragens 
ben Tichtern, gu oen Vuchhonbleni, Schau: 
fpielern unb Tirectoren, auch manche in= 
tiniere Vorgänge bcS höuSlicben unb ^amü 
lienlebenS, wcl^e wenigftenS oen 5lnthcil ber^ 
jenigeii finben würben, oie meinem bisherigen 
Schaffen ihre Spmpathieen guwenbeten. 3^ 
habe bie litcrarifche Vewegung ber lebten 
Jahrgehntc auf'S (^cnauefle beobachtet unb 
meine VemerFungen barüber würben nielleicht 
Veachtung finben; hoch mir felbft ift eS frag: 
lieh, ob i^ gu einem berartigen größeren 
Serfe Vtnfgc unb Stimmung finben würbe. 

So höbe ich im unermüblichen Ticnft ber 
stufen faft mein fünfunbfechgigfteS ^ebenS' 
fahr erreicht; hoch ich bcfiuc noch ooö 

l'^itclFcit genug, mich nicht gu ben faltgeftelltcn 
unb beifeitcgcfchobenen xHutoren gu rechnen. 
?luS ber V?ooc fann ich oi^lt gefommen fein, 
beim meine Schrificn finb niemals :Ot'obe 
gewefen. (frinuthigen mag mich in meiner 
SdhaffcnSluft baS faft einftimnüge llrtheil 
ber über meine ncuefte Tidhtnng; 

„VlerlinS Üöanbcrungen", ber oon feiner Seite 
ber Vorwurf ber ^lltcrSfdhwäche gemacht 
würbe. 


^6enöfte5. 


Still unb ruhig loirb'S im ffialbe, 
SlllcS fchläft auf ®evg unb §atbe, 
9iur ein lauer ^Tbcnbroinb 
Jlüfiert burdh bie Dämmerungen, 
Sanft unb leife, ungejroungen 
SBie ein fchmcidhelnb bittenb Äinb. 


Unb ber OJ^onb fteigt auf. Die VJellen 
@rü§en il^n als Spielgefellen. 

Doch fein weicher, milber Strahl 
Segt fich wie ein golbneS Siegel 
'3luf beS Stromes glatten Spiegel, 

2luf bie il5erge, auf baS Th^^- 


Unb ber trübe, pnftre Schleier, 

Der fich fchlingt um meine Seier, 

Steifet entgwei, unb mich umweht 
§eirge Stuhe — Stille. 

3 ;n mir fchweigen äßunfeh unb :ii3ille, 

2111 mein Sein ift nur ©ebet. 

§opf^U oon 


I 




«8 


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29 


, (9la(^bru(I berboten.) 

Hos jJfllkrotW9ltt>.*) 

/ 

fi« $ait« au5 un^fien fagen. 

$on giuritts Stoffe« 

(Sortletung.) 

^e^ßes 

2lt(anti§. 

SEßcr gleicht bir 3Jlenfd)]^cit, göttlid^cm ©cf^lcc^te! — 

2)ic Sü^c (cnfft bu, Dampf unb gtammcnglut^, 

Der (Slemcnte 9iiefcn finb bir Änec^tc; 

SBeltmccre beugen fi^ uor beinern 
00 monbelft bu in eigner ©öttcr^ut 
ßr^abne aJlenfd^^cit. 2(u§ bem ÜKorgcnlanbc 
3um DZiebergang roüt beine ^Bölferflutl^, 

© 0^1 mand^ ^o^vtaufenb fd^moub im Äriegcöbranbe, 

SSiä beine gtaggen me^n an D^uteS fernftem ©tranbe. 

5(merita, bu D^ule, grei^eit^füfte, 

Der 0e^nfud}t Sanb im ©onnenuntergang, 

33on ©egen triefenb, !^anb ber taufenb SrüPc — 

3^^ 33a^r^eit marb, roaö nur im Dicbterfang: 

„Umfcblungen feib ^D^ittionen" einf! erflang. 

Dein ©ternenbanner rocl^t auf allen 3Kccren; 

O 5rei^eit§lanb, uoll @lüd im Ueberfd^mang, 

Sluö beinern ©d^ooß fidb Sölfer neu gebären, 

Unb Sonntag^ im Oebet mitt alleö 8eib fic^ flären. 

Do(^ beffer, ©änger, menn bein ^pmnu^ fd^wteg. 

2Bie tief fant bie 5ltlantiö l^eut feit 3lo^ren! 

Da§ 8anb ber greil^eit tobt im Sürgerfrieg, 

®efreienb ©flauen, näl^rt ee ©flaüenfd^aaren: 

Deö Dollars ©flauen treibt bie ®ier ju paaren, 

DeS ©laubenS ©flauen bannt bie Ginerlei^eit. 

3m Sanb ber grei^eit bleibt, — bu fannffS erfahren, 

3nbe§ ber Ouäfer fielet ju ©otteS Dreiheit, — 

Sleibt Jüngers fterben bir jule^t bie einj’ge grei^eit! — 

©r^abne SKcnfd^^eit, emigen ©öttern glcid^ — 

9tadb neuften Sehren ©nfelin ber 2lffen. 

©r^abne Söal^r^eit leiert baS Äörperrei^: 

Der ©(^laufte nur uermag Suft ju fc^affen. 

Der ©martman nur befiegt ein §eer oon Saffen, 

SJfac^t baS Seben (inb jum ©d^lummerfiffen, 

3nt Äampf um'S Dafein gelten alle SBaffen. 

♦) fiierbure^ maAen toir biejenigen unferer ?lbonncnten, blc in biefem neu b^mugetreten 

finb, böfiicblt barauf aufmerffam, bafe tuit üon ben im 8. ^flbrflttnöc erfebienenen erften fünf ©uebern be8 
©olframöliebc^ «cparotabnüge genau im Jormate bc8 „Xcutfeben xiebterbeim" haben anfertlacn laffen, fo bofe 
bicfelben bem laufenbcn 3abrgt»igc unfreS ©lattcä mit bcigcbunben merben rönnen. Xiefe ©eparatabjüge, 
ca. 6 ©ogen umfanenb, finb jum ©elbfttoftenpreife bon 1 Jf für baÄ ©tücf birect öon un8 fomic bureb jebe 
©uebbanötung gu begieben. 

PU fxprbiiion bfs 


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30 


5 ? 


Snteöigcnj, fie ficgt ob ^)inbcrnif}cn, 

3ur 3D^Qgb er^ic^t fic (clbfl ge^orfam ba§ ©croiffcn! — 

intelligent Äoloffe tl^ürmt. Wit Ära(^cn 
3)ie 3J^inen fliegen, ©d^roinbelnb überbrüeft 
0ie I^äler weit, ^inftürmen geuerbra^en — 
im ^^ettlmif broufen Dampfer glanjgefc^mücft. 
i\)o 2öettenfport ba§ ?)anfee^irn ocrtücft 
®o fommt ber Sruber ionat^an oon binnen. 

3um 0cbanfpiel nur, baö laufcnbe beglüeft, 

^ag graufen ßampf Ütatur unb ^unft beginnen, 

aBaö 3Kenicl;enleben, pal^! ^ier gilt es @olb geminnen! 

inbeg Dktur lägt nimmer fid^ ocr^ö^nen: 

®en ©ifenponjer fprengt be§ ®ompfö ©emolt. 

©0 §ier mie bort. ©in ©turj mit ®onnerbrö^nen, 

®er ®a^ntug brennt. brennt Prärie unb 3®olb, 

33iel ^‘^unbert [tarben 3J^enfdb^” olt, 

5l'crbrüf)t, jermalmt, tfi*f^inettert unb ertrunfen 
im Trümmerhaufen, ber oon Ouolm umroallt. 

©elbft, ber bas (Spiel geroann, er ifl oerfunfen, 

©uch nach im Üei^enberg nach flü^tigen Jebenöfunfen. 


Um Tob unb Seben. 

,,®a lebt noch ©iner!" ruft ber SRetter ©chetor, 
„©eiüugtloö jroar, bod) unoerlcljt fürroahv. 

93er ift'ö? ein SDUlitair, un§ unbefannt, 

©in ©apitain oom ätegimente @rant. 

®a finb “i^mpiere au^. @ebt h?^ unb lagt fie prüfen: 
,93olfram ©nuin* — fo fteht’§ mit ^ieroglpphcn. 

©in 5^’c*nbling alfo, hoch maö weiter hier? 

Biotiten, 93riefe, faiferlich 1?apicr 

9?on 9Re|-ifo — eigenhänbige 3eilen . . . 

©obbam, fo fängt fi^ ein ©ufon bisweilen 
in eigner ©chlingc. gort jei^t in'§ ©pital, 

Unb bann tum nächflen ©orpS oor'^ Kriegsgericht. 

SBcr hangen foö, entrinnt bem geuerftrahl, 

Unb hüngen mug nach KriegSrccht folchcr '-föicbt!" — 

« * 

93aS brauf bie Unterfud}ung brad)t’ tu TngC/ 
95erlautet alfo furt im 9lct ber Klage: 

„9Solfram ©rmin — ein 9lbenteurer, roeltgeroanbt; 
Vorleben bunt; tulet^'t ©aptain bei ©eneral ©rant. 

3wci iahr tuoor oon granfreid) ehrloS beportirt, 

®ann 93ranb im ©chiff — mit ^nbern glüdlich e^appirt 
Unb aufgefifd)t oom ®ampfer, ber, ben ©rthcvtog 
9?ad) 9Rejifo bcgleitenb, grab’ oorüberflog. 

9iur wenig 9Ronbe blühte ihm beS KaiferS ©unft, 

®cr ihn gefdjäljt feit iahren fcl)on in mand;er Kunft. 


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31 




®nnn taucht er auf 6ci S^emtan unb bei ©cncval @rant, 
tapfer in her ffiilberneg, roarb Lieutenant 
®ci gifd^er^ ^ill; am Gebar Greef roarb er btefftrt, 

Sei 9laf^oitte bann jum ^auptmann ift er aoancirt. 

@0 meit in Widern Gijrcnmann, bod; Sriefoerfe^r 
3}tit dJiepifo bctaftet i^n nur adjufcbrocr. 

©ieicboiet, ob mit bem .ttaifer ^eut noch bie Union 
3n ftü^cn feineö grembUngs S^ron. 

3Ber mit SO^onarcben confpirirt, ber finnt Scrrat^, 

5(ud^ menn noc^ nic^t beioiefen roarb bie oollc £^at." 


^Ufo bie jllage. Tribunal 

®a^ neben ftrengen Gifrern eine 3^^^ 

TOilbbentenber; in 3ctten boc^, in fcbiirnmem 
3}tag Leibenjc^aft aud} Ginp(^t überftimmen. — 

Unb al]o fprad^ ber Delinquent: „3^r ,^errn, 

G3ott ftärfe G:ure 33eiö^eit. Dod^ nun loigt 
Die ooÜe äßa^r^eit: grcmb ift mir bie Lift, 

5luc^ jcglid^e Scrleugnung fei mir fern. 

^led^t finb bie Sriefe aflc mit bem c^ofc 
Son d)tepfo. Grlagt mir l^ier ju fcbilbern, 

Unb fönnt’ e§ meine $dbulb auc^ milbern, 

@0 mand^e fc^roere Lebenöfataftrop^e, 

3lngleid^en jenen §of unb ba§ erlauchte ^aar. — 
Der eble Äaifer mar feit mand^em 

2) tein Äunftmäcen. ©tücffelige 3^^^cn 
Gr^offt' ic^ bort, bie§ rcitl ic^ nic^t bcftreitcn. 

Grlagt au^ ju berichten, n)el(^e ©nabe 

Der fc^önen Äaiferin meine Lebenöpfabe 
©eebnet ^at. SBee^alb ic^ bod^ entflog 
9tad) menig 'd)tonben fd)on oon äRefifo? — 

3uerft: tocil mi^ granjofcn^ag bebro^te, 

Denn ba^ ic^ G^cgner beö 5)tapo(eon, 

Ser^aftet in “^^ari^, oerbannt unb fü^u entflo^n, 

Slieb fein ©e^eimnig feit ber letzten ^J^ote. 

Unb loeiter marb befannt, mie unoerioc^rt 

3) tein ^'öf, mie oft bie gürftlic^feiten 

3n großen Dingen loie bei Ä(einigfeiten 
Sertraulicb ^ulbooll meinen 9tat^ begehrt; 

Sefonberö ^aifer 3)ta|-. dJtein le^ter 9tatl;, 

©ie ade meine Sriefe bic^ bezeugen, 

Söar einer nur: „Sire, laffet Gucb nid}t beugen, 
Dod} roodt 3^^ Dauer für ben jungen Staat, 

So mad)t Gu^ lo§ oon bem granjofenbunb! 

Sajaine aUein, er rid}tet Gu(^ ju ©runb, 

Sajainc adein mad^t Guc^ beim Solf ocr^agt. 

Dem 3^}^ grembting aufgebrungen. 

9tur Gine§ l^ilft: regiert 3^r ungejioungen 
5U§ dJtann ber SoUöioal^l, nic^t alö frember ©aft. 
Sucht rafd^cö Sünbnig mit bem Gapitot 
Son ©afhington. 51(3 greunb ber freien Staaten 




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32 


i^crftort 6urcr Pfaffen 2RonopoI. 

2Bär’§ möglich, ba^ bem ^iorben mit ©olbaten, 

Xa§ !l!ce in hoppelt Jener bann gerätsen, 

3Bär’ halb ber ©ieg erfämpft ju beibev ißölfer 
©0 roürbet ^f)x ein $elb, unb 6uer i^ron 
©irb J^aucr ^oben trol,^ ber Rebellion." 

©0 mar mein ^|Han, unb bin icb be^^atb jd^ulbig, 

©0 richtet mic^ — i^ ^arr’ be§ ®pruc^5 gebulbig!" — 

Pin S?inf. J)er Delinquent mirb abgefül)rt, 

©ein Jrcimut^ Ijat manc^ SRiebter^erj gerührt. — 

„(?in fübner Äopf!" — fo flüftert man im Äreiö, 

„6in ©mavtman, ber ficb rafcb ju mei§. 

5lisenn auch ebimärenbaft fein SBäbnen, 

5Bir brauchten einen ©unb oon ©ouoerainen, 

©^ar bennoeb '^^lan, fo fübn alö toll, 

2Jtan meig nicht, ob man ihn oermerfen foll. 

3n)ar iffö ein Dutchman, boeb ifl man gerecht, 
man befennen, ba^ bie beutf^en ©ebaaren 
©^ie Jörnen fteben im ©efeebt, 

Unb tbeilen treu mit unö fo ©iege roie ©efabren-" 

„©i^ fie unö überflügeln nadb unb nach —" 

©erbiffnen @rimm§ ein jroeiter ?)anfee fpracb, 

2luf feiner ©tirn lag eine Unmutb§molfe. 

(Sin Dempcrenjlcr mar'ö, im Jürftenbaffc 
©in alter jRunbfopf noch oon ©romroeßö SRace. 

„3Baö fann oon Deutfeben fommen, biefem ©olfe 
(^otllofcr SScnn’ö ein ?)anfee mär’, 

Unb mär'ö felbfl ©iner ber SRebcllcn, 

3[cb gönnt’ ihm gern bie böcb^n ©brenfteHen, 

Doch folcbem äöinbbunb nimmermehr! 

Drum mein’ ich, lafet ben ^Ibenteurer laufen, 

Doch beffer mär’ö, man feböff’ ihn über’n Raufen!" 

©in Dritter brauf: „©i maö, bie ©ebulb ift 9tull, 
©ebieft biefen ©cblautopf lieber an 3!ob^^ 

Ütacb Jonbon felbft. 2öir möchten miffen, 

Cb man nicht b^ioilicl) bort ben ©üben ftü^t, 

©tit @elb unb äi^affen unfren Jeinben nübt 
Unb unö umftrieft mit taufenb ^Mnberniffen. 

©ebiett ihn bortbin. ©}enn Ueblee er erfuhr — 

K^a§ liegt baran — er ift ein Dutchman nur. 

Der mancherlei berart getrieben, 

Drum la^t ihn frei unb mahlen na^ ©clicben!" — 

♦ ♦ 

* 

33aö meiter bann gefebah? 33ie munberbar 
3;ft 3Jtenfcbeuloo§! ©orauö oft manche^ 

©erfünben Xräumc, ma§ bie ^i^fi^oft bringt. 

©ebeinie ©ilber beuten auö ben Jemen, 

©}nö in ben ©ternen 


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33 


«-53 

©efd^ricbcn fielet, auA rocnn'S loic aWärc^cu ftingt. 

§cil i^m, rocr gläubig, aber unberaufd^t 

®ann feinet 3nncrn Sd^itfialöfHmtncn laufest. 

§eil i^m, ber l^arrt, nid^t in ber ^xxt fc^rocift, 

©iS feiner 3citen golbne gruc^t gereift. — 

®oIA §eil roarb ©olfram oudb- 3*^ feinen ©lernen ftanb 

©on 2lnbcginne fc^on ber ©riten fionb. 

Unb fo crfc^ien bamalS in Äerfernac^t 

©rop^etifc^ unb oott 3oubermadbt 

@in ^olbeS ?:raumbilb feinen ©innen 

Unb führte feine ©eele roeit oon Rinnen: 

®n gelfencilanb, fc^iDcrtnut^ooII um^auci)t 

SKit ©raci)tpoIäftcn auS ben SBeßen tou^t. 

5ln roilben Älippen möoenumflogen 

SRoIIen unb raufc^en bie grünen ©ogen, 

5lber am ©tronb, roelc^ rounberfame ©d^au: 

3m ©etter raflet einfam eine 

Unb mit feuchten, mit foufenben ©inbeSfehroingen 

^)ör ich’S aus fommenben Uingen: 

♦ * 

* 

©ei§ branbet bie bleierne ©ogenfluth 
5lm gelSflronb auf unb nieber — 

9lm Seuchtthurm lobcrt bie Slbenbgluth, 

Unb ber ©turmroinb fingt feine Sieber. 

©er ifl bie bleidbe, bie flolje grau? 

©ie leuchten bie Slugen, bie 
9lllabenblich fommt fte im Slebclthau 
Unb fchaut roeit über bie ©eilen. — 

SJ^och flammt bie ©onne mit glühem ©dbein 
9lm gelSborb auf ben üJtauern. 

®ie SIZöuenfehaaren im ©inbe f^rein, 

®aS flingt roie unenblicheS trauern; 

S)ort fleht fie roieber mit flattembem §aar 
9lm ©tranb roohl ©tunbe um ©tunbe, 

9llS ob r« oergeffen baS roöenbe ^^h^ 

Unb fpricht mit ben ©türmen im ©unbe. — 

* * 

4c 

Erfüllter Iraum. 

Unb folcheS unoergeffne Xraumgcfidht, 

3ur lichten ©ahrheit roarb eS erft nach 
®ort fteht bie Sabp roirHich- SKein ®ebicht 
©oll treu nunmehr bie Äunbe offenbaren: 

9lm gelfen fleht fie, ber bie ©ranbung bricht, 

Unb fofenb fpielt ber ©inb mit ihren §oarcn. 

©tarr blieft ihr 9lug’ roeit auf bie ©ogenroüfle, 

9llS roenn ein fernes ©egel fie begrüßte. — 

„O ©pron, ^)elb ber eignen Obpffee, 

©enn bu noch athmetefl in biefen Sanben, 

iK-ä 


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34 


—--5g 

Dein Sd^rocvmut^licb liegt mir im Sinn. Sein 2Be^ 

^J^ad)tönt in meiner Seele milbem Sranben. 

Du ^ätteft mic^, mie icb bic^ tief nerfte^, 

Du ^ätteft meine Se^nfuc^t roo^l nerftonben. 

So raanbr id) ^aralb'^ Spuren nach, bekommen 

Cft unb Sann mirb mein §aralb fommen?" 

„(Manj roo^l, 9Jh)labp", fprac^en am Äamin 
"illuf ^^nfcl Sigl)t bic järtiie^en ikrmanbten. 

„So treibt 3»^r'ö lange l^^on im Spleen, 

Unb ^cber jä^lt (Sud^ ju ben Ueberfpannten. 

3 Jkn lie^ (?udb fd^alten frei, man lieg C^ud} jie^n 
i}(ad; 5^ovb unb Süb, ju Äüften, roeltbcfannten, 

So immer rcilbe Elemente gä^ren. 

Denn ^^r feib reic^ unb fönnt (?uc^ ba§ gemö^reu — 

„Dod^ treibt e§ nid)t j^u roeit. 2orb 

.r^arrt ^cut noch (Vuveci Sovts in Dtac^ficbt^milbe. 

Sol)l inand)cv '^Inbre Ijöufte Spott unb §o^n, 

Sie ^br eo triebt mit ©aribalbrs @ilbe. 

fcbmävmt ja überall für Rebellion 
Unb beeft fie auch mit (Jureö Dtamcnö Sebilbe, 

Unb bod), loa^ b^^f (Suren Dräumen, 

511^ nur bie fd}önften ^abre ju nerfäumen —" 

„Ser fennt mein Dräumen!" — unb fic lächelt fliH, 
i}ll^ fnbe fie ein 23ilb in fernen Seiten, 

(^*in ^'^elbenbilb, baö fie begrüßen roill 
(^ 3 leid;iam auö giogen unb oerid}ollnen 
Doch ob'ö ein Donquirote, ob's ein Sd)i(l, 

(?‘in ('‘ib unb ^^aparb - - roer mag brüber ftreiren, 

Dann feuf^te fie — „DJ^ögt 3b^‘ üeräcbtlid) febmäben, 

@ebt einen ^'^elben — b*^^‘ iJJpgmäcn!" — 

„3a mobl, ein tOelb — ^b'^ träumt non Sellington, 
i'on Dtelfonö ober ®i)ronö 5lbenteuem. 

3l)r flrebt uadb Senfation, felbft ^mlmerfton 
l^teint ba^, ber gern non Cvucb fidb ^ögt befeuern. 
i3ei Spöttern b^tgl 3^^' ^<^^9 ^^amilton 
Seit f^on; bie möibtet 3b^ erneuern. 

Den ©rogfultau bejaubern, intinguiren, 

@an 5 .f'^cUaci unb (Sgppten infurgiren. 

„Daö ift fo CSnglanb^ Vieblingöpolitif, 

(Sin Sport, 511 fd}üreu an ben ^lufftanb^b^'^^^*'' 

.^u manbelii mancbcö ^Heicb jur :ltcpublif — 

^od) lagt, maö foll auö (Sueru Gütern werben 
3 n Sd)ottlaub, mie in Saleo unb Sümerif ? 

^I^tau bört üon überall nid)tö alö Sefebwerben; 

Daö (Sub' wirb fein, mie ftetö in iold}Cu g-älleu, 

9}?an mirb (Sueb näcbftenö unter 2}hinbfcbaft [teilen, 

„3a, unter (Suratel, fo 3b^ mäblt. 

C^'rmäget bieö, au^ wollt iöcacbtung fdbenfen 

-18 


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35 


--jg 

I 

5 )cm, n)a§ bic Königin fc^vicD, luic mau erjäljlt — " j 

®o(i^ ftc empor: „§»ört auf boi^, mic^ ju fräiitcn, ' 

feib graufam, bog 3 !^)^* qiuitt. 

O^ur biefeö (affet mic^ bcbenfeii. 

3 lft'^ meine ©i^ulb, bag t?ng(anb nur in Flennern | 

®erü^mt ^cut ift, bod^ nimmerme(}r in DJJänneru. i 

„3Ba§ finb fie %iV — 9Bad}^5ilber o^nc iBliit, 
ga(f(affö unb Sooetaccs, ®efanbtic^aftöfna()en, 

Gofnepö, 3)ZobeUe für grifeure gut, 

2 Rit iöaefeubärten feltner^aft ergaben. 

®a freilich flammt uo(^ ftoljer Sritenmut^, 

@i(f§ on finnlofem ®port fid) ju erlaben 
Ober mie fonft ber Selbftfu^t 511 fpinnen, 

O loffct mid^!" — unb rafcb raid fie oon (jinnen — 

,,®a fe^t ein 0 d^iff, bae mit ber Sranbung ringt 
®ort oben auf ber ber fc^ioarjen ^Bogen, 

Unb je^t ein Sc^u^ — mie fd^auerlic^ ba^ flingt! 

0 e^t roie bie ©turjfee fommt (jerangeflogen, 

3 eljt tanjt e§ auf ben Stämmen, \c\^t bejmingt 
no^ bie glut^, menn ui^t bie Klippen trogen. 

3Bie nun, Sorb auf! eilet, l^elft unb rettet, 

Statt baß 3^r gä^nenb auf ben 5luögang mettet. 

ein ipelb feib unb ein SKann, | 

Siedeic^t, baß alle meine 3 ^eifcl fc^roinben!'' — 

S?unmel)r nicht länger fid} ber !^orb befann; i 

©r [türmt l}inau§, ben üootfen auf^ufinben. ^ 

5llöbalb ein fcltfam Sd;aufpiel nun begann: 

3ch^ 9 }^ann im 33oot fid) 311 bem 5Berf oerbinben, j 

3 eit noch ^'^ei Sd)üffc über SSogen fnattern, , 

3m Sturm ^erriffen längft bie Segel flottem. ' 

I 

Unb roüthenb heult bie he*l)lc See unb rafi, ' 

Unb jebe Sturjfee fchmemmt herab 'D^atvofen; 

3 ebt fifeen brei noch auf gebognem 3}iaft, I 

Unb mieber heult ber ©eilen Oonnertofen: * 

Su bift auf (fiben nur ein ßüchtiger @aft, 

Slltenglanbö Äüfte fann nicht 3 e^en fofen, | 

®o(h Jabi) ©ineralb liegt im ©ebete, 

3llö ob ihr eignet Veben fie erflehte. — I 


9lm jroeiten Xage roar'ö — im "^arlour faß j 

©in ipnger dRann, baö munbe tf^aupt oerbnnben; J 

©r faß an bem Äamin, bae 5lntlib blaß, | 

dtachbem er fchlief mohl oierunbjroanjig Stunben; 

5Run nahm er finnenb ab unb ju ein ©laö, j 

Oer golbne Sherrp f^ien ihm mohl 511 munben; 1 

Oer 5abp 5lthem aber ftoeft befangen, 

3 h^ 5luge glänjt, e§ glühen ihre ffiangen. 

_ ^ 


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36 


R-a 

(Sollte baö täufd^ung fein? (Sie benft entbrannt 
3ln jene Stadst auf blauen SDteereSroeUcn. 

„Set ®ott, ba§ tfi berfelbe fül^nc gant, 

®er mit mir ful^r unb jenen ^ampfgefellen. 

Äcin 3n)cifel me^r — id^ ^ab i^n gleich erfannt, 

Unb er? — mie feltfam fann er fi^ oerftcHenl 
SBie mar fein 9lame bod^? — roa§ liegt an SWamen, 

SSBer fennt bie Sraoen, bie in Sebaaren tarnen — 

„Xod) er ift febön gemorben, fonnenbraun, 
än feinen 3^9^^ 5 *^ör etmaö oerroittert, 

3!cbo(b ein 3Jtann, mortialifcb onjufebaun 
3m oollen ®art, menn auch ber TOunb oerbittert. 

^ö^ft munberbar" — roeiblidb ®raun, 

§alb ffionnefturm bureb ihre (Seele jittert. 

3to(b eins beftätigt ibr gebeimeö ?lbnen, 

2)er grembling fpridbt im Tonfall ber ®ermanen. 

Unb ®r? — al§ mär’ bie Sißa blauer SRaum, 

'Jtocbbenflidb faß er, ftarrenb in'ö ®clänbe — 

„33eim §imme(, fab icb ^llc§ bie§ im ^raum, 

®ie§ ©(bloß, bie Äüfte, biefe gelfenmänbe? 

?:äufcbt mich ein i?uftbilb nur ou§ SBolfcnPaum, 

Sin icb ^tn 9tarr bei folcber ©ebieffalömenbe?" 

Cft rubt fein ®licf mie prüfenb unb mie fragenb 
2luf biefer ®amc, unb fein 2Kutb roarb jagenb. 

^^T^rei 3öb^ freilich eine lange grifi. 

3Bo fab icb ®icb^ — mar’ö bei SDlarienä 
Sf^ir ift, als b“^l’ 3Kunb gefüßt 

3nt 3WonbcSgtanj auf b^b^^ ®allione; 

5lm SKafte mar baS ©ritenfreus gebißt, 
gaft gleicht pe jener ftoljen Slmajone, 
ü)Ut ber ich fammt ben ^bcntcurcrfcbaaren 
©on Oftia nach ©icilien gefahren —" 

3nbeß er febmieg. ®ie ^Ibenbrötbe fanf, 

§ell im £omine proßelte baS geuer; 

Unb mon^cn lag nun, manche SBodbc lang 
©rjäblt er feines JebenS 5lbcnteuer. 

®er Vobp flang cS 5lllcS mie ®efang, 

Unb jebeS feiner 3Borte mar ihr tbeuer; 

®ie anbern ©riten ftaunen, febmeigen, laufeben 
Unb braußen brauP bcS grauen SBcltmeerS SRaufdben. 

Unb er erjäblt oon ®aribalbi'S 3^9/ 

©on 9lSpromonte, mo fein gaß entfliehen, 

®ann oom ©arifer §of, oom ®ciftertrug, 

©om „Sittentat" im Dom ber 3*'öaliben, 

Dann meitcr, mie man ihn in iletten feblug 
Unb ihn begnabigt ju ßapenneS grieben, 

©om ©ebiffsbranb ouf bem SJteer, bann oon ber SRettung 
Durch Äaifer 2Ra|- in feltfamer ©erfettung, 

Ö-8 


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t5 


Som §of fobonn im l^cigcn 5Dlc^fo, 

Slud^ oon bcr ^olbcn Äaifcrin (S^arlottc, ' 

Dlid^t minbcr oon ®ajainc, bcr rau^ unb ro^ 

®ic ^i(fc granfrci(^ö licl^, bod^ nur jum Spotte, 
®ann roic er fpäter na(^ DIeroporf entflog, 

®on Scibta^ten mit be§ 9torben§ §ecr unb gtottc, 
®on S^cribanS unb S^ermonä §elben^ügcn, 

®on ^)oob unb See unb i^ren Siegeölügen. 

3ulcijt mie er im ®icnft beä ©encral ®rant 
®ie ©(^(ad^t oon Jtaf^oitte glorrei^ mit gcfd^Iogen 
(Sapitain unb olö fein ^bjutant; 

®om Sggericben unb 3)to§fitoplagen, 

5Iu^ oon bem Unfall, mo man ©riefe fanb 
9ru§ jenen golbnen me^ifanifc^en Xagen, 

Unb toie er bamal§ Äaifer 3)taj gerätsen 
6in fü^ne§ ©ünbnig mit ben freien Staaten. 

S)c§]^alb oerl^aftet marb er alä Spion, 

3umal mcil er al§ Sanböfned^t ftd^ erfrechte 
®e§ Sviefoerfe^rS mit einem fremben il^ron, 

Ttueb menn bic Sd^lau^eit gute Söfung brächte, 

• 5Bie anerfannt — obfe^on mit feinem ^)o^n — 

SBenn auc^ ben ®eutfd^cn fonft bie Sürgerrec^te 
©ernährt, bennod^ ?5tojc§, @cri(^t unb Sd^anbe, 

®a§ mar fein So^n im ftoljen grei^eitölanbe. 

Ob ©nabe ober Job fein tebteä Jooä, 

Cb mci^e Äugeln fid^ mit ft^roarjen mifd^en, 

9Bcr f(^ilbert folc^c ©tunben l^offnung^toS — 

9tur eine tc^Uc Stacht no(^ lag bajroifd^cn; 

Unb ©noin f^roieg. TOanc^ ©rite fanb i^n gro§, 
Unb eble ®amen bic klugen mifc^en; 

©r ober febritt ^inauä oon ber ©eranbe. 

Um frifd^e Suft ju fd^öpfen auf bem Stranbe. 

SJtpIabp mar gefolgt il^m Iei§ unb fad^t, 

Unb beibe roanbeln auf ber ®ünc ^cic^en, 

©om ^immel funfeit golbne ©temenpradbt, 

®a plöfelicb fa^t er i^ren 5Irm, ben meid^en. 

„5Dlptabp fpre^t, mi^ peinigt ein ©erbad^t, 

Sfticb bünft, i(b fa^ ein ffieib f(^on ©ureS ©leid^en, 
®icfe(bc feib 3l^r, bic ic^ fa^ im träume, 
tod^ früher f(^on gu Sd^iff im iEBogcnfdbaume?" 

„3db bin’S" — unb l^erjlicb brüdft fic i§m bic ipanb, 
„ter gütige ©ott im ^imrnel fei gepriefen, 
ter ©ueb geführt an unfern ^^fclpranb, 

3u meinem $aufc ©uc^ ben ©fab geroiefen. 

3Kir gilt'ö oom ©dbidPfal ol§ ein Unterpfanb, 
tag Segen blü^t auS f(^rocren £eben§frifcn. 

©leibt ^ier bei unä na(^ ©urem ©Bo^lgcfatlcn, 
toeb baö ©c^eimnig, bitt’ id^, roa^rt oor Sillen —** 



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38 


9tuö allen Sugen. 

Unb am fclben äBintcvabcnb fprac^ er om Äamine weiter, 

0(bn)iegen oueb üJ^plabpS Sippen, i^re Stirne ftra^Ite Reiter, 

Strahlten Reiter auÄ bie klugen, pochte bo(b i^r ^erj bekommen, 

3ll§ ©rmin begann: 

„llnb olfo war bie letzte ^ad^t gefommen, 

Se^te Dta^t unb leister üJ^orgen, ber empor am ^immel graute; 
^urpurrotb bie IRorgenfonne buvdb bie Ä'o^lenbünfte fc^autc, 

^Xle man mich jum Saale führte, roo ic^ jum @eri^t berufen, 
Ireppenauf unb treppennieber ging e§ 100^1 an bu^bert Stufen. 

3luf bem grünen Jifebe flammten um baö ßrucip^ bie Sichter. 

5^rauf begann mit troefnem Säckeln, fpradb ber ältefte ber SRic^ter, 

5)af; man freie JBabl mir laffe, ob idb fcbleunig reifen wolle, 

^lö ein Später, auSjuforfeben, ob un§ ßnglanb bcintlidb gvoUe, 

Ober ob i(b bienftentloffen lieber in SRewporf geblieben — 

Unb bie§ lebte wä^lt icb banfbar, e§ freubig unterfebrieben. 

,,^ber böfe ^age famen — ratbloö fag icb auf bem ^flafter 
Ohne 3Rittel unb gemieben al§ ein ®ettler, ein uerbagter. 

3war icb ^^Ue manche greunbe, manchen ©onncr mir erworben, 

®ocb bie meiften unb bie SReiebften waren rafcb babingeflorben. 

„3?iele fpracben: ÜReni(b, oerwöbnter, wa§ oerme§t Git^b 5 ^ flagen, 
ffienig fanben beffreö @lücf b'^^^ Äeiner fanb \)kx noch 23ebagen. 

3!ft ju 6nbe, wie ju baffen, halb ber Ärieg, ber 3}tenfcbcnwürger, 

@ebt bod) fort ber Äampf um’ä ®afein für ben ftellenlofen ^Bürger. 
®rum erwählet ®u(b ein ^anbwert, blüht auch §umbug oiel im Sanbe, 
jlein Seruf, unb wär'ö ber lebte, bringt (Such @b^*e ober Sebanbe. 

„5lnbre fpracben: b^^^t 3Rittel eine Sürgfebaft un§ ju fahlen, 

Äönnt ®lumen auf Tapeten unb SRouleauy für genfler malen, 
Äönnt al^ Golporteur bie neuften ^Racbt oerfaufen 

Ober auch oon Staebbruef leben, beutfebe ©ücber gicbt’S in Raufen. 
üRangel ift an 5lpotbefern, auch an ^lerjten, ^boocaten, 

5lu(b jum frommen Äanjelrebner, auch jum Pfarrer ift ju ratben, 
Stimme b^bt uortrefflicb, auch ®eftalt unb äßucbö ingleicben, 

3Ran^e Sportel, manche ^^frünbe lägt gemächlich fl^ erfcbleid^en. 

9lber wollt 3^^'^ J'oeb bequemer, wollt ^oeb oergnügter b^ben, 

aSBerbet Äellner, Äaffeefieber, SSierwirtb bei ben fieben Schwaben, 

Jtebmt bie SBittwe, bie auf Säger nodb oorbanben, 

ailleö fann ber fefte äBiüe; wenn 3b'^ 9^^ nichts fonft oerftanben, 

2Rügt 3b^ fcblicglicb Steine Hopfen, ober forgen für Satemen, 
glafcbcn fpülen, t^aarc febneiben ober ®rofcblcn fahren lernen. 

£ein 3)tetier, baS merft, ift febimpflieb, iebe9 t^anbwerf fleht in ©bven, 
Stebt'ö im glore unb oermag eö reicblid^ feinen aQlann ju .nähren. 

* 

aBa§ ich wählte in beö C?lenb§ Jagen, 
aSählen mugte — fpart cö mir ju fagen. 
aSieber wachten manche gähigleiten 
SegenSrei^ auf au§ oerfeboUnen 
SRancbmal glüeft e§ mir im Sollarhafcben, 

Unb ba§ Silber flang mir in ben Jaf^en. 


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39 


^ -SS 

Unb na^m bie läge, roie fic fameu, 
gü^rt längfl and) einen anbem J^amen, 

Spanten, ben ber Spott mir gab jum trutje, 

9?amen, ben id^ fclbft geroo^It jum ©cbul,^c; 

3la, xd) fd^lug mich bureb nach SanbeSfitten; 

Oft auch mürbe biä auf'ö Slut geftritten, 

3)^ancbcn geuerbed^cr lernt idt; leeren, 

®ott im 3Kcnf(benau§murf noch ju ebren; 

39tittcn im ©cfinbel unb vertreten 
Sernt icb mieber glauben, beten. — 

„ÜJtebr al§ ®iggin§burfcben, SRorobin§, irapper 
jßaren 2Jtetbobiften, Seelenfcbnappcr, 

Ouäfer, ^roingiancr unb 3)?ormonen, 

Üebte ^>eilige, bie am ©oljfee roobnen, 

9Kein ®erfebr in jenen bunten 3Bo(ben. 

SBabrlicb, mcife haben fic gefpro^en, 

SBürbig febienen mir bie 
3Benn bie ©liefe bintmelan fub febrten; 

®ennocb mar’ö, al§ fcblottre baä ©eroifjen 
®iefcr frommen ^eucbler, mie jerriffen, 

SBcil e§ barg gebeimnigooUe glecfen 
Unb bie ftete 3lngft oor bem ©ntbeefen. 

Sunt mar meiner greunb’ unb @önner 3ab^^ 

Sebrouren au^ bie SJteiften ju ®ott Saal. 

„Sarnum lernt icb fennen, jenen Seifter 
^ücbften Scbminbel§, ber Stcclome 3Keifter, 

®aun ^eabobp auch, ben grof;en reinen 
SUtenfebenfreunb; oiel bunbert 3lugen meinen 
$eut um ibn, ber ©tenfcbenmobl ju ftärfen 
Opferte SKillionen Jiebeomerfen. 

SBeiter auch ben oielbcrübmten SRiebter 
9tapnolb§, biefe§ erfte aller Siebter 
3m gemeibten Sunb ber Spiritiften, 

3cnem ^ion ber mobernften (^briften. 

SRancberlci fd^on b^b icb rühmen hören 
Son ber ®eifter unfiebtbaren ©bören, 

Som Serfebr mit f)of)tn Unfiebtbaren, 

J^ic au§ jener SBelt bfvniebcrfabren, 

Um im ^Pfubl ber Seiben unb ber Sünben 
^)öebfle Offenbarung ju oerfünben. 

„Siner mar barunter: ©reife ffiürbe 
S^ien be§ ^eiligen forgenooUe Sürbe; 

©lübte auch fein 3lug’ oft mie burebbobrenb. 

Suchte auch fein ©rinfen, mie ein fd}morenb 
Säbeln, megjutüncben roelfe Slattcrn — 

3u(ft e§ aui mebufenbaft mie Dtattern 
^uö bem §aar ihm, baö ihn grau umroallte — 

Äurj, aueb menn unbeimlicb jener 3llte, 

®ocb oon Salbung feine Sippen troffen. 

So im ©lauben. Sieben, mie im ^)often. 

Sieffinn auch in mancher SBeibeftunbe 

» 


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5to§ auö feiner lod^ter Hugem TOunbe, 

®ic roie SWtgnon l^olb in 2Kaienfc^öne 
^riefterin jugleic^ fd^ien unb (Jamöne; 

SKebium roor SKig TOaub. Cb fie SBeftale, 

Sie, bie bei ber Sampen 

Un§ allnächtlich nach 3J?eifler§ Söorten 

9luffchto§ eines ©eiflerreicheS Pforten, 

Grb’ unb ^immel, ^öD’ unb (Sroigfeiten 
Unb ^ahrhunberte oerfchoßner Seiten, 

Cb bie ffiürbigen aß' in grauen paaren 
©elbftbetrüger ober ©auner roaren, 

Cber ob bie ffiahrheit jroifchen beiben, 
ffielcher Unerfahrne mocht’S entf^eiben — — 

„DaoenportS unb §umeS unb ÄarbofS SWamen 
Sdhoßen batnalS weit, rounberfamen 
^eilSnjahrhciten fchienen (ichtumfloffen 
^ße liefen ber DIatur erf^loffen, 

S)ie oon fe ben gorf^enben bereichert, 
tiefe SRäthfel ringsum aufgefpei^ert 
Unb in glammen fe^t ber SKenfehen Sinne; 
3mar ihr größtes SBunber bleibt bie SKinne, 
Sleibt bie j^ßuenfehönheit aße 
3US bie güße aßer Seligfeiten. — 

„Sängß bejaubert lag ich Süßen 

95on 3Kiß SKaub, bejaubert oon ben fügen 
Sternenaugen unb Sirenenlicbem; 
©lücfocrheigcnb fchien fie ju erroibern 
SKeinen ©ahn — h*^ minften 3tbgrunbSfoiinen, 
3Kehr als aßer ©eifter ^enfeitSrtonnen, 

3Kehr als beS TOormonen ©ciSheitSfprüdhe; 
SKanchmal bacht ich ^^e^-enfüche, 

©0 fleh neue getrunfen. 

3Jtir au^ mar bie @rbe ringS oerfunfen, 

Unb ein h^^is SWitleib mit ber SReinen 
Strahlte mir mie fernes Sternenfeheinen, 

Sie oießeicht bem Slbgrunb ju entführen; 

So besegelt roar’S mit h^h^n Sdhroüren, 

Unb ber tag mar nah, 5^ erlöfen, 

Senen 6ngel auS bem Dlefe ber ©Öfen." — 

©ieber fchmieg ©rroin, in tiefem Sinnen, 
traumoerloren. ©ohl 3Rinuten rinnen, 

Unb bem träumer fchienen lichtumgeben 
Schatten fernen ©lüefs h^^^oufjufchmeben; 

S)ann in anbem tonS gehobner ©eife 
Sprach er weiter ju ber ^örer Greife. 

(gortfefeung folgt.) 




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csm 


41 


■s? 


'gtn bas 


®lücf, fäumfl bu roo, fo lang erharrt? 
bleibe mir nur ferne! 
lang getäufc^t, fo lang genorrt, 
(Jntfag ic^ cnblid^ gerne. 


3Jiic^ roarnt ba§ SBort oom ©ötterncib, 
5^er Stcrblici^e oernid^tet; 

3Baö lebt unb ringt, gehört bem Scib 
Unb foH nic^t ruljn bcfc^roic^tct. 


@lücf, fäumft bu roo? fürchte bid^. 

§ör ic^ nid^t fd^on bein ffieben? 

^alt ein! einJ ®cnn trönft bu mic^/ 

©0 iffö um mich gefebeben. 

$tep9an SRifoto. 


giommer 'punfe^. 

ßöm bo(b einer, fein ©eringer, 

®er ben S)iebcn ftopft bie ginger, 

3)er fic üor ber ganjen 33elt 
9fi(btig an ben '^$ranger fteHt; 

5ln ben Pranger bie ®eftebler, 

Streber, gälfeber, 2)icbe§bcbtfi^^ 

2)enn fo 9Kandben giebt'S, ber greift 
J^acb bem ®uten, roo cr’ä finbet, 

®er, roeil felbft er nichts erpnbet, 

9Ke(fcr an ben iBücbern )(bleift 
Unb barau§ ®cbicbte fdbinbet. 

«j&ennattn c^ittgg. 


'^on eSujt un6 cSciö. 


Süße Suft unb b^rbeö £eib, 
3i>arme Siebe, falten 9^eib 
^)ab’ idb rei^ genoffen, 

^ab’ö genoffen, roie e§ ooß 
5lu§ beö ©cbidffalö ©cboo^c quoll 
Unb mir jugcfloffen. 


Suft unb Siebe nahm icb auf 
3(n be§ Sebenö roirrem Sauf 
5ll§ beö ^yimmelö Segen; 

9teib unb Seib ertrug i(b bann 
Um fo fefter nur al§ SO^ann 
Sor beö S^icffalö Schlägen. 


Unb fo trob’ i^ allem Seib, 

Unb c§ macht babei ber SReib 
3Jteinen ®eifl nicht trüber; 

9llle Siebe, alle Suft 
gliegen in ber rounben ®ruft 
Segnenb ja barüber. 

^ar( S^refet. 






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42 


R-5S 


jie^t ein ^fab ba^in im tiefen 
Die Elfter iff§, bie treuti^ i^n geleitet; 

©n langer ^fab, ben feiten einer fc^reitet, 

Unb bod^ fo f(^ön, fo l^errlic^ alljumol. 

9luf gelfen fteil in gormen o^ne 

Muf aSälber trifft ber Slitf, mo^in er gleitet; 

SRing§ bunter garben 0c^mucf; milb auögebreitet 
Darüber golbig geller ©onncnftra^l. 

Da^ SBaffer raufest in feinem ftein’gen Sette — 
murmelt lüol^l ber 9lir in feinen ©art —, 

Serftol^lcn fingt ein Söglein non ben 3n)eigen; 

3Jtein ^erj umfd^lingt'§ gleich einer 3öuberfette, 

Unb märc^enl^aft erfc^eint mir biefe ga^rt 
Dur(^ eineä .^crbftgelänbö berebteö ©c^roeigen. 

_ 0tto itelTerDauer. 


gcp^ta’6 "lochtet. 

Spielgenoffcn, ftcHt ba§ SBeinen ein, 

9Keinc ©eele miü ergeben fein. 

3Äu§ mein Jeben aud^ fo frii^ uerrinnen — 

®o öb ift'S in meinem §er§en nidbt, 
©c^roeftern, ba^ nur ^lage au§ i^m fpric^t — 
Opferfreubig fc^cibe i^ non Irinnen! 

ffio^l mar’g f(^ön in unfrem ^eimatt^al, 

3So mir cinft im golbnen ©onnenftra^l 
Sei ben ©pielen fro^e i'ieber fangen; 

3Benn ber l^enj ben 2öeinfto(f grünen ^ie^, 

©ic^ bie Turteltaube ^ören lieg, 

Unb bie beerben nad^ ben SBeiben fprangen. 

eine Slumenfnofpe, in ber Ä'raft 
äJteiner ^ugenb roerb’ id} ^ingerafft 
Son bem Tob, bem fegcn^lofen, falten. 

3}teine§ SaterS braune Üoefe bleid^t, 

Unb in feine öbe ^ütte fc^leic^t 

©tiller ®ram, ftatt meiner bort ju malten. 

Doc^, ift audji ber ^wgenb Juft oorbei, 

Älagt um mid^ nid^t, unfer £anb ift frei! 

Den Triump^gefang oon 2Ki5ja’§ ©binnen 
Unb ber ©iegöpofaune l^eUcn illang. 

Der fro^lodcnb meinen ©djmerj bejmang, 

©oll mein 3lngftfd^rei nimmer übertönen. 


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43 


3[cp^ta’S iod^tcr Micfct o^nc Oual 
2luf bc§ 5Rici^ter§ fc^arfcn Opferfta^U 
@ottc§ ©timmc ifi'ö, bie mic^ gerufen, 

Unb fein SBtKe eroiglic^ gefd^c^! 

S)icfem Seben nod^ ein iei§ 2Ibc! 

Unb nun fü^rt mic^ ju ben ^eiligen Stufen. — 

9KafeUo§, roie auf bem Sranbaltar 
3lc bnö ®lut bei* jungen loubc raar, 

®a§ ju beinern Sflu^mc roarb nergoffen, 

©lüiger, fo ift auc^ mein ®lut rein! 
i'a§ cä bir ein gnobig Opfer fein, 

®rauö ben ^Keinen griebenörofen fproffenl 

9tofa 9ttt0faamett. 


^omtnerBifö ans 6ei fübiufjtfcQen steppe. 

(6ine SReifeerinnerung.) 


So roeit bie müben Slidfc gleiten, 

Äein Saum, fein Strau(^. ßrflorben, 
bleid^ 

Sfi 9ltle§ ring§. Sn öbe SBeiten 
Serliert ber ffieg fic^ fc^Iangenglei^. 
Äein Saut ertönt, nur leifc mögen 
5)cö @rafe§ ^Bellen fonnoerbrannt, 
®om leifen SBinbeSl^oud^ gebogen 
3Bie üon oerftedfter ©eifler^anb. 

J'aö @lö(f(etn Hingt, bie SRoffe traben 
®en oben Steppenroeg entlang, 

3u bem fic^ eine Schaar oon SRaben 
2luf fd^marjem i^lügel nieberfd^roang. 
S^r lifc^ ift ^eutc rcic^ gebcefet: 

©n Steppenrog ^at fid) oerirrt, 

Se^t liegfö oom 2Bolfc ^ingefhedfet, 
Son i^rer SRäuberfc^aar umfe^roirrt. 

2Bir fommen nä^er, unb erfd^roefen, 
Som ©locfentone aufgefiört, 

3erftiebenb, roie oom Sturm bie glodfen, 
Umfreift bie Schaar ba§ 2)rcigefäl^rt. 

raufc^en i^rer S(^mingen Schläge, 
(5ntf^munben ift fc^on fern bie Sd^aar, 
3tur SBolfen Staubet mirbeln träge 
Unb fetjen fic^ auf fileib unb ^)aar. 


2)ie Sonne brennt, mit geuergarben 
trifft fie bie led^jenbe SRatur, 

^üÜt 2llle§ rings in lichte garben 
Unb tilgt beS SebenS grüne Spur. 

®er Ä'utfc^er fingt jum ton ber Schellen 
9luS feiner §eimat §elbenfang, 

Unb mit ber töne büjtern äBellen 
3ie^t Sd^roermut§ burc^ bie Seele bang. 

9tur ferne, roo be§ ^)immclS Släue 
3um ®elb ber Steppenroellen finft, 
§ebt fi(^ baS 3^*^^^*^ em’ger treue, 
t)a§ kreuj, baS ^od^ im Slet^er blintt. 
ter Äirc^t^urm blidt als ftiöer Söäi^ter 
§in burd^ baS meite Steppenlanb, 
@leicb einem alten ©laubenSfec^ter, 

Sn feinem meinen Sic^tgeroanb. 

SeS torfcS altersgraue t)ä(^er 
©rieben bort i^r gaftlic^ §aupt, 

Umragt oon einem ^o^en gä(^er 
Uralter Sudben, bid^tbelaubt. 

Unb angefpornt bie Stoffe eilen, 

9tacib tranf unb Sd^atten lec^jen pe, 
t)od^ pnb beS SöegS nod^ oielc 9Wei^ 
len — 

t)aS ip ber Steppe ^oepe! 


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^eimatgfodieii. 

SRul^c roarb ber SBclt befd^iebcn: 3öo bcr ®a(b ragt, gegen 3}iovgcn, 

Jräumcrifc^ im 5Ibenbfvieben ^'iintcr'm Serg liegt fie Dcrborgen; 

liegt bie fommerlic^e glur; gveier ^ebet fic^ mein gu^, 

Seiö nur ^ebt ber 2ßeft bie Sc^mingen, ^)öre ic^ ber lönc fallen 

oer^aDt ber lerd^e ©ingen Unb i^r 5luf^ unb U^ieberroaHen, 

im leuc^tenben ^Ijur. 3Jieincr ^eimatglocfcn @ru§. 

3Jlübe bin id^, müb nom ffianbern, 9Bcn auf feinem ®ang burd^’ö ?ebcn 

längft gefd^ieben finb bie 5lnbern, ®urff ein ^immel^ton umWraeben, 

5)ic mit mir gezogen finb; J^effen ^^er^ nergi^t i^n nie — 

©rauer werben nun bie ©chatten, £), ben ^(ang uon ^)eimatgtocfen 

Diebel bedtet glur unb Platten, trägt baö rounberfamc Socfen 

Äü^ler wirb ber Dlbenbwinb. Dlßcr echten ^^oefic. 

DJlid) ergreift ein fliDcö Sangen; 9lu§ ber ^eimat, au§ ben gernen, 

$eimwärt§ ftreb’ ic^ mit Serlangen, ®roben über golbnen ©ternen, 

Sa umf(utl}et midi) ein ton, tönet jener ©locfenflang, 

©icb in weicher Vuft cr^cbcnb, — Unb ein ftille^ ^eimgeleiten 

©locfenflang oerfünbct fcbwebcnb Surd^ be§ Sebenö ©infamfeiten 

DJUr ber ^ciniat 9lu^e fc^on. be§ e^ten Sid^terö ©ang. 

fmma groon-^a^er. 


^ a f a t M 

9Bo^l bift bu fd^ön oon Dlngefid^t ©o blütl)enbuftig ift bein 3}lunb 

Unb l)errlid^ oon ©cftalt, äBie rotl^cr Slofen ©rüg, 

Sod) wie ber äßinterfonnc 8icl)t Socb feiner ©ecle, franf unb wunb, 

3[ft beinc ©c^önl^eit falt! Dfeic^t fü^cn trofi fein Äu§! 

Sein ffral^lenb Dlug', wol)l ift e§ l^olb Sem DJ^armorbilbni^ bift bu gleid^, 
feiner bunflen '^^rac^t, Sa^ unter SOfeifter^anb 

Soc^ grüßet nie baö 9}färc^cngolb 5ln jauberifd^er Dlnmut^ reic^ 

©emütf) burd^ feine 9lad)t! Unb ^eiTlic^ ^ ftolj erftanb. — 

Unb niemals l^at fein fanfter ©tral)l O, war bein fd^öner, ftoljer leib 
©in fel)nenb §erj crquicft, Som §aucb burd^glü^t: 

Unb nie bei frember Dlot^ unb Oual Sic ©rbe trüg' fein jweiteS 2Beib, 
§at'S t^ränenfeud^t gcblicft! ©o wonnig;]^olb erblüht! 

9Bo^l rcigt ber ©d^önl)eit Dlögewalt 
3od^ 5 ur Scwunbrung ^in, 

DlUein, baS Jperj — baS ^erj bleibt falt 
Unb licbelccr ber ©inn! — 

fbmunb ,^aben. 


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45 


gr 

I 


jüfoller "^aufinjelle. 


§o]^c SRüftcrn raufd^en 
Um jcrfallnc SIZauern; 

06 fie rool^f um ferne, 
0(^önre trauern, 

Ätofter ^kutinjcüe? 

Unb ber 3Jtonb irrt fragenb 
Ourc^ bie oben Ratten: 

2 Ö 0 finb bie ©cftolten, 

Oie ic6 einft jat; maUen, 
j^Iofter '^>auliu 5 eüc? 


I 0 fl. 


®6orge|ang unb ®Iocfen 
®inb tjerftummt, ocrme^ct; 

@in memento mori 
®urd} bie Orümmer ge^et, 
iltofter ^NaulinjeUe. 

^o^eit, ®lonj unb ?e6en 
0inb gemeint bem Staube, 
®oc6 au§ ben SRuinen 
^ebt ficb frei ber ®laube, 
Äloftcr '^^aulinjcüe! 

Stiißarb ^rfudf. 


3Sunbe Seele, flüchte bic^ 
beö .^immcl§ 3Seiten, 
ffio bie Sonnen lounberbar 
Surc^ ben ^letl)cr gleiten. 

3ln ben Ocean ber 
3ln ben uferlofen, 
lauere tief unb ppücfe bir 
Sfteine Üiebeörofen. 


Jrei^cit, roa^rcö 3}?en|(3^enr^um 
ältögen bid) begeiftern, 

Soll beö l^eben^ Unoernunft 
Dtic^t bic^ jelbft bemeiftern. 

9tie oermag, ob no^ fo l^erb, 
Oual bid^ ju be^roingen, 

33Jenn alö ®äd)ter, trotzig ftart, 
3»cnc bid^ umringen. 

_ yauf c^feemann. 



Homo neu Ins.*) '3Jtobernc§ (5poS in je^n 
(Gelängen obn Robert Haraerling. (Ajam= 
bürg, lö88. 3- 5- ^^ic^ler.) 

(^ntfacbe bc§ (i'ciftcS ?ciid}tc ju nie gefebnem 
(^lanj, 

Ooeb pflege bu bQä^>evg aiicb; pflege ben 
Feufeben ilranj 

Üefinniger (i'efübl^; toabre bnftig jart 
Oie St3lumc beutfeben (^emütbeS im froft’gen 
4)aucb ber ©egenroart!" 

(rin 23ierteljabrbunbert ifl oergongen, feit 
^amerling in feinem „Scbmonenlieb ber 


♦) ®cfprcrf)un0 ift gcfArieben, bebot ber 

SDidjter in biefen ®IäUcm ßeflcn oic mifeberftebenben 
ober QbficbtÜcb öerbrebenben ®eurtbeilunßcn beä 
munculu«" ba« äBort genommen bot. 9t.». 


jftomantif" fo Oeutfcblonb gemahnt bat, nnb 
jept roieberbolt er biefe ^Jtabnnng, aber in 
anberem, f^arfem 2^on, in ber macbtooHen 
Satire „A>omunculu8". 

Oer |>omunculuS, obroobl noch jung, beim 
er reicht mit feinem embryonalen Oafein 
nicht über ^BaracelfuS nnb al§ auSgeftaltetcS 
SBefen nicht über @oetbc jurücF, ift eine eebt 
mptbifdbe C^eftalt, roelcbe ficb jebem Oiebter 
gefättig bequemt, ber fie ju beberrfeben unb 
m befcelen rocip. .^amerling bat ibn jum 
OypuS unb Symbol jener mobernen 3lbart 
bc§ 3Jtenfcbentbumö gemacht, toelcber .^erg 
unb Seele fehlt. Oieje 3lbart be§ 9JRenjcbens 
tbumS fennt jeber Oiebter, toelcber ringt, 
ben Siberftanb ber ftumpfen Seit ju befiegen, 
aber barauf Fann ber Oichter beö „3lbaäoer" 
ftolj fein, bap er eine folcyc ©eftalt gu ihrer 






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46 


1»- 

23erförperung gcroS^ft uiib biefc fo gu ht- 
(ebcn gcrougt l^ot. 

^ic jüugftc ^id^tung ^amcrlingS erinnert, 
roie jcbeS gute mobcrne ^Did^terroerf, me^r= 
fac^ an anbcre 3D^cifterfd^öpfungcn bcr '^^oe|ie. 
@0 berührt fic ficb, tropbcm fie einen lüeit 
größeren Itreiä umfpannt unb tiefer gebt, un= 
groeifelbaft mit 3uliuä (Srofjeä„^efadb i3arber. 
I^ann roirb man an baö „lepte freie 2öatb= 
(ieb ber 9^omantif" erinnert, roenu auch oiel- 
leidet mehr burcb ben ÖJegenfab al§ bur^ 
bie 3lebnlicbfeit. 3m „9Uta Iroll" b^^^ten 
bie pofitio poetifcben Elemente ben oerneiuen= 
ben bie 3®age: b^^^ überroiegt bie 0atire, 
roetcbe oft faft jiioeualifcb rairb, ohne bocb, 
roie meift bei Juoenaf, au§ ber 'poefie berauä= 
jufaHen. 3b^^ 3orn ift ber 3örn ber ?iebe 
unb bie 0cbönbeit hält fie in ihrem 5ßanne. 

$)er Ü^i^ter b^t feinem Serfe baö 'Utotto 
oorangefdbicft: 

„(^eift unb 0inn bnt eroig Unraft, 

Ü^ur im -^er^en feimt ber griebe, 

Äeimt bie ^reube, lebt bie Viebe, 

2ebt ber bcil’gc ^DafeinSroiQe." 

2öer biefen ©dblüffel nidbt ju gebraudben 
roeiß, ber taugt nid^t 3 um ?efer, gefcbroeige 
benn jum ^ritifer. 

2)ie ecbte große 0atire tbeilt mit ihrer 
ungleidbortigen 0cbroefter, ber elegifcben "t^oefie, 
ben 3^9 jnm Unbebingten. 2öie ber 
fentimentalifcbe SpriFer nur unbebingt lieben 
unb loben fann, roo er liebt unb lobt, fo 
muß auch bie 0atire, roenn fie gelingen unb 
roirFen foll, mit roenigftenä f^einbor un= 
bebingter D'FücfildbtSlorigFeit gufcblagen bürfen. 
0ie forbert beähnf^ nodb gebilbetere ßefer 
als anbere ®icbtungSarten, benn nur ber 
böcbften 53ilbung ift eS gegeben, ben bejabcns 
ben (^ift im oerneinenoen 0cber;e, bie (5br= 
furcht oor bem Göttlichen in ber Verhöhnung 
falf^er Götter unb ben h^iFigcn 0chmer5 im 
jerftorenben Uebermutbe ^u erfennen. 2öie 
oiele Seute orgent fich über griebrich 93ifdberS 
britten $h^‘^ S'^nft! 

5)a§ 9[5er8maß ber Dichtung ift ber trochä' 
ifchc Dimeter, roelcben 0dbeffel in feiner 
fchroäAften unb belieoteften Dichtung gemiß= 
banbeit bnt. ®aß ^amerling ihn meifter: 
baft bnnbbabt, nerftebt fich oon felbft. 

§omunfelä Cebenögang ift in jtür^e folgen; 
ber. 2lu§ ber JÄetorte b^^^norgegangen, ift 
baS neroöfe greifenbafte Jtinb mit ber ^eift; 
ung feines 3?erfertigerS fo un 3 ufrieben, baß 
biefer fein Gcbilbe roieber in ben 0 chmel 3 ; 
tiegel 3 urücfroirft, eS auf ein ^rotoplaSma; 
flümpdben rebucirt unb bann in gebeimniß= 
ooHer SBeife beroirft, baß ber ^'>omunculuS 
nun oon einem Seibe geboren unb fo roenig; 
ftenS mit einem ©lieb in bie Äette ber 
SJFenfchbcit eingelenft roirb. 3n bem 0obne 
beS armen J)orffchulmeifterS ÜJtunFel ent; 
roicfelt fich, nachbem er liebenb unb bichtenb, 
beibeS glücfloS, ber 3ngcnb feinen ‘Tribut 
gebracht hnt, ber G o l b b u r ft. tiefem fröb= 
nenb, roirb er mit unermeßlichem Grfolge 
Sournalift. Leiber muß ich oerfagen, 

I»- 


auf bie föftlidbe 0atire biefeS GefangeS ein; 
jugeben. ^aS 0prichroort fagt: SBen’S 
jucft, ber fraßt fich- Siener unb anbere 
53lätter höben burcb böfe jtritifen oerratben, 
roie eS jucfte. — 3n bcr Grünber 3 eit roirb 
Ü)FunFel 5 um SBiflionar, roirb als folcber 
oergöttert, oerliert ben 33crftanb, barauf fein 
Gelb unb fommt nun roieber 3 ur SBernunft. 

0Fa^ biefen roißfprübenben Gefangen nimmt 
bie Dichtung im oierten Gefange einen noch 
höheren ^lufidjroung. 3 ^ geiftreicber Gifmb; 
ung fcbafft ^'amerling in ber 9tipe V?urlei 
ein Gegenbilb 311 m .t^omunculuS. 2jie 5ur; 
lei böt, ibccS ’JtiyenbafeiiiS mübe, ben n?bcin= 
ftrom oerlaffeu, [ich in ben größeren 0 trom 
beS Gebens geftüijt unb nun in buntem 
SÖedbfel 3 ablreicbe 3lbenteuer burdbgemacht, 
immer nach einem ^Roiine fudbeiib, bem fie 
in ü'iebe treu fein fönnte. 0 ie rettet ben 
lebeiiSmüben 3)hmFel auS ben glutben beS 
Scheines. SOhinfel bebt, als oaterlofeS SBefen, 
ben ^Fibelungenbort mit ihrer $^ilfe. 'i^eibe 
oerfuchen jeßt einanber 3 U betrügen, burch= 
flauen aber einanber unb reichen fieß enb; 
liib als Ebenbürtige bie ipanb. 3 ör §och= 
3 eit giebt cS eine toUe 3luffübruiig, in roel= 
eher ^amerling febeinbar alle 0 ?ichtungen 
ber mobenien beutfdben 'l^oefie abtbut, aber 
in nicht auberni 0imie, als eS Sucian mit 
ben ^^bi^ofopbien macht, ^^ie '^Jarobie ber 
SBaffer:, Sein;, Sier; unb 2 lbfpntbbichter, ber 
beutfdben '^erfer, ber mit Äinbertrompeten 
einberlormenben „ 3 üngften* unb ber un= 
fauberen unb babei Fonfequen 3 fchcuen 2lpoftel 
ber Sleifdbemancipation ift oon ariftopbani; 
fdber ^)roftif. 

^unfel gebt mit Surlei nach Glborabo 
unb grünbet hier einen mobernen 3}Fiifter; 
ftaat, einen 0 taat abfoluter OJiechanifirung, 
baar jebeS fittlichen GebanfenS, einen 0taat, 
in roeldbem bie „f^reibeit" ju einem 09 flem 
unbebingter '^Jarteifflaoerei eutroicfelt ift. 
^öftlich ift hier oor Willem bie '^erfifloge je; 
ner ^Fichtung, roeldbe in ber ©eftrafung beS 
©erbredbenS ein ÜJFoment ber ^JFaturnotbroen= 
bigfeit berücffichtigt loiffen loill. 3 ^ bem 
SrtajoritätSftaate tritt nun ein ©erfe^ter ber 
üJFinorität auf, 2eo §afe, unb gebt auS einem 
febr intereffanten, an bu^noriftifchen ©Fomen= 
ten reichen Äampf als 0 ieger bevoor. 5)ie 
Surlei, roelcbe ihrem Gatten ein rounber; 
fdböneS .^inb — ohne §er 3 unb beSbalb tobt, 
geboren böt/ ergiebt ^em 0 ieger. 0 ieger 
unb ©efiegte fommen grÖßtentbeilS burch beii 
Ausbruch eines GolboulfanS um. 3)hinfcl 
febrt nadb Europa 3 urücf. 

0ein nächfteS großes Unternehmen ift bie 
Erhebung ber 2 lf|en. 0 ie gelingt in ge= 
roiffem 0 inne nur all 3 ugut. S^folge einer 
„tedbnifch'motbcmatifchen Erziehung", roeldbe 
baS 3^eal aller naturroiffenfchaftsranatifchen 
Gegner beS bumaniftifchen GpmnafiumS fein 
müßte, bringen eS bie ^b^ere 3 U einem — 
„5lffentbum, fummirt mit ©ilbung unb mit 
Siffen", roel^eS fie befähigt, bie 3JFenfthen 
auf allen Gebieten ber Siffenfehaften, roelcbe 
noch Geltung höben, unb beS praFtifdben 


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47 


?cbcn§ gurücfjubrönpen unb cublic^ untcr= 
jod^en. 3lbcr bic 0icgev unterliegen ber ^ift 
ro^er Snbiancr, roelcfie mit ben ^fjeninftincteu 
3 u red^nen miffen. 

^^er folgenbe ©efong „3^ neuen 3crufa= 
lern" l^at am meiften 3Jtifiüerftänbniffe ^croor= 

? iernfen. 5^ie 1 ngenben beä jnbifc^en ^ami= 
icn= unb grcnnb)d)aftälcbenä feunt ^amer^ 
ling rid;crtid^ ebenfognt roie irgenb ein 2ln: 
berer. aber bie 0eitc beä jübifc^en 

Sebenä, rocld^e ber Oeffentlic^fcit jugefe^vt ift 
unb fid^ in il^rer aiiägeprägtcn (Sigenart bem 
0atirifer bequem baubictet, im SlUgemcinen 
ein energifc^eS ^l^or]^crr|d)en bcS iBcrftanbeS, 
oft eineö jerfc^enben, unb eines rüdfic^tSlos 
praftifc^en 0inncS geigt, baS fann nur bie 
blinbcfte ^Boreingcnommenl^eit leugnen. 
merting ocrieumbet alfo in feiner SScife, 
rcenn er feinen gelben finben ‘läßt 
feben 33ei‘ftanbcS 0cbärfe, jüb’fcbe bvciftDer= 
(cblagnc ^batfi-aft unb fo manebeS anbre 
3üb’|cbe ftebe na^e feinem eignen SBejen, 
nabe bem ^omunculiSmuS". .J'nmerling 
lä^t nun bic 3wben bei einer neuen, oon 
ihren Urbebern bcudblevifcb unb abfurb mo= 
tioirten ^Intifcmitenbcroegimg naib '^^aläftina 
auSgetrieben locrben. 2}cunfel tritt gu ihnen 
über unb regiert in ölS 3itbcn= 

fönig. ^Tie roieber aufgetaudbte l’uvtei loirb 
i^önigin. 

|)öcbft fpaöboft tft eä gefd;ilbert, roie bie 
SluSgeroanberten, unter ficb unb nur auf 
einanber angemiefen, loirtbfcbctftlicb unb auch 
geiflig ocrarmen. 9iotbf^ilb roirb mabns 
linuig unb fcbioört baS (Einmaleins ab unb 
fvrib üJtautbner „fehlt’ eS an berühmten 
!^hiitcrn unb in rafeuber SSergroeiflung geh^ 
renb an bem eignen i)Hd}tS, parobirtc er fidh 


I felbcr". 5Die a^emcine Ungufriebenheit mens 
I bet fich gegen 3Jhinfel; er roirb an’S .freug 
gebunben. 5)ort h^ngt er noch, alS bie 3^= 
ben, gurüdgerufen naq bem SBcften, roo man 
fie nun entbehrt, abgiehen. fWadh langem 
0träuben läfet er fich oon ^}lhaSocr loSbinben 
unb fchrt auf bem ^obtenfd^itfe nach ^'eutfeh: 
lanb gurücf. 

^r ift nun fanatifcher '^^effimift geroorben, 
roie bieS allmählig auch bie gauge wnfchen= 
unb ^tiblicp bcfchliefet man 

burd} einen gemeinfamen SiöcnSaÜ ben 
SSillen gum Seben gu oerneinen unb bamit 
bic ^enfehheit unb bic 2Bclt gu üerni(^ten. 
Tie 0^aucr beS nahenben SeltimtergangcS 
liegen über ber 0ccnc, roo aHeS 93olf, in je: 
nem SBillcn einig, roähi'^nb einer 0onnen= 
finfterni§ bic ^Vernichtung erroartet. 3lber bic 
0onnc tritt roieber h^roor unb lacht, bic 
Saffer unb bic 2öinbc lachen unb auf ben 
äöolfen fipen ©eifterchen unb lachen. Ter 
Äuü „eines blöben SiebcSpaarcS" h^^l 
0elbflDcruichtung ber ^cnf(hh«it ocreitelt. 

Tic groimrtige (%finbungS^aft beS Tich* 
terS erlahmt auch jegt nicht in ihrem gl^ge. 
Ter gchnte ©efang bringt ein „^nbe ohne 
(5nbc". 3^^ tieffter (Jinfamfeit macht ^unfcl 
bic unglaubli^ften (J-rfmbungen. üblich 
fliegt er mit einem ungerftörbaren Luftballon 
in Die Uncnblichfeit hinaus. Tie f^auerlidhc 
(EJrofeartigfeit biefer Seitfahrt, auf rocldher 
ihn gulcpt bic fchönc Leiih« ber Lurlci bc= 
gleitet, läßt bie Tichtung roahrhaft erhaben 
auSflingen. Ter eroig raftlofe crbcnfcrnc 
Jlug i|t bie lebte (Eoniequeng einer (Geburt 
unb eines Lebens, an bem bie Liebe feinen 



BMtlmmniigeii too allgemeiner Geltung. Jede Elnaendung, ttber deren ot. Verwendung Aue- 
kunft gewOuacht wird, muss deutlich uud mit nicht su blasser Tinte geschrieben sein. Ferner ist jeder 
Beitrag auf ein Blatt Papier besonders zu schreiben uud darf eine Einsendung deren höchstens fOnf 
enthalten. Briefliche Kritik ertheilen wiruur unseren Abonnenten und zwar sind für das Antwort* 
schreiben und Bücksenduug der Mauuscripte jedesmal 50 Pf. in Briefmarken (resp. 30 Kr., 60 Cts. etc.) 
nebst adressirtem Couvert beizufügen. Bei Einsendungen, welche au dieser Stelle Erledigung finden 
sollen, bewahre man sich dagegen Abschrift, da wir in diesem Falle Gedichte überhaupt nicht, grossere 
Arbeiten aber nur dann zurUcksendon, wenn der volle Betrag zur Bestreitung des Bückporto’s bei¬ 
liegt. Boi erstmaliger Einsendung ist Angabe der Bezugsquelle des „D. Ü.“ erforderlich. Briefe, welche 
mit Strafporto belastet bei uns aulangen, werden ausnahmslos zurUckgewiesen. Anonyme, sowie alle 
diesen Bestimmungen nicht Genüge leistenden Briefe verfallen dem Papierkorbe. Es werden nur 
Originalbeiträge acceptirt. 


A. B. in St. G—n. ©ie rooUcn un§ nid^t 
nur mit ^l'tüfiing 3hrcr (E'cbicfitc bemühen, 
fonbern bcanfpvu^en bafür auch noch ein 
J^rcicremplar! .stecht fo; ftolg lieben mir ben 
©panier —, nur nicht gerabc gegenüber ber 


9?ebaction, bie 0ic guerft in bie litcrarifchc 
5ßclt cinführtc. JLcnn ber JÄuhm ^h^eä 
9?amcu§ roirfli^ einmal bic SBclt erfüllen 
fonte,'bann mögen ©ie 3hi^« 5?ittc um ein 
Freiexemplar erneuern. ißi§ bahin aber abon^ 


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niren ©ie unfer 33Iatt, rocnn ©ic c3 beftt^en 
moUcn. (^inc 93cfpi-ed^ung „JuQenbs 

cilanb" ift nod^ nid;t erfc^icncii; and) föimen 
roir fie feiitcörocgö ocrbürgen. 

O. S. in M — n. ^in ^betrociß, oon bcr 

^anb einer Ü)amc in 31HJ0 m ^'ö^c gcpfliidt 
unb un§ freunblid^ft überreid^t — ba§ ift 
eine bie roir minbeftenä ebenfo „^oc^" 

5 U fd^ä^en roiffen. Cbgteic^ ber 33lumcn= 
pocfic fonft fc^r ob^olb, acccptircn roir boc^ 
Jl^r (^ebi^t „febclroci^", roeü c3 ben iPor 3 ng 
beä ©elbftertebten für fid^ ^at. 

C. S. inW—n. Xtjeitö jroar nerbeffert, 
aber roariim ^aben ©ie ben ©djiuft, auö= 
fd^Iieglicb gum 9iad;t^eile be§ C^^ebid^tö, nödig 
umgemooelt V 

Dr. K. S. in D —ch. 2®er mit nnfem 
2 lenbcrun(jen nic^t cinnerftanben ift, braucht 
rocitcre Cfinfenbungen nur ju unterlaffen, (o 
fe^t er fic^ biefer gatatität nid^t roieber auö. 

A. S. in B—n. roenben 

©ie )!(§ nur gefäUigft nac^ gr^idfurt, roo 
©ie unb nod^ jo mancher anbere unferer 
l^infenber neuerbingS ein 3tfp( für Obbac^= 
lofe gefunben ^aben, obgleid^ ©ie roiffen 
müfjcn, baf? ein geroiffer ^'^err Xoctor ba9 
'JJtenfc^enmögtid^e get^an ^at, nm un§ bort 
;u oerfebern unb 511 verunglimpfen. 25?ir 
paben übrigens ein gutes S^amenögebäc^tni^! 

F. S. in M —g. C^'ö roirb unS fe^r roids 
fommen fein, roenn ©ie unfer ®latt im 
bortigen „(^eneralanjcigcr" balbigft befpred^en 
rooden. IBir rid()ten überhaupt an ade unfre 
Jreiinbe, benen ein 3?latt jur i^erfügung 
fte^t, redyt angclcgentlid^ baS (^rfud^en um 
gleiche ©efSdigreit. 

P. S. in S—g. „(5rquidung" me^)rfac^ im 
SluSbrudf verunglüdt. 21 uf 3 pre frühere (^in: 
fenbung erhalten ©ie natürlich nodb birccte 
2 lntroort; roir müffen um etroaä (^ebulb bits 
ten, ba unS beim 5 ?eginn beS neuen ^a§r: 
gangS viele anbere 2 lrbeiten in Slnfpruc^ 
nehmen. 

K. P. in W—ch. 53eliebcn ©ie nur, unS 
baS iBud^ feiner 3 ^*^ 3 '* überfenben; roir 
werben bann bavon yjotij nehmen. 


A. S. in. R —8 „'BoctenlooS" (93efprcd^ung 
fönnen roir nid)t garantiren); R. D. in B—n 
„.^lagc um ben (:i^eliebten"; R. K. in B—au 
„itonrabinS lob" (fenben ©ie me^r ber- 
gleichen). Angenommen! 

C. R. in K—1; Dr. E. A. in L—d (nid^tS 
erhalten); P. D. in D— dt (tl^eilS adju barm^ 
loS, t^eilS im 2luSbrud nici;t rec^t flottj ; E. 
G. in K—e (Dr. C. F. M. wopnt in 3*”^^'^); 
E. S. in J—g (lebiglic^ bcr faloppen ^ieime 
falber unverroenbbar); H. P.'in T—r (roir 
roürben 2 lenberungen für nötl^ig galten, 
ergo —); Dr. A. W. in F—a; Dr. W. in 
F—t (2lbfci^ieb von ©an J^ranciSfo ift ber 
D^eimfteUung nac^ fein ©onett; auc^ baS 
anbere ift formed mangelhaft); H. H. in S—p; 
A. S. in G—a (für auju Umfängliches haben 
roir je^t feine ^^erroenbung); A. P. in G—r 
(ohne gebanflichc 53afiö); E. W. in VV—n; 
M. D. m N— r (ju h^rförnmlich); P. S. in 
K—g i. Pr. (vielfach fd^roierig in ber 2)ic= 
tion); R. F. in D—d (eine Senbung roie 
„baS 2 Ruttcrher;c mein" ift für unS genügenber 
GH-unb jur 2lbiehuung ciueS G'ebichtS); Dr. 
P. S. in S—t (roir fennen ^^^effereS von 
3hnen); Prof. F. L. in L—n (genügt noch 
nicht vödig unferen 2lnfprücheu): E. M. in 
K—s; J. VV. in D—m (inhaltlich 311 be= 
jeheiben); A. F. in G—g (laffen ©ie Weiteres 
fehen); H. K. in W—s; J. H. in Z—n (beibe 
(^ebichte verlieren gegen ben ©d^lup hin); 
J. K. in F—t a. 0 ; F. B. in H—g (adju 
fchlichO; ? B. in H-tz b. F. (fchaffen ©ie 
fi^ junächft eine '^octif an); R. S. in L—au 
(adteiglid)). Dankend abgelehnt! 

A. A. \V. in S—z. 2Bir vermiffen bie 3 ln 5 
gäbe 3 ^rer ißejugSqucÜe. 

Pruififffrerderichtlflitng. vorlebten 
25erö beS G'cbichteS „ jn bcr 31 laufe" von 
Ofobert ^'^amerling (JX. Jahrgang, dZr. 1 , 
©eite 9) muh cö ftcitt „bcS ?obc§ vod", „beä 
Leibes vod" hfifecn; auch «tflärt ber 5^ichter 
nachträglich, bah im 4. 23erS vor „einem 
3:ag lang" bie Einfügung eines i^ebanfens 
ftri^eS bcabfiihtigt ivar. feir bebaueni fchr, 
bah Pch in unferem 2 ?(atte auch einmal ein 
5)rucffehler eingcfthlichcn hat- ?. 3 t. 


(6(b(ub bcT tRebaction biefer stummer: 15. September 1888.) 


|fn$aft5veriet(Stitg. 

e^rbiditr oon ^itronpmiif £orm, ^»bie oon 3idiart, 3ttpbon JUilon, tirrmann Ciniio, 0art Prrfer, 0tto 
firBtrbanrr. Uofa KAbfaamen, €arl fllitn, (enna (Eroon-ÜIoorr, (fbmnnb ftobrn, ttiibarb (Srfnrtb unb Pani filrr- 
nonn. - Vni VolkramiUrb. ^in Sang aus unferen Sagen. SBon 3ntinf ftrofTr. (fffortfebung.) - Antobio« 
gropbifibe ttAdiblidir. 9)on ttttbolf oon «ottfibaU. (^ortfebung nnb ScpluB-) - eflibrrfiban. — firfeffiboltrr. 

gtT" nitt unter genauer ^nelTenangaOe gefiattet. 


IBeftedungen fmb gu richten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag), ^nfenbungen 
an bie Redactlon des „Deutschen Dichterheim** in Dresden-Striesen. 3n ^ommiffton: 
Trüb’sohe Buchhandlung (21. ©chmittner) in ZOrlch unb E. Steiger Sl Cie. in New>York. 


^_S 

^h^f^^^actenr unb (Sigenthümer: 3^anC <^ein|e. 
iCnttf von gfcrbinaiib Sbomab in ^CreSben. — fpaptet von bcr ^CrcSbencc fpopierfabeiL 


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Drgflii fiic Di(ütKun| iiiiil iicitiK. (Der „Srutfdien Siiliterliulfe" 18. £niul.) 

Herausgeber: 


MonaUioh S mal. Freit: 6 balbjihrl., Toranuablb. Mau abounlrt durch Jede Buohhaudlung, eowie di¬ 
rect bei der Kxpediiiou dee „Deutacheu Dlohterheim** in Dreaden*8trieeeu. Abbeatelluugeu we^eu nur bie 
1. M&rs besleheuUicli 1. September angenommen. Elneelue Nummern h 60 6 StQok einer Nummer .#1,60. 


itU mii ber ^i^dpfttttg fm 
0l^ne fli^tOare Staffen itnb 
JilTe# neriottfiet bie ^eit^ 

9itr bii^ ewige# SITeerl 


jlOer bftnbigett ftaitit fle bi<( itfe^ 
^efO^ wenn fit bid) bergbod) 

Pu eniwinbefi bi<9 ifr^ ba|| fle 
7or pi^merieu wimmert unb 6e6t. 


pi<9 Seine SS^uffe wunb, 

pi^ rnfrt nii^t no<^ <jeib^ 
ptt fpiegeffi ben <jbimmef^ - bein Sftnnb 
ptfmet Slu^ererii^Seit. 

peCSfl bie ^nrmifi^e pluffe^ bie 
Jlenu ifr 0bem fi<9 beinern nermif^^, 
7iere ^pftt ffnrmenb int ^rnff, 
39irb bur4 bi^ gtßätii nnb erfrifißt 


pie /nft iß ewig wie bnl 
faui^t im SSei^feffaui^ 
SlnfierOCii^e# <jeOen emß in 
9ub uäftf ßerdd^t SBeftu nn^« 

39ir trinten bie /nft mit ^ier^ 
pie unfern 0bem erneut^ 

Po4 frnnS nerfi^mftfen wir^ 
pen beine ^fntf nn# 6entl 


Pein ßnuiß wedit J^tden^mnif, 
Peine SBtfft ftiCi J^eißt^noif, ^ 
Po4 bnrflig #n# beiner ^Cntf 
pi4 C«Sen wiff^ trinSt ben fob. 


piriebri^ n#n SIsbenflebt. 



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50 


per größte Pidjter 'Ungarns.*) 

oon Dr. <^bofp9 iiofitt. 


jjgKjUM Q^i Heine, nid^t mel^c n)ie fed^g 
JDMQionen 3 äl)(cnbe magpar= 
^ ijd^c 33olf, roclc^eö eine 0prac^c 
ipri^^t, bie jum malQ 9 i|d)'ar= 
- taifdpen 0pracbfiamm gehört 

unb bie nur mit Sem ginnif^cn unb ^lt= 
tiirfifc^en eine entfernte Sle^nlic^feit bcfibt, 
^at bod^ einen tprifd^en I"ic^ter berporgebrac^t, 
roeidber feit feinem erflen 3lufiretcn bie 5(uf: 
merffamfeit gang (^iiropag auf fid^ teufte, 
unb beffen ^oefieen in ber Weltliteratur 
@i^ unb 0timme errungen haben. 911 e ? a n = 
ber ^etöfi ift biefer ©eniuS oon ÖotteS 
©naben, unb er gehört gu jenen großen ^oe« 
ten aller roelche nid^t für ein 3?olf, 

fonbern für bie gange SDfenfehheit gefchajfen 
unb gelebt haben. Wie ein hcllftrahlenbcr, 
glängenber Äomet, beffen ©rfebeinen ebenfo- 
roenig mie feine 9?ahn porher beredhnet roer:: 
ben Tonnte, tauchte er urplöblich am Jyirma; 
ment ber ungarifchen Tichtung auf unb oers 
fchnjanb — erft fechöunbgroangig ;Jahre alt 
— ebenfo rafch, roie er gefommen, aber bie 
0puren feineä ©rbenbafemö loerben felbft in 
9leonen nicht untergehen, unb nennt man bie 
9?amen ber beften unb originellften tprifeben 
^)ichter, roirb auch ber feinige genannt. Wie 
bie Fata morgana ber ungarifchen l^upta, 
roelchc ben Wanberer anlocft biird) ihr bunteä 
J^arbenfpiel unb bie pbantaftifeben i^ilber, bie 
fie geigt, fich aber rafch oerflücptigt, luenn bu 
ben 3auberfpuf ber $?uft mit .f^änben greifen 
roillft, fo toar auch ^as ^cbeu 9lleranber 'Iße^ 
töfl’g ein faft traumhafteg, irrlichtelirenbeg, 
unb felbft an feinen iob fnüpfen fidh bie 
munbcrli^ften ^Itorchen unb 0agen an, roelchc 
jum ^hfil bie ^hantafie feineg ü^olfeg nod^ 
jept befchäftigen. ©ine folch’ orginelle ©r= 
fcheinung im Jeben mie in ber ^Tichtung, 
im Nahmen einer flüd)tigen 0figge, bem 53er= 
ftänbnih beg gefchapten Veferg — auf ©riinb 
bigher ginn Th^if ^^a^h unbenupter, gum 
2:hcil nur in magparifdher Sprache erfd^ienener 
Cuellen — näher gu bringen, foU bie 9luf= 
gäbe ber nachftehenben 3c*lcn fein. 

9lle^anber '^etöfi mar ein 0ohn beg 93olfeg; 
in ber fleinen ungarifd)en 0tabt .ttig^.'i^örög, 
im '^^efter Ä'omitat, mürbe er am J. Januar 
1823 alg 0ohn cineg gleifchcrg geboren. 
93alb nach feiner ©eburt überfiebclten bie 
©Itern nach ber rein magparifchen 0tabt 
gelegphaga, roelcpe ber Xiepter ftetg alg feine 
eigentliche ^eimat betrad^tete. .^Nier im un: 
garifepen ‘lieflanb, roo bie enblofe ^aibe fiep 
augbepnt unb bie 93eherrjcher ber 'Vupta: ber 
S^oppirt — Csikos — ber iKinberpirt — Gu- 
lyas — unb bag roilbe gütlen ipr Wefen 
treiben, unb roo oft ftunbenlang nid;tg ©rüneg 
bie enblog ftep augbepnenbe ©Sene unterbricht. 


(Staegbruef berboten.) 


oerlebte ^^etöfi feine erften ^^nabenjapre. Unb 
bod) liebte er mit ber gangen ©lutp feiner 
Jyeuerfcele biefe Heimat, unb ber reiglofen 
©egenb pat er in feinen ©ebiepten bie Un- 
ftcrblid)feit geficpert. Wie Tranig ift niept 
bag ©ebiept: „91 uf ber .C'^eimatgerbe", roo er 
u. 91. üngt: 

.'nier auf biefer Jlur bin icp geboren, 

9luf bem 5:ieflanb, bog fiep flacp pinjiept, 
riefe 0tobt pat einft miep groß genapret, 
^ier oernapm icp meiner 9lmme Sieb; 
^ör’ eS beutlid) noep, roie bamalg icp 
Hein: 

„^O^aifäfer, golbneg ^O'taifäferlein!" 

riefe ^''eimatgeinbrüefe oerfepltcn it^c 
Wirfung auf bag jugenblicpc ©cmütp mept. 
00 ift er ber trciiefte 5)taler ber 9tatur ge: 
roorben, unb fein 'l'cgafiig, roelcper in ber 
'l^upta geboren roiirbe, füplt fid) baper auep 
am rooplften auf ben ^Wuinen ber Csürda — 
roie bag Wirtpgpaiig in ber '^^upta peipt — 
unb roenn er bie 'il^eroolmer ber 0teppe be: 
fang, einem 93riefe, ben er am 31.9}tärg 
1847 an ben nunmepr aud^ oerftorbenen 
gröpten ©pifer Ungarng, 3opann 9lranp, ge: 
rietet bat, fagt er u. 91. über biefe oolfg: 
tpümlicpe fRid^tung feineg ©kniug: „Wag 
roopr ift, ift and) natürli^, unb bag 9Mtür: 
licpe ift and) gut unb fepön. Xag ift meine 
9leftpetif." 

3n Jfölegppaga befuepte ber ^nabe bie 
0d)ule niept, jonbern bie ©Itern fanbten 
bciifelben gu bem eoangelifepen ©eiftlicpen 
2Rartim), roo er '^irioatiinterricpt empfing. 
0päter befuepte er bie 0cpuleii unb ©mns 
nafien lu .«eegfem^t, 0t. i'örincg, ©pönf, 
'4'eft unb 9lfg6b. .^icr, roo er in ben Japren 
1835—1838 bie 2., 3. unb 4. Älaffe beg 
©pmnafiiinig abfoloirte, begann er, roie er 
in feinem lagebiKpe ergöplt, gum erften 9Jtale 
©ebiepte gu ücrfevtigcn. !^Mn ^apre 1839 
trat er in bag lutperifcpe Cbergomnafium gu 
0d)emnit=«, ber altberüpmten 95ergftabt, ein. 
rie grope isrüpiaprsüberfeproemmung ber 
^peip oon 1838 unb anbere Unglüdfgfälle 
brachten ben 9iater beg jungen 9Dlanneg an 
ben 9^ettelftab, unb biefer Umftanb oerbüfterte 
bag ©emütp 9lleg‘anberg, ber feine ©Itern 
gärtlicp liebte, ungemein. 93on früpefter .U'inb: 
peit pegte er ghipenbe 2iebe gum Xpeater 
unb )o entfcplop er fiep eineg lageg, feine 
0tiibien an ben 9^agel gu pängen unb unter 
bie Itomöbianten gu gepen. ©r reifte naep 
93ubapefi unb liep fidp, unter bem Ütam.en 
iWiUiai, alg 0tatift am 'f.^ter 9'iotionaltpea= 
tcr anroerben. Wie ber iiepter in feinen 
„9tcifebriefen" ergÖplt, patte er nieptg an= 
bereg gu tpun, „roie bie 0tüple unb 0oppag 


♦) Stägm» über ibn — erfegöpfenber qI8 c 8 in biefer ©flj« möglidj toar — finbet ber geneißte fiefer 
in meinem 2Berfe: „8tu8 oem fReicbe ber Äarpatben. Unganfdje l^niibfcbafts*, (Fulturs, fiitteratur* unb 
©ittenbilber. ®on Dr. 8tbolpb Sioput". Stuttgart, 3 . (M. (Mocfcbcn’fctje aScrlagbpanblung. 


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auf bie Sübnc ju bringen nnb auf 33«fc]^I 
ber 0 c^aufpicIer in ’8 ©irt^ä^auS gu lonfcn, 
um für fic Sein, Ää(e, 0 pecf k. 511 
beforgen." $^er erjürtUc 33ater taud^te plobtid(i 
in ^eft anf nnb jmang ben 0 ol^n, na(^ ber 
Jpcimat 3 urücf 3 ufe^rcn, bamit er bort ber 
gleifd^b^iicrfunft mibme. (?r l^attc aber be^ 
greiflic^crrocife 3 U biefer „i^:un|t" feine ?nfl 
uub fein ftart ausgeprägter Unab^ngigfeitS- 
finn, ber fid^ nad^ I^aten feinte, mar fÄutb 
baran, bafe er nunmehr unter bie — 0 o(: 
baten ging nnb fid^ bei bem beutfd^en 3 n= 
fanteric; 9'fegiment 311 Oebenbnrg anroerben 
lieg als „gubgänger, ben Miragen ^rün, bie 
ÄnSpfe gelb". (5r bie miUtärifcbe 

(Karriere febr t)übfdb gebaebt, aber atSbalb 
fam bie (s^nttänfebung. (^§ uerbrob ib^ 9 ^' 
roattig, bab er geborgen mubte, bab ib« fein 
Korporal brifltc, bob er über bie feftgefepte 
3 cit l^inauS fein ?id^t brennen burfte, unb 
bergleicben mehr. T'ie 0 trapa 3 en beS ^3JtarfcbcS 
naq Kroatien roarfen ibn auf’s Ä'ranfen= 
lager nnb er mnbte in’S l^a 3 aretb gebracht 
werben. 3lm 2 S. gebruar 1<S41 erhielt er als 
„Snualib" feine CJiittaffiing auS bem ^lilitär^ 
oerbanb unb er entfcblob Heb ouf’S 9tene, 
„fein (55liicf" abermals beim Ib^Ql^r 3 « 
fueben. 2llS roanbernber 0dbaufpieler bureb- 
30 g er mit allerlei „ 0 cbmieren" unb „3Jteer= 
fd^roeind^en" fafi gan 3 Ungarn unb wenn er 
auch wäbrcnb biefer feiner bornenoollen Sauf: 
bahn unenblidb litt, barbte unb hungerte, fo 
lernte er boeb fein ^'aterlanb genau fennen 
unb fein ©epebtsfreis erweiterte ficb immer 
mehr. 

9facb biefen ftürmifd) bewerten Sehr-* unb 
Sanberjabren erglän 3 tc enblicb im 
1842 für ben Jiunglmg ber 0tcrn beS C^r= 
löferS: in biefem Jahre gelang eS ihm, ben 
bamals bcrübmtcften ungarifAen 5^icbtcr 
Uticbael SßöröSmarti) unb ben bcbeutenbften 
Äritifer Jofepb i^aj 3 a für feine Iprifdben 
biebte ju intereffiren; bie beiben, ent 3 Üdt unb 
Mngeriffen oon ben Offenbarungen eines 
Originalgenies, öffneten ihm bie 0palten beS 
Don ihnen b^^uuSgegebenen beUetriftifeben 
33latteS: „Athenäum“ unb eS begann eine 
glan 3 enbe Öicbtcrlaufbabn, bie allcrbingS blop 
fieben jöbte, bis 3 um ^obe beS OiebterS auf 
bem 0cblacbtfelbe 1849, bauerte, ben jungen 
3lbler aber auf jene 0onnenböbe beS 9iubmeS 
unb (^folgeS erhob, auf welcher er jeht um 
feren ^liefen erfebeint. Jni 3lnfang freilich 
ging eS auch mit ber 0cbriftpcllerei fümmer: 
lieb; bie ungarifebe Sitcratnr war bamalS 
noch eine Saare, bie geringen 3lbfab buH« 
unb 3 U ben Sorberen fehlten bie Äajrpfen; 
nodb 1843 mupte er als 0cbreiber ber 9tei(bS: 
tagSoerbanblnngcn 3 U 'l^refeburg pcb oermie: 
tben, um ficb ^^ui ^'unger 311 fd^ü^eu, 
aber je mebr fein 9fuf pcb erhöhte, unb in 
je weitere Greife feine (Gebubte brangen, befto 
forglofcr geftaltete ficb feine ^ufunft unb 


befto mehr wicb bie 9ffotb bcS SebenS. ‘Der 
20 jährige Jüngling würbe im Jahre 1844 
^ebacteur ber oon bem 0 cbriftpeller SBa^ot 
berauSgegebenen beactripifeben Soebenfebrift: 
„Pesti Divatlapok“ — „wer 9Jiobenblätter" 
— unb feine (feebi^tc würben — etwas Un^ 
erhörtes im bamaligen Ungarn! — wieber: 
holt aufgelegt unb brachten ihrem 3lutor 
ni^t nur fonbern auch @elb. 

Um jene 3cit erwad^tc in feinem $er 3 en eine 
mastige SirbeSlcibenfcbaft 3 U ber 0cbwMerin 
l'ahotS, (^telfa (iSapö, einem bilbfebönen uftäbs 
eben oon fiinf 3 ehn Jahren. D5affelbe Parb fehr 
früh / uoch ber 0turm beS SebenS eS 
entblättert. Da ber Seiebnam gar feine 0puren 
beS lobeS oerrieth, wagte man ihn lange nicht 
3 U bcerbigen unb ^etöfi wachte Dag unb Üf a^t 
am 0arge ber theuren Dobten. Jn biefer 
0 timmnng biebtete er jenen hcrrliÄen ^pfluS 
35 Sieber: „('ppreffen 3 weige 00 m @rabe (^tel= 
faS", welcher ;u ben fdjönpcn perlen ber 
Sprif gehört unb beffen ergreifenbe 0cbilber* 
ungen ^telfaS 53ilb mit einem folcben 'J^im: 
bnS beS SeiheuoHen umgeben, wie 'ßetrarcaS 
0onette baS Slnbenfen SauraS unb DanteS 
©ebidhte baSjenige iöeatriceS. J 6 fai berichtet, 
bap D'Ctöfi ein Jahr lang febwermüthig war 
nnb ficb nicht tropen laffen wollte. Jhr Dob 
ma^te ihn 3 um ^Jtenfebenfeinb. Jn biefem 
»^upanbe fchrieb er bie büpem Sieber: „Die 
Sollen", welche mit ben bunflen Silbern 
SpronS unb 9tembranbtS wetteifern fönnen. 
Sei biefer ©etegenbeit fei erwähnt, bap Dr. 
3lle?:anber SntfoüicS in S^epburg auS beper 
CueÖc folgenbeS über baS SicbeSleben beSDieb* 
terS criählt: 'f^etöp wor eine oerliebte 9lotur 
nnb obfehon er pcb auf baS ^)ofmacben nicht 
ücrpanb, fo bilbete er pcb boeb ein, bap jebe 
junge Dame, bie er oerehre, auch ibm gut 
fein müpte. 3^a^ bem Dobe feines JbealS 
oerliebte er pcb in eine polnifcbe Dät^erin. 
Die fdblaue Jüngerin Dherpp^orenS oer^ 
wirrte oen “ipoeten fo fehr, baß er Sahot bat, 
ihm Unterri^t in polniftben Dän 3 en erthcilen 
311 laffen. Sahot oerfpottete ihn als einen 
„Pfarren ber Siebe". Jpierauf liebte er bie 
Doebter eines SanfierS. Stuf einer Slupfs 
foiree gran 3 SifstS 30 g eine ber febönpen unb 
reid^ften Damen SepS leine Slufmerffamfeit 
auf pcb; furj entfcbloffen, befuebte er ben 
Sater feiner Angebeteten unb hielt bei ihm 
um bie |>anb feiner Doebter an. Der Sanfier, 
ein feingebilbeter SJtann, ber ben Dichter 
bereits auS feinen Serfen fannte, nahm ihn 
fehr freunbli^ auf unb fagte ihm allerlei 
0chmeicbelhafteS, aber er müffe ihn an feine 
Doebter oerweifen; wenn pe einwillige, fo 
habe er nichts bagegen. Der Dichter ent: 
fernte pcb, oergap aber biefeS ^lebnip fo 
ganj unb gar, als wäre nichts gefcbchen.... 

( 0 (blup folgt.) 


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52 


'Sawfiß. 

iE)örfl bu ben ©albeS ®rün? 

ffiic Äcotel^arfcnfang bic ©tpfcl flingen. 

^örfl bu ben ffialbfec träumcnb Icife fingen, 

SBenn äbenbs SKonb unb Sterne nieberglü^n? 

Jpörfl bu bie SBinbsBraut fubeln roilb unb fül^n 

3[nt Sonn? S)umpf flo^nt er unter t^ren Scbroingen! 

^örft bu ben ®onner burci^ bie SBolfen bringen, 

SBenn ©übe grett beS Sletl^erS SRoci^t buri^fprül^n? 

SKuflf ift bie SRotur. 3m SBed^feltonje 
®erf(!^Ungen fid^ ber Sd^öpfung Harmonien 
3u ©nem ®anjen, reid^ an SKelobien. 

Sie roirbeln auf jum ^o^en ffiotfenfranje, 

Unb roie au8 Ginem 3D^unb in ©onnermeifen 
Grbraufl bie Sd^öpfung, il^ren ®ott ju preifen. 

_ ^bitarb ^tempHtiger. 


^pdtiot^. 


§erbfHid^ grau ber §immel, 
£rüb unb fütl bie glutl^, 
®IIeg fiebenS güCe 
2Bie erftorben ru^t, 

ÄeineS SbgteinS Sieber 
Unb fein Sonnenfhal^l, 
gcud^te SRebel l^ütten 
^eit^in ein ba3 £^at. 

SRingS im SGBalbe färbt fid^ 
SBelfenb fd^on baS Saub, 
®unte Slätter riefeln 
Seife in ben Staub, 

®urd^ bie SBipfel fd^auemb 
ßü^l ber ^erbfiminb me^t, 
Ueber SDBalb unb gluren 
©angeS Älagen gc^t .... 


^erbfWid^ ®unfel lagert 
Ringsum aQerroäflö, 
^erbflgefül^t aud^ füllet 
©ang mein eignes ^erj. 
SRaftloS mug icb manbern 
gort in ftummer Qual, 

Ol^ne StemeSleuc^ten, 

Q^ne ^offnungSftral^l. 

Sicl^, im fernen ffieften 
ffiirb’S nod^ einmal li(bt, 
®urd^ bie bunfeln SBolfen 
®olbneS Spätrotl^ brid^t: 
^offc, ob aud^, Seele, 
Sc^merj unb ®ram bir nal^t, 
®otteS ®nabe leuchtet 
3luc^ auf beinen $fab! 

SCi^atb ^ttmünn. 


©ffetifiatung 5er cStefie. 

®er Siebe fü§eS, l^eil’geS 9t^nen bringt 

So l^olb unb lidbt in’S arme SKenfdbenleben; 
®ur^ fie marb il^m ein JpimmelSglücf gegel^, 
®aS ©lumenfefjcln um bie ^erjen fi^lingt. 


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53 


®oS Sonnenlicht, baS fleh ber 5Ro(ht entringt, 

3)ie Slumenbüfte, bte )um Sether f(hn)eben, 

2)e8 jungen SenjeS glüdfoerhetgenb SBeben 
Unb n)a§ im SBeltaQ jubelt, fingt unb Hingt: 

So holb ift nichts, als wenn ber Siebe ®lume 
3ln eines $erjenS ftitlem ^eiligthume 
3n notier ^immelSfchönheit fi^ entföltet! 

SRicht 3Kenfchenn)iIIe brüeft bie grlantme nieber — 

3)urch Sturm unb SRacht bringt fie jum Sichte mieber, 
®enn fie fchüfet ®ott, ber emig lebt unb maltet! 


c;8tfor(^ene 

9Bie ein büftreS ©eifterheer 
Sogen bort am ^immelsbogen, 
Sd^roarjgeboIIt unb regenfd^mer, 
äBilbgepeitfehte SSolfenmogen. 

Sieh! bo bricht ein Sonnenftrahl 
®urch baS fhirmjerinffne ®unfel, 
3aubemb über ®erg unb 
gforbenprächfgeS Sichtgefunlel. 

®och, foum bo§ ber golbne Schein 
Ueberfluthet baS ©eftlbe, 
füllen ihn ertobtenb ein 
^eue pnftre SRochtgebilbe, 


ftrttWni. 

Unb baS ®olb non SBolb unb §elb 
©len fie hinmegjutrinfen; 

Sich! unb mieber mug bie SBelt 
Sn ein trübeS ®rau nerfinfen. 

3)urch bie Seele h^intlich ftiU 
3ieht eS mie ein traurig 
2ln mein eignes SchWfal mitt 
®iefeS Sicht5©fierben mahnen; 

Sn mein Seben, ob unb arm, 

Senfte einfl ein Strahl fich nieber, 
3og in’S §erj fo Itebemorm, 

SBeefte taufenb füge Sieber; 


Sich! mie jener Strahl, 

5)en bie Schatten bort getrunfen, 

®iji, in Stebel falt unb fahl, 

®u, mein fü^eS ®lücf, nerfunfen! — 


$tariiiaiiii5* 


5ie ,^a(6en. 

6S min mich oftmolS gegen fie nerbittern, 

Unb manche Jh^^^ fommt, ben ®licf ju feuchten, 
Seh ich, ®mft, bie ireue fcheuchten, 

Unb ihres $erjenS bejie ftraft jerfplittern. 

Sie reben oon burdhfämpften Ungemittern, 

Unb fahn hoch faum ein fernes SBetterleuchten; 
9BaS ihnen Seibenfehaft unb Siebe bauchten, 

©n h^h^^^ SRadhmerf maris oon £anb unb f^littern. 


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54 




IK---$a 

I)oci^ fci’8: bic Siebe, bic nur l^alb empfunben, 

3eugt aud^ nur falben Äummer im ß^ntfagen, 

Unb bringt nur leichte, halb oemarbte aBunben — 

Unb l^albeö ®lücf — mie moHt' id^ borum fCagen? 

3)ie ^Ib gefüllt, finb ouc^ in fePgen ©tunben 

3u fd^rood^, ^u feig, um gangeö ©lücf ju tragen! — 

_ tfrfrtebe /angr. 


'^orniannena6f(^ie5. 

®ie ©eite gclöft unb bie Bluter empor! 

®ic 9Bogen bonnern unb frac^cn, 

©üboftminb pfeift, unb jum lanje bereit 
^luffc^Qufcln bie f^iHemben brachen! 

Sebt mo^t, i^r ^^eimatfelfen, lebt mo^l, 

Sergmiefen unb ©ilbergeroäffer: 

O ^aterlanb, o guteö Sanb, — 

®ocb grcit)eit ift jc^nmot beffev! 

Seb mol^l, Äönig §aralb ^arfagar, 

®cm ®ötter ben ©ieg gegeben, 

3)u jroingft luo^t SWouer unb SBurg unb Sanb, 

Jtid^t freier SRänner Seben. 

3n)ei Stäben fenbet in bie 
3u lenfen unfre $fabe! 

O ^eiliger SBegroart, ®ott Obin, 

3eig unä bie regten ®cftabe! 

3um (Siölanb roeitl^in über baS SJteer 
©ei bu unö Seiter unb ginber, 

S)aä trägt nic^t ®aum unb trägt nid^t grud^t, 

S)od^ Äönige trägt'ö noc^ minber. 

Ung ftünb’ au^ bort ein Äönig auf 
Unb moöf un§ ju Änecbten geminnen, — 

3Bir ^aben im 93ufen ein flammcnbeö §erj 
Unb l^aben Stüber unb Sinnen! 

Stoc^ meiter gen Storb! biä l^immel^od^ 
ßiäroänbc ben ^fab unö fc^liegen, 

3Bo feine Slume fonft erblüht, 

3}tag roo^t nod^ grei^eit fpriegen. 

jfie ©eile gelöft unb bic Slnfer empor! 

S'ic aBogen bonnern unb frac^en, — 

S)cr ©Uaoc fcbleicf)t inimmernb uon §an§ unb ^'^of, 
aber finb frei unb Indien! 

yauf ^artori. 


^ -a 


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55 


Pie 'Jeifttfene. 

5lac^ einem älteren fd^ottifd^cn ®olfäliebe. 


O me^ ba§ fKQe l^inouf! 

Unb me^ ^inab ben ©infterl^ang! 

O rce^ an Sad^eS grünem Saum, 

3Bo iüngft nod^ unfer liebfter @ang! 
3ln einen ©ic^Baum le^nf ic^ mid^: 
„Der ift fein ungetreuer <$traud^." 
Doc^ roid^ er erft, bann brac^ er ab; 
9lc^, alfo t^at mein Siebfter aud^! 

O breimal me^, ba§ Jiebe nur 
6in SlBeild^en füg, fo lang fie neu! 
Dod^ mirb pe alt, bann roirb fic falt; 
2Bic 3Jtorgent^au entpicl^t bie Dreu. 
9ld^, wofür pöc^r id^ nun mein J£)aar? 
91^, wofür fc^mürff id^ nun mein 
^)aupt? 

SSerlaffen got mid^ mein ^er^lieb — 
®ag ^at fein Sieben mir geraubt? 


Der äöetterpein ip nun mein 93ett, 
Äein Seilac^ unb fein weid^eö SSlieg; 
Der gelfenborn ip nun mein Drunf, 
(Seit mein J£)er 5 licbPer mid^ uerlicg. 
(Sanct 9Kartin§i92Binb, wann fommt bein 
jQaud^ 

Unb raubt bcm 93Balb fein lic^te§ fileib? 
O ^olber Job, wa§ jauberp bu? 
meinet Sebcng bin ic^ leib! 

O nic^t ber ©c^neePurm, ber halb ^cult, 
O nid^t ber groP, fo fd^arf wie 6rj — 
Dtid^t i^re Äälte mad^t mic^ fd^rein, 
Sltur meinet Siebpen faltcS ^crj. 

3Bir famen einP gen SRegcn§burg: 

Äein $aar, ba§ Poljcrn 3lnblidf bot; 
SJtein SiebPer trug tieffc^warjen ©arnmt, 
3lci^ felbcr ging in SRofenrot^. 


$ätt’ iä) Dor'm erpen Äug gewugt. 

Der Siebe Sol^n foH Sommer fein: 

^6) l^ätte feP mein Jperj uerwal^rt, 
ffiie einen ©c^aij burc^ ©c^log unb ©darein. 

D war’ mein Änäblein erft jur 2Belt 
Unb fäg’ auf feiner 3lmme Änie! 

Unb wär’ id^ tobt! Denn wa§ ic^ war, 

5Berb’ td^ nic^t wieber, nun unb nie. 

/egerfolf. 


f w f f tt t. 

Umringen bro^enb mid^ be§ Sebent ©orgen, 

Do(| einen 9lu8weg allzeit id^ erfpä^e: 

Püd^te mic^ ju bir! beiner Ställe, 

9ln beinern §erjcn fül^l ic^ mid^ geborgen. 

Da fd^weigt urplötzlich febe gurd^t nor morgen. 

Denn wenn mir audh baö fchlimmpe Seib gefdhähe, 
3u meinen gügen id^ ben ^bgrunb fä^e: 

$ip bu bei mir, fo brauch ich forgen. 

9Son beinen 3lrmen licbeooH umfangen, 

Äann ich tiefften (Slenb glücflid^ bleiben 
Unb in bie S^funft fdhauen ohne SBangen. 

Dein h*eue§ 5erj lägt nie bie ®orp(ht fdhwinben. 

Du fennP bie 9Belt, ihr irreführenb Ireiben 
Unb weigt ja Pct§ ben rechten 3Beg ju pnben. 


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f 


c^in jüöniflsjeta. 

(1884.) 


3(n bcä SRamme(8bcrgcö gugc 
3ln ber oUcn SRcic^öjlabt ®o§lar 
ßrnfl in bämmcmbcr 6apeIIc 
©tel^t Don SJ^önnern roinj’ge ©c^aar. 

ber 2Rtttc ragt ein ^rieflet, 

®ne golbne Äapfel ^oltenb; 

3(n ber fiapfet ru^t geborgen, 

Sängfl fc^on fHü, ein ÄönigS^erj. 

3a, ba§ ^erj be§ größten granfen, 
fiaifer ^einric^ö, jenes britten, 

®er fo mächtig roar roie feiner, 

3n ber Äapfel iff’S befc^fofjen. 

2tlS er ftarb — jum oc^ten ^Rale 
©c^lo^ feitbem fi(!^ boS 3ö^i*^unbert — 
ffioüt’ er, ba§ fein £eib in ©pepcr 
SRul^te, 100 bie Sinnen [(^lummem. 

®o(j^ fein §erj, bem 2eib enthoben, 
©ottte rul^n im S)om ju @oSlor, 
3ener ©tabt, ber traulid^^engen, 

S)ie roie feine er geliebt. 


©0 gefc^al^’S; bie flol^en, 

©in 3<J^^^unbert fc^monb um’S anbre; 
Unb ber ®om, jermorfcbt fc^on lange, 
©anf burc^ 9Wenfd^enl^anb in irümmer.*) 

Unb baS Äaifer^crj, baS tobte, 

9tad^ ial^r^unbertlangem ©c^lummer 
Sßarb'S erl^ö^t jum 2ic^t beS lageS 
Unb geführt jum ©tranb ber Seine.**) 

®ort unmürb’gem SooS oerfatlen, 
3)füff’gen 9tugen preisgegeben 
3n)ifd^en ffiamS unb ^etlebarbe 
©tonb cS lang am Sid^t beS iageS. 

35oc^ ber Äaiferaar, ber beutfd^e, 

SRcgt auf's 9ieu bie mäcbt'gen ©d^roingen; 
5luci^ baS Äaifer^erj, baS tobte, 

9fa^m er roal^r mit 2lblerblicfen. 

Unb auf's SReu oom ©tranb ber Seine 
JBarb’S gefül^rt jur alten ©tdtte, 

©ine ©ifta nimmt eS auf, 

Unb ber ^riefter fprid^t ben ©egen. 


©0 jum jroeiten 3Ral begraben 
SBarb baS §erj beS ÄönigS $einrid^; 
3Röge niemals SRenfd^enl^anb 
3^m auf's 9feu bie ^ul^e ftören! 




•) 3n btn jtoanaigR Sa^toi Wtft* Sa^r^bcit«. *•) 3ii’* ®ttfenmufeum ju ftonnottn. 

- JlWtrt pjf«. 


^ e ^ n f u t. 


SRodb lag bie SRac^t in ®unfel, 
9Som ftembeglänjten 
©anf bämmernbeS ©efunfcl 
©anft auf bie mübe SBelt. 

©S fc^micgen ©org' unb ©e^nen 
Jief in ber ftillen Sruft, 

Äein SBünfc^en unb fein ©dienen, 
fiein @ram mar mir bemüht. 

®a iff am ^immelSfaume 
I).er 3Ronb in SRdrcbenprad^t, 

2Öie in l^olbfel'gem iraume 
©in golbner äBunfd^, erroac^t. 


5lun ftrömen mei^e 

©in Sid^tmeer, burd^ bie 3Belt; 

35ie erff im 2)unfel ruhten, 

S)ie erließt. 

Unb in ber ®ruft baS ©eignen 
©rroacbt unb glü^t unb fprid^t: 
SöaS mol^net hinter jenen 
©eftabcn, fern unb lic^t? 

O ^dtt' ic^ 

3n fliegen o^ne SRul^ 

2£eit über ^^al unb §ügel 
S)em Sßunberlanbe ju! 

_ Jleaii. 




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57 


-H 

Pie ^onne. 

®on bir, 0 Sonne, flammt baö £cbcn ®cr ffialb, mu§ ^cttauflobcnib prongcn 

Unb $)auer fannfl nur bu i^m geben. Unb fpenben unö, maö er empfangen, 

3 u emig roed^felnben ©eftalten 2Benn er in fc^roar^en ^)iamanten 

Säff’ft bu an bir eS entfalten. 3^^ grei^eit auö ber Jtac^t erftanben. 

®ie SBälber raufc^en bir jum SRu^m, 9luf TOeercöflut^cn, ©ifenfe^tenen 
®ir fprogt ber §alm, bir blül^t bie 5B(um. ©ift bu ftetö mitlig unö ju bienen, 

®er Sogei fingt bir feine Sieber, ©rleicbterft unö beö 2eben§ Siegen 

®ic^ fpiegeln ®teer unb Seiner mieber. Unb ^ilfft unö feine Soften tragen. 

®er 2lbler f(!^n)ingt fid^ bir entgegen, 3Ba§ mir jum Sehen nötl^ig l^aben, 

®er fleinfte 2Burm fpürt beinen Segen. 32Bir pnben e§ in beinen ©oben. 

®u läff’ft bie SJolfen l^oc^ ficb t^ürmen, ®en ©eift felbft mürbe D^aci^t um^üUen, 
3Jtad^ft Süfte föufeln ober ftürmen SßoHt' i(;n bein Sic^t nic^t me^r erfüllen. 

Unb ber oor taufenben oon 3o^vcn ®em 3}teifter, ber allmächtig maltet, 

®en Segen beineö Strohig erfahren, 5luö glü^nben '.Jtebeln bich geftaltct, 

3um ÖueH beä Sebent bich gemacht, 

Sei emig ®anf gebracht. 

_ Jufiits $lttriii. 


einl 

Schon meht eS falt, e3 roufcht ber 333alb, ®ie fchöne 5Dtaib, bie unä ent^meit, 
®rin feincä Sogete SRuf erfchaHt, 4)at einen 5lnbren längft gefreit 

®enn h^^bftlich brout baä ©etter. Unb ift mit ihm oerfchoHen . . . 

Jpei, mie ber Oft fo grimmig toft, ©ir finb allein ... ^ell blinft ber ©ein, 

Unb oon ben Säumen fchier erboft S^tun lag unä mieber greunbe fein, 

gegt er bie falben ©lätter! ©ieb auf bein thöricht Schmotten! 

®te Sdheite glühn, bie gunfen fprühn, ©ohl roar fie holb, ba§ §aor mie ©olb 

Si^’ nieber hier an bem Äamin, 3^^ meichen Sorfen fich entrollt, 

^ier pnb mir mohlgeborgen. ®ie Singen gärtlich blauten; 

®en alten ©roU fo fummerooH ©in junges ©lut, fo lieb unb gut, 

ÜJtein §erj nunmehr oerbannen foU So ooU oon Suft unb Uebemjuth, 

äRitfammt ben trüben Sorgen! ©ie nie mir’S mieber fchauten . . . 

Schenf ein ben ©ein, golbflar unb rein. So fchenf benn ein ben golbnen ©ein, 

©ir motten heute lu^ig fein, ©ir motten heute luftig fein, 

©ir fturmgeprüftc Änaben; ©ir fturmgepiüfte Änabcn; 

Siegt hoch fo meit bie ^ugenb^eit Siegt hoch fo meit bie ^wgenbjeit 

9Jtit ihrem roonnefergen. Scib 9}tit ihrem monnefergen Seib 

©erfunfen unb begraben! ©erfunfen unb — begraben! 

_ 3B«* jUefeioetter. 


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58 


3(fufl6cieit. 


gcffcln foH bic^ md}t bic 3^^^* 
§aftc nic^t an SRaum unb Ort! 
Smmcrbar jum g(ug bereit, 

®cr ju ercig fteberm ^ort 
irägt auö bicfc§ ®afein^ Irug, 


Sei bein ®eift, bem Söget gleich, 
®er auf morfebem 5(fte rul^t! . 
Sriebt ben 9tft beö Sturme^ ®utb, 
gliegt baoon er roobtgemutb 
3 « ber Jüfte freiet SRcicb- 


J t d n 6 

bringt burdb SBalbcö^Sitter 
Deä 2Jtonbe§ matter Sd^ein, 

T)er Spielmann mit ber 
@ebt ((^netten S(britte§ felbein. 

3 u feinen güfeen bie SBeHe 
(Silt fröblicb murmelnb ba^in: 

,,9Bobcr, bu frifeber ©efelle, 

2 ) u froher ©efeHe, mobin?" 

3) er Spielmonn lädbelt leife 

Unb blieft ju ben Sternen empor, 

3)a Hingt eine locfenbe SBeife 
3 (bin füg unb fdbmeicbelnb in'§ Obr. 


_ ^bmttitb 9orer. 

^ e n. 

(Sr borebt; er fennt bie Älönge, 

S)ie löne beftriefenb unb rein; 

„O föünt icb fo fingen, idb fange 
®er Siebften in’S §crj midb 
2 lm genfter ftebt er unb laufebet; — 
®ie ^Ro^tigall febmettert fo i)tü] 

S)ie alte £inbe raufibet, 

3m Iroume flüftert ber OueH. 

Unb leife, leife, ouö Sruft 

Sägt er bie Stimme erUingen, 

Son Siebeöleib unb oon SiebeSluft 
®ie alten Sieber ju fingen. 


„S)ie aJtonbeSftrablen glänjen fo b^tt 
ffieit über bie ftiHen Sanbe; 

®urdb’ö genfter rinnfä mic SilbergemeQ 
Unb fügt bir jQoupt unb ©emanbe. 

ÜRein §erj fcblögt roilb, mein Jperj feblägt b«6# 
O neige bicb gnäbig b^tmeber; 

Sonft bann’ i(b ben Sinn bir im 
SJtit ben Älängen meiner Sieber. 


„SJtein §erj fdbtögt mein Jperj feblägt milb, 
Äonn nimmer jur SRube gelongcn; 

®ein leuebtenbeS 2lugc, bein minnigeö ®ilb 
Stimmt Sinn unb ©ebanfen gefangen. 

2 tcb nur ein einjig, ein einjig 2Rol 
aWöebt i(b bie Sippen bir füffen, 

Unb foHt’ idb in eroiger Stotb unb Oual 
®ie füge Sünbe bügen. 


„Äein Sout! Sein 5:on! ®u b^rfl ben Sang, 
®u börft mein gleben unb Sitten; 

©§ fogt bir beä Siebes febnfüd^tiger Älong, 

SBie b«g icb geliebt unb gelitten. — 

Sei flitl mein jQerj, fte fennt bicb nicht! 

SJtein Sieb, bu magfl oermeben! — 

Älar ifl pe unb fall mie baS SJtonbenlicbt, 

5Bie fann Pe bie Siebe uerpeben?" — 


Serfhimmt ip ringS baS Staufdben, 
®S fd^lofen gelb unb Stain; 

S)ie alten Säume laufd^en, 

®ie Slacbtigoll flogt im §ain. 


Unb roieber Hingt bie SBcife 
SluS tiefPem ^erjensgrunb; 

Salb beig unb glübenb; halb leife 
jQinPerbenb im nächtlichen 3tunb. 


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59 


„9iur auä ©rbormcn, au§ 3Kitleib nur 
IReige bcin 3(ntlib ^crniebcr; 

(äö laufcbt fein Später; auf fiitter 
©reitet bie SRad^t ba§ ©cfieber. 

Unb fott ic^ Dor Siebe nergel^en, 
äBarum benn oerge^en int Seib? 

3ln beinen Firmen erfte^en 
Saß mir bie ©ctigfeit!" — 


®a raufdbt ba§ ©lättergefc^manfe, 
S)rin |(bimmert’§ mie flüffigcS @olb; 
@§ fd^out au§ bem grünen ®eranfe 
6in ^ntlib läd^etnb unb ^o(b. 

(5ä pieken bie gtänjcnben Soefen 
®i(^t um boö l^olbe ©efid^t, 

3)arüber mie filberne glocfen 
Sd^immert bcö SD'tonbeS Sic^t. 


®tiö pnb bie ©äume, bie SBellen; 
©erPummt bie Jtodbtigatt; 

3n)ei ^erjen pod^en unb fd^metten, — 
®ic Siebe fc^reitet burd^’§ Ätt! — 
fd^meigt in Sad^en unb ©einen 
(Songe§ plberncr 5lup; 

J)ie feigen Sippen pd^ einen 
3lm erPen, feligen Äug. 


39. 9. b. SRüffr. 


% ß e n 5. 


Stuf bem Jput ein rotl^getb 
Steigt ber ^irtenbub ju 
©on ben Säumen, non ben Süfe^en 
glatterfS nieber golbigfa^l, 

9ting$ bie braunen gidi^tennabelu 
irieb ber to0e ©inb ju^ouf; 
Iräumenb bleibt ber §irte Pelzen, 
Stützt pd^ ouf bc§ Stabcö Änauf. 


Unb er parrt mit mübem ©liefe 
©on ber lebten gelfenroanb 
SRieber in bic falben Italer, 

SRieber in baS pitte Sanb, 

SRüben gugeö jiel^t er raeiter, — 

3ldb/ nerPummt ip längp fein Sieb — 
Unb er taufd^t, mie burd^ bie ©ipfel 
(Sin erperbenb ©immem jiel^t. 


Unb i^n tript auö lid^ter ^öl^e 
SRodb ein le^ter SonnenPra^l, 

35ann umfängt mit fül^lem ®ämmern 
3^n baö nebclfeud^te Sl^al; 

SRun abe, bu grüne ©eibe! 

SRun abe, bu [title ©ad^tl — 

J£)erbpiid^ fd^auerf§ in ben ©älbem, 

Unb empor ^ic^t fc^marj bie SRad^t! 

_ Mtt SBada ^dbU 


gw '^ttnne. 


©0 bie 9tibber pieget 
Staufd^enb ^in in’3 Sanb, 
©eig id^ eine SRü^le 
5ett im Sonnenbranb. 

Unb ber SDlüftcr brinnen 
aRal^lt boö Äom fo fein; 
Unb im ^Qufe maltet 
gromm fein lod^terlcin. 


glinf bie SRäber fd^mirren 
^önenb: flipp unb flapp! 
glinfer nodb ald alle 
@ilt pe auf unb ab. 

@olbne Sterne pral^len 
^olb in mand^er 9tad^t; 
®od^ üicl fd^öner pral^let 
3;^rer klugen $rad^t. 


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60 


SBo bic ??ibber flieget 
SRoufd^enb ^tn in’§ Sonb, 
®ort an jene SDtü^le 
ffiarb mein ®inn gebannt. 


^tani $#fef 3>drr. 



„Mei Leibzig low’ ich inir^\ $ou 
Edwin Bormaiin. Tupfern in feinen 
^oWc^nibbe non ben agabemifeben ^^Jrofeffor 
ber Stalergiinfl (5-. ^Uc. ^Tribbe Ufiagc. (hf!e 
(Wefammtauägame. (^cipsiS/ 51. ?icbeg= 
finb.) 

^e 5)icbtgun|l foü in lebten 
liegen? 

2ag, SBuroligum, bicb nicb boreb Siegen 
tr iegen! 

®ie Sa^rbeit biefeö ©ofeeä beroeift ber be= 
fonnte faebfifeb? ^id^tcr Öbroin Tormann im 
norlicgenben Büchlein. Unb immer loieber 
ift c§ fein „lieraeS Seib^ig'', boö ibm eine 
unerfeböpfliebe iQuctte ber ^^ßocfie bietet (J5es 
funber ^umor unb 9ßip unb feine gefüblS- 
reiche ^>arfe, bie „u^nmeeglicb b^itb^ln gönn", 
geftolten feine Schöpfungen gu einem ein* 
gigen ^obelieb auf bie »tieroe Sinbenftabt, 
roo (^unft unb ©iffen bliebt". 

©er nur in Seibgig lebbe, lieg 
S Stid nom §ergen bicr. 

ÜJtei Seibgig iä ä flee 53ari8, 

ÜJtei Seibgig lom’ ich mir! 

Xrogbem odeä in dJlunbort gefebrieben, bürfte 
ba§ 9?ücblein auch beim beutf^cn Scfepubli? 
fum feine gute Sßirfung nicht nerfeblen, 
beim „ecbte8 C^olb ftrablt au§ jeber goffung". 
@ang befonberä b^^^ i^b ,,^nnnel= 

grug", „^)er aebgebnte Ofboiner", „®ocb noch 
nicb". — $)ie oelungcnen „Tupfern" erhöben 
ben dteig beö iBüchuinä. 

Heinrich Enhmerker. 

Zwei Ehen, ©in dtomon non Alfred 
Friedmann. (Berlin, D'tofenboum & ^ort.) 
5)iefem unfereä 2Siffen§ erften dtomou be8 
33erfaffer8 gebührt ungreitig boä ^rSbifot 
„geiftreicb". ©8 ig au8 biefem ©runbe er= 
flcirlicb genug, bog griebmonn im ^'rolog 
be8 S3uAe8 borüber gu flaocn bot, bog mon 
feinen dromon in feiner ßeituno obbruefen 
roonte. 3^^ geuiUctonfutter a la mode ig 
fein SBerf gu orm on ©efd^ebniffcii, gu reich 


on dtegepionen, ju überfüllt mit ©itoten unb 
2lperQu8. 33icllei^t ouch }u beutlich. Ueber^ 
boupt ig bo8 Sujet berortig, bog ber dtomon 
nur für benfenbe unb gebulbige Sefer pagt, 
nicht für bo8 ^!urchf^nitt8publifum. 3^^^ 
©ingelnen bötte nielleicht eine geroiffe Slm 
boufung mehr ober minber gci'güoller IBe* 
troegtungen bi^ wu^ nermieben werben 
unb bie Sntrobuction fürger gefogt werben 
fonnen; befonberS erfd^einen bie gobireichen 
53ergleiche mond;mo( etwo8 gefuebt, wie man 
benn g. 99. hoch wohl niÄt oon „enganliegend 
ben groulein" fpred^cn fonn, unb abnli$e8. 
Solch^e Äleinigfciten nerbienen jeboch foum 
eine ©rwöbnung gegenüber ben grogen unb 
eigenartigen iöorgü^cn be8 99uche8 unb man 
mug ben böchften Dfefpect nor ber ©ebergtbeit 
be8 9lutor8 höben, ber mit entfchloffenem 
@riff blf'^ Schleier non ben intimgen 
93orgängen be8 ©b^l^^^ö8 lüftet, ohne hoch 
je inbecent gu werben unb ba8 alte Sort, 
bag ber Schriftgeller ba8 Sege ja hoch nid^t 
fagen bürfe, mutbig Sügen graft. griebmann8 
dtoman ig non grogcr, pfpchologifcher gein= 
beit unb wa8 man baran au8fehen wollte, 
würbe immer eher ein 3ooiel al8 ein 3 ö= 
wenig fein. ©8 ig leb^cift gu wünfehen, oog 
ber 99erfaffer ouf bem einmal betretenen SBege 
unbeirrt fortfobrt unb abfeit8 nom auSgetre* 
tenen ©eleife be8 geuilIetonroman8 un8 feine 
eigenartigen, gum 5)cnfen anregenben ©ebilbe 
fc^afft. Sein dtoman „3n)ei ©ben" ig ein 
93uch, bo8 feinen Sonberplag behauptet 

Konrad Telmann. 

Josef Victor von Scheffel. Sein 
Seben unb Siebten non Alfred Rahemann. 
(Stuttgart, Sloolf 9?ong & ©o.) 5)cr SBür« 
bigung biefe8 intereffanten uno burch '^ön* 
einerlei Söögrotionen unb 5acnntile8 ner« 
uerten i^uche8 gegt bie ©pigeng ber Schegels 
99iograpbie non S^bö^öeS "iprolg gorf im 
SBege. fcenn bie legiere überragt bie nor? 
liegenbe Schrift um ein fo 99etrad^tlichc8 unb 
ig gugleich ein in jeber iBegiebung fo gebie= 
genc8, gebaltreid^e8 unb für Scheffel8 Seur^ 


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61 


tl^cilung fo gerabegu mufleraüItigeS SBerf, 
bag eS bem Kenner bcffelbcn f^rocr faOt, b(r 
9^u^emann’f^cn Slrbcit noc^ geredet ju n)cr= 
ben, bic übrigens (d^on längere ^tit not ber 
non ^röI 6 etjd^ienen ift, i;ieS gereidbte i^r 
aber rool^l faum jum 3?ort^eir, benn bei ber 
^ile, mit roefd^er bie ißiograpl^ie nad^ 0 d^ef= 
fel^ Xobe beenbigt rcurbe, mürben mand^erlei 
Srrt^ümer in biejclbe oufgenommen, gn beren 
iBerid^tigung feine 3 *'^ 
mir aus 'iprölfe’ weit ausführlicherer, auf authen= 
tifdhen üJtittheilungen beruhenber unb mit 
umfaffenber, litcrarhiftorifcher J^enntnife um= 
fichtig burchgearbeiteter Biographie fennen. 
SBie gefagt: mit biefem oortrefjlichcn SBcrfe 
barf man bie D>tuhemann’f(he 2 lrbcit nicht 
Dergleichen, fonft fommt fie um SBiefeS 511 
fur^. 5ln fich betrachtet aber ift fie nicht ohne 
SSerth unb erfüllt ihren 3 *^ecf, bie greunbe 
ber ©chcfferfchen SBerfe imt bem ülebenSgange 
beS Richters befannt m machen, burchauS. 
®ie J^arftellung ift frif^ unb lebenbig, manch= 
mal für unferen (i'cfchmacf etroaS gu jugenb= 
lich=burjcbifoS, loie benn auch houfifl prooin: 
jiefle uno trioiale 9febenSarten mit in ben 
Xe^t aufgenommen finb, bie nicht ^cbermann 
gefallen loerben, Sluch mit ein 3 elnen Urtheilen 
wirb nicht einoerflanben fein unb ftatt 
einer fritif^en Slnalpfc hot ber 33erfaffer unS 
oft nur begeifterte ^uSrufe gegeben. 2lber 
oon ber großen SStarmc, mit roelchcr fWuhc= 
mann an (einen 0 toff h^fongegangen, unb 
oon ber hohen SSerehrung, bic er bem ^^i^- 
ter joQt, beffen SKerbegang er unS hicJ^ Wa¬ 
bert, mu 6 man fid^ trohbem bauernb onge^ 
heimelt fühlen. Unb worauf cS im ©runbe 
anfommt: mir erhalten in großen Umriffen 
ein jutreffenbeS iBilb bcS 3Jtcnfd^cn 8 d[)effcl, 
ben mir auS oiclen C^^injeljügen, auS ^Briefen 
unb 33erichtcn fennen, lieben unb auch be: 
mitleiben lernen. Unb bafür roirb man bem 
33erfaffer nur ^anf sollen müffen; fei alfo 
fein Buch benen empfohlen, bic in möglich^ 
fter Ä'ür^e baS SBiffensroerthe auS ©cheffelS 
?eben unb Söirfen erfahren möchten. 

Eonrad Telmann. 

..Merlins Wanderungen** oon Ru¬ 
dolf von Gottscball. (©reSlau 1887, 
©. @chottlanber.) ©eit ben Operntcjten 
oon Sipiner unb ^>offmann, für ©olb^ 
marf unb D^üffer, hot oian im großen 
^ublifum roieber etroaS — SBerßönbniß für 
ben großen 3ooherfr. Unb jroar beShalb, 
weil Die großen JageSbldtter in gcuitletonS 
bie alten ©agen oon SWerlin mehr ober ioe= 
ntger ausführlich aufgefrifcht. S 8 ie bei ben 
roßen Eifern ^omer unb bem 9tibelungen' 
ichter gerlegt man ben alteften unb alten 
ÜJferlin bereits in eine tlnjahl oon ^erfonen, 
bie — miteinanber gar nichts gu thun ho= 
ben. J'er 5Barbe 3Jterbbhin, ber unter Äönig 
9lrtuS bie ©achfen befämpfte, felbß ein ^pifer, 
bann ber Söunberfnabe 3Jterlin, oon bem 


97enniuS um 620 crgShlt, baS Äinb ohne 95a= 
ter, roerben oon ber fpätcren 2 egcnbe ocr= 
fchmolgcn. Slnbere ©agenfreife finb oon 
seichtem, beren höchfteS latent — bie grei= 
heit iß, herbeigejogen worben. ^Bereits 1J30 
ober 40 läßt (Sottfricb oon ^onniouth ^er^ 
lin aus ber SBcrmifchnng bämonifchcr (Gewalt 
mit einem irbifchen SScibc entflanbcn fein, 
unb biefer Jßciibung begegnen wir in faft 
allen bretonifch=normanifd)cn ßfomanen 00 m 
ÜWerlin, bic populär waren, wie iBland^e unb 
^MancheßoS unb ber Koninn de la Kose. 
5^cr 00 m ^^ufel mit einer reinen Grbcn= 
jungfrau ergeugte ÜKerlin foU baS, was 
C5hriftuS errungen, ber ^'>öllc wieber gcwin= 
nen. D^och fpatcr wirb bic ©agc 00 m h^i' 
ligen ^ral hc^^ingebracht, unb Di'erlin enbet 
(ein ^i^rophetenthum ftägtich, oon ber (dwnen 
53ioiane in einen ^Tornbufch gebannt unb oer= 
gaubert. 9In ben ©ängcr: unb 33eiffagcr= 
namen üKertin fnüpfen ßch nun in enblofcr 
golge anbere ^oetennamen: gr. oon ©chle= 
gcl, jmmennann, ber Uuübcrtrefflid)c, ber 
engtifche Poeta laureatiis Jemipfon, ^T^ino 
Oompagni, 2 ear, Goethe, 2 cnau, §einc, ?ll. 
Äauffmann nennen Berlin unb fpinnen ihre 
S3erfe um ihn. 9f^un höt auch ber berühmte 
23ertaffer fo manchen bichterifchen SerfeS in 
SKeim unb $rofa ben 9Kcrlin nach feiner 
(Eigenart wanbern laffen. „^^orb 

uno ©üb", ber trefflichen 3J?onatSfchrift, oon 
2 inbau feit Sahren oorgüglich geleitet, ©o^ 
bann als fleincS, aber wcrthooUcS ^Büchlein. 
©ottfchaH fommt ber 5luffaffung oon ber 
mephiftophelifd^en ©eite beS ^'eijts SKerlin, 
ber ßctS oerncint, als welchen ihn nicht 
mermaiin, nicht ^ennpfon unb auch nicht ber 
SBcrfuch beS Dfefcrcnten gefaßt (2. fÄoSncr, 
1874), wieber nahe, heißt ben alten ©ohn 
2ucifcrS als 3et|lörei7 nl^ Urfad)c alles il^ös 
fen burch bic 2 ßclt gießen. Jn einer 2 lrt 
großartiger ^^ifioii läßt er ißn in Slnbercn 
alle ficben Jobfünben begehen. (5r führt ißn 
in bic mobernften 33crhältni(fc. (?r läßt ocr= 
führen, morben, .Stiege entfachen, er füßrt 
uns in bie ‘luilerien 9fapoleonS bcS kleinen, 
;u Kämpfen ^glanbs in Snbien, gu ben 
oeutfehen ©cßlachtcn 1870, ju ben 4?ctroleufcn 
unb (5ommunarbS. ^nblich feßrt 2Kcrlin, 
wie S3enuS, bie anbere Unheilßifterin, auf 
einem Söolfenwagen gu 93ioianc in bic 2Beiß= 
bornhede gurüd. 5)ort ßnnt er ein paar 
Sahrtaufenbe, um bie 2 Belt reifer gu pnben 
für fcßredlichcre (Gräuel, um ßc noch fcßleAter 
;u machen, als ßc bann fein wirb. — $)ie 5 
feS ^>ohelicb beS 'J>cfßmiSmuS iß befonberS 
beßed^enb bureß feine meißerhaftc gorm, wie 
ben angebeuteten (^ebanfeninhalt. 3Ber ßcß 
noch für ^mßeS, SBciheoolleS interefßrt, 
wirb für bic 3liueigc S)anf wiffen. ^ueß 
eingeßreute füßc Vieoer beweifen, baß 0 . 
©ottfebaü an bic ^Tiamen benft unb ißnen 
gu ©cfatlen gu leben weiß. 

Alfred Friedmann. 


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62 



SDi« 0timbc" l^atte 

ein Preisausschreiben für Feuilletons und 
Novellen erfaffcn, roelchcd fein erfreulid^cä 
^gebniS gehabt ^at, bo feine ber eingefonbten 
Strbciten na* bem Urttjcile ber 'Preisrichter 
einer SluSgcichnung tuürbig roar. (5S i[t ba- 
her befchloffen roorbcn, non ben auSgejebten 
©ummen 500 üJfarf an ben »5>erein '^cr= 
liner Preffe" unb 5U0 3Warf an bie SBöiener 
^(Soncorbia" gu überroeifen. 

- - 

Felix Dahn ueroffentlid^t unter bem 5itel 
„Slttila* ben VI. ^anb feiner ^Älcinen 
mane aus ber ißölfenuaiibcrung". (53veit= 
fopf & gärtet, Ccipgig.) ^Ter 3?oman jpielt 
im 3Q^t:c 453 n. Ö^r. unb ber 2(utor giebt 
bieSmal nicht nur in geroohnter Seife eine 
5!)arfteUung ber gemianifchen £ultur= unb 
?eben8gupanbe jener fonbern auch eine 
©dbilberung ber weniger befannten h^ns 
nifchen. 

- « -, 

93on Paul Heyse’s ^©ebichten" erfchcint 
in iturgem bie oicrte, neu burchgefehenc unb 
ftarf uermchrte ^luffage, mit einem SBitbnife 
beS 5^i(htcrS gefchmücft. (iBeffer’fd;e 3?uch' 
hanblung, ^Berlin.) 

- 4 ;- 

«fWero*, ein neuer S^tömer = fÄoman Ernst 
Eekstein’s, wirb im October b. 3 . bei (5arl 
9feibner in fieipgig in iöuchform gur 2luSgabe 
gelangen. 

- ne -- 

Son Richard Leanders* „kleinen (^es 
fchichten" (Die Seifer. — Die J)tumpel= 
fammcr. — f^ranceSco) erfcheint bemnöchft 
eine neue (3Riniatur:)^uSgabe. (53reitfopf 
& Bartel, Seipgig.) 

- « - 

Wilhelm Jordan ift gegenwärtig mit ber 
Ueberfebung ber älteren „^bba" in ©tabs 
reimform befchäftigt. 

- ♦ - 

Richard Voss oeröffcntlid^t einen neuen 
fRoman „Dahiel, ber il'onoertit". (Dcutfd^c 
S3erlag8=2lnflalt, ©tuttgart.) 

- ♦- 

Ferdinand von Saar giebt eine neue 0^os 
oeUenfammlung „©chicffale" h^^^ttuS; ber 
©anb enthält bie 9Iooeuen „Leutnant iöurba", 
„©eligmann ^irf*"* unb „Die Droglobptin". 
(@eorg Sei^, ^eioelbcrg.) 

-4e - 

„2iebeSwerben unb anbere ©efchichten" 
nennt Hermann Heiberg eine neue ^ooellcn= 


fammlung, welche foeben bei S. griebrich in 
^eipgig erfchien. 

93on Carmen Sylva’s ÜRärchenfreiS „2ei^ 
beiiS ^rbengang" erfcheint ?lnfang 5tooem= 
ber b. 3- «iiic Pracht = Ausgabe mit 24 
ftrationen oon Omma 3)tarie ©liaS. ('21. 
Duncfer, Berlin.) 


S3on Edgar Steiger erfcheint bemnächft 
eine 53rofchürc „Der ^ampf um bic neue 
Dichtung". jtritifd)c Beiträge gur (^efchichte 
ber geitgcnöffifchen beutfchen Literatur. (iHeinj 
holb Serther, 2eipgig.) 

- — m -- 

Der berühmte SSerfaffer ber „9feoolution 
ber Sitteratur", Karl Bleibtreii, h®l neucS 
— ficherlich epochema^enbeS — Serf ooUs 
cnbct, welches ben fchneibigen 5:itcl „Der 
5tampf um’S Dafein ber ßitteratur" führt. 
Der Perleger ber Pleibtreu’fchen ©chriften 
(Silhelm gricbrich in 2cipgig) thcilt über 
oaffelbe in feinem profpcct u. '21. golgenbeS 
mit: „Daß wir in jt. P. ein wahres 0?cnic 
befißen, beweifen am 'Peften bie gehäffigcn, 
pcrfönlichcn Eingriffe, bereu er fich oon jener 
Äritif gii erfreuen h^t, bie in ihrer eigenen 
Chnmacht unb Pcfdjränftheit bem (^enie ftetS 
feinblich gegenüberfteht". — „O'inen flaren 
(5inblicf in baS partciifchc (!!), ränfeoolle (?) 
(betriebe biefer „Ptufterfritif" gewährt unS 
bic Seetüre ber neueften ©chrift" (folgt obiger 
Ditel). — „^ier unterwirft ber fchneibige, 
unerfi^rocfcne 3lutor bie gange Unreife unb 
Parteilichfeit eines feiber -großen ^h^ileä uns 
ferer preffe einer oernichtenben (wirf= 
lid^ ? D. JH.) ^Inafpfc unb eS bilbet biefe 
Profehüre eine (^gängung gii ber bereits in 
britter 3luffage oorliegenben „^^eoolntion ber 
Citteratur", eine ©chrift ron fo eminent 
litterarifeher Pebcutung (?!), wie 
SlehnlicheS feit Seffing (!) ni^t oor baS 
Pnblifum getreten." — Sir fonnten eS unS 
nicht uerfagen, biefe proben auS jenem gricb= 
rich’fchen Oircular wiebergugeben, wimmelt 
bod^ faß jeber ©all oon unfreiwilligem ^^umor! 
^iiie 'Profanirung bcS Seffing’fcben 
'JtamenS aber bebeutet jener leßte ©aß ocS 
gebrueften g’fchen UnßnnS unb wir föiinen 
nicht umhin, hiergegen entfehiebene Perwahrs 
ung eingulegen. 2luch ber (Größenwahn 
foüte hoch wenigüenS eine gewiffe (JJrenge 
fennen; mag baS „jüngfte" Deutfchlanb in 
©. feinen (Gohen anbeten unb ihn oiclleicht 
auch für einen gweiten Seffing haften —, eS 
giebt, gottlob!, auch noch öubere üRenfehen, 
Die einiges Urthcil gu beßben glauben unb 


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btcfe mufe bei ^l^rafenbrefd^en benn 

bod^ roa^rlid^l ein loa^rer C^Fel anfommen! 

-ne- 

,5)er ü)>Fenfc^enfcnner", ein ncueä ßufifpiel 
non Wolfgang Kirchbach, ifl non ber 3^= 
tenbang be8 .^oft^eoterä gn 5lltenburg an= 
enommen loorben; baä 0tiicf foü noc^ im 
aufe biefer ©aifon aufgefü^rt roerbeu. 
- # - 

■ P. K. Rossegger ifl mit ber 5)ramatirirung 
feines D'FomanS „Sacob ber i'ebte" befd^äftigt. 

-- 

$)a8 Lesaing - Theater in 33er(in unter 
Oskar Blumenthal’s Leitung mürbe am IJ. 


@ept. b. 3. mit bem „iRatl^an" eröffnet, am 
16. ©cpt. baä Barnay’fd^e „Berliner Theater“ 
mit ©d^iacrsßaubc’S ,,5'emetriu8*'. 

- ♦ - 

Anton Rubinstein ^ot eine neue Cper 
„^5ie Walpurgisnacht" noHenbet; baS Werf 
[oU guerfl in rufpfchcr ©prac^c gur T)arftea= 
ung gelangen. 

-# - 

3!)ie ^aiferin non Oeflerreich h^t f- 3- 
nerfprochene Unterftüpung bebufs (Errichtung 
beS Düsseldorfer Heine-Denkmals enbgiltig 
gurüefgegogen. 



A. L. D. in G—a, P. P. in N—g unb W. 
T. in H — e a./S. 35chanbcln ©ie bebeuts 
famerc bichterifchc ©toffc; oermeiben ©ic 
fchlcchte jRcime. 

A. S. in R — 6. ©ie fc^cinen ^Jalent gu 
haben, aber feien ©ic begüglich ber gorm= 
gebung ftrenger gegen fiep felbft. iKeimc mic 
^h»llt" unb ^milb" finb — gumal im ©0- 
nett — unbenFbar! 

A. K. in B—n. ^)iibfche 5lnläufc, hoch gu 
eibene ©toffroahl! 

. S. in A—ch. 3Icnbern ©ic in 
Ü^ebicht «S^bifche 2:räume" ben lepten l'crS 
ber fechften ©trophe unb befeitigen ©ie baS 
Wort „unentroegt", fomie ben unreinen JKeim 
am ©chluffc beS ©ebichtS. 

A. M. in B — z. 3hr l'iebcSmerben ju 
(E^unjlen unreiner JReimc ift bei unS umfonit; 
mir roiffen fo gut mic ©ie, bap bic äufeerc 
gorm eines (^cbiAtS im 23crgleichc mit bem 
acbanFlichen Jnhalt nur an gmeiter ©teile in 
grage Fommen Fann; Jh^^ ^Inficht ift min= 
beftenS curioS, bap mir gu O'unften ber äupe; 
ren gorm ben gcbanFlichen J^ern oernachläf= 
figen müßten: mir oerlangcn eben 33eibeS!! 

H. H. inK—8. 3Rad^en ©ic gefäUigft 
oon unferer birccten (^orrefponbeng (EV: 
brauch, näherer ^l^egrünbung 

unfereS UrtheiTs unb an .^^inroeifen auf bie 
2Rängcl ©cbichtc liegt. 

G. A. in W—n. ^^iefit brucFreif; laffen 
©ie gelegentlich 5lnbereS fehen! — Wie mir 
fchon öfter ermähnten, muffen mir iÜerlagS- 
angebotc ein für alle 3Ral banFcnb ablehnen. 

A. S. in B —n. „©pielmannSlieber" lei- 
ber gn lang. 3)ramen fchliepen mir oon ber 
^eroffcntliqung grunbfäplich auS unb h<^ben 


unferc iBemeggrünbe hierfür erfl Fürglid^ an 
biefer ©teile Flargelegt. 

G. M. in S —• n „grühlingSgebanFcn im 
^erbft"; L. M. in M—m „lobtcnfcft" (unter 
äufammengiehung ber groeiten unb britten 
©trophe in eine): C. S. in W—n „T^ie 
ÜFoche"; M. D. in S —x „^erbftmahnung"; 
H. M. (}. in D—n „?icbc"; Dr. F. B. Pf z. 
Th. in N.-H—ch „WelFe SHofen"; CI. M. in 
C — g ir^crbjt"; R. P. in A — n „Walbs 
anbacht"; E. H. in E-d „58itte"; C. F. in 
F—t a. M. „^Rach gmanjig Ereiin 

V. K. 4n G — n „iöergötterung" (mit einer 
5lcnberung); W. S. in B—n „.i>erbftglücf"; 
Dr. H. P. in B—n „(Entfagung"; Dr. F. L. 
in St—t „9lm Ä'amin" uno „ÖJnomen" iRr. 
2 unb 3; H. K. in B—l (Hann.) „I^ie^ftacht 
in ber i^ampagna"; Ch. S. in S—g „3*^ 
Walb". Angenommen! 

A. H. in B—n (allgu ocrbrauchteS SRotio); 
F. R. in M—n (nicht flüffig genug im 2luS= 
brucF); W. R. in S —1; Ä. V. S. in B —n 
(nicht ungefchieft, aber ungeeignet): Grf. 
CI. Ä.-L. in L—n; M. L. in M —g (mohD 
thuenbe (E^efinnung, aber formell mangelhaft!; 
J. L. in B—X (öielrach nüchterne Wenbungen); 
H. B. in D—n (läftt 'l^ermenbbareS erroarten); 
R. D. in B —n; Prof. P. P. in W~n; C. 

W. in P—g (oft fchmach im 3luSbrucF); A. 
L. in Fr. i. S. (mir bringen nur bisher Un= 
gcbrucFtcS!); A. B. in P—n; F. P. in \V—n 
(gegenftanbsloS); E. S. in F —t a. M. (er= 
märten gelegentlich 3lnbereS!); H. Z. in S—n 
(©ic oerherrlichen lebiglich bie äupere ^r= 
fcheinung 3h^^>^ (beliebten). 

Dankend abgelehnt! 

0. P. in S—tz. 2118 mir oor nunmehr 
G ^ebingung auffteOten, bap un« 



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64 


fevc ^iiifeitber gleichzeitig ben S^iachroetS bc§ 
erfolgten ^Ibonnemcntö zu erbringen haben, 
folgten loir mir einem unabioeiäbarcn 
ber !)2oth. loar nämlich nach unb nad) 
fo loeit gefommen, baä bie gen)öhn(id)e'^.'oft: 
brieftafchc bc§ Briefträgers bie für nnS be- 
flimmten 3uffhnften bei lueitem nicht mehr 
ZU faffen Dermod)te, unb berfelbe zwfcbl ein 
Zlnecht 9?uprecht mit einem großen $ein: 
roanbfoefe bei iinS erfchien, um [einen Uebci= 
fluß an poetijehcr^eetüre oor un[eren trunfenen 
Bliden auszufchiitten. Bei ber größten 0pfer= 
loilligfeit aber, unb felbft luenn mir lag unb 
5Zad)t über ben 'iJJinnnicriptcn hätten fißen 
iDoden, märe eS unS ni(ht möglid) geiocien, 
mit einer auch nur einigermaßen grünb^ 
liehen Brüfung nuferen C^infenbern in bie^ 
neu. 3<^ber (5infichtige loirb baßer begreifen 
nnb e§ unS nicht alö dngherzigfeit aiiölegen, 
baß mir jene Beftimmung trafen. 

A. S. in H—n. Bon iinferm B^ogrcinim 
ift nur baS ^^rama anögefd)foffen; .[Sonorar 
gewähren luir unjevn C^injcubeiu nid)t. 

K. D. in H—n. ©ir mehr¬ 

fach baS oöllig Unzutreffenbe oon Bole= 
miFen bargethan, roel^c ßch öuf bie Bemadßs 
läffigung oer gorm feitenS längft oe^orbener 
dichter ßüpen. Sir h“^^*9cu FeineSioegS 
bem alten UnfehlbarfeitSglauben an große 
9Famen, unb fcheuen im§ gar nicht, anS: 
Zufprechen, baß au^ unfere (Slaffifer t^'ebi^te 
gef^affen höben, bie oor ber heutigen Äritif 
nicht mehr befteßen mürben unb melcßc nur 
burch bie Ueberlieferung geheiligt erfeßeinen; 
bie große dJFenge freili^ ßalt eS für grcö^f» 
fie anzutaften. — Saö Jßre fpecictle g^age 
betrifft, fo erroibern mir, baß baS 0onelt im 
3lufgcfang oiermaligc Sieberfeßr je cineS 
dFcimeS gcbietcrifd; ocrlangt, unb z^^ar in 


ber Siegel nach ber gormel a b b a, a b b a, 
nnb biefe Faun eine ^bänberung nur iufofern 
erfahren, als in ber ‘J. 0tiopl)e bie gorm 
b a a b bcbingungSioeife Z'^^öffig iß. ‘J^cr 
Slbgefang ift urfprnnglich anS ber ^erzinens 
form entßanben; ba aber bie Terzine ihrer 
ßeten ßFeimocrfchlingnng halber eigentlich oßne 
Einfang unb (^nbe ii*t,"io erfd/icnen meßrere 
ocrfd)iebcnartige 9lnorbnungen beS ßFeimeS 
ißrer 'Jlbleitung nach ölS naßezn gleichberecß^ 
tigt. 2lm nä^ften fcßließt fid) an baS Bor: 
bilb ber Xerzinc aber bod) bie ßFeimorbnung 
e d c, d c d, loeldje and) bie ftrenge 0onett: 
form umoeigerlid) forbert, ebenfo mie bie ?lns 
menbung oon fünffüßigen ^ömben mit loeib: 
Iid)cm, b. ß. zmeifilbigem JRcim. — 0d)ließ: 
lid) ift nnb bleibt baS Sonett eine ^id)tungS-' 
form, bereu ^>eimat bie Bi'ooencc ift, unb 
menn ein bentfd)er ^'icljter, unb märe er 
ber C^Hößte ber 05roßen, ßier eine 9lenbernng 
oornimmt, fo ßat er bie nrfprünglid) pro: 
oencaliid)e gorm zmcifelSoßnc oerleßt; (^brnin 
Bormann mürbe ßinznfügen; ba gicbt’S nn 
ämen gar gee (i^cfiße nieß! 

A. S. in B—n. Sie befmben fieß in argem 
Srrtßume; mir roerben 3^re ©infenbungen 
nach öor sine ira et stiidio prüfen; un^ 
fer perfönli^eS Jntereffe für Sic unb 
3hre 2lrbeiten inbeß iß gefdßmunben, obmoßl 
eS oon jeßer unfer Sunfeß nnb Sille mar, 
mit unfern B'Fitarbeitem einen meßr als nur 
gefcßäftSmäßigen BerFeßr zu pßegen. 

. Berfcßiebenen grageßellern tßeilen 
mir ßierbiircß ergebenß mit, baß unfere Bueß: 
binberei bie ©inbanbbecFen zum oorigen 3öhr= 
gange noeß niefit an nnS abjeliefert ßat; 
boeß bürften biefelben ocrmntßlich in Jturzem 
zur Berfenbung bereit fein. $)ie(5ppeb. 


^cacßlung empfoQren! ^)icrbiird) rießten mir an unfere gefcßäßten neu 
ßinzngetretenen 9Ibonnenten unb Mitarbeiter bie reißt angelegentliche 55ittc, unS bureß dJtit: 
tßeilnng oon ^breffen 3^)ucn beFannter poetifeß oeranlagter ober für B^cßc empfänglicher 
BcrfonlicßFeiten bie ÜlFittcl zur Berfenbung oon Brobenummern an bie »^anb geben zu 
mollen. Sir bitten, fieß z“ biefem 3u)ccFc ber ßente mitfolgenben franFirten BößFörte ge: 
fäfligß bebienen zu mollen. 3lllen ^)enen, mel^e nnfrer Bitte freunblicßß zu roillfaßren ge: 
neigt fiiib, im BoranS unfern oerbinblicßßen 5)QnF. 

pie ^jrpebHion hts ^^peiiffcßen 
(6(hlub bcT Webaction biffer Stummer: 29. September 1888.) 


SnßaßsoeTzetitntg. 

ISrbiilitr bon irirbrid) von Sobculebt, Cbatrb jbtruipliiKirr, Siibarb Sermaii«, iauuq 3rktl, 3. 3tar- 
maunf, tflfrirbe Conqr, Pani ^ortori, 6 nftao Crqrrlok, Clifabrtü llrlnfno. Ulbert ÜSfer, Wdor ttran, Snltna 
3tnrin, ^ac flirfrnritrr, dbmnnb Dorer, IO. n. b. ülflMe, ftarl iOaria Oeibt unb /ran) 3ofrf DBrr. — Der grOStc 
Diibter ttnqarna. 6 ri 33 e bon Dr. Abotpb Sobnt. ~ SBcberritian. — Citeratnr nnb Sanft. — SrieffibaUtr. 

^Ai^brttdt tittt unter genuuer 0ueirenAngA0e geftattet. 


Beßedungen ßub gu rießten an bie Expedition (Paul Hefnze’s Verlag), ^infenbungen 
an bie Redaotlon des „Deuteohen Diohterhein“ In Dresden-Striesen. 3n ^ommifßon: 
Triib’sohe Buchhandlung ()t. Seßmittner) in Zflrloh unb E. Steiger k Cie. in New>Yerk. 


(SßefsdFebacteur unb (Sigentßümer: J^auf <j»ein|e. 
i)ntct bon gfcrbbianb ü:bontaS in S)rcibai. — Igapicr bon ber tDrcibcncr Igaptcrfabrtt. 


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$rgüii für DiMuu| uiiil ÜritiK. (Ser „Seatfdteii Siditerruiffe " 18. 

^jcraiiSgcber: yauf 


Mouatlich 2 mal. Preis, b lialbjährl., vorauazahlb. Mau abuuuirt üuroli jede Biiulitiaiidluug, sowie di¬ 
rect bei der Kxpediiioii des nDeiitsclieu Dichterheiin“ iu Dresdeu-Strieseii. Abbestellungen werden nur bis 
1. MArs beziehentlich 1. Septemberaugeuoiumeu. Kiiizelue Nuinmeru k6o 5 StUck einer Nutnmer.# 1,60. 


1 


dtdi 


♦ 


ttttb 9a6 einfl gefieOt; 
ptt 6ra($(l bas freuioori, bas bu mir gegeben, 
^afjfe bif$ unb menn’s ein Jenfeii giebi, 
^e^m if$ ben <^a|| mii in bas Jenfeiisfeben. 


bif$! S^enn gebenft’ ber $uaf, 
pie beineimegen (Iniibfii^ erbnfbet, 

Pann 9al| i<9, ^afjfe i($ bi<b tanfeubmaf, 
gbeif btt alTein alT meine $ttaC nerft^ufbef. 


faflTe bi<9! ^Inb trätf! bu vor mi<b fin, 
itdnnt’ i<b in beine bunftfen <^ngen fe^en, 
i<9 beitt (^di^efn, bas beranftbi ben pinn, 
pann i<9 bi<9 nnb mürb’ nor «^ieb vergeben! 



pfriebri<9 ^riebrid». 


SS- 




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66 


R- 


15 



Per größte Pichler 'itngains. 

0fi33e oon Dr. j^bofp^ iioljui. 


(9Ja(t)brucf ücTboten.) 


(«C^Ilip.) 


Ijm ;?a^rc 1845 ^ing ^^etöfi bie 
.^fcbaction an ben DMgcI unb 
begab fid^ auf C^r 

iDolItc bic tüilbe ?^omantif Cber^ 
ungarnä, bic er bieder nid^t 
fanntc, fennen lernen, ^^ieje Sanberungen 
gleid^cn roa^ren Iriumpböügcn, benn überall 
neranftaltete bie ungariirf)c 
(5-l)ren gadfel 3 Üge unb auf ^'aiiFctten unb 
^.'crfammlungen rcurbe er aufä l)öct)fte gefeiert, 
^'aö 1846 bilbete einen 3i'enbcpunFt im 
Jeben bes ?Jocten. (5r fanb fein 3^enl in 
ber braunen 3cl)önbeit ^ulie (E^enbvcii, in 
roelcbe er fid) fterblidi neiliebte. '}lm 8. 0fp= 
tember 1816 erblicfte er fie ^um erften letale. 
S3on biefem ^citpuuFt an bativt er fein neuc§ 
?eben. feinen :)?cifcbriefen fagt er: „fsrüber 
war id) nid^t, ejiftirte bie Si'elt nid^t, mnr 
nic^t?; bainalö entftanb im großen lllid}tä 
bic TOQion ber 3al)re unb in meinem .'^er,;en 
bie l'icbe. Unb bieä Sllleä erfcfnif ein ilMicf 
^uliaä." 3’^ i^erö unb '^^rofa oerl^errlidit er 
bie 0c^önl)eit, bie 5(nmutb, bie A^erjensgüte 
feiner C^elicbten. müfde'', ruft er äu§, 

„meine Jebern in bie (Sonncnglutben taudien, 
roontc id; i^re 0eelc in il;rem ganzen (^Han 5 C 
unb il)rcr ganzen (^lutl; bcfdpibcn." Unb 
in einem feiner glü^enbften l'iebcölieber, bc= 
reitä an feine grau gcrid;tet, fingt ^ietöfi: 

O liebe, lieb’ mid^, fo mie idb ^'idf) liebe, 
©0 l^eife, fo flammcnb unb fo grcn^enloö, 
(i^ntfenb’ auf mic^ be§ £'id)t§, ber 21'ärme 
Jüllc, 

^ie ^Tir in’ä .^crj oon (>'ottcö 2lntlip flop; 
5^enn bieä Tein ^^erj ift ja mein gan^eä l'eben, 
3:agg meine ©onn’unb ^)iad)t§ mein ©ternen: 
fd^ein — 

^ätt’ id^ nid^t 5)cine i'iebe, t;olbe§ 55?eibd)en, 
feie büfter mürbe biefe feelt mir fein! 

3ulia toar bie 2:od)tcr be§ C^hiläoermalterS 
©jenbrei) auf bem ©d;loffe (Jrböb unb iljre 
bömonifd;e ©d)önl)eit bezauberte alle Seit. 
5^ie Jpo^Zeit fanb am 8. ©cplember 1847 in 
^rbÖb ftatt; nad^ zurüdgefc^rt, lebte er 
feinem jungen (Jbeglücf unb ber Tic^ifimft. 
2lu3 bem überfd^äumenben, ctma§ leid;tfertigen 
3ünglinj lourbe plöplid; ein ernfter, treuer 
unb bebac^tiger (^^emann. C^r bciooliute mit 
36fai, bem bereits genannten, jept Icbenben 
größten fKomanfd)rirtfteller Ungarns, eine 
feo^nung oon brei ben il'orfnal 

unb baS ©peifezimmer benulden fie gemein^ 
fd^aftlicl). ©ein t^Iüd mar grenzenlos, als 
i^m feine (Gattin einen llnaben ^oitan fc^enFte. 
‘iTiefer mürbe am 15. ^ecember 1848 in 
5^ebrecjin geboren unb fein laufpatbe mar 
ber glcid;faUS bereits ermäl)nte (^piFer 3obflnn 
9lranp. ÜTer einzige ©ol)n beS 4'octen ftarb 
am 5. 5toöcmber 1870 in feinem ziüciunb= 
Zroanzigflcn SebenSjaFirc. 


^tx 'Ii;rtäuS bcS ungarifd)en Jrcil;citS= 
FampfeS 1M8 bis 1840 ftarb als junger 
O^atte unb alS junger ^>ater. Xie IragiF 
feines l'ebenS foüte fid) erfüllen, bei ber !}te: 
Dolution bct^ciligte er fid; mit l'eier unb 
©c^roert. 0-5 ift in reutfd;lanb roo^l unbe: 
Fannt, bafz bie 'i'icBfreibeii in Ungarn in erfter 
^inie ;Hle;:anbcr 4'etöfi z» oerbanFen ift. 5lm 
15. 'Ui'ärz 1848 ftelltc er fi^ mit 
oari, 5>ibacS u. a. an bie ©pifje ber ftii^ 
bentifd^en 3ttgcnb unb liep, oI;ne eS erft ber 
Oenfur oorzulcgen, fein (^^ebic^t: „Talpra 
I Magyar“ — „Ungar auf bie ©o^le!'' — 
bruefen unb nbfiugen. ©eine beiBcfte ©e^ii: 
fiidit dieidistag gemäblt Z^^ 

merben, ging nidit in Erfüllung, aber feine 
leibcnjd)aitlid)e ©et)ufud)t, auf bem ©d;lad;t- 
felbe zi>f '-l^efreiung bes U'atevlanbcs initzu= 
Füinpfen unb für bie grei^eit baS Veben l^in-' 
zuopfern, foUte fid) halb erfüllen. '4'etöfi 
mürbe z^”^' .^auptmann unb bann zum 
i^tajor in ber A^onoebarmec ernannt unb Farn 
als fold)er beim U5eginn beS fiebcnbürgifd;en 
gelbziigcS an bie ©eite bcS Cberbefel;lSbaber8 
Oi^enaal '4^em als beffen 'Jlbjutant. ^cr 
geniale gelbberr liebte ben 'Tiditer fel)r unb 
marnte Ü)n luieberbolt, feinen Oifer zu zügeln 
unb ben ^ob nidit l;erau8zuforbern. 3^' 
ntcl;reren ©d)lad;ten Z’üdnictc er fid) miebers 
^olt burd) feine iapferteit unb itübn^cit 
aus. ^ilin 31. 3t‘lt 1849, als bie ,'Kliffen 
unter (^H’neral VüberS bic Fleine .’ponoebarmee 
bes O'^eneralS bei ©c^äHburg — ©iebenbürgen 
— umzingelten unb nicbermaebten, fanb aud^ 
ber 'I^id;ter, aller Sabrfd;einlid;teit nach, 
feinen .'^elbentob auf bem ©cl)lac^tfelb. Ttx 
Diilitäfarzt Dr. S^KP^ Vengijel, ein klugen-' 
zeuge biefer mörberifdjen ©d;lac^t, fc^ilbert 
ben lob beS '^id;terS u. a. alfo: 
^Kcgimenter ruffifcl;er ^anzierS löften fic^ 
Faum taufenb ©d;ritte oor unS auS ber 
^Jtaffen formirenben ^ioifion loS. rie ^u= 

I faren fdilugen fic^ gut, aber maS üermod;icn 
fie gegenüber einer fold;’ ungcl)euren Diebr- 
I bfit, fie, bie Faum il;rer breiljunbert maren V 
I 3^1 4'etöfi an, mieS l)in auf ben iJln- 
* fall. Or blieb rn^ig unb fagte bloS: „Itleiiiig: 

I Feit!" ^.?lber halb barauf flol; bie ganze gront. 

! 3^1 auf ben liiiFen glügel, mo 

aud; OV’iieral ^'ein flol;. '4'etöfi marf einen 
U^lid bal)in, locnbete fid; mortlos unb begann 
glcid;falls z» flol;cn ber i'anb^ 

Itrafte zu, unS nad) bic :Kegimenter 
I ruffifdier VanzierS. 'illS mir fdion ^übfd; 

I aus bem lorfe l;inau6gelangt mären, fa^en 
' mir, bap, iüät;renb biefe beiben .'Kcgimeiuer 
‘ angrirfen, ein britteS :Kiiffenregiinent au 
ber ©eite bes gluffeS ^UiFüllö fid; in gcraber 
Vinie l)inaufzog, unb als eS fd;on auf eine 
l;albe ÜJieile etma baS abgebrannte gel^t*rcgi)^aZ 
oerlaffen l)atte, fid; rcd;lS roenbete unb, einen 


Bi¬ 


st 


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67 


r 


Sf 


geraben SBinffl bilbenb, fid^ bemül^tc, bie 
l'aubitrabc, un§ (omit bic weitere 5ru(^t ab^ 
juid^neiben. (!inem großen 5:ßefl nuferer 
(5aoaüerie war eä no^ möglicß, außerhalb 
biefeS jtrcifeö roeitergufoinmcn, ober non 
nuferer Snfanterie rettete ficß nur, wer jur 
SHejeroe gehörte; jene bagegen, bie im geucr 
geftauben, würben oon ben Diuffen eingc= 
|c^|loffen, unb bie in jenem jlrcifc oerblicben, 
— ausgenommen 60—70 ^>crwnnbcte, — ftc 
pelen alle. Ü)iir ^alf mein ^ferb auS bem 
Jtreifc ^crauS. 2lbcr '^etöfi war ju guÖ 
unb ocrblieb beS^alb brinnen im Greife, 
^uf einen $ügc( gelangenb, bliefte id^jurücf 
unb glaubte '^^etöR ju erfennen. '5)ie (Stelle, 
auf weld^ier ic^ ißn 3 uleßt fa^, ifi mir nodj> 
in biefem ^Itomente fo lebhaft in Erinnerung, 
baß i(^ auf fie bit^«>eifen fönnte, unb fo oft 
i^ jeßt an i^r oorüberfdbreite, taucht unwili= 
fürli^ oor mir '^ietöfiS bamaligc l^^eßalt auf, 
wie id) i^n mit unbebeeftem ^'aupte, offenem 
.ipembfrageu unb flatternbem 9^ocfc fließen 
faß." 5^a fein ^eießnam auf bem 0cßladßt' 
fcibe nießt gefunben werben fonnte, wollten 
bie 3Jtagparen an feinen lob nießt glauben, 
unb bis in bie neuefte fiub fallcßc 
töfiS aufgetaueßt, wel^e auf bie ^eicßtgldubig? 
feit ber ^itaffen fpcculirteu. ^llleS fprießt je= 
boeß bafür, baß er unter bem iJ^Ointt unb 
ben SanjenRößen ber .^ofafen feine junge 
0eele auf bem 0cßäßburger 0(ßtacßtfelbe 
auSgeßaueßt ßat. Ter glüßenbe ^2lpoftel ber 
9ieoolution ßat übrigens in propßetifdßer 
2lßnung lange oerßer feinen ^ob auf bem 
0cßlacßtfclbe uorßergefeßen. 2Jfan ßöre: 

„3Benn jebeS 0f(aoenoolf bann jießt 
3ur äi^aßlftatt ßin, bcS ^oeßeS müb’, 

TaS 'ilntliß gerotßet, mit rotßem panier, 
Üluf welcßem bie ßeilige Joofung als 3 *«^: 
§ür bie SBeltfreißcit! 

Unb biefe man weit 

.^inauSpofaunt uon Oft nach 3öcften bann, 
0 icß ißnen fteüt gum Kampfe ber ‘Iprann: 
Tort fall’ icß als .'pelb 
3 m blutigen JJelb, 

Tort möge mein ^lut mir, baS junge, ent^ 
ftrömen, 

Tort laß icß mein 0cl)eibewort jaucßjenb 
oerneßmen, 

00 werb’ eS oerfcßlungen oom 0cßwerter= 
geflirr, 

Trommetengej(ßmctter unb 0cßladßtcnge: 
wirr, 

Unb über mi(ß ßin 
0ie mögen bann fließn 
9luf feßnaubenbem Oioß naeß erfoeßtenen 
0iegen, 

3Jfi(ß laffenb jertreten im gelbe wo liegen — 
Unb mein jerftrcui’ (Gebein man fammeln 

(^rfl bann, wenn ba ber große OJräbcrtag, 
2iio bann man unter feierlicßen Klängen, 
— il^oran bie gaßn’ mit jcßuar 3 en glor- 
beßangen — 

3u (^rabe trägt bic Jpeloen aH’, bie ficß 
geweißt 

Tem Tob für Ticß, Tu ßeilige SBeltfreißeit." 


S53o baS (55rab beS ^KärtprerS ber greißeit 
ift, wirb ewig ein 9?ätßfel bleiben. Ten Un= 
fterblidßen faß DUemanb fterben. 0 cine banf: 
baren l^anbsleute ßaben ißm in 53ubapeft ein 
oon bem genialen '^ilbßauer 2 lbolf ^uf 3 ar 
gefdßaffcneS großartiges 53roncebenfmal auf 
bem ^U»?löfiptaß, bem linfen Ufer ber Tonau, 
en-ießtet. Tic C5inwcißung beS TenfmalS am 
12. Oftober 1882 geftaltete ficß 311 einer im- 
pofanten nationalen geier. 

* • 

• 

®orin befteßt bie ßernorragenbe 93ebeutung 
^etöftS ? '^^etöft ift in bcS SöorteS eigentlicßftcr 
'i^ebcutnng ber Ticßter bcS magparifeßen 
i>olfeS. (^r ßat bic 0ecle beffclbcn in baS 
^icb geßaueßt unb feine 2 prif ift bie 3 ?er 5 
förperung bcS magparifeßen ^'eniuS. ^r 
war ber erftc unter allen ungarifeßen ^^'octen, 
ber bircct auS bem i'ebcn ber Dfatur gefeßöpft 
ßat unb in ißm nerfeßme^en Rcß bic 55egriffe 
ber 33olfStßümti(ßfcit unb ber 9fatürlicßfeit 
in (5^in8. O'r feßuf eine neue Tießtung; er 
fißöpftc feine 0pra(ßc auS ben 93olfSlicWn; 
bie orgineöen (^igenfeßaften beS 33olfSliebeS 
oerfcßmol 3 er mit feiner eigenen ^nbinibnalität, 
unb Dom 0 tanbpunft ber nolfStßümlicßen 
feßließten TenfungSart unb Unmittclbarfeit 
auSgeßenb, brüefte er am treueften bic ©e- 
banfenrießtung unb ^mpfinbung ber geiftigen 
2öclt feines T'olfeS auS. ^^etöfi ßatßcrrlicßc 
(^pen, Tramen unb Ueberfeßungen auS bem 
Teutfeßen, gran 3 Örifdßen unb (S^rieeßifeßen ges 
liefert, aber bie Unfterblicßfeit oerbürgt ißm 
nur bic 2 nrif. .Jpier fingt er 00 m 33 atcrlanb, 
oon ber Viebc, ber grau, ber gamilic; er 
3 eicßnet ftimmungSooÖe 2anbfcßaftSbilber, er 
bießtet Söeinlieber unb politif^e, focialc unb 
5 >er 3 enSfragcn finben in ißm einen gewaltigen 
Snterpreten. 0 eine glän 3 enbe i>ßantafic, 
bie qualitatioe wie quantitatioe grueßtbars 
feit feiner 3Jfufc, bic 3 nnigfeit unb ©abr* 
ßeit feines l^cfüßtS unb EmpfinbenS, bie 
Üfatürlicßfcit unb grifeße bcS 3luSbrucfS, bie 
0angbarfeit feiner Vieber — all’ bieS mußte 
einen ßinreißenben C^-inbruef auf feine iKation 
er 3 ielen. C^’r ift überbieS ber treue, waßre 
unb freie Italer beS menfeßließen ^'^r 3 cn 8 , 
jebeS falfcßc T'atßoS, jebe franfßafte 0enti: 
meutalität oerfeßmäßenb, — feine ViebcS: unb 
i'atcrlanbSlieber finb gleicßfam glammcn, 
wclcße bie ^''cr 3 en ent 3 Ünben unb unferc 0 celcn 
crlcucßtcn. 

'Uetöp war ein großer ^creßrer ber beutfeßen 
't>oefic. ^2'on allen beutf^cu Tid^tern ßatten 
ben meiften Einfluß auf ißn Senau unb 
•V'cinc. O'leicß bem Icßtcren gab er aueß 
feßr gciftootle unb wißige jWeifebilber ßcrauS, 
aber er war boeß fein ')fa(ßaßmcr bcS uns 
ge 3 ogenen Lieblings ber (i 5 ra 3 icn. ^^rofeffor 
i'aul On)nlap in i^nbapeft, ber 0 cßwagcr 
bcS TießterS unb 3 uglcicß ber befte ^^^etöfi= 
Kenner in ber 03cgenwart, fagt mit D^e^t 
über bie ©aßloerwanbtfcßaft jwifcßcu ben 
beiben Tidßtcrn: „3n .'öeine i)t, troß aU’ 
feiner ^icbenSwürbigfeit, etwas TämonifeßeS, 
wclcßeS auf baS OiJemütß einen büfteren 


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68 


©chatten roirft: über bie Snbiüibiialitat 
töfi§ ergiegt fid^ Weiterer .'ijumor unb aden^ 
faUS fönntc man an mc^rcrem Unreifen 3lns 
fto6 nehmen, ^eine fofettirt mit (^efü^fen, 
^oefie ift bie 5?Ia[irt^eit, ber enttäufd^te 
Jbealiämuö unb bie bitterfie 3^onie im 
dJtantel ber ^id^tfunfi. ^n 'l>>etöfi fpvid()t 
ber 0o^n ber 'T^atnr, ber mitten in feinem 
(Ftenb unb feinen getaufc^ten ^''oü^wngen 
ben (iHauben bema^rt ^at unb ftetö ner^ 
traut auf bie 3Jtenfc^^eit, bie f^rcibeit unb 
bie Siebe. StÜeä, roaS in 'V^töfi an .<?eine 
erinnert, ift ein ®ünbel empfinbfam beginnen^ 
ber unb febergboft enbigenber Sieber." ^n 
.'peine'ä ^kiefeii unb <Scbriftcn finben mir 
feine 2leu|erungen über 'tietöfi, roobl aber 
roiffen mir, ba§ ber Siebter be§ „5?ucbä ber 
Sieber" für ^^etöfi febtoarmte. ^arl ÜJt. Äerts 
benp, ein SanbSmann beS febteren, ber ficb 
um bie Verbreitung ber Vetöfi; Sieber in 
l^eutfcbtanb maii^e Verbienfte erroorben, gab 
im Jabre 1849 auf ^Inregung .>>cinvicb ^“>cine’ö 
eine 0ammhing non 170 \'iebcrn unb c^e= 
biebten beä magparifeben '4'oeten heraus, n)elcl)e 
5 U granffurt a. erfebieneu unb vH^eine ge^ 
mibmet roaren, .^eine febrieb, als er bie 
— übrigens febauberbaft fdblecbte — Ueber: 


fe^ung laS, begeiftert an Äertbcnp: „3cb 
fanb nur wenig foldber Üfatiirlaute, an welchen 
biefer Vaueruiunge fo reich ift wie eine 
'J^a(btigaU. 29ir Sffeflej'ionSmenfcben erfAei- 
nen neben foldber Urfprünglidbfcit wahrhaft 
bemitlcibenSwertb —" 37ur einS fann idb 
'petöfi bei aller ^krebrung für feinen Genius 
nicht nergeben, feine Verfennung (^oetbe’S. 
^n feinen ,,9feifebriefcn" äußert er fid) über 
biefen, ihn felbft benn boeb um .^aupteSlänge 
überragenben 5^icbterbero§; „3.cb liebe (^oetpe 
nicht, teb fann ihn nicht leiben, ich nerab= 
febcue ihn. Ter anbere nidbt geliebt b^t, 
ben fönnen audb anbere nicht lieben, böcbftcnS 
bewunbern. Unb webe jenem großen 3)fanne, 
ben man nur bewunbern, aber nicht lieben 
fannl 5)ie Siebe ift ewig, wie i^i^ott; bie 
Vewunberung aber oergänglicb, wie bie ©eit." 
— 9;cb bin aber überzeugt, baß '^[tetofi gang 
anberS geurtbeilt b^tte, wenn ihm ein län= 
gcrcS Seben befebieben gemefen wäre. Ueb- 
rigenS lefen ficb, befonoerS in guten Heber: 
fetuingen. bie (‘^ebid^lc 'Iktöp’S faft wie Cri: 
ginale, ein '4‘eweiS bafiir, baß biefelbcn bem 
bcutfd;en l^emütbS' unb (Gefühlsleben febr 
nabe nerwanbt fmb. Vföcbte ber 'Dichter in 
Deutfcblanb recht fleißig gelefen werben! 


penftli 5u ber 'glacbt? 

®cnffl bii ber SWaebt, ba idb Siicbfnt;ng 
3[n fü^cm Sebaun ju beinen lag? 

33^oiiauer ®uft roob über ffinlb unb Slu, 

0till rann ber 23acb, eS flimmerte ber ib®^) 

©in fanfteS Sicht oom blauen ^imrnel floß, 

®aS ®ufch unb Sach unb bich unb mich umgoß. 

S)enf[t bu ber stacht? — ein ©rißchen, 

9lnhob fein Sieb am monbbeglänjtcn Oueß; 
©tumm laufchten mir; eS flobn unb fudbten bang 
®ie ^erjen fid) in fcheuer Siebe ®rang; 

Son ^ug’ JU 5luge ging'S wie b^ißc^ Sle^u — 
3Bo blieb ber TOuth, baS fflort unS ju gefiebn? 

®enffl bu ber Dtadbt, mie plöhlidb fcbnfuchtSDoß 
©in Sieberftrom bem Sudbenhain entquoß, 

®aß 3lubel burch bie ©eelen ging, 

Siebtrunfnen ßJtutb^ ich iaudbjenb bich umfing 
Unb bonnerlöft burch 97achtigaßengniß 
®ir jitternb gab ben erflen, langen Äuß? 




85 - 


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69 


R-SS 


»erboten.) 

IDa« OolkrameUtii'. 

^ tfltt $«iig «tt5 unferett tagen. ^ 

93on Jufiua 0roffe* 

(gortfetung.) 

®ci ber $ 9 t^ta. 

„Unb cincö 9^ad^tö roar'ö im entlegnen ®au; 

®ovt roarb juerfl ein frommer ^falm gefungen, 

3(n ginfterniß ein glämmc^en fd^roe^ttc blau; 

Seroegung^loö, oer 5 Ücft, oom irance be^ioungen, 

3luf i^rem ^u^bett lag bie ^gtl^ia, 

®a§ §aupt öon einem Sorbeerfrang umfci^lungcn. 

3Jtan(bmal oor^er baö 3öunber fd^on gefc^a^, 

®a§ bic $eroen ber ®orroelt unö crfc^ienen, 

3Öie ©aul ben Samuel erfd^einen fal^, 

©teid^mie im Dtebel, mit entfärbten SWienen. 

So fam mit Äönig 2)aöib ^onat^an, 

®ann Salomo, ^it febimmernben SRubinen 
SSefe^t mar Äron’ unb Scepter. ^Ibget^an 
$at er bic 3öelt mit einem SEßort; oerbroffen 
Sprach er — eä märe ^tte§ eitler 2Babn, 

SRatürlidb, menn man 5lllc§ burdbgenoffen! — 

!Dann fam Johannes, unb n3ic ©lorienlicbt 
3öar’ä plö^lidb fdbimmernb in'3 ©emacb ergoffen. 

aSBeltleib, Weltuntergang unb Weltgericht 
3[n nächflen mürb’ bie SWenfehh^it fchauen 

^ienieben fchon, hoch mo, ba§ fagt’ er nicht. 

Wohl fühlten aüe §örer tiefet ©rauen, 

S!)a fam Dtapoleon, fein ©eficht mar bleich, 

Unb pnjfre Iraner lag auf feinen Srauen. 

3meibeutig gab er granfreich 9iuhm jugleich 
Unb bittren ^ohn — halb mürben bie Äanonen 
3m Sdhlachtgemühl erneu’n ein Äaifcrreich, 

Dann mürb’ ber 9teffe felbft in Deutf^lanb mohnen, 

Siel Daufenbe, fein ganjeä §eer mit ihm, 

Unb hoch mit Unbanf mürb’ ihm ©allien lohnen .... 

(Sin anbermal im ©lanj ber 
©rfchien auch SDfartin Luther, ernft gemeffen, 

Unb bonnerte gen 9iom mit Ungeftüm. 

Dann 3Jtetternidh im gradf mit golbnen Drcffen; 

®r flagte, gan^ ©uropa fei umgarnt. 

Doch maö er meiter fpradh, ich oergeffen. 

92ur ©incr mar, ber fegnenb un§ gemarnt 
Sor jeglichem Serjmeifeln ober Schmanfen, 

Unb biefer Schatten hi^fe ©rnft 9Jtorih ^rnbt. — 

So famen ^Ue, unb fie 3lllc tranfen 
Wie ^)abeöfchatten unfreS §erjcn§ ®lut 
Unb fprachen unfre hcimlichjfen ©ebanfen. 

IS-^« 


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70 


R-S1 

2Bic oft untfd^nob un§ fc^einbar .^öHcngrutl^, 

9Bie oft bcö 3»^nfeit§ l^eilige Scbauerfüßc; 

'Eoc^ biefcn lebten 3Ibenb fcbrooü mein 3Hut^. 

« 4; 

* 

ottein iprad^ bicSmal bic Sibpßc: 

^d) fennc bicb uub beineö Sebent So^tt 
Unb miß bir ^cben auch ber 3utunft ^üßc. 

Unb Dom Vergangnen bi^ jur ©egenmart 
©ntroßte fie bie i^aufbal^n meiner Veiben, 

®ocb Que^ bie greiiben, bie mir aufgefpart. 

©(üefouf, rief fie — bieö £anb bod) mugt bu meiben! 

5tß’ beinen ©önnern nur Vevberben blü^t, 

(£c^on fat)fl bu Sincoln au§ bem Seben fc^eiben; 

Siegreid) unb milb, ein cbriftlic^eö ©emüt§, 

^infanf er, oon ber 3Jtörber^anb getroffen, 

^toeb e^ ber SOtittag feiner Votju oerglü^t — 

®ann febmieg ße, unb bie Sippen ftanben offen, 
ffien feb icb jet^t? — ®id), 3)tanmi(ian, 

®u ^elb Doß ^)offen. 

O @ott, mer b^t baö ©ebreeftiebe getban. 

Von blutigen ^änbeu feb icb ergreifen, 

^d), aße l^errl'cberboffnungen finb 2öabn! 

ßntflicb auch bu, fein ©egen roiib bir reifen. 

Grfabr: ber lob in jeglicher ©eftalt 
§ält ^agb auf bicb in beiner ©cbmeifeu 

9tod) ^abre lang, beoor bu oierjig alt. 

Viermal unb fünfmal mirfi bu fein oerloren, 

(?in ©pielbaß jeber brobenben ©emalt. 

3um Sanje l)at ber lob bicb auSerforen, 

^l§ mären ©türme, gelfen, ©lutb unb 3}tecr, 

3eb’ ©lement längft miber bicb nerfebmoren; 

Unb bennoeb macht bein ©d)ubgeift liebt unb b^b^^ 

I^er bicb «t^rettet — bicb aßein oon 5lßcn, 

5luf ba^ bu ©otteö ©nabe immer mehr 
©rfennen mogft, fo tief bu aud) gefaßen. 

3la, ©eifter fei) ich um bicb eine ©ebaar, 

©ie führen bi(b bureb aller Vielter äöaßen 
3um böcbffcn 3*^^/ (^^rof^e munberbar, 

3um Siebeöglücf nad) > 

3ur §eimat Febrft bu f(bon im näd)ften 
3n, ©enien febmeben über bir mit :ltofen, 

Unb Dtofeii feb id} auf ben ftreun, 

©lüefauf, bu mirft baö ^errlicbfte erloofen! — 

®a ■ fa§te mid), unb nimmer mirb'ö mich reun, 

©in fühner 9)tutb — 3Boblan, menn bicb umfebmeben 
S^ie ^immlifcben, la^ ßc bie ©uuft ernenn. 

©pricb, mirUicb ©eherfraft gegeben, 

©pricb, ich befebroöre bicb 5^^ brittenmal, 

3ft b^^l tbeurer Vater nod) am Seben? — 

©ö febien, bie grage febuf ihr ^cin unb Oual. 

SBie biffe fie geängftigt mieber. 

Volfram, mie ich! — ®a, mie oom Vlibeöftrabl 

fe-^-82 


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71 


«-—-jg 

. 

©ctroffen, fanf öuf bcn ©pric^ nicbcr: 
grag nimmer roeiter! rief mit Sonnerton 
®er greife 9}tann. bebten i^rc ©lieber, 

®oc^ 3Jtaub er^ob fic^ nac^ Secunben fc^on. 

Unb bennoc^, ^i)t^ia, map id^ meiter fragen! 

D^tief id^ unb troljte jebeö 33hnfc^en 5)ro^n. 
l^ört’ ic^ ftö^nenb i^rc Stimme fogen: 
j ferner gelfenfc^tuc^t 

, ®er Slat^iüö in Ütebrnöta fe^ idb’s ragen, 

I 2ÖO ©ebern raufd;en in ber Särenbud^t, 

2So ©olb l^inPrömen be§ Sfd^anfanfan 3Bogen, 

I 5Bo Jaufenbe febon frühen 2ob gefud^t; 

j ®ocb frag' md}t meiter! — gieberfebauer jogen 

®urcb mein ©ebein. ®ar 'i?(ße§ ^öHcntrug? 

3Bar i^ ber ©injige, ber ^icr marb betrogen ? 

. Spridb meiter, 3Jtaub — idb meip noch nic^t genug. 

Sag 5(üeö benn, nod; einmal mup icb fragen, 

^^cr mar fein 3}törber, ber i^n nieberfdblug? 

Söeipt bu fo üiel, fo mupt bu ^2llleö fagen! — 

®o(b lautlos blieb pe bieSmal, mie im Iraum 
j ®ic 3lugen Parrten offen aufgcfcblagen, 

I ^uf ihren lUppen ftanb ein meiper Sdbaum, 

I Unb jifebenbe 3Bortc au§ ben quollen; 

I ®a plö^licb fraebt ein ®röbnen bureb SRaum, 

I ©ö flang gleich fernen Sdbupeö Stollen; 

j ©in Schlag traf mi^ oon unpehtbarer §anb, 

I ©leichmic au§ iiefen £cufcl§pimmen feboßen, 

I ®ann ^urpurnaebt, unb mein Serouptfein fchmanb. 

9ll§ ich ßjtorgen brauf ju mir gefommen, 

3(m $arfc oon Steroport ich befanb. 

©rlofdb ©rlebtc ba^ö ocrfchmommcn, 

©in ^och in meinem §ute lag 

SJtit fraufer ^anbfehrift fene^ greifen frommen: 

äBäbnt nicht, bap ein äJerbreeben lag' am ®ag, 

Sarmberjig ift ber ^err ber ernPen Steuc 
3rbmebe§ Sünberä, ber pch beugen mag; 

®o'ßt 3b^ oertraun auf ©lauben unb auf ®rcuc, 

©rftatten mirb man ©ureö ©rbe^ 

©rbebt'S auf biefen SBechfel ohne Scheue; 

®od} feib gemarnt ju ©ureö Üebenö §eil, 

Steip beim, unb lapt oergangen, roaö oergangen, 

®er $fab jur ©nabe, er ift rauh unb [teil. 

SSegnügt ©ueb brum unb jügelt ba§ Verlangen, 

®o^ forfdp 3h^ mciter, mirb ecä ©uer 'lob! — 

Unbeimlid) mahrlich jene SBorte flangen ... 

®er mar bies ^euchlerpaar, ba§ mich bebroht? 

3lch pürmte in bie Stabt jurücf jur Stunben, 

9ln hohen ®äcbern glomm ba§ 3}torgenroth. 

®a§ §ouö mar leer, ber ^eilige mar oerfebmunben 
93tit feiner Tochter, menn pe Xochter mar; 

9Jtir aber bluteten ber Seele SBunben, 

Unb einö urplöhlidb marb mir fonnenflar: 

©r mar ber SKörber! ben freien Staaten 
Oft mechfelt man bie SJtaSfcn munberbar, 

& -S! 


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72 


Unb fromme @(!^[eicr l^üßcn grcoclt^aten. 

5ür bie^mal l^atte ber ^ppnofe 
3m toc^termunb beö 3Satcr§ ©i^ulb ocrrat^cn. 

nun? 2}Jid) fa^te ungeftümer ®rang, 

®cö ©(utoergeltcvö l^ciligeö (Ergrimmen, 

®ae mar i^, roenu bic SHoebe nic^t gelang. 

3^'rum auf, i^m nac^! fo vicf’ö mit ^unbert ©timmen!" 
Unb miebev ber (Jrjä^lev fc^roieg unb fann, 

®ie fernen Silber fc^ienen ju oerfc^mimmen, 

Si3 roieber er mit neuem ©c^roung begann: 


S)ic 3^9^ ^Rad^e. 

„Unb i^m nac^ nun ging bie 9hife, lange Xage, lange SBoc^cn, 

9luf ben Sonnen, auf ben ©trömen langfam ©d)iff unb 3^9^ trocken; 
Son 9?emi)orf nac^ Saltimore, nac^ Sirginien bann nac^ ©üben, 

Som ^rcanfaö jum C^io, nimmer mar icb ju ermüben; 

SBeiter ging'ö oon ’^Penfploanien ju ben grogen ©een im Diorben, 

Son bem %a\i beö ytiagara ju beö 6rie grünen Sorben; 

Unauf^altfam taufenb 9}teilen [türmte fort bie 3^J9^ 9iac!^e, 

,'pülfreicb fül;rten ^unbert ©önner, ^unbert ^l'reffcn meine ©a^e. 

Som Cntario ging'ö nac^ SBcften, oftmals fcl^ien bie ©pur gefunben, 

3u ber JelSgebirge Äctten, mieber mar fie bann gefebmunben. 

SiS Utal) unb ©an grnnciSco be^ntc ftcb bie ©turnieSreife, 
gerne grüßten mie ©efpenfter 9llpen^ö^n in ©c^nec unb Öifc. 

„®incö 9ta(^tS in tiefer iüilbni^ in bei* SRofp ÜJ^ountainö ©d^lünbcn, 
!!li>o in milben ©c^aumcaScaben ^unberte oon ©trömen münben, 

3^ort gcfc^a^'S: mir flogen faufenb über ©ümpfe l)in unb Üac^cn, 
Slöt'lic^ flang'S mie pfeifenb 2^röl)nen, bann ein bonnerglcic^eS Ärad^en, 
i)ann ein ’^lufeinanbert^ürmen unb ein ©turj in f^mar^e tiefen. 
Ji^unbert ©timmen fc^rill im SJinbe fterbenSbang um ^ülfe riefen, 
ginfternig unb @rabeSfd}meigen folgte bann; am anbern tage 
©d}nc jum Jpimmel bas Serbred^en, ©c^urfen oon befonbrem ©erläge, 
C'»^ine ganje ©ebaar oon ©d)elmen §atte mit oerruebten §änben 
(5inen gclSfolog jum Sal;nbamm abgemäl^t oon gclfcnmänben, 

3ene trobung ju erfüßen, mir unb willen tob ju bringen, 

Unb bie gügung emiger 9J^äcbte lieg baS Subenftüd gelingen. 

„S-Me bic ©tunben mir uergangen, nic^t oermag icb eS ju lagen; 
Slutrotl) blenbenb febien bie ©onne, als man mich baoongetragen. 
Vangfam fom mir baS Semugtfein, 2lnn unb ©d}cnfel mar gebrochen, 
Vange lag id) ouf bem ^oger, ungezählte !^eibenSmod)en, 

^'ag im S>igmam bei 3*'i>iöncrn, bei ben braoen rotben ^Ipouten, 

9liiS ber ©prad;e ber tafotbaS mugt id) menig mir zu beuten, 
jtlcine braune ^täbebenbänbe maren’S, bie mich forglicb pflegten, 

®lübe fd)marze S^öbebenaugen mareirs, bie mein 'Slut erregten. 

9i>ie im träum bie langen S>ocben fommermarm oorübcrftricben, 

S.'ic im träume b^vt' id) S>eiber flüftern, bie oon bannen feblicben; 

9(u(b erfebien ein ^^aupt biSmeilen, mit jmei Gingen, falfenbeßen, 

9}täcbtig floß ber ©ilberbart ibm bis ^nm @urt in breiten äöeßen. 


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73 


8»-55 

Unb bie ®qiiaro§ unb rotten ^ungfroun unb bcr SD^onner Grjgeftolten 
®cugten fic^ bem JBort bcö ©reifet unb gc^orc^tcu feinem ffioUen. 
gtngt’ id) ma(, |o fc^miegen ^lUc, fc^on bie grage fd^ieu ju fränfen. 
gragf ic^ mieber, bann cntflo^n fic, unb fo blieb mir nur jn beulen: 
äf^agicr ifl ber 3 }lebicinmnnn bei ©iouy unb 3 )Qfot^a§, 

3 aubrcr unb ^ropl^ct mie äJlofcS, bcr be§ 35 oIfe§ §crj befag. 

,, 3 ] 7 nnd)c 3 Bod)c, monier 3 }^onb and) mnr in Seib ba^ingegangen, 

Siö id^ enblid) neu genefen Qtl)metc im ©ommerprangen, 
j 2öer mein vielter, mer mein Pfleger, nimmer fonnt ic^ eö erfunben, 

I 5 }eim ber greife ü}lcbicinmann mar feit jenem "Jag uerfd^rounben; 

I in fc^roarjen Ü}^äbd)enaugcn ®nnberbareö mar ju lefen, 

j ©leid} olö ehrten fic ben grembling alö ein gottbegnabet Jöefen. 

1 ftric^ ic^ burc^ ^>räriecn auf ocrlornen Süffelpfaben, 

Cber fc^mamm in milben SBaffern, meinen munben Jeib ju haben, 

®i§ ba^ ©ommerlaub gerottet, fübroörtö jogen janbenfe^aaren, 

®a gefc^a^’ö, ba§ ^o^e ©nabe eines JagS mir miberfa^ren. 

„( 5 ‘ine§ lag^ im ©onnenbranbe, ferne bampften bie ©aoannen, 

^übc ritt ic^ burd) bie 2 Öälber unter bunflcn 3 ?iefentannen. 
fflilber mavb bie gclfengcgenb, nur bic fernen ©letfd^cr laufc^ten, 

! 3 Bo in fc^äumenben Äaöfaben l;unbert ©tröme nieberroufc^ten. 

I i^ängft uerloren mar ber ©aumpfnb in ber gelfen feudf^tem ©d^atten, 

I ©nblid^ unter ©pfomoren faul id^ nieber im ©rmatten. 

©eltfam fc^ien bie gelfenmilbni§, nie non ÜKenfe^enfu^ betreten, 

(Sine Untermelt om Jage, roo nur ©rabeslüfte menten, 

I Jei§ um frembe 9 Kärd)enblumen fummten ©cbmärme golbner ®icncn, 

©enfrcd}t ragten g^lfenmänbe, rounberbare Jnöl}lcn febienen 

9ling^* ju gäbnen, feudbter 2Rober bampftc mic aiiS b»«bcrt ©rüften, 

iobtenffiH mar'S in bcr Jiefe, ©eierfebrei fd^mamm in ben Üiiftcn. — 

I r,^flnge rubt’ idb, mäblig mor cS, als menn alles ©raun entfebmänbe, 

I Unb mein 5 lug' burebirrte forfd)cnb eine biefer gclfenroänbe, 

j Unb mein 5 lugc fab mit ©taunen, mic auf glatten in bcr ^Jloucr 

I 9 Jlancbc eingegraben, S)tunen, roie ju emiger ®aucr. 

©prü^c roaren’S, unb fie flangen mic ©ebot unb heilige 5tunbcn, 

2Bic ber 9}iofcS auf bem ©ipfel cinft beS ©inai gefunben. 

®ocb am ©ingang einer .^öble, tief oerfteeft im ^iBipfelfcbatten 
^anb icb eine bunflc Jafel als bie föftlidjfte ber glatten, 

Unb idb 1 ‘iib bud}ftabirtc mübfam bie bemooften i^ettern, 

Unb je mehr \(i) laS, je lauter fd;oirs mie 2)onncrton auS ffiettern: 

,/J)er bie^^ rnbt unb abgefd}ieben auS ber ©rbcnmelt ber Iborcn, 

©ottbarbt ^'olfram mar fein 9iame, ift in Deutfcblanb fern geboren, 
j Siel geFämpft unb oiel gelitten b^t er einft in SeibenStagen. 

SSBanbrer, ebre biefe ©tätte. Senfe feiner nicht mit Älagen. 

„3Bic mir mavb, id) fann'S nicht fogen, reid)licb floffen meine 
^llfo b^ttc nicht gelogen jene ©cbönfte ber ©irenen. 

^^i'äber febritt idb ^^ofel jebnmal laS ich jene ®$ortc, 

/Sa gemabrt’ ich im ©ebüfebe eine niebre ^^Ifenpforte, 

S$-S! 


/ 


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74 


R-58 

ffiic bie Pforte einer Jpöl^Ie, bo(^ oerfc^üttct mit ®erößc 
Unb mit Öuobcrn, alö begönne ^ier bie gclfenburg bei* §öße, 

Cbcr o(§ roenn l^ier gemattet einft (Jentaiircn unb ß^ctopen 
3ln ber SJclt beS ©rijjtibären unb ber f(^eucn 5tntilopcn. 

DJtic^ bod^ fügte ptö^tic^ ®e^nfud)t, in bie ^)ö^tc cinjubvingcn, 

®ie mein j^euerfteö umfagte, fc^ien aud^ fc^mierig baö ©dingen, 

Unb bie ©cl^nfuc^t unerUärlid^ muc^ö in fonbcrfamcm ©tü^en, 

®ei bem ®oter, bem geliebten, au^juru^n oon allen 3J?ü§en. 

oergcbenS mod^t id) rütteln an ben Cuabcrn, an bcn Irümmern. 
ßnblidf) mugt ic^ l^eimraärt^ eilen unb ic^ fc^ritt mit tiefem Äümmern; 

®oc^ ma§ nic^t am erften Sage, bas gelang jum anbernmale; 

Oftmals feiert ic^ ju ber gel^fd}lud)t, Ütac^tö juleijt im gacfelftra^lc, 

Unb mit lebten* äJtenfd^enfräften räumt id) 2Jtooö unb gelfenbroden, 

^unberte uon glebennäufen flogen, oon bem Sic^t crfc^rocfen, 

Unb ic^ brdng hinein gum 9(bgrunb, al^ gefaßen ba§ ©emöuer, 

Unergrünblid) roeit aiigä^nte mich ber §öt)te Ungeheuer. 

3)od^ al^ mäklig bie 'klugen erft gemö^nten an ba§ Ounfel, 

®unberbar, roeld^ ^eimlicb Jeuebten! rounberbar, melc^ ©lan^gefunfel! 
^od^geroölbt ringö ©limmermänbe, unb ein ®alb oon Safaltfoulcn, 
gerne flang’ö mie 3Baßcrraufdben, mani^mal aud) mie ®ören^eulcn. 
äöunber, raaö id^ meiter febaute: auf gehäuften ßrjeöftufen 
©tanb'ä mie Äiften unb mie göffer unb mie noßgefüßte Äufen. 

©cbinimernb glanzten ©olbeöbarren unb perlmuttcrfarbige ®a]en, 

®oßgcfüßt mit golbnem ©anbe, perlen glanzten auf bem Sltafcn. 

Äeinc ©pur oom lobten fanb fi(^, nic^tö oon 9J^en)d^enleibe§ Steßen, 

9^ur ein Raufen TOammutfnoeben mar get^ürmt, oon ^alboermeftcn, 

Änäuel aud^ oon Älapperfd^langen 5 udten bei ben golbnen ©c^ä^en, 

3i|d)enb redften fic^ bie ^älfc, unb mid^ paefte fä^ ßntfeben. 

entmid^ jum ^ö^lenauögang — mäklig fd)on bie ©terne blidben, 

Oa auf einmal marb'ö Icbenbig, in ben ®ü)dben fam’ö gefd)licbcn, 

Unb auf einmal iß erfeboßen Äriegögebeul ringö bunbertßimmig, 

®afotbaö oon aßen ©eiten, unb ße blidtcn tobe^grimmig; 

5luö bem ®ufdbmerf, au§ ben Sßur^eln nadenbe ©eßalten fprangen, 

£omabamf5 im ©c^munge blitzten, milbe ®robungen erflangen, 

§unbcrt Südbfen, b^nbert ^^3feilc maren ring§ auf mich gcvid)tet, 

Siö ein 9tuf be^ greifen ßj^agierg mcife ben Jumiilt ge)(blid)tet. 

„Unbebaebter unb Unfeliger, rief ber ©rei§ mit ßrengem lone, 
ffiaS begannß bu? — ©räber febänben bringt bem Räuber Job jum 

Sobne! — 

„3Bobl, fo macht ein ßnbe, rief idb- ©enbet mich in’s 5teicb ber ©ebatten, 
ffioßt beim ®atcr, ber geopfert, nunmehr audb ben ©obn beftatten. 
ßJteinen ®ater nennt bie ßi’s ßueb oor bem Job geßanben — 

©ottbarbt Solfram, ben idb fuebte ^^b^^ ^^^^9 üanben. 

Äaum entflohen mar baö SBort mir, aB ein lauter ©ebrei erfd)oßen, 

Unb beä ^riefterö ^aar, e§ ßräubt ßeb, unb bie galfcnaugen quoßen, 

Unb mit berben ßifenfäuften rig er midb jum ßJ^orgcnlicbte, 
ffiabrlidb, anberö faum al^ ging cö alfogleidb jum Hochgerichte. 

J)odb mit tiefen ®licfen fdhaut' er mie in'ö meiner ©eele, 

©cbüchtern mi^en bie ßinem fehmeigenben Sefeble. 

» 


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75 


®onn ein l^aflig rafd^eö g-ragen, unb auf einmal Il^ränen floffen, 
Unb mit beiben Firmen ftürmifc^ ^at er mi^ an’ö §er^ gefc^loffen. 

,,3la, bu bifl e^, biefe (Stirne, biefeS 9luge fann nic^t trügen, 

Seine SWutter, bie oerflärte, blieft mid^ an au§ beinen BüQcn, 

Su mein ®o^n, mein heißgeliebter, fpare h^ut noch 

SSiel h<^b ich oertraucn — eines loß bir heute fagen: 

3lene ©ruft unb iene§ Senf mal h^b icb mir jum ©dhuh gefchaffen 
©egen meiner geinbe ^iaiibgier, gegen meiner geinbe 3Baffen. 

SJfehr als einmal überfallen roarb ich u^n ber ffiölfemeute, 

£ängft ermorbet burd) fie felber mahnen mich bie frommen 2eute, 
Srum mit fliiger £ift ben ^Jiamen ließ ich uuf ben gelfen fdhreiben, 
5lbgefd;ieben auS bem £eben rooUt ich tobt ber 3Kitmelt bleiben! — 

„Unb noch einmal in bie ^rme h^»t er ^örtlich mich gefchloffen, 

Unb oereint bie 9JfanneSthränen, bieSmal hoch auS greube, floffen. 
5llfo fanb ich meinen 3>ater in ber äBilbniß gelfenfchlunbe, 

9lllc 3ffäthfel meines SebenS löfien fidh feit jener ©tunbe —" 

« * 

« 

Unb micber fchmieg ©rroin. Sie 3Jfitternacht 
SBar fternenhcll bereits hetaufge^ogen; 

©in lauer Sßinb ftrich ^urdh bie genfter facht, 

Unb braußen raufchten laut bie 3JfeereSmogen. 

Sie §örer fchroiegen — Seiner im iBerbacht, 

Ob folche Abenteuer nicht erlogen; 

3JUt ©taunen unb ®emunbrung fahn bie ®riten 
Sen grembling on, ber fold^eS burd^geftritten. — 

„©enug" — fpra^ ^ub^ ©meralb — „feit im 33rauS 
SeS ©turmS Ulpß einft bureb baS OJfeer gef(^mommen 
Unb bei ij?häafen faß im SönigShouS, 
ffiarb folche Sunbe feiten rool^l oernommen. 

Sommt jetjt jur JRul). Sfehmt biefen Slumenftrauß, 

©uch füllte mehr ein ftoljer Lorbeer frommen. 

©ut ^facht, gut Dfacht" — ihrem 5lug\ bem feuchten, 
ffiie ih^^uen bli^t eS unb loie Jöonneleuchten. 

Unb fdhroeigenb fdhieben fie, unb ©chmeigen lag 
3luf ^ufel 3Bight. i'on munberboren Reifen 
Jräumt mancl)er §örer bis jum anbern Jag; 

Soch braußen raufcht mit alten SiebeSmeifen 
^Jfetobifch fort ber ©ranbung iöogcnfchlag, 

J^nbeß bie ©terne jiehn in ihren ©leifen. 

©intönig raufcht bie ©ranbung an ben 3Jiauern 
3|ah^‘*uufenb alt in eroigem ^ugenbbauern. 


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76 


8 ?-5S 


Siebentes 

©I^ernc lofcln. 

3[eglic()e^ Sebeiuefeu, co fei biv ^lD^enfd}cn geheiligt, 

'io e6 ben grieben bebvo^t, ^aft bii jum Kampfe ba§ 3kd;t — 

« ♦ 

* 

^)ebe bic räc^enbe v^anb nie auf, roic immer bu bulbeft, 

@(^vccf(ic^er bricht baö ©efe^ief räd^enb unb fü^nenb l^erein. 

Siebe, roaS menfc^(ic^c§ ^iitliij trägt. 2(u§ menfcblic^er ©cele 

0 d)aut im irbifc^cn Staub l^eimlic^ bie ©ott^cit bic^ an. 

^ * 

* 

^üte bie i^unge um irbi|d}en Sanb. .'hinfällig ift 2llle§, 

2lber an jeglichem Jag fpric^ mit beö ©migen ©eift — 

<: ♦ 

* 

©ine t^räne bes ©lücf^ unb beö ®anFe§, fo bu ermedt ^aft, 

Jilgt mo^l laufenb, bie einft um bic^ ficfloffen in Seib. 

* ♦ 

* 

Saf^ baö Vergangene ru^n unb glaub an bie Äräfte ber 
©laub aud) ^immlifc^er d}^ad)t, glaubft bu an irbifci^cn geiub. 

•* -i: 

♦ 

geiublic^ maltet ber 3 Keufd)en ©cf^led^t. gliet) nUc Vovteiung, 

9tebe jum grieben im Streit, ober im Sd^meigen entmeic^. — 

* * 

* 

Sd^lau marb menfd^lid^ie Äunft unb ringt mit be§ 3 Keiflerö ©cfel^en. 
©in^ fn^t ade guglcic^: ©^re ben Souf ber DFatur. 

•'S ♦ 

Jj: 

Sdjüttle bic äugft(id)c Sorge oon bir um baö .^eute unb 3 }^orgen, 

Hub bu maiibclft gefeit glcid}iuic im emigen @10113. — 

* * 

* 

^tei(^tl;um follft bu oerad^teu geftreng, unb ben golbenen 2[Rammon 
iritt mit gügen getroft. §cilig ift 2lrbeit odein. — 

.■s 

glud) ift ade ©ultur, geifttobtenb bic Vvac^t unb ber S^nicffd)uacf 

Stäbtild;cn £rug§; rein finb 2 irmutl; unb ©infalt adein. — 

* * 

* 

Seuget bic^ DFot^, OiJiiggunft unb ^ag unb oerborgene ®o§^cit, 

§offc 3um *N^öc^ftcn getroft, aber au^baurc im 2Berf. 

* 

* 


iö- ^ 


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77 


^ -jj, 

glicl^c bcr 3)7enfc^cn ©ejüd^t unb bcn 9l6)(^aum flicl^c bcr Stäbtc, 
glückte jum fc^ipcigcnbcn ®Qlb bid^ an beö ©loigeu 33rufl. — 

* 

5(tl§men unb fc^lummcrn gcfunb, ernähren unb jcugcn unb njirfcn, 

2) a§ ifl @c^eimnt^ beö aber ad anbres ift 5)unft. 

3[egUc^cv 3Q7orgen, er bringt al^ Sltitgift fc^rocücnbc ßraft mit, 

23auft bu am Scben ni^t auf, mu§t am bann. 

♦ ' * 

* 

©taube nicht jeglid^em ®ilbe beö Iraumä; jroar niete finb äöal^rl^eit, 

©piegetn bie mciften, maö mar, fpiegetn nur fettne, n)a§ fommt. 

* 

®enfen ift 9tnfang ber I^at — ©efinnung fc^on JBärme be§ 933irfen§, 

3ttfo ftröme bein ©ein fegnenb nom ^)er^en in'ö ^)cr 5 . 

♦ ♦ 

@ott ift feine $erfon. J)ie Uneubtid^feiten bc§ 3Bettatt§ 

3Käß’ ein ein^etner @eift auc^ in 9teonen nic^t au§. 

♦ 

3) 7enfc^tid^cö ®ort unb menfcbtic^c §anb unb menfd^lid^eg 9Iugc 

Sergen geheim, göttlid^er 9tflmad^t nerroanbt. 

Jj: ♦ 

* 

©anj üon götttic^cr Sltac^t umfangen ift enbloö ba§ SBcttaD. 

SBittft bu bem ©(i)öpfer bid^ na^n, bete jur ©öttin Dtatur. — 


9tu§ nergangnen tagen. 

Eintönig braunen raufest ber ©ogenfe^tag, 

Unb roeiße 'iötöoen um bie getfen fd^meben, 

Unb raieber fprad^ ©rmin am anbern tag, 

Son jener ©d^aar ber Saufdbcnbeii umgeben; 
ßr aber tieg gleic^mie im 3öalbc§)d^atten 
9tuftcuc^ten rcieber jene 3}tarmorptatten: 

®ie eisernen tafeln, bie gd^eimnignotl 
®en gorfd;er grüßten non ben getfenmänben, 

©teic^fam alö ob ©unft unb ©roH 

Son neuem fc^rieb mit unfic^tbaren ^änben 
©ein ©ottgefetj. „9)tein Sater fc^uf'ö, ber ^e^re, 
ter Sötfern at^ uralte \!e^rc. 

„Serc^rt mar er alö äöeifer unb ^ropl^ct, 

Son ättanitou gefanbt, 00 m großen ©eiftc, 

©in ^atriard^, um beffen ©unft man fle^t. 

Sei feinem Stalin fd^mieg jebeä 9Bort, ba§ breiftc. 

IS-öl 


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78 


«-SS 

®n neuer Solon, l^at er l^icr geboten 

Den lüilben 5?ölfern, meinen wie ben rotl^en. — 

„Oft faßen wir auf 2)7ooö unb ®üffetfeö 
3in ©ternennäd^ten traulich bort beifammen. 

Der gacfeln fprüljten l)eü, 

Unb 3J^äbc^enb(icfe fcbwärincrifc^ ücrfd^wammcu. 

Dann gab er inilben Doneö mir ®cncl}te 
5Iuö feinet l'ebenö langer i'eibgefc^icl)te. 

„®icl mußt ic^ fc^on, boeb 5lnbreö mar mir neu: 

Die ©ebilberung jener ^o^en heißgeliebten, 

Die i^m gefolgt mar, bi^ jum lob getreu. 

®on bunflen Dagen fprac^ er, oon betrübten. 

®5o^l priefen bie Vereinten fid), geborgen 

®ei treuen greunben, bo(^ im ü)7eer oon ©orgen. 

„Dann fam baö fermere Unglücf ©(^Ing auf ©c^lag, 
ku ginfterniß baö beutfd^e ®olf gefnec^tet: 

Der Dag oon* bann, ber Drauertag, 

Da alle t^curen geächtet. 

,/J^ic^t 33iißtraun mar e§ ober fonft ®erfennung, 

3Baä unö ^ur gluckt trieb unb julel^t jur Drennung. 

„3lm Dorfafpl ocrmeilf id^ müb unb franf, 

®enefen bann, entflog ic^ in ber ©tiHe, 

Die treue ©attin boÄ auf'ö l^agcr fanf, 

Seim ^fnrr^errn mar'ö in grüner S>olbibplIe, 

Doc^ feit bem Äinbe fie ba§ Vic^t gegeben, 

©eitbem oerfatlcn blieb ba§ eigne lieben. — 

„Unb weiter in ba§ ^uölanb ging bie 
Die milbe 3^9^ öller iKeic^en, 

Siö ad^tunboierjig fam — ein 3Jtorgen tagt’, 

(Sin glammenmorgen fc^ien e§ ot;ne ©leieren; 
dlo(b einmal fe^rt’ ic^, um mein ®lücf ju ringen, 

Unb mand^mal trug’ö mic^ wie mit ^blerfc^mingen. 

„Unb bod^ umfonft in granfreid^, wie in $)fom. 

(Jnttäufc^ung nur nad^ allen ^tul^me^tagen, 

3ln Slut unb ©d^mad^ nerrann ber D^atenftrom, 

3u Soben warb bie SRebeüion gefd^logen. 

D^oc^ einmal glucl^t unb ^c^t ba§ l^ooö ber Seften, 

3la milbe gluckt biö in ben fernften SJeften. — 

„®olbgräber in ber SJilbiiiß warb icb l^ier; 

Sunt mar ber Ä'rciö oertriebener ©efä^rten. 

®a§ ift ber ^enfe^ — l^alb Dämon unb l^alb D^ier — 

2Bic quollen tilgen, bie nad^ @olb begehrten. 

3lebmeber grub bem 5lnbern eine gaUe 
3ln biefem fiampfe HUer gegen 5llle. 

„5lu(l^ ©incr fam — am ©aljfee lag baö 
©ir SamrenceS, unfreö mürbigften ®enoffen; 

SS-s 


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79 


-fS 

©ein TOunb, er troff oon bibelfeftem ©eim, 

fetber ^ott' ben greunb in’^ ^erj gefcbloffcu; 

3!ct> grub für um feine Äraft ju febonen, 

2)er al§ ein v^eiliger galt bei ben 9Jlormonen. 

eine§ ein milbcr Ueberfoll, 

®er SRegen febog au§ 3Bolfen fturmjerriffen. 

6in bumpfer ^uffebrei, ©töbnen, ®lutb unb Änaß, 

@in Änmpf begann in febmarjen ginfterniffen, 

Ein jlampf mit Somiemeffern roar’^ im ^unfein, 

9Jtan fab nur b^ißc Xigeraugen funfein. — 

„®er ®onner feboü, bann lobte geuerfebein, 

^dt unb 33locfbou^ flog ein jifcbenb ^^raffeln; 

Xurd^ alle Älüfte flang’ö toie §ülfefd)rein, 

X>ann ^ferbetrab unb bumpfe^ 3Bngenvaffeln, 

®ann 5llleö ftiU, id) lag in lobcSiounben, 

Unb halb ronr mein Seroufetfein bingefebmunben. 

,,^lm anberen SRorgen — icb ücrge§ e§ nie, 

9öel(b ©d;aufpicl ba im Xag, bem minterbleicben: 

©rmorbet mar ber @räber G^olonie, 

3n branbigen Irümmern lagen blutige i^eicben. 

3u)ar jener ^eilige fehlte mit bret 5lnbern, 

Unb mit fi(b liegen fie bie ©cbciije mnnbern. — 

„9Rid) aber, alö icb ^^g in meinem 33(ut, 

®ie rotben ilinber fanben al^ erfd}lagen, 

©ie pflegten mid} in treuer ©orge ^^ut, 

©i§ icb nad; langen i^eibenetugen, 

®a lernt' id) meine rotben 93rüber lieben 
Unb bin feitbem bei il^rem ©tamm geblieben — 

„511^ ^Irjt juerft, al§ gübrer bann unb $anpt, 

SBunfcbloö, bebürfnigloö — roenn auch jerrüttet. 

®en 2Rammon bitten unö geraubt, 

2öa§ fonft nodb locfte, oerfebüttet. 

©0 ift'^: oerfebüttet höben mir bie ®ruben 

^Ut ®olb unb (?r§, baö 9}törber fd)uf auö 33uben: 

„SRißionen liegen bort in ©anb unb ©cblamm. 

23eb bem 5I>erlornen, bem'^ barnacb gelüftet! 

®etöbtet mirb er oom ®afotbaftamm, 

©tetö ift bie junge jlriegcrfcbaar gerüftet. 

©0 öjir gebänbigt bie ®ämonen, 

SJaö liegt unö an oerlornen 3}tißionen. 

„©0 finb mir mieber 33ürger ber Statur, 

33ebürfnigloö — in biefen 3öilbnigfernen 
35ermifcbt fid) bcö oerfeblten ®afein§ ©pur. 

(Sin Veben ift'^, gleid^mie auf anbern ©ternen, 

SRaebt, i-iebe, C^'bre, freibeitßtrunfne^ 9tafen, 

3lß mag Kultur reift — finb nur ©eifenblafen — 




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„Serfautt ifl Sure flolgc, alte SBcIt, 

5rnnh*cid; gefnebclt — Tteutfc^lonb ift oeracl;tet. 

Ji>o^iu bcö govfc^cvö mübe^ 5Iuße fäUt, 

5^ie ü}^enfc^lid;fcit in alten betten fdjmac^tet; 

4Cic grei()eit luarb ju einer ‘^^urpurrootfe, 

5l5glanj bod^ flammt ^ier bem rotten 93olfe. 

,,2Bie ein ocrflungneä alteö 3Kärcl^enlieb 
Siegt meine hinter mir uerfunfen. 

93lie6 noch ein ®unfd), e^ id) oon bannen ld)ieb, 

C^in .f’^erjen^raunfe^, non l^eigcr $e^nfiic^t trunfen, 

®o mar'ö ber iraum, einft meinen ^ol^n jn felgen, 

5 )aö Äinb be?> Siebe^glücfe unb l;öd>ftcr äße^en. — 

„9hin ift'ö erfüllt — @e)ül)nt ift alleö Scib; 

Cb bu Ijier bleiben millft, bu magft'ö erroägen; 
©ntfc^liege bicb nid)t ^eutc, nimm bir 
Verborgen fü^rt unö @ott onf feinen ©egen; 

^'rnf ^lllcö, prüf bic^ felbft unb inn^ bir tauge, 

^u bift nod) jung unb )d}auft mit Hörern ^uge. 

„©efällt ee bir bei un^, n)ol)lan, fo bleib, 

5ll'ol)l mand)e ^d)önl)eit beut bir offne I()ürcn. 

®nu beinen ©igmam auf, nimm bir ein äßeib; 

Sei mein ^^ocbfolgcr einft, bie§ C'olf 311 führen, 

@0 lang eö nod) — febon im 3iilrt^nnienfd)U)inben 
3uflucbt unb 5reil)eit mag im ^>ocblanb finben —" 

So fpracb mein 2)ater — ferne fc^oH ©efong, 

Unb märebenboft beglüefte ®^onbe floffen. 

33ar bie^ ber ^i^f^nftöpläne Sturm unb C)rang? 

5ß}ar fo mein Tafein cnblicb obgefd)loffen? 

3 lcb fvngf eö nicht — 3}Jein Seben loor ein iröumen —" 
Unb finnenb raieber fd)ien fein $}ort ju fäumen. 


51 m 5ß e 11 e n b. 

ißeiter fpracb er bann noeb langem Sebmeigen: 
„5llfo golben floffen bin bie läge, 

Cft am 5lbenb tan^^ten unfre ilrieger, 

Sonaten 'iD^ab(bcnfd}naren um bie jeuer, 
5JMbd;cn fternenäugig, fur^gefcbürjte, 

33unte ^ebern in ben ^l^obenloifen, 
^alögefd}müdt mit 'ßerlen unb (Jorollen 
Unb bie ü)?ocaffin^ uon buntem Veber. 

Cft aud> brnd)ten fie unö luilbe 43lumen, 
'■Ißelfdje t^pöbne ou^ ben bbd;ften 5ßipfeln, 
Seltne ßrüdbte, iauben, "|>antberfelte, 

©lei^ alö Opfer für ben greifen ^^^riefter. — 


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81 


K-$3 

Oft auc^ fa§ am gcucr mand^er Häuptling 
Son ßomantfd^cn, ffrccf^ unb ^frofcfcn, 

Unb e§ fprac^ ba§ greife .^aupt SBallingo, 

®ro§e ©erlange ^ie| er bei ben Äriegern. 

©ro^er .Häuptling — Sote üon SWanitou, 

©prad^ er eine§ ^um greifen ^'oter; 

äi'aä fod roerben mit ben rotten Äinbern? 

®oten brad^ten btutgetoud^te Sünbcl, 

®o§ ^um Ärieg^pfab olle finb gerüflet, 

Übermächtig jiehn bie Stei^gefi^ter 

3n bie unfrei alten 

(Sreefö unb Oelaroaren finb oerfommen, 

Ifchippemapö, $uronen, 3}tohiloncr, 
ifi$ie bie ©eminolen längft im ©üben. 

©ollen mir oerhungern mit ben Süffeln, 

©ollen mir oerfchmachten in ben ©ümpfen? 

Seffer bodh, mir fchaaven un§ im il^alblanb — 
yreißigtaufenb tapfre oom ©iou^ftomm 
Sieten unö bie §anb jum tobeöbunbe. 

©eib oernünftig — fpradh ber greife Sater — 

:)timmer mirb ein ?)anfee fidh oerirren 
^n ber SRocfi; mountainö finftre ©chluchten; 
äi^o ber Sär gebeiht unb gelfenabler, 
töerbet öueh leben mit ben Äinbern. 
iöaö ift fchliegli^ alleä 3Jtenfchcnbafein, 

"Jtur ein traumbilb iffä beö großen ©cifteö; 

ift fchlicglich ^cbenöloo§ ber 6rbe: 

Tag fie malig ftirbt in ©ifeöjeiteu, 

Tann gen 3Jtittag ^iehn bie letzten Trümmer 
3111er ©rbcnoölfer einft oerbrübert, 

©ich 8^ märmen in ber braunen Söüftcn, 

9ln ber Slhitterfonne leistem geuer. 

Tort oergehen mirb bereinft bie Ütenfehh^t 
\!ebeusmüb unb greifenhaft gealtert, 

3ln ber letzten ^eimoth oller Sölfer. 

SBollt 3lh^ borhin jiehn, ich führen, 

@u(^ unb au^ bie meigen Sölferfdhaaren 
Teutfeher tänber folgen eineä Tageö. 

S?oUt 3lh^ fo tebet — bodh Sünbel, 

Tie in Slut getauchten, moUt oerbrennen. — 

3llfo fpradh er — lange fdhmicgen 3llle. 

©nblich fpradh baö §aupt ber ^rofefen, 
galfenfittich h'^6 Äriegern. 

Unb er rücfte höh^r au§ ber ©tirne 
©eine 3Jtübe, bie auö 3)tarberfetlen. — 

SSeife fprach ber groge @eift 9Jtanitou; 

3lber lieber mögen unfre Änodhen 
Sleichen an bem ©trom beö ^iffiffippi, 

Unb mir mollen tragen, maö oerhängt ift, 

SBillft bu bleiben unb hmr meiter h^rrfchen 
Unb nach ©prögling Teiner Senben. 

1S$-S! 


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82 




-JS 


JBiebcr tanjtcn bann bie rotten Krieger, 
tanjtcn auc^ bie febtanfen ^Wäbc^cnfd^aarcn, 
®untc Jebern in ben SRobentoefen, 

Unb bie ^^erlen Mieten unb bie klugen, 
floffen ^in bie golbnen Xage, 

®olbne 'J^äc^tc langer ©ommennonbe, 
J^^ennoc^ fam mir malig tiefe ©c^mennutl;, 
©c^nfud^t^ mic nad^ unbefannten 'J)ingem 
J'ie mid; riefen roie auö blauen Jemen. 

(Jortfebung folgt.) 


jbctß|iflan0. 


®ie Slätter fallen oom ®aume, 
®er 2öeg ifl rotl) unb gelb, 

3>d^ manble roie im Jraume 
3)urd^'ö l^o^e öuc^engemölb. 

9toc^ einmal blauer ^immel, 
9tod^ einmal Jrü^lingöme^n, 
'Jtofiger SBolfen ©emimmel, 

Unb fonnenroarme §ö^n. 


3ld) ^abe ben Jelö erflommen, 

3d) fd^aue §inau§ fo lueit, 

©ie i^ränen überfommen 
Tlid) ju berfelben 

9ti^t länger mag id) fd;auen, 

®er I:l)amüinb l)cbt fid) fül)l, 

Ta fcl)lei^t burc^ ^>crj unb 9luen 
Seife ein Tobeögefü^l. 

<^ubioi0 $i($robt. 


^nörcas Joofei. 


©ire, lagt i^n laufen! ®ebt ®cfe^l ben $Ja^en! 

©ein lob bereitet @ucl) oiellei^t noc^ ©orgen; 

®enn er entfpringt, er l^ält fid^ füll oerborgen, 

3cboc^ fein ©lut rairb ©türm im ©olf entfachen. 

„O, ©ertranb, fc^roeigel ober id^ mug Indien!" 

— Ter Äaifer gä^nt, im 9Jtantel marm geborgen — 
„©taffette fort! ©rfd^iegt ben ©anbrairt^ morgen! 
Ter Sauer foll nid^t SScltgefc^i^te mad;en." 

— „^od) 9ted}t unb Jreil;eit! 9tieber bie Tyrannen!" 

9lnbreaö ^ofer bonnerfö oor ber SHotte, 

,,Ter Tob fann nic^t mein ftarfeö ^erj entmannen." 

Tie Stol^re fel^n auf ign mit faltem ©potte: 

„®ebt Jeuer!" ruft er, jifc^enb fprül;n bie Pfannen, 

Unb jubclnb gel^t ber @eift ju feinem ®otte. 


farf ^eyer. 


te- 




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83 


'§lla|l im '^a( 6 c. 


3KittQg§jaubcr roarm unb l^cll 
Scudbtct träumerifc^ l^crniebcr 
Unb fein ifieb, fein 9fuf erfebaUt 
Söeit im ru^eooflen 2öa(b. 

Üeife murmelt nur ber Oucll 
3m ©efteinc ^in unb mieber. 


355Qlb, 0 lag mic^ bir im Sd^oo^ 
@ine Stunbe ru^n, umquoUen 
Äü^l Don beincö Cbcm§ glutl;; 
Ä'önnt t£^ fo in beiner ^ut 
^uf bem fd^IummerftiÜcn 3Kooö 
©tcrbeii lüunfd^loö unb ücrfd^oUen! 


Sebig aller Sebenslaft, 

2ie^’ id^ meine 3cit oerrinncu; 

0anft üergeffenb eignen 0einö, 
gü^lf ic^ bann mit bir mic^ (Sin^. 

0clig mär e^, fold^e 9taft 
3Jtit bem lobe ju geminnen. 

Victor Jleait. 


Pei '^ßac^. 

Unter ben fc^attigen 33uc^cn unb ©rien 
Seife plntfcbernb bie 3Baffer perlen 
§ell roie flüffige^ Scrgfrpftaü; 

0c^tüpfcn luie 0c^langen über bie Äiefel, 

0pringen fc^neU roie ein flüd^tige^ ffiiefel 
i^alroärtä mit murmetnbem SBcUenfc^rooll. 

0trccfen fid) Slefte frau§ unb oerroorren, 

Stedfen ftc^ SBurjeln mit ftörrifd^en Knorren, 

^emmenb bie raftlofen plötjlid^ im Sauf, — 

3ifd^enb, gurgelnb, fpri^enb unb fd^äumenb, 

0id) roie fRoffe am 3%^^ bäumenb, 

©i roie begehren bie roilben auf. 

9lber roenn fanft fic bie 0onne ftreic^elt, 

3^nen mit golbenen 0tra]^len fc^meicl^elt, 

9öelc^ eine fc^immernbe ^errlicbfcit! 

33litjenbe, funfelnbe, fprü^enbe färben, 

Seud^tenbe SRcgenbogengarben 
0inb il;r glänjenb buntem ©efc^meib. 

Unter ben fd^attigen 93u(^en unb ©rlen 
Seife plätfebernb bie äßaffer perlen 
J^alroärtö mit murmelnbem ffiellenfd^roall, 

0egnenb berühren bie frifeben, bie füllen — 

9Bo fie mit rinnenbem %i)avL befpülen — 

3cben bürftenben Uferroall. 

V. ffttngeit. 


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84 


I«-$S 

Pas f onnenRinb. 

®ic fi(i^ ^utn prangciiben ©cfilb 
Sang l^crgefc^rt Dom Slctl^crblaucn, 

Sie ocrroanbclt in i^r ®ilb, 

®ic Slumc un§ crfc^aucn. 

Martin $reif. 


Pas 'i^ofRsfieb. 

SBol^er idi^ fomm’? 3^^ 
fegt ber ffiinb, ber lofe, 

5)cm §irtcn bic Stätter in'^ ©efic^t 
Unb fd^üttelt bie roilbe Siofe; 

@r vaufd^t in ben Tonnen, er beugt ben Sönlb, 
^immel bie SBolfen formt er unb boUt 
Unb ängftigt ben Ääfcr tm 3J^oofc. 

Unb ber $irt ermod^t, — roie bo§ ^er^ i^m fc^Iägt! 

ift bic Sprache ber ^aibe"; 

6r fü^lt, roic i^m im ®ufcn regt, 
roirb i§m fo roo^l, fo leibe; 

(Sin 93ög(cin fingt mit fügem 0c^oU, 

6^ fummen bic fleincn Ääfer aU, 

®a beugt er fiel} nieber jur 23eibe: 

Unb hinftloö bie glötc unb funftloS boS 2icb, 

©r fingt, roie’g i^m flingt im O^rc, 

(Sr fingt, xoa^ i^m bic SRofe ocrric4 
Unb bic 33ögcl in iubetnbem ß^^orc; 

®er äßanbrer, ber eben oorüber jiel^t, 

^emmt feine ©d^rittc unb laufd^t bem Sieb, 

S)cm Sieb beö Änabcn im 2Roorc. 

®ann ftceft er bie $Äofc auf feinen §ut, 

®uft giebt i^m’ö ©eleite, 

Unb manbert bal^in, ein frifc^e^ Slut, 

Unb trägt baö Sieb in’ö 3Beite; 

®o bringt'^ ju aßen X^üren ein, 

5lm rebenumfponnenen g^nftertein 
©ingt’S ber ©urf^ an \!iebc^en§ ©eite. 

(Sö marb ni^t gefd^rieben, oon 3D^unb ju 3Jiunb 
l'äuft’§ l;in roie SRanfengercebe, 

3)a fang ßd) 2J?and^er bic ©cele gefunb 
©eim feurigen ©aft ber 9^ebe; 

3J^cinc @(tern finb ©türm unb ©onncnlii^t, 

Unb fenn' id^ aud^ meine ^cimat nic^t, 

3Kir ifl e^ genug, ba§ ic^ lebe! 

Jäebioig 


fe__ 


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I 


c;ginem '^ä 5 (öen. 


Äinb, bcinc fc^öncn klugen, 
fic immerbar, 

©0 bunfcl unb fo feurig 
llnb boc^ fo mi(b unb Kar. 


3!(^ möc^t' in il^rc tiefen 
33erfenfcn meine 5Ru^’ 

Unb bann im bunflen ®runbc 
©ic fud^en immerju! 


39 efermaitti. 



I Gedichte oon Friedrich August Leo. 

dritte, oermc^rtc 'iJiifiogc. (^cip3ig, 

I ?icbesfinb.) i'erlag 61 )anblinig oou 

( 55 . ^icbcäfinb ^ot fic^ feit 
bienft erroorbcii, bap fic bur^ i^rc 'J.'ublica* 
tioncii mit Erfolg beftrebt ift, ber ibcaleu 
JRiebtung iPa^ii 311 brechen, iian Fann oon 
oorn^ercin aiincbmeu, baf? ein SBcrF biefer 
girma nur acbicgcnc unb ftttlic^ reine Sd)öpf= 
unoen oeröffeutlicbt. Slueb bie „i^Jebidjte" oon 
g. 5 (uguft i'eo beftätigen biefe ^orauäfe^ung. 
feie enthalten eine große gütle tieffinniger, 
oon großer (prifeber 33 egabuuj 
legenber '^^oefieu, bie ficb'überbteö bureb ^ob^u 
©cbiDung auSjeiebnen. ter i^erfaffer i|t ein 
I ©timmungsilvrifer ooK jarter ^mpfinbung, 

I innigem C^emütb unb fangbaren ^ielobien. 

tie meifien Sieber fmb componirbor, benu 
eä fingt unb Flingt ?ineä, eä fommt 3 lllc 0 
auä be§ ^er^enä C^runb, au§ ber ©eele 
liefen. 3 *^ i^er 5 lbtbcilung: „teutfcblanb" 
(©. 297 — 322 ) jeiat fub eine flammenbe 55 e 5 
geifierung für teutfebtaubö 9 Fubm unb ( 55 röße, 

I n)Q§ febr roobltbuenb berührt, bod) b^Heu 

mir gern ba§ ,,Sieb für bie beutfd;en ©ol= 

; boten* au§ ber ©ammlung meggcroünjd^t, 

ba eä gar 3U tbauoinifiifcb flingt. 

Adolph Kohnt. 

Seraphina. C^ine (^rjäblung 3iDifcbcn 
©eilen unb ©ogen oon *:!:*. ÜJUt 
einem S3orn)otte oon iMlfreb griebmann. 
S3erlag oon 3* ^runö, ^inben 1886. 
^ine rübrenbe romontifebe Siebe in irgenb 
einem märebenboften blübenben ©artenroiiifel 
am Xbemfegeftabe. griebmann roill bie 
febiebte bei ber gamilie eineö roertben 
noffen gefunben bfd’en, ber in bem großen 
Kriege oon 1870 ouf bem gelbe ber 
geblieben, tie Äugel b^^^e mit beS ebeln 
?monne8 Jper^ auch oa§ Ijeft burebbobrt, ba8 
biefer auf ber 3?ruft getrogen, unb grieb: 
manu bötte folcbeS unter moneben (5rgän3= 
ungen unb geilungen 311 ebiren fürioertb gefun? 
bcn. ©ir roollen baä, roaS griebmann in ber 
(Einleitung barüber cr3äbll/ nicht auf ticbh 
ung unb ©abrbeit prüfen; un§ fei genug 

& -:- 


baran, baß bie poctifebe 91ooeüe mit bni 
fleineii frogmentarifd)en C^in= unb 'Jlu§leit= 
ungen ein an 3 iel)cnbe 8 Spicgelbilb 3 eigt eines 
empfinbungSrcicbcu Ü>emütbeS, loie nicht 
miuber eines jener febönen Öeifter, bie mit 
einer euergifebeu, feuriglebcnbigeu (55cftalts 
ungSfraft unb einem eblcn, unoerfölfcbteu 
^bölcnbrang baS finnige i 8 erftänbniß oer= 
binben für alleS, rooS fc^ön unb gut unb 
re^t iß. — tie feurige, lunge, reine Siebe 
erinnert lebboft an baS üJlörcbcn ber febonen 
3Jlelußne, roie benn oueb bie 3 um 2 luSs 
brude fommenbe Einfachheit unb ber feins 
eroebte, annuitbcnbe ^ 2 ^ilberreicbtbum gan 3 
en Ebn^nftcr beS üJlärcbenS trägt. — uebs 
rigeuS bilbet für unS febon bie ©abloerj 
manbtfcbaft, bie griebmann hier mit feiner hoch- 
poetifd)cn 9?atur pnbet, eine berebte Empfehl¬ 
ung für baS roabrbaft ^^oetifebe, baS in bem 
9?ücblein ruht, unb biefe fönnen mir 
nur gemiffenbaft roicbergeben. 

Heinrich Knhmerker. 

Fredigundis. ^ißorifeber ßfoman auS 
ber 33 ölfcrn 3 anberung. S 3 on Felix Dahn, 
©ecbfte Sluflagc. Seipjig, iRreitfopf & »Mörtel. 
1886. T)er berühmte i^erfaffer beS „ Ä a m p f e 8 
um 9Fom*, roclcbeS ’i^ueb ^*(94 Seiten ent^ 
hält, bol fm 9Fccbt, bie „grebigunbiS*, 
bereu (55efcbicbte nur 714 ^^aginaS umfaßt, gu 
feinen „f lei neu" 9tomanen 3 U rechnen. 3 «= 
beffen ift eS fein fleineS, fonbern ein mächtiges 
©tücf Arbeit, beroeifenb, baß auf ben Siebter 
etroaS oon ber ^bolKaft alten .pelbentbumeS 
übergegangen, beffen Erforfebung unb fünftlers 
ifebe ©iebergabc ein Ib^il ber SebenSaufgabe 
beS berühmten (55elebrten geroorben. ®abn 
er 3 äblt unS hier bie Erlebniffe SigibertS, bc 8 
E5emablS ber E5olbenfönigin 93runebilbe unb 
bie S^auerthaten Ebt^P^itfb^/ rolb= 

haarige ^eufelinne, grebigunbiS, oon ber 
^iegenbalbe roeg auf fein 9foß, 3 U feinem 
C'er 3 en, auf feinen ^^h’^on erhebt. 31tannig= 
fach finb bie großartigen Sebönbeiten, roelcbe 
ber $oet oor unfer gcblenbeteS 2 luge hm- 
mubert; aber monnigfaltig unb abfebreefenb 
finb auch bie E5räuel, mit benen mir befannt 
gemocht roerben; fic überfebatten bie Eblen, 


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86 


8?- 

ocrbunfcln bic ^id^tflcfialtcn bcr ®utcu, ja, 
fcibft ba§ lüfec ÄinberibpU am 0 d)luffe, ben 
,^itt bcr ^inber "i'ippin uub Slrnulp^, bie 
Don ^eiligen gcfpoint, fic^ auf i^rem roeiöen 
"il^ferbd^en aufmac^en, ju marnen, j^u rächen. 
Mancherlei herrliche ^'clben treten auf, 
mancherlei echt !i^i^tcri|chcö unb Ä'ünftler- 
ifcheä mirb un§ geboten, ^ilber man^erlci 
finb auch ^kbenfen, bic unä fchlicf^tich ju 
bcr grttQc geleiten, ob bic (^^efchidUe ber 
^croroingcr, biefcä ( 5 hilperich§ non Jltu^ 
ftrien, ein geeigneter ^^omanoormurf fei? 
3 Jiit bem 2 Jiorb t^alSrointha’ö, bcr ©chroefter 
53 runehilbe’§, bcr (Gattin ^hi^pench^/ beginnt 
grebigunbiä ben ^Hofenfranj ihrer (^'räuel= 
thaten. 0 ie gelangt baburch auf ben ^hrt'W- 
('hilperich liebt bie bleid)e WalSiointha, unb 
hoch ift er froh, baß er ihrer lebig unb nun 
bie 9 ?othhaarige ju feiner .Königin mad)en ! 
fann. Jpicr fd)cint mir eine l'ude in bcr , 
pfi)chologifd)cn ! 3 Jtotioirung. Jm Uebrigen ' 
ift allcä groft angelegt unb burÄgeführt, eS 
reifd bie Äraft beö 'Did)tcrö hoch unioiber^ 
ftchlid) fort. fehlt nid)t an ©pannung 
unb fräftigen ^Ict^'^Hichfdilüffcn. (^in pröch^ 
tigeä entrollt ^ahn oor unfern 

Miefen; er führt unö bic jtirche, bie gürften 
unb 33 afallen, bie ^inrid)tungen unb (^'e^ 
brauche einer längft ocrfunfcucn ®or, 
unb am (fnbe ift eä nicht feine ©chulb, roenn 
er ftc nid)t beffer machen fann, al§ fic 
mar. 6 r entläßt un§ mit bem (^Wth^ 
hoch nicht aUe ©d)eußlid)fcit auf (h-ben flraf-' 
lo§au§gcht; bei ihm ficgcn nid)t, loie bei fo | 
mand^em mobernen gran^ofen, bic ©d)techten, | 
unb nach fo oielen ©räucln fühlen mir i 
etma§ roie (^rlöfung, menn ben 5 >crbrecher I 
feine ©träfe ereilt unb ber 9 luöblicf auf | 
freiere, herrlichere 3 eit fich aufthut. I 

Alfred Friedmann. | 

3mei neue HMicher oon Julins Grosse. 

1. Episoden und Epiloge. J^leinere er^ 
5 ählcnbe 5"ichtungcn nebft einem Inrifdjen 
2lnhange. (München, (>3. 2B. (>a(lroei).) 

(tröffe ift eine fchaifumriffenc, marfige, bich' 
tcrifche MrfÖnlichfeit. ©chon auf allen ^Mte= 
raturgebieten hot bcr unermüblich ^hötige 
^erüorragcnbeä gcleiftet uub alö (5pifer im 
engeren ©inne beä föortä, alä Dichter cpifcher 
'^'Oeme in gebunbener JKebe nimmt er heute 
mohl überhaupt bie erfte ©teile unter ben 
Sebenben ein. 3lud) in bem hier norliegen-' 
ben, ftarfen 33anbe neuerer, erjählenber Dicht; 
ungen fmbet fid) roieber oiel 5ln^iifhenbcg unb 
.^croorragenbeö. ii?on rein fünftlerifdjem 
©tanbpunfte auö möchten mir bic f. 3t. iu 
biejem 33latte preiägefrönte ^rjnhlung „l^'o; 
bioa" alä ba§ bebcutcnbfte ©tüd ber ©amm= 
lung erflären. Slnbrc merben je nad) bem 
inbiDibnclIen c^^efchmaef bicä uub jenes 5lnbrc 
bcoor^ugen. jWccht gcmüthimll, anheimclnb 
unb cd)t beutfeh geben fid) bic ^ufammen; 
geftcUten C^pifoben auS ben greiheitsfriegen 


8 $^ 


unter bem Ditcl „9lu8 fchmeren Dagen"; 
eigenartig feffelnb ift „DaS Bericht im llr; 
malb'"; Durch büftreS ('olorit ^eid^net fich 
„Die (^^räfin oon 'l'ontarlicr" auS unb einen 
'inief in eine unS frembartige 23otfSfcclc gc; 
mährt „(l'rafemüdc". Unter bem Iprifchen 
'Anhang, mclcher eine D'^cihe oon geftgcbichten 
bringt, hot unö bcr „(.Epilog jnr geicr beS 
25 jährigen 5^cftehen8 bcr beutfehen ©chillcr; 
ftiftuug", ber im ©til bcr (5höre auS ber 
„^kaut oon Weffina" baS 2 o 0 S beS bcutfd^cn 
Did)tciS Dcranfchaulicht, am meiften ange; 
fprochen, auch bie fchmungootlcn unb mannen 
©trophen „91cun,;ig Jahre" finb fchr fchön. 
©taunenSmcrtl) ift C^roffe’S gormgemanbt; 
heit; er ift in atleu ©ätteln geredet, ©eine 
wameter finb tabclloS, fchcinen ihm auch 
mit fpiclcnbcr l*eid)tigfeit ju entfließen, nnb 
fcibft fd)mierige ^^ciSmnße beherrjd)t er mit 
fonociöncr l>tad)t. Der .^cim ift faft immer 
rein, hier nnb ba hat ßch olS ^J^othbehelf ein 
unreiner Älang, cbenfo mic eine minber bc; 
rcd)tigte 2 \lcnbnng and) mohl cingefchlichcn; 
in entern fo umfangreichen JÖerfc ift baS 
nicht ju oermciben. ^.nufgcfatlen ift unS nur 
bcr inchrfad) roieberfehrenbe ^Iccufatio „ben 
.s^elb", ber nicht mohl ftatthaft erfd)eint. 

II. Ein Fraoenloos. Vornan. (O^benb.) 
Dicfer cbenfo eigenartige als feffelnbc Jlfoman 
leibet unleugbar unter einer gemiffen Seit; 
fd)meifigfcit, ober mir möchten in ^^infidht 
auf bie Jd)form bcffelben fagen: ^^ebfeligfeit. 
Obgleich mir bieS nun fonft noch for feinen 
gehler holten möchten im l^egenfaß 511 bcr 
hcrrfchcnben ^^Infuht, nach mclcher nur noch 
bcr ^Tteporterftil für ben fifoman erlaubt ^u 
fein fcheint, cS oiclmchr oft für unumgäng= 
lid) nnb für eine fünftlcrifchc ^lothmenbig; 
feit holten, auSführlid) 511 motioiren unb 
mit behaglicher D^reitc auS^umalen, fo hot 
eS hoch hif^/ 100 ber Jnhalt einen nur jicm; 
lieh bünnen gaben aiifmcift, unftreitig ctmaS 
gum bcr einzelnen (^pifoben bei; 

getragen unb fomit ber fünftlcrifchen (Einheit 
(Antrag gethan. Jm Uebrigen ,^eigt baS 
33uch alle bie iOor^üge, mcld)c ben (i'roffc’fchcn 
^Nroiamerfen eigen ;u fein pflegen: ben flarcn, 
abgcfchlifjenen ©til, bic liebeootlc Detail; 
fehilberung, bic große 21 >ärme beS S?ortragS 
unb bic l'cbhaftigfeit eines ebenfo an 3 ichen; 
ben, als gebnnfenrcichcn Dialogs. Jn eigen; 
thümlid)er UOeife hot (^Hoffc baS 'I>roMcm 
bes .f^ppnotiSmuS mit in feine Cfrjählung 
oerflochtcn nnb baburch befonbere ©pannung 
hernor;urufen Dcrftanben. iJluch einzelne, 
humoriftifd)c ©d)lnglid)ter auf eine bunt ge; 
mijehte 3^abegcfcllfd)aft 311 roerfen, ift ihm in 
heroorragenber 2 lleife gelungen, ©ein ':I^ud), 
baS bie 5l9ahrheit beS alten ©aßeS erhärten 
mill, Dulben fei grauenlooS, unb baS in 
mehmnthignnihrenber 'Ä'cife abfchließt, ift eine 
cbenjo rei;notlc als untcrhaltenbc (h'fchcinnng 
auf bem Gebiet bcr neueften l'Ifomanlitcratnr. 

Konrad Telmann. 


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87 



I Älbrcdjt, (Engelbert, „(^tx iinb ^oiüoc". 53iermpt^u§. (D'icgenSbiirg 1S88, doppciirat^.) | 

I Amninn, A., „3^^ crnften uub l)citcren 0tunbcn". (^cibclbcrg 1888, (5aut Sinter.) 

I 6inber-firiegl|tein, (E., Apiftorijdjcö ^rauerfpiel. (TrcSbcn nnb ^eipjig 1888, 

(y. 'i'icr)on.) 

filorti, Pani, „^m l'ciic!)tturm". (^inc ('*'cicbid)te au§ '^.keu^enS traurigen ^agen. (?cip,;ig 
1888, dicin^olb Sertber.) 

I fiobertag, ®lifabetb, meiner 5"icbtermappc". Or^reSlau 1887, 3of. & (>o.) 

6ranb, 3., üJ^üir^er''. rrama. (IVüncben, (nnft.) 

6 i)r, (E., „(h' 3 ber 3 og .^nrlä IMcbc nnb ber Äampf um ben 'TJicbermalb". (Stuttgart 1888, 
Sübbeiiti'dbe^ ^i5erlagöinftitut.) 

Öorienr-ßrotbfdi, öettij, „^bolf .vellberg". Sc^aufpiel in nier ^Inf^iigen. (^cipjig 1888, 
^H'einbolb Sertber.j 

1 drillt, CDtto, „(^ebiebte". ('l^orben 1888, A8inricii§ Jyi’^ '^ladjl) 

friebninnn, Alfrcb, „Ter lobeoring", „r'cr i>cnii^burcbgang". 3*^^* 'Itonetlcn. (Vcipjig, 
'Hcflam.) 

iudjs, Otto, „.^afebijeb". C^i^äblungcn ait§ bem mobernen C^gppten. (I^rcSbcu unb ^eip^ig 
188S, (<•. 'pierjon.) 

I Ooj}!, (Earlo, „'Tramatifdie Ticbtiingen". 5(u§ bem ^liolfmar Gütler. 

(I'rcsben 1^8'^, V. Äncd)t.) 

' ^nnftein, -Xbalbert „U.'on >tains o'cid)lecbt". ricbtung in l^injelbitbcrn. 3liiflage. 

('^'crlin 1.S'^8, (^. Iv. ('onrab.) 

i^offs, -frlcbrid) n., „'i'aterlänbijdic Gelänge". (Irier 1888, i\r. l'inbO 
^ornj. ?luöioabl feiner l'ijvif. Uebertragen non 3^‘bönnPö Jtarften. 5:rittc 51u§gabe. ('J?orben 
1888, «Cyinrifiiä 3*i|d)cr ^Ji'ad)f.) 

3bfen, „itaifer unb Omliliicr", ScltbiflorifcbeS ScbaiifpicI, iiberfept ron ißraufc-- 

metter. (Vcipjig, Jlieflam.) 

Jeitfcn, ttlilljelm, „fHunenfteine". t>in fHoman. (Veipjig 1888, 5?. C?lifcber 9^ad)f.) 
ftfl|lropp, (5n(loii. „i^önig t'If^ Vicber". Tritte ifluflage. (Stuttgart, & Qo,) 

fioi)ut, l)r. Abolpb, „Ta^ ^ihid) non ber Sdiioicgermutter''. (3nvid), ^^erlagömaga^in.) 
firrber, iHar, „Taö bunte 'inid)*. '}Ulcrlei (8ejd)id)ten. Crrcöben unb l'eip 3 ig 1888, 
'i'ierfou.j 

Äijtral, .friebridj, „^Jireia", 'l.h* 0 Den 3 alifdie$ (^ebiebt in ^mölf (gefangen. '^'rciSgefrönt non 
ber frairjöfiidjcn ;'lfabemic. Ueberfe(=tt non Torieuf'^rots 

beef. (.'C'cilbronn 1880, 05cbr. .'^enninger.) 

Jluller, .Äbolf, „Toftor Jvauftö Oube". 7ragöbie in fünf ' 2 lut 5 Ügeu. (iplanfenburg a. 

6 b. J^’iilba.) 

ÄuUer, tttilbclm, „51m Sege gepflüeft". 0'ebid;tc. (OHaruS 1888 , 3. i8ogel.) 

Peubriidte, Berliner, fyrl^^^id) 5iicolaiä tlepncr, fepner 5Ilmanad), 1777 & 1778. .7*>crau§: 

gegeben non O'eorg ohingcr. Ol^erlin 1888, t''Vbr. 'l^aetel.) 
preiifdjen, i§erniine u., vitae“. O'cbidne. ('^^erlin 1888, 3 . u. '(?. Rebmann.) 

ttabirfeoico, Branko, „^prifd^e Tlditungcn". 5luä bem 0crbifd)en oon O^corg non Scbulpe. 
(Trcöben nnb Veip^ig 1888 , (v. '(^ierfon.) 

Benfdiert, £. tD., „5(uf .«'aifer Jrl^bridiö lob'', (^^ebidite. (7rier 1888, Stepbanue.) 

3eeger an ber Bn^, „lllridb non .'^utten". Scbaujpiel in fünf ^liif^ügcn. (Tresben unb 
Veip^ig 1888, 6. 'l'icrfon.) 

Sd)r5er, ft. 3.^ „5a*Mt" t>on O'oetbe. 51tit Oinleitungeu nnb fortlaufenber'6rf(ärung. (^''eit- 
bronn 1888, 6?ebr. joenninger.j 

Sdjulpe, (Seorg n., „92orbifd)e klänge", (nifluö cr;äbleiiDer Tid)tuugen ans ber germanifeben 
O^ötterfagc unb (^efd)i(bte. (Veip^ig 1888, Sill). 3riebricb.) 

„ „ „ „5remblänbifd)e ^Minnen". Oinc Sammlung muftergiltiger metrifd)er 

llebcrfepungen non mobernen 5lutoren. (Veip^ig 1888, Silb- f^riebricb.) 
doiibberft, ®l)eobor, „3icbtennabein nom ^Mbanon". ^oic ftfcifeblätter. (i^afel 1888, 'i^enno 
Siinabc.) 

Blreibel, ftarl, „3nlia 5llpinula". Sebaufpiel in fünf 5luf3Ügen. (Treiben unb Veipjig 
1888, 6-. '('ierfon.) 

delmann, ftonrab, „Sciblicbe Safien". fHomau. (Treiben unb Veipdg 1888, 6. 'Vierfon.) 
dbiele, Älma, „55untc Jaltcr". (^ebiebte. (Vcip 3 ig 1888, i,«. Saumann.) 

8S-a 


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88 


^renmonii, Joljann«, „Äönig Saurin". ^in («cbid^t. C^rcSbcn u. ^cip^ig 1888, (^. ^>icrfon.) 

i^rinrid), „kleine ©über au§ bem O^aturlcbcn". (2IItona 1888, 91. (5. SÄel^er.) 
3cilf4|rift för llriitfd)( Spradje. v^crauägcgcbcn oon ©rof. Dr. JJanict 0Quber§. Sa^rg. I, 
^eft 3 u. 4. (Hamburg, g. 9?ic^ter.) 



J. H. in Z—n. ©enben 0ic iinS nur gc- 
fäfligft 3 unäd^fl ©nd); 9ßcitereS rotrb 
bann gegebenen gallö erfolgen. 0onett Ici^ 
ber nnocrrocnbbar. 

C. G. in B—y. (^ebic^t nid)t brauchbar, 
bnreh bic ftete SBiebcrholung beftimmtcv 9iiorte 
ncrfchlt baffelbe bnrchanö bie hierburch beab- 
fichtigte ©lirFung. KritiF ift 311 roenig 

fachlidb gehalten. 

M. W. in D — n. ©n 3 erne fc^r 
91nläufe, aber n) 03 U bie oielen ocrbraud)tcn 
S'icime! Slufeerbem bemängeln mir mehrfa^e 
rhothmifd^e gärten. 

A. G. in B — g. ©iclfach gefchraiibt in 
51u§bruc! unb Sortbilbung. — 0te bürfen 
non jeber (Gattung ein (^ebic^t fenben, mit= 
hin im (^ai^en Drei, ^^aö 9Jtotto Fönnen 
0 ie gonj beliebig mahlen. 

Z. M T. in I — f „Älage ber Jungfrau"; 
H. Z. in H — g „^er i.^cift in ber 9Fatur" 
unb „5Jionbna^t"; K. K. in E—ch „91bcnbj 
anbad)t" (alles Uebrige megen ber f^lechten 
OFeime unbrauchbar; A. B. in G—n „'Tort 
blühn bie alten Vinbenbäume"; R. K. in 
C~tz „0ecrofen". Angenommen! 

F. 0. S. in J—dt unb B. K. in L—d (gu 
gegenftanbäloS); F. W. in N—g (nicht flott 
genug in ber ^Tiction); R. E. in W—s (allgu 
fchlidhO; E. S. in P- g ; R. K. in B—n; 0. 
S. in M—m ; 0. F. in H—g i. Schl. (Fom^ 
men 0 ie feltener unb bann mit Dtciferem); 
A. V. in D —n (gu breit); A. L. D. in J—tz; 
A. K. in B—n ; K. v, 1 ). in N—n (eingelne 

(@(blub ber IRebaction btefer 


banale 9luSbriidc ftören ben @efammtein= 
brud); R Edler v. M. in W—n (inhaltlich 
311 büiftig); P. F. in VV—g; R. D. in B—n. 

Dankend abgelehnt! 

M. W. in K—g. 9©ir entfinnen unS Fei¬ 
nes ©riefeS oon 
9 lntn) 0 it fchulDig mären. 

C. Sch. in VV — 1. Gin 3 clnc 9luSnahmcn 
mögen gerechtfertigt fein; 3 hrc O^ebichte ^»b 
nicht berart, baft mir 9Fachfi(ht »ben Fönnten. 

A. S. in B —n. 9llö Opernteft jebenfaHS 
gan 3 geeignet, aber nid)t in ben 3Fahmen uns 
jereS ©latteS paffeub. ©}ir Fönnen nur (^e= 
bichte oeimerthen, bie Feinem 9 Feben 3 mede 
bienen. 

C. H. in B—r. 0ie httben recht! Sßenbs 
ungen mic „©ater mein" unb „©ruber lieb" 
Fommen aUerbingS im ©olFSlicbe oor, finb 
aber troV’ibem für bie bichterifche 91uSbrudSs 
meife oermerflid); cS finb Latinismen, melche 
oermuthlich buvch bic ©^önd)e in’S Teutfehe 
übernommen unb burd) 2 ßeglaffung ber 
glcrion beS ^IbjcctioS cntftellt morben ftitb. 
GS ift ficher münf^cnSmerth, bafe unfere 
0pra^c oon fremblänbifchen ^uSmüchfen ge= 
reinigt mirb, fo ehrmürbig biefelben burch ih^ 
2 llter erfdheinen mögen. 

P. L. in R—n. ©?ir fmb in ber ongeneh- 
men Lage, 3h^c» 2Lunfch erfüllen 3 U Fönnen; 
in einer ber näcbften 9Fummcrn mirb bereits 
eine ©robe unferer Literaturgefchichte erfchei^ 
nen, unb 3 mor ein ^h^d ber Ginleitung. 

ummer; 13. Cctober 1888.) 


9 nhaft$p(r 3 ci(hmg. 

(Stbid)tf toon .fiitbridi .friebridi, 3. 6rrbt, Cnbmig (SidiroM, €arl ülrner, Dictor Ptait, 0. (Hifingen, 
ülartin ftreif, ^rbnig llOlilird) unb S, Werrlmann. — Dot Uolhramilitb. (Sin @an0 auS unteren 3 :aflen. SBon 
3 nliiit «rofff. (^ortfebunfl.) - Drr größte Diißter llngomf. @fijäc bon Dr. Abolpli «olint. (©djlUB.) — 
Sfiiberriban. — Hcne Sfl^er. - firirffiboltrr. 

fßf" ^aifbrudt ttur unter genauer ^nelTenangabe gebattet. ^*^0 


©efleUungen 5» rithten an bie Expedition (Paul Helnze’e Verlag), Ginfenbungen 
an bie Redactlon des „Deutschen Dlchterhelm“ in Dresden-Striesen. 3n Gommifpon: 
TrQb’sohe Buchhandlung (91. 0chmittner) in Zürich unb E. Steiger &. Cie. in New-York. 

___ 

Ghef^lFFebacteur unb Gigenthümer: J^anC <^ein|e^ 9Febacteur: ^nboff $oette. 
tCrutf bott gferMnanb Xbontag tn tCreibetu — tpopiei bon btt tCreSbenct ipapicidalbdL 


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Drgnii für DiltKiiii^ und (Der „Driiifi^eii Didüerfinffe" 18. £iitid.) 

Herausgeber: S^auf 


MouatUoL a mal. Preis: 6 .4 halbj&hrt., voraoszahlb. Man abounirt durob Jeiie Buobbaudlung, sowie di¬ 
rect bei der Kxpeditioii des „Deutsclieu Bichterheiin** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden imr bis 
1. M&rz beziehentlich 1. September angenommen. Kinzelue Niiiiiineru k5U 6 Stück einer Nuninier.# 1,SO. 


^itb faf! 0i5 an bie $terne 
38ie mag feine ;^eere Sfdfn 

$d^ra($tenp(&nen nnb ^rop^Aen! 
^an tröumt am Serien, wenn bie ^anb 
^(ma$ bamit }u fpiefen fanb: 

$0 gr60t er in ben ebfen J^anm^ 
Panor er flef^ty nnb meig es ftanm^ 
fin N ein nnb baranf ein B. 

Per ^ame^ reit^ an ptn^m nnb S^e^, 
ptanb ein Siabrifnnbert )n fffen 
^nb ^iemanb ifl am 0rt gemefen^ 
per nii^i bie (afSnermai^fnen Jfeitern^ 
^efi^aitet non ben ^or0eer6raifern, 
^etrai^tet (^üe^ (afb mit 
iliib 9<^f0 mit pd^auer in ber ^rn^. 
Po<^ nnter’m ^onb fat nii^ts gSeflanb, 
^nb ifl bie page an^ deüannt: 
«jlpolTo’s (^if’ger gSaum 
pen ebfen ptamm nor jebem 38fif|e^ 
^ttfr bod^ ein g^etter^raff f^raS, 

^r riH nom ptamm bie ^inbe ab^ 
pie jene ^amensinge trug. 

0 ^nfm nnb <^or0eer — alfes /ng! 

Jäeinriif ^irnfe. 


fuarengo mar no^ namenfos^ 

» pfs jungen ^lefb^errn porge grog, 
^per nor ber pc^fac^t bie fe^te ^a^t 
^<^uf biefer Jufef lugeSrac^t. 

^ ^ 9at nur menig pc^faf gefunbeu 
biefen fi^itftfafsfi^ivangern ptunben 
po fi^ritt er fafiig auf bem S^fabe 
,^m nunergfeic^rii^en ^eftabe^ 
po<9 faf ben pifuee ber (jifpen niift 
3lnb ni^t ben pee im ^ff^nbenficft, 
penn fauter afs bie feifen SSetTen^ 
pie fanft am ^ferranb serftfetTen^ 
gSrauft $frgei| in bes ^orfen S3ruft 
3lnb itaifertrAume^ fafb 0emu||t. 

^r fanb fier einen Jorbeerbanm^ 
pesgfeiifen trAgt bie $rbe iaum^ 

39ie eine ficfe fo(f nnb fcffanb^ 

Jiuf feinem ?fab am pee entfaug. 
^^^ie biefer ^^orbeer fofer ragt 
iifs atfe anbern^^ affo fagt 
^ fiff in feines <per|ens ^rnnb, 
^^gbirb nie ber gbeft ein ^ame ftnnb, 
Per fbfer afs ber beine fleigt 


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5e ^aitpalfanl 

SBon JlCfteb f^debmaitit. 


ifl @U 9 bc 9)^aupaf(ant ? 
^infa$ ein großer ^rga^t= 
ungSFünfiler. Qx fcbrcit fein 
• (Menie nid^t in bie Jßelt l^im 

Br^> ' auä; qI 8 fjranjofe ^lot er 
faum 5.^cranlaffiing, fic^ für einen 93erfannten 
m galten unb er glaubt auc^ nic^t, burA 
Verunglimpfung feiner 3Jiitfirebenben, bur^ 
5^efc^impfung einer boc^ aurf) einen f^roieri- 
gen 0tanb ^labenben Äritif fein eigenes 
'^^iebeftal gu erböten. ^ piibet padfenbe 
0toffe unb erjäblt p^ niit einer intereffanten 
Unerbittlicbfeit. @8 fällt i^m nic^t bei, mitten 
in feinen IFFomanen ab;ufpringen unb auf* 


unb Snnenleben eines jungen 3Jtäbcben8 ges 
fcbilbert unb biefeS ^5afein iP eitel (^ttäufcb= 
ung. „üne vie“ fönnte baS ßaienbrenier beS 
^efpmiSmuS b^ipen. (?in 3Jtotin fommt 
febon barin oor, baS, nom Slutor roieber auf= 
genommen unb gur ^Dominante, jum ?eit= 
motin gemacht, nun bureb alle ©eiten non 
„Pierre et Jean“ roieberflingt. ©S roirb pcb 
aus ber ^r 5 ählung beS flarer faffen 

laffen. ^S ip bie ©cbulb ber 3Jtutter, non 
bem Äinbe fpat erfannt. 3n „üne vie“ 
glaubt bie §elbin ibre b^ipfleliebte „mere“ 
eine ^eilige. 3Jtit bem SluSrutMÖ, ma mere!“ 
fann ber gramofe nod^ bew^swioge eine grope 


iii leiuen ^nomantii uuiu]f^iuigi:ii uiio au[s lunu uci ^tuiuu|c iiuu; i^ciu^uiuyc cuic gru^jc 

bringlicb feine eigene ßeoenSgefebid^te ju fFu= SBirFung erzielen, einen ganj leiblichen 2lct= 

giren, ober Slbbanblungen über fommtlidbe fchlup roagen. ©o macht eS auch 9Foman 


unb noch einige anbere 5)inge eingufcholten. 
SGÖenn er in einer S3orrebe ein paar ^)iebe 
ober Äeulenfchläge auStbeilt, fo gebt eS ipm 
hiermit roie mit feinen fleinen PFonelletten unb 
(^efd^id^ten: pe treffen ftets ben 9Fogel auf 
ben Äopf. ©r fchiept immer ben Sogei bamit 
ah, Slber er meint nicht eine bepimmte 
fon, er hält pch an ©achen, an ^bntfaihen unb 
beileibe nicht an Heine, jebem 3nbinibuum an= 
haftenbe gebier unb perfönliche ©chroöchen, bie 
— er ja mit ben 2lng^egriffenen tbeilen mürbe. 
SJFan fagt, eine gute Sonebe oerbalte pch gum 
Suche, roie ein glücflicher Srautpanb oft gu 
einer Pürmifchen ober langroeiligen (5b^* ^np 
be S^aupaffant bot oor ein bis auf bie feblenbc 
ßöfung gutes Such eine oorjüglicbe Sorrebe 
gefegt, auS ber auch ber beutfehe ©chriftpeller 
febr oiel lernen fann. ®aS Such erfebien bei 
^^gaul Oneiiborf, ^ariS 1888. — 

SorauS ging oon bem fruchtbaren 2lutor 
„Mont’ Oriol“, bie ©efchidhte ber ©rünbung 
eines SabeorteS. 5)ie roenig neue ober fpannenbe 
S^oppelbanblung rourbe gang in ben Sinters 
grunb gebrängt burch bie farfapifch-pefpmb 
[tifche (S.b^iröftfrgeichnung einer Ungabl oon 
©trebern unb ^Jtarren, bie fämmtlich in bem 
unfchäblichen §eilroaffer nach ©olbpfdben 
angeln. 2)em pbantaPifchen „Le Horla“ 
ooran erfdhienen „Monsieur Parent“ unb 
„Les soeurs Rondoli“, oon benen man bc= 
fonberS oor Septeren, bie fämmtlich in 
bie ^änbe eines SergnügungSreifenben in 
Senebig übergeben, feinpnnigc 5)amen auf’S 
SlngelegentlidhPe roarnen barf! §ochbcs 
beutenb roar baS 1886 in 50. Slufläge er^ 
fchienene „Belami‘^. 2)a roirb gegeigt, bap 
ber SournaUSmuS gu 3lllem führe, gu ©b^e, 
Pfeichthum, Drben unb einer reichen grau, 
roenn man eine fo magiprale PiücffichtSlopgs 
feit im §anbeln bepgt, roie pe @uu be SRou« 
paffant im ©ebilbern gu eigen, gerner er^ 
fdhienen „Yvette“ (18ö5) unb „La Petite 
Roque“ (1886). ©ropartiger angelegt unb 
meines ©rachtenS @up oe ÜRaupaffantS 
^auptroerf ip „Une vie“. Sou ber ^och- 
geitSnacht bis gum 3:obtenbette roirb baSSlupem 


feinen ßffcct, roenn man unter ben Pfeliquien 
biefer lang oerfannten ^eiligen Sriefe pnbet, 
bie pe gur (^bebredherin pempcln. 

3n ber Sorrebe nun behauptet ber Sers 
faffer, fo oft ein neues Su^ erfebeine, fehle 
eS roeber an lobenben '^^brafen, noch 
Sb^ofe: „5)er gröpte D^achtheil beS ffierfeS 
ip ber, bap eS ni^t eigentlich als Pf Oman 
gelten fann!" Unb ebeiifo roigig als treffenb 
antroortet ber grangofe auf biefe Sehaupt* 
ung: „^er gropte gehler beS ©chreibenben, 
ber mir bie (^h^c erroeip, mid^ gu beurtbeilen, 
ip ber, bap er fein Äritifer ift." (5r meint, 
bie roefentlichpen ©igenfehaften eines roabren 
ÄritiferS feien bie, ohne Soreingenommens 
beit, ohne oorgefapte SDfeinung, opne ©ÄuL 
3bcen, ohne Segiebung gu irgenb einer klaffe 
oon Äüiiptern, oerpeheu, unterfcheiben, bcs 
urtheilen gu fönnen bie entgegengefegtePen 
©trebungen, bie oerfchiebenften Tempera* 
mente, unb bap er Unterfudhungen roeit* 
gehenbper Slrt auf allen ^'unpgebieten bulbe. 
unb nun fagt er febr richtig: 

®er jlritifer, ber nach: Manon Lescaut, 
Paul et Virginie, Don Quichotte, Les 
Liaisons dangereuses, Sertber, ^ie SabD 
oerroanbtfdjoften, Clarisse Harlowe, Emile, 
Candide, Cinq-Mars, RenS (Chateaubriand), 
Les Trois Mousquetaires, Mauprat, Le Päre 
Goriot, La Cousine Bette, Colomba, Le 
Rouge et le Noir, Mad>>® de Maupin, Notre 
Dame de Paris, Salammbö, Md®« Bovary, 
Adolphe (S. (Sonpant) M. de Camors, 
L’Assommoir, Sapjiho 2 C. 3C. noch ju fögen 
roagt, baS ip ein Pfomon unb baS iP feiner 
— id^eint mir mit einer Älarpchtigfeit bes 
haftet, rodele parF ber Unbefugtheit, ber nr= 
^eilSlopgfeit ähnelt. — Gr meint, bie alte 
PJfethobe, Pfomane nach 9lrt eines ©tücfeS in 
brei 5lcten, mit (5j:poption, ^anblung unb 
Söfung gu componiren, fei oöllig annehmbar 
unter ber Sebingung, bap man auch 
anberen PRetboben gulaffe. Äann man bie 
„©ahloerroanbtf^aften" mit ben „breiPRouSs 
quetairen" oergleid)en ? Unb beipt nicht SeibeS 
ein Pfoman? ©in Äritifer foUte nicht PllleS 


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naÄ ölten ^Regeln gemod^t roiffen rooKen, 
fonoern im ©cgent^eile bie jungen Seute am 
polten, in neue 53a]^nen einjulenfen, etrooS 
no(b D^iegemod^ted gu moj^en. 5 Dq§ Talent 
entfpringt ber Originalität, bic eine gang 
befonbere 2lrt ift, gu fe^en, ui benfen, gii üer= 
(teilen unb gu urt^eilen. unb gegen 5llleä 
nun firäubc ^ritifer, &f|en @eift 

burd^ gormeln gebonnt. (5in Äritifer ift am 
^be nur ein Sefer, ber ben i^m immanenten 
@ef(^macf befriebigen roiÜ. 9^un giebt eö 
2e|er, bic bem Slutor gurufen: „^röjte mid^! 
Unterhalte mich! Stimme mich ~ 9^' 
rührt! ^ytachc mich träumen — lachen — 
fchaubem — meinen — benfen! 3^ur roenige 
iuScrmählte fügen: 3J^achc mir etroaS 0 ch ö 5 
ne8, in ber gorm, bic bir paffenb, unb 
na^ deinem Temperament!'' 0o entftehen 
bie fidb folgcnben, uerbrängenben Schulen, 
beren lebte: SBahrheit, nichts als ©ahrheit 
gu geben glaubt. @up bc ÜJtaiipaffant geht 
nun bie uerfchiebenen Schulen burch unb jagt 
ber lepteren ben S3erS SÖoileauS: Le vrai peut 
quelquefois n’ötre pas vraisemblable! TaS 
aSahre gu machen, befteht aber barin, bic 
X)oll]tänbige gHufion beS SBahren gu geben! 
©ahre SReolijten müßte man bemnach eigeuL 
lieh nennen! 9lun ober 

jeber Äutor baS SSahre nur burep (ein 
3luge, (eine Sinne — nicht baS objectin 
SBahre! Oie großen Zünftler bie, 

roel4« ber 3Jlenfchh<it ihre (ubjectioe JUufion 
als objectio roahr aufbrängen. Theorie 
ift nur bie oeraülgemeinerte 5luSbrucfSroeife 
eines Temperaments, roelcheS fich felbft ana« 
Ipfirt. @up beleucbtet nun ben pfpcholo^ 
ifchen D^oman (etroa ©ourget) unb ben 
er Jg)anblung. ^r meint, ber, roelchcr 
aUeS Sollen, jebeS Sarum geigt, fei ein 
ÜKaler beS SfelettS; ber anbere, ber nur bie 
Situotionen giebt, einer beS ÄöroerS. Oer 
3lutor, ber einen Äönig, einen Verbrecher, ein 
feufdheS Räbchen oorfuhvt, geigt uuS im Icj^s 
ten Sinne hoch nicht, roie ein ^önig, ein 
Verbrecher, ein junges ©täbd^en höubelt, 
fonbem, roie er an ihrer Stelle 
mürbe! Unb enblich fommt C^up gu ber SeiSs 
heit lebtem Schluß, baß man ein großer 9farr, 
eingebilbet unb fich felbltübcrbebenD fein müffe, 
um überhaupt heute noch gu fepreiben. Oenn, im 
©egenfape gu unferen lÄeoliften, fragt er: 
Ser fann fich eübrnen, ouch nur eine 
einen Saß gu fchoffen, bic nid^t fchon irgeubs 
mie, irgenbmo ejriftirten? So fogt fchon 
Tereng: Nullum est jam dictum, quod non 
dictum sit prius, unb (Goethe: iSlIeS (^e? 
fcheibte ift fepon gebacht morben; man muß 
nur »erfuchen, eS nochmals gu benfen. Oie, 
meldbe gur Unterholtung ?lnberer fchreiben, 
arbeiten ftifloergnugt in ber Unbefangenheit 
ihrer 3Jtittelmäßigfeit. 5lber bie, melchc bic 
Literatur aller oergangenen 
übertreffen mollen, bie nidbtS befricbigt, bie 
SllleS onmibert, mcil fie VeffereS träumen, bie 
finben enblich bie ^unft ein unfaßbares, ge« 
heimnißoolleS Oing, baS unS faum einige 
große Seiten ber größten 3Reifter entfchlciert. 


Oie Verühmteften binterloffen meiftenS nur 
einen Vonb, ber bleibt. OaS Talent ift nur 
eine longc ©cbulb. üJtan muß einen SluS^ 
bruef finben, einen VeobachtungSpunft, ben 
no^ feiner gefunben, eingenommen. Oer 
fleinfle (^egenftonb enthält ein menig Unge? 
fannteS. Sud^en, finben mir eS. um ein 
geuer gu befchreiben, baS flommt, unb einen 
Vaum in einer ^bene, bleiben mir oor bie* 
fern geucr unb biefem Voum, bis fie für unS 
feinem anberen Vaum unb Scuer mehr 
gleichen. So mirb man originell. SaS 
immer moii auSbrüefen miH, eS giebt nur 
ein Sort, um eS red^t gu fagen, ein 3cit= 
mort, eS gu beleben, e i n (JigenfehaftSmort, eS 
gu begeichnen. Oiefe müffen mir finben. 
Sieber ift eS fchon Voileau ber: D’un mot 
mis a sa place ensei^na le pouvoir. Seien 
mir ouSgegeichnete Stiliften, aber nicht S’faris 
tätenfammler auSgcfollencr ober oerolteter 
Sorte. Oie frongö|i(che Spruche ift ein reiner 
Oucll, ben bie maiiierirteii Schriftftefler nie 
triiben foiiiiten, noch trüben fönnen. — Sollte 
(^ott, man biirftc baS auch ®on ber beut« 
fchen fagen! 

?tad) olle bem ermartet mon nun eine 
histoire hors ligne, etroaS noch S^ieba^ 
gemefeucS in Sort unb Stoff. Unb hoch ift 
eS nur eine meifterhaft crgählte ©efd^ichte, 
bie oon „Pierre et Jean“. 

Oer alte Ötolonb höt pth/ ^ongofifch, 
mit einer fleinen Dfentc, nach arbeitsfomem 
?eben oon ^^ariS nach .^aore gurüefgegogen. 
Sein Sport ift baS Segeln. Sir finben thn, 
Vtabame ^olanb unb eine h^bfehe Sittme, 
!Dtabome OfoSemiUp, ben VootSmonn 3** 
röme unb bie gmei Söhne bcS S’fentierS, 
©ierre unb 3 ^ 0 *^/ Q« ®orb eines flott ouf 
bem SJtcere oor bem Sinbe treibenben Segel* 
bootS. 3«Qn, groß, blonb, bärtig, iftSlboocot: 
perre, temperamentooUer, fchroorj, fünf 
3ah^^ 5lrgt. Sic rubern oor Der fdhö* 
nen Sittme, ^ierre mirb gefdhlogen. @8 ift 
ein SlntogoniSmuS in 2luem jmifAen ben 
3n)eien. Sie gleichen Vogelmanndpen, bie 
oor einem Seibchen tiriliren unb gmitfehem 
unb fingen, mer ben ßiebeSfieg baoontroge? 
3ean, ber 3ü«9«^</ ip überoU baS Schoß* 
finb. Vierre ift nicht fchledbt, er liebt ben 
Vruber fogar, obmohl eS ipn irritirt, ihn 
überall oorgegogen gu fehen. — Äm abenb 
fipt bie gcuuilie mohlig beifommen; eS fommt 
ein 9fotor unb fünbigt an, baß ein alter 
greunb beS ^>aufe8, ?äon iWaröchal, ben 
jüngeren Sobn, ^tan, gum Unioerfalerben 
cingefeßt. Verfchiebenartige Gefühle geben 
fiejh bei 3cbem funb. grau SÄolonb f^eint 
mie aus einem Traum gu ermachen unb fich 
einer fernen, längft oergeffenen Soebe gu er* 
innern. ÜJton bemeint fogar ben feblaffer. 
Oer alte flfolonb ruft: ilfun, 3wn, oerfluchter 
©lücfSpilg, bu umarmft mich nicht! — 
Vierre geht noch hi«ow8 auf ben ^itx beS 
pafenS. ©r h^t baS Vebürfniß, 3«wanben 
gu treffen, um nidht beffen aWeinung gu fein, 
unb auch ^fel oor allen fieuten, bie er 
fehen fönnte, oor ben Oingen, bie fie ihm 


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92 


etioa faocn fönntcn. folgt eine nieijlcr= feiner gantilic gegeben. Stuf einem fe^r fd^iön 
^afte 0^itberung be§ 2}hcrc8, ber ©eroegung gcfd^ilberten 0 pQ 3 iergang am 2Recrc§(hanb, 
bcr 0rf)ifjc borauf, ber 9^aci()t. ^bli^ cnt^ beim ^Jtafrclcnfang, erflort ber 

bccft ^^ierre einen onberen 9^arf)t(c§mQrmer. ^übfcbcn SBittroc, unb bic 2Jtultcr richtet bie^ 

^8 ifl fein SPrubcr Scan. 0ic fprcc^en, unb fern bie oon ^icrre in 3lu§fid^t genommene 

'^^ierre ift brübertic^, milb, toei^. (^r möd^te SBobnung auf’s ©länjenbfte ein! Unb boA 

reifen, raeit, roeit ^inauä. Qx ge^t ift fic oor 5tngft unb Slufrcgung tobtfranf. 

allein fort, (^r trinft ein (iHa8 2iqueur 53ci ber (^inroei^ung, nac^ bem ^I^iner, blci; 

beim 25ater 2Raron)§fo. ^I^er alte ^'olc ^at bcn bie 33rüber allem; roä^renb bic Butter 

ein ©cbräu erfunbcn. 0ie taufen eä Soli im 0d^laf3immer nebenan eingcfi^loffen ift, 

9^ubi§, ©rofeillettc. ^Tann fagt ^^icrre non fommt e§ ju einer ^flärung jroifdbcn i^ncn. 

ber (^rbfc^aft. Unb ber alte'^ßolc: 5^a8 roirb 'tpierre, burc^ baS ©liicf Scans uno bic ^ci= 

feine gute 2Birfung mad)cn. ()a ne fera pas rat^ mit ber 9to8cmitlq erbittert, fagt nad^ 

un bon effet. — 5^a§ ift ber erflc ‘tropfen unb nad^ 9lllc8, 5inc8, roaä er auf bem §cr= 

einer Dfci^c, bic bcn 0tcin fpätcr pblen jen fiat. (5r fprid^t, als ob er fein 

loirb, baS erfte 0äufeln beS ^uftd^enS 3^cr^ (^Icnb nom ^erjen rebe, als ob er eine iropc 

leumbung — inenn nid[)t beS 0lurmn)inbS 53ei(bte ablcge. Unb bann ruft er: „Sep bin 

Söa^rl^eit. „Sn biefem galle tl)cilt man ein Ölenber, "I^ir baS SllleS gefagt m ^aben" 

unter bic iBrüber ju gleichen Ifeilen!" 5^aS unb ftür^t <3o]^n unb ^Kutter fim 

ift 3lllcS, rcaS ^Raroiosfo nod) aus ficb i^erauSi ben ficb. „0ag’ mir, baft baS 5lllcS nid^t 

preffen löpt. ^:cn näcf)ften lag finbet 'f^iierre loabr ift." „C^S ift roabr!" Unb nun cr= 

eine fcl}r geeignete i9ol)nung, in ber er als flärt fic, inic ^lUeS gefommen. iBcrna^läffigt, 

5 lr3t fein (i)lücf ma^cu loill. 3lbcr bie "Uhit^ unnerftanben. Unb baS (^nbe? ®ic iici 

tcr — mietbet grabe biefe für ben ^tboocaten bleiben jufammen. ®cr alte 9folanb wirb 

Scan, (^r unb fein Später ftreiten ficb halb lociter büpirt unb ^^iierre finbet eine 0tcllung 

barauf; fic haben nidjt bicfelben 3lnficbtcn. als 0cbiffSar3t auf einem tranSatlantifcben 

5lm 5lbcnb befuebt er, mügig gebenb, ein 5^ampfcr. STaS ift für unS: le vrai invrais- 

fleineS iBierbauS, befjen ÄcUncrin er fennt. emblable. Sn ber Äunft wollen mir eine 

STie Sirtbfd^aft ift leer. (Fr fc^t ficb g« bem anbere 2öfung, alS im ?ebcn. 5lbcr mu§ 

3J^äbcben. 0ic bat ibn mit bem ^ruW pe= beim ber .genfer, bcr 0d)arfri^tcr ftetS im 

feben unb Ipricpt oon ibm. (Fr fagt ibr fünften 2lct mit 0tricf ober iBcil erf^cinen ? 

oon beffen ÖJlücf. Unb fic, nach einigen ^S giebt eine unrid)tbarc, innere 0trofc für 

j)tcbcn unb etwas ilJad^benfcn: „^Jhiu wuns jebe ^tiffetbat, aueb für baS muttergeworbene 

bert’S micb nicht, ba^ er ^'ir fo wenig äbn? unb wicber pfliebtoergeffene ©cio, beffen 

lieb ficht." (^r gebt. ^iTicjer bircctc feiner 't'flicbtcn gewoebfen ünb, weil bic Ü^atur ihm 

2Jtuttcr gemachte Vorwurf ift wie baS (Fin^ ein (F^ejcblecbt, eine ^Ttacc anoertraut bnt- 

fepen einer 0cbraube, bie er unb bie ^'clt baS (^'ewiffen. ^S fteinigt innen fo, baß 

nun fo lange breben, bis fie fein .^ctg burcb= ber ^enfeb audb äuperlid; gerföllt. 

bohrt. 0cbon OJtarowsfo batte gejagt: „raS 0tiliftif(b ift (^up, wie alle bic grangofen, 
wirb ni^t gut wirfen." CFincr feiner erften neben benen er ficb ficgreicb behauptet, un^ 

(F^cbanfen ift, ben 53ruber gu warnen. tabelbaft: wie ^raubet, geuiflet, Ibcuriet, 

barf baS (^clb nicht annebmen. 5lber gu man fann nicht jagen wie ^cr bic unb 
•t^aufe ift CFcfcÜfdjatt unb ?uftbarfeit. 'Jüa^ ba auch in biefem 'l'unftc über bie ftrammen 

bame OioSeinillo, 33canfirc, ein alter 0cebär 0trängc gallijeher S^i^bt jcblößt- 3« „Pierre 

unb greunb. Wian ifet unb trinft wie et .Jean“ fmbet '(ihip oft jcncS gejuchte 

lionöre. TaS C^^olb SctitiS bat febon 'i^efib neue 29ort unb iMIb. (^S ift aber bann auch 

oon ihm, oon ihnen crgrijjcn. Jpeute ift unüberjepbar. iföic joll man des navires. 

5lllcS für Scan, auch bie iBittwe DtoSemillp. coiffes de fuince wiebergoben? Unb boeb ift 

Tcr .üampf im 3^'ticrn ^pierre’S wirb nun ber jJfancb beS TampferS einer '^errüefe nicht 

meifterbaft gcjcbilbert. (Fr beobachtet feine unäbnlid). Ter itiel, ber baS ^ecr öffnet, 

5Jhittcr, unb feine 2Ji'utter fühlt fiel) non ilim wie bie 0cbor eines tollen 'JgflugeS, ift gwar 

beobachtet — erfannt. 0ie oerleben furebP wörtlid^e ^Bicbergabe, aber: L’avaut ouvrait 

bare Seiten. (^d;t inenjcblid^, febrt'J.Ucrre an la mer, eonmi'e le soc dune jarruo 

all bie 0tcllcn gurücf, mit benen bie iSlnfänge folle! lieft fleh öoeb anberS. 2Bic merfwür: 

beS 33erbacbtcS oerfnüpft, an bcn .^afen, gn big ift bcr (frblafjer 3Jtaredbal, qui n’apprd- 

5}2arowSfo, gu jener Time. (Fr wühlt in ciait point les eerivains en artiste, inais en 

feinen (Frinnerungen, bie ihn in bie ^er^ bourgeois qui vibre, als bewegter, er= 

gangenbeit feiner 9Jhitter fübren, er erinnert regbarcr — Ärämcr. CFinmal ift T'ierre fo 

ficb eines ^portraitS ^UiarecbalS unb quält aufgeregt, bap er bie fleinc S^'^iwicrpanbubr 

bie '^lerniftc furchtbar bamit. TaS Unglüd fcblagen bnet — alS ob fie bic (FHoefe einer 

oerförpert fi^ in ihm unb mit jeber stacht Äatbebrale oerfd^lucft hätte. — 2Bcr „Pierre 

bringt es tiefer in fein Sdp lein ^Mut. ('r et Jean“ lieft, wirb noch manche (Fntbcefung 

ift fremb feinem ^Bruber, bcr grau, bie biefen mad^cn! 

nach ihm einem 5lnberen geboren unb boeb 


S$- 


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93 


--- 53 

Pic ßei '^oiiinßcn. 

(5. ^nni 1288.) 

®ic glur, bic iüngft be§ äöintcrö Sann bejraungcn, 

3 ft läc^etnb au§ bem 0 ^tummcr aufgcroad^t. j 

S)a§ iaud^^t unb jubilirt in allen 
®uftqncUenb finb bic Änoöpen aufgefprungen, 

Unb immer reicher luirb bcs grü^lingö ^rad^t. 

O halb, fo öffnet i^ren Äe(cb bic SHofe, 

5)ie fü§cr Jraum non Scn^cstuft umpng; 

®ic ^ülle ftreift, entminbenb fi(^ bem v 2 c^ogc 

S)er ©c^öpfungönac^t, ber ^olbc @d}metterling. j 

®cn (Seift bc^ Ücbenä ficl^ft bu mächtig malten, i 

@0 meit pc^ bc^nt bie neuoerjüngte glur. | 

Slud^ in ber Seele mad^en auf ©epalten I 

3luö längPgcfd^munbncn grauen, alten, | 

Unb roetjen unö ber Sater l^ciPgc Spur. 

35Baö cinft i^r ^irn in eblem Sd}roung burd^freipe, 

Unb roa§ i^r jQerj gefc^meUt 511 fül^ncm ®rang. 

Spricht pammcn 5 Üngig nun ju unferm @ciftc 
Unb meefet neuen, üoden ^arfenflang. 

3 Bo jefet ac^! morfc^e Srümmer nur ju fc^auen, 

2 )urc^ bic ber 3 ^P^ 9 ^ feuf^enb roel^t, 

©rl^ob pd^ cinft ber ©bclpcin ber ®auen, 

®cr SRitter trufe, bic 9 Bicge fc^öner grauen, | 

föin Sc^lop in ^e^rer 3)taicPät.*) 

3um Slet^cr Preben fc^immernb auf bic 3'*^”^*^^ 

2 )ic J^ürme ragen, eine SRiefenmad^t, 

®cr ®ä(^tcr bläp, bic San^c bli^t: ben Sinnen 
©in Sd^aufpiel, mic bic alte ÜRärd^enprodbt. 

S)ag lid^te Silb unifd^attcn SBoUenfd^maben: 

S)cr Sc^lad^truf tönt, e§ bebt ber grauen ^crj. 

®ic SRitter pnb 311 blut’gem ^ampf getaben, 

3 u Preiten gilt e§ an bcö SR^einö ©ePaben, 

Unb milber Älang erbröl^nt oon Sta^l unb ©r^. 

§a, racld^er @rimm, mel^ jorngemaltig iRingcn! 

2 )cr Söme tobt oon Serg unb oon Srabant; 

@§ reeft bie gänge, fd^lägt bie Parfen Sc^mingen 
I)cr Kölner galf, ber 5(ar oon ©clberlonb. 

O gelb oon ffiorringen! ®ap er jermalmc 
®e§ SRittcrtl^ume^ Stütze, raft ber 3Rorb. 

®ic Jpclben mä^t er l^in mic f^mac^e §almc. 

353em mirb julcfet bc§ Siegel ^el^re ^almc? 

Sd^on Pnft bic Sonne blut’gen Sc^eincö bort. 

SRod^ immer SRopgemiel^cr, Sd^mcrterfrad^cn, 

§in fd^manft unb l^er ber ungemiffc ^rei§; 

®cr gelben ©lut, e§ ftrömt ju ^uvpurlac^en, 

SRod^ faufen jpiebe mud^tigfd^mer unb l^eig. 


*) ^a« 6<ftIo6 S^euenberg — (»urg an ber ÄBubber). 




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94 


$ord^! roctd^ ein ©d^lad^truf geÜt oom ©tronteSranbe 
ließen fiepten roic ©rommetcnlaut? 

„Hei, Berge roemrik!“ brö^nt c3 l^cr uom ©tranbe, 
©iel^, ©treiter finb’ä oom Sergertanbe, 

®a§ brüben auf ben ^öl^cn lieblid^ blaut. 

;,SRu]^mreid^c ®ergc!" geßt c§ in ben gtaufen 
®cr geinbe, bie ein iä|er ©d^rcef erfaßt. 

©n letzter, grimmer Äampf, — bann plö^Hd^ manfen 
®ic Slcil^en unb entflic^n in roilber §aft. 

®a§ mar ein £ag bc§ SRu^meS unb ber ©l^re! 

Sa^ mar ein wnb ein 2öonnebrau§, 

9ll§ nun ber Serger @raf*) mit feinem §cere, 

9}on (Sid^enlaub nmranft bie blanfe SBe^re, 

^en ©iegeSeinjug l^ielt nad^ fül^nem ©traug. 

3m ga^nenfd^mudfe prangte feine gefte 
Unb blidfte floljer no(^ oom gclfcnl^ang, 

Unb in ben §aßen gcd;ten maefre ©ä^e 
Uiib brauftc froher D^eigen unb ©cfang. 

©ed^S^unbert S^^te — 9to(^ oiele Sage 

3!)er ©l^rc fa^ baS fd^öne @rafcnfd^lo§: 
furniere, gefte, fürftlid^e @elagc, 

SScr^crrlid^t burd^ ben l^olber ©age, 

®er oon gemeinten ©ängerlippen flog. 

Unb nun ? 2öaä ift — fo fragt ba§ ^erj mit trauern — 
2Ba§ ift geblieben att ber $crr(i^feit? 

9tur trümmer fiel^ft bu, ^albjcrfottne SDZauem, 
Sermüftung, bie, ob ftumm, gum ^immcl fc^reit! 

O SSolf ber Serge! S)eine ^)crjen maßen 
®en l^e^reu traten, bie oorbem gefd^cl^n. 

©oß ganj ber 5ll^nen ©d^log in ©taub ^erfaßen? 

©oß nid^t oerfüngt in neuen t^ürmen, §aßen 
®a§ t)enfma( alter auferftc^n? — 

5luf, lagt unö feurig i>on ben tagen 

t)er fül^ncn gelben, beuen mir entftammt, 

3luf bag ringsum bie ^)cr 5 en l^öl^er fd^lagen 
Unb glü^n, ju l^eifgcm Opfermut)^ entflammt! 


♦) ötaf 8lborf VIL (1256 1295.) SSir^erill Jbcf. 


'^01 bem ^teifien. 


aWeine Älage fd^oß 
tag unb Stadst fo bang: 
O mie traucrooß 
3ft mein £ebcnögang! 


t)od^ i^n tilgt bie 3^^^ 

Unb bem ®lü(f aßein 
Äann Sergänglid^feit 
6ine trauer fein. 

j^ieronymit^ /omt. 


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95 


c^feonore '^loc^asKa. 

(®oaabe.) 

^3Bie fprad^ l^cut bcr Pfarrer fo ^crrlid^, fo roal^r! 
aBic fd^lug mir ba§ bei bcn filängcnl 
(gr roeil^tc jum ^eiligen Äompfc bic ©d^öar, 

S)er Äned^^d^aft fiettcn ju fprcngen. 

®a mieten bic Slugen beS SaterS auf mir, 

®em SWöbd^cn, bem einzigen ^nbe. 

®ic ©cclc roiti folgen bem firiegöpanier — 
flattert gar luftig im aSinbe. 

®ort jiel^n ftc oon bannen, ben Söbel jur ©eit\ 

aBie bli^en mic^ an bie ©emcl^re! 

aBie jaud^jen bic aKänner entgegen bem Streit, 

®em Streit auf bem g^lbe ber 6^re! 

3c^t rufen bic §örner! — SJlici^ treibt cS ^inauä — 
Jtid^t l^altft bu mic^ länger in Äctten, 

3Jn fietten ber Siebe, bu oäterlid^ §au§- 

3[efet gilt’ä, mit bem Sd^merte ju rettenI" — 

• * 

* 

®te ^üUte rilenb in männlii^e Jrot^t; 

!E)onn griff fie nodb friegrif^er ffiel^re 
Unb fial^t fi(j^ oon bannen im ©c^u^e ber 
3u ber Sü^oroer fHirmenbem Jpeere. 

®ort ^ie§ eä nic^t lange; ®on mannen bifl bu? 

©ein ®ol( mar bie Sofung erflungen, 

®ie Sofung jum Streite, bmm jirömt’ e§ ^inju, 

Son l^eitigem (gifer buri^brungen. 

®a8 rüjlige iKäbd^en ertrug roie ein SWann 
3!)ie SKü^en beS mBrbrifd^en firiegeS; 

Sie brang ju ben ©i^anjen ber geinbe l^inan 
3m roilben ©erooge beä ©iegeä. 

©a ^ielt einfl ber lob feinen ßmtetag 
3n ber Sü^oroer ftürmenbem ^eere; 
er na^te ber ÜRaib unb bem ©d^nitter erlag 
3m ©lad^feß) bie golbenfie äe^re. 

©ie lag auf bem Unger unb riefelnb ergo§ 
ein OueH jidb in purpurnen 5!Bogen; 
es mar in bie ®rufl il^r baä grimme ©efc^o^, 

®ie Äugel be§ granjen geflogen. 

^ed flong eä ju ^dupten ber Jperrli^en: ©ieg! 

SUlan moDt’ il^r oerbinben bie SGßunbe; 

®o fpra^, olä ber 3u6et im Äreife nun fc^mieg, 

®ie ^aib mit erblei^enbem 3Jlunbe: 


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96 


IS-SS 

„8cbt i^r ©cnoffcn in ©türmen ber ©c^lad^t! 
gür Äönig unb §cimat ju bluten, 

Söar glü^cnbe Suft mir im ^erjen entfacht — — 

3;m lobe oerlöf^ben bie ©lut^en. 

Gin 3)täbd)cu beflagt i^r — ba§ treue Oefid^t 
®e5 ^atcrö roirb Äummer entfärben — 

O bringt meinen Örug il)m! — bereun tann ic^ nic^t — 

3)tein Voo§ ift ein felige§ Sterben". 

Stuborf $oette. 


'gtifeolÄUs eSenau. 

3Kit ®lut l^aft beine Sieber bu gefc^rieben, 

Unb beine Seele mar in D^ac^t getaud)t; 

®ie Söe^mut^, bie ein @ott bir eingel^auc^t, 

;^^ft bir ju allen Stunben treu geblieben. 

®ie Suft am Sebtnerj l^at bicb S^m 3Ba^n getrieben 
Unb beine befte 3Jtanneöfraft ocrbrauc^t, 

S)u ^aft bein Seben felbft „oergeigt, oerrauc^t" 

3n leerem 9tingen, ^offnung^lofcm Sieben. 

3u tief ^aft bu beö ®afeinö Sc^merj empfunben, 

Unb feine Suft felbft marb jum Scibe bir; 
aDu fonnteft niemals ganj befriebigt merben; 

^rum blieb bein Sebmerj „ein Gremit auf Grben". 

®ic roat;re ^eimat Ijatteft bu nic^t l;ier, 

®u l^aft fie erft in beinern Gkab gefunben. 

__ jibofpß J^Ättbesmatttt. 


'gK m a f f i. 

®on bcS ÄapujinertlofterS G3arten, 

5ln ber Soggia ^4$feiler angelel)nt, 

33lirft' id^ ju ber Serge ftoljen Sßarten, 

5luf baö 3Jteer, baS fCbimmcrnb fic^ gebe^nt; 

Slieff id) auf bieS Slütl^enreidb, geborgen 
3n ber gelfenriefen el^’rner Söae^t, 

3Bo mir ftra^lenber no(^ jeber SRorgen, 

.^olber {eher 5lbenb mir gelacht; 

S>o bie Stunben buftumfloffen rannen, 
ffieltenferne Ginfamfeit mein Il^cil, 

93Bo id^ nimmer fragte mel^r, oon loanncn 
SEBürbe meiner rounben Seele ^eil. 

Unb id^ badete: Gine Slofter^clle, 
iäglid^ frifc^en SBein im baucb’gcn Ärug, 

iij-^-si 


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97 


JR -fil 

läglid^ bicfeä 6bcnä Sonncitl^cIIc, — 

2öärc ba§ jum ScBen nic^t genug? 

Sd^aufetn im Äa^n ouf 3Keerc3flut^cn, 

3!)ic beä ^6cnb§ ©olbnc^ überfpinnt; 

©nfom ft^njcifen bei beö iogeS ©lutl^en 
®urd^ getreppter ©affen Sabprint^; 

S3or bem aWarmorbom fid^ nicberfauern 
9Iuf ben Stufen, roo im Stemenfe^ein 
®ie Verliebten auf einanber lauem 
Unb nic^t gut e5 bün!t, allein ju fein; 

Säglic^ einen frifc^en ©traug ju pflüefen, 

S)en bic blü^nbe 9öilbni§ bir befd^eert, 

SBär’ö ein ®afein nid^t, bid^ ju beglücfen, 
atiebt ein lieben, baö be§ Sebent mert^? 
aSeö^alb immer roillfl bu roeiterjie^en 
Unb bu roeifet nid^t, maö ber lag bir bringt, 

S)icfe griebenöenge, roarum fließen, 

®ic mit bic^ umringt? — 

a^cin, i^r locft umfonft, ©irenenftimmen, 
aJieine Seele trägt nac^ Äampf Vege^r, 

^'ü^n burcl} blaue 9Bogen will id^ fc^roimmen, 

J^aten, Saaten miff’ icb nimmermehr. 

@lücf nicht fann ber träge gdeben geben, 
aßie auch licht bein £oo§ unb lieblich fiel, 
atur pch felber muthig auäjuleben, 

3ft sulcht beö Dafeinä unb 34^1* 

©ei bebanft barum für golbne Stunben, 

®ic bu lächelnb roarffl in meinen ©dhoo§; 
aiber fchlägt ba§ Seben taufenb SBunben, 

Virgt'ä hoch @lücf auch 

9luf barum auä biefem ©lansgeflimmer, 

®a§ nicht 2raum mich einfpinnt, linb unb roeich! 

9lber bein nergeffen merb' i4 nimmer, 
aWein aimalfi, felig Vlüthcnrcichl 

_ jlonrab f efmann. 


'gKn gwei 'Riegen. 

^uttt 10. SSai 1886. 

^elenchen, Siebling, nun bifl bu ba! 
a^un lebt mir ein liebliche^ Söchterdhen ja! 

$cut nur noch Siebe begehrenb, 

^och halb auch Siebe gemährenb. 

®a gefd^ieht mir im §erjcn, mie nie mir gefdhah. 

aBa§ fonft noch auf ©rben au fiiebe c§ giebt, 

5)a8 h®'^ 3llle§ gefühlt unb geliebt; 

®och h^“^^ erften aWale 
©rquieft mich mit marmem Strahle 
®ie Vaterliebe, bie nimmer jerfliebt. 

ISS-» 


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pr 


^)clcn(j^cn, StcSHitg, cl^e bu famfi, 
©efangen bag $erj beiner Eltern nal^mft, 
@te fe|nten fld^, ial^relang, nimmer 
SKad^ ^nberaugengcfc^tmmer, 

2Bcil cinonber fic liebten wunberfamfl. 

®ie roä^nten, ein ®ritted in i^rem ®unb 
©d^lüg’ alter Siebe bie erfte 2Bunb\ 
ßaum aber marft bu gefommen, 

3llS, hoppelt in Siebe entglommen, 

Sie inniger nur fid^ liebten jur ©tunb\ 


Jliti 30. SRftt} 1888. 

©rnft iji bein SRame. ^)eitcr fann bein Seben 
Slhir, wenn bu'ä ernji nimmft, merben, lieber (Smft. 

3)ag bu nid^t aQ^uernft e§ fennen lemft, 

^a^ möge bir ein gütig ©d^icffal geben. 

SRur wenn bu, fefl unb treu in eblem Streben, 

®om 2Beg ber SBa^r^eit nimmer bid^ entfemft, 
fiannft über biefeS Sehend fermeren 6mft 
®u bid^ mit 9ö)lerfittid^en erl^eben. 

6rnji ift bie 3^*1/ tocld^er bu geboren, 

Unb ^eitre 3^1^*^/ fürdbt' id^, werben nid^t 
®em l^eut geborenen ©efd^led^t befd^ieben. 

®a giebt ben g^ieben, ben bie 3Belt nerlorcn, 

5lur bad ®erougtfein treu erfüllter 
Unb $eiterfeit mo^nt nur im ©eelenfrieben. 

_ jitrf 39oer»«tiiu 


^efpia(Q mit einem "Seiten. 

6d lag ein lobtcr in bem lebten ^aufe. 

ging oorüber, ^ört' ed unb trat ein. 

©rlofc^cn mar bad 0euer in ber Älaufe, 

Unb burd^ bad genfter fal^ ber grojt herein. 

®a war'd, ald ^ötte mir ein @ott geboten, 

S)a6 id^ mi(b unterrebe mit bem lobten. 

®u liegft ouf hartem Soger ^ingeftredft, 
aWit einem bünnen Safen gugebetft. 

®ur(b'd 6id ber genjter folt bie Sonne brid^t. 
Spri(b, friert bi(b nid^t? 

„Vorbei mein fflinter! SRi(bt mel^r friert mid^ jebt. 
9lld mid^ bad ©lüdf entfliel^enb audgefebt, 

®a fror mid^ in bed Sommerd wärmfiem Sid^t. 
3ebt friert mi(b nid^t.^ 




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99 


®u mugt l^inrocg nun au§ bcm ölten §ou§. 

®a8 Sebcn ftö§t boS Jobtc non fld^ au8. 

SGBirb ©rbe bann unb loftcnb ©tcingcroic^t 
brütfen nid^t? 

„@6 brü(fte mid^ ju lob ber SKcnft^en SRcib, 
golfd^l^eit unb jcbc fd^nöbc ©d^Icd^tigfcit. 

9tun fönnen 6rb' unb toftcnb ©tcingcroid^t 
ÜKid^ brüdfcn nid^t." 

Unb biefeä nod^ erloufd^t* id^: Bin frei. 

SKit meinem 9lt^men ift mein Seib oorBei. 

®er ©d^log, ber ^)er 5 en Brid^t, ouc^ Äetten Brid^t. 

SDte^r fog’ id^ nid^t." 

®a riß id^ auf bic 

^)erein fal^ ©cBimmer unb Unenblid^Fcit. 

®ün öcBe mar bic Seele freubig lid^t. 

3Ba§ gcl^' id^ nic^t? 

üboff SSrieger. 


'gttccresfiicben 


$ier Pb' iä) an ber Älippe SRanb 
Unb f^au' ^inouS ouf'S SDlcer. 

Äcin SeBenSton auf glutl^ unb ©tranb! 
SWid^tS regt pc^ um mi(b ^cr. 

§ier rocBt bie piUe (5infam!eit 
3|l^r 3Q“6ernebr ba§ fac^t 
®a§ ^erj umfängt unb traumgefeit 
S)ie SBelt oergeffen mad^t. 

3u meinen gü§en leife moDt 
I)er ©d^aum im SGBcDcnfpiel. 

S)ie 3Boge fommt unb aßfoBalb 
@ilt pe nach anbrem 3^^^/ 

SRingS be^nt, fomeit mein 9luge bringt, 
®ie glut^ pd^ Blau unb Har; 

3lu§ il^ren Siefen röufc^t unb Hingt 
Unb pngt e§ rounberBar. 


SBol^l Fenn’ id^ il^n, ben eignen Ion, 
Der feltfam mid^ Bemegt: 

Oft in be§ SOBalbeä ©tille fd^on 
$at er mein §erj erregt. 

Salb ip’ä ein ^pmnuä feierlich, 

3[n bem bie ©eligFeit 

Dc§ meltoerBorgnen griebenS pc^ 

@in Braufenb @d^o leil^t. 

Salb Hingt’ö roie tiefer ©el^nfud^t Drang, 
Der nad^ (Srlöfung fragt 
Unb an ber Icijtcn ©c^ranFe Bang 
DB feiner Ol^nmad^t Hagt. 

9Rir febauert al^nungSooll burd^’ä Jperj 
(Sin ^aueb au§ anbrer SBelt; 

SKein ®eip erl^eBt pd^ ätl^ermärtä 
3um reinen Sid^tgejelt. 


8iing§ PredPt ber ^immel pd^ bem iUteer, 

Da§ SKeer bem Jpimmel ju. 
üRir iP’§, ate oB l^ier no^e mär’ 

Das Steid^ ber em’gcn Siul^’. 

fmfl von $<fäit9erg. 


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100 


'äSeim '^anbein. 


3m Solföton. 


©in filBcrn ^crjlein, 

9Son ©olbc ein'n SRing 
®ic SicBflc mir gaB, 

jum Scheiben ging, 

Unb innen ba t()at fic 
Silb mir l^incin; 

00 cinfam ber 3Rorgcn, 
®in bod^ nic^t allein. 

9lrm gröfd^Iein, jcrmalmet 
3m ®(cifc (iegP bu! 

3(i^ manbre meine ©trage 
Unb manbre immer ^u. 

Sd^on t^eilt jtc^ ber S^eBcl, 
©rglänjet bie 3Belt, 

3m Sonnenfe^ein gli^crt 
®a3 Sle^renfelb. 

®ie fummeln fummen, 

®ic Jerc^en fingen, 

®ie ®irfen fc^roanfenb 
S)ie 3mcige fd^roingen, 

®ie Rappeln, bie fd^ütteln 
®ie ®lätter im 9Binb, 

Sie raunen unb tifpcln 
®on meinem fernen Äinb. 

Söill nel^men baä §crjlein 
®om feibenen ®anb, 

®ill’ö legen in’ä SRinglein 
3n meiner Jpanb; 

@0 fd^rcit’ icB unb fd^au' 
3llö ein mir’§ an: 

00 ^alt’ ic^ in Irenen 
D^n’ ©nbe bid^ umfal^n. 

®leiB pijen nur, §äölein! 
§eut jag’ ic^ bid) nidBt! 

3(^) monbre, icB fcBreite, 

®ie ©onne fti^t. 


3n ®orfe§ üRitten 
®er grieb^of fid^ l^eBt; 

303ie roirb’ö gar fül^l fid^ ru^en, 
3Benn man mid^ einfi Begrabt! 

3mei mcige Stofen fc^miegen 
Um’ö ©raBfreuj bie Sleft’, 
jDrauf ftel^t mein Stam’ gefc^rieBen, 
®iö ber Stegen ign löfd^t. 

^inter'm Äirc^lein bie 0d^enfc 
^eigt: 3^ Üinben, 

la roirb jum Stul^'n ein ^lä^lein 
SBo^I aud^ nocB pnben. 

©i laufenb, grau SBirtl^in! 

©ucr löc^terlcin ba§? 

©i, füttt mir gefd^minbe 
9tod^ einmal ba§ @lo§! 

3S5o§ madfelt ber $fa§l ba, 

Der ift roo^l Betrunfen! 

manbre, id^ fd^reite 
3n ©innen oerfunfen. 

SBir mar'n ja fo alleine, 

Unb pe mar fo meit! 

3cB miß il^r küc^ fogen, 

Unb ad^ —I menn pe oerjei^t! 

Unb om ©nb’ meiner Steife 
©tel^t mein clterlidB ^)au§, 

Da fc^out mein lieb SJtüttcrlein 
3um genPer nac^ mir ou§; 

Unb brinnen pljt mein ®ater, 

3Bic’n ^önig auf fein’m I^ron, 
Unb miß’ö nic^t oerrat^cn. 

Dag er mart’t auf fein’n ©ol^n. 

S^un miß idb nid^t pnnen, 

OB id^ glücflid^ fann merben: 

3(^ ^oB ja bie Siebe 
Unb ’ne §cimat auf ©rben! 

3li<(atb pe^ntef. 


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101 


R- 

I Pcn'^tt^ncin. 


^bfeitS gcl^ ic^? 9^cin, nur träunicnb, 
9tbcr bocb im 3Iug’ ein 3W/ 

5^ic^t bei eurem Treiben fäumenb, 
SRuft i^r mi^ aud^ no^ fo uiel. 


9tbfcit§ nennt il^r, rooö fid^ f^eibet 
9^on bem Steigen, ben i^r fc^lingt? 
9Ba§ ben tauten Äampfptafe mcibet, 
Söo um ®tücf unb ®ut il^r ringt? 


Sagt mir meinet JraumeS $fabc, 

Stimmer folg' i^ eurer Spur: 

35Ba§ mic^ locft, fd^enft nur bie ©nabe, 

Unb cä fällt Dom §immcl nur. 

_ ^Upf^an giUroiv« 



Georg Ebers tbcilt unä mit, baö er foeben 
bic lebte ^anb an einen neuen Dtoman: „^)ic 
(^reb", Stoman auö bem alten Stürnberg, 
legt; ber Siebter febilbert un§ in biefem SBerfe 
baö alte, an Äunit unb Gbren reiche Stürn= 
berg jur 3cit feineö böd^fleu (Klanges, unb 
roäbrenb ber l'efer ber inneren ©ntmicfelung 
ber @reb 0^opperin unb ben 0d)icfialen 
ihrer 9lngehörigen folgt, baut ftch oor feinen 
9lugen bie berühmte Sreichöftabt auf; er roirb 
öum Sengen be§ ?ebenä unb Üreibenä feiner 
iJ3ürger, er mohnt bem Gmpfange bei, roelAen 
biefe bem Äaifer, ben Ä^urfürften, fvüriten 
unb Cl'rafen auf bem Steich§tage bereiten, er 
ruht aber auch in ber laufchigen 0tille beS 
i'orenjenroalbcä au§ oon bem (Getümmel unb 
emfigen Treiben beä gefchäftigen SJtittelpunftS 
cincä roeit oerjmeigten .Hpanbelg unb nimmt 

in be§ SteichSforftmeifterä A>au§ ^h^ü on ber 

i'uft unb bem ©cljmerj feiner speroohner unb 
®äfte. 2^a8 ®uch roirb (Snbe Stooember gut 
9lu§gabe gelangen freutf^e 3?crlag§:5lnftalt, 
Stuttgart). —. Adolf Friedrich Graf von 
Schack fchreibt unä, bag er eine „©efefiiehte 
ber Stormannen in Sicilien" in ,;;roci ^än: 
ben unb „^l^anbora“, 33ermifchte Schriften, 
bemnächft h«röu§geben roirb. — ,ferner theilt 
un§ Heinrich Bulthanpt mit, baf^ non feiner 
„T)ramaturgie ber Glofftfer" in ben nächften 
2Sochen bie britte 5luflage erfcheinen roirb. 

-«- 

Stephan Milow hat foeben feinen erfteu 
^oman ooUenbet; ouch eine neue (ikbicht= 
fnmmlung beffelben harrt ber 9?eröffentlid;ung. 

-:|s- 

5)ie Gotta’fdhc öerlagSbuchhanblung in 
Stuttgart oerfenbet bemnächft: „SebenSräth* 
fei-, fünf StooeUcu oon W. H. Riehl, „^e^ 


fario", ^rgählung in 93erfen oon Otto Ro- 
guette, unb „Ä'onrabin, ber legte »f'^ohenftaufe-, 
^ranerfpiel in fünf mieten oon Martin Greif. 

- « - 

9ll§ roeitcre galß^ Paul Lindan’fchen 
Stomane über SScrlin erfcheint in ^urjem: 
„Spigen-, jroei 93änbe. (SB. Spemonn, 
Stuttgart.) 

-. :|c- 

,,Suam cuigiio“ ift ein neuer Dloman oon 
Ernst Wiehert betitelt; berfelbe erfdheint bei 
Garl Steigner in IJcipjig SJtittc Stooember. 

- 9|C - 


P. K. Rosegger lögt foeben einen neuen 
.9?oman: „Safob ber ^egte", eine iltalbbaucrn= 



- 


S3on Gerhard von Amyntors befannten 
„^ppochonbrifchen 'l^laubereicn- erfchien für 3 = 
lieh eine „5teue Aolge" bei (5. ^)3ierfon in 
^reäben. 

- :|e . 

Karl Emil Franzos ocröffentlicht bei 5lb. 
53onj & Go. in Stuttgart eine neue Gr^ähP 
ung: „rie Sd^atten"; im fclben 91erlag er= 
feheint eine 55iographie be§ im oorigen Sah^e 
oerftorbenen Friedrich Theodor Vischer au§ 
ber geber Julius Ernst von Güntherts. 

- ♦ — — 

„Unter ben ?inben", SSilber auö bem S3er: 
liner Seben, lautet ber ‘litel eine§ neuen 

SerfeS oon Julius Rodenberg, roelcheS Gnbe 

October bei GJebr. ’^^aetel in Serlin erfdheint. 

- 4s - 




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102 


Gustav zu Putlitz ueroffcntliAt „SBicr 
ucüen* (D’ticorbo. — ^ie oftcifterin. — 
$)ie 'I)ame mit bcn ^irf( 53 a^ncn. — 
gröIenl^auS) bei @ebr. ^aetel in ©eclin. 

- m - 

93on Rudolf Baumbach crfd^cint in beii 
nöc^ften lagen eine neue 5)i(^tung: „^aifer 
unb feine Säger". ((5J. %. l'iebcäFinb, 
geipjig.) 


!I^ie »O'cbi^te unb ©ebanfen" uon Os¬ 
car II., Äönig uon 0d()n)eben unb iRorroegcn, 
erfd^einen in einer beutfd)en Ueberfebung uon 
(5mil Sonaä in Äurjem bei 0 . gi(<icr, ^er^ 
lag in ^Berlin. 

- * - 


„Sroifd^en jmei $er«n", 0ci^aufpiel in uicr 
mieten uon Richard Voss, begegnete bei feis 
ner ^rjtauffü^rung im Öeffingt^eater in 33cr= 
lin einer fe^r freunblid^ien 3lüfno^me. 

- m - 

3m fönigl. S^cfibenst^eater ju üRün^en 
mürbe am 13. Cctober A. Fitgers fünfactigeS 
3:raiierfpiel „^)ie SRofen uon Xpburn" jüm 
erflen 2RaIe aiifgefü^rt. ben elften 5lcteu 
mürbe uiclfad^ ermuntember iBeifoH laut, ber 
aber fpäter, infolge ber Fraffeu 0ccnen ber 
lepten Siete, einet geroiffeu 3wrücfl^altuug 
^t?lap mad()te. 

- • -- 

Oscar Bluuienthal arbeitet an einem neuen 
ßuftfpiel: „^Jer 3öiingaft". 

- * - 



?on «llfraaielnar Galtang. Jede Binaendung, ttber deren er. Verwendung Ane- 
knnft gewanecht wird, muu deutlich und mit nicht su bleaeer Tinte geechrieben sein. Ferner ist Jeder 
Beitrag auf ein Blatt Papier besonders su schreiben und darf eine Einsendung deren höchstens ffluf 
enthalten. Briefliche Kritik ertheilen wir nur unseren Abonnenten und swar sind fOr das Antwort¬ 
schreiben und Bttckaendung der Manuscripte jcdismal 50 Pf. in Briefmarken (resp. .SO Kr., CO Cts. etc.) 
nebst adressirtem Coiirert beisnfOgen. Boi Kinsendungen, welche au dieser Stelle Erledigung Anden 
sollen, bewahre man sich dagegen Abschrift, da wir in diesem Falle Gedichte Überhaupt nicht, grossere 
Arbeiten aber nur dann surücksenden, wenn der volle Betrag aur Bestreitung des ROckporto’s boi¬ 
liegt. Bei erstmaliger Einsendung ist Angabe der Bezugsquelle des „D. D.“ erforderlich. Briefe, welche 
mit Strafporto belastet bei uns aulangeu, werden ausnahmslos zurQckgewiesen. Anonyme, sowie alle 
diesen Bestimmungen nicht Genüge leistenden Briefe verfallen dem Papierkorbe. Es werden nur 
Origj nalbeitr&ge acceptirt. 


R. W. G. in B — n. S3on 3^^«^^ früheren 
(Jnufenbuug, mclc^e ja längfl brieflich crlebigt 
mürbe, l^aben mir „Taö ^emitter" jum 31 d 5 
bruefe beftimmt; uon n^ueflen mirb 

„Öertrub" crfc^cincn. 

W. L. in R—t. SSir Fönnen 3^^^^ 
um D'Fücffcnbung 3§^«f ©ebiebte nicht nacb^ 
eben, meil mir bieS grimbfät^licb nur bei 
rieflicb ju beurtbeilenbeu ©infenbungeu tbun. 
SBergleicben 0ie unfere iBeftimmungen! 

P. V. in A—n. 5luf 3'^’^^ ittnfrage bejügs 
lieh unfereS SBeibnacbtSanjeigerS uerroeifen mir 
0 ie auf untenftebeube 3Rittbciluugen. 

M. K. in N—r „2Ba8 ber iamin fang" (M. 
logt ficb grunbföbli^ nic^t pbotograppiren); 
F. E. in B —n „2lm fßeibna^täabenb"; 
Dr. B. P. z. T. in W—r „3luf pnftrer iBabn"; 
A. V. in P—n b. D. „GriFagriig"; E. M, in 
C — 8 mie balb" ; H. C. K. in B — au 
„Äue 3Raria"; E. G. in K—e „^e^ter C5ru6"; 
R. H. in R—dt „0ebnfucbt" (mit unroefents 
lieben Slenberungen); E. A. inL—d „0turms 
mptbug". Angenommen! 

M. G. in H.-B—ck (mäblen 0ie ficb eins 


fatbere IBcrSmaße); Dr. H. M. G. in D—n; 
R V. M. in W—n (ohne oHeS ®er 8 müft); 
A. H. in B—n (gröpere ^noppbeit im Slu 8 = 
bruef ermünfebO: C. G. in W—r (ohne rechte 
Äraft unb güOe); C. Sch. in W —1 (ju «s 
legenbeitlicber Statur); A. H. in G —n; R. 
D. in B—n; F. F. in C—d (nid^t Flar ges 
nng); J. K. in D — au (0onett fällt leioer 
im 5lbgcfang ab); P. A. in^ —d (enthält 
noch einige formelle 3Rängel); E. K. in R—dt 
unb Prof. F. H. in W — n (0ie oermögen 
®effered 311 leiften); H. Z. in S —n (ftreoen 
0ic nach Fünftlerifiber ültapbnltung im 3lu§s 
bruef); w. E. in H—g (gan 3 bübfcb empfuns 
ben, aber noch a 03 u f^mucFloS); A. R in 
R—d (fehlerhafte weime); E. K. in B — th 
u gebebnt); A. H. in W—n ( 3 U oerbrauebt); 
. S. in W—n; S. E. in M—n (ohne 0^uls 
nng): 0. W. in P—g (läpt 5Dur*arbeitnng 
oermiffen); 0. S. in M—m unb F. 0. S. in 
I —dt (ui meiiig eigenartig); H. v. G. in 
W—e; R. P. in A—n; A. S. in B—n unb 
H. I. in R—g (ollgu fdblicbt); E. L. in Z—a 
(gu breit). Bankend abgelehnt! 

M. M. in B—y. „3n ber grembe" leiber 


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103 


ni^t perroenbbar; SBortrefflid^eS wirb unS 
bogcjen jeberjeit roinfommen fein; wir roügs 
tcn übrigens ni(bt, einem gragefiellcr bie Sin- 
gäbe S^rer 3lbre(fe nerroeigert gu ^oben. 

E. H. in Z—a unb A. H. in B—g. 3bw 
©ebic^te geigen Talent; boc^ ©io 

ficben gu fe^r im ©onn ber S^euromantif. 
Waffen ©ie SBeitercS folgen; bod^ oermeiben 
©ie ben 2urlcifpuf! 

Dr. H. S. in M—g. ^aben mir 

ni^t erl^alten; ^iBoganten s J^eimfe^r* unter 
©treic^ng ber fünften ©tropl^e occeptirt. 

P. W. in H—f ©reite IReflejion in 
©ebiebten gerftort beren ©timmung. ©ibrnen 
©ie bem Dteim me^r ©orgfolt! 3öir oer« 
fprec^en unS non ©rauchbares! 

8. F. in P — g- 3inerbingS ijt Julian 
©dhmibt’S (»OJefchichte ber beutfehen 9tational= 

(6ebIuS ber Rebaction bkfer 


literatur im 19. S^h^^unbert* ein in feiner 
5lrt bebeutfameS ffierf, obroohl in ben erften 
oier Sluflagen gahlrciche ^rrt^ümer unb 
^lüdhtigfeiten mit untergelaufen finb. Ju« 
lian ©chmibt bat unter Slnberm @eibel oen 
^©acffif(|lprifer* angehängt. 9llS ihn bei einem 
gelegentlichen ^^fönimentreffen (5arl ©oebefe 
oeSmegen gur %ebe fteOte unb fragte, ob er 
benn Ö^cibclS i^ebichte überhaupt gelefen habe, 
entgegnete er mit großer Jg^armlofigfeit: „9^ein, 
burAauS nicht!" 2öir haben biefe fleine @e= 
(chiepte burd^ O'oebefe felbft erfahren. 

I. B. in S—g i. E. ©ie haben auf 3§wn 
©rief bereits am 18. Sluguft b. 3- Antwort 
erhalten. 5^oS angenommene O^ebi^t ift be= 
rcitS in 9tr. 4 erfchienen. ©on 3!^wr neuften 
©infenbung ift leiber nichts »enoenbbor. 


stummer: 27. October 1888.) 


gu üßerfe^en! 

^5a mir auch ben bieSjährigen ©3eihnachtSnummern OJtr. 6, 7 unb 8) bcS „Deutfehen 
I)ichterheim", bie am 19. 9tooember, beg. 3. unb 17. ^ecember gur ©erfenbung gelangen, 
einen elegant auSgeftatteten 

„"^^eUxaeuclits - ^uzeigrer** 

beigugeben beabftchtigen, fo machen mir unfere gefchöpten Jefer auf benfelben behufs 3«* 
fertion literarifcher Örgeugniffe aufmerffam unb bemerfen, bafe mir für bie einmal 

gefpaltene 9tonpareiQegeile ober beren S^aum incl. 3tothbru(f ber !Iitel unb ^utornamen, bie je 
auf einer 3«'^^ befonoerS flehen müffen, nur 30 ©f. berechnen, ©ei 3maliger Slufnahme 
berfelben 3lngeige gewähren mir 20o/o ^Kabatt. 

OJefl. 3luftrage erbitten mir uns minbeflenS 8 “läge oor 5luSgabe berjenigen 
iRummer, in welcher baS 3aferat ©lap pnben foü. 3aferate, welche in allen brei 
IRummern Aufnahme finben foden, beliebe man, unS 0U fpättßtna 12. Hovemßer 
etngufenben. 


SnSaflsperiddinti. 

•rbitfitc üon SrUridi firnfr, lOilliflm 3brl, Strron^mit forn, fiobolf 6orttr, ffMbtimaii, Sti- 

rtb CrlmtNi, fitrl Voermtnn, .Abolf Srtrgrr, Crnll loii ^ibbnbrrg, Uiibarb Orbnrl unb dtrpbt* iRUoa. — #19 
be inospalftiit. 9)on ^Ifrrb irirbmon«. — ffitrrotnr nnb ftvifl. Sricff^tltcr. — nUbt }n Ibrrreb»! 

^«ihbrudl nur uttfet getmuer ^tteffenaitgaße ge^nKet. 


©efleHungen ftnb gu ridhten an bie Expedition (Paui Heinze’s Veriag), (Sinfenbungen 
an bie Redaotion des „Dentsohen Dichterheim** in Dresden-Striesen. 3» (Sommtffion: 
TrOb'sche Buchhandinng (91. ©dhmittner) in Zürich unb E. Steiger 9 l Cie. in New-York. 


iiiiiniiüi'rUii.iiiiTi.riiiiiiii! i.i.iiiixiiiiiiiiiri.i.iiiiiri.: 1 iiiiT! i m 

I Stimmen a. i dentseben Diebterwaide. j 

1 Ein MuteualinftDAch f. d. deutsche Haue. ^ 

I HeraiiPgegeben von A. und P. Heinze. j 
I Orig.-Prachtband m. G. Preis 4 Mark. | 

I Pani Perlag in Drebben-Striefen. ^ 


M - ..—.::. . v;- ,; -;;- p 

Ein Reallehrer, bereits schriftstell. : 

: ; thätig, Mitarbeiter mehrerer päd. u. a. ; 
i : Blätter (auch des ,J). Dichterheim“), i; 

: ; sucht, da er eines Gehörleidens wegen ; ; 

; : sein Amt aufgeben muss, feste Stellung ; i 
; im litt. Fache. Off. u. H. R. an die Exp. 
ds. Bl. erbeten. 


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m 











Terlag yon Otto Hendel in Halle a. d. S. 

ln der „Bibliothek der Gesammtliteratur“ erachicn in zweiter Auflage das von der 
Augsburger Schillcrstiftung preisgekrönte : 


Paul Saehr. 

50 ^r0ttii5nt 75 ^fg. 

^ra<9f0ati5 mH 1,50 

„Kölnische Zeitung^: „Neues Buch der Lieder.... Hervorragende Dichter uud 
Kritiker, obenan Felix Dahn und Klaus Gruth, haben ihre Schönheit, diu Wahrhaftig¬ 
keit, die Kinfachheit, die Sinnigkeit und Zartheit des Gefühls, die meist tadellose Form un¬ 
umwunden anerkannt und den jungen Dichter zu neuem frischen Schaffen augeregt. Wir 
stimmen diesem Grtheil gern zu und sprechen von Herzen den Wunsch aus, dMs der Ver¬ 
fasser vollauf und in weiten Kreisen den warmen Beifall und die lebhafte Anerkennung 
flndeu möge, die sein ideales Streben, sein unermüdlicher Eifer, sein grosses Talent mit 
Recht verdienen.“ — P. K. Bosegger im „Heimgarten“: „.... Ein echter Poet, der das 
ewige Lied von MenschenglUck und Menschenleid in tiefer Empfindung und edler Form 
wiederaingt.... Diese schlichten, warmen Lieder routhen bis in's Herz hinein an, es ist der 
traute, innige, deutsche Klang....“ — „t'eber I^and niid Heer“: „Durch echt lyrischen 
Ton, Frische und Duft zeichnen sich die Gedichte Paul Baehr’s aus. . .. Unter den Gedichten, 
die sich durch ihre Saugmiisbiukeit vortrefflich gut zu Kompositionen eignen, hat uns be¬ 
sonders ,Schwedische Sage‘ und ,Nur einen SonneustruhP gefallen....“ — Geheimruth Dr. 
Feodor T. Wehl in der „Reform“: „Im eigentlichen Liede, in echt lyrischem Gesänge, 
zeigt er sich nicht blos sinnig uud voll Anmutli uud Reiz, sondern meist sogar von einer 
Reinheit und Tiefe des Ausdrucks, einer gesunden Fülle der Empfindung und einem Zauber 

der Rhythmen, denen nicht zu widerstehen ist-“ — Aehnlich glanzende Besprechungen 

brachten noch: „DeuUehes Litteraturblatt“, „Blätter für litterarische Unterhaltung“, „Gegen¬ 
wart“, Litterarischer Merkur“, „Tägliche Rundschau“, „Post“, „Vossische Zeitung“, „Nord¬ 
deutsche Allgemeine Zeitung“, „Berliner Tageblatt“, „Frankfurter Journal“ (Didaskalia), „Vom 
Fels zum Meer“, „Deutsche Romanzeitiiug“, „üuiversum“, „Deutsches Dichterheim“, „Die 
Gartenlaube“ u. s. w. 







£ 

m 




Bllr 11 Ciiffe rht fl.irhro Brft. prete nur 50 Pf. = .^O kr. B. üD. 


BaljIri'idiE (Lc.xt-Hlluliratuinpn. Hälirltdj <8 bcrouticre 
lluiiftbcilnßcn. 13üqü^lirf]c ]^oljfrfjuiUc, XiilitbrudiB, farbige 
^ 3lqiiarBlI-Bill)Er in feinücr Jjluafüljruiig. —V“— 

3Prn‘cInbc Hontfinc, Bottriim, l^umorroknt, intcrriraiitc Hufrifir K. ic. 

' ^djultcr on^diultfr, 

Das :fnrnbics bcs Wcnffl5,^“S2rrt?ÄV Jugcnbcrbfdinft, 

hebefte aur Rnncbt frei inO ^auo. flbouitemcnto bei afleit ViKbbdnblutigen u. tlaftanffalten. 


Brobebefte aur Rniifbt frei inO ^auo. 


^ef^eUungettHü^rt a’ud 

ü. Saalittatttt'ss Soplim$afs-®ac|]^aablaag 

(iiuboff ^Äcinje) 

Brcifeftrabc 20 . 'Bresben. Brdfeffrabe 20 . 


(£H^9>icb actcur unb (Sigentl^ümcr: y«»f ßtinit, S^cboctcur: Stuboff $oeffe. 

bon Scrbfaiaitb Zbontab in Treiben. — iaabict bon ber {^reabenerv iaa|ilerfobrU. 


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9)rguii füc i)iditliiin|l und üritifi. (Der „Deiiifdirn Diditerliaifr“ 18. £niid.) 

Herausgeber: 


Monatlloh % mal. Prell. 6 Ji halbj&hrl., rorauisahlb. Mail abonnirt doroh Jede Bnohhaudluog, lowiedi* 
rect bei der IBapeditiuu dei «Deuticheu Diohterheim*' in Dreiden-Strieieu. Abbeitelluugeu werden nur bii 
1. MILn beueheutlioh 1. September angenommen. Kiiiselue Nummern k60 6 StUok einer Nummer .df 1,60. 


l|«'ni>l(' 


Sjtt von Stieben 

^ »ttb 

öffne 

9ie Jittgen mir« 

$ießß bn bie ^ebem 
p 0 t bir im $Uti6? 
ftn fAuafritt mürbe 
7e$ 0epev0 Jlaua. 

$ie9fl btt bas SSAumd^ettl 
9s iß vevborrty 
Paritaer mitd^fett 
9ie $fAtient fort« 


^ier gieat es jtampf nur; 
Pas ptarle ßegt, 

SSis einem ptArierii 
9o nnternegt« 

^ttfef^t aeßaiii^tet 
jlfs ßArißer ßeCb 
Per ^ob pon'^Jiffett 
ilffein bas ^efb. 

Ifergean«!^ fttd^teß 

Ptt ^rieben ßier^ 

?:rttgß btt ißtt, <^ieaße^ 
tief in bir. 

^ttfitts ptnrm. 








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106 


Sr 



Pic Pic^ter 6er '^efietunflsßtiefle. 

2lu§ bcr Einleitung gut „Eefd^ic^fc ber bcutfd^cn Literatur feit @octl^c’§ lobe" 
bearbeitet non S^auf ^rittje unb Jiuboff poetle. 


f it bei* ^orm unb bem geizigen 
\ Eepräge itjr § 0d)Qjfen§ no^ 
nötiig im 'i?annfreiö ber Ela^ 
fifer, treten bie 5 ^'icbter ber 
ftaatlid^en SBicbergeburt mit 
inl^attlid^ 9 ^euem tjeroor unb fd^eiben fic^ burc^ 
bie fc^arfe 53 etonung naterlänbifd^en (Meifteä 
unb natcrlänbijc^er O^efinnung non ben 
tern ber ftaffifc^en ^^lüt^c^eit. 55ei bem 
fcf)n)eren T)rucfe, rnelc^er feit ber ^^ieber^ 
rnerfung 'Preu6en§ auf gan3 'Teutfe^ranb 
laftete, bei ber gemaltfamcn Unterbrüefung 
geiftigen ?ebenä burd^ bie ivrcmbfjerrfd^aft, 
fonnte ein D^ücffdjlag beutfd^eu Eeifteä gegen 
bie eifernc JöiOfür oeä Eroberers nid)t auS= 
bleiben; rcic fic^ fpäter ber Ä>rn beS 3>olfeS 
um bie f^a^ne ber grci^cit fd^aarte, fo rief 
bie Entrüftung um ben ilkrluft bcr geiftigen 
0cIbftbeftimmung ein ^cer non Dampfern 
auf bie 2®ablftatt, bie mit unrettbaren 
5 Q 3 affcn ben neuen S^P^ratorS 

iu ftürgen unb ein neues 9 ?cict auf toterer 
ftttlid^er (^runblage ju errichten trad^teten. 
©0 nerfcticben biefe .perolbe beS 53 efreiung 3 ' 
fampfcS in ben 3 ?orftcnungcn roaren, bie pc 
fict non ber ^^eugcftaltung bcS iBaterlanbcS 
gcbilbet totten, fo nate führte fie bie ge« 
mcinfamc Empfmbung brotciibcr Ecfatr ;ur 
^ibtnetr 3ufammen, fo baft bie ^:ijne ber 
friegerifeten A>arfen fict S« motllautenbem 
Eieictnaug nereinigteu. Pie natertäubifete 
^^iettung ift nietjt ein Äiub ber Fünftlerifcten 
Entroiefiung eines ' 4 [>olfcS, foubern burct bie 
EH-öbc bcS ÜlugenblicfS unmittelbar gezeitigt, 
bater auct itre tiefgetenbe Sirfuug, bie fict 
bei einem lebenSfräftigeii in ‘^toten 

umfc|5t. Es mugte nieberfebmetternb er: 
feteinen, ba6 5 ^eutfctlanb feinen äupem 
jeinben gerabc ^u bcr ^eit luetrloS 311 Jvüpen 
lag, als nicht nur burct ben ^^liiffctmung 
ber fetönen fünfte eine güHe geiftiger ©ctälje 
anSgegoffen unb ^^ilbuug unb Eelctmacf 3U 
einer toteren 3 tufe geförbert inarcn, fonbern 
glcict3eitig burd) ben jlönigSbergcr Scltroeifen 
bie $tiIofopbie einen fittlictenben Einfluß 
auf baS Eulturlcbcn erlangt hotte, bcr an 
bie 3 .^cbeutnng biefer 3 Siffenfctaft im griccti^ 
feten 3 lttcrttum erinnert, freilich inaren bi? 
Errungcnfdjaften bcr geiftigen Uminä^ung 
in Xeutfctlanb nicht racrttloS für bie ^eran: 
bilbung eincS 3ielbcTDu6tcn 5 )eufeuS im 3 [<olFe 
gcroefeu; fo nacttoltig/ loie bie Sirfungen 
bcr J^antifeten ’^^flicttenlehre fict ^obep er: 
meifen follten, fo langfam nermoetten bie: 
felbcn fict 3or Eeltung 311 bringen. ES bc: 
burfte eines ^ItcrmittlerS, melcter ber ftarren 
'^flicttenletre Äant’S padenben 5 luSbrucf gab: 
in feinen „Dieben an bie beutfetc 9 Zation" 
übertrug Sotann ©ottlieb gictte(l ]62 
bis 1814 ) bie unmittelbaren gorberungen 
feiner oon Itant ausgegangenen ^ti^ofoptie 


auf bie 3 ritpcrtältniffe. 5 )cr ^t*^ofopt bcS 
fittlicten 3ct beftimmt unter bem “Druef bcr 
2 agc bie ^ilufgabe bcS 0 taatSbürgcrS batin, 
burct geiftige 93 ertiefuug ^-aft 3um ©iber: 
ftanbe oon innen heraus 311 finben unb 
burd) Erfenntnip bcS inneren ©ertteS feincS 
33 oltSttumS bie Ucbcrroöltigung burct 
frembc, minber felbftftanbige Eultur oon jlct 
ab3un)ctren. ©ctulter an 0ctultcr mit bem 
5 ^erlincr (belehrten ftanb als ©cefer bcS @e= 
meinfinneS, als 9 iufer im 0 trcit gegen ben 
5 :nranncn Ern ft 3 Jtori|? Slrnbt, W ben 
erften 3 ?anb feincS „EeifteS bcr bereits 
im Satre ber 0d)lacttcn oon Jena unb 'ilucr: 
ftäbt erfd)eincn licp. Sluct oon bcr Äan3el 
crFlang baS ü)^atnn)ort ber ernften . 3 ^it; ^rr. 
"iprebiger 0 ctleicrmacter in ^Berlin ent: 
flammte bie .^er3en feiner ^örer gu feuriger 
3?egeifterung, bie 2icbe 3U E^ott unb ®atcr: 
lanb fctmol3 in Einen ertebenben EJebanfen 
3ufammen. Eleid^en 0ctritt mit ber ^eran: 
bilbung bcS SßolFcS 3U männlicher $)enfart 
hielt bic ÜluSbilbung beS Körpers am fÄecf, 
5 ?arrcn nnb 0prungbrett. ^^cm 3 :umnatcr 
Subroig 3 atn föut baS 93 erbienft ju, t«r 
bic 95 ornrtteile einer oerfnöcherten 3cit be: 
feitigt nnb bem 0trcben nach geiftiger 53er5 
oollfommnung ein gleiches nac^ Entioicflung 
bcr förpcrlictcn 5träfte nnb gähigFciten an 
bie 0citc gefegt 311 haben. Jatn tat auch 
in feinem 1810 erfetienenen Q3u(te „*J:cut: 
feteS ^^olfSthum" 3u rociteren Greifen ber 
3citgenoffen gefprocten unb ift für ben EJeift 
bcr ©ahrtaftigfeit, bcr oon feinen turnerifeten 
^ikftvcbuugcn auSging, in naetbruefSooflem 
unb eigenartigem lone cingctrctcn. 

ÜZaetbem bieferart unter ben argroötnifeten 
Gingen beS napoleonifcten 0 patcrttum§ eine 
auSerlefcnc 0 ^aar bcutfctgcfinntcr Banner 
eine 0ctilbcrtebung oorbereitet hatte, loberte 
beim enblicten 'iluSbructe beS ÄampfcS bie 
langoerhaltcne Eluth e^tcr 5 ?atcrlanbSlicbc 
im 33 olFc unroiberftetlict t^roor. 0änger 
ftanben auf, loelctc bem, loaS aOc Serien 
benjcgte, 3Ünbcnbcn 3 luSbrucf liehen unb bie 
heilige ?otc beS OpfermutheS nncrmüblict 
nährten. Die Äampfpoefie bcr 53 cfceiung 8 s 
friege roirb am beften gefenngeietnet burct 
baS Drcigcflirn Körner, 3 lrnbt, 0 ctcnFcnborf; 
in bem erfteren oerförpert pet gleictfam baS 
jugenblichc Apelbenthum jener ‘läge; roie ber 
rittcrlicte 0piclmann bcr .^^clbenfage greift er 
fclbft 3um 0chiocrtc, boct au^ fein jieb, 
baS bie ^>er3en bcr jlampfgefätrtcn hötrr 
fctlagcn läßt, rairb 3ur fetneioigen ©affe; in 
5 lrnbt tritt unS baS '^ilb ber reifen ^änn: 
lictfeit entgegen; bcr 3 Siclcrfahrenc hat frembe 
£anbc gefehen unb frembe 0itten erfannt, 
um erft recht ben ©erth feines gebeugten 
33 aterlanbcS 311 fetäfeen unb pet oemfclben 
in hoppelt inniger riebe 3U3un)enbcn; patt 


Ö- 


-18 


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107 


jugcnblic^en JJeuerS fprid^t auS feinen Siebern Senn man ermägt, in mic jugenblid^em 
ber (^eift fraftnoOer ©mjdjiloffeu^eit; 0c^cnfen- Silier ber !Dici^ter au 8 bem Seben f^ieb, fo 
borf enblicb richtet ben trunfenen 33licf in bie ift bei (einen jal)lrei(^en übrigen Schöpfungen 


nebelnerhüllte ^ufunft, er ift ber Sänger ücr^ 
fuufencr Äaiferhcrrlichfeit; boef) roaö ipm oor: 
f^roebt, fteht nicht auf bem S3obcn beö Sirf: 
ii^en; eä ift ber C^otteBftaat, baä taujenb= 
jährige JÄeich, loaö er oon ber 33eriüngiing 
be 8 alten jtaiferthumö erhofft. 

Xhcobor Äörner (1791—181H) mar, 
ob(jfeid^ ober oieUeicht auch meil er in ber 
iölüthe ber 3 ugenb ben Xob auf bem gelbe 
ber (5hrc fanb, ein (^iinftling beä Schicffalg. 
3 ii glucflichen SSerhältniffen aufgemachfen, 
mit aller Sorgfalt erlogen, burfte er feine 
3 ugenb ootl auöleben unb fidh unter reichen 
geiftigen (Jinmirfungen, bie ihm ba 8 oäter: 
liehe .S'auö bot, roeiterentroicfeln. ,^nabe 
hatte Schiller al 8 lieben greunb feinem S>ater 8 1 
fennen gelernt unb ftch hcranmachfenb mehr 
unb mehr in ben (^eift (einer Serie oertieft; 
fo ban cä nicht Suuber nehmen, ba« ber 
3üngling, alö er an (ich felbft baä Sehen 
be 8 X^ichtergeijlcä fpürtc, fich eng an fein 
grofecä 93orbilb anfdömiegte. Triefe innige Slu= 
lehnung hätte ocrhäugnitmoll für ihn merben 
fönnen, roenn ihn nidht bie (^rÖBc ber 
311 einer höheren Slufgabc empor gehoben 
hätte. 3 »' P^ht X)ichter beä 

Äampfeä oöllig fetbftftänbig ba; bie klänge, 
roclche ben Saiten feiner J^arfc entquellen, 
rmb roohl benen ber Schiller’fchen ^Rufe inner= 
lieh oermanbt, allein fte ünb hoch alä roirf^ 
lieh erlebt unb empfunben beä X^ichtcrä uns 
beftreitbareä ^igenthum; in ihnen fliugt eine 
neue Saite ber oeutfehen Sprif an; ber iampfs 
luftige Sinn ber Slltoorbcrn erroad^t ^u neuem 
Seben; in bie oornehme jRuhc ber thüringifchen 
IRufenftabt tönt hc^onSforbernb unb feef baä 
(c^kfdhmetter ber Süboro’fchen v^örncr, baä 
friegerifche Schmertgeflirr ber ehernen 
So erhebt ftch X)i(hter biä ;u althellcnis 
(eher Xobeäfreubigfeit, bie in oem Sonett, 
baä er, bei ^ipen oerrounbet, in ficherer (^rs 
roartung feineä lobcä nieberfchricb, ergreifen^ 
ben Sluäbritcf fanb: 

X)ie Sunbe brennt, bie bleichen Sippen 
beben. — 

3 ch führä an meineä .S>er 3 enä matterm 
Schlage, 

^ier fteh ich Q» 'Dürfen meiner Xagc — 
@olt, roie bu millft! X)ir hob id) mich ergeben. 

2?icl golbne S3ilbcr feh’ ich '*01 mich fehmeben; 
X^aä fd)öneX:raumbilb mirbjur Xobtcuflage. — 
SD'iuth! 3Ruth! — Saä ich f® im Jperjen 
trage, 

X^aä mup ja hoch bort croig mit mir leben! — 

Unb maä ich h^^r Jpeiligthum erfannte, 
Sofür ich rafÄ unb jugenblich entbrannte, 

Cb ich’ä nun Freiheit, ob ich’ä Siebe nannte: 

Sllä lichten Seraph feh ich’ä oor mir ftepen; — 
Unb roie bie Sinne langfam mir oergehen, 
Jrägt mich ein §auch su morgenrotheu ^öpen. 


immerhin bie auperorbentliche ©eroanbtheit I 
in ber !:Pehanblung ber Spraye 3 U berouus 
bern, roclche befonberä auch feine löaHabcn 
auäjeid^net. 3 o feinen X)ramcn tritt bagegen 
an Stelle beä feurigen Schrouugeä SthiUerä, 
feineä S^orbilbeä, in ber Siegel ein hohler 
Sortfchroall, unb nur feiten empfinbet man 
ben ^cr^f^tag loarmen Sebenä in feinen 
ernften iöühnengeftaltcn. X)cr Tichter roirb 
burch eine heroorftechenbe "iReigung jum Sluper? 
orbentlichen, ja jum Uebcrfchroange gefenns 
leichnet. grauen in feinen Dramen fiub 
Durch i^rÖfee ihrer (^efinnung nahezu 
übermcnfchliche Seien, ohne bap eä bem 
Dichter gelingt, unä ben regten Ölauben an 
fie bei^ubringen. 3 » nimmt ber 

Did)ter einen bcachtenärocrthen Slnlauf jum 
Drama großen Stilä; er finbet h*cr einen 
geeigneten S3orrourf für (ein bichterifchcä C^ms 
pfinben, aber feine ^roft reicht nicht auä, um 
bie Xheilnahme burch alle fünf Slctc gefpannt 
ju erhalten. Durch „.pcbroig", „Xoni" unb 
„fR’ojamunbe" geht baä gleiche 33cftrcbcn, S5e= 
beutenbeä unb ©igenartigeä ju bieten; ber 
Dichter bleibt aber in ben ©rennen beä Slben* 
teuerlicheii befangen; er gelangt nicht 3 U 
fünftlerifcher 33croältigung feineä Stoffcä. 
©efäHig unb mit geringen IRittclu gefchieft 
aufgebaut finb Äörnerä Suftfpiele, bei roeldhen 
ihm jtopebuc alä S^iufter gebient hctl; non 
ihnen üben „Der S>7ad)troächter", „Der S?cttcr 
auä S3cemcn" unb einige anberc no^ 
ihre Sirfiing auf anfpruchälofc ^unftfreunbe 
auä. 

(5rnft ^orip Slrnbt (17G9— 1860) 
rourbc erft in oerhältnipmäpig gereiftcrem 
Sllter oon ber jugenblichen S3egei)tcrung einer 
gropen ergriffen; um fo morfiger unb 
geroaltiger erbrouften bie J^länge feiner chers 
nen ^arfe; feine Sieber roaren boiu erfchen, 
baä Selbflberouptfcin unb baä (Gefühl ber 
eignen itraft im ^olfe ju ftöhlen; mit bem 
9iachbrucf feiner Sorte, bem biblifchen 
Schrouug feiner Sprache, mit ber fernigni 
Deutfehheit feineä Scfeiiä crfchien Slrnbt alä 
ein 'Urophet beä 3cilctltcrä, berufen, fein 93olf 
auä Schlaffheit unb Chn*Tiod)t ;ur greiheit 
gu führen. Sein berühmteä Sieb „Saä ift 
beä Deutfd)cn X^aterlanb?“ foUte in einer uns 
glücffeligeii baä gcmcinfame 33onb ber 
Sprache unb Sitte betonen, baä (Jinjige, 
roaä bem Deutfd^en alä ©rbtheil feiner 33äter 
geblieben; roenn Slubolf oon (^ottfehaU' in 
biefem ^'cbid^tc ctroaä oon einer foämopolis 
tifchen Seltanf^auung roittert, fo ift baä 
nicht recht ocrflänblich, ba ber Dichter ja gc: 
rabc jebem Deutfehen, roo immer er auch 
roeilcu möge, bie Sahrung feineä 33olfäthumä 
an’ä ^erg legt. Bitten beutfehen ^inheitäs 
ftaat fonnte 'Ärnbt hoch bamalä nicht gut bes 
fingen! (^ä roürbe geroip feinem innigere 
greube bereitet haben, Durch gefcpichtliche llm= 
aeftaltungen baä Sieb oeraltcn gu fehen, alä 
feinem eigenen 23crfaffer. 


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93ci üon 0ci^cnfenborf (1783 

bis 1817) geigen fid^ bie ba^nbred^enben 
banfen jenes (iJcjc^Iec^tS in il^rer IiebenS= 
roürbigftcn, aber aud^ unbeftimmteflen ^eflalt. 
2In jciner ooteriänbifd^en Cprif roirb ber 
ÜJiangct beflimmt abgegrengter 93orftcUungen 
um fo me^r fühlbar, als er über bic 
unmittelbaren Antriebe feiner ^cit gu ergeben 
trad^tet. ^I'iefe trauml^aftc IRi^tunj ocram 
fd^aulic^t fic^ unter anberm in feinem be= 
fannteften OJcbic^te: „JJrei^eit, bie id^ meine". 
®ie ©Otter, benen unjer 4)ic^tfr feine Opfer 


barbietet, finb nidjit auf biefer ©rbe ^eimif^. 
0»ie 3ufunft, bie er oor Äugen fdjiaut, ift 
oom 3öwber mittclalterlid^er Vergangenheit 
umrooben; er fieht bie ritterlichen ©eftalten 
ber £arolingergeit oerjüngt auS bem ©(hlacfis 
tenbampf ber greiheitSfrie^e hen)ortauchcn; fo 
neigt er Hch fliichtuiig feines ©c= 

fehmaefs f(hon ben fltomantifcrn gu, roahrenb 
er fich oon ihren ©infeitigfeiten, non ber 
Verroorrenheit ihrer pttlichen Vegriffe gangs 
lieh frei gu halten roei^. 

(©chlu6 folgt.) 


Per iDifte 

3Bo ber 5öalb oon ftcilcn ^öhen 
D^icber in bic Sh^^^ 

3So ocrflccft in hoh^n Kräutern 
irnuernb eine Cuelle fchlcidht, 

2Bo ber 9lft ber fchlanfcn iannc 
Schüt^enb über’S 3}^ooS fi^ ftreeft 
Unb bie h^h^n JBalbeSblumen 
i^eidht mit ©chatten überbceft, 

©teht oerlaffcn unb oergeffen, 

9tur umfpielt oom 9lbenb^auch, 
3toifchen bichten Srommbecr^eefen 
©tiH ein toilber SRofenftraueb. — 
ilBie ein $crg, ein tief gequältes, 
§ei6 burdhglü^t oon trübem Üeib, 
glichet oor ber pRcnfdhen ©chaaren 
3n bic tiefe ©infamfeit, 


'^o[en|irou(b. 

Ungefehen, unoerfpottet, 

©eine ©chmergen auSgufchrcin, 

Unb bic fargen ©rbenftunben 
©einen 5^ roeihn, 

5llfo ftcht ber ©trauch im SBalbc, 
9Bic umhüllt oon büftrem glor — 
glehenb ftreben feine 3n>eigc 
9Rüb gum .^immelSgclt empor. — 
Sßenn bic abcnblichen ©chatten 
lieber ^h^^ ^)öhen giehn, 
ich, ®ön ©cifternädhten 
Sßilb gejogt, gum Jßalb entfliehn. 
Unb beim armen Sftofcnflraudhe 
©inf ich fchnterglidh roeinenb hin, 
9Bci( ich, 'ni^ oerlaffcn, 
©infam unb oergeffen bin! 


'^oetenfoos. 

3Bcm beS ©angeS ®olb im Sufefi ruht, 

Uebel ift gortuna bem gefinnt, 

S)enn bie @öttin mei§, ihr glei^cnb ®ut, 
®egen feneS ift cS matt unb blinb. 

Unb fo loanbelt ber $oet benn arm, 

Von ber ©orgen pnftrer ©chaar bebroht, 
®urch ber 5IRenfchcn oielgefchoft'gcn ©^roarm, 
®urch fein Üicb getröftet in ber Dtoth» 


i jtffreb streit. 




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109 


R-j8 


(9la(l^bru(f t)CT6oten.) 

IDad i)0llttam$Uelr. 

$<(^9 au5 ttttferett fage«. ^ 

Sott Jttfitts $ro((e. | 

(gortfcfeung.) j 

^(Sineö SagcS fpra(^ mein greifet ®ater: 
lieber ift gefommen nun bie ^erbfl^cit, 

®Q bie $änbler jiel^n nac^ ©an g^anciöco, | 

®iberfeüe, $onig, ®üffel^äute I 

®egen ®tei unb ^uloer eingutaufc^en. 
fiüftet bid^, nom 9Beltenlauf ju ^ören, 
dürftet bid^ nac^ ^enfd^enangeftd^tern, 

SDBo^I, fo reite mit nact^ ©an granciöco; 
gern am ftitlen 9Keer am 2BeItenenbe 
©oüen mahnen aud^ nod^ beutfe^e garmer, 

®ie feit menig angefiebelt, 

©ütl ein armeä ®ol( fein, auägeflo^en; 

Sag erjagten bir non i^ren Seiben, 

Safe curiren bort bid^ non bem ^eimme^. — 

„©0 gefet^a^’S. — 3Bir ritten nac^ granciSco 
®urd^ bie fd^marjen §i(I$ ber getögebirge, 

I)urd^ ©tromengen unb ouf ®üffelpfaben. 

SRafdji beenbet mar ber 3Jlarft unb $anbet, 

®od^ mid^ mibert’ fä^lingö jenes Treiben: 

3lbenteurer, Trapper unb ß^inefen, 

©pieter, fRombieS, S^gcr, ®üffetfd^löger, 

®ie beim SBiSfp 5iad(|tgelage hielten, 

I)ie mit üärm bie ^unbert ©^enfen füDten. 

SKenfd^en^ag befiel mid^, 3Renfd^enefel, 

SBirflic^ reif fc^on mar ic^ für bie 3BUbnig, 

Unb fo trieb’S mid{|, fd^leunig l^eirnjureiten; 

3)od^ ber ©d^neefhirm tobte im ©ebirgSlanb, 

Unb gejmungen fa^n mir unS ^um Ummeg. 

2ln bem 5Weer ^in — bort am ®eltenenbe, 
iffio ber lag erlifd^t im ©rbfalenber, 

SBo bie ©eeful^ fcl>läft auf gelfenflippen, 

^ort im SBalblanb ftanb baS le^te ®locf^auS. 

®ort im tiefen ©anbe fd^lid^ ber ©aumpfab 
Unter Linien, Sehern unb Sppreffen, 

®od^ non ferne feboü ein feltfom Älingen, 

Unb erleudbtet feplid^ mar baS ®locf^auS — 

2US mir nä^er ju ben ^foften ritten, 

3Beld^ ein ©d^aufpiel: ®eutfd^e ÄinberfHmmen 
©angen ^eimlic^ Sieber in ber ®}albnad^t, 

Unb ber SRaum mar §ctl non ^unbert Äerjen, 

Äerjen flimmernb ^ell in Sannenjmeigen, 

3n)eigen eines ®aumS, ber auf bem lifc^ ftanb. 

18-a 


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110 


R->S 

ffiunbcrbar, mie eigen roarb ju 3]^utl^ mir: 

4) eHigcr Äinb^eit Silber ouferroac^ten, 

®ü^e@ ^(ngebenfen beutfd^er 2öei§naci^t; 

2öa^rUc^, ^eilige Söeil^na^töjeit mar ^eutc, 

®oc^ nuc^ fonft ein ^^'uber fd)ien 511 malten; 
ffiunberbar befannt inid^ 9llle§ bäuchte: 

Stimmen, 9lugen, 3J?ienen unb ©eftalten, 

©leicb al(3 roollt' ein ^^eimattraum mi(i^ äffen. 

9lllo mü^t' eö fein im einigen Seben, 

ifi^enn cö gab’ ein SBiebcrfel)n auf Sternen. 

Sagt roer feib — nef id), al§ id^ eintrat 
®enii ©ud) 9lße fannf ic^ fd)on auf @rben. 

®a auffebrieen 9llle nor bem grembling, 

Unb im ^eu bie ^inber fic^ oerfroeben. 

Söunberbar bod) (öfte pdb baö ^Rät^fel: 

5) eutfcbe garmer roaren'ö unb auö granfen, 1 

9luö bem trauten gleden |eneö Stromt^al^. 1 

9lenncben^ ältfte oielgeliebtc Sd)mefter 

I 3Bar gefolgt bem äi^erber über'ö äBeltmeer 

Schon nor fanben Segen. 

^ofenfno^pen miegte längft bie §auofrau, 

I Jieblid)e ©efichter ouf bem Schoofee. — 

©olbne ©rnten reiften reich bem Jarmer, 

3ahlreich mehrten ficb bie braunen beerben, 

Unb ber ©üter güHe roud;§ alltäglich. 

93icle^ nun erfuhr ich §eimat, 

2ßo feit langen oerfchoöen. 

9lennchen§ Sater, einft ber reiche 9tabob, 
gabnfant unb !^ebemann unb Schöpfer 
lltancher meitoerjmeigten Unternehmung — 

Sängft jerfchmettert fah er feine äöerfe, 

Sdjminben feine Schäle fäh im 93anfbruch; 

Stimmer h^^lf öie glucht bem ©ottgcfchlagnen, 

D^od) bie 5^ucht 00m lieben h^lf uor Schanbe; 
i Jängft begraben mar er in ber grembe. 

I ®och mein 9lennd)en, feine ^iebling^tochter, 

Sebte noch »erborgen fern im ffiolbborf; 

5?eim ©rofemütterchen in ftiöer ü}tühlc I 

1 Unterfommen hotte ße gefunben. 1 

I Tort nod) heute foU bie 9(erinfte leben | 

Unoermählt ein forgenooöe^ Tafcin, 

Unb bie Schmefter jeigte mir ihr öilbnife, I 

Ta§ am ©alfen hiu9 »ut grünem ^Rooötronj. I 

I 9Iu 6 ben 9(ugen fah mid) an bie ^uQenb, ‘ 

' ©rfter ^UQenbliebe füfe ©eheimnife, I 

Tod) unfagbar, roehmuthooll befümmert I 

Sahn mich an bie tiefen 3Jtäbchenaugen. — 

Tamalö mar e^, bafe mir Thronen Famen, 

Ihvönen jähen ^eimmeh^, tiefer Trauer, 

Unermefener ^eue heifee Thränen; 

Unb ich manchen Tag im ©locFhauS, 




42 


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111 


s-58 

Unb bic ßinbcr faßen auf bcm ©c^ooß mir; 

Uncrmübtid^ ließ xd) mir erjä^leit, 

Unb jebtueber ^licf au§ ^inberaugen 
Iraf mid^ flrafcnb mic geheime Ü}ia^nung, 

Si§ auf einmal mein ©ntfAluß gefaßt mar, 

2)a erft mar bie ^ein non mir genommen. 

3113 idb bann jurücfritt burd^ bie 2Bälber, 

Sangen mir bie Stürme S^flenbliebcr, 
grül^lingSliebcr flangen in ben Sßipfcln, 

^cimatlieber raufd)ten au3 ben Strömen, 

3ufunft3lieber au3 ben golbnen Söolfen; 

3113 icb fam nac^ SBod^en nac^ 9tebra3fa, 

Äam mit mir ber Senj im ooüen prangen." 1 


fiepte 3Ka^nungcn. 

3m ^arlour man^c Stunbe oerfloß, al3 ßrmin fprac^, 

I)ic jlnfenbe 3l6enbfonne fd^ien glü^enb iu'3 ©crnac^; 

5)ie ^örer febmeigenb laufc^ten, ba3 ^)erj bemunbrung3Doll; 
äRand^ rü^menb äBort im Greife ber tarnen überfcbmönglic^ fd^oQ. 

3lnmut§ige brachten in Sd^alen 6^ina3 I§cc; 

SRie fe^lfS an Wienerinnen au^ fold^er Obpffec. 

Statt Äräutlcin SRolg fcbü^tc oor böfer 2üfte ^)auc^ 

®n anbre3 Äraut, unb blaulid^ flieg buftenb ber ^ooanna^ SRaud^. — 

,,So fam id^ benn nad^ SBoc^en, fd^on mar ber gru^ling na^, 

3urücf jum greifen Sater, jum Stamm ber Wafot^a. 

©etreulid^ marb berid^tet aU ma3 mein §erj gepreßt, 

3Ba3 id{| erlebt am SBeltcnb beim munbcrfamflen S}ei^noc^t3feft. 

„3Bol^l l^ätt’ icl|’3 benfen fönnen — fprad^ Soter abgemanbt, 

Waß tief in beine Seele bort fiel ein geuerbranb. 

$Run, mic (Sott mill, gefd^e^’ c3 — unb millft bu mirflid^ gel^n, 

3d^ barf bid^ ^ier nid^t galten, nod^ eigenpnnig miberfte^n. — 

„Wod^ miffe, menn bu einftmal3 oerfolgt, cnttöufd^t, empört, 

3Rit ®ott unb ffielt jerfallen fampfmübe, gramjerftört. 

Wann bleibt im femften SBeften im grünen SBalbofpl 
©afWic^c 3'^Pw^l offen, mic mir ol3 lc^tc3 2cbch35iel. — 

„SRoc^ 3lnbrc3 fprad^ er meitcr: So'3 beine 3ufwnft fügt, 

Waß bu ein 3^^ errungen, ba3 beinern 2Bcrt^ genügt. 

Wann fueb audb beiner ÜRutter erloucbte ßltem auf, 

3cb benf’, c3 mag noch grünen ber ©rafenftamm im 3«l^^lowf. 

,,Wodb fueb nicht ju erneuen begrabene SReu' unb Sebulb, 

SRüfl bidb mit eblem Stolje, oor Siflem mit ©ebulb. 

IBefränje, fo bu finbefl, £enoren3 tbeure ©ruft. 

3(b on fie alltäglidb, bi3 midb ber $err oon bannen ruft. 

iS.- ^ 


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112 


«-o 

„Dann roiff' aud^: alle ©d^ä^e, bic meilcnrocit nerfc^Iammt 
^icr ml^n im ©anb bcr ©tröme, ncrflud^t unb gottncrbammt, 

SBenn fic bir btcncn fönncn ju großer ©cgenStl^ot, 

Dann magft bu @rntcn ^etmfen, crma^fcii auä bcgrabner ©aat. 

„Dann miß ic^ fetbcr öffnen ^anboraS golbneö §om 
Unb bie Dämonen roeefen, gebannt an feieren ©om; 

Dod^ bic§ bleib' ein ©cl^eimniß — unb Icifcr marb fein Saut, 

©cfiegelt fei mit ©d^roeigen oiet, loaö er fonft mir anoertraut. 

„Unb fc^ließlicb fprad^ ber ©reife roieber ein anbermal: 

3n Gnglanb magft bu lanben, bu ßaft bie freie 3S3a^l, 

Dort (eben mir alte greunbe au8 ftürmifd^er großer 
9tod^ l^eut als ßcimatlofe glüd^tlinge unb in Draurigfeit. 

„®inft flammten mir in Hoffnung auf Deutf^lanbS ßtu^m unb SRac^t, 

SBie mic^, fc^lug fie ©erbannung, baS 6lcnb unb bic ^d(|t. 

9tun grüß' bie Seibgenoffen an ©nglanbö grei^citä^erb, 

9Kagft i^nen Slßeö febilbern, loaS ©(bieffalögunft mir ^icr befd^eert. 

„Sic mögen 9lßc fommen — idb rufe fic 9lQc ^er, 

©in forgenlofeä 9lltcr blü^t ihnen übcr'm SWeer. 

• ©in neueö Deutfchlanb grünben mir h^r im loilbcn 2Balb, 

Da§ alte ift oerloren, oerlottert tängft unb grcifenalt. 

„O Dcutfdblanb, ©chnfud^t, o Deutfcblanb, §crjen8gram, 

3Bcun bir noch «nntal flammte ein ßKorgen monnefam, 

5Benn bu nodh einmal höbeft auf bein oerhärmtcö §aupt, 

3ur lichten ^öhe ftiegeft, gegürtet eichenfranjumlaubt! 

„SBcnn roieber bu erftanben in olter STOaieftät, 

O, aß 3h^ §immel§fchaaren — roer weiß eö, ma^ ich thät'. 

Doch baö ßnb Dtebelbilbcr, ßWärdhentraum, 

©in S^arrenmahn ber ©reife, begreiflich fpäten ©nfetn faum. 

„Binar ©incr lebt in Dcutfchlanb, ein fühner 9lblergcifl, 

©in $clb in SRanneSjahren, furchtlos unb redfeubreift. 

3ln ©öttingen oor Briten mir unS in'S 2lugc fohn, 

Bhni mar bie ©röße DeutfchlanbS bamalS fein leerer IraumeSroahn. 

„9luf feinem 9Kunbc toohnen bcr Donner unb bcr ©lib, 

©efürdhtet mar fein Schläger, bod; mehr fein SRuttermih^; 

Bmar in ber ©chaar ber Bnnfcr oerfprüht' er feine Äraft, 

Unb läppifch mo^f ihm bünfen baS ©urfchenf^aft. 

„Das rief unS bamalS feinblich mohl oft auf bie ßßenfur, 
i ^)ier biefc ©rimennarbc ift feiner Älinge ©pur. — 

I Äommt je fein ©tern jum ©teigen — ^)cil feinem eignen SReidh! 

i B^h ^nff', er roirb erioachfen gum mähren ^)echt im Karpfenteich! 

! „©S heißt eS flingt fein 9kmc bereits im Parlament, 

i Doch er aud) mirb'S erfahren, fommt er jum SRegiment: 

9iur mit ©emalt erreichbar mit ©ifen ift'S unb ©lut. 

Daß er bic mciten Stamme je brächte unter einen J^it. — 

ö-a 


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113 


„fcbroo^I — loir fc^cibcn nimmer. fog’ auf ©icberfe^ 

§ter ober im ©ommerlanbc nac^ allen Scbengrocl^n —" 

Unb brauf nod; mand^c 3Kci(en mitritten bic 2)afot]^a§ 

Stuf i^ren Steppenroffeu burd^ ffiatbgrün unb ^rärieengraS. 

„@o fu^r xd) ü6cr'§ Weltmeer, mie anbcr§ bod^ bicSmol 
©cfc^mcCft bic freie ©celc entgegen bem 3Korgcnftra^l, 

®er 3ugenb ©turmeSroogen tagen in tiefer 

3Bie neugeboren atl^menb, fo fd^ioamm ic^ fernen Äüften ju. 

fäm id^ auä eineä troftlofer ©d^attenroelt 

^IS fönnt’ nichts mel^r mißlingen bem 9Kut^ auf fic^ gefleßt, 

2ll§ feien bic SBanbcrja^rc ber ©ommerjeit ooHbra^t, 

9113 tricb’3 nun unaufßaltfam ju neuer £eben3gipfcl ^radfet. 

„Unb fclbft menn 9lIIc3 Srugbilb unb lanb unb ©^aum unb ©c^ein, 

©te^t mir bic SRüeffe^r offen allzeit jum gricbenS^ain, 

3ur jrociten SSlumenl^cimat in grünenben Prärien, 

3Bo alle ©türme fingen ureioige ^rei^citsmclobien. 

— ®ött roirb mir l^elfcn. SItein ^)crj roorb flarf genug, 
i)aß neu bic glügel load^fen ju febem fü^nften glug. 

©0 grüß ic^ frol^ bc3 alten ©uropa ^cimatlanb, 

9Kein grüne3 Dcutfc^lanb morgen, boc^ ^eut juoor S3ritannicn3 ©tranb!" — 


SRcue ißlänc. 

@r f^roieg, unb langc3 ©t^meigen lag im Ärci§, 
2ytplabp3 ©tim unb ©ternenaugen glühten 
83en)unbning3ootl. ©in ^erjengfunbiger toeiß, 
SGBoran er ijt, roo folcbe Stammen fprü^ten. 

^I^r 93lic! ^ing an i^m, halb nacbbenflic^ §eiß 
9G3ic an ber ©ternbilb, halb im Srüten 

5)e3 ^od^ nic^t 9lIIe3 

©efagt unb oicl ocrfc^roiegen {eben gotte3. — 

®ann fprad^ fie roa^rl^aft l^erjlid^ — tief gerührt, 
ffiic 3)e3bemonen3 i^rc SBorte Hangen: 

„9lc^mt meine §anb — ©udb l^at ein @ott geführt, 
®oc^ nur ein folc^er, mie il^n ®id^ter fangen, 

©in l^olbcr ©c^u^geift, ber ben gelben fpürt" — 

3ln tiefem ^urpur flammten i^re SBangen, 

„Slel^mt meine $anb — id^ fann nur cinc3 fagen, 
®lcibt l^icr bei un3 in ©uren 3Konnc§tagcn. 

„SBcld^ reid^e§ Seben fönnf ©uc^ bei un3 blü^n, 

^6) fleH' ©u(l^ Sictor ^ugo oor, bem l^cf^ren 
grcil^eit3apoflcl. — D^tur mer ^clbenfü^n 
©ein eignes Seben cinfe^t, lociß ju eieren 
9lucb anbre Äraft. @crn miH i^ mic^ bemü^n 
S3ci ^ofe felbft, roenn mir nad^ ©d^ottlanb feeren. 


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114 


IR-fö 

®ießrid^t gelingt’^, bic fiönigin ju fprcc^cn 
3n ®almoral, fic fennt ja meine ©d^roäd^en. 

,,3[nbe§ 3^^ rooßt? — ncrflc^’ ic^ @ucrn Sinn — 

3i^r roünfi^t junäd^fl in Sonbon ju ncrrocilcn. 

©ortrefflid^, greunb, auc^ ba§ bringt 6uc^ ©eminn, 

@ern geb id^ ®riefc unb ©mpfc^Iungöjctlen. 

beffer roär'ö, id^ folg’ ©ueb felbfl bort^in, 

3Bie botb gemad^t finb btefc furzen 3}tcilen. 
üWein §au§ ift leer om Stegentparf — ic^ bitte, 

@cib bort mein @aft na^ alter ©ritenfittc. 

mad^e @ud^ befannt mit ®a(merfton, 

^ueb Sennpfon unb ©arlple fönnt’ icb nennen, 

§alb feib 3b^ $aralb, fin SRobinfon —" 

Unb abermals bie feud^ten 9lugen brennen, 

„3cbroeben 3Beg, unb mär’ö jum §clicon, 

Seb bobn' ibn (Su(b. ®ic 2öelt, fle ift ein SRennen 
D^tacb ßtubm unb ©lanj. 3Ri§ocbtet bleibt bie ®lö§e, 

3cb aber babn’ ©ueb {eben 2öcg jur ©röge!" — 

« « 

« 

Unb no(b am felben Slbenb fpradb fte flar 

3u ienem fireiS fleifleincner ©eoottern 

®on ^orb§ unb Sabp§ — einer bunten Sdbaar, 

SBeltflug, um SRubm unb ffiürben ju ergattern; 

©ergebt ein fcbnöbeö SBort — bod; offenbar 
©leicbroie ein @cbu§, bo§ auf bie ©nten flattern, 

SBirft jebt ibr iSort auf ©ofen unb auf ©ettern, 

©in $8ort jum Staunen roie jum i)tieberfcbmettcrn: 

„Sagt roa§ 3^^ ^aßt unb bietet mir bie Stirn, 

©iel SRänner fab icb in ber 3ab^c Schäumen, 

®aä ift ein ßRann, mein ©eflirn, 

2Bic idb eö längft erfebnt in meinen Iräumcn. 

3cb roeig, 3b^ nennt längft tböriebt mein ©ebirn, 

3)ocb bieämal miß idb ©lücf oerfäumen. 

3n einem ßRonat fräcbjeri e§ bie 3}töoen, 

J)a6 er ber erfte ift non Sonbonö 8ömen! — 

SBeil bamal^ ©aribalbi midb belog, 

©radb man ben Stab unb rümpfte cble SRafen, 

©in w^ar e§, ber oorüberjog; 

®ocb meine ßtidbterinnen pnb nicht Safen, 

SRodb 9lnbre, bereu Hoffnung ßdb betrog. 

Die oorfebneß pe in meinem §erjen lafen. 
ßtacb Sonbon hoff’ icb jurücf^ufebren, 

6r mirb begleiten mich in aßen ©bren." 

Unb ßRittemadbtö für pcb fpradb erregt: 

„O 4)immel mär eö, bap fein $crj entfebieben 
gür mich, mie meinet järtlidb für ibn feblägt. 

Dann hätte idb ^efunben meinen grieben, 

iK-«i 


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sr 


Unb folgt er mir nad^ ©c^ottlanb nur, bann fragt 
6r feiner anbern §cimat nac3^ l^icniebcn. 

®aö liegt an I)cutfc^lanb unb oergangnen 
SWein SReid^tl^um roirb i^m anbre 5)ö^’n erflreiten. 

roeig, fie fpotten meiner — fpottet nur, 

®iel lieber bin ic^ fo uon ®uc^ bebauert, 

Seneibet auc^ nad^ menfc^li^er Statur, 

9llö ^cudblerifc^ ummorben unb umlauert. 

Stoc^ ffiolfenglücf erfuhr, 

3Barb oon ben engen (Seelen fromm betrauert, 
©ottlob, idb fann mein Jeben frei geftalten 
Unb tro^e @uc^ unb jeglichen ©eroolten!" — 

« * 

♦ 

3)odb 3l^ne fprac^en nod^ im ©artenfaal 
Unb flüfterten „all right — lagt fie geroö^ren, 
SBenn biefer grembling mirfli^ i^re SBol^l. 

Stod^ S)tanc^>e§ roirb mit ber erflären, 

^)ier roaltct ein ©e^eimnip aöjumal. 

6r fpielt fdbeinbar ben Dulber, roirft auf 
3ln äBirflicbfeit ein Stabob mit üJtiflionen, 

©eerbt bei ben ®afot^aö unb 4)uronen. — 

„3a roo^l ein 2)ulber, bo^ ein gortunat, 

®er feinen Sfeic^t^um birgt mit flugem (Sd^roeigen, 
®er fd^einbar aße SWenfd^en fragt um 5Rat^ 

Unb ollen geifern banft, bie pcb i^m neigen, 

®i roa§ — üKplabp roanble il^ren ^fob, 

©ö roirb pd; halb bie ganje SBo^r^eit jeigen. 

Unb pe ip fcblau unb ^at il^n roo^l oerPanben, 
Deö Sfcid^tl^umö SRüdf^alt gilt in aßen Sonben. 


2 0 n b 0 n. 

ßJtenfd^l^eit, göttlich ©efc^le(^t in beinern ffiirfen, 

2Öelc^ ein lempel feiert bie ^romet^iben. 

SRät^fel^aft roo^l ragen nod^ üJtemnonSfäulen, 

^pramiben nodb ^eut. ©igontifdb fünbet 
StinioeS Irümmerpracbt mit gepügelten Söroen, 

Söeld^e Äraft fd^on oor 3o^i^toufenben roirfte; 

Slber nod^ ^eute bampfen mobemc Sabel, 

®ampfen, umfdbleiert oon Äol^lenroolfen, rocitl^in: 

Sonbon, braufenbe^ ßlteer — ©tobtungel^euer, ouf SJteilen 
Unabfe^bar im Qualme oerfcl^roimmt bein brauner ©epc^tSfreiS, 

Unabfe^bar S^^öPe unb Doefö unb bie roimmelnben Srüdfen, 

JBälber oon ragenben SJtaPen ringS, glutl^fpeienbe S)rac^en. 

SBeit oon ^ampfteabä ^axt ju ÄenningtonS fc^immernben ©ärten 
Unb oon jpammerfmit)^ SRoab bis SJtile ©nbS fernen gabrifen, 
äBa^rlid) ein ganjeS Äönigreid^ oon ©tobten bepebelt. 

Unabfe^bar im Stunb fcbroar^qualmenb oerbämmert boS ©l^aoS 

fiS-SB 


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116 


- 58 

Sonbon, ru^müotl bcr 3Rcnf(^cnfrcil^cit auf ßrbcn, 

Scud^tcnbcr ^ort in bcr SRo(^t lang roarfl bu bcn ®ölfcm @uropa§, 
^crrfd^erin brüllcnbcr ®cc, fo rocit ^inbranben Occanc, 

®ranben um ^^almcn im @üb unb um (Siäfoloffe beä D^orbpolä, 

Uebcrall roc^t bcin ficgcnbcS Ärcu^, unb bic ©cbätjc ber @rbc 
laufcnbarmige SKacbt 5lltcnglanb§ rafft fic jufammcn! 

♦ ♦ 

* 

Sonbon, qualmcnbc SBclt in Jtebclroogen, 

^aubämoniiim bii oon 9 ftci(^t§um§ftrömcn, 

Sßeltmad^t t^ürmcnb in roimmclnbcn SBcltenbanbcl, 
lan^cnb um'§ golbcnc ^alb, uon Sauben umflogen, 

Jauben bcr ®cnuö, juglcicb oon hungrigen ©eiern 
®eutefpä^cnbcr Jafebenbiebe — 

^anbämonium bu oon ^immcl unb $ölle, 
grei^eit atl)mcnb bic ^oc^fireb gciftgefncbclt, 

5 rei(}cit at^menb (Sorintl; jugleid^ — im @a§lid^t 
$cbn)ingcn bcn Il^prfuS Dtacbtö Jpetärenlcgioncn. 

Jonbon, fmnoenoirrenbe^, l^crjbetbörenb 
(^•^rfiircbt Ijcifc^cnbcS 33übcl oon ©uropa, 

33o^in menb' i(b bcn jagenben ®(^ritt, ju bc§ fc^rocigenben ©eftenbs 
©c^immernben ©quarcö unb grünenben *iparfö unb ftoljcn ^aläjlcn? 

Ober nad; Oj’forbö loimmclnber ©trcct, jur braufenben ß^capfibe? 
tofenb unb roHcnb bem Cccan glei(^ ^inbonnert bcr SJagen 
Uncrmcglic^c glut^ ja^llofcr ©efpanne unb 3Jtaffcn 
^Roßenber 3 ^* 9 ^ fti^roinbclnbcr unb in bröljncnbcn liefen 
®d}naubenbcr ®d)aarcn oon Dampfern unb fcgclblä^cnbcr 3 oßcn, 

^immelan braufet ber Särm, oerfc^lingcnb beä ©injelncn ^Jtot^febrei. 

©c^merj unb greube ocr^aflt, biö im brauenben Dtebcl bcreinftmalö 
3liic^ bic§ ®übfl oerfmft unb bic ®tätte, roo cö geftonben! — 


tritt ein in biefer §aßc ftoljen Sau 

3 in SBinbforftql mit t^ürmen unb mit 3 ^^”^*^ 

5lm 5Regentparf — loclcb oorne^m ftiße ®c^au: 

^raebt, Ueberfluö oon außen unb uon innen. 

§icr roo^nt 3Riß ©mcralb, bic fc^önc grau, 

®to(j, unabhängig, roic nur Äöniginnen. 

Cppreffen, ßcbcrniuipfel luehn im ©arten, 

Unb iftärchenblumcn ring§ uon fcltnen 9lrten. 

3l(ht 3Rarmorfäulcn tragen ba§ iportal, 

3Rit tigerfeßen prangen 3Rarmorftiegen. 

®en Diebel ^onbonö bannt bcr Snmpenflral)l, 

Unb ^luan^ig Diener auf unb nieber ßiegen. 

ßRit teppi^en prunft ®aal um ®aal, [ 

golbnen $Reif ßch Papageien roiegen. I 

Um Söelfchlanbö ßReißerroerfc in ben 9tif(hen 
©ranaten mit Sorbeerbäumen mifchen. 

2 ßn§ "^^iccabißp, ^olborn, £)|*forbftrcct 
3n 3Ragajincn auöftcßt, um 511 loden, 

IK--Si 


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117 


g- $s 

atic bcm fficltgcbict 

® 0 n ©nglanb tl^ünnen in ben Sonbon ®ocfcn, 

§icr finbcft bu'§. 3Bcm fotc^cö home sweet 
Scfd^icbcn ifl, bcr barf fürroa^r fio^locfcn. 

3ubicnö SRabfd^aS, 3)lanbf4ii^§ unb ®ro^minen 
3ft ^cimifc^er i^r 2Kärc^cnlanb crfc^ienen. — 

,,3Billfomntcn bcnu, mein Xl^curer, !^icr al§ ®aft — 

@ud^ bequem in meinem ftiHen §aufe; 

SRa(^ langer n)inft Guc^ fanfte SRafl- 

5luc^ mitten in bei* Jöeltftabt fiänngebraufe. 

benr, ^eut 9tadbn^*llö9 roenn’ö ®u(^ pa§t, 

®e^' ic^ bie 93ürbigften in meiner Älaufe: 

üorb ^'Qlmerfton geruhte jugufagen, 

greunb Garlqle braucht' ic^ lang nid^t erfl ju fragen. 

„9lud^ Darwin, unfer großer ^l^ilofop^, 

Unb lennqfon, fie werben l^eut nic^t jaubern. 

®a§ ift im 3Binter fo mein fleiner $of, 

®ie lieben ^ier ju ftreiten auc^ im ^4‘Uaubern 

Oft afabemifc^ biö jum Slpoftrop^, 

gür anbre i^abqä manchmal wol^l jum ©ebaubem. 

Gu(b wirb man gern mit offnem Ärm empfangen 
Unb ftaunenb bören, wie eö Gueb ergangen. 

/ 

„O wir finb flolj auf 3eben, ber bie ffielt 
Durebfämpft unb ®ölfcr fab ber fernften 
2lu(b Gnglanb ebrt ben Dutber wie ben ^)elb, 

SWiebt minber aU SWormonen. 

SWun, wenn’ä Gudb nicht am Ib^^^f^f^^önb gefeilt, 

®ieUeicbt noch mehr ficb ©cbottlanbö Steife lohnen. 

Tltin ©cblog am Glqbe, mein ^aebtgut bei ben 3ren 
Unb manches anbre wirb Gueb intcreffiren. 

3lm näcbften ^l^b^ oieHeicbt nach 
Galcutta auch, boeb baoon lä§t ficb reben. 

®ombaq unb ^abraS finb unS untertban. 

Obwohl bie ©ipogS b^ntlicb unS befebben. 

Gin anbermol befpreeben wir ben $lan; 

3b^ gcroi^ auch ©anScrit wie bie ®eben — 

Die gan^e Söelt mit aötn ^)errlicbfeiten, 

^ 3cb möchte fie oor Guren Slugen breiten. 

„Äommt pünftlicb benn, beoor bie ©tunbe febwanb. 

Die greunbe, bie f^cbl ön biefen ©tötten, 

3lcb mein’, ^f)V trefft alltäglicb p« öm ©tranb, 

Doch fudbt bei guter 3^1 noch ju retten. 

3cb roei^, liebt febon b«ut Slltengellonb, 

®iellcicbt noch inniger wirb Gueb 5llbion fetten. 

2luf JBieberfebn — oergeRet nicht bie ©tunbe 1" — 

©ie fpracb’S unb grüßte mit berebtem SUfunbe. 


-Si 


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118 


a-a 

©cntccl. 

S)a§ roar am S^cbclmorgen l^cut in bicfem 8icb nom ®lüät, ’ 

S)oc^ nun ein anbrcä garbenbilb am ©tvanb bcr Sonbonbrücfe, 

33o ©icbcl breit unb Äuppeln ber Soroer mit febroarjen 
®a§ b^ebgetbürmte ^arliament im gelben Strom ficb fpiegcln. 

®ag mögt unb treibt unb lärmt unb joblt, bei iag brennt man Saternen, 

5lm Srücfenquai non ffiaterloo, in rauchigen taoernen; 

2öic ^orterbunfl unb ^rom uon faulen gifeben 

SBiH fid/ö mit Ääö unb Äoblenbampf ju feltnem ®ufte mifeben. 

5luf langen ©i^entifeben ring§ bie Sranbppiutcn blinfen, 

Unb bunbert glafcben noch oom ®ar mit golbnen tropfen luinfen. 

®ort Icudbten 3lngcfi(bter ring§, bufebböorige, uernarbte, 

3}iancb (Siner, ber febon monbcnlang am ^ungertuebe barbte. 

Srcitfcbultrige ©eftalten auch, bie Singen glübn mie Äoblen, 

5)a§ finb be§ gefilanb glü^tlinge auö ‘Deutfcblanb unb au§ $olcn. 

SRiebt Sitten glücft’§, roie Äinfcl, 3Kar|-, Safunin ober $erjcn, 

Sllg ©entlemcn ber SRebettion bie ^eimat ju uerfebmerjen. 

SBobl Siamen tönen boebgemutb, non beftem Älang unb 
SBie ©truoe, ©ueber, greiligratb, uor allen Slmolb Siuge; 

S)o(b anbre giebt’ö be§ @lenb§ Silb, fragroürbige Siaebtgefetten, 

S)cn Siljbut in bie Stirn geflülpt — bic rotben Slugen quellen. 

Sängft hungerten fie roocbenlang unb bulbeten unb froren, 

®ocb träumenb uon ©arricaben noch unb träumenb non tricoloren. 
Slnflammernb an jebcS Söradf, baö ihnen §cil uerfproeben. 

SSer fennt bie b^b^^u SÖBangen nidbt, tro^bem bic gäufic poeben — 

Schäbig gcntil im fcbmar^cn grad, boeb buftenb nach ^bfpntbe, 

So laufeben fie unb lauern ftumm unb feblürfen ihre ^intc. 

Urplöblicb bann ein SRunbgcfang unb Särm unb ^ubeltofen, 

SBobl flauntcn ftitt im Stebenraum bic laufebenben SRatrofen. 

Unb ©incr fpracb mit Söroenjorn mit feuerfarbnem ©arte, 

®ic Stimme b^K^^ pfauebenb flang bureb eine ^afenfebarte. 

Äein GaffiuS unb fein ©rac^uö fonft fann fo altrömifdb bliefen: 

„©icl ®anf, mein roertber greunb, 3b^ roottt jum fcrnflcn SBcft un§ febiefen, 
jßobl flieg un§ auö baä ©atcrlanb, baö bcrjloö un§ betrogen, 

®ocb anbre ^txUn finb inbeg mit SRaebt b^^^oufgejogen, 

^abt ^<^un im Scblaraffenlanb baö Ic^tc 3lob^ ucrfcblafcnV 
©cbenft bc§ Sonbner $rotofott§ unb feiner Paragraphen. 

3Rit Äönig Gb^ftianä Jobe fam ber ©erg bcr Sebmaeb in’§ SRotten, 

Scitbem bei ®üppel roonneoott Äanonenbonner febotten. 

Seitbem um Scblc§n)ig=^olfleinä Sieg bie S)änenjn)erge jitten^ 

Seitbem bradb unfer Sommer an mit beutfeben ^oebgeroittern. 

5Run flammt ein neu fonften regt ficb’ö brüben, 

SDer arme SRann ballt feine gaufl, ©ergeltung mirb er üben; 

®cr arme SRann erbebt fein §aupt, bic roeige Sclaoenfrage, 

5!)a§ Slttcö fommt in 5)onnerflug unb fdbäumt mit SRaebt ju tage. 

5öa§ fotten fern im SBeften mir bei rotben ^annibolen? 

Un§ leuchtet ®eutfcblanb3 SRorgenrotb mit blutigen aRorgenftrablen!" 

Unb roeitcr bann begciflcrt milb bie geuerreben bröbnen. 

„§odb 2)eutfcblanb!" fcbott’ö am utten bcutfdben Söhnen! 

$ocb ©olfram auch, bcr SRärebenprinj, ber jablt auö ootten Safeben, 

©ringt §ocf unb grüne ttiömer b^^/ bringt gleich glafcben! — 

K-» 


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119 


®cn .log üon Düppel feiern rotr, bie Sieger oon 3Kiffunbe, 

Den log oon SUfenS Uebergong, ba§ war glorreiche Äunbe. 

Sringt gohnen oon 9lßbeutf(hlanb oor aßen fchworjsroth'golben, 
Schworjjwei^e bringt, fdhwor^sgelbe auch in reichen glaggenbolben! 

§ei, wie erlöfenb flang e§ unS, a(§ Deutf^lanb§ Schlünbe frachten, 

3n)ar übel fchoü ba§ ®cho hi^^ oon aßen Düppelftblachtcn. 

9}tan gönnt ben beutfehen Sräumern nichts, man hölt eS mit ben Dänen, 
Unb roüthcnb fnirfcht ber Seoparb 5lltenglonbS mit ben ^üh^cn. 

$0(h ^reugen unb hoch Oefterrei^, gleichoicl loer h^fcht ^ic ®cute!" — 
Unb flirrenb Hingt ber SiegeSruf im gläfernen ©eläute. — 

So braufet laut baS geftbanfett ju fionbon on ber Jh^mfen, 

Seicht ungehört; im Ohr beS Sßtob fummt’S roie ein Schmarrn oon ®remfen, 
SWatrofen, Äüfer, Gocfnep’S aß, bie ®rut ber ffiinfelgaffen. 

Sie fehaoren fich, fte baßen [xd), fi^ rücfen an in 3Kaffcn. 

Der 9luSmurf felbft oon ^apmarfet, Suftbirnen, lafchenbiebe, 

Sie bre^en in’S ©eroölbe ein in brängenbem ©efehiebe. 

®alb haßt iumult unb Drohgeheul fchaßt burch ber ffiölbung Schatten: 
Cheer Dänemart! Deutfchlanb hip '^ip unb nieber bie Sanbratten! 

®on 2Borten fommt'S ju Jljatcn halb, noch pattem hoch bie gähnen 
®on Preußen unb oon CePerreid), bie (?h^^ ©ermanen. 

Da hcit fchon freche ©ubenfauft (le in ben Staub geriffm, 

Jumult erfdhaßt unb SJtorbhaßoh in Stauch unb ginPerniffen. 

Schon piegen ©läfer hagclbicht, fchon juefen Schcmelbcine, 

3leht bli^en auch i^effer ringS im fiaternenfeheine. 

Doch jebt aus ehrner SRanneSbmP fchoß ©rmin ©olframS Stimme, 

6r fprang empor, unb bonnernb rief er mit erhabnem ©rimme: 

„©ebt grieben, greunbe, folget mir — 3luf ©h^^ onb ouf Jeben, 
gür biefen Sdpmpf ©enugthuung mirb unS ©ritannien geben. 

Stoch pnb mir nicht oerlaffen hier, golgt mir — ich u)ifl ©uch führen 
3um SRächtigPen beS Königreichs!" — ©r fchvitt burch offne ihü^en. 
SSohl mich Sauhagcl rafch jurücf, juerff auf SchritteSmeite, 

Dann gab er johlenb mit lumult ben greunben baS ©eleite, 

Unb brüßenb folgt ber bunte Schmarrn mit Sd)impfen, Schreien, ©feifen; 
Unthätig hiu am ^h^utfeffranb ein paar ©onffaMer pveifen. 

So gieht ber beutfehe SJtännertrupp, oon ©lorienlicht umpoffen, 

3n ©rocefpon unb bicht gefchaart, in Haltung pramm entfchloffen, 

©om iheutpPranb jur ©aßmaßPreet, burch ©iccabißpS ffiogen. 

Durch SRcgentpreet jum ©ortlanbploce unb bann jum ©arf pe bogen, 

©iS mo aWplabpS ©rachtpalaP pe grüpt mit offner ©forte, 

Dort hielten bie ©erfolger erP,^unb fdheu mich bie ©ohorte. 

(gortfepung folgt.) 


^on5na(^t. 

Stacht roar’g geworben. Um bie ©ifengitter 
Der ragenben Icrraffc nidften leiS 
Dichtlaubige ©latancnmipfel, bie 
Des SöinbeS fofenb leichtes Spiel bewegte. 


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120 


3Kit milbcm Olanje fticg bcr SWonb empor 
§od^ über bc§ ©ebtrgeS mäcj^t’gen SRücfen, 

®a3 finfler bolog, eine JRiefenfpl^inj-, 

2 )ic mädbt’gen ^ronfen in bic gefraßt. 

Unb fie^, nun roorb be§ ©eceö bunfler Spiegel 

9 }om Silberftro^l getroffen, leifc jog 

®er auf ber gläc^c l^in unb breit unb breiter 

(Srrouc^S au§ fc^lanfcm Stamm roie eine Ärone 

jDc 3 Sid^teS ^e^re güUe, biä julc^t 

2 )er $inie §errlic^ ®ilb, oom 3Jtonb gejeic^net, 

Stiß loie im iraum auf ben ©eioäffcrn f^mebte. 

Stumm fag ic^ ba. ®od^ mir im ^erjen Rang 
@in ^ubel^pmnuö, roortloS unb ergaben, 

@in 5)anfgebet an bi(^, bu ^eiPge 3Jtutter 
®cr 3Befen unb ber 9Se(ten, bid^, Dtatur! 

3 n)ar bliefft bu ftreng unb beine ^erbe Schönheit 
(Erträgt ber Sc^ioäcbling nic^t. Dti^t in bir 
®ie Butter er, nein, bie ®crni^terin, 

®ie einft bic Reinen greuben feines DafeinS 
3l^nt roie ein finbifd^ Spielzeug nimmt unb i^n 
3 u unroißfommner SRu^e fd)icft. — O I^or^eit! 

Siel^ ^in auf biefe glanjumfloff'nc 3öclt, 

3luf biefer Orbnung fc^öneS 6bcnma§, 

9luf biefe SebenSfüße, brin bcr Obern 
®er ©ottl^cit moltet. ®effen bift ein J^eil 
®u felber audb. toedbfelnber ©cftaltung 
©rfc^eint bein @cijl in biefem Spiel bcr Dinge 
Unb, roaS unftcrblic^ bu im Innern füf)lft, 

Das bleibt unfterblic^, ob bic jerfäßt. 

Dein @eift, er ift ein X^eil oom ©eift bcr SBelt, 

So rief'S in mir. Do mar ber ooße iKonb 
3 ln faebtem 9tiebergang biHöbgefunfen: 

5Wocb) füfetc meine Stirn ein le^tcr Strahl. 

3 cb fab empor, unb mo fein ©lonj gerooltet, 

Sradb ein ©emübl oon ßjt^rioben Sternen 
3Kit toufenbfälfgem Scbinimer burdb bic 9?acbt. 

$<bfier0a(b. 


'S 0 51 e n f c ^ 


geft ber tobten, fe^rft bu toicber, 
Sorgenfebroer unb trüb unb bang? 
3lcb, bir tönen traucrlicbcr, 
Älagccbor unb ©rabgefang! — 
Äein „SBißfommen" mirb geboten, 
Äeine greube grü§t unS b«ut. 
gefl ber tobten, geft bcr tobten, 
O roie ernft Hingt bein ©cläut! 


Stiße rings, bcmütb'geS Sdbroeigen 
®or bcS Sd^irffalS ernftem Sauf, 
Unb nur bonge Seufjer fteigen 
^^eut ouS munben ^erjen auf. 
Sebouernb fteben mir unb tragen 
3JtitlcibSooß beS Dtäcbften Seib. 
geft bcr tobten, tag bcr Älogcn, 
— ßmtefeft bcr ©roigfeit! 




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121 


®od^ in bcincn ©locfcntoncn 
SBclc^c TDunberbare SDlac^t! 

S)ic fo ernft erft, ftc ocrföl^ncn 
2Iuc^ ber ©d^mcrgcn bunflc S^ac^t. 
353ic fic milb imb tröftcnb rufen, 
Soft fic3^ auf ber flarrc Sann. 
®ctcnb ringt ^u ®ottc§ Stufen 
©id^ bie ©eele l^immetanl 


'pefßc '31 Ofen. 

3ln einem fonnigen grü^ling§tag, 

I)a l^abt i^r gebuftet tm ©orten, — 

Unb fd^immernber £l^ou ouf ben ®lütl^en log, 

©efd^müeft mein Sieb ju ermorten. 

©ie broc^ eud^, i^r SRofen, unb gierte fid^ 

®ie roogenbe ®ruft gum blumigen ©rüg, 

©ie brod^ euc^, i^r ^ofen, für mid^, für mid^, 

Unb id^ raubte euc^ beim monnigen Älig. 

SWun rul^t il^r fd^on long uerfd^loffen im ®ud^ 

9luf i^ren l^olbfeligen S^gen, 

Serfd^munben ber ©d^ön^eit fuger ®etrug, 

®er Siebe beroufd^enbe Sügen. 

SReid^ roort il^r mit funfelnben perlen gefd^müeft, 

3ll§ einft il^r grü^ling unb Siebe gefd^out; 

®ocl^ nun, bo bie ^immlifd^en entrüeft, 

©eib reid^ i^r mit fc^immernben SE^ränen l^et^out. 

«^ttbtvig J^eKllla{et• 


j5ei6|igfu(6. 

3wt SBolbeägrunbe liegt ein ©tein, 

®en görrenfräuter trout umföumen; 

3cl^ meile gerne bort oöein, 

Um ftill gu grübeln unb gu träumen. 

®o§ Soub, oom ^erbfte nun gefd^müeft, 

SRoÜt niebermirbelnb mir gu gügen, 

(Sö l^ot mid^ grünenb oft beglüeft 
Unb miß mi^ nod^ gum 5ibf(bieb grüßen. 

_ 


e 


aWir ober fd^lägt fo frol^ bo§ $erg, 
2ll§ mär’S oon grül^lingSluft umgeben; 

fül^lt, fd^on regt fic$ oDermärtS 
Verborgnes, rounberboreS Seben: 

©in febeS Vtott, boS nieberfäßt, 

2Rug einem neuen Triebe roeitben; 

©0 ift boS ©terben in ber 3Belt 
®er em’gen ®ouer treues 


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122 


«-Sl 

^lü^fingsgebanfeen im jbeiöji. 

@0 l^ab td^ bid^, bu gefunbcn! 

3öic bifl bu fcbön! ®n licblic^ ©ngctöbilb. 

3}^cin roirb jung, mein 2öcl^ fü^t id^ gcfc^rounbcn, 

SSIicft mid^ bein ^uge freunblic^ an unb mi(b. 

Entgegen f^aüct mir bein frö^lic^i Jacken, 

2)a§ fiiber^ctt bir oon ben Sippen quillt, 

^6) fü^l ben grü^Ung neu in mir ermac^en, 

3Bei§ ic^ cö bod^, ba§ mir bein Sieben gilt. 

SBol^in idb fe^ — in'§ l^eDe laggefunfel, 

^uf ju ber Sterne ^iamontenfebein, 

Unb ob iö) ftarre in baS näc^fge 3)unfel — 

^db [ebe überaU bein 93ilb aQein. 

3J^ein J)enfen roie mein Siebten unb mein träumen 
§aft bu be 5 aubert, fü^e B^uberin, 

eä mir bodb, alö ob in liebten SRäumen 
t)u ftrablenb tbronft alö Äönigin. 

5ll§ ob icb felbfl in grübling^jabren flänbe, 

3|tn jugcnblicben bolben Sonncn)cbein, — 

Unb bodb reift ftbon bie traube am Oelönbe, 

®er Sommer fdbieb, febon bracb ber 4)erbft 

®a§ Suftfcblo§, ba§ bein ^^uber mir erriebtet — 

So iDunbecberrli(b, bintmelbocb unb b^b^ — 
gäUt Stein um Stein. t)ie Säulen ^ 3teibn geliebtet, 

®ie len^gefdbmüeften fallen roieber leer. 

So auch mein ^erg. — ®ie 3lbenb|onne fäumet 
5Ring§um bie Serge unb bie grünen ^obn; 

®u armc^ §crj, bu b^fi nun auSgeträumet, 

Äurg mar ber träum, bodb febön. 

3u §äupten feb ben ScbcUcntburm idb ragen, 

6r febaut bernieber in ben (Smmerftrom, 

©enüber ftebt — ein Silb auö alten tagen — 

3ln Sügbe bort, ber alter^mübe ®om. 

6ucb gebt’^ roic mir, ibr beiben grauen SReefen, 

3b^ längft entfebrounbnen 3^^i# 

@udb fann fein grübling^roebcn mehr erroedfen 
3u neuer ^errlicbfcit. 

2Rag fommerlicb ein ^erbfitag fub geflalten, 

®r lä§t bie SRofe nimmermebr erftebn, 

bleibt be§ Sdbidfjalö unerbittlich ^Balten: 

©in Äommen ift ba§ Seben unb ein @ebn! 

_ ^et^atb SBe^et. 


_ ^ 


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123 


'gfteim beuiWen 'pcinc. 

3um SEräumen bleibt un§ S)cr Slang erflingt inic ©lodfcnflang 

noc^ ein ®Iqö unö tvinfen; Seim Srauttu^ am Elitäre, 

3Ba§ foD un§ auc^ bev iräume trug, Söie Jparfcnflang beim ©iegeöfang 

Sann un§ bic ©al^r^cit roinfen! 9tac^ milber ©d^lad^tfanfarc; 

rauf(i^t ber Söalb, bic Sterne glü^n, ®rum trinfen mir mit jiebeöglut^ 

®ic D^ad^tluft fügt bie 3c<^er, Huf beutfeber grauen Jiebc, 

S)c§ golbne perlen fprübn 2)rum trinfen mir mit beutfebem 2Rutb 

3n mofiggrünem Sedber. Huf beutfeber Sebmerter §icbe! 

5)cn bebt empor auf Deutfcblanbä 3)facbt, ®ann alle Seeber bod) $anb! 

Huf beutfeben 3Jfann§ ©dingen, ®em Äaifcr gilf§ ju Sobe! 

®cn laffet bureb bic Sommernatbt ®cm Saifer gilt an Seeberö SRanb 

3n beüem Slangc flingen. ®ic beutfebe Dtagelprobe! 

®er Slang gilt beutfeber aWänncr Zf)Qt äöir trinfen auf bic ^elbcnjcit, 

Unb beutfeben ©eiftcö Sfegen, ®ic ®eutfeblanbö SRubm gefebaffen, 

®arau§ ber f^ölje Saat Huf beutfebe ®reu' unb SRebliebfcit, 

©rblübt uoH ©ottcöfcgcn. Huf ®eutfcblanb§ 3Bcbr unb ©affen! 

Unb menn am ^)immcl bann im ©efl 
®er bleiebc 3Jfonb uerfebminbet, 

So trinfen mir ben lebten SReff 

Hr* HUeö, ma§ un§ binbet: 

auf ©lücf unb ©lanj unb Sonnenfebein, 

Huf ienj unb 2uft unb lieben, 

Sorab — auf ®cutfeblanb§ geuermrin, 

Huf ®eutfcblanb§ golbne SRcbcn! 

^atf S^refer. 


r a tt e r. 

(9^aeb gourncl.) 

®er öftliebc Jpimmel erglühet, ®ic Siene oerlägt ihre 3^0^ 

®cr Sfafen crglänjt uom ib^^' fummt bureb bic blumige Hu; 

®ie liebliebe SRofe erblühet, ©ö ftrahlt in be^ grühliebtö §ellc 

®cr 3Rorgenminb h^^f pcb gebabet in ®h^^* — 

3um b^tern ^immel^gejcltc ©enn fröhlieb bann HUcö ucrlaffen 

®ic Serebc ficb fröhlich febmingt; ®ic 3uflucbt§ftätten ber Stacht, 

3!m grünenben ©alb unb im gelbe ®ann moHen midh innig erfaffen 
Saut iaueb^enbeS Seben erflingt. ©cfüblc mit brängenber 3Raebt. 

®ann möchte ieb ftitl mich ftreefen 
3n’ö ®ra§, in ben blumigen ^)aag; 

Unb münfebc, nichts möge mich meefen, 

Hl§ cinftenä ber jüngfte Jag. 

$ar( ^afler. 


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124 


n t f tt fl u n d. 

©inft in bc§ 2ebcn§ ®lüt^cjcit, 

äßo 3Bunf(i^ unb Hoffnung frö^Hd^ fptoffen, 

®a l^ab oon ®(ücf unb ©cKgfcit 
3}^cin rcic^Kc^ aud^ iä) genoffen. 

3(c|^ fü^U' ber Siebe SBunbcvfraft, 

S)ic ©üfee i^rer SBonnefc^ouer 
Unb fonnte nid^t be§ Srübftnnä ^aft, 

DUd^t ber ©ntfagung ftittc Trauer. 

O Senjeöglücf, o ©onnenfd^ein, 

feib oerlorcn, feib entfd^rounben, 

Unb nur ber ©e^nfuc^t füge $cin 
©ntjaubert nod^ bie tobten ©tunben. 

5Iuä ber ßrtnnrung tiefem ©c^ad^t 
©rnpor bann fteigt ein lid^tcr 3Jtorgen, 

S)od^ halb erlifd^t beä troumeS 9Kad^t, 

®aä Seben brängt mit feinen ©orgen. 

Unb feine Sofung, ^art unb falt, 

©ie tönt in'ö O^r mir: „O entfoge, 

D^ic^t laufet bem Sieb, ba§ längft oer^attt, 

Sergig baä ®tücf ber SenjeStage." 

Unb ftitt gel^ord^ ic^; benn ^urücf 
SRid^t bringt bie Ätag', maS icb befeffen; 

®rum Sen^ unb ^iugenb, Sieb' unb ®(ücf, 
aUe§, aDeä fei oergeffen. 

<^e(riitttt9 S^anftow. 



Pessimistbeet - Bliitlieii jüngst- 
deutscher Lyri k. ©cfammelt unb beraugs 
gegeben oon Richard Sclimidt-Calianis. 
(©erlin, griebricb ^feilgüdfcr,) (Jine geQen= 
roeife gioor reAt herbe, aber lootifberccbtigte 
unb in formeuer 33e5icbung mcifterlid) gc= 
tungene ©atirc auf Die Iprij(bcn 2eiftungcn 
unferer jogenannten 3wng:5r!cutfcbcn, bie ba 
im SSongefübl ib^^er acbtjcbn big ircangig 
Sabre auftreten, um ben bcutfdficn '^^arnaB 
;u föubem, alle anerfannten i^iebter bob»^= 
lad[)enb in ben ^olb flürjcn unb fidf) jelbcr 
mit einer an oöHigen ©rbf^enmabn grenjens 
ben ©elbftüberfcbägung alg bie nabren @es 
nieg ber neuen 3^it feiern. 5Ceg ©atiriferg 


Q^cigel trifft aUe biefe jungen Jpcrrlcin, roetebe 
groar fd^on alle eine b^^be ©^ule beg 2eibg, 
aber in ben fcltenften gälten auch fd^on bag 
burebgemaebt b^ben, mit er« 
barmungglofcn (^eigclbieben. @anj oortreffs 
lieb ift befonberg: „5:cr fd^mer^baftc $)i(btcr", 
„5)ag 2ieboon ber peirimiftif(bcn ^icbterfcbule", 
„^ob bem (Mefcbicbtgunterricbt*, „Der mo^ 
beme ^romcibcug"; unb roenn in bem @e= 
bid^te „il'lcin ©rogmünbeben" ber „3ufunft 
geberbclb" gefdbilbcrt roirb, ber ba oom 
©ebimpfen lebt unb Äotb miber @rog unb 
Älein fd^leiibert, fo b^ben mir alle einen 
ganj beflimmten iltamen auf ben Sippen für 
biefen „fleinen ©rogbalB ber Siteratur". Dag 


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125 


IR- 

SSüc^Iein iß {cl^r amüjcmt unb 
©c^mibt=(5abani8 erircift fid^ barin roiebcr 
als ein l^umoriftifd^er SJerSfünftler aflcrerflcn 
3^angfS. 

Eoorad Telmann. 


Die Versnchnng des Pescara. 
nellc non Conrad Ferdinand Meyer 
'OoffcO* ^onrab gcrbinanb 
Wieget i|l einer unfcrer nornebnijlen lebenben 
^oeten. feinen SBerfen feiert bie ^imfl 
ber $)arf!eüung il^re ^öc^ften Xriump^e. Cb^ 
jectiner, als er, weife fein lebenber Siebter 
cr 3 äblen unb 3 U febilbern; er ftebt noüftänbig 
über feinen (^ebilben, böt fd^einbar gar feinen 
Sntbeil an ihnen unb feeflt fie in ihrer frgftalli 
hellen ^Reinheit, noUfommenen 5lbrunbung 
unb weifterhaften Qompofition nor uns hin, 
wie nollcnbete Äunftwerfc, auf’s 0 anbcrfte 
aiiS^efeilt unb mit unglaublicher 0elbftbe- 
fdhranfung abgeflärt, gebrungen, gehaltooll, 
fcharf nmriffin, wie Wiarmorfculpturen, unb 
ebenfo hoh^ilänoü nnb feffelnb, alS folcfee. 
§reili^ auch manchmal eben fo falt, wie fie. 
&S läfet ü^h ni^hi leugnen, bafe beS (55uten hin 
unb wieber 3 UDiel gefchieht unb bafe eS unS 
beShalb an Särme, an hmreifeenber (55ewalt 
3 U mangeln fcheint, bafe wir ben weifen 
Äünftlcr mehr bewunbem, als ben unmittels 
bar paefenben unb begeifternben ^oeten lieben. 
^S liegt eben etwas ©trengeS unb §erbeS, 
etwas ©rofeeS in WiegerS ffierfen, wie eS 
uns fonft nur bie 3lntife bringt. Wieners 
©chriften finb beShalb auch w^^^aniat für’S 
33olf"; er bebarf wohl oorbereiteter, fünftlerifch 
efdhulter unb nicht Unterhaltung, fonbern 
oheS, fünftlerifcheS (55enie6en forbernber ^efer, 
um in feiner galten S?ebcutung gewürbigt 
werben gu fönnen. SBer 3 . in oie gefchicht-' 
liehen SBirren nicht wohl eingeweiht ift, oon 
bereu ^intergrunbe fich bie oorliegcnbc (^e= 
fchichte abhebt, fann jie weber geniefeen noch 
auch im rein milgöven ©inne oerftehen. 
®enn mit ^rflärungen, ©chilberungen, 
fchreibungen h^ll P^h dichter nicht auf, 
er erjählt nur unb gwar crgählt er in grofecn 
Umriffen, furg, fnapp unb fcharf. Wiemals 
giebt er ^louterungen gu bem, waS et er^ 
mhlt, er leitet nicht einmal ein, ^iebt weber 
Die '^och ben Ort feiner ^gahlung an, 
fonbern beginnt mitten barin unb flenert un^ 
mittelbar, unaufhaltfam auf fein ^i^l loS. 
©0 offenbart er feine gange itunft. Unb 
flar unb treu, mit wenigen ©trichen hiuge= 
geichnet, (iharaftere fich 

wanbeln, leben, fprcchen fie alle oor unS. 
5)a ift nichts gu uiel ober gu wenig, benn 
nur baS SBefentlid^e foll gefagt unb gegeben, 
alles Uebrige anbeutenb ber ^phoi^tap« ^cS 
2eferS übcrlaffen werben. „5)ie 33erfu^ung 
beS ^eScara" bebeutet freilich feinen eigent= 
liehen gortfehritt im 2öcrbcaang bcS ^id/terS; 
ein folcher erfcheint überhaupt unmögli^. 
Wteger ift in reifen WtanneSjahren als ein 


oollfommen fertiger ^oet aufgotreten, eine 
(Sntwicfelung gab eS bei ihm nicht. ©0 fann 
man benn nur fagen, bafe bie neue Qargähl- 
ung genau auf ber gleichen Jpöhe ber früheren 
fleht, unb baS ift wahrlich beS 2obeS genug. 
9l0crbingS ift bur(h bie 
cara, ber Sdbhcrr ÄarlS V., ber 

burch feine in ber ©d)lacht bei ^aoia er« 
haltcne 2 ßunbe ein tobgeweihtcr Wtann ge^ 
worben, als folcher ber an ihn hcrantretenben 
53erfuchung, abgufallen unb an ber ©pifee 
ber heUigeu ?iga gu befreien, ni^t 

wohl erlregen fonnte, h^^^ etwas biias 
liftif(her 3^9 feählung gefommen, 

ber uns ^^^eScara’S ©ieg fchmälert. Slber ers 
mhlt ift baS 5ineS mit unnachahmlicher 
toeifterfchaft. ©d)abc, bafe fich in WteperS 
abgefchliffener, gerabegu flaffifcher $rofa 
mdnchmal affectirt erfcheinenbe .^rdhaiSmen 
eingefchlichen h^fef« ^öfe er an abfolut 
unbeutfehen SBcnbungen, wie „bu ftellft bid) 
röfecr, als bu nicht bift" eigenfinnig fefts 

‘ Konrad Telmann. 

Von dentsclier Art. ©ebiAtc gut 
görberung beutfeher (Gerinnung. öerauSs 
gegeben oon Anton Ohorn. (Veipgig, 
Wengcr’fche Sßuchhaublung, ©ebharbt unb 
SBillifch). „95on beutfeher 3lrt" gruppirt 
feinen S^^h^lt in 4 Slbtheilungen: ^cutfd^eS 
SBort; — "Dcutf cheS Sieb;—I)eutf cheS ©ch wert; 
— ^eutfehe ircue. ^cbe ber Slbtheilungen 
ift gu (Eingang mit einer ^lluftration unb 
boS 55uch felbft mit einer iitelgeichnung ge- 
fehmüeft. — Tie ^Ibficht beS Herausgebers, 
aus ben beften Siebern ber fernhofteften pa? 
triotif^en Tichter beutfeher 3 ^^^ 9 ^ 
thologie gufammenguftctlen, wel^e oon ben 
33orgügen, Tngenben unb Ih^ten unfereS 
33olfeS rebet, ift in biefem auch aufeerlich 
nehmen unb würbigen (l'ebichtbud^e erreicht 
worben. ©egenfafee gu ben meiften mo* 
bernen 5lnthologiecn ergählt unS biefeS präch= 
tige 53uch oon bem treuen ©inne unfereS 
S3olfeS, wie er fich gu allen Ärieg 

unb grieben bewährt hot, führt unS im ©eifee 
auf Sie ©chlachtfelber oon ^^^aoia, Seuthen, 
3ornborf, 3luerfeäbt, Seipgig, Tüppel, fWarS* 
la=Toiir, ©eban u. f. w. ©eit bem lefeten 
bcutfch-frangöfefchen Ä'riege ift ber nationale 
©ebanfe in unferem 33atcrlanbe fo lebenbig 
geworben, bofe Seber, namentlich ber beutfehe 
Jüngling biefeS SBerf mit greuben begrüßen 
wirb, ©ine 3luSfeellung aber fönnen wir 
nidht unterbrüefen: ©mil WitterSfeauS, ©rnfe 
©chcrenberg unb mehrere anbere Tichter hätten 
in biefer ©ammlung, in welcher g. 33. „TaS 
angc H^rg bem iBaterlanb" oon ©mil WitterS^ 
aus eine '^5erle gewefen wäre, niÄt fehlen 
follen. 3ineS in SlUem mögen biefe Ticht= 
ungen, bie löblicherweife frei finb oon jebem 
rafeelnben ©hQii®”'iSmuS, auf baS wärmfee 
empfohlen fein. 


sf-a 


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126 



M. F. in K— 1 . (^bcni'onjcnifi roic auf ben Scbt bcr 3>crgIcic^§niomcnteh C. 0 . in B—n 

0 tanb ober iWang, fönnen loir bei bev ( 5 nt= (jU locnig apart); F. M. in L—g (fpracl)Iicl^e 

fcbeibui^ über cingegangene (.^'ebid)te auf baä .'gärten);" B in >J—g befd^eibeuer 3n= 
'?ntcr 9 tücffid)t uebmcii; mir ber innere bolt); F. P. in G—e uub 0 . S. in S—g i. 

5 öcrt^ borf entfe^eiben. ^Tcs^alb fönnen wir K. (^u fpät); ß. K. in B—jvu (nic^t o^ne 

ieiber ^i^ren SBiinfc^ nidjt erfüHen. Stimmung, aber 311 breit); A. H. in M—nr. 

E. II. in H—au. Jbr C'‘^ebid)t enthält C. K. in St. P—g. Dankend abgoleh nt! 

einige ganj ^übfd)c Strophen, aber man (!. V. in H—e a/S. 'ÜUr tt)eilten 

inerft 311 febr bos '^eninl^en, eigenartig 311 ja bereits mit, bap 3^)^-DUlQb angenommen 

(ein. ‘ fei. 

ß. 1 ). in B—n. GS wäre wnnfe^enSwertb, F. E. in B—n. GS oerftebt boi^ gon3 
ba6 Sie etwas mit Ginjcnbungen 311= oon felbft, bap, wenn ein cin3clne8 ©ebiebt 

riidbieltcn. Sic fommen ja faft aUwöd)cnt' als angenommen be3eidbnet wirb, baS Uebrige 

lieb niit 9 ^eiicm, obgleid) wir noch 'l'erfd)iebcneS alS abgelebnt gilt. 3 bre neneften t^ebiebte 

oon 3bnen liegen höben. finb nid)t oerwenbbor. 

B. W. in L-g „^Ter 2 Itaratbon-^'Ote"; R. S. in L—au i. S. (Meftönbniife, wie 

R. 0 . in E~n „i^eriejebmieb"; I)r. A. \V. in Sie in ber ^weiten Stropbc 3 bveS C^ebiebteS 
D—f „3cb ^*id)t, ob 3um ^weiten Wal" ablegen, muffen wir nnferem Witarbeiter oer- 
(wir bitten, nicht immer fo oiel 311 unters fogen, wie febr ancb 3bi‘^ 'I'efcbeibenbeit ?ob 

ftreicben). Angenommen! oerbient. 

F. VV. in G—n; VV. S. in S--g i. E. F. C. in B—eh. ^^atürlid) bleibt 3 böen 

(ber 3ö^ölt würbe ^>iele oerlebcn); E. L. in in biefem ^a^^ ^öS JHeebt, onberweitig 311 
D—n („ 3 ni 2 lbenbf(bein" bis auf ben matten oerfügen. 

Seblup gut); E. A. D. in A.-F—n (ohne Dr. V. in F—t a. M. Unliebfame früher 
fünftlerif^e ^Durcharbeitung) ; H. B. in L —1 oorgcFommene il^erwecbfclungen ocranlaffen 

a. H. (tbeilS gefebieft, tbeilS febwievig in unS, nur unter ben wirflicben ?lnfangSbucb= 

5 InSbriid unb C^rpubung); F. 0 . S. in I—dt ftaben 311 antworten; 3 brp G'ebicbte genügen 

(wahren Sic bic Stimmung beffer); A. S. nnS nicht oöHig. 

in N —in (311 alltäglidieS Wotio); P. \\ in 0 . B. in L—tz. Sir haben nur für lites 

H—g (nidü bnrdificbtig genug); I’rof. P P. rarifdje iHufiöpe unb (‘»'ebiebte 5 ?erwenbung. 

in W—n (oielfa^ nüchterne Senbnngen); G. L in S— 1 . Gin monatlich ^ireimal cr^ 

C. A. in C—e (bilben Sie 3 hi’<^a G'cfcbmacf feheinenbeS 5 ?latt fann naturgemäö ^ejprcd)^ 

an guten Wnftern); E. S. in It —n (;u barms ungen nicht fo halb bringen als ein 'läge: 

lofe Breite); G. R. in M—n (ftreben Sie nach blntt. Senben Sie unS 3 br «cucS ^^ueb 

größerer Sd)lid)tl)cit beS StilS); C. G. in gütigft ein. 

W runb E.S.inH- e a/S. ( ;n bcrfömmlid)er K. P. in Z— 1 . Sir halten eS für mip: 
(^ebanfenaang); H. K. in B— 1 ; J. G. in lid), wenn in Iprifcben (^ebichten eine T^ame 

K—n a. Rh.; A. T. in R—au; A. B. in männliche Gmpfinbungen fd)ilbcrn wiö. Ü^acb 

G—n (311 wortreich); L. P. in W—g (ohne unfern Grfabrungen leiben foldje Gr3cugmffc 

33 erSmafO; H. B. in H—g (unglüdlid}e regelmäßig an innerer Unwahrheit. 


(€dilub bcr tRcbactiou biefer stummer: 10. 9toDcmber 1888.) 


jtt üßerfeßen! 

wir erft ben näcbften beiben Djfuminern ('JJr. 7 unb 8) beS „reutfeben riebter^ 
beim" *), bic om 3 . unb 17 . Tecember 3111* l'crfcnbung gefangen, einen elegant anSgeftatteteu 

- -A^nzeigrer“ 

bei^ngeben beabfiebtigen, fo machen wir nufere gefebäpten l'efer auf bcnfelben bebufS 30- 
fertion Uterarifeber (^r3engniffe bäilicbfl aufmerffam unb bemerfen, baß wir für bie einmal 
gefpaltene ^JtonpQreine3eile ober bereu 3 'faum incl. :)?otbbrud ber litel unb iSutornamen, bie je 

•) Um ben 3nbalt biefer Stummer tcrtlidj nicht attju febr ju befdgänfen, haben Wir botion obflcfeben, 
bereit« biefer Stummer einen äßeibnachtdanjeißer beijufleben; Wir werben baber bic für borliegenbe Stummer 
beftimmten Suferate mit (frlaubnife bcr Sluftraßflcber erft in näcbfter Stummer bringen. 


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127 


8 r 


-5^ 


ouf einer BefonberS ftel^en müffen, nur 30 berechnen. 39ei 2mQliger ?(ufna^me 
berf eiben ^Injeige geroä^ren nur 10®/o ä^abatt. 

@efl. 3Iurtrogc erbitten roir un§ minbeftenS 8 Xoge nor 5luSgabe berjenigen 
Plummer, in rocld^er boö Snferotpnben foU. ^nferate, rccld^e in beiben stummem 
5(ufna^mc pnben foflen, beliebe man, un§ Bis fpäießens 26. ^ooemBer cingufenben. 

9nSdflsoeriieidint|. 

ffebidite Don Solini :dtDnn, ftnilav Banm, :Älfrrb Streit. Ülat ^diUrrbaili, C. ülfort. CnbniQ frUmairr, 
lOifli) 3trptttot. Obrrborb Jtlmrr, (Earl Prrfer, (Earl Soflrr unb dellmntb Panhon. — Dos Polkramalieb. Q-in 
@anfl aus unferen Xagrii. Son 3nltuf 6ro(rr. (^ortfebung.) - Dir Didilrr brr DrfrrinnQskrirgr. SluS ber 
QHnIcitung gut „•rfibitfite brr brnlfdirit Citrrotnr frit ^ortbr’s lobr“, bearbeitet Don Pani deiner unb Dnbolf 
6ortte. — Dfitberfiban. - frirffibalter. — Hiebt )n fibrrrrbrn! 

IV** ^a^brudt nnr unter genauer ^neCtenangaBe geglättet. 

IBefteHungen ftnb gu richten an bie Expedition (Paul Heinze’s Verlag), ^infenbungen 
an bie Redactlon des .«Deutschen Dichterheim'' in Dresden-Striesen, ($ommi[rton: 
Tr6b*sche Bucl^handlung (^. 0d^mittiter) in Zürich unb E. Steiger &, Cie. in New-York. 


®f) 


\amt© Falter“ 


^Imn. Tliiele. 

Verlag von H. G. Wallmann« Leipzig. — Brosch. 3 M. Prachtb. 4 M. 
Diese dem Dichter Gerok gewidmete und von der Kritik sehr günstig auf¬ 
genommene Gedichtsammlung wird als Festgeschenk empfohlen. 



ßiS» 

1 jja^llü^trirrc^^ei^^riFir 


u 


Bllg 14 g.ige tin Itarhr» prrig nur 50 Pf. = 30 hr. o. tP. 

BaIjlrnd)E (Lr.xt-^IUullraticmEn. Hährliil) 78 befonhEre 
ßunjlbcilngfn. Dünüglidte ^olirdiiiUfe, lidjfhrudtB, farbige 
JRqiiarell-Bilher tu feinflcr Äusfüljruug. 

^ErlTrlnbr Hontittttt notrcllgn, l^nmartekm, intexrepr^^ntg Hufnifig xc. xc. 

„n.„«ni?rÄar.l?:^frcnim ^djnlfcr an^djultcr, 

®a 9 :garabifs ks Teufels,^ugfnbcrbfdinft, ÄÄ. 

flrobebcftc lur niiftUit frei tnd ^aud. nboiuicmcntb bei aOen ducbbaubliingen u. ipoftanftaiten. 


ÜSeftellunden aui 


It. Se. Saalmaaa'ss Sopfim$af 3 -®ac||aabIaag 

(ilaboff ^dage) 

BreUeftrabe 20 . Bresben. 23rci(eftra§e 20. 


*4 


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128 


9r 






nur für die Abonnenten des „Deutschen Dichterheim“. 

stimmen aus dem deutschen Dichterwalde. 

Ein Musenalmanach für das deutsche Haus. 

UeraiiBgegebcn von 

A.lfi-ed Heiiii^e und P* n. ii 1 Heinz«. 

Originalprachtband mit Goldschnitt und dem Portrait Carmen Sylva’s (Königin 
Elisabeth von Rumänien). 

Preis: nur bis zum 24. Decrnibei* d. J. anstatt 4 Mark nur 3 Älark. 

Welchen Anklang dieses Werk in den weitesten Kreisen gefunden hat, dafür 
spricht einerseits die Mitarbeiterschaft der namhaftesten Lyriker der Gegenwart, als: 

Emanuel Geibel, Felix Dahn, Otto Roquette, Gottfried Kinkel, Klaus Groth, 
Robert Hamerling, Albert Träger, Carmen Sylva. Karl Gerok. Julius Sturm, 
Emil Rittershaus, Hermann Lingg, Ed. v. Bauernfeld, Albert Möser, Robert 
Waldmüller-Duboc etc., 

und bew’eisen andererseits die äusserst zahlreichen, durchgängig höchst anerkennen¬ 
den Urtheile der Presse, von denen wir hier nur einige kurze Auszüge iin Fol¬ 
genden mittheilen; 

Gegenwart. „Die Herausgeber haben mit Kennerblick eine Sammlung ausgewähli, die, mit 
einigeu Ausnahmen, auch zur Zeit unserer klassischen Poesie unter Sehlllers und Goethes 
ingen Anerkennung wflrde gefünden haben. Ks tlndeu sich wahre Meisterstfleke formaler 
VoUeuduug iu unserem Musenalmanach.** Klaus Groth. 

„Hier findet sich nicht blos vereinzelt, sondern in reicher FQlIe poetisches Talent 
und es ist den Heraasgebern Dank au wissen, dass sie eine so reiche Sammlung veran¬ 
staltet, die nnserer heutigen Poesie Ehre macht.** Geber Land und Heer. 

Mit nicht geringerer Anerkennung sprechen sich ferner über obiges Werk aus: Hagasin f. 
d. Literatur d. In- u. Auslandes, Deutsches Farallieiiblatt, Vom Fels zum Meer, Blatter für 
literar. Gnterhaltung, Deutsche Hevue, Heimgarten, 111. Franen-Zeltung, Deutsehe Roman- 
Zeitung, Europa, Literar. Merkur, Vossische Zeitung, Kölnische Zeitung, Post, Nord¬ 
deutsche Allgem. Zeitung, Hamburger Nachrichten etc. etc. etc. — 


GredioIxte 


Preis: nur bis zum 24. Decembei* d. J. anstatt 3 Mark 60 Pf. nur 
3 Mark gebdn. nnd anstatt 3 Mark nur 2 Mark 40 Pf. brosckirt. 

Graf A. P. v. Schack, dem das Buch gewidmet ist, schrieb dem Verfasser 
unter Anderem: ,.Da8 ist nicht jener gewöhnliche, ermüdende Singsang von 
Wein, Liebe und Herzeleid ; Ihre Poesieen ruhen auf der Grundlage ernster Ge¬ 
danken.“ 

|i^ Nach dem Feste tritt Ihr beide Btteher der alte 
Preis wieder ein« 

Paal Heinse’s Verlag in Dresden-Striesen. 


m 


Ein junger, akademisch gebildeter 

Schriftsteller 

sucht Stellung als Redacteur oder Mit¬ 
arbeiter einer literarischen Zeitschrift. 
Gefl. Oflf. erb. u. D. R. a. d. Exp. d. „D. D.“ 


a p h n' 


Kühl war es stets, wo Lorberbäume standen — 
Doch jene Reiser, ernst und ohne Blüthe, 
Die deine schmalen, fremden Finger wanden, 
Sie wuchsen in weltfernen Sonnenlanden 
Am ew’gen Borne tiefer Frauengüte. 

B. S. C. 


to- 


(^ef«9{cbacteur unb (Sigent^ümer: ^ant ^einity ^tebocteur: Jittboff ^oelle. 

5Dni(t bon gfcrbinanb in bcn. — tNrier bon bcr ^Drefbaicr qiabierfabtiL 




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iDryiiii für i)idit^uii|) und üritiü. (i)er „i)eütldiri 

{^eraudgeber: feinte, 


Monatlich *i mal. Prait. 6.4 halbj&hrl.y Torautzahlb. Mau abuuiiirt durch jede Buuhhaudluug, lowie di¬ 
rect bei der Kapeditiou dea „DeuUcheu Dioliterheiin“ iu Dreedeu-Btrieseu. Abbeetelluugeu werden uiir bla 
1. M&rs beaieheuUicli 1. Septemberangeuommen. KiuaelueNuninieru k6u ^ 6 Stück einer Nummer.4 1,60. 


or0ei nun ifi es mit bett bfanett f agrn^ 

05 fritit ber ^exbft bie graue ^cbfu^garbine; 

garten, ber einß 3^ofenpra0t getragen^ 
Pringf 0ra0e5bttft oerdfu^ter ^affantine« 


0iit festes ?beaf toarb mir )erf0rageti^ 

^rief anf |0rief oer^ammenb im Diamine 
^nbeflTett $(bauer tt0er’m ?arie Jagett^ 
pfeift 9eir ber $iurm bie JlSfd^iebscavatiiie. 


3Gir a^nt es irtt0: mer um bas ber 0rbett 

$eitt JseridCut ga0, bett trdilen tttir fittfertte 
^00 ßrMtsCämpißett ttttb ^amittgefnttlef. 


penn alte SSotitieii^ bie bege^rel merbett^ 
pie peft^ ber Stu^m, bie ^rauett ititb bie $terae; 
$ie mftrmett ititbi, unb fiub im 0rnttbe buttief. 


7riti| 0mir )it $ 40 nai<$ - ^arofai^, 


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130 


Sr 


-5? 



Pie Pit^tcr ber '^efiernnflsüriege. 

5 Iuä ber (Jintcitung gur ^®cfc^id§tc her beutfd^cn Literatur jeit ©oct^e’S Zohr, 
bearbeitet ooii J^auf <j^ein)e unb Jtitboff (^ortte. 


iefen ^'rcten fdifieBt ftd^ eine 

e cartete ^c^aar fainpfc 8 = 
langer an; bocb ihnen 
" gelingt cä feltener, für ben 
rechten O'ebanfen baä rechte 
2 Bort ju pnben; fie goffen ihre Cfmpfinb: 
ungen gern in eine gorm, locld^e, ber 'ilntife 
entlehnt, ber 55olf§thüntlichfeit roiberftrebte. 
3 u ihnen ^hört unter 5lnbcrcn ein beroor= 
ragenber ÜJiitarbeiter 0 tein§ beim Sßerfe 
ber ^Bauernbefreiung in ^Breiigen, grieb = 
rieh 3luguft 0tägctnann (17(13—1840). 
(^r mahlt mit befonberer ^^lorliebc bie Cben- 
form für feine natcrlänbifchen O^efnnge; er 
feiert oornehmlich '^Ueuüen unb prcuiüf^eii 
^riegöruhm, bie beiitfchc Srnge liegt auücr= 
halb feineö t^Vfichtäfreijeä. 3 n einzelnen 
feiner lieber ift eö ihm inbefi geglüeft, ben 
eilten 'i'olfäton 311 treffen; fo in bem 08 e= 
biebt, rcelcheä ben 3 luä 3 ug 0 chiQä nerherrlicht, 
unb in feinem jtampfruf bei ber 3tücfFehr 
Ütapoleonä non ^Iba. 

f^erner 311 nennen ift g rieb rieh (^ott^ 
lob Se^el, ber gcrabfinnige JRebacteur beS 
„granfifchen ^erfurS" in ^Bamberg, ber fchon 
311 3«lcn ber UnterbrücFiing feiner beutfehen 
(^efinnung unerfchroefen 5luäbrucf nerlieh. 
0 eine (^^ebichtc, toelche in bem burch bie 
’^'flege beä beutfehen (^kbanfenä hönptfäch= 
li^ emporgeblühten iBrocthauä’fchen i^erlag 
in 3lltenburg erfehienen, 3 eichncn fich bei 
anerFennenSiuerther gormgcinanbtheit bur^ 
toacFere naterlönbifche t^Befinnnng au§. 0ic 
mürben 3 um 5h<^t^ bereits in ben nom gleis 
chen ilerlage h^(^ouSgegebenen „Teutfehen 
5^lättern" neröffentlieht, melehe überhaupt 3 U 
einem ©ammelplah ber (^eifteSFämpfer jener 
^age gemorben maren. 3 n berfelben 
fchrift finbet fich auch 3 uerft ber 9^ame greis 
munb iReimar; ooch nur mit feinem (^rftlingSs 
roerfe, ben „^Teutfehen O'ebichten", gehört 
ber ‘Präger beffeiben, befanntlieh grieoridh 
9^liefert, bem Jlreife ber 0 änger beS !: 8 e: 
freinngSfampfeö an. (S^leich feharfen 0 chmerts 
hieben erflingen feine „(^'charnifchten 0 os 
nette"; hier tritt unS fogleich ber fertige unb 
formenfichcre ^Tichter in ftrahlenber .9füftung 
entgegen; ben 9iamen greimunb h^l 
nicht umfonft beigelegt; er fagt mit aller 
TcutlichFeit, beren er rähig ift, feinen Janbs: 
leuten berbe, ungcfchminftc JBjahrheit; er bes 
fchroört ben C^ci)t bcS groben griebneh, ruft 
bie gelben ber Sor^eit auS ihrer t^'ruft ems 
por, um baö lebenbe C^'cfchlecht an bie 3:h<^i^n 
ber 33orfahrcn 3 U gemahnen. 

2 llS Ic^ter, aber nicht als geringfter unter 
ben 3^ichtem ber beutfien 0 chilberhebung fei 
hier Jpeinrich non kleift (1776—1811) 
aufgeführt. SSenn anbere Viterarhiftorifer 
benfelben nad; üblicher (Gepflogenheit ben 


iKomantifern 3nge3Öhlt hnl>en, fo fonnte biefeS 
^erfommen allein hi^r bodh nid)t als bes 
ftimmcnb angefchen merben. ^ie romantifche 
^'ichtung fehrt fich bem mirflichen ?cben ges 
maltfam ab; .(tleift aber ftcht mit feinem 
0 d)afien im noUcn dichte ncu3eitlichen ÖebenS. 
9 )tehr olS irgenb ein anberer hnt gerabe er 
bie Knechtung bcS 3 ?atertanbeS als 0 chmach 
empfunben; ber 5 luSbruch beS Krieges, ben 
er fo heiü erfchnt hotte, um grimmige k'ampfs 
meifen laut ertönen 3U laffen, foQte ihn nicht 
mehr unter ben ^cbenben finben. 3 :roh' 
bem ragt baS, maS er unter bem ^)rucf ber 
^^erhältniffe an nationaler ^id^tung gefchaffen, 
über ben Söerth ber unmittelbar auS ben 
Stürmen beS ÄriegeS geborenen Jieberbichts 
ung empor, l'ielfach mar er um feiner 
eigenen Sicherheit roillen ge3roungen, feine 
(^mpfinbnngen burch Uebertragung auf frembe 
^'erhöltniffe 3um 3 luSbrucf 3U bringen. So 
fchliefn „iaS legte IMcb", baS er alS Hebers 
fetuing einer griechifchen ^^ichtnng ouS bem 
3eitalter non 9 Jtacebonien be3cichnet, 

mit folgenber ergreifenben Strophe: 

Unb ftärfer raufdtt ber Songer in bie 
Saiten, 

Ttx ‘Jönc gan3e 9 }tacht locft er hernor, 

ih fingt bie Öuft, für’S 33 atcrlanb gu 
ftreiten, 

Unb machtlos fchlögt fein 9^uf an jebeS Ohr; 

Unb mie er flotternb baS panier ber 3eiten 

Sid) näher pflan 3 en fieht, oon Xhor 3 U Xhor, 

Schliefet er fein l'ieb; ec münfd^t mit ihm 
311 enben 

Unb legt bie i^eper thränenb auS ben §änben. 

jtann baS (^Icnb ber 3 eit rührenber bar= 
geftcUt merben! 2lm ooUtönenbften unb ges 
maltigften Flingt geinbeShafe unb greiheitSs 
brang auS in W „.^ermannSfchlach^t", bem 
^''ohenliebe ber . 9 tache. 3 n biefem Schaufpiel, 
baS in bie Urmälber beS alten (Slermanien 
führt, erfd)einen bie X^erhältniffe unb Stimms 
ungen ber (Gegenmart fcharf umriffen im 
Spiegel ber ^Vergangenheit. SBilber ^'afe 
gegen bie 9 Fheinbunbfür)ten feiert am Sdhluffe 
feinen Sieg; über baS perfönlithe 9 FechtSbes 
mufetfein ber unterlegenen gürften gelangt 
als höheres Sittengefeg ber beutfehe (Gebanfe 
in aller J^raft unb jRüdfichtSlofigfeit 3um 
Xriumphe. 3n ih^^er riefeuhaften Einlage 
fpottet bie Xichtnng ber geffcl ftrengen 
9^egel3mangeS, aber ber 93 erfaf|er hot fich als 
einer ber Ji^enigen ge3cigt, bie eS ungeftraft 
magen burften, ihre Fünftlerifche ilitiQfür an 
Stelle ber eingebürgerten gorm 3U fegen: 
baS Xrama hot fpät, aber um fo fichercr bie 
5 Bühne erobert; in A^iten hochgehenber örs 
regung beS SBolFSgeifteS nerboppelt fich 
SBirFung. 


81 - 


-?2 


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131 




©enn roir auc^ j^reifl ber ©runbrid^tung (Srgal^Iertalcnt beroieS namcntHcb in 

feines ©c^affenä willen ben Dichtern ber einem reipotlen, boc^ etwas fül^nen ©ittcn= 

ftoatlid^en Erneuung bcigega^It ^oben, fo ip gcmolbe, ber „ÜWarquife non O.", in ber ouf 

bem gwenüber bod^ gu betonen, boj feine bem farbenpräd^tigen A^intergrunbe eines 

reid^e ^Begabung in biefer fÄidbtung feines^ furd^tboren ^iaturfcpaufpicls entwiefetten, trof? 

wegS Genüge pnbet; tro^ feiner furjen i^reS SlnSganoS licbli^en ©fijjc „^5ic 33cr= 

SebenSbaiier ^at er nerfd^iebenen (fees lobung auf ©t. ^^omingo'' unb enblicb in 

bieten 5)enfmale errietet, bie atS 3Jlnper ber biporifd^en ^^ooefle „iD^icboel ^obtbnaä". 

ihrer Gattung, als ^Jiarfpeine ber literarifcben Jn le^terer geigt ptb ^i« 5^arileflungSfunft 

(Sntwicflung oafteben. 3” ben Xrauerfpielen jlleipS niefleiebt nod^ entfe^iebener, als 

„Ramilie ©ebroffenftein" unb „^entbeplca" in feinen beften bramatifd^n Dichtungen, 

geigt pcb wohl ber fede SGöurf beS Drama« Der ©runbgebanfe, bap bie 3Serlet^ung feines 

tiferS; aber eS ift i^m ni^t gelungen, bie SÄed^tSbewumfeinS einen fraftooHen, bis gur 

ßingeloorgänge gu einem fiinPlerifcben ^uf« Unbengfamfeit entfcbloffenen Wann bis auf 

bau gufammengufügen. Die weitgebenbpc bie ®abn beS ^Verbrechens gu treiben oer« 

Beliebtheit bot ficb W Dichter bureb fein ro« mag, ip mit unerbirtliiher ©trenge bnrcb= 

mantifebeS ©ebaufpiel „Äätbcben oon Jgieil« geführt. (^S ip beängpigenb, gu ocrfolgen, 

bronn" errungen, ©o auperorbentlicbe Be« wie ber J^elb mit eiferner ^iotbwenbigfeit 

wunberung biefeS ©tücf erregt hol» fo empe allmoblicb mehr unb mehr gut t^ewaltthat 

Bebenfen werben bureb baffelbe wachgerufen, gebrangt wirb. DaS ©cbicffal, wie eS bei 

^S ip ein Wipgrip, bie ©elbftlofigfeit echter, ben Dichtern beS SllterthumS auftritt, fcheint 

jungfranlicber Siebe in fneebtifeber Demiith hier unaufhaltfam über ber Ohnmacht beS 

baritellcn gu wollen. Die Gepalt, für wel^e irbifchen (^efcblechtS ‘ einhergufebreiten. Doch 

ber Dichter unfere Iheilnahtpc erringen wiÖ, ber beutfÄe Dichter gelangt gu einer ge= 

erregt oielmehr ftatt beffen eine an BViber« wiffen Sofung beS SBiberpreitS; baS (^efeb als 

willen grengenbe (Smppnbung. Das |)inein« 5lnSpup ber ewigen ©ereebtigfeit entfebeibet. 

ragen beS Unbegreiflichen, Uebernatürlichen ®S wirb bem Siterarhiporifer nicht mög« 
in bie §anblung, bie pch im Uebrigen folge« lieb feftgupellen, ob Äleip burd) bie 
recht aufbaut, gehört gu ben (5igenthümlidh« ©ebrüeftheit feiner Sage als Wenfd) unb 
feiten ber Äleifrjcben Wufe; man fann beS« Did^ter, bie ihn gum ©elbftmorb brangte, 

halb nicht leugnen, bap ein ^^audh oon fÄo« an weiterer Entfaltung feines EJeifteS oer« 

mantif über feinen biebterifeben EJebilben worben ip, ober ob pch in ber 'I:höt, 

ruht, ohne bap beShalb ber ^ern oon biefen wie Slbolf Silbranbt meint, fein können 

ungefunben Einpüffen berührt fft. ©o wäre mit bem „Bringen oon §omburg* bereits 

oum ohne benan©omnambuliSmu8Preifenben erfdhopft h^tte. UnS will ber Dichter olS ein 

3uftanb ber ^)elbin baS „Entheben oon ^eil« Opfer ber Jrembherrfcboft erfd)einen. Die 

bronn" fel^ wohl lebensfähig. Ein un« ©onne beS PfiihmS, bie ihm im Seben gefehlt, 

erreichtes Wuper beS feineren SupfpielS ip foüte fein Slnbenfen mit hellem ©trahle oer« 

„Der gerbroebene ^rug"'. ES ift ein in pdh Hären. 

abgefcbloffeneS, reigooUeS E^emälbe auf bem 3n gewiffer Begiehnng peht löilhclm 
^>intergrunbe oaterlanbifd^en Dorflebens. Wit Wüller (1794—182?) ben ©ängern beS 
unbepreitbarer golgericbtigfeit fpinnt pch bie beutfdhen ©ebanfenS nahe; bei ihm fommt 
J^anblung weiter, ein fleineS Berfehen wirb ein oerwanbteS EJtfnhl in ber Xh^^^^mhme 

Änlap ernPer ©eelenqualen, bie aber boeb für baS ©d^icffal eines fremben BolfeS gum 

nur ouS fleinlicben fWegungen menfcblicben SluSbruef. Die philheDenifcbc Bewegung ip 

EhrgeigeS h^roorgehen unb fomit ben 3«= fPr bie Beurtheilung ber Denfart ber ge« 

febauer mehr beluftigen, als emplidh erfchüttern. bilbeten Älaffen in Deutfd^lanb jener 3rit 

Die reifpe unb abgeflärtePc ©chöpfung ^leipS, lehrreich; nur unfer Bolf iP fähig, pch in 

ber ©cbluppein feiner bramatifeben Dichtung gleidhem Wape für frembe 5lngelegenheiten 

ip baS ©ebaufpiel „Der Bring non .^omburg*. gu erwärmen; bie Begeifterung, bie im eigenen 

.^ier tritt bie preupifdhe Slber beS Dieters Sanbe feine Ptahrung fanb, fdhweifte nach 

unoerfennbar hcroor. Der 3miefpalt gwiichen bem febönen, aber unglücflicbcn J^etlaS hin« 

ben E5eboten ber WannSguebt unb ben ^feig« über; fo barf eS nidht SBunber nehmen, bap 

ungen beS JpergenS tritt auSbnicfSooll in pch ein Dolmctfcb fanb, ber biefer afabemi« / 

Erpbeinung uno führt gum Jpöhepunft ber feben BegeiPeriing in berebten Sorten 3luS« 

bramatifeben Entwicflung. Die ©tärfe unb bruef oerlieh: biefer Dolmetfch iP Silhelm 

Seiebheit ber Emppnbungen oeS ritterlichen WüKer, ber ©änger ber EJriechenlieber. Diefe 

Bringen pcbem bem gelben bauembe Dhrif= geiebnen pch burd^ warmhergige Emppnbung, 

nähme; boeb brängen bie Iprifcben ©eenen fdhöne Klangfülle unb glatte gorm auS. Die 

gu fehr in ben Boroergrunb. 5iucb in biefeS ältere Sprif oeS E5riechenbicbterS, bereu EJrunb« 

Drama Hingen bie Äleip eigenthümlieben töne ^aturfreube, ©ehnfuebt unb Sauber« 

Wiptöne herein; bie fd[)wanfenbe .^^offung luP, ip bureb BolfSthümlidhfeit beS DoneS 

beS Bringen, bie burdh förperlicbe 3wpänbe unb Wunterfeit ber Emppnbung auSgegeicb« 

nicht genügenb entfcbulbigt erfebeint, erregt net; namentlich feine „WüOerlieber" bö^r^i 

ein aewiffeS Unbehagen, baS inbep burdh ben pch bauernbe Beliebtheit errungen, 

oerföhnenben Slbfcblup' getilgt wirb, ©ein 


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132 


«-SS 

'fettes cSeöen. 

6injl lüar ein SRicl^t§ — boc^ au§ bcm cntfKcg 

®a§ SRcic^ ber SBctt burc^ unfrei @ottcö „ffierbe", 

Unb burc^ ©ein SBort errang ba§ Jid^t ben ©ieg. 

3Baö je^t noc^ bunfel ouf bem 9^unb ber 6rbe, 

^orret auf ben neuen, fePgen Jag, 

®er feine ©onnc braucht, i^n ^u erleuchten, 
äöo ohne Sorgen 3^ber athmen mag, 

SBo nicht mehr klugen feuchten, 

Äein ©chmerjenöfchrei ben Rippen pch entringt, 

®ie ©ee(e fauchjenb ihrem ©chöpfer fingt, 

2Bo nur ha% 2((te marb ju 9richt§, hoch neu 
5)ic SBett erPanben bur^ be§ ©m’gen Jreu. 

®ohI flnb bie Sötfer arm im üKorgcnlanb, 

Ob fie auch wohnen in ber Halmen ©chatten, 

Unb an ber fügen Sßaffer blumigem D^^anb 
3n träger 9^uhe fchaun bie farbenfatten, 

©luthootten ®ilber ring§; ob feenhaft 
J)e§ 2Ronbeö ©itbernehe fle ummeben, 

©eringe 3Küh bie fchönften grüchtc fchofft 
Unb mehr alö nöthig ju be§ 2cibe§ Seben — 

©ie finb hoch arm, unb aß ihr ®Ianj ift bleich; 

3ltn grauen ffieften mir, mir finb fo reich, 

Uns ftrahit baS Äreuj, unb unfreS ®otteS Jreu' 
iWacht, roaS gu SWichtS oergangen, mieber neu. 

3(m JBatbe raufcht eS burch bie 

Unb glühenb fteht’S am SJoIfenfoum gefchrieben. 

3lch h^ri' eS oftmals in bem Jraum ber 9?acht, 

2Bo ich C)hr geblieben. 

Die Sl^eere wogten eS mir roattenb ju, 

2luf febem ©tein ber 2Uten war’S ju lefen, 

3^ fah ©temlein ging jur 9fuh, 

2US mär’ eS nie am ^immelSjelt geroefen; 

Dem ßRenfehenherjen warb eS tröftenb funb, 

Unb 3)^enf(henthränen troefnet eS jur ©tunb’. 

Dies eine SBort oon unfreS ®otteS Iren: 
nioch am ®nbe atteS, atteS neu!" 

Drum traue nicht, wenn bir auS frembem SRunb 
Serjmeiflung rebet oon „in 9^ichtS oergehen"; 

95Bir werben einft auf fchönrer @rbe SRunb 
Uns ohne glecfen, ohne TOafel fehen. 

SBoju ber Äampf fonfl unb baS Sfingen h^r? 

SGBoju bie oielen h^h^c^ ®eifteSgoben? 

9BaS fottte £ieb’ unb greunbfehaft bir unb mir? 

®aS foßf uns biefe ©eete, bie wir haben? 

®eh nid^t ^ur SRuhe, bis bir ©ineS Uar: 

Dag, ber bidh fchuf einft, ber 2UImäd^Pge war. 

©rlifcht bein Seben wie ber g^tamme ©chein — 

SWeu wirb bie @rbe, wirft auch 

_ #tt{(le SRühCmann. 


^ 


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133 


Jtoniabind %ob 


©ilb fc^äumt, ein gäl^ncnber SRad^cn, 
®cr brüDcnbc äJlccrcöfc^tunb, 

Unb rottenbe ®onncr frad^cn, 
bebt ber ßrbengrunb. 

9(u§ bunflem ©eroölfe quettenb 
Släj^ juefet 93n^ auf 
3Ktt fal^tem ©^ein erl^etlenb 
ßapriS Xprannenfife. 

Unb roUber (tet§ tobt baä ©eioittev! 
SSBie äd^jt ber ^inicnmalb! 

3Bie rüttelt am Äerfergitter 
®eS ^eulenben ©türmet ©eioalt! 

SOBiDfl breeben bie etfernen Sanbe, 

©rin roeifcber £ug unb trug 
3lnt falfcben roetfeben Sanbe 
5)en ^obenftaufen fcblug? 

t)ocb, ifl auch ber Seib umfcblungen 
®om ftirrenben, feffelnben ®anb, 

Der ©eift blieb unbe^roungen, 

SBeilt frei im b^itnifeben Sanb. 

SJlodb jüngft, ba i(b ootl trauern 
3ur SRub gelegt mich faum, 
trug mi(b auä biefen 3Kauem 
6in füger, feliger träum: 

3cb roanberte burcb’ä beutfebe Sanb, — 
Seiö roebte bie Suft, bie laue — 

3lcb roanberte am $elmeftranb 
9Sobl bureb golbne ^ue. 

3|cb roanbre fort, ber 3Bellen tanj 
SRaufebt ferner ftetö unb leifer; 

Da — liegt im 9lbenbfonnenglang 
Der fhablenbe fipffbäufer. 

3db ^ 

3n feiner fallen Dunfel; 

Da blibt e§ auf roie 3Betterf(bein, 

9Bie magifebeS ©efunfel. 

Da Pebet ein frpPatlner ©aal, — 

Äein ©terblicber möcbt ibn jimmern — 
95on beffen äßänben fonber 3^b^ 
Demanten, SRubine febimmem. 


*) akmeint ift Qriebric^ n. 


Da gelben b^b^ 

9luf bobent golbnen throne, 

3luf iebem Raupte oon ©olbe febroer 
Der Deutfeben Äaiferfrone. 

Unb einer*) nabet au§ ber ©ebaar, 
$odb rogt er auf roie eifern, 

©ein ©ang ip fiolj, fein braunes §aar 
®cfrängt mit Sorbcerreifern, 

©0 trobig feP roie Diamant 
Die bleidbc ©tirne — 

Söobl b^c^l P^ jebroerern ©türmen ©tanb 
9llS D^orblanbS 9llpcnpme. 

©(barf fpabt ber fübne 9lblerblicf, 

9llS fönnt er nie p(b roenben — 

6s lenfte einP ber 3Belt ©efebief 
Der §elb mit ftarfen ^)änben. 

6r Pebet aufrecht, fonber 2öanf, 

©iebt mir, ju nobn, ein 3^^^*^^ 

Die SReebte roill ben SCBiUfommStranf 
9luS golbnem 93ecbcr reichen. 

Da unterbricht ein eigner ton 
Die obnungSüoHe geier, 

@S nabt ber ©taufen lebter ©obn 
SKit feiner golbnen Seier, 

Der Didbterfönig ®njio, 

93olognaS ^aft entgangen, 

93on bePen 3Runb fo lieberfrob 
6inP SBeifen flangen. 

®r Pngt unb lägt ber töne Duett 
SSon feiner ^arfe flingen. 

Die leiebtbefebroingt fo plberbett 
3ln roeite Sanbe bringen. 

®S raufebt babin roie ©pbürenflang, 

©0 füg, fo fanft, fo milbe, 

©S bonnert roie SRolanbS ©ebroanenfang 
9luf SRonceoalS ©eplbe. 

Unb leife b^uebenb roie ein Äug 
©rfterben fanft bie töne — 

Das roar ber ©taufen lebter ©rüg 
9ln DeutfdblanbS §elbenföbne. 


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134 


?»-SS 

O ÜJhitter! 2Rit roeffcn 3Jhinbc 
@cnb’ td^ bic 3Räre l^tnauS? 

£üfte, traget bic Äunbe 
3[n’8 ferne §cimat^au8! 

2)ort ftcl^t roo^l ouf ragenber 3*””^ 

Gin bleid^cS grouenbilb — 

Umfonget, i^r Üüfte, bie Sinne 
®er rocinenben Iräuntcrin milb! 

Segt ouf bie 3lugcn, bie müben, 

Sanft ^aud^enb einen 
bringt i^r üom fernen Süben 
®c§ Sol^ned lebten ©rüg! 

Um §clbenrul^m ju werben 
Jg)ab cinft fic i^n gelehrt — 

Sagt i^r, er werbe fterben 
®er ^e^rcu 5t^nen wertig. 

Seb wol^l, bu lad^enbe Grbc! 

Seb wol^t, bu fd^immernbeS ÜRecr! 

3^r !^icbcn am §cimat§^crbe, 

9iun fdbau td^ eud^ nimmermehr! 

35ie Sonne beginnt bie SRunbe, 

G§ weicht baS üKorgenroth; — 

3hr Süftc, enteilt mit ber Äunbe 
SBon Äonrabinö blutigem lob! 

_ ^oehn<h« 


3 I tt fl e. 

®en §immcl fah ich ©lanj ber Sterne, 

3um 2111 ftieg auf mein @cift in ftillcr Stadst, 

3ch ft^h Sturm unb ^rad^t, 

grug nach bc§ Sein§ urtiefftem Sebensfeme. — 

O üJtcnfchengeift, in weiter bunller gerne 

Sei; ich bich ringen — nimmer ift'ö ooDbracht! 

S)ercinft, auch 9Biffcnä höch^cr SBocht, 

Jönt bir aufö 9Zeu’ entgegen: lerne, lerne! 

S)aö ift ber 3^^^^^^^ oerbinbet 

Stets beinern @ott unb bir ben @cift erhebt — 

3üaö Win ber SJtenfch, wenn er bie 2lntwort finbet 

Unb oor bem $ö^ften nicht mehr fragenb bebt? 

SBaS will ber 3Kenfch? SBcnn ihm bieS SRäthfel fchwinbet, 
$at er nicht ewig, ewig auSgclcbt?! 


Ö-« 


Gr mahnt, ba§ feft unb tobeSfühn 
SSereint fie foHen ftchen, 

SBie DtorblanbS Gichen bei 93lifeeS Sprühn, 
Sei heulenbcr äBinbSbraut äBchen; 

33iS aus beS Sturmes grimmer 9toth 
iTer rettenbe ^ort gefunben, 

$iS fich ber greiheit 9Korgcnroth 
I)emSchoo^cber9tachtentwunbcn!- 

S)aS 9Korgenroth! — eS flimmert 
®iirch’s Äerfcrfenfter herein, 

®aS blaue 2Jleer erfchimmert 
3m golbigen 9tofenfchein. 

2Bie locfen fo liebliche ®üftc 
3n'S blumenprangenbe 
$cll flingt burch bie fofenben Jüfte 
®cr Sang ber 9tachtigall. 

5)ic Jerchen, fic bürfen fich fth*Jufcln 
3m lichten, blauen 2ljur, 

®ic galter, pe bürfen umgaufcln 
Die 25lumen auf grünenber glur. 

Unb rings meiner 93ätcr Grbc 
Die lachenbe Sonne befcheint, 

3nbeg ich einfam fterbe, 

2illein unb unbeweint. 


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135 


R—-a 

Jtamin. 

ffienn §ctt beglänjt öom blcid^en SOlonbenfd^cin 
5rm $immct roinbgejagtc SBolfen jiel^n, 

D roie fo fricbKd^ fi^t ha allein 
3[n trauter ^ämmerflunbe am Äamin. 

©tiH überfinnenb ba§, roa§ ift unb mar, 

®egrü^t mi(i^ eine reid^e Silberfc^au 
Unb mit i^r ein geliebte^ 5lugenpaar, 

®a§ roie ber 3Jtorgen^immel lid^t unb blau. 

I Seim guufenfniftern flüftert mir in'ö O^r 

Oc^eimeS Siebeömort ein fü§er 3}lunb 
Unb fingt bas längfloerflungne £ieb mir nor 
Sou jrocier ^)er 5 en treuuerf(|n)iegnem Sunb, 

SBeeft roie mit 3^*^6ertönen lei§ unb linb 
3Jtir in ber ®interna(^t ein Senjerblü^n, 

3lnbe§ am ^immel Sßolfen fc^eud^t ber SBinb 
I Unb im Äamin bie ßo^len rotier glül^n. 

I _^fobot 


^ i t t e. 

O laß mich fc^auen in bein 2lngefi(!^t 
3in beiner 3lugen milbeS ©terngefunfel, 

2)u i^eurc, gieße beiner Seele Üic^t 
3Bie 5Konbenglanj in meiner Seele ®unfel! 

S)ein @laube trägt bicb auf ju fonn’ger girn, 

6r löfet bir be§ Sebenö SRät^felfragen, 

5Kit benen ic^ jermartre ba§ ©e^irn, 

5ln Siefen grübelnb unb an Sarfop^agen. 

S)u roaUft fo fefl, fo fieser beine Sal^n, 

So ru^ig Reiter roie bie ero’gen Sterne; 

öuf roe tem 2Reer in fc^roonfem fia^n 
3u fagen^aftem 3^^^ 9lebelferne. 

S)u trägfi ben §tmmel in bir, unberoußt, 

Sein 9lntlit fpicgelt feine Älar^eit roieber; 

träume oon SRiroana, meine Sruft 
3erreißt be§ l^unbertföpf'ge §pber. 

O laß oerroeilen mid^ in beiner SWäl^M 
Sie Siebe meldet l^ier, ber l^olbe griebe; 

Sor i^rem ^jaud^ nerfd^roinbet leiö mein 3Bel^, 

3öie eingeroiegt non füßem Sc^Iummerliebe! 

_ tf^renberg. 

& -ö 


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136 


-fS 




roor ein tag, roo nom Slaucn 
3 n ©trömen boS ©olblid^t xnnnt, — 
3 >ci^ fe^rtc au§ Jßälfd^Ianbö ?lucn, 
©ebrount non ©onnc unb 2 Binb. 

3J?i(b nal^m bic btütl^cnuniFränjtc, 

®ie prangenbe ^cimat auf, 

SÖJie flüffige^ ©Über glänjte 
mächtigen ©tvomeö iauf. 

ffiie leuc^tenbe geengefiebte 

Quö bem funfelnben 9Eein; 
grüßen im ©onnenlicbte 
®erge unb ®urgen am 3R^ein; 

(S§ grüfeen fc^muefe fiapeüen 
febimmembem SBatbe^grün, 
Ummurmelt uou gtuffeömeUcu 
S)ie SRebeiigelänbe blübn. 

I^ie roonnigen I)üfte mallen 
33on Ufer 511 Ufer \)tx, 
ißiclftimmige Sieber fcballen, 

©üg unb erinnerungäfebroer. 

aDu ragt’ö uon be§ S 8 erge§ Jtüefen, 
SRit ^elm gemappnet unb ©ebilb, 
93ereit, ben glamberg gu jücfen, 
©ermania’ö ergneö ^ilb. 

O, rage bu nur gemaltig, 

®u febmertgegürteteö Sffieib, 
gür immer bie ®reuc b^lt' icb, 

®ein eigen mit ©eeP unb Seib. 


Unb mu§ icb in 93Bälf(blanb§ 9luen 
3 ctt manbern auch 3 !abr um 3 labr, 
3 im ®cift boeb fann icb febauen, 
©0 mächtig unb rounberbar; 

®u foUfl mich fpornen unb mahnen, 
®u ragenbeö 33ilb am SRb^'”» 

%uf meinen bunfelnben ®abnen 
®ein roürbiger ©obn ju fein. 

O, flammte uon bir c§ nieber 
3n meine Seele uoU Äraft, 

Unb ftrömte bureb meine Sieber, 
äBaö 3tubm unb Qf)vcn bir feb^fft! 

Unb fonnP icb flreiten 

^11 febitternbem Söaffenglan^, 

©0 möcbt’ icb griebenSjeiten 
®ir minben boeb einen Äranj. 

liebt roobl Äeiuer bicb treuer, 

Sllö mer fo lang’ bicb entbehrt, 

Unb Äeincm btft bu fo theuer, 

®er heintifeb önt beutfeben §erb. 

®icb grüß’ icb jubelnb jur ©tunbe, 
©eblenbeten ^ngefi(btö, 

3 >n roonneatbmenber SRunbe, 

3 [n ©trömen golbenen Siebte. 

®cn Seeber bir leer’ icb; 

Saß bu auch in grieben nun 
3m Schirm unter beinern ©ebilbe 
®en lange iBerbannten ruhn! 

itonrab ^efmatttt. 


^oni)na(^t am :|tiani)e. 

©infam unb febaurig ift e§ Jtacbtö am ©tranbe, 
SBenn falt unb Meid) bie ÜJtonbeöficbel febmebt 
i^ocb über’m roeltoerlaffnen 

®a§ ®ünengra§ im Fühlen äßinbe bebt; 
©eltfame Stimmen raunen in ben Süften, 

®en SBanbrer fd)recfenb, ber jur ^)eimat ftrebt. 

gern roallt baö 3Jioor oon feuchten Dtebelbüften; 
35om ©(hlaf ermeeft bas 2 Jtonbenlicbt bie §ünen 
3 « ihren meerumbrauften ^ügelgrüften. 


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137 


Äein gifd^cr roirb fid^ l^cutc mc^r erfül^nen, 

^Idctn l^inabjuiüanbcrn §u bcn Sooten, 

®ie icnfcitö liegen üon bcn oben 2 )ünen. 

■ 5 )cnn biefe Diaci^t gehört bc§ SJ^ecrcö lobten: 

9Som ®tranbe fd^roebt i^r S(^attenjug jur §aibe, 

— 00 ^eigfä im 3?olf — oon 0 c^nfuc^töqual entboten. 

S:ocb mer oertraut mit f^roerftem Sebcn§leibe, 

©d^eut ni(^t bic Dläl^e berer, bie gefd^ieben, 

9 tur forgenb, ba§ er bie ?ebenb’gen meibe. — 

O meine Sieben, einmal nur ^ienieben 
9to(^ möd^t' id^ toac^enb eure ©timme ^ören! — 
aber rul;t in traumloö tiefem grieben. 

Äein Jbränenftrom roirb cud^ ^urücfbcfd^roören, 

Unb fnief idb lag für Xag an 6 urer ®ruft; 

Äein ©eufjer roirb euch je bie SRul)c ftören. 

Unüberbrüefbar gä^nt bie f^roarje Äluft, 

®arin ber @ram, ber pnftre ©iebler, ^auP; — 

Umroc^e mic^, bu ^erbe ^Uteeresluft! 

§ord^, roie bie ®ranbung bonnevt, jifc^t unb brauP! 

C 3Jieer, be^ 5 tummer§ ^qber 311 be^roingen, 

(Srroürge pe mit falter Stiefenfaup! 

©tetö lauter lap bein ©c^icffaUlicb erflingen, 

®ap meine ©eele, roie ein bunfler 5lar, 

©ntfalte roeit im ^Jtonbenglan^ bie ©ebroingeni 
®crgePenb Dtotb unb ©cbmerjen unb @efal)r 
^u^ Sletberljoben foll pe fd^roeigenb fdbaucn 
beinern ©piegel, roa§ ba ip unb roar. 

SBarb i^r oerfagt ein frieblicb 9^ep ju bauen 
SRofenbüfeben, ^^119 geroeibt, 

@0 lerne pe, ju roagen ohne ©rauen 

5)en näcbfgen glug burdb bie Uncnblidbfeit! 

Strinforb 


Ji r i t i li. 

SGBenn einer feines g^inbeS pcb erroebrt, 

©0 lobt man ibn barum unb b^lt ib« roertb; 

S)ocb b^^w^ 3)icbtcr bie, bie ibn oerbammen, 

©cblagt ibr bie §änbe über’m Äopf jufammen. 

9Bie jiebt ibr ba bic ütafen ouf unb fpreebt: 

35BaS folcb ein SJtenfeb nicht alles pcb erfreebt! 

^IS roäre nur ein Samm ber Siebter unb oerppiebtet 
3 u bulben, bap ibn jeber ®ummfopf richtet, 
ffiofür benn roarb ihm fcincS ©eifteS Äraft, 

2 )er 3Jtutb, unb jeber 3Jtüb’ ©rrungenfebaft ? 

^ermaitit c^ingg. 


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138 


gr 


-55 


Pie 

(SKac^ einem finnifd^cn SKottn.) 


Unferö ®örflcin§ ®(o(!c ffingt 
6 inc 3Wcilc rocit, 

06 non greube fic bcfc^roingt 
Ob non bitterm Scib. 

3ltt unb in gelb unb Jann 

äBiffen n)ic'§ gemeint, 

§ören gleich bem Älange an, 

Sad^t er ober meint. 

Unb fie fd^munjeln mol^lgemut^ 

SBie beim ^oeb^ettsfd^maug. 

Ober jie^en ernft ben §ut 
2 Bie im tobten^auS. 

SBei§ ein anbreS ©lödUein aud^, 
Dem'S an Älang nidbt fel^lt, 

®od^ roo^in ber bringt, ifi’ä ®raud^, 
®ag man einzig fd^mätt. 


Äeinem ruft ba§ ©töcftein 5 U: 
greu bic^, freu bic^ mit! 

Ober: benf ber ©rabeSrul^l 
§emm’ ben eil’gen ©d^ritt. 

9tein, e§ ruft: SBer ^ätf§ gebadet! 
©teUte fic^ fo rein! 

Unb bal^in nun über SRac^t 
Äranj unb ^eifigenftl^ein! 

Unb fo pflanzet meilenweit, 

5Id^, ber ©d^ofl ftcb fort, 

©c^oloutc finb bereit 
Schier an febem Ort. 

Ob’s auch nidbt oiel beffer Hing’ 
51IS ein Unfenc^or, 

SlÜcS, oorne^m unb gering, 

©pi^t banad^ baS O^r. 


SöfeS ©lödflein, fd^ulbloS ganj 
SBarb bein Opfer id^, — 

9(d^, nic^t febü^t ber ooflfte Äranj 
@egen ©cblangenffitb! 

3(o0ert gSaCbmüffet. 


^ e I 0 


Ueber ben brennenben ^JteereSfonb 
©inb mir Seibe gefc^ritten, 

9llS mir bein troljiger 3Jtunb geftanb, 
©ie bu geliebt unb gelitten. 

ffieit^in lac^enber ©onnenfebein, 
S)uftoerfcbleierte gluren — 

©oben benn unfere 9lugen allein 
SRingS beS SSergebenS ©puren? 

©elf am ©tengel, buftloS unb matt, 
^ing bie SRofe, bie füge — 

©in oertroefneteS fiinbenblatt 
©arf uns ber ©inb oor bie güge. 


®lanjumf(offen unb ohne ©cbmer^ 
$Rabte beS ©ommerS ©cbeiben — 

Ou nur, judCenbeS 3Renfcbenberj, 

5)u mugt leiben — mugt leiben! 

©eine Slütbe b^l K^cr ©traueb, 
grüebte ber Saum getragen, 

®u nur, ringenber ÜRenfebengeift, 
2Rugt entfagen — entfagen! 

Ueber ben brennenben SReereSfanb 
©inb mir Seibe gefebritten, 

3llS mir bein trol^iger 3Kunb geftanb, 
©aS bu erlebt unb erlitten. 

^fara SSulter. 


-dS 


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139 


^ei 6 |lma^nung. 

©ommcrS tc^tc SRofe ift ocrblül^t; 

®aS fd^iönc Jpatipt, ftn!t mit leifcm Scbcn. 
®er SD^orgcnt^au, ber 3)^ittag§jonnc ©tral^l, 

S^ic^t retten fie ein metfenb Slumenteben. 

Unb mie bie SRofe, il^reö ©trou^eS 

35om $erbft berül^ret flerbenb mu§ oerge^en, 

SBirb a(ib! mnnc^ ebte 3Renf(^enbtüt^e auc^ 

©ein SobeS^auc^ nom S3aum beS l^ebenS melden. 

_ S^atie 


(3m 

93on fiiebe finb erflungen 
5)er füfeen Sieber oiel — 

Äeinem ift’S gelungen, 

I)em Sieb baS ^erj bejroungen, 

3u fc^ilbern gonj i^r fügeö ©piel! 

SRur wenn in grü^IingStagen 
Die @rbe neu erfleht, 

SlBenn 5)iod^tigaIIen fd|lagen, 

9Benn Dornen Sftofen tragen: 

Dann burd^ bie ilBett bie Siebe gel^t. 


cSieße. 

38 0 l f § t 0 n.) 

Dann roirb fo fü§ bekommen 
Das iperj in jeber ®rufl, 

9Bei§ nic^t, roie cS gefommen, 

Da§ i^m bie genommen, 
SD^öd^t' meinen faji bei aß ber Sufi. 

Dann flingfS in taufenb 
Dann flingfS in Siebern oiel — 
Do(^ Seinem ifl'S gelungen, 

Dem Sieb baS §crj bejmungen, 

3u fc^ilbern ganj i^r fügeS ©piel! 

_ 8R. ^röitiitger. 


J r i c tt g I u 


Durd^ ber Dünen lanngel^ege 
fliegt ber $erbft auf müben ©d^roingen, 
Äü^t bie 6rica am 2öege, 

Da§ bie rotten ©löcfc^en flingen, 

Seife, leife 

Orü^t mic^ i^re 3öubermeife; 

ÜKal^nt mit l^olbem Slüt^enmunbc 
üT^id^ an jene golbnen Dage, 

Da im fonn’gen Dünengrunbe 
SRofen bu mir brad^fl oom ^)age. 

Unb mir laufd^ten 

3BaS bie blauen äBeßen raufd^ten. 


SBelfenb fanf bie SRofe nieber, 

^erbftminb gel^t burc^’S Xanngcl^ege, 

Unb baS 3Keer raufest 3lbfd^iefelieber; 

$liur bie ©rica am 9Bege 

®rügt mid^ leife 

aWit ber alten 3öubermeife. 

Ob beS ©ommerS ®lanj oerglül^et, 
Cb pd^ fd^eiben unfre 23a^nen, 

Jief in unfern Jperjen blühet 
gort ein fel’geS ®lücfeSa^nen, 
3Q8unberprad^tig 

©tra^lt bie Siebe, ^aubermäd^tig. 

_ Jinna 9 ‘ 0 igL 


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Literarische Reliefs, ^^id^tcrportraits 
üou Ernst Ziel. Tritte 9 tcit)c. 

(5b. SSartig.) 2Bir l)abcn gelegentlich oer 
beiben früheren 53 änbe biefem nerbienftüoüen 
unb nortrefjlichen 3 Sterfe bereits roieberholt 
©orte loärmfter 2lnerfennung unb ( 5 mpfehl= 
ung genjibmet nnb fönncn bicfe nunmehr 
ou^ bem britten 53 anbe gegenüber auS ooU= 
fter Ueberjeugung nur rcicberholen, obgtei^ 
(Einiges barin etioas auS bem eigentlichen 
Oiohmen beS Unlernehmenö hcraustriit. 0o 
hätte ber jioar hübfeh gefchriebene, aber hoch 
ber 53ebeutung bcS großen gran^ofen nicht 
gerecht roerbenbe 5 ^efrolog ,X^ictor 
roohl fehlen fönnen unb auch baS intcreffantc 
^■rinnerungSblatt „;3m ^^erliner Innnel" ge^ 
hörte beffer an eine anbre Gtellc, roährenb 
mir bie höchft banfenSroerthen, neuen W\U 
theilungen über granj oon (^aubp gern mit 
einer ausführlichen SÖürbigung bcffelben als 
Tichter oerbunben gefchen hätten. Uebrigen 
möchten mir nur noch '^cbenfen bagegen er^ 
heben, ob i!>einrich ^ierorbt, ber junge, reich= 
tolentirte $oet, mirflid) fchon ^nlaß ju einer 
abfchlicßenben ^Teurtheilung feiner ?eiftungen 
bot, ba er fi^ hoch ojjcnbar erft in ber (^ni= 
midfelung befinbet unb feine befte unb reichfte, 
lepterfchienene (^'ebichtfammlung bem ^i'ers 
faffer bei i'oOenbung feiner 0fi^'^e noch nicht 
einmal oorlag. 0onft bringt 3^iel roieber in 
ben oier TiepterportraitS „Vllfreb 3 )Zcißner", 
„(^ottfrieb iteder", „©ilhelm ^orban" unb 
„.^cinrich ^eutholb" mahrhaft (^^ebiegeneS unb 
dJbftergiltigeS ju 0 tanbc. ‘^^efonberS bie 
erfte unb bie leptgenannte ('ha^öheriftif finb 
erften fWangeS unb mir glauben jchmerlich, 
baß über ben trefflichen öfterreichifchen “il^oeten, 
ben 0änger beS „^iöfa", ober über ben un^ 
glücflichcn, im ^rrenhaufc oerftorbenen ^chmeU 
3er etmaS 5 ^effereS, ©ahrercS unb 3 tttrcffens 
bereS gefagt merben fönnte. 5 ?ci ber eingehend 
ben unb liebeooUen 0chilberung, melchc ^iel 
dJleißner 3U ^h^tl merben läßt, h^t er nicht 
nur l'icht unb 0d)atten mit heroorragenber, 
fritifcher 0chärfe, rbjectioität nnb ©ohihcitö= 
liebe bnrehauS geredet oerthcilt, fonbern ben 
Tichter in feinem ©irfen auch meifterlich auS 
ben feine A^it bemegenben i^Vbeen heraus er: 
flärt, unb oie mannhaften ©orte, bie er felber 
ben unerfreulichen, mobernen ^eitftrömungen 
gegenüber pnbet, gereid^en ihm'nur 3ur ^h^'e* 
K'eüerS (Eigenart als ©r3ähler, als melcher er 
uns Dcrtrauter ift unb auch bebeutenber er: 
fcheint, roie als ^prifer, mirb oon 3tel fein: 
fpürig erfannt unb ebenfo flar als über: 
;eugenb bargelegt, lieber ©ilhelm Sorban 
lagt 3iel dKancheS, morin unfere eigene 3 Wcin: 
ung oon ber feinigen obmeicht, moS unS aber 


nicht hittbem fann, feinen ( 5 ffap für eine mit 
großem gleiß unb einer üaunenSmerthen 
gähiglcit, fich in frembeS C^^eifteSleben hinein: 
3iiDerlepen, oollenbete ^Ärbeit 3U erflären. 
^J^icht übereinftimmen fönnen mir mit 3icl 
bar in, baß er ebenfo h'^r, mie auch anber: 
märtS Tichtungen, bie nidht 00m mobernen 
('^^eift bnrihtränft finb, fd)on beShnlb 00m 
äfthetifdhen 0 tanbpunfte auS für onachro: 
niftifch erflärt unb oerroirft; ben 53 cmeiS ba: 
für, baß nicht aud) h^nte noch Tichtungen 
aus oerfd)ollener 3^tt, menn fie nur fonfl 
oon bid)terifchem Seben erfüllt finb, poetifdben 
i^odmerth befipen fodten, ift er unS fchulbig 
geblieben. TaS in oortrefflich abgefdhliffener 
unb oft miiftergiltig flarer 0pra$e oerfaßte 
©erf, oon bem ade unfere l'iteraturhiftorifer 
lernen fönnten, fei um feiner bebeutenben 
5?or3Üge miden abermals bringenb empfohlen! 

Konrad TelmaniL 

Licht und Schatten. ^ebiAte oon 
Rudolf Eckart. ( 5 ^erlag oon ^inricuS 
gifcher ^adhfolger, dlorben.) grei oon ge: 
fehraubter i^efiihlShenchelci hnt ( 5 cfart in 
biefer (.^ebidjtfammliing nur baS, maS er 
innig unb tief nachempfunben, h^^^Slit^ nnb 
mann auSgefproihcn. 0 o gehen beim biefe 
Tichtungen 3U Jerxen unb nehmen bnreh eine 
liebenSmürbige 'Tefd^eibenheit ben ?efer ge: 
gefangen, greili^ enthält ber ^^anb aii^ 
eine iKeihe minbermerthiger 'l^oemata, bie 
einer i^ointe ermangeln. — 'Jluch in .'pinficht 
auf bie gönn ber (.^ebidüe oerbient ^dart 
^Inerfennung. ift ber l^crSbau nicht 

etmaS 3 lenßerlicheS, ein (^efäß, in boS man 
bie (^^efühle unb 9 lnfchauungen gießt, fonbern 
mit äfihetifd)em (Jmpfinben meiß er für baS 
bargeftedte C^efühl and) bie paffenbe gorm 
ber i'erSfüßc 311 pnben. Ter 5 Weim ift, ab: 
gefchen oon einigen ^a^läffigfeiten, correct. 
Unreine iWeime finb ja in jebem C^ebichtbuche 
anjutrefien*); ftrengen Tabel oerbienen fie 
bcShalb auch nur bort, mo fie fich häufiger 
ftörenb bemerfbar machen. dfid)t bidigen 
fönnen mir bie ^equemlichfeit (^efarts, bie 
mciften 0trophcn nur in ber 3meiten unb 
»ierten ätile ju reimen. 

Gedichte oon Leonhart Wohlmnth. 

günfte ^luflage. (2)lünchen, (^eorg T. ©. 
(^admep, 188 i.) (^ine 0ammlung oon ( 5 ^es 
bichten, bie cS bis 3U fünf Sluflagen gebracht 


♦) 33cftTciten tolr. 9Ran tiergl. ji. ®. „spalme unb 
JieTonc" bon 3uliu8 0tunn, -Gatircn unb (H^tßTonnne^ 
»on $aul 6d)bnfelb, „6(hauen unb @(bafen* bon 
albert aJlöfcr u. f. ». ». Keb. 






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141 


■ 5 ? 


bat — baS ift I^eut3uta9c eine 0eItcn^cit, 
für bic nic^t einmal ber innere ©crl^ beä 
J'argebotenen aiä (^rflaningSgrunb bienen 
fann. renn roie nid ^iiteö, ja ^Sortrefj: 
Iic^e§ auc^ auf Ii)rifc^cm (Gebiete ift in neues 
rer ^t\i gcfc^affen roorben, baö in ben l'as 
gern ber ^l^uc^ljänblcr ein bunfleö rafein 
triftet unb im glücftid^ften gälte biirrf) ^}luf= 
nannte in eine jener 'ilnt^ologicn, bie noc^ 
immer roie '^^il3C auä ber (hbe fc^iefeen, eine 
gelegentliche ^lufcrftchung feiert I ©rfreulict) 
ift eä auf leben gall, roirflicheö i'erbienft beö 
^priferö burch eine ungeroöhnliche il^cachtung 
non ©eiten be§ roill fagen 

non ©eiten ber fogenannten „gebilbetcn" 
Jeute, auch öufterlich anerfannt 311 fchen. Der 
33 erfaffer ber hi^i^ fünfter ’iluflagc uod 
liegenben (^ebid)te uerbient folche 'ilnerfcnns 
ung burchaiiä, obroohl mir ben ^Jtamen ßeotis- 
hart Sohlmuth in feiner ber neueren Viteras 
turgefchid)t:n ermähnt finben. 'Jtamentlich in 
ber erften 3 tbthei(ung beä l'uchcö — „'IMäts 
ter ber Viebc" — fchlügt er fehr marmc, ins 
nige röne an; gleich ba§ (^ingangögebicht: 
^^itte" ift eine h^nrliche ^}luöftrömung echten 
Viebeögefühlö. ^'eruorftechenbe biejer 

Dichterphgfiognomie finb ferner ein reger, 
tief im ^)er3en mur3elnber 'J^aturfinn, manne 
Vicbe 3ur vN^eimat unb eine eble if^egeifterung 
für ba§ (Mlücf unb bie höchften Ci^üter ber 
^tenjehhdt. 3 Jdt einem 2ßort, eö ift ein 
reiner, reicher, ftarcr (^eift, ber au§ allen 
biefen (^ebichten fpricht. erften 1 heile 
haben unä aufjer bem genannten Viebe „U^ers 
bannuug", „il^allabenb'^ „iüerjöhnung'' nod) 
gan3 befonberä angejprod^en. Slitch bic 
„©timmen ber 'Jfatur'^ bie 3roeite '2lbihcilung, 
enthalten man(^eä ©dungene in einfachen 
!Dtetren, bic hier aber unmittelbarer unb ties 
fer auf ben Vefer mirfeu, alä uidc fehr ges 
fünftelte Jßerfe in ben Aperuorbringungen ans 
bercr, 3um 'Iheil berühmter ^ictttcr. Sir 
rootlen hier uor '2lflcm auf bie Okbichtc 
„grühlingögrufe", „'^ergnad)t", „ ^JJtittagäs 
ruhe" hi^^^^^eifen. 5 t 5 allabenartige§ unb 5'crs 
roanbteä ift in bem '2lbjchnitt „^cr ^aijers 
bom 311 ©peicr" 3ufammengctragen; hier 
nöthigt uns namentlid) baS flanguolle, jubelnbc 
erfte (^ebicht „ 5 lm 9 ^hei»» önt !}thein!" 3U 
mormftem 'Beifall. 2lud) aQeS ^Inbere, maS 
biefer ber ©ammlung bietet, ift meift 

fehr fchmunguoU, unb oornehm unb ebd in 
(^ebanfen, uon echter, innerfter '-I^atcrlanbSs 
liebe burchglüht; nur geht ber dichter hier 
gumcilcn 311 fehr in bie 55 rcitc unb mürbe 
eine noch beffere Sirfung er3iden, menn er 
(eine ©^ilberungcn etroaS fnapper gefafd 
hätte. ^en „'Silbern ber 3eit" berührt 
bic patriotijchc ißcgciflerung beS XidjtcrS nid)t 
minber mohlthucno, mic bie barin 311m ?luSs 
bruef fommenbe Viebe 311 Sahrheit, JHe^t 
unb greiheit. „itolumbuS", „l^lfafe", „gries 
benSgrufe" finb in biefer iPe3ichung treffliche 
Belege. X)en mürbigen ©chlup bcS 53anbcS 
bilben „SScrmifchte (^ebi^te", oon benen „X'aS 
beutfehe Vicb" unb bie romifchen if^ilbcr „^luf 
bem Kapitol", „ 3 n ben Katafomben", „Vefs 


fing", „Seihe ber Xonfunft" befonberS her= 
oorhebenSmerth fmb. X)cm fchönen ©d)lu6= 
gebid)t „^aperlanb, mein X>cimatlanb!" oers 
banft ber Xid)ter gemift nid)t 3um geringften 
Xheil ben erfreulidjen äufteren (Erfolg feines 
it 5 ud)eS, ben mir nad) i?Ulem, maS mir hier 
barüber 31t fagen hatten, bemfdben auch oon 
•persm gönne... 

Attila, .^iftorifcher fffoman auS ber 
^ölfermanberung. ^l'on Felix Dahn, günfte 
3 luf(age. (Veip3ig ISSS, i^citfopf unb 
.V'ärtel.) ^tan fann bem (^^efd)ichtSroman 
unferer 3eit nid)t oötlig gerecht merben, menn 
man benjelbcn ciujcitig uom äfthetifchen 
©tanbpunft auS betrachtet; cS ift oidmehr 
311 berüdfid)tigcn, bafe bcrfdbc eine fulturgc: 
|chi^tlid)c ©enbung 3U erfüllen hat. C^S 
barf für unfer il^olf als eine ber michtigften 
geiftigen Stufgaben beS neun3chnten ^ahr- 
hunberts bcjcidjiict merben, bie Kluft 3mifd)en 
bem (Jinft unb ^efd »u überbrüden, melche 
burd) ben S^erfaU nationalen ©eifteSlebcnS 
feit ber 'fidttc beS fechsehnten ;gahrhunbcrtS 
unb burd) baS glcid)3eitige Ueberhanbnehmen 
ber SluSlänberei er3eugt mürbe. Stuf biefem 
Sege hat bic gcrmani)ti)d)c Siffcnfcjhaft, eine 
nothmenbige (5rgän3ung ber friegerifchen l^rs 
hebung in ben S^efreiungSfriegen, bie (%unbs 
tage rcftgelcgt; bie ftrenge SUffenjehaft oers 
mag fid) aber niemals unmittelbar an bie 
breiten SJtaffen ber C^^ebilbetcn 311 menben, 
eS ift ein S)iittler nöthig, unb biejer Mittler 
3mifchcn ber Kenntnifi beS (?inft unb bem 
A^cutc unfercS 55 olfeS ift ber hiftorifdhe Dfomon; 
berfelbc hat fomit, menn man oon feiner l^e: 
bcutung als Kunftmerf abfieht, aud) nod) einen 
ersiehli^en 3 a>ccf. ÜJfit biefen oolfSihümlichen — 
©irebungen ift ber fjfamc gdi^ X^ahn unabs 
löslich ücrfnüpft; ber neue Vornan bcS X^ich' 
terS, beffen .'•^elb ber graufige .'^unnenfönig 
ift, meift alle Xbr3Ügc oon X^ahnS geber ouf: 
ipannenbe .V>onblung, lichtoode, burchfichtige 
Odicberung unb treffenbe X^arlegung ber 
fcdifchen S^emeggrünbe ber hanbelnbcn ^ers 
fönen. X^ie (^cftalt Slttila’S ift ein SDteifters 
ftücf ber TarflellungSfunft, ein Unthicr unb 
ein ^errf^er 00m Sirbel bis 3ur ©ohlc, 
ein oerabfeheuenSmürbiger Vüftling unb hoch 
ein Ufonn, ber mahrhaft föniglicher C^nts 
fdjlüffe fähig ift. 'Xic S^ithaung eincS Uebers 
menfehen, ber bei aüer fittlichen SSermorfens 
heit burch bic C^rößc feines SoUenS unb bie 
©tärfc feines ('•difteS einen gemiffen C^rab 
oon Xhcilnahme ermedt, hat X)ahn bereits 
im „Kampf um iHom" oerfucht, inbem er bic 
fdtfame C*»^eftalt beS C'etheguS entmarf. .<>ier 
ift biefcS gemagte fünftlerifchc Unterfangen in 
Slnlehnung an eine gefchidKlid)e ^criönlich= 
feit glüdlid)er gdöft. CHnc ber anmuthigen 
©icgtriebSgcftalten, mie fie X)ahn leid)t ges 
fingen, ift ber jugcnblicbe (:^ermancnfürft 
X'aqhar, minber gelungen erfcheint mir ber 
(^^epibenfönig Slrbarich- ^l^tcho, bie tobeSs 
muthige ^angfrau, bie baS Ungeheuer 311 
feiner S5raut erlefen, oercint Seiblichfeit unb 
X^dbenfinn; aUerbingS ift bie Slrt bcS Oons 1 


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142 


RT 


flictcg unb feine Jöfunfl einic\ermafen (^erooat. 
( 5 § ift möglich, bafe nid^t oÖe alten jreunöc 
T^al^nö non feinem neuen 93 u(^e befriebigt 
ftnb; anbrerfeitä aber bürfte er fic^ jiu ber 
großen ©c^aar ber älteren neue greunbe ge^ 
roinnen, benn ber fWoman giebt eine fort? 
fci|reitcnbe Sluögeffoltung feines bic^terift^en 


ÄonnenS. 


Rudolf Goette. 


Tränmereien im Stndirsttibchen. 

2 )ic^tungen non Engen Hane. (T^reSben, 
Qi. ^^ierfonS 33 crIog.) ^ier l'^rifer ift ber beft-- 
gcfd^mä^tc Üliann in ber beutfc^cn Siterotur; 
er ift ber feftgebunbene Ubu, auf ben bie 
Cotlegen non ber 3<^ber, ^auptfäc^li* bie= 
jenigen, bie fic^ ärgern, baft fic feine Vprifer 
finb, mit großer ©d^abenfreube loSpirfen. ^'er 
„l^o^e Iprijc^c ^ic^ter", ber ©(l)übling ^tatenS, 
fommt babur^ gu 'J?ublifum, Verlegern unb 
D^ebactionen in eine unerträgliche Stellung. 
„Ueberprobuction" h^if^t baS 9 ®ort. mit bem 
man feine 2lnfprüch<^ S“ 5 ?oben fchlägt. T^a^ 
bei ifl eS fchmählid^ unroahr, bag an roirfs 
lieber ?nrif Ueberflup märe. - ^)ie ‘läufchung 
entfteht oaburch, bag bie allerbingS grobe 2 ln: 
jahl non nötlig rcerthlofen i'eröftcntlichungfn 
nor ben klugen ber SBett fritifirt unb — 
natürlich! — lächerlich gemacht roirb, anftatt 
nach norgenommener ^eetüre einfach in ben 
Cfen beforbert 311 werben. Sin mittelmäbiger 


unb fÄlechter ?prif ift Ueberflug, ja: aber an 
guter Öprif fo roenig roie — am Q 5 uten in 
ber SBelt überhaupt. — ^'ie oben genannte 
©ammlung ift gute Sprif. ©ie roeift eine 
überrafchenoe (Eigenart ber ©toffe, Klarheit 
unb fachliche golgcrichtigfeit in ber 03 Iiebers 
ung berjelben, eine entguefenbe ©timmungSs 
füUe unb eine überaus fchtoungooüe unb 
farbenreiche 23 erS 5 unb ©pra^behanblung auf. 
^er 5 )ichtcr h^tte mich bereits burch feine in 
biefem S^Iattc crfchienenen O^ebichte gefeffelt, 
unb fein 53 üchlein h^t bie ©pannung, mit 
ber ich in bie .^anb nahm, roohlthuenb 
gelöft. 5 )ic „©eenen unb Silber" 
wenigen SluSnahmen 311 fehr blohc ^^ecora« 
tionSmalerei; man nermiüt am ©cbluffe 
immer bie epifche Pointe; aber auch oiefer 
Slbtheilnng pnben fich i)or3ÜgU(he (^'ebiebte, 
wie „Corinna", „Sftar3i6'' unb „^)ie ^e|t". 
Oft jeigt .^ane eine gewiffe Serwanbtfchaft 
mit §reiligrath, womit ich fttgen will, 
bab er bie ( 35 egenben nicht gefehen ho^c, bie 
er fchilbert. Slm tiefften nti^ bie 

„Erinnerungen" ergriffen. „2Som ÖJlücf ein 
SJtärchen wav’S", „©(heriba" unb „Emefta" 
habe ich noch lange nicht 3um lebten SJtale 
gelefen. ‘Cer !Jilel ber ©ammlung ift fehr 
befcheibeu gewählt; eS fommt aber nicht auf 
baS ©tübchen an, fonbern auf ben, ber barin 
lebt, träumt unb bientet. 



Ernst von Wildenbruch erhielt für hci^= 
öorragenbe Jeiftungen als bramatijeher ^Dichter 
nom Äaifer baS 9litterfreu3 bcS ^ohen3olIern5 
fchen JpauSorbenS. 


®er S?orftanb bcS @oethe = Slrchit)S, $ro= 
fejfor l)r. ©uphan oon Söeimar, weilte am 
Jl. b. üJt. in ©tuttgart, um ben feiner3eit 
non 3* Erophfrsogin non 

©achfen: 2 Beimar für baS Eocthc^Slr^in an= 
qefauften Briefwechsel zwischen Goethe und 
Schiller, ca. ltX)Ü iHiefe, welche fich 
fibe beS für3lich nerftorbenen ^rhrn. n. Eotta 
befanben, non ben Erben beffelben gu über^ 
nehmen unb nach Weimar 311 bringen, 'l^ro« 
feffor ©uphan reifte am b. mit bem 
fojtbaren 35 efib nach Söeimar 3urücf. 


Robert Hamerlings epifche C)ichtung „^'er 
Völlig non ©ion" erfchien foeben in einer 
neunten, nom ^erfaffer burchgefehenen Slufs 
läge. (S 3 erlagSanftalt unb !Crucferei, ^am? 
bürg.) 


^erauSgegeben non 21 . non f^repborf, er* 
feheinen foeben unter bem Mittel „©pät er? 
blüht!" aufgefunbene Eebichte non Ernst 
Moritz Arndt; bie (^ebichte bilben ein in fich 
abgefchtoffeneS EangeS unb finb im S^hr« 
lbi 2 niebergefchrieben. (Ih- -^naur, 2cip3ig.) 


2 ?on Richard von Meerheimb erfcheint 
nä^ftenS im ißerlag non ^ßh- S’fcclam jun. 
in l^eipgig eine beuttche freie Umbichtung ber 
berühmteften fomifchen Epen beS frangöfifchen 
^^id)tcrS J. P. Gresset („Veit. Vert“; 
„Odyssee“; „Le Lutrin vivant“ :c.). 


5 Bon Felix Dahn gelangte foeben eine Er- 
jählung „f^rigga’S 3 a" gur SluSgabe. ( 23 rcits 
fopf & Partei, 2eipgig.) 


Wilhelm Jensen ließ foeben noch rechte 
geitig für baS gefl evf^einen „ 23 ier SBeih^ 
nacbtSergählungen". (®. Elifcher'Rachf., ?eip= 

m-) 


to- 


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143 




Sßon Gerhard von Amyntor crjd^eint 
fang ^cccmbcr ein neuer ^'erliner (Sittenj 
roman „^ie (^ifellig", ein Gulturbilb au§ 
her ©egenroart. (SB. griebrid^, ßeipsigO 

- ♦- 

Gin $enbont gu feiner (Satire „3flad() be^ 
riibmten 3J2uftern" neröffcntlicbt Fritz Mauth- 
ner bemnäd^ft unter bem litcl „0c^mocf 
ober bic Iiterarifd)c Karriere ber Ojegenioart", 
(g. & ?e^maun, i^crlin.) 

- « - 

^5)ie iRitter beä beutfe^en .^aufcä" nennt 
Gregor Samarow einen neuen D*?oman, n)et= 
eher für^licb in ber I^eutfc^en iL^erlagö-Slnftalt 
in Stuttgart erfd^ien. 

- « - 

Hans Hopfen nerönentlidjit unter bem litet 

hinter" ^um elften "Biale feine gefammelten 
bromatifd^en ^rid)tungen. (^'>ofmann & Go., 
S3erlin.) 

-)it- 

Xie elfte Stuffn^rung be§ 5^rama§ „5^ie 
Ouiboro" non Ernst von VV'ildenbruch im 
Äönigt. Cpem^aufe ^u ^.i?erlin braute bem 
^'ic^ter einen entfe^iebenen, grofeen Grfolg. 

- 4 t- 

Martin Greif ^at ein neues Xrama ood^ 
enbet. GS fi'djrt ben 3:itel ^Gonrabin, ber 
lebte ^o^enftaufe", ‘Irauerfpiel in fünf Steten, 
unb fd)lieüt bie 9^ei^e ber ^ohenftaufen: 
S^ramen, bie Greif mit „4*>einric^ bem körnen" 
begonnen, ab. ^aS (Stiid, beffen Si?ibmung 
ber ^t?rin 3 :^egent oon Shapern angenommen 
l^at, miro, gleich feinen beiben Vorgängern, 
an ber SJtünc^ener ^ofbü^ne ^um erften SJlale 
in 0cenc ge^en. 

- « - 

. ^'oftbeater 311 »^annooer mürbe am 
3.5^00. Gustav Kastropps fünfactigeS Xrauer- 


fpiet «Suffuf unb (Suleifa" jum erften SIRale 
unb groar mit ^utem Grfotge aufgefübrt. ®ie 
Tic^tung ift nic^t neu; fic liegt feit etma ge^n 
Jahren gebrudt oor, böt ober erft jebt ben 
3ittritt gur Vübne gefunben. ^er i^iebter 
bat eS oerftanben, einem uralten, oon ber 
Vbö^itJftc üielfncb auSgefcbmüdften unb oon 
ben Siebtem febr bönftQ bramatifirten 0toffe, 
mie berjenige beS 3ofepb in Stegppten ift, eine 
neue SBenbung ju geben, bie mit ber Ueber: 
lieferunj gmar frei fcbaltet, bie aber im 
SBefentUeben ben Gbarafter berfetben roabrt. 

- ♦ - 

5^er Gebanfe einer deutschen Volksbühne 
ton^t immer auf’S S^ene unb immer bat^t= 
näcflger unb planooUer auf. GS ifl bereits 
eine GefeQfcbaft jur Vegrünbung beutfeber 
VotfSbiibnen in ber Vilbung begriffen, grei^ 
berr Jpermann oon ^Dtatpan, ber feit ^sabren 
für biefen G^ebanfen in SBort unb 0(prift 
eintritt, legt in einer Schrift „Volf unb 
Sebaufpiel" auf’S 9hiie bie ^\tU einer fols 
eben Gefenfd)aft bar. SIIS Sip ift Verlin qe= 
ba(bt; oon bicr öiiS fotl bie Gefellfd)aft ftcb 
über alle ^beite beS ^eicbeS oerbreiten unb 
CrtSoereine bilben, in benen auch bie ^tunb^ 
artbiebtung gepflegt merben foU. 
roitl man auS prioaten SRitletn baS SBerf 
förbern, fpöter aber aueb bie Unterftüpung 
ber Vebörben ju geminnen fueben. Vei Gins 
riebtung ber VoIfStbeater follen bie Unters 
febiebe beS '^^taprangeS tbunlicbft oermieben 
merben. 

- 4 t - 

^ie grieebifebe SRegievung bot für baS 
Denkmal. meIcbeS bem ^^iebter ber G3rie(bens 
lieber, Wilhelm Müller, in feiner Vaterftabt 
J^effau gefept merben foll, einen SRarmorblocf 
efebenft, ber ficb bereits auf bem SBege nach 
er ^unftmerfftatt beS .^ofbitbbauerS Schubert 
in $)reSben befinbet. 



1. V. S. in B—n. 5Rit jambifd/em unb 
troebäifebem VerSmap ftänbig ju meebfetn, ift 
nicht ftattbaft; bie Stimmung mirb bifrbureb 
gcroaltfam ertöbtet. 

P. K. in B—n. Sie biepten: 

fd)riafm Rlang germtangen 
Tie öaiten meiner J^arfe; 

^(b fnote n« inbeffen 
.Su neuem ftunftbebarfe. 

SBir bitten, unS mit folcbcr fnotigen ^oefie 
gu oerfebonen. 

C. L. in L—r. Seien Sie ohne Sorge; 
maS oon unS angenommen ift, gelangt auch 


jum Slbbrucf; felbftoerftänblicb ift eS aber 
Sache ber S'tebaction, ben ä^itpunft ber Vers 
öiientli^ung ju beftimmen. 3b^ Gebitbt ift 
gegenmärtig jum Slbbrudf gar nicht geeignet. 

K. S. in F—t a. M. Vei ber „Vallabe" 
oerbietet bereu aubergemobniiebe 5änge unb 
bei „Äunft" bie SDtenge ber unreinen jReime 
ben Slbbrucf. 

W. E. in H —g. «f?icbt unb SBärme" 
unter SlpboriSmen. 

C. N. in S—p „Um bob^o G. W. 

in P—g gefürst unter bem 5;itel „Giner 
Scblummemben*; C. E. S. in B—n „Ganps 


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144 




5 ? 


mcb" Unterstreichung ber norlebten Strophe; 
W. S. in S—g i. E. „Xroft"; A. W. M. in 
W—n „9J^eiu Vaterhaus"; E. H. in F—t a. M. 
„5^crIoren" mit einigen ^lenbcrungen in ber 
Ic^Uen Strophe. A ngeuoniuien! 

F. K. in B—n nnb A. 11. in B—an (oieU 
fach ftörefibe rhnthmifche vV'ärteii); H. VV. in 
A—n unb A. Ö. in B—n (511 bcfchciben); 
C. R. in C—1; C. S. in S—g i. E. (auch 
^hi'en gilt baS in 3^tr. G unter R. ü. in 
B—n (i^efagtc); iM. L. in 1)—n (ohne rechte 
Tiäpofitionj; E. K. in B—fh (oielfach mangels 
haft in ber ®ahl bc§ ^(uöbrucfö); E. W. in 
W—n: C. M. in C—g (Sie laifcn narf)); 
F. E. in B—n: E. H. in Z—a (föunen 
mir heute, nach ^^^heen, nicht mehr bringen); 
R. H. in R—dt; H. P. in B—g (recht lobcno- 
loerth, aber oiel in breit unb iimfänglicl)); 
R. S. in L—au; H. S.-S. in A—h; Dr. H. 
M. (j. in D—en; K. M. H. in B—n (bc; 
feitigen Sic in „'Jlbcnblicb" ben ^licfreim im 
lebten ikrä); A. R. in R—d (theilö in [ich 
n)iberfprud)§DoU, theiU formell nachläifig); 
A. K. in W—g i. S. (mctrifche "JDiängel); 
A. H. in B — n (falf^c unb ocrbrauchte 
D^cime): L. D. R. in B. VV—eh (all^u loorti 
reich); P. M. in S—g (gu oicI fachliche 9^e' 
fleyion); C. G. in B—y ('^efprechung bereite 
auberroärtö oergeben); G. R. in B—n (ftreben 
Sie nach mbglichfter Knappheit unb (Einfach: 
heit); M. M. in B—y Qur G^enüge bei unö 
bchanbelt); E. M. in C—s (hüten Sie fich 
oor D'tücffchritten); H. B. in D—n („‘Tie 
Stemenfronc" nicht ohne einige hübfehe ' 21 ns 
laufe). Dankend abgelennt! 

G. J. in B—n. Sie haben lalcnt; hoch 


üben Sie mehr Selbftfritif bejüglich ber 
gönn unb beö Inhalts! 

F. P. VV. in B—ch. 2öir haben Sic auf 
unfere „'^eftimmungen oon allgemeiner 
G'eltung" oerroiefen, aii§ benen jnr (genüge 
heroorgeht, unter loelchen 33ebingnngcn mir 
briefliche itritif erthcilen. ^hre fämmtlichen 
gragen beantmorten mir mit ^\a. 

P. K. in L—au. ^hnen, foiuic oerfchicbenen 
jugenblichen .Geiüfpornen bemerfen mir, bap 
bic ' 2 'eurtheilung ber ;ur brieflid)cn .«ritif 
eingefanbten G'ebidjtc nid)t .Galä über Kopf 
erfolgen fann, loenn fic fachlich unb gcroiffen- 
halt auögcübt loerben foll. ]^\\ 3luänahmes 
fällen fommt eö roohl oor, bap loir IHiefc 
umgehenb beantroorten; allein 4 bi§ 6 39ochen 
muft man nnä Spielraum laffen! 

R. in S —n. "iTaS fmb ja entfeblichc 
Schioicrigfciten, bie !gl)nen Jlh^ 2^u(hhänbler 
macht. Senben Sie nur in G>otteä 5tamcn 
ein! gnr ben ^liifinp bürften mir aber roohl 
faum ^Ikrrocnbung haben. 

R. R in VV'— n. 5)aft Sie für eine au§s 
gebliebene 'Jtummer C^rfap oon nnS roünfehen, 
ift natürlich unb ooüfommen bered)tigt, ni^t 
aber, baft Sie unä ohne ‘iiiciteree hierfür 
oerantroortlid) machen unb baö 3lbhanbens 
fommen eineö StreifbanbeS oon hier big 
nach 3i?ien für unmöglich halten, i^or ber 
2lbfcnbung einer stummer roerben bic Streifs 
bänber nochmalg genau Stücf für Stücf mit 
unfern Giften oerglichen, fo bafi ein 25crfchen 
unfererfeitö faum möglich erfcheint, unb auch 
an Sie ift bie reclamirte Senbung nach*- 
ro ei glich am 15.'J^ooember abgegangen. 

D. E. 


(6(hlub ber IRebaction biefer tttummer: 24. 9tobember 1888.) 


I 


^id^t jtt üßerfeßen! 

3)a roir auch ber nächfien Kummer beg „'I^eutfchen Tichterheim", bie am 17. 
cember jur ißerfenbung gelangt, einen elegant auggeftatteten 

- .A.iizeigr©r‘‘ 

beij^ugeben beabftchtigen, fo ma^en roir unfere gefchähten ?efer auf benfelben behufg 3 ns 
fertion literarifcher ^rjeugniffc höflichft aufmerffam unb bemerfen, baff roir für bie einmal 
gefpaltene 'RonpareiOc^eile ober bereu 9?aum incl. 'Jfothbruef ber ^itel unb 2lutornamen, bie je 
auf einer 3eile befonberg ftehen müffen, nur 30 4.^f. berechnen. 

@efl. Slufträge erbitten roir ung ßls (pätefltns 10 . pecfOtBer. 


^nharbocncidinih. 

•ebiibtr Don Priii} (Smll m ddiOnofdi-tKarolatb, tPttilir jnflblmonii, Kidiorb IlSbilib, Cborlei Ülidirrtf, 
.frobor ffSor, (Sbrrnbrrq, fionrob Kclmonn. Itrinbotb .fuda, firrmonn i*inqq, Robert WolbmflUrr, Clora iniBrr, 
Ülarit Orribrrl, fions Ül. ArBninqrr unb Annn Ooiqt. Dir Difbtrr brr Rrfrrinnqikrirqr. $lub ber Einleitung 
jur „tfrribiibtr brr bratfibrn Citrratnr frit 6ortbr*9 8obr‘\ bearbeitet t)on Doal ^rlnjr unb Roboif tforttr. 
(©chluft.) — fillibrrfibon. - Citrrotar anb ftonft. — Drirffdtoltrr. — Ridit ju flbrrfrbrn! 

MT Slaißbrudt nur unter genauer ^ueltenangaOe gebattet. 


I SBeftellungen f^nb gu richten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag), ^tnfenbungen 

an bie Redaction des „Deutschen Oichterheim** in Dresden-Striesen. 311 ^ommiffion: 
Trfib’sche Buchhandlung (9. Schmittner) in Zürich unb E. Steiger dt Cie. in New-York. 

ö-ö 

(Shcfs9febacteur unb ^igenthümer: 9^auf ^einie^ flfebacteur; ^tuboff ^oelte. 

ICrud oon gferbinanb i:bomab in S)rcSbcn. — tßopiee bon ber SlrcSbcnei tpcMHcrfobitf. 


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I 


Drgnti für itnd ilritil. (Der „Dnitfi^en Diditerliatfe" 18. £atiii.). 

.^Herausgeber: yaiif <Äein)e. 


Moumtlich‘i mal. Preis: 6 .# halbjährl., vorauazahlb. Mau aboniiirt durch Jede Buohhaudltuigy sowie di> 
reot bei der Kxpeditiou des ^Deutscheu Dichterheim** iu Dresdeu-Strieseu. Abbestelluugeu we^eu nur bis 
1 . März becieheiitlich 1 . September augeuouitneu. Kinzeliie Nuitiinerii k 50 ^ 6 StUck einer Nummer 1 , 60 . 




nnh 

^^xtlV in hex pdmmcrfiunbe 
^nf nnb a6 gr(a||nrn ^nifs. 


<^05(|efdfi vom f agesfrBen, 
SSefinergrfirrn^ traumnfrfprrn 
^anbC’ in ntid^ fttbß nerfnnlen^ 
W^t\% nid^i mefr non ^eii unb ^ri. 


pnrd^ bic offne ^immemife, 

<|tuf bem winirrfic^m ^eppi^ 
SSanbf i<$ wie in weichen St’offten. 
^dre ni($l ben eignen friif. 


S^Cdl^rifß fefn ntid^ biefe Stdnme^ 
gSo if^ monc^eo gefaufei^ 
ptefe gSdnbe^ biefe SSifber 
^remb wie einen ^remben an. 


Pranflen wirb es flilT nnb flilTer; 

Pann nnb wann ein ^Aberraffefn^ 
Pann nnb wann ein pc^fag ber ^fodien 
%dnf gebdwpfi no($ bnrc^ bie ^ac^l. 


^nb mir afni: in einer «^nrie 
SSerb i($ fier nic^t fänger wofnen^ 
gSerb i^ fier nid^i weiter wanbefn« 
^eft ein <jtnbrer ein nnb ans. 


9nb mir bäucht: in biefen pimmern 
$e9 i($ afo mein eigner pd^atten^ 

<|ir5 ein $afl ans anbern Stetten 
$6en je^t fd^on gei^weis nm. 

jlarf ^aoL 



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146 


-SS 



Per '^aiolTeftsmus im öetttf(^en 
'^ofäsftebe. 

![^itcrarifci^e ©tubic oon 


ic gorm unb Eigenart beä 
pebrciild^en ^arallcliSs 
mu§ ift befannt: 

^ er fpric^t, fo ge|d)ie^t eä, 
3iUc er gebeut, (o fte^t e§ba." 

^erfelbe (^ebanfe toirb in anbrer götm 
mit onbern SBorten roieber^olt. J,ie 2öirf= 
ung biefcS 'Paraüeliämuä ift, toie .§erbcr 
fc^on in feinem ißue^ „ißom (Reifte ber ebros 
ifdbcn ^l^oefie* ausführlich bargethan, baü bie 
beiben (^lieber fich gegenfeitig ftüpen unb 
fräftigen; cS mirb boburch bem c^ebanfen eine 
nad^brürflichere, zugleich auch — für baS 
Oh^^ foraohl mic für bie C^mpfinbung — poe- 
tifchcre gorm nerlichen. 

i)er ^i>araneliSmuS, ben mir im beutj 
fAen 35olf§Iiebe finben, ift anbrer ?lrt. 
5(uerbing§ roirb auch h^^^ (4^ebanfe in 
groiefacher gorm auSgebrüeft, aber bie beiben 
(^lieber flehen in einem ganj anbereit i^er- 
holtniü 3 u einanber: baS eine bietet ben 
banfen an fid^, baS anbre ein entfprechenbeS 
ißitb aus ber D^atur. 

3ln unb für fich finb Silber, Vergleiche mit 
ber 9^atur u. f. ro. iunächft feine jpcciellen 
^hörafteriftifa für oaä Volfälieb, fonbern 
fommen ber Voefie überhaupt ju alS eine 
ber poetifdfien Äunftformen, mciche ben bar= 
jnftcUenben unb Jpanblunjjcn ein fleib= 
jameS ÖJemanb leihen. 5lber in ber gorm 
unterfcljcibet fich hier VolfSlieb fehr 
roefentlich non ber Jlunftpoefie. ^luSgeführte 
©leichniffe fennt cS gar nicht; birecte Ver¬ 
gleiche — folche, bie fich auch ^“rch bie gorm 
als fol^c fenngeichnen, finb feiten, ©o lautet 
mohl einmal ein Vergleich: 

$)eine ©chönheit roirb oergehn 
©ie ein Vlümlein auf bem gelb, 

aber gleich barauf geht eS bann ohne bie 
gorm beS Vergleichs roeiter: 

©S Fommt ein D^fciflein über ^acht, 
5Rimmt ben Vlümlein ihre Fracht. 

3nt Verhältnis gu anbrer SDiebtnng pnb 
Vergleiche im VolfSliebe jebenfatlS feiten. ®ie 
2lrt, bie Vegiehung groifchen IRenfeh unb 
Statur hcrguftellen, ift nielmehr bie cinfachfte, 
bie ftch brnfen läöt: (Einfache 'D^ebencinanber^ 
fteHung, ohne nerbinbenbe (^onjunctionen unb 
Vartifeln — gnerft ein Vilb anS ber D^atnr, 
bann baS entfprechenbe Vilb auS bem V?enfchen= 
leben: 

fRofen, fie blühen, fie müffen nerberben; 

3Renfch, gebenfe, auch bu miiSt fterben. 

tiefer VoraUcliSmuS ift burchauS nicht 
bem beutfehen VolfSliebe allein eigenthümlich, 
fonbern pnbet fich öueh in ben VolfSpoefieen 
anbrer Völfer, eben roeil er bie naheliegenbfte 


unb cinfachfte 3lrt ber Vegiehung groifchen 
Vtenfeh unb Statur ift. 'JRan oergleiche g. V. 
einige flanifche 3:anglicbcr: 

O roic fanft bie OucHe fich 
J)urch bie SBiefe roinbet! 

O roic fchÖn, roenn ?iebe fich 
3u ber ^iebe pnbet. 

Ober: Vögelcin burchraufcht bie l^uft, 

©licht nach einem '2iftc; 

Unb baS ^erg, ein ^erg begehrtes, 

So eS felig raftc. 

Ober: ©ieh! roie ift bie Oaietlc flar, 

Vlieft ber 'iRonb hernieber! 

bu meine l'icbe bift, 

5iebe bu mich roicber. 

(^in ferbijeheS VolfSlieb beginnt: 

©chroarger Verg, ooll bift bu beS ©chattenS. 
^)ergc mein, notl bip bu beS CeibcS. 

Ober, um ein Veifpiel auS ben Vantun, 
ben VolfSliebern ber 2Ralapen, onguführen: 

Senn eS um ben ^onb nicht roäre, 

Sär’ fo hoch ber 5Rorgcnftern? 

Senn’S um bich nicht, Liebchen, roäre, 

Sär’ bein älterer Vniber (= Liebhaber) *) 
fern? 

Unb in ben VolfSliebern ber C^hinefen giebt 
eS eine (Gattung, roelchc benfelben t^ebaiiFen 
bveifach in incnig nevänberter gorm roiebcrholt, 
unb groar jebcSmal erft im Vilb, bann ben 
(^ebanfen fclbft. 

Sir fehen baranS, roic biefe einfachPe 5trt 
ber 5Ratiirbegichung bei ben nerfchiebenften 
VölFern fid) finbet, roöhrenb fie anbrerfeits bei 
manchen Völfevn, fo in ber altfrongöpfchen 
VolfSpocfie, faft gor feine ©pur geigt. 3^is 
tcreffant roäre cS immerhin, cinmol bie d)a- 
rafteriftifchen gormen in ben VolfSpoepeen 
nerf^iebener VÖlfer gu nergleichcn; unS fommt 
eS hiev nur barauf an, im beutfehen VolFS = 
liebe bie nerf " ‘ ' 
formet 
giren. 

1 . 

Oie einfachPe unb natürlichftc gorm bcS 
'IsaralleliSmuS ift bie, roelche bie jehon mit^ 
getheilien V^oben erfennen laffen: ©in 9^o = 
turbilb roirb norgeführt; biefem 
roirb auS bem 3Renfchcnlcben ein 
Vilb an bie ©eite gefept, baS fi(^ 
nollfommcn mit jenem beeft. ©o 
hotten roir fchon oben: 


• »II« V4^ VII V S 4 9 

bie ncrfchiebcnen ©rfcheinungS: 
cn beS ^^arolleliSmuS gu )Fig= 


♦) ber iiiebbaber „©ruber" beseiebnet toirb, 
barf nicht auf fallen; man benfe nur beifoielSmeife an 
bie aItfransÖft|d)e Xiebtung, n>o bie (beliebte febr büu« 
üg alÄ „8uer, douoo amiK“ C^cbioefter, füpe ^ceunbin) 
oom (?kliebten angcrebet toirb. 


-18 


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147 




9f?ofcn, ftc blühen, ftc müffcn ücrbcvbcn; 
ü)?enfci^, gebcnfe, aud) bu mu^t fiecben. 

®ie§ tfl bic tppifd^e gorm für biefc 
fc^jcinung, foft nie bcifet e§: „roic bie D'fcofe 
blü^t unb oerbirbt, fo ftirbt auc^ ber ÜJlcnfd^ 
bal^in", fonbcm meift ift c§ eine einfache, 
ober aerobe boburd^ fo roirfunoSootte ’)}orol= 
(eie. 

©in onbereS Sieb beginnt mit ben Sorten: 

Senn aUe 33rünn(ein fliefeen, 

00 foK mon trinfen. 

Unb roev ein’n lieben Suhlen l^ot, 

Xer joK i^m roinfen. 

im IrogemunbSlieb, bog U^fonb olg 
bog erfte feiner 0ommlung („SUte l^ocl^i unb 
nieberbeutfe^e 93olfgUcber , 1844 unb 45, 
iBonb 1, 9fir. 1) mitt^eilt, oerfterft fic^ ein 
folc^er ^orolleligmug, „SD^teifler ^^rogemunb" 
ift ein 3)ionn, bem „^roeiunbriebcngig 2onb 
funb finb" unb bem noc^einonber eine 9^eibc 
D?atbfelfragen oorgelegt loerben, bic er mit 
feiner ©rfo^rung aUe red^t beontroortet. 
einigen ©tropfen roerben nun bie grogen fo 
georonet, bo6 auf eine groge, n)e(c§e bic 
?Ratur betrifft, immer eine ouf IJtcnfc^cn be- 
güglic^c folgt: 

2Jurc§ roog ift ber Dt^ein fo tief? 

Ober roorum finb grauen fo lieb? 

2)urd^ roog finb bic ^Jtotten fo grün? 

^)urd^ toog finb bie D'tittcr fo fü^n? 

Unb bem entfpred^enb loutet oud^ bic Slntnjort: 

23on mond^em OueU ift ber fRfjein fo tief, 
S3on ^>o^er ^inne finb bie grauen lieb. 
5Bon mondjien .ftröutcrn finb bie hatten 
• grün, 

I 33on ftorfen Sunben finb bie Dritter fül^n. 

^er ^^arolleligmug gioifd^en bem tiefen 
D'^^ein unb ben innig geliebten grauen, 3 n)i? 
fc^en ben frifd(> grünenben hatten unb ben 
fampfegmut^igen S’Jittem ift nid(>t gu oers 
fennen. 

^efonberg roirfunggooHen 3lugbrucf gcs 
minnt biefer ^araUeligmug, loo eg um 
ben Slbfc^ieb jroeier Öiebenben ^onbelt, ein 
^otio, bag faft regelmäßig mit bem 53ilbe 
beg Sinterg in "iparallele gefteOt roirb. S5e= 
fonnt ift biefeg: 

©ntlaubet ift ber Salbe 
I ©Jen biefem Sinter falt, 

Jöeraubet roerb’ id^ bolbe 
^ein’g Siebg, bog mad^t mid^ alt, 

Unb ganj ä^nlid^ in einem anberen: 

©g ift mir gefallen ein falter 0d^nee, 

1 ©efallen auf meinen 

ÜJtein Sieb ift oicr^ig Weilen oon ^icr, 

I Unb bag mir merben muß. 

i Ober im Sieb oom gefangnen unb oon fei* 

j nem Sieb getrennten 0%äfer flingt bie ©Jriinb= 

I ftimmung burd^ bag gange ©Jebid^t im Äe^r= 
reim ^inourd^i: 

©erg unb X^al, falter 0c^ince, 

©on ^erglieb fd^eiben, unb bag t^ut toel^. 

k - 


Sie man an ben mitget^eiltcn ©roben Ttcbt/ 
ift ber 5lugbrucf biefer ©ilber fnapp unb beut= 
lic^, o^ne überflüffigeg ©eiroerf, meiß iß bag 
©Jange in ©iner 0trop^e erlebigt: in ben groei 
crßen 3^1^« 33ilb, in ben 0cb(ußgeilcn 
bie gur $)arftcUung gebrad^te ©mpßnbung. 
0eltner gie^t ftc^ ocr ©aralleligmug bur^ 
mcl^rere 0tropben ^inbitrc^, aber aud^ bann 
immer nod^ fdjiarf obgegrengt: in ber erßen 
0trop^e bog ©ilb, in ber groeiten ber eigents 
li(^e @ebanfe. Wan muß fid^ b'^rbei immer 
gcgeuiDÖrtig galten, baß mir in einem ©olfg^ 
lieb ein roirflicbeg Öieb, b. b- ein ©Jefungeneg, 
oor ung haben unb baß baber jebe 0tropbe 
eine abgcfdbloffenc gorm bietet. 0o loutet 
in bem febbnen ?ieb: „3ft 2lUcg bunfel, iß 
3llleg trübe" bic giocite 0tropbe: 

Sag nüget mir ein feböner ©arten, 
Senn 2lnbre brin fpagicren gehn 
Unb pßücfen mir bie ßtöglein ab, 

Soran idb meine greube bab? 

Unb erft bie näcbße 0tropbe bringt bie ent^ 
fpre^enbe ^ratlelc: 

Sag nüßet mir ein feböneg Wäbd^en, 
Senn Slnbre mit fpa^icren gehn 
Unb füffen mir bic 0(bönbeit ob, 

Soran id^ meine greube bab? 

©ine befonbere ©caibtung oerbienen hier 
noch bic fogenannten „ 0cbnababüpfl" 
ober „©’fö^l"/ roic fic auch beiden; eg 
finb bag, toie befannt, flcine ©iergeiler na^ 
einer einfacben Welobie, bie eine aitgenblicfs 
lid^c ©eobaebtung, eine allgemeine Sobrbeit, 
ni(bt feiten aueb eine fcrnige ©robbeit ent« 
balten. Won muß ficb bicfelben beim ‘iangs 
reibn gefiingcn, ja auch bei bcmfelben im? 
prooifirt benfen, roic eg nicht mir oon unfern 
febroäbifeben unb bairifdben ©auern, fonbern 
auib oon außerbeiitfcben, befonberg flaoifcben 
©olfem bureb glaiibroürbige 3«tigen beftötigt 
roirb. 3n ben ?ieberfammlungen ßnbet man 
biefe ©iergeiler tbcilg cingeln aufgefübrt, tbcilg 
trifft man ße auch in gufommenbängenbe 
lieber eingeßidft, roo ße halb recht gut bincin= 
paffen, halb roieber nicht. 0ie führen ouf 
biefe 3lrt in ben Siebern ein reebteg Sonbcr= 
leben, roic man benn ein unb baffelbe ©’fäßl 
oft in brei, oier Siebern roieberßnben fann 
— immer ober leicht fenntlicb baron, baß ße 
in furger, fnapper gorm ein obgefcbloffencg 
©an'^c bilben, mögen ße nun eine augem 
blicflicbe 0timmung ober einen oügemeinen 
0aß augbrüefen. 

©erobe hier iß ber ©oraHeligmug baußg. 
00 fingt ein unglücflicbcr Siebbaber: 

5)aß im Salb ßnßer iß, 

Wachen bie ©irfen; 

®oß mich 0^aß nit mag, 
^>ag fonn ich ^nirfen. 

5)aß eg gerobe ©irfen ßnb, barauf iß fein 
©croicht gu legen; eg bcbeiitet überhaupt 
©äume, alfo ber 0inn: 3^ Salb iß’g 
ßnßer, mein 0(haß mag mich nicht. 

Oerfelbe ©ebanfe in ein loenig oeränberter, 
Harerer gorm: 


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148 


5r 


-59 


im fßalb ftnfier ifi, 

SJ^ac^cn bie 

®a6 mid^ mein 0ci^at? nit mog, 
®aö glaub* id^ fcfi. 

iWan Faun l^icr fo rcd^t febn, roic am 
!Di(^ten biefcr Ö^’la^I beibe (^efd^Icd^tcr pd^ 
betl^eiligt; bie foljenbe 0tropl)c l^at offenbar 
ein Icbenös unb liebeSfro^er C^^efeÜ gebid^tet: 

®ic ^)afen, bie man fc^iepen foH, 

®ie laufen in bem Salb. 

©cbÖne 3}Jabd^en foö man lieben, 

Unb e^* fte roerben alt. 

dagegen barf man bie bur^u§ nid^t feltnen 
©pottnerfc auf bie jungen ^D^änner roo^l gc= 
troft luftigen, fd^elmifd^en ^Tirnen gufd;rcibcn: 

ifi Fein ©c^ifjlein fo grop, fo Flein, 
(J'ä fAroimmt bem Saffer nach. 

00 tbun alle SunggcfcHen, 

0ie laufen ben 3)tdod^cn nad^. 

Seitnerbreitet unb in oiclc 33olfgliebcr 
übergegangen ift ber 23cr§: 

68 ifi Fein Sletjfelc^en fo runb unb rotl^, 
68 fi^t ein Sürmc^en brin. 


68 ifi Fein itnabd^en fo ^übfe^ unb fein, 
68 trägt einen falfc^en 0inn. 


miffen fold^e8 auc^ 


5lbcr bie „^näbd^en* 

^cimsuja^lcn: 

Sa8 l^ilft mir mein ©rafen, 

Senn b’ ©id^cl nit fcbneib’t? 

Sa8 ^ilft mir mein 0^äfeel, 

Senn’S bei mir nit bleibt f 

Unb noc^ braftifd^er ein8, ba8 un8 au8 bem 
©aalt^al bcFannt: 

Sa8 nüpt mir ein 5leppel, 

Senn er inroenbig ift foul? 

Unb roaö nüpt mir ein ^äbel, 

Senn ^at ein lofe8 ^oul? 

Ober — um mit ctrooS reebt ^^roftifdt)em 
unb eben borum ed)t l^olFömägigcm ^u 
fcbliebcn — roie offenherzig berb ijt nid^t 
jener ^er8: 

^l^raunnägelcin finb füge, 

^ie 0d)oten, bie finb fauer. 

3ch meint*, e8 freit mich ein 9Feiter, 
io roar e8 ein lumpiger ^ouer. 


(gortfe^ung folgt.) 


'^ei^naebtoaBenb. 

fe'ntjünbct ift bc8 6h^iftbaum8 

Unb (euchtenb gic§t e8 feinen marmen Schimmer 
^uf all bo8 Föftlich=gli(^ernbc ©eflimmer, 

®arein ber tonnen bunfleö ®rün fich flicht. 

SBeldh reiche ®aben! t)och roir fdhaun fie nicht, 
t)a8 5 luge fucht im glanjerfüUten 
9 ta(h ihf^ t)ie fonft am ^benb immer 

®emaltet hier in treuer £icbe8pflicht. 

Sic, bie ju biefer roeihcootlen Stunbe 
3[n unfrer greube ba8 gefrönt gefehn, 

SGBa8 tief gelebt in ihre8 ^er5cn8 ®runbc — 

D ba§ fo früh mu§tcft oon un8 gehn, 

O 3 )tutter — jmiefneh fchinerjt bie herbe Söunbe 
Jpeut, ba nermaift ben 6hnftbaum mir umftehn! 


^rih fBerfarbf* 


K- 


.£8 


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149 


( 92 a 4 bru<f berboten.) 

ülae ÖotkrameUtJ».** 

fitt $«ttg «tt5 ttttferen ^agen. ^ 

IBon äittfitts 

(gortfefeung.) 

@ ]§ 0 f i n g. 

„äBo^in?" braufl ber portier mit jc^roffem Son — 

„©0 pflegt man in'§ §otcl nic^t etn^ubringen!" 

©rroin 35olfram überhört ben $o^n, 

6in ©c^ritt genügt, ben gintritt ju crjrotngen; 

Unb märe auc^ ber 3Bäc^tcr Segion, 

§icr lägt ficb nicht um feinflc gormen bingen. 

„9Jtan foU hi^i^ hören, maö mir ®eutfchcn mollen!" 

Unb blaue ^ugen blaucö geuer rollen. 

Unb in ben ^ra^tfaal bringt bie bunte ©choar; 

^)ie Slumen buften unb bie Äerjen gli^en; 

®er Xafel ©olbfehmuef fd)immert munberbar, 

Unb rings ^ltenglanb§ SSürbenträger fi^en, 

©ele^rte, SBcife, ©cntlemen fürroahr; 
betroffen ring§ bie grogen ^ugen btifeen, 

Unb manche ©timme mochte fragenb raunen, 

I)ann fuhr mon ringS empor mit jähem Staunen. — 

Seicht paunenb blo§ — man ift empört, entfett 
Cb folcher höchfl fragmürbiger ©eftalten: 

S)ie (Salabrcfcr roinbfehief aufgcfcht — 

"iDic langen Särte, bie barbierlog mollten, 

®ie feu^ten Sippen, no^ non ©in bene^t, 

Unb bann bie leefen gäufte, bie geballten! 

Äein jSatilina jog mit folgen Strolchen 
3um (Capitol, um luHiug ju erbolchen. 

Äein ^arcioal, fein Soherangerin 
®ra(h fo herein ju ^rtug tafclrunbe, 

3Bo bie Sempleifcn ^u ©ineoraS Änie'n 
©efänge ftammeln mit ent^üeftem üJtunbe. — 

Unb fäg im ^)ain ®imancn8 noch 3Jfcrlin, 

3ch möchte miffen, roclche ©cherfunbe 
©r mit ^rophetenmorten h«ut geflüftert, 

3lnt Sanne oon ^^h^h^^^^^ten umbüftert. 


*) ^IcTburdö maefien tolr blejcnigen unferer 9lbonnnitcn, bie in blefem 3Ä^rgange neu binjugctrcteir 
gnb, ^öflicbft barauf aufmerffam, bnfe mir bon ben Im 8. 3abrgangc erfebienenen erften fünf ©üdbet« bc0 
©olrramSIiebeA €epaTata^üge genau im Formate hti ..Teutleben Ttcbtcrbeim*' haben anfertigen laffen. fo ba^ 
blcfelben bem laufenben aabrgange unlreS ©latte® mit beigebunben werben fönnen. Tiefe Geoarota^üge, 
ca. 6 ©ogen umfajfenb, finb aum GelbttCoftenpreife oon lat für ba® Gtüct bireä oon un® fotote bureb 
©ndbbanblung au Rieben. 

gxfebitioti bff „3fentfi9en pUO^er^eim**, 


J 


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150 


R-$9 

®oc^ ein Saut ba§ Sc^iuci^cn unterbrach, 
irat ©rroin oor, unb feine $ulfe beben, 

2Sie feine Stimme, aU er männlich fpraih: 

„SJtplorb^, moüt biefe freie gorm oergeben; 

®och miffen möcht' ich, f^r folche Sdhma^, 
aSSie un§ gefthehn, in Sonbon 9^tichter leben; 

Cb uod) ^fi)l ber greiheit (Sngtanbä Äüfte, ; 

Cb ®ner lebt, ber fich mit Seifall brüfte, j 

®a6 ungeftraft un§ ^öbelmuth umfehnob, j 

®ie ®eutfchlanb§ Sanner in ben Staub getreten. i 

Unb miffen möihf ich, ^b 5llteng(anbö äRob 
Unö Ärieg anfagen barf, roie mit trompeten? 

2ßir finb nur beutfehe gtüchtliiige, ©ottlob, 

S)ie nie um &ure Sritenhülfe flehten; 

®och ©nglanbö ©hre feheint zugleich oerpfänbet, 
aSSenn ungefühnt man 2)eutfchlanb§ (?h^^ fchänbet!" — 

So bleich unb 1)11^1^^ Ponb ber greife Sorb, 

Sorb a?alnierfton, noch biefen fallen. 

2lltenglanb§ Parlament beherrfcht fein aSort, 

^)ier fanb ber |äh ®fdhrecfte faum ein Saßen, 
fpränge ein (Sorfar ^u ihm an ©orb. — 

„Sei ®ott, fo pflegt man unö nicht anjufaflen . . . 

3(ch mügt’ aueb nicht, roe^h^^'^ flehen; 

Good bye, Mylady, unb auf aSJiebcrfehen!" — 

Unb fchmer gebeugt oon bannen fchritt ber üJlann, 

®er SWann beö blaffen lobeö, ber ^ur Seite 
(Cenn unpehtbar am lebten gaben fpann 
Cie ^arge längft) bem Sorb gob baö ©eleite. 
ailöbalb ein anbrer ©entleman begann: 

„3Jtein ®ott, bie ganje aSclt liegt h^ut im Streite; 

Coch menn aWangel hobt, beutfehen 9lrmen, 

Sei ©nglanbö mohnt ba§ Erbarmen —" 

Unb höflich g^üpenb fchritt audh er baoon, 

Cie anbern Herren folgten nun in ©ile. 

3mar Carroin lächelte, hoch Xennpfon 
aBar bla6 gemorben, minber nicht (Sarlple. 

3n folchem ^^aufe folche $Hebeßion . • . 

Son folchen Sippen folche fcharfe ^Nfeile . . . 

„3Ba§ fam ber Sabp bei?" — fo tönt ihr glüPern, 
fie nach folchen German beggars lüPern — " 

„aSaö thatet 3h^ on!" — fo fprach oerPört 
3}hpabp — 3ovne§ohnmacht miß fie rühren. 

„S^er gab baö Stecht ®uch — fholl»9 - unerhört! 

Solch frembeä people in mein §auö ju führen? —" 

Unb roeiter fprach pe SOtandhe^ noch fiiipört, 

Cie Ciener bei ben offnen 

mar nns ®crmanp — maö ip’ö unö 
Cn? Snnb ber Slrinnth unb oerfommnen Sente — j 

IS-£8 


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151 


iS-»I 

„3Birb ®ro§mut^ fo gclol^nt? — id) bcnf nid^t flcin, 

©cim ^immeL 9Jicnfd), roic loavt unbcfonncn! 

I ‘ Unb bcnnoc^, ^ört an: — ic^ roitt ncrjci^n, 

2Ba§ tact(o§ wnb unbebacbt begonnen, 

3}?ein gaftUdb ^)cim fo ju entroei^n. 

täufdbung ift verronnen, 

®oc^ jeljt, mein (iebeö £inb, mofit dud) ermannen 
. Unb fd^ieft bie roert^e $elbenf(^aor oon bannen —" 

banf 6uc^, Sabp, ba§ bie 3)^aöfe faßt, 
ffiir fennen längft ^Itenglanbö roa^re ®rö§e, 

®ie überatt i^r Äaufmannönel,^ gefteßt, 

®em geinbe Sßaffen giebt, Äattun bet Stöße, 
geuer febürt mit gutem ®etb, 

©leicboiel, ob'ö @ift in offne SBunben flö§e, 

®a§ 3Bucber treibt mit Sölfern, bie oerfcbulbet, 

®ocb feines ©olfeS eigne greibeit bulbet — 

I „SBabrticb, mir märe, roie CbpffeuS, bang 

I Unb an ben ßJfaffbaum lieg au(^ idb mi^ binben, 

I Um nicht ju folgen bem ©irenenfang, 

©orüberftürmenb taub in tauben SBinben: 

,^abt ®anf — ber be^mang, 

din Ib^^ ©nglanbS ©tanj erblinbcn; 

®rum beffer ift'S, mir fcbeiben b^ut in grieben. 

£ebt roobl — ^d) g^b mit 6u(b, cS ifl entfebieben! 

„gabr mobt, bu freies ©ngtanb, reidb unb ftolj, 

®u D^eufartbago auf ber gelfenfreibe. 

Die 3rft fommt audb noch, ba bein Dreijaef fdbmotj! 

9Kag fidb bein ©inborn möfien auf ber ©äeibe. 

Du feibne ©ebroefter, mit ber ©ruft oon §oIg, 

9Bir finb baS ^tfcbenbröbel ©udb jum 9teibe; 

Doch ^tfcbenbröbel b^^t ben ©ieg errungen. 

9fa(b Deutfcblanb auf — jur |)eimat, alte 


3ln ber §cimat. 

Siet feböne ©rbentanbe, oiet SReicbe loeit unb breit 
©ab icb in manchen @lanj unb ^eiTticbfeit; 

Dodb flotjer, frobgemutber mir feines im ^erjen ftanb, 

5ltS bu, getiebte §eimat, mein grüneS ©icbenoatertanb. 

SBobt mögen Sötfer merben um eitet ©runf unb ©raebt. 

Siet trauter ift'S, ju träumen in raufebenber 3BatbeSnacbt; 

Siet füger ifi’S, ju fagen, ju wanbem im lannengrün 
9ln beinen breiten ©trömen ju ©täbten feft unb bürgerfübn. 

- » 


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152 


S--55 

®ier reid^c ^crrfd^cr fa^ id) auf mand^cm golbnen ^l^ron, 

®emanten ftral^ltcn Mil^cnb oon Scepter, Scbiocrt unb Äron’; 

®od^ ©ud^, bcutfdfycn gi"irf!cn, fc^irmt ^icbc eroig neu, 

©o(d^ Äleinob fai^ id) nimmer, aU äc^te beutfd^e 3D^anne§treu\ 

Siel minniglicbe J^^Qwen fai^ id^ mit ^kx gefc^ürjt, 

3!n iiemnaten, an Selb unb @eift geroürjt; 

®odb feine mag bir gteid^en, ^otbfetig beutfe^e^ Äinb, 

3n SJalbeöeinfamfeiten, bei ^Imfelfd^all im ^Ibenbroinb. 

©§ ruft ju bir ben golfen, ber roolfenmört^ entfebroanb, 

©r müffe lang noä) leben bei bir im beutfeben Sanb. 

5llfo in ©rroin^ ^)erjen beö £iebe§ ^taebbaß flöng, 

®a§ oor oiel b^nbert Sogelmeibe fang. 

« * 

* 

ffiie trüb in SBinternadbtmeiten 
Slifet broben ©tern an ©tern. 

Son ber SKüble, ber eingefdbneiten, 

®rü§t traut ein Sicbtlein fern. 

Sb^ ibr ®odben befdbaulidb, 

2Bie fa§ idb bort ftunbenlang — 

©prübte bie glamme oertraulidb, 

Älang mir ber ©türm mie ®efang. 

®lücffelig, mer oerfeboßen, 

Sergeffen oon meiter SJelt, 

3m Söintcr, bem traumeäooßen, 

©ein Sieb om Sufen böH» — 

♦ ♦ 

* 

®ie ffiogen brauflen meiner Sebenäfabrt. 

3ett iff§ roic Iraum 
3u ÜJfutbe mir an beiner ©eite. 

5luf aller SebenSmeßen ©ebaum 
©rglänjt'ä mie ^Regenbogen in ber SBeite. 

®ie ffielt ift grog, unb grimmer ®afein§fampf 
lobt aßerroärtö, 

3m golbnen ©üb, im bleichen Storben. 

3Bie bift bu füßeS flRäbdbenbcrj 

SIRir eine 2Belt ooß SRärcbenglüdf gemorben! — 

®ic 3ob^^ raufdben mie ®ämonenpug 
3Rit ©turmgemolt — 

®0(b ftärfern 3ouber birgt bein Sieben. 

©inji, menn idb 3t^b^^ 

2ln beinern Sufen bin i^ jung geblieben. 

* « 

* 


-» 


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153 


-» 

ffiic falt, lüic alt jinb frembc Sanbe rocit, 

SllS ob bic ^crjcn tote bte ffielt ocrfd^ncit. 

SBic loorm bift bu, mein ^cimatlonb, 

2Bo icb ben gricben, roo icb Siebe fanb. — 

Söie blenbcnb roHf^ bu, golbener Sonnenbad, 

©infam ^infebroimmenb burtb baS äBeltenaß. 

SBie füg fügt DtaebtS bein ^äbebenmunb 
Unb fügt bie franfe Seele mir gefunb. — 

O füffc mi(b, 0 füg mich taufenbmall 

®ie burflig trinf idb nadb ©ntbebrungöqual — 

6rlof(bne glammen lobern auf, 

Unb neuoerfüngt beginnt mein SebenSlauf! — 


« 


* 


♦ 


3luf Stromcäfcbnellen im ffiirbclminb 
2Bie böb’ idb oerloren bie 3abrc — 

9^un ftij’ icb bei bir, mein fügeS Äinb 
Unb roübr in beinern §aare. 

9Kicb bünft, icb im ^almenbain, 

9ting§ raufcbt’ö mic ^ugenbbvonnen; 

2)etn 5lug\ eö ift mein Sonnenfebein, 

Unb bein §aar bßtt «ticb umfponnen. 

3Jticb bünft, eä Hingt mie ein b^ntlicb Sieb 
93om Sommerlanb noß Sebnen. 

3Ricb bünft, mir fahren au§ Sdbilf unb SRieb, 
©cjogen oon roilben Sebmänen. 

2Bie ift geroorben ber Strom fo breit, 

3Bie fanft bie 3Bogen gleiten, 

9llö führen mir in bie ©migfeit 
9luö biefen irbifeben — 

♦ ♦ 

« 


®rüg ®ott, mein Schobt gtüg ®ott, mein Äinb! 
SRun broufl b^^^iu ber grüblingSroinb, 

5Birb neue ®lumen bringen; 

Unb roenn mir noch für einonber flnb, 

JBid ung baö ®lü(f umfcblingen. — 

3Bie grünt bie ^R^rtbe noch munberbar. 

Die Scbroalben, fie famen in }ebem 3obr, 

9lm alten SReft ju bauen. 

dtun roirb baS ^us^nblieb nodb mabr, 

3Benn mir un§ felbfl nertraucn. — 

2lcb, Äinb, icb u)arb fo alt, fo alt, 

Serjaubert böt mich SBeltgemalt 
Unb raftloä umgetrieben. 

Da3 ^erj allein, e§ marb nicht falt, 

Doö Jperj ift marm geblieben! — 


4 } 


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154 


9lud^ unfer SRcjl, aud^ unfer ^ou8 
2lufbaun toir nun tro^ ffiettcrbrauS. 
3Wit @ott la§ un§ beginnen — 
®Qnn bleiben alle ©orgen brau§’, 
Unb aßeö ®lücf bleibt brinnen! — 


SiebeSlebcn. 

„^a, altes SRütterc^en, fo iffS gefommen; 

S)aS äJtenfc^enlebcn ift nur 3Jtör^entvaum. 

SBie lange bin ic^ auf bem SWecr gef^roommen 
Unb fc^aute fel^nenb in ben SBeßenfefeaum — 

3ßie oft l^abt 3|l^r'S beim 9lbenbtifc^ oemommen, 
3Bie feltfam mein ©efd^ief — am femften ©aum 
®e9 ffieltenenbS, voo i^ bie SBaffermüfte 
5)eS ftiücn 9KeerS als le^teS ^\d begrüßte — 

3Bie bort ic^ IcbenSmüb' jum erftemnale 
'J)er ßRutterfpracbe l^eiligen Saut oerna^m; 

®ann, roic id^ grüßte meine ^eimatt^ale — 

9fftir fcblügt baS $ev^ nod^ ^eute munberfam, 
®ebenr id), roie im ^benbbämmrungSftra^le 
^IS frember Settier i(^ jur SKü^le fam, 

9Bie 3lenncben bann mir öffnete, bie £raute, 

Unb fc^eu bem grembling in bie 2lugen fd^aute. 

O ®ott, eS mar, als menn bie 3lugenbjeiten 
©rftänben, beren ®lücf mir längft oerfanf. 
®iefelbeu treuen klugen, bie gef^eibten, 

®erfelbeii ©ngelSftimmc füger Slang. 
ßKid^ überfanrs, roie ©(^merj unb ©eligfeiten, 
3Kir fc^roinbelte, l^infanf ic^ auf bie Sanf; 

Doc^ ^ennd^en eilte fd^on, mit milben ^änben 
©rquiefung bem ®ebred^lid^cn ju fpenben. — 

®ann, roie mein SRuf auf einmal fie erfd^reefte, 
Da§ tobtenbla§ fie roie oerfteinert ftanb, 

©ntfe^t, als ob ein träum fie trügenb nedfte, 

3l(S fäme ein ®efpenft oom ©c^attcnlanb; 

®onn noch ein Söort, baS bie ©rinnrung roeefte, 
5)a faßte ße erbebenb meine ^anb — 

3Belc^ 3Biebcrfe^ii ooß Sad^en, ©c^lu^jcn, ©einen, 
Unb wnb feligeS Sereinen! — 

9tun fc^leid^’ idb SlbenbS in ber ©interfü^lc 
herüber monbenlang tro^ ©c^nee unb ©iS. 

Sein 3}tenfd^ a^nt, roaS mi(^ bannt an ©ure 3Kü^le, 
9tur ®ott aßein im ^o^en ^immel roeiß, 

©ie roonnig ^icr nacl^ öbem ©eltgcroü^le 
®aS ^er^ mir aufget^aut; fein ®uft beS ßRai’S 
Sann füßer fein, als roenn nac^ SeibenSjal^rcn 
3ucrft roir roicber ^ciinlicb ®lücf erfahren." 




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155 


R-JS 

rcd^t — 3 !^^ ^ meinen", 

©prod^ l^üfielnb unb gebüeft bic greife grau — 

^ j)cr ^)crrgott fül^rt oft munberbar bic ©einen, 

Unb Diele ©ege jicl^n ^ur $immel§au; 

5 )o(b maö foU rocrbcu, ,^crr? auf alten ©einen 
ffiirb man mi§trauifc^, ängfUic^ unb genau. 

Da§ le^te @ut, ftob Me^ fonft im SBinbe, 

©leibt guter Stuf, Jjpcrr, folc^em armen fiinbe —" 

„©c^on gut, Slltmütterc^en, i^ möc^t’ 6uc^ banfen, 

3u S)eutfd^ — 3^^ n)eift mic^ e^rlic^ au^ —" 

®a öffnet i^ür, unb in ®ebanfen 

©d)ön Slennc^en fommt mit einem ©eilc^enftrau§ 

Unb einem Äorb — fie fommt oon einem Äranfen, 

3)er Slrmut^ §ütte ift i^r ©otteSj^auö; 

®od^ roie ber Slbenb^immcl purpurn glü^t fie, 

Unb toie bie fungen Stofen t^auig blü^t fie. 

„®rogmütterd)en, ®u flügfic oder grauen", 

S)aö le^te 3 Bort oernal^m i^r feines Cl^r — 

„ 9 BaS fc^iltft ®u i^n? — miU ic^ bem ©rroin trauen, 

®ann ifi’S genug, unb toenn er mich erfor, 

2 )ann fann nic^t SJtenfd^enlift noc^ ©(^icffalSgrauen 
Uns trennen me^r" — fie blieft ju i^m empor 
Unb, SJtunb on SJtunb in fe^nlic^em ©erlangen, 

3 n feinen Sirmen lag fie fd^on umfangen. — 

„©0 l^abt eS benn — nur ju in ®otteS Stamen", 

©rogmütterdben mit §üfteln nieft unb fprid^t: 

„®ut’ Stadst für ^eut" — mit ©^ritten bann, mit lahmen, 
gort fc^lid^ pe, in ber ^)onb ein ©tümpfc^cn Sic^t, 

3 ur Oberfammer, bort im ©pinb ^u framen. 
ffioS fuc^t fie boeb, pe meip eS felber nic^t; 

5)o(b im bebaglicb pißen 3^^^”^^^ 

©inb einfam nun bei trautem üdampenfebimmer. 

3lm genPerroinfel müpig Pe^t ber SöodPen; 

©dbön Slenndben p^t unb blieft in i^ren ©dboop, 

©ie fdbüttelt audb biSroeilen i^re £ocfen 
Unb febaut mit ihren Äinberaugen grop 
3 u Srioin auf unb mancbmal roie erfebroefen, 

SllS ahnte pe ein opferooßeS £ooS. 

©ie möchte gern entröthfcln aße ©orgen, 

®ie feine fdhonenb ihr oerborgen. — 

„SJtein Srroin, böfer Jräumer", fpradh ih^^ .^ofen, 

„2ßaS pnnp ®u büPer unb gebanfenfdhroer ? 

©ich, ©türme, roclcbe branpen tofen, 

©ie fünben bodh bcS fienjeS SBieberfehr; 

©alb roanbeln roir im ©arten unter Stofen —" 

Unb roeiter plaubert h^^tmloS pe baher 

©om ©dhroalbenncp im ©toß, oon SJtutter ©dhäfern, 

©on ihrem ©athdhen, baS febroer einjufdhläfcrn, 

18 -^ 


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156 


IS-S 

98om tollen §an§iürg, oon urolten ©reifen 
3lm ^rmenl^ouö, oom lebten Äirc^roeil^fc^mouä, 

3}om ®orftprQnnen, non ^ilflofen iföaifen, 

®te fie oerpflcgt ^at im ®utleute^ou§; 

3[rbod^ fein ®enfen feibmeift in fernen ©leifen, 
gaft brac^ fie fd^on in ^eöc ^^ränen au§; 

Umfonft mar il^r ©efproc^, il^n ju erregen, 

Umfonft, mie non ber getömanb fließt ber SRegen. 

I)o(j^ enblid^ fprac^ ©rmin nad^ langem ©d^meigen: 

„$ör' an, maä mir begegnet, flugeä Äinb, 
j)u weißt e§ nic^t, baö ©lücf, feit ®u meineigen, 

®a§ ©lücf liegt auf mir, mod^t midb fonnenblinb; 

Unb bennod^ ift% aU fä^’ ic^ SBolfen fteigen, 

2llS faufte brol^enber ©emitterminb. 

©in 3Ra^nruf ^attt in biefe ©infamfeiten, 
gür 3Renfd^enn)0^l ju ringen unb ^u ftreiten." 

„©0 lieb’ id^ Did^, ®u mußt e§ beffer mißen, 

^aS Seinen ®rübern unb ben Firmen fe^lt, 

Unb bennod^ bang’ ic^, mie in ginßerniffen 
®or bro^enber ©efa^r, bie Sir oerl^e^lt —" 

„3Rcin a^nenb ^)er 5 , Su ^oft ße aufgerißen 
Seö 3lbgrunb§ liefen unb moö fonß mid) (|uält, 

Su meinß ben fionbner Sämon, jenen SRot^en, 

Sod^ er jS^tt nur ju cine§ ©rößern ©oten. 

©et o^ne ©orge, 3lennd^en, oor neun ffiod^en 
2lm §ünengrabc mar’ä, im Slmfclgrunb, 

Sann auc^ im ©teinbruc^ l^ab id^ i^n gefprod^cn, 

Sen größten Steformator, ber jur ©tunb’ 

3[n Seutfd^lanb lebt. ®o ÜRenfd^en^erjen pod^en 
Ser ©lüefenterbten, bie bebrüdft unb munb, 

Sa l^errfd^t fein ^elbengeift mit ^elbenplanen, 

Unb laufenbe, ße folgen feinen gähnen. — 

SKiUionen ber ©erlomen ^u beglüdfen, 

©in menfdbenmürbig Safein auf^ubaun, 

Saä ärmfte Seben lebenSmert^ ju fc^müefen, 

©om ©flaocnjod^ aud^ ju befrein bie graun — 

Sag 9llle§ muß man ^ören — mit ©ntjüdfen 
Seginnen bann bie ^erjen aufjutl^aun; 

©iel mag man nod^ bezweifeln unb beßreiten, 

©inß löß ßd^ bo(^ bie§ SRät^fel alter Briten. 

Unb wenn fein Sonnermort mit SRiefen^ügen 
Sie Xvübfal aller ©rbgebornen malt, 

Seä SRammonS §errfd^aft unb ber SilbungSlügen, 

Sie gleißnerifd^ baä ©Icnb überßra^lt, 

Sann fommt ein ©fei 3ebem am ©enügen, 

Sa§ felbßifd^ mit erträumtem ©lüefe prahlt. 

Sein SBunber, wenn 5IWillionen tief erbittert, 

3lc^ felber mar oon l^eiligem 3^^” burd^jittert. 

^-^-8! 


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157 


S--fS 

©pric^ fclbfl — iüa§ ilättefl gcfagt?" geucr 
5Iuf6Ul^t i^r ^uge — ,,Sebent bleibt bie 
®ic für unfrc Irenen, bie un§ treuer, 

Dhir bort blü^t unfer ®lüc! — me^r roei^ id^ nic^t, 

Unb aücö 5lnbre fd^cint mir ^Ibenteuer —" 

,/3o fprac^ auc^ td^ unb mQ^rtid^ mit ©emic^t; 

® 0 (^ merfe", fu^r er fort nad^ einer ^aufc, 

„ 6 r liebt ein gräulein au§ norne^mem $aufc 

Unb ^offt bie 5lu§erfornc befi(jen, 

©ei’ö mit ©eroalt, fei’ö in 3 >erföbnlid^Feit. 

©obalb fie fein, bann glü^n ber Serge ©pi^en, 

Dann ift gefommen feine ^elbcnjcit, 

Sann l^anbeln roir, bann roirb bie SBolfc bli(jen!" 

Sa l^ob i^r 2luge fte ooH Iraurigfeit: 

„Su l^aft Sic^ i^m oerfd^rieben!" — rief fte bebenb. 

„©ei ol^nc ©orge", fprad^ er, fid^ erl^ebenb. 

„SÖer oiet erlebt, ber §at e^ oud^ erfahren, 

Siel fü§er ift'ö, am ^o^en SBerte treu 
3 u l^elfcn unb ju Fämpfen in ©efa^ren, 

^l§ feig ju flü^ten in mutl^lofer ©d^eu. 

3ßaö frommt'^, erfc^lic^enen Seft^ gu magren, 

9Bo ben ©enug oergiftet eroige 9 teu\ 

Äcin echter 3Jtann oerfaucrt faul im ©lüdfe, 

3 umal in fotc^er ^dt ootl Irug unb lücfe. 

SRein, Äinb, nod^ alle Swgenbträumc foUen 
©inft SBal^rl^eit werben, ©inig, riefengroß 
ÜJtuß werben unfer Saterlonb. Sie SRoHen 
©inb auögetl^eilt, e§ fcl^lt ba§ ©tid^wort blo§. 
fflic oft ift l^ellc 3SBut^ mir aufgequoKen, 

©al^ ic^ im Sluölanb, für wie hoffnungslos, 
ffiie bettelarm, oerad^tet unb jertreten 
SieS Soll ber Iräumer gilt unb ber Steten. 

„Srum wer bie aJtad^t mir bietet, ift willfommen, 

©leic^oiel, wer’S ift!" — Unb oufgerid^tet Fül^n 
Saftanb ©rwin, unb feine klugen glommen; 

6 r fa^ im ©eift fein glorreid^ Seutfd^lanb blü^n. 

„©rab wie fein Sater war" — fo fprac^ beHommen 
Unb oorwurfSooü ©roßmütterc^en; im ©lü^n 
SeS Sämpc^enS ftanb fie in ber I^ür ber Äüd^c, 

©tili laufd^enb auf ©rwinS oermeffne ©prüc^e. 

„©rab wie fein Sater, ber 5 U ©runb gegangen", 

©prac^ fte erregt, boc^ ^enn^en rief juglcid^ 

Unb ihre ^rme innig i^n umfd^langen: 

„9Senn 5ltle Sic^ oerrat^en, folfc^ unb feig, 
folge Sir jum lobe ol^ne Sangen!" 

©ie rief eS freubig, wenn aud^ mormorbleid^. 

So^ ©rwin lädbclt — „SaS wär mir ju wenig, 

©rft will id^ glücflid^ fein, wie je ein fiönig! 

fe- }k 


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158 


„®cib ttJödb, ©rofemuttcr? rooüt oergeben, 

ffienn C^urc fanftc SRul^e wir geftövt; 

3)^anc^ ÜJ^i§gefcbicf erfuhr tc^ fc^on im Scbcii, 

Unb manchem 3|rr(id)t folgte ic^ bet^ört; 

5)ic§mol bodb, l^off’ ic^, foU bic D^ornc roeben 
3lm beffern ffierf, roenn grepa un§ erhört, 

3lci^ njitl mic^ nicht mit locitcn planen brüften, 

®rum fag’ idb nur: moßt halb bie ^Jochjeit rüften. 

„®in (Sortcnhau^cben mit befränjter Pforte — 

3Ba§ brauchen mir oon eitlem ©rbenglanj, 

Sin fchmucfloS Älcib, oieHeicht mit Slumenborte, 

6in einfQ(h 3)^ahl, juerft ben iUl^rthenfranj. 

Sin feinem Sßorte 

Unb führt fein ®räut(hen bolb jum ^ochjeittanj; 
S)0(h nun leb roohl, mein Äinb, unb nicht auf lange, 
^uf ffiieberfehn beim frohen ©locfenflange!" — 

(gortfctmng folgt.) 


?(n ©ffla. 

(3Rit ben „Slaubiern".) 

T)ie§ arme ®uch, ba§ ach, turjer grift 
£roh ®lücf unb @unft oieUeicht oergeffen ifl — 
63 fehmebte frei auf golbner ©^roinge 
§och ob bem fficchfcl aller ®ingc 
3)em @ipfel em’gcn SRuhme3 ju, 

35Bär’3 fo jauberooÖ mie bu. 


^dlfleitt. 


J !i e [ 

SRafHoS fchreit’ ich Sh®^^ 

3n>ifchcn ©tcingeröCl unb gelfen, 
Ueber bie be3 Sergbach3 gluthcn 
©ich ©ilberroogen mälgen. 

§och Dom Fimmel fenbet 
©einer ©trahlcn feurig ©lühen, 

£ä§t ber 2llpen fchncc’ge girnen 
2Bic bemantne fironen fprühen. 
Unermeßlich fpannt fich brüber 
ffioltenloö be3 2ljur3 ®ecfe 
Unb jur lichten §öhe h^^t fich 
3lebe3 Serghaupt, mie ein Sfteefe. 
Proben grüßt oon [teilen ©ipfeln 
6belmetß mit fchnec’gen ®lüthen, 

®ie bie 5llpengeifter neibifch 


©eil. 

3113 ihr höthPc3 ®ut behüten; 

5)ie jum Äranje [ich bie 3llpfee 
3ln bie bunfeln §aare fchlinget, 

SBenn fie auf ber ©letfeher 
©ich milbem Xan^e fchminget. 

Unb ben ÜJtenfchen locfcnb, jeigt pe 
Söchelnb ihm bie ©ilberfterne; 
äJtagifch treibt bann ©ebnen 

3hii gerne. 

Unb fo trägt aud^ mich ©ehnfucht 
2lufmärt3 an be3 3lbgrunb3 ©eite, 
9Sor ben trunfnen ©liefen behnt pch 
SRing3 bie unermeßnc 3Beite. — 
3Jtühfam fuch’ ich nteinc ^fabe 
Unb ba3 Sluge fpäht nach ©puren; 




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tl 


I ®o(^ umfonP — n)o um bic ©c^roffcn 
I ®ic Orfonc l^eutcnb fuhren — 

I ffiirb, iDcnn SRcnfd^cnfug bcr 3 Bilbm§ 

I 9 lufbrücft feiner SRä^e 

Unter i^rem eif’gen Jpauc^e 
I Salb e§ f^roinben unb ocrbleid^en. 

I Unb fo fc^reit’ ic^ pfabloS normärtö — 

I mein guter ©eift mid^ — 

I Ueber ©d^ncegefilb unb gelSmeer, 

I ^flnx mein Sergftorf ift mir ©tütje. 
j fflie ic^ rufe, giebt nur Slntroort 
I SKir be§ ( 5 cbo§ ©timme necfenb, 

I bem Ort, roo SRenfc^en rool^nen, 

j 2 ei§ im $erjen ©c^nfuc^t roecfenb. 

I SRoftenb Icl^n ic^ an ber fteiten 

I gelfenbruft, au§ beren SRitjen 

fiümmerlic^ unb fpärlic^ [priemen 

I ©onngebräunten ®rafe§ ©pij^en. 

Unter’m gu§e Ißft fidb'S bröcfetnb, 

I 3 tt^emlo§ laufet’ icb bem gaHe — 
iRac^ minutenlanger ©tiQe 
I S)rö^nt’ä l^erauf in bumpfem ©ebaUe. 

I gaft fc^on mill ber 3Rut^ mir finfen, 

I SRattigfeit umfängt bie ©lieber, 

I ®od^ ber ffllidf, er ^ebt fe^nenb 
I 3 ^ fernen §ö^e roieber. 

I fflie pe niefen, roie pe grüpen, 

I ®ie beS ©letfd^erä iBaffer nähren: 


Pic '^tt(öt in 

§el^rc Stille ber (Sampagna, 

SBo bie Seele tageömübe 
®arf in beinc SBunber taud^en; 
ffio pe pd^ im ^auc^ ber IRac^t 
Unb im ©d^immer beiner Sterne 
Selber roirb jurücfgegeben! 

SBo ben laumel pe oergepenb 
3n be§ ©übenö 
Selig i^re ©d^mingen habet 
Unb, ber 3llltag§melt entrüeft, 

ÜRit ber liefe beS ©mppnbenS 
3lt!§men barf in ooöen 3^gen 
SRu^e unb ^l^abenl^eit! — 

hinter und ^urudfgeblieben 
3ft nun SRomd gefd^öftig Ireiben; 
©infam roinbet pd^ ber 55fab 
I)urc^ ben ©d^atten 9lrc’ Odcuro’d. 
Signenmauern, Sorbecr^eefen 


©belmeip, bie ©ilberblütl^en, 

©d^nee’ge Äinber reiner ©pl^ären. 

©oH ic^ bid^ benn nimmer pPücfen, 
Älpenflcinob o^ne ©leidben? — 
SRut^ig oormärtd, feper fflille 
SBirb bad fd^öne ^\tl erreid^en. — 
Unb idb ^ab’d erreicht; benn leud^tenb, 
5)a jum i^al i(^ lehrte mieber, 
Sau^^enb laut im SoUgefü^le 
2Reined ©ieged fro^e Sieber, 

©d^mü(ft ben §ut, bie SruP mir l^rrlic^ 
©belroeip, jum ©traup gebunben, 

^ud ber Slipfee Soefen ^ab ic^ 

Äü^n ben ©ternenfranj entrounben. 


Unb roie nac^ ben fc^nee’gen Slütl^en, 
Sllfo möc^t i^ raplod ringen 
SRac^ bem SReinen, ©bien, Schönen, 
3|ebe ©c^ranfe !ü^n bejroingen. 
©belroeip — id^ möc^f ed ppücfen 
3n Cl^mpod ^ö^Pen ©pl^ären — 
Söerb’ ic^ je mein 3'^^ erreichen? 
SBirb SlpoBo mir'd geroä^ren? 

SRöc^te, meined Siebed Älänge 
SBei^te einft ber fiup ber 3Rufen, 
S)ap ^um Sic^t l^inouf pe trügen, 
SBad mir f^lummert tief im ©ufen. 

#mne ^ieitt. 


bet ^ampagna. 

SRagen über unferm §aupt; 

Und ju güpen Tre Madonne 
Unb roir pnb am roilben ©tranb, 

SBo bie aqua acetosa 
Und in bie ©ampagna roeip. 

• Seele, ^alf ben Slt^em inne; — 

©d^au l^inunter, — roeld^ ein Silb!.. 

Unter bunflem luftigeld raufc^enb 
Strömt in tiefem Sett ber über; 

Irogc rooljt pd^ feine glut^, 

Unb ber bla^e ©d^ein ber Sterne 
Slidfet aud ber grauen tiefe 
©c^roermut^dooll ju bir empor. — 

©d^ou, roie pdb bie trüben SBaffer 
Slm jerroü^lten ©anbbett bred^en; 
gelfenblöcfen, bie ber Sturm 
3(n bie glut^ l^inobgefc^leubert, 

- m 


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160 


SBorb bic SBogc l^tcr jur Sranbung 
Unb ber ©trom, bcr f^rocigcnbc, 

§at an bicfcm loitbcn ©tranbc, 

STn bcr aqua acetosa 

©einer ©prac^e iiaut gefunben! — 

9Bie boS fd^luc^jct! roic ba^ räufelet! 
©eufjer halb, — erftiefter 3(Qmmer, 
93i§ eS bann eintönig, möd^tig 
©trömt bal^in roic ^etbenfang! 
©c^oumenb, braufenb halb unb roüt^enb, 
©eöenb ouf im milben Äampf, — 
©ingen roicber, — Älogepufe — 
©iegeSjubel — — ©terbcfc^rei! — 
Unb bann flingt cö Icifc, — leife 
SRur roic ©tö^nen, SBimmem, 3Öcincn, 
Si§ cö cnblic^ gan^ erftirbt! .... 

tiefes ©(^rocigen in bcr SRunbe! 
träumenb taufest bie ©eele noc^ 
t)cm erhabnen äBogenfd^aufpiel, 

®aS Sal^rtaufenbcr ©efd^iefe 
3Kaieftätifc^ il^r entrottt! 
trüben aber roeitt baS ^uge, 

2 Ö 0 bie näc^ttic^e Gampagna 
©reitet auS i^r ernfteS Si(b. — 


©ie^! bort flammen §irtcnfcucr, 
taS ©eblöf non Sämmer^eerben 
©dbaöct fiagenb in bie ©Seite, 

Unb Don ferne lä^t fid^ ^ören 
§culenb ber Gampagnal^unb. 

3ln bcr aqua acetosa 
^o^cn Ulmen äc^jt baS Äöujt^en, 
dinc troffcl fingt im träum 
fianggejogne trauertöne, 

2 Ö 0 in bid^tcr gelfcnmilbnig 
©pl^cu ftd^ um Lorbeer fc^lingt, 

Unb im tiber fdblud^jt eS roicber, 
troben aber, bunfcl leuc^tcnb 
SBölbt fid^ f^roeigenb über ©üem 
tcr geftirnte ^immelsbom. — 

©oller Saute, oollcr ©timmen 
©ift bu, rounberbarc S^tac^t! 
tennoeb, — mic fo fricblicb, — ^eilig, 
tenno^, — roic fo rul^eooU! 


§e^re ©tiöe bcr Gampogna, 

Stätte aller ^oefie! 

^eimroe^mäd^tig, aügcroaltig 
©on bem falten ^aueb beS iWorbenS 
3icl)t cS mid^ ju bir jurüdf! 

ß. Mvftx. 


'p a f ö a n 5 a 1 

tie ©onne fd^cibet — über t^al unb ©ipfcl 
©d^roebt $cSpcruS in purpurgolbncr ©rac^t, 

©in träumerifc^ bie ©Sipfel 

3fn ©d^laf, ©Salboöglein jroitfd^ert „gute S^tad^t". 

SRun rul^t baS Slö in tämmerung unb ©c^roeigen; 

3Kid^ überflutl^ct l^eiPger Slnbad^t Strom — 

©leic^ mäc^t’gcn Säulen auf bie tannen fteigen, 

®eS Rimmels SBölbung frönt ben l^c^ren tom. 

Äein ©riefter, feine frommen ©ongeStöne, — 
tod^ burd^ bie ©ruft ein Orgclbroufen flingt: 

3[d^ fül^le ©Ott, ber alles ©utc, Schöne 
Um mid^ erfd^uf unb in mir felbft ooßbringt. 

StoSert ?afr<^t0e. 




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161 


«I ^ i t fl t. 

®te Sannen raufci^en am ®ül^l Umfonfl, mit ftarrcr ©c^mcrjgcnjalt 
3n’§ roUbc glocfcnjagcn, ^)qU i^n her groft umfangen; 

Rotten fic bem ©c^necgemül^t Sc^on fü^t mit Sippen bla§ unb falt 

(Sin tiefe§ 3öc^ ju flagcn. Ser Sob bie bteid^en 35Bangen. 

Sie 9^a^t ^at (ängfl i^r ©terngcroanb Sängft ift beö Änabcn ftarrcr §anb 

Um ®erg unb Sl^al gezogen; Saö fleine ®la§ entfunfen; 

braufen burc^ ba§ weite Sanb Sängft roorb ber S'^genb geuerbranb 

Seö ©turmeö Söirbclroogen. 3^^ (ebenömüben gunten. — 

Soc^ fiel^, ba flimmfS auf febmatem Steg, Sa fommt ber 93atcr 3Jteifenbart, 

S?on biebt umbangen: Se§ Scbwarjwolbö ©eiftevfönig, 

(Sin Scbwarjroatbfnabc fontmt ben 3Beg Sem aöe^, wog oon ßtfenart, 

9Som Sorf b^raufgegangen. Sem Sonb unb Seute fröbnig. 

Sa§ §ütt(cin boeb am ,,®lfenfleiii" Hm bob^*^ ©egranb b^U er Staft; 

feine §cimatftättc, ®r fügt beS Sebtäferö SSBangen; 

Sort liegt fein franfeö 3)iütterlein (Sr b^lt beö ^aupteö falte Saft 

3}erlaffen auf bem Sette. 3Jtit feinem Hrm umfangen. 

Sie bot jum Stäbteben ibn gefanbt 6r flüftert leiö bem Änaben ju: 

Son ihrem Scbmerjcnöpfüble, f/?5ob^ mobil Sie Äräfte febroinben. 

Samit fie ihren gieberbranb gabr mobil SBirft in ber em’gcn SRub' 

2Rit frifdbem §ciltranf fühle. Sie SKutter mieberpnben. 

3tun fämpft ber JBoefre burdb bie 9?a(bt felbfl bob\ ol6 ihr @eift entmitb, 
9Wit Sturm unb glodfenjagen; Sie Hugen ihr gefcbloffen; 

6r bietet Srob be§ SBctterä SWaebt, Sie leisten Ib^änen ftnb um bicbr 

Son Siebe^glutb getragen. Sen guten Sohn, gefloffen." — 

Soeb mie er raftlo6 weiter bringt. So f(bimmert’§, wie bo6 Hbenblicbt 

Sa miU bie Äraft ermatten; lebten Sämmerfebeine, 

(Sr fühlt nicht, mie ihn facht umfdblingt 9tocb einmal über'9 Hngcftcbt' 

(Sin eifig falter Schatten, Sem Sohn oom „(Slfenfteine". 

Se6 jungen Äörperö jartc Saft 6r baucht in’S Sebneegemirr hinein 

Sinft fanft am ffiegranb nieber, SJtit febnenbem Serlongen: 

Sort bebnt im Schnee ju furjer JRaft „3(b folge bir, mein ^ütterlein, 

Ser 3Kübe feine ©lieber. Su bift oorauögegnngen." — — 

3Wit milboerflärtem Säcbeln fpriebt Se§ Änabcn Sehnen ift erfüllt, 

Ser SIRunb be§ §olbevftarrten: Unb nie ermodbt er mieber; 

^Sieb ÜKütterlcin, oerjage nicht! Unb TOeifenbart, ber Serggeift, büßt 

Sotlft nicht mehr lange warten!" 3” Schnee bie tobten ©lieber. 

3ebocb jum S^laf warb längft bie 5Rub’, Sonn febreitet er jum Serg empor 

3um iraum beö Jperjenö Sehnen. Hm ^)ong ber gelfengrünbe, 

SJoeb ouf, bu ftillcr Scbläfer bu! Somit er bort bem ©eiftcrebor 

Sie SWutter harrt in Sb^änen. — Sein ftiHeS Seib oerfünbe. 

Unb lauter raufcbt’ö am Jannenbübl 
3n’S milbe glocfenjagen, 

Hl§ b^^^^n Sturm unb Sebneegemübl 
©in tiefes SBeb ju flogen. 

^brifUon 


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162 


SiDttnsia Jagten. 

^cin, meine ^cirnat ift ba§ nic^t! — 
funfeit in bei ^immcli ®Iou 
®er alten Sonne golbnei £id)t; 

9tod^ grünt rote el^ebem bie 5Iu’; 

fc^lcic^t in altgcroo^ntcm (Song 
®cr 33a^ ben SSBiefengninb entlang — 

Unb bod;! — äWein trauernb Jperj, ei fprid^t: 

2) ai ift bie alte ^eimat nid^t! 

®ort ftanb ber alte Apfelbaum, 

3n beffen fd^attigem ®tätterbac^ 

@inft mürj’ge gruc^t mit meicbem gloum 
Still ^arrte, bii ber greunb fie brac^; 

®ort mar ber ®ufd^, bie Jaube bort, 

3lm Spiel bei Änaben B^P^c^tiort: 

2Kit Saum unb Sufc^ unb 2aube fc^roanb, 

SSäai mit bem ©arten mid^ oerbanb. 

Bn’i alte ®örfd^cn tret ic^ ein. 

9Bie anberi warb ei ringi um^er, 

®ic Straßen eng, bie Raufer flein; 

Die Äinber fennen mid^ ni^t me^r 
Unb fragenb febauen mich an: 
fflai fehlt bir bo^, bu frember 3Jtanu? 

5Bai jueft fo fcbmerjlidh bciii ©epebt? 

9lcb, meine ^cimat fennt mich nicht! 

Still tret icb ein in’i Saterbaui. 

(Ji poebt mein ^erj fo freubigbang. — 

3) tan fab mich nabn, — man eilt b^^^Qui, — 

§orcb! rooblbefannter Stimme Älang. — 

O iDonnereicbe 

3b^^ Söge, frei non Sorg' unb Jeib, 

3(b roieber, milb unb flar, 

3ln treuer TOutter Hugenpaar! 

_ ^eCbmattn. 



Geschichte der Weltlitteratnr in 
übcrpcbtlidbcr I^arftcflung oon I)r. Adolf 
Stern. (Stuttgart I 880 , Dtieger’jcbe SBer« 
lagibucbbönblung). ^ui ber B^it feinei in 
bie ^itte ber fiebriger 3 abre faüenbcn 
entboltei an ber $oIptecbnifd()en ^oebfebuie 
gu $)re 8 ben entpnnt pcb ber Schreiber biejer 
Beilen noch mit befonberer ^^orliebe grocier 
Kollegien, nämlich ber günbenben unb fcfjclns 
ben SBorträge ^ermann ^ettneri über Äunps 


gefchiebte unb ber gciPooKcn 93orlefungen 
Slbolf Sterns über bie ©efebiebte ber 2öelt= 
litcratur, roelcbe einen beftimmenben ©influß 
auf bie ffiabl feines Berufes auSüben foUten, 
3^aS oorliegenbc fnapp gufammengefaßte 
SBerf beS le^genannten belehrten erinnert 
mich lebhaft an jene ^orlefungen, ba eS 
aUe 3Bovgüge berfelben, licbtoofle ©arPeUung, 
überficbtliche Q^ruppirung, flare Darlegung 
ber inneren geiftigen iBegiebungen groiichen 


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163 


R- 

bcn ocrfc^)icbcncn ^itcratiirihötmingcn, 

I beä Urt^cifä in vereinigt, ifl 

I in ber berounbernSroert^, bap c§ bent 
33crfaffcr gelungen ift, einen ocv^ältnipmäfeig 
erfebopfenben ?lbri6 beS ©cfirifttbumä aller 
3?ölfer unb ^tiUn auf ben 9?aum non 850 
©eiten 5 ufammcn 5 ubrängcn; nur burd^ bic 
(^abc ungemein fnapper ^^^arfteflung iji i^m 
I bieö möglich geroovben. i^ci biefer 9lufgabe 
mar e§ roobl unocrmeiblicb, baß bei ber ßin^ 
tbeilung unb ba Söidfürlicbfeiten ber 
?Inorbnung mit unterliefen, fo bcifpicläroeife 
bie äiJfömmenfiellung oon ^In^engrubcr unb 
0a($er:9)?afodb, bie benn bo^ einige 3?er: 
febiebenbeiten aufroeilcn. ^ebenfaüö fönnen 
berartige flcinc 3lu§ftcnungen baS gro§e i^er= 
bienil, ein berartige§ 59erf.ge)cbaffen ^u baben, 
in feiner Söeife jcbmälern. ^aS ba§ eigne 
poetifebe ©ebafjen ?lbolf ©terns anlangt, fo 
min i^ f^on jebt betonen, bog mir boffelbe 
noch in feiner 9®ei)e genügenb anerfnnnt 
febeint, unb e§ roiib mir eine angenehme 
Pflicht fein, bemnad)ft auf biefe ©eite feine§ 
©ebaffenä im „^iebterbeim" jnrücfjufommen. 

I Pani Heinze. 

Die Gred. 5Homan au§ bem alten iJiürns 
berg non Geore: ßbers. (2 59änbe. 
©tuttgart 1889, ^Tentfcbe 33erlag§s3lnftalt). 
2Rit feiner „grau 33ürgemeifterin" b^t fid^ 
Ö^eorg (5bcrg jum erftenmal oon ber ^Tar- 
I ftellung altmorgenlänbifcben 9eben8 abge^ 

roanbt, unb im oorlieaenben fWomanc führt 
I er un§ in ba8 reicbSftäotifcbe ?eben be8 beuts 

j feben 9Jtittelalter§ j^n Einfang be§ fünfzehnten 

I S^b^bnubertä. ^ie ^arftellung erinnert an 

1 bin ©til alter (^bronifen, bnreb maÜDoOen 

Gebrauch altevtbümlicber S[9enbungen. bie 
I eine bem d^egenftanbe bnrcbanä angemeffene 

I ©timmung erzeugen. T>it ^efebic^te fpielt 

i in ber alten 9fci^8ftabt 9türnberg, nnb ber 

I S3erfaffer läßt bic (Srmblcrin ihre ^Icbniffe 

in einer 3lrt gamilienebronif aufjeiebnen. 

' 3m belebten gluß ber Cfreigniffc mirb bie 

I $ b^ilnabme halb biefer, halb jener ber banbeln' 

I bcn '^^erfonen jngeroanbt, unb bureb ade 33er5 

I roicflungcn h^t^burd) flingt immer bcrfclbe 

I (^runbton, melcbem ber ^)icbtcr in bem ©a^e 

I 51u8brucf oerlicbcn l^at: „(^ebt ‘iDir oerlorcn, 

1 roaä 5)n ^‘ein OHiid nennft, unb gelingt 

I JJir’ä, c§ in 3lnbcren ju roeefen, fo finbeft 

I 5)u e§ roieber im eigenen Jperzen". 5^ie 

I ^ufopfcrnngäfäbigfeit unb Jpingebnng mabrer 

1 £icbe b^bt ficb aur bem bunflcn ^intergrunbe 

nieberer jeibenfebaften nnb tenflifeber 55o8^ 

' bftl fo leuebtenber ab. 3n bunten 

I garben ift baö ?ebcn ber 3^'^» bie 3Jtacbt 

I unb ba8 ?!nfcben ber alten, ebrenfeften ''l>a= 

I triciergefcblcd)ter, bic in fltotb unb (55efabr 

I trci^^Zu einanbcr fteben, ber ^runf am vt^of= 

( lager Äaifer ©icgiömnnbä unb bie pttfame 

I ^üebtigfeit bc8 ^anbmerfä gefcbilbert; bie 

' einzelnen ^erfonen b^ben ficb lebenöioabr 


au§ bem 5 ^range ber ^reigniffc ab, unb bic 
^bötraftere oermögen im ?auf ber J^anblung 
ihre 2 lrt frei lu betbatigen. Senn auep 
bureb bic dJtannigfaltigfeit beS ©toffc 8 mit? 
unter eine 3 :beilung bc 8 ^''tereffeS b^roor^ 
gerufen roirb, fo treten bodb immer bie iräger 
ocr ^auptroden roieber in ben 93 orbergrunb, 
unb au(b biefe neuefte 5 )icbtung oon Öeorg 
^berö roirb geroi^ oon oielen greunben feiner 
^ufe roidfommen gebeigen roerben. 

Paul Heinze. 

Liederhort. ®idbtungcn oon Edwin 
Bormann. dJtit SÖilberfcbmucf oon gebor 
glinjer, (Jarl (J^ebrtö u. 21 . (Leipzig 1888 , 
Ö.broin 93 ormann 8 ©elbftocrlag.) ©in föfts 
lieber ®ncb ooder Saune unb ©^alfbeit. (js 
enthält bicfc 8 '^$racbtroerf baö (J 5 elungenfte 
au 8 2 ?ormann 8 öltcren ©neben nebft einer 
[tattlicben 2 lnzabl neuerer $)icbtungcn oer^ 
febiebenen 'tntcr 23 egleitnng au§s 

gezeichneter ^:)ol 3 fcbnittc. dlamentli^ bie 
^eiebnungen glinzcrS finb eine aniiebenbe 
itkigabe. Ser liebte biefen dJlciftcr beS 
heiteren dJlalerflifteS nicht! 5 )azu fmb neben 
bem 25 ilbe jebem einzelnen (J'ebicbt bic d^oten 
einer meift befannten Seife beigegeben, nach 
roelcber e§ z^ Tingcn, fo bafi fiib 
„Sieberbort" 5 )icbtung, dJtufif unb bilbenbe 
Jtunft bie ^anb reichen, lieber ben 23 ors 
mann’fcben ^umor roid i^ fein Sort oer^ 
lieren. Ser fein unocrbeffcrlicbcr (Ariden« 
fäiiger ift, mog bei bem „alten Scibziger" ©rs 
beitcrung finben. 5 )a 6 ber Trichter ober auch 
inniger, roorm empfnnbener J^erzcnSflänge 
fähig, ifl noch z» locnig befannt. ©in eebteS 
^f>btlifl^r^>oruribeil tritt einem 2 lntoc ents 
gegen, ber oon ber S 9 abn abroeiebt, auf 
roelcber er feinen 9 fuf errootben bat; fo roirb 
c 8 auch Tormann geben, er fod immer ber 
„alte Seibziger" bleiben. Unter feinen ernften 
Siebern fei hier namentlich ba 8 ftimmungSs 
oode „ 2 lm D^b^ia" genannt. dJlir rcd)t auS 
ber ©eele gefproeben finb bic Sorte, roelcbe bie 
dJlufif 9 ti^arb Sagner im Traume zuruft: 

„dJlagft bn bie fübnflcn Harmonien oers 
geuben, 

©ine Ibat oerzeibt bie Äunft bir nie — 

^)u morbeft meine febönften ÜJliitterfreuben, 

dllein boIbeS Sieblingöfinb, bie dJlelobic!" 

©in S^ber, ber bem fehler unermüblicben, 
rmnoerroorrenen 2 ?cifad 8 bufel entgegentritt, 
bnreb roelcbcn Dlicbarb Sagner zu einer uns 
oerbienten (J^röfee emporgeboben roirb, fei auf 
baö Särmftc begrübt! 2 lden, bic für baS 
fommenbe geft ein "ipracbtroerf lu oerfebenfen 
beabfiebtigen, roirb ber „Sieberport" auf baS 
Särmfte empfohlen! 3 ^^) erroäbne noch, bag 
eine fleinere 2 lu§gabe nebenberläuft, roelcbe 
in einfacherer 2 lu 8 ftattung nur bie ^ejte 

‘"'"'S*- Rudolf Ooette. 


fiS-«S 


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P. 0. in L—n. Spuren bcS 5^ual laffen 
ftc^ aflerbingS auc^ im 52eu^od)beul|d)en nacl^= 
weifen; wir erinnern nur an bie l)icr^er ge^ 
l^örige ©ortform „beibe". 

Dr. P. S. in S—t. ©a§ bei un§ eintrifft, 
finbet aud^ fiebere (^rfebigung; mir 
3brc ©ebidbte nicht empfangen. 

G. M. in 1)— n. Sie irren, wenn Sie in bem 
SluSbleiben einer it^efpred)ung ;\bre§ 3^ud)c§ 
eine^i^erurtbeitung beffciben erbtideu. ^'affclbe 
eignet ficb feineä ftreng bomitetifeben Gbnraf- 
terä wegen nicht ;ur JWecenfion in unferem 
3?Iatte. ®ie ^Ibficpten, welche Sie mit Jbrer 
5)icbtung „5!)ie (^efänge oon bem ewigen 
Seben in Gbtifio'' oerfolgen, finb ja bie benN 
bar beften. ©enben Sie ficb bebufS ^efprecb= 
ung be§ 5öucbe§ boeb gunäcbft an „‘Tabeim* 
unb „OueUwaffer". 

E. K. in Sch-d „ißorbei"; S. E. in M-n 
„©aS war’ mein Öeben" (mit Streichung 
ber beiben glcicblautcnben Strophen); G. F. 
in L—g „Soe ^aria" (mit einigen Slenbers 
ungen); P. P. in L—g „©ute fj^aebt, mein 
traute« ?ieb" unter bem ‘iitel „f)^ad;tgru6". 
A ngenommen! 

L. J. J. H. in J — g (oielfach febwierig in 
3lu8brucf unb ©ortfteUung); L. P. in VV—g 
(gu ftimmung§loö); A. B. in M—n (oielfach 
unpoetifd) im 9ln«brucf); D. K. in Z —au 
i. B. (Mängel in fHeim unb ?lii§briicf); M. 
S. in C —g (?iu baroef); M. M. in A.-B—y 
0 . 3 . oon anberer Seite bebonbelt); R. E. 
in W—8 (ju nüchtern in ber ^arfteöung; 
Sonettform im 9lurgcfang ocrfeblt); A.v. T. 
in B—n (ohne rechte ^Infcbaulicbfcit); B. G. 
in Z—n a. B. (allju befcheiben); Dr. D. in 
W—g (nid)t fchwungooU genug); A. J. in 
B—n (511 abgeblagt); E. B. in L—tz (bilben 


Sic 3^ren @ejd)macf ;unächü nach guten 
^^orbilbern); F. P. in G —e ( 3 U fpät); A. 
K. in B —n; J. S. in K —g (ohne innere 
5lu«geftaltung) • R. D. in B—n; E. 0. M. in 
A—n; E. M. T. in J — f (nicht burchricbtig 
genug); J. K. in D—au (im 5lbge[ang ent^ 
jebieben nad)laffcnb); M. in K —1. D a n k e u d 
ab gelehnt! 

K. R. in D—ck. Sie höben jHecbt; bie 
muficirenbe Gugeljd)aar auf unfenn ©eib= 
nad)täan 3 ciger i)t allerbingö oon einem be= 
rühmten Dtcifter, nämlich oon Vubwig fHid)tcr. 

S. K. in F —1. ’Rur G^ebulb! ül^on ben 
5^id;tern, bie Sie in nnferm ^^latte oermiffen, 
haben un« '^^aul ^'cnje unb ^an« ^'>opfen 
5'eiträgc auf baö 5J3e[iimmteftc jugefagt. ^Tie 
G5cnannten höben unöausbrüdlichoerfprocbcn, 
bie näcbftcn lurijchcn 5rid)tungen, bie fie pro: 
buciren, feinem anbern 53Iatte al« bem unfrigen 
gur 3?erfügung gu fteHen. 

P. S. in W—r. 3^^ G^cbicht ift gu färb: 
loö in ber Sebilberung. — 3ur 2lntwort auf 
Jb’^c Srögen ad 1: 30 ; ad 2: ‘dichter 

lebt alö '^rofeffor unb (^eb- illrchenratb in 
Ä'öftrib i. 0^. j. 2. 

0. F. in H—ff. Sie höben offenbar Xa: 
lent; aber eä fehlt an ber ^^crau«bilbung 
einheitlichen (Mebanfengangeö. — 3b^^öi 
würbe wohl am meiften entfpre^en bie iMo: 
grapbie .Geine’ö oon Dteifener (.Gamb. 1856). 

PIP*“ .^'ierbureb bringen wir unferen ge: 
feha^ten ?lbonnentcn gur gefl. .Jt'enntnifinahmc, 
baü bie nächftfolgenbe 0ftummer 9 be« laufen: 
ben 3öhrgange8 erft in oicr ©ochen ;ur 3lu8: 
gäbe gelangt, ba befanntlich in ben 26 ©ochen 
eine« .f'^albjahrea nicht 13, fonbern nur 12 
9lummern erfebeinen. 


(6d)Iufi ber Webactlon biefer 9tummer: 8. ^'ecembet 1888.) 


^nharidoergeiiSntg. 

•rbiditr bon florl ^rrok, /rik Sbrrbarbt, Cmfl €diflrin, 0ttilie CQ. flo^rcr. Uobtrt PolTorae. 

€brifUtii debmitt unb €. irlbmonn. — Das Oolhramtlieb. ^itt 8anfl au8 unferen ^agen. fBon 3nlint (brotTe. 
(gfortfebung.) — Der PoroürUtmns im brstfeben DoiksUebe. Idterarifdbc @tubie oon CS. Oorrbfib. — Dfliberfibon. 
- Drieffibaltrr. 

§1^ ttitfet genauer ^uelTenangaSe geglättet. 


IBefiellungen flnb gu richten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag), @infenbungen 
an bie Redaction des „Deutschen Dlchterhein** in Dresden-Striesen. ^ommiffton: 
TrOb’sche Buchhandinng ( 91 . Schmittner) in Zürich unb E. Steiger k Cie. in New-York. 


(Sbef$ 9 iebacteur unb ^gentbümer; ;^on( ßeiuity IRebacteur: Jlnboff ^oette* 

^rutf Oon gicrbinanb XbomaS in ^tben. — fgopkr oon ber S^retbener iPapierfabrU. 

Hierzu eine Beilage der Königl. rnmän. Hofbnohliandlnng von Wilh. Friedrich in Leipzig 
Uber Günther Waiüng’s Dichtungen, die wir der freundlichen Beachtung unserer Leser empfehlen. 


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Drgnii fiic DicfitKiiii^ und (Der „Detiifdirii DidlierfiaCfe“ 18. £nuil.) 

^erauSgeBec: S^attf <^eiit}e. 


Blouailleh S in«l. Preis: 6 jH balbj&hrl., vorAuazahlb. Mau abouuirt durch Jede Bucbbaudluug, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des ^Doutscbeu Dlohterheim** iu Dresdeu-Strieseu. Abbestellungen werden nur bis 
1. M&rs beziehentlich 1. September angenommen. Einzelne Nummern kbO 5 Stück einer Nummer »ä 1,50. 




lUtt fcttieß, nu^rtdllen ^ttnU 0e^f|rftt, 

^T <^e6eit ge^n mH tegerrrd^fen pi^ritfen, 

^egurmen bem P»ang tier^a^fer pHleit 
^ 9ub ni<9t5 tiom ^fttgeffd^fag bet ^teifeH miflTeit. 

pH faOen b!r bU Piebftti att5gfrif|reit^ 

Pen pd^na6e( unb bie ^ünge bit befd^niHen^ 
^ebnfbig fafl bu Jebe pc^mad^ erriHen 
9lnb beinen ^ingrimm fHCT in bir netbiflTen. 

^nn mH Pnfinnb in bie iand^enl 

Permeir bie jinbern Cftngdi bapongefd^mommen^ 
'gBas iappetß bn mH ftfAgHi^en ^eberbenl 

Pn nii^H mefr^ armes t^^ier, Biß bn in brani^en! 

Pn marfi afs jibfer auf bie 3$eH geftommen^ 
9nb nid^i gefang bir’s, eine ^ans )n merben. 


SRax jiatBeät* 


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166 


R- 


-s? 



Per '^tttalTefismus im beutfc^en 
'^offeöfiebe. 

^iterarifd^e 0tubie von 


(gortjcbung.) 


ic roir fe^n, entipra^cn fid^ 
biötjcr bie bcibcn (^lieber ber 
i^'araUclc immer genau, 
ift nun aber aiic^ nid)t ganj 
ungen)öi)nlic^, ba^i baä eine 
OHieb be§ i^araUeli§muö, 
unb ijroar baSjenige, baö beu (^ebanfen an 
fic^ auöbrücft, mcgbleibt unb nur n o db 
baö Ü^aturbilb übrig ift, baS freilidb 
in bem galle ftctä ^^eutlicbfeit genug befibt, 
um jenes entbejbrlidb gu madbeu. @o befdbliebt 
ein ÜJiäbc^en ihre 0dbftaufIage (j. baä f?ieb 
bei 0imrocf, bic ‘Teutjeben i^^olföliebcr, 
'Jk. 177 „JÖieberfebn am ^iövuuueu"), um bie 
O^emalt ber alles uergebieuben ?iebe auSgus 
brüefeu, mit ben Sorten: 

Senn geuer unb 0trob beifammen leit, 
Unb meuu auch 0dbnee bagroifdbeu [dbneit, 
5)odb enblicb mup eS brennen, 

3a brennen! 

Ober ein anbreS ?ieb (0imrocf 9f^r. 173) er^ 
aäb^^ l'iebe eineS 'PaarcS unb fährt 

bann gang unoermittelt, aber je^r beutlidb 
fort: 

AJüifdben 3?erg unb tiefem * 

0af?eu audb groei .<?a(eu, 
graben ab baS grüne t^raS 
i^iS auf ben Dtajen. 

21 IS fte fatt gef reffen roar’n, 
hegten fie nieber. 

„(^rü6 bidb l^ott, bergtaufiger 0dbab, 
3ebt fomm idb nicht mieber." 

3}tan fleht, bieS führt am lepten (5nbe gu 
bem, roaS in ber jlunftpocfie 3}?etapher ge= 
nannt roirb: eS roirb einfach baS iBiIb für 
bie 0ache gefegt. 0o haben mir eine rcgel= 
re^tc 'Dietaphcr in einem l’ieb, baS (^eorg 
0cherer (Oie fchönften beutfehen i^olfSlicber, 
„Jpergeleib") mittheilt: 

Unb menn ber .f)immel mit 0ternen ift 
D’fat, 

Oa trauern mir b’2lugen 
Unb ich $errn: 

Sann geht roohl mei 0unn auf, 

Sann leuchtet mir mei Stern? 

b. h- natürlich: mann erfcheinl mir einmal 
ber Oag ber ^reube? Unb fo oft. 

(5ine PoHfidnbig burchgeführte ^Jtetapher 
haben mir auch in bem guerft burch •t'erber 
(nach l^oethcS ÜJ^ittheilung) befannt geroorbenen 
„^aiberöSIein", roo burch baS gange (^ebicht 
, hiuburch baS ’iDtäbchen unter bem inlbe einer 
^ofe bargeftellt roirb. 

Sie fi^ in einem (^ebicht oft auSgeführtcr 
'ParalleliSmuS unb 3Jtetapher mifchen, geigt 
foIgenbeS Sieb: 


äunachft roirb in gorm ber 3Jtetapher otr 
gu h^h^^r ^ftinne geroamt* fie fönne leicht 
eine 2lbroeifung erfahren (für leptere ift ber 
„Itrang non Dteffelfraut" ftehenbes 5^ilb.) 

(^i, 9?au’r, lap mir bie OtöSlein flehn. 
Sie finb nicht bein, 

Ou trägft roohl noch oon 'Jteffelfraut 
^in Ärangelein. 

Oann fommt eine auSgeführte parallele: 

OaS 9teffelfraut ift bitter unb h^r^»f 
(^S brennet fehr, 

23erIoren hab’ i^ mein feinS Sieb, 

OaS reuet ♦) mid^ fehr. 

Unb fchlieglich enbet baS Sieb, ohne baS ®ilb 
roeiter gu oerfolgen, mit bem ^uSbruef beS 
blofen (^ebanfenS: 

^8 reut mich 
3n meinem 4)ergen roeh, 

Oag ich ^ergaHerliebfte mein 
SoU fehen nimmermeh. 

II. 

Senn in ben bisher gegebenen parallelen 
bie beiben 2?ilber auS bem jllaturs unb au8 
bem 'äJtenfchenleben fich ooUfommen beeften, 
fo bietet fich nun auch anbrerfeitS eine D^eihe 
oon 2^eifpielen, roo bic beiben IBilber einanber 
gerabe entgegengefept finb, b. h- Oie S^a? 
tur bietet ein pofitioeS ©ilb, ba* 
neben roirb baS entfprechenbe ne* 
gatioe Seelenbilb gefegt. 

So flagt ein 2Itäbchen, baS ben beliebten 
oerlorcn: 

2lch, 23äumchen, bu ftehft grüne, 

(^ott geb* bir lange gu ftehn. 

3ch h^^*’ oerloren, 

Orum mug ich trauern gehn. 

Oer ParaflcliSrnnS ber oorigen 3lrt roürbe 
forbern: 2lch, IBäumchen, bu ftehft entblättert 
— ich höb’ mein Sieb oerloren, ober umge= 
fchrt: 2lch, 23äumchen, bu ftehft grüne — unb 
ich h^be meine Siebe; ftatt beffen ber ©egens 
fah: bu ftehft grüne — ich trauern. 

Sir ftehn nicht an, auch biefe gorm unter 
ben parallcliSmuS gu rechnen, nur bafe fich 
hier gerabe bic (^egenfähe entfprechen; oiellcicht 
ließe fich biefe gorm, fo oppmor eS auch für 
ben erften 2lugcnbli(f Hingen mag, als „gcgen= 
fäplichcr paratleliSmuS" begcichnen. 

OaS (gleiche pnbet pth «od^ öfter. So 
jammert ein nidl}! erhörter Siebhaber: 

A^eut’ hab’ id) bie Sacht aUhier, 

Schöufte, oor beiner oerfchloffnen Oh^i^* 


*) im alten Sinne: fchmergt. 


St- 


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167 


K- 

aHe ibrcn 5?ouf, 

aber S^icmanb ift, bcr mit mir bleibt auf. 

b. ein ^thtx roeib, roo^in er ju ge^n ^at; 
nur icb rocib nic^t, bei roem i(^ anflopfen foU. 

©c^r oft roirb auf biefe ^rt eine geroiffe 
©teigerung er 5 iclt. ©o, wenn eä Reifet: 

^)Qä {Jener fann man löfcbcn, 

®ie Siebe nid^t nergeffen — 

I fo mirb bie ^oc^t ber Siebe nod^ über bie 
I R-euerSgeroolt geftedt; man mag roo^t bie 
Siebe mit einem {Jener oerglcid^en, aber bieS 
I 55ilb rei(bt bod^ bei roeitem nid^t au§, um 

I bie dJtacpt ber Siebe $u t)erfinnbi(b(icben. 

I Ueberl^aupt fc^eint biefe {Jorm be§ ‘‘pavaHeleliö'- 
mu§ (ebr beliebt im 35olfSlieb für ben 2luS: 
bruef l^ciber unb inniger Siebe; mir erinnern 
' nur an baS befannte: 

Äcin {Jener, feine ^o^Ie 
' Äann brennen fo l^ei^, 

I ai« l^eimlicb« 

I 93on ber dtiemanb nid^tS roeife. 

Äeine 5Rofe, feine 3^tclfe 
^ann blühen fo fd^on, 

5118 roenn groei oerlicbte ©eelen 
©0 bei einanber t^un fte^n. 

Unb ebenba^er gehört auc^ noc^: 

Saub unb @ra8, ba8 mag oenoclfen, 
fHber treue Siebe nic^t; 

Äommft mir ^jmar au8 meinen 5lugen, 
^od^ au8 meinem ^er^en nic^t. 

2>ie ©teigerung oermittel8 eines 
ßomparatioS bietet benfelben il^ovgang: 

I ^in iBilb au8 ber 9?atur, ba8 ungefähr bem 

I barjufteHenben Gefühl ober (Sebanfen ents 

fprid^t, loirb aufaerotit, aber im 5?crglcid^ ^u 
' bfm, roaS auSgebrüeft werben foU, erfc^cint 

I ba8 iöilb Diel gu niebtsfagenb, ber (^ebanfe 

! fclbft brüeft einen oiel ^oberen (J^rab aii8, er 

. mug baber, um eine richtige 5lnfcbauung 

b^i^örgurufen, gu bem D^aturbilb bie {Jorm 
] beS ßomparatioS annebmen: 

I ©cb5n ift bie ^oUerftaube, 

I ffieib ift bie iblüa, 

I Unb Diel feböner i8 mei ^irnbl, 

Sa8 i b^itatb unb lieb. 

(?Jogatfcbnigg u. ^errmann, 

I Ädrntnifcbe 33olf8lbr.) 

I Ober um ben ©dbmerg be8 ©cbeibenS gum 

i Äusbruef ju bringen, b^ipl in bem be- 

j fannten Siebe „fERorgen mufe icb fort oon 

' bi^i^ — 5lbf(bieb nebmen" in ber 

I gmeiten ©tropbe: 

1 ©enn gioei gute {Jreunbe pnb, 

I $)ie einanber fennen — 

i ©onn’ unb üKonb bewegen peb^ 

' (5be pe pcb trennen: 

©ie Diel größer ift ber ©cbmerg, 

©enn ein treu oerliebted 
3n bie {Jrembe gicbet. 

@egen bie 53erleumber ift folgenbe, b^upg 
Dorfommenbe ©tropbe gerid^tet: 

8S- 


iTornen unb I'iPeln, bie peeben gar febr, 
5lber falfd^e, böfe Ped^en noib 

oiel mehr. 

93iel lieber woUt’ idb fein, wo ^)ornen unb 
Nifteln ftebn, 

fSl8 wo gwei falfcbe beifammen 

gehn. 

Unb wie oben, erfdbeint bie Siebe auch b^^^ 
wieber im 93erglei(b mit bem {Jener. ^)a8 
dJtabcben, ba8 oergebliib dou ber 3)Rutter ge^ 
warnt worben unb nun beren SSorwürfe an- 
bören muß, erwibert: 

5lcb, bflUe bie Siebe nicht fo gebrannt, 

©0 wär’n wir 53eibe nicht fo befannt. 
$)a8 {Jener brennet febr, 

$)ie Siebe noch oiel mehr. 

UI. 

^äupg wirb e8 febwierig, bie innere 
53egiebiing gwifeben ben beiben ipa = 
rallelen b^rauSjufinben, oft ip e8 
unmöglich. {Jreilicb ließe pcb oft genug 
mit einem 5lufwanb großen ©cbarfpnnS SöRan* 
cbe8 bineinbüfteln, wa8 barin liegen fönnte; 
aber gang abgefebn baoon, baß berartige 
fpißpnoige "Deutungen immer unpehre ($ons 
jecturen bleiben, lößt pcb biefe ^butfache auf 
anberem ©ege oiel einfacher erflaren. 

©ir buben bereits gefebn, welche große 
DtoHe ber iparalleliSmuS unb bie dtatur liber^ 
baupt im beutfeben ißolfSlicbe fpielt — lei^t 
erflärlicb, wenn man bebenft, baß folcbc Sie? 
ber erfunben, gefungen unb fortgeppangt wer* 
ben in einer Umgebung, beren wiebtigpeS 
©tücf bie 9ktur felbp bilbet. ^S bilbet M 
alfo aHmablicb bie (Gewohnheit auS, eine 
©timmung, eine fBeobaebtung auS bem tag' 
lieben Sebeii mit einem entjprccbenben 53ilbc 
aus ber Platur eingulciten. ©eiterbin ip 
nun gii beachten, baß baS 53olfSlieb mehr 
als jebc onbre eine trabitionefle ^oepe ift: 
wer ein neues 93olf8lieb bichtet, ber benußt 
bereits oorbanbene dJtelobieen, Sieberanfonge, 
ja oft gange ©tropben auS anberen Siebern 
gur ^ompoption beS neuen (woraus pcb, 
nebenbei bemerft, gugleich ein nicht gu übers 
febenbeS (^burafteripifum beS 53olfSliebS ers 
giebt, baS, gang im (Gegenfaß gur Äunps 
poepe, iiirgenoS bie ^ubioibiialitöt eines fBer* 
fafferS burchblicfen laßt); fo mö^en auch eins 
gelne, befonberS beliebte unb gelaupge 'Jtaturs 
bilber gewobnbeitSmoßig oerwanbt werben, 
ohne Pfuefpebt barouf, ob biejelben noch eine 
innere IBegiebung auf baS anbre @lieb beS 
^araUeliSmuS gepatten. Oft mag auch ber 
dichter feinen (Gebonfen einleiten mit einem 
iBilb, baS einer aitgenblicflichen ^Beobachtung 
entfpringt — einfod^, weil eS ©ewobnbeit ift, 
ein 5Raturbilb ooraufgufchiefen. ^)iefc ^rs 
flärung gewinnt noch un ©abrfdbeinlichfeit, 
wenn man bebenft, baß folcße Sieber oft ge= 
niia improDiprt werben, wo alfo ber 93ers 
faffer nid^t fDtuße but, gerabe baS paffenbPe 
5Bilb auSguwäblen, fonbem nach bem greift, 
welches entweber feiner momentanen iöeobs 
aebtung ober feinem (Geböebtniß am nachpen 


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168 


liegt Unb in ber ^nbet fid^ fold^er 
^araOeliSmuS o^ne birecte innere ^egie^ung 
cm ^äufigfien in jener ©attung, bie i^re 
^tfie^ung rool^l nor 3 ug 8 n)eifc ber 
{ation 3 u banfen ^at: in ben 0 d^naba]^üpfeIn. 
3öenn eg l^ei^t: 

Sie bod^ i|i ber Äimmel, 

Sie lendeten bie 0tern’l 
Sie l^an be {c^önen ^eanbl 
De ©uan (o gern — 

fo ifl ber ^oraUcIigmug flor: iKobd^cn unb 
SBuben gel^oren jufammen, roie ^immel unb 
0 teme. 

Dagegen fd^eint biefelbe parallele nid^t 
mc^r urfprünglid^ ju fein in Jolgenbem: 

Sie bod^ ifi ber ßimmer, 

Sie leud^ten bie @tem’! 

Unb bem Änbem fei ©d^aberl 
Äann ou’ no’ meing roer’n, 

roo bie 33 e 3 iel^ung ^roifd^en ben bciben ®Iies 
bem fc^on etroag gegroungen roirb. 

6 in Qubrer 33erg (in fernem jroeitcn DJjeile 
ben meifien Sefern roo^I erfl aug ber ^gleber= 
maug* befannt) lautet: 

3n bem Saffer fd^mimmt ein gifd^. 
Olücflid^ ift, wer nergigt, 

Ser nergigt, roer ner^ilt 
Sog ni$t me^r ju anbem ifl. 

ÜJlon fann reit roo^l nod^ bie 33enc]^ung 
l^ineintegen: Sie ber gifd^ im Saffer an 
nicf)tg benft unb fo fid^ roobl fü^lt, fo ift 
au* ber am glücfli^ften, ber oergeffen fann; 
ob oiefe ^e^iebung jeboc^ mirflic^ barin tiegt, 
ift fc^roer ju fagen, befonberg, ba ber gifd^ 
überhaupt gern alg ©taffage in parallelen 
oenoenbet roirb; man oergleid^e ^ier 3 u gol' 
genbeg: 

Steine gifd^e unb große gifd^e, 

Die fd^roimmen in ben icid^en. 

Unb »er bie Xod^ter ^aben roitl, 

Der muß bie ^Jtutter ftreid^eln. 

Die ©d^roiegermütter fommen babei freiließ 
fcßlecßt »eg, »enn man fie — roag rooßl ber 


©inn ift — mit ben fleinen gifeßen in Pas 
rallele feßt. ^benfo erfeßeint aber au(ß ber 
gifd^ in parallelen, »o offenbar jebe innere 
Pe 3 icßung feßlt: 

©(ßroimmen 3 ^roei gifcßlein im Saffer ’rum, 
©teefen bie ©cßroän 3 crl in b* 4 )öß’, 

Siegt eg mein ©d^äßerl im geberbett, 

Dßut ißm fein ^öpfle fo roeß. 

Dag 53ilb beg gif*eg feßeint bemnaeß eins 
faeß aug anbem befannten unb beliebten 
Parallelen übernommen. Ober, um aueß 
ein 99eifmel 311 geben, »0 bag einlcitenbe 
Utaturbilb einer momentanen ^eobacßtiing 
ober aueß nur einem augenblidflid^en ^infaU 
entfpringt, lautet ein Perg: 

Drei 9^üff ßab’n brei Äem’, 

Unb, Dimbl, mei mußt no* »er’n, 

Unb »enn'g ßeut a nit ig, 

3 g a anbermal g’»iß. 

Der ©inn ift rooßl: „©0 geroiß brei S^üffe 
brei Iterne ßaben, fo fi^er roirjt bu einmal 
mein"; aber eine innere 33 e 3 icßung 3 roif(ßen 
ben beiben ©liebem finbet ni^t ftatt. Die 
^aßl brei alg urfprüngli(ß ßeilige 3 ößJ ift 
uberßaupt ßäupg, man fann rooßl fagen tras 
bitioneil im Solfglieb im allgemeinen unb 
fpeciell aueß im ParaOeligmug. !Dtan oers 
gleicße ba 3 u noeß folgenbe Perfe: 

Drei Doofen im ©arten. 

Drei ^irfcßerl im Salb. 

Unb in a aufrid^tigg Dirnbl 
Verliebt mer ft balo. 

Unb gan 3 aßnlicß: 

Drei Dtofen im ©arten, 

Drei Utwerl im Salb 
Unb a ©(ßaß muß i ßa'n, 

Der alle fieut* g’faüt 

^an fießt, eg fommt feßließließ auf bie 
innere ©e 3 ießung gar nidßt meßr an: ©in 
beliebigeg ©ilb, meift in tppifeßer gorm, bag 
genügt, um einen, roenn aud^ nur äußer* 
ließen paraUcligmug ßer 3 uflellen. 

(©(ßluft folgt.) 


'Vergötterung. 


®g fonntc bicnbcn unb ncrlorfen 
D)cr ©traßlcnfranj im ölten 9tom 
aiuflcudßtenb um ber fiaifer Sodfen, 
SBie bag ©eftim am ^immelgbom. 


® 0 (ß lieblicßer für ©rbenloofe, 
SeglüdPenber aug trauter §anb 
3GBar immerbar im Äranj bie SRofe, 
5)en Siebe um bie ©timen roanb. 

^ofep^ine ^rdin non ^norr. 


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?r 


169 

-SS 

Pic 'glitt.(fte. 

heimwärts oon ginntanbö ©d^oren, Bcutebclabcn fd^rocr, 
glicgcn bic Äicic btr ©d^toeben, furc^enb boS grünliche SWccr. 

©d^idemb in Blinfenber 9tQ{hing ßonig 9lgne bort fielet, 
auf bem SSorberfleuen ftegreid^ fein Sanner n^e^t. 

©d^nöbc l^üt il^n ber ginnen §errfd^er e^matS oerfd^mä^t, 

2118 um bie Xod^ter er freite, — reuf e8 i^n, mar e8 ju fpät. 

SSon ber Seid^e beS SBater8, qu 8 be8 ^Qlafie8 93ranb 
SRig bQ8 aRägblein, ba8 jarte, freoelnb be8 ©ieger8 Jpanb. 

SRun unter (Sid^enplanfen finnet bie büflere SSraut, 

SRad^e bräuenb bem SRduber, e^' er bie ^eimat fd^out. 

Sftrm unb 23ed^erflingen tönt an i^r taufd^enbe8 O^r; 

©iegeSroeifen erfd^atlen möd^tig im ©falbend^or. 

®rü§enb roinfet ©igtuna ferne nom felflgen 9Wff — 

®a — ma8 ^emmet hn gluge ptö^lid^ ba8 äBifingSfd^iff? 

Reifer freifd^en bie SRöoen; fünben fle Unheil jur ©tunb'? 

Unb maS mül^Iet bie SBogen 3RöIar8 6i8 auf ben ©runb? 

Sli^enbe ®eile unb ©d^werter, ©d^lad^truf, ttirrenber ©treitl — 

SBadter ^at ^eimlid^ bie Jungfrau i^re ©etreuen Befieit. 

$od^ am SRafle be8 iCrad^en ftel^fl bu ben Bleid^en 3Rann! 

^it feiner golbenen ßette l^ing il^n bie ®raut boran. 

9Kng8 uom ®Iute ber ©darneben f&rben bie SBeQen fid^ rotl^. 

2l(Ie meil^te bie 9iad^e frül^ unb fd^nedem £ob. 

Sebig ber ©flaoenfeffeln tenfen burd^’8 SBogengebrau8 
SRad^ ber ^eimat bie ginnen faud^jenb be8 9BiIing8 $au8. 

_ üfiMänhtv. 


$onniaq$früfe, 

3Bie frieblid^ träumt be8 ©drtd^en8 fleineS Steierl 
SRid^ bünft, bag mitber nie bie Süfte weiten; 

®ie ©onne fd^immert golben burd^’8 ©ejroeig 
Unb fpielt in irren Sid^tem auf ben ®eeten; 

©0 rein unb buftigftar ber $immet blaut, 

®a§ fid^ mein äuge nimmer fatt bran fd^aut; 
®ie SSlume fetter, mein' id^, l^olber blül^e 
3tt ^eil’ger ©onntagSfrü^e. 

2Bie füd bie 2Belt! SRur burd^ bie ®Idtter jiel^t 
®e8 aRorgenwinbS gel^eimnigoodeS SRaufd^en, 


St 




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170 


R?-$8 

Unb ^crgctragen burci^ ba§ Suftgcbict 
\!ä§t ilci^ ein ferner ©locfenton erloufd^en. 

3ln biefer .anbod^töootten ©tille fpürt 
Son ^immel^grü^en fic^ mein ^erj berührt — 

Serfunfen finb mir irb’fcJ^e Sorg’ unb 3}Zü^e 
3ln ^eil’ger Sonntagöfrü^e. 

ero'ger ®ott, bu bift mir na^e ^eut 
3J?it beiner ©nabengobe, beinern Stieben, 

2)cr tröftlid^ mir ben ^c^ren ©ru^ entbeut: 

„So bu nur glaubft, ift bir bo§ Apeil befei^ieben!" 

^err, bo§ icb biefen fePgen 2Beg mag ge^n, 
beinen ©cift mein fünbig ^erj bureJ^me^n; 

©ieb, bo§ eö bir im ©tauben neu erglühe 
3n ^eil'ger Sonntag^frü^e! 

Slofa ^efferdaiter. 


Ptt 5 ÄeiDittcr. 

®ürftenbe @rbe, roie lang fc^on fte^teft bu börrenb ^um Jpimmel, 

®a6 3^^^ Sonne ©lut^en non bir menbe, 

9lcb! roie fcblicb^n bic Oueüen, roie fonfen bie roeUenben Slüt^en, 

®ie §elioö’ grimmer Strahl fo fc^roer getroffen. 

©lauben fonnten roir, traun, ©ott rooHe ben SBettbranb entfeffeln, 

Serniebten, roaö ^Jiatur unb Äunft gefd^affen — 

©nöbig noch b^l gemeint, unb no^ ber fengenben J^i^e, 

®ie unerträglich 3Jtenf(b unb Ib*^r belaftet’, 

©nbtich boch fielen b^^t, nad)bem ficb ber ^immel umwogen, 

Tie elften ftbroeren iropfen auf ben ä^oben. 

^)arrenb ftanb id) am Senfter, beflommen roogte bie ®ru(t mir; 

5^enn fcbroül unb ängftlicb bumpf roar’ö in ben Süften. 

^ber ftärfer unb ftärfer kgonn eS raufeben, 

Unb bo<^n)illfommen quoll ber ©ug jur @rbe, 

Siebte mir ^ntlib unb Stirn — boö febuf mir frobe ©ebanfen. 

5)o(b in ber ^^^ue bö^t^ bumpf icb'ä großen, 

Sieuebtenben Schein bemerft’ ich olöbalb om büfternben §immel, 

Unb näher fam’ö unb tönte laut unb lauter; 

3ocfig burebfurebten bie ©lit^e, bie blauen, ben nebligen 9letber, 
iCer J^onner fraebt’, geroaltig b^ßt’ e^ roieber, 

D^üttelt’ mit roilbem Schaß ba^ §auö, baß e§ gittert’ unb bebte. 

®a ftanb ich froh unb bot bie ®ruft bem Sturme, 

greute mich ob beö 5)onner§ ©eto§ unb ber funfelnben Strahlen, 

Unb fog fo tief bie frifebe, reine i?uft ein — 

Äebrte erfrifebt ^ur ^Irbeit, ber mübfam begonnenen, roieber, 

Unb leichter ging unb froher fie oon ftatten; 

Xenn, roie ber 5tebel im greien ficb b^^^^ unb böb«'^ emporbob, 

So löfte ßcb tJon meinem ©eift bie ^üße, 

2)ie jüngft um mich bie ©lutben ber Sonne erfebtaffenb gerooben: 

2)ie Untuft unb ber trägen 3tub’ ©rmattung. 

grei unb flar, roie broben im leuebtenben 5letber ber 9lor febroimmt, 

Sebroebt jebt mein ©eift auf be§ ©ebanfenS glügeln. 

_ 31 « 3^* dtt«e»<ag« 

- ^ 


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171 


a -iS 

I. 

J)eutfd^c Xveut in bcr ^öd^ftcn 9 tcine I 

Bcigtcft bu bem roanfcnbcn Ocfd^lec^tc, 1 

Sc^rtcfl burd^ bcin ®cifpicl, roie cö fcc^te i 

@egcn bcn Jpranncn für baö 0 einc. I 

®u crl^obft bicb über aücö Älcinc, ' 

©Qc^teft an baö @rogc nur, ba^ SRccbtc, 

Strebteft, ba^ oon Steuern fic^ ocrfleci^tc 
®cutfd^lcmb in baö ^eifge Sficicb, baö @ine! 

SRädbtig Hang bein Sang in allen Janben, | 

SSSugte jebe^ beutfd^e §erj ju rühren, i 

Unb baö 5 Reid^, baö $Reid^ ift bodb erftanben? — 

9 ld^, e§ fanb ficb Seiner, ber befeffen ! 

§er 5 unb (Seift, ba^ neue SRcidb ju führen, 

Unb bein 3 Bort, eö f(!^ien oerroe^t, — oergeffen! | 


n. 

Da bifl trauemb bu non unö gefebieben, 

Unb auf eroig febmieg bein Sängermunb; 

Doch bem 35otf t^ut man noch immer funb, 
SBag bu fangft oon Sampf unb Streit bi^nieben. 

3abre fdbroanben; in ber SBelt mar grieben. 

Da bot Ärieg ber granfe unö jur Stunb’, 
SBäbnte, nimmer einten ficb jum Sunb 
Sllte ©egner, bie fid^ lang’ gemieben. 

®ber fefl ftanb S^iorb unb Süb jufammen; 

Denn S3egeifterung lie§ entflammen 
Die (Erinnerung an beine Sieber. 

Unb eö bot ein einig Solf in Sßaffen 
Sidb ein neues beutfdbeS 3fteidb gef^affen: — 
(Slücflicb mei^t bu beine Deutfdben roieber. 


m. I 

3a, ein einig Deutfcblanb ift erftanben, 1 

Dem entgegen alle §ergen fliegen; 

Doch ein (Srbfeinb noch ift ju bejlegen, 

Ob fte audb ben granfen übermanben. 

Um baS toabre $eil in beutfdben Sanben 
Sebn mir [xt metteifemb fidb befriegen, 

®iS in fftSitm Streite alle liegen, 

Sro^ ber (Einigfeit — in 3w*^tradbtSbanben. 

-- ■ . --ö 


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172 


5 Imbt, bu treuer, ficl^ oom §immel uieber, 

©inge luieber beineS ©eifteö lieber, 

5)em ©ejänf unb fteten ©treit ju tuel^rcn! 

Äönntefl bu oom ^aber ber Parteien, 

®em oerberbUd^en, unö aud^ befreien: 
iaufenbfoltig mürben mir bid^ c^ren! 

0ffo itelterdaner. 


P« Pt(fttci 

bie Sieber gro§ unb flein, 
®ic fid^ eins jum onbern fhedPen, 
®ünfcn ^)ügel mir ju fein, 

®ic bie lobten überbeefen. 

Sitte Suft unb atteS Seib, 

5 )ie mein §erj erfüllt einft ^oben, 

3q, id^ fd^oue rote bie 
©ie in Siebern l^at begraben. 

^eobor SSe^f. 


@e^ id^ je^t, gebrueft als 33ud^, 
SJ^cine Sieber oor mir liegen, 

SJtöd^f id) trourig mir ein lud^ 

93 or mein roeinenb Slntli^ fc^miegen. 


Pie 'gHojfc oon '^ttis-la-'goiir. 

®er Äampf if^ geenbet, cS na^ct bie Stockt, 

6 s flammen bie ®örfcr im Äreife, 

5 )a fd^mettert baS ^orn mit gellenber ttl^acbt 
Unb ruft aus ber milben, ber groufigcn ©c^lac^t 
®ie ©treiter mit mol^nenber SBeife. 

@rft ©titte ringsum, bonn bumpf unb fdbroer 
§ört man bcti Soben erbrö^nen, 

Unb roilb über Seichen unb blutige Söel^r 
Srauft ^er oon Stoffen ein mie^ernbeS §eer, 
©elodft oon bcS ^ornnifs Xönen. 

6 S lobert i§r Sluge in feurigem Sronb, 

Stoc^ fprü^en bie Stüftern oom Äompfe, 

©ie ftc^en gereift unb ftampfen ben ©anb, 

®oc^, bie fie am 3 )torgen nod^ lenfte, bie §anb 
©tarr roarb fie im iobeSframpfe. — 

SaS mar im entfe^lid^ften ÄampfgetoS, 

S)a nagten bie Steiter, bie blauen: 

„®ie erfte Golonnc beftimme baS SooS! 
äßen'S trifft, er finit in beS @rabeS ©d^oog, 
333 irb nimmer baS Sid^t noc^ fd^auen." 


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173 


®a§ 5ooö cntfc^icb, fortftürmt bic ©(i^roobron, 
2 )ic erfte, bcm lobe gemeinte; 

Ob ringö oerntd^tenbe SKt^c 
®ic fämpfen für §cimat unb Äönig unb J^ron 
Unb foßen aU §elbtn im ©trcitc. 

®cr ©c^feier bc§ lobc^, umnoc^tenb unb grau, 
S)ccft nun bic Ädmpfcr, bic jungen, 

©ic liegen gemäht auf ber grünen Mu 
Unb tränfen bic Slumen mit blutigem J^au, 
33om ßJiartcrgefc^offc begtoungen. 

®ic Stoffe nur feieren auö blutigem ©traug, 
®oc^ ringg ^aßt frö^li(i^e Äunbe: 

®cr ©icg i^ errungen im ©d^lac^tcngrauS, 

©in ADanflieb tönt in bic Stadst ^inau§, 
SBad^tfeuer erließen bic ßtunbe. 


anexi mftt. 


Per in ber 'glatur. 


üöenn ber 3Ko^n fid^ crgic§t 
5luf bein 2 luge unb fd^licgt 
©3 emig bcm flammenben Siebte, 

O, glaube bann nid^t, 

SBcnn baö ^erj bir aud^ brid^t, 

Dag ber @cift beö 3)tcnf(^en junid^tc. 

Der taufenbfad^ glcigt, 

Der oerflärenbe ®cift, 

Äann nie unb nimmer oerfmten, 

©r entlieht fid^ ber 9ta(^t, 

3 n ber ^errlic^ften ^rac^t, 

3 m reineren 9let^er 5 U Minfen. 

©d^au jum $immcl empor 
2 luf ber ©terne ©l^or, 

©ic freifen in ewigen Sahnen, 

Unb il^r ©p^ärenflang 
SBcdPt leis mit ©cfang 
3tn §erjcn bo§ feligftc 3l^ncn. 


SBag im ©teine erbebt, 
aBa§ im Slumcnfeld^ lebt. 

Der @cift ift'ö, bu fonnft i^ nid^t faffen, 
©r burdi)bringt mit ©cwalt 
5lßcr 2 Bcfen ©cftalt, 

©clbji bie jtarren, bic tcblofcn üRoffen. 

Du erfaffeft i^n nid^t 
aWit bem irb'fd^en ©cfic^t, 

Unb bein 9*tingen bleibt ewig oergebcn3; 
Dod^ glönjt bir oon fern 
©ein oerlodPcnbcr ©tem 
3 n ben nid^tigen Äämpfen bcS SebenS. 

©§ winft bir fein ®lanj 
3 n ber ©temc Äranj, 

Unb bu wäl^nft i^n mit ^änben ju faffen, 
Dod^ bu fic^ft nur ju halb, 

Dag er o^nc ®cftalt, 

Unb bu mugt oon bcm ewigen laffen. 


©tct§ webt er im 2 tß, 

©0 im £on wie im ©d^oß, 

Unb er Hingt im ®efongc ber ^aine, 
©r burd^^ittert bic @lut^, 

Unb er raufd^t in ber Slutl^, 

Unb burd^ftrömt fclbft ftorrc ©efteine. 


9eife. 


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174 


Pas iDet|e jitfetb. 


Sllö id^ jucrft bir fd^autc 
Äuge f(or unb rein, 

®a roarft bu eine Änoöpe, 

(Sin Äinblein, roinjig'flcin, 

3lm Sab ber l^ciPgcn laufe 
ffiarbft bu bem $erm gemeint, 
37^an trug bic^ ^in ^ur ßirc^e 
3lm garten, roeigen Äletb. 

Dann ^ab id^ bid^ gefeben 
9tad^ mand^cm langen ^a\)x 
3m Äreife ber ©efpielen 
Äuf’S 3teue am Ältar: 

Den ©lauben gu befennen, 
gromm ftanbeft bu bereit, 

@0 unfd^uIb^DoQ unb lieblid^ 
3m blüt^enmeigen fileib. 


9lur roenig Sommer fd^roanben; 
3c^ fam auö weiter gern’ 

3urü(f gum J^cimatt^ale, — 

Unb fic^, am Xifd^ bc§ $errn 
ganb id^ mit bem ©eliebten 
Älö Sraut bid^, l^olbe SDtaib, 
Umroollt oom buft’gen Schleier, 

3m fd^neeigsweigen Äleib. 

Äaum ift ein 3^^^ oerfloffen 
Sott ©lücf unb Sonnenfd^ein, 

Da fc^ id^ bid^ gebettet 
3m fd^roargen tobtenfdarein. 
Dumpf ^attt ber ©lodfen Säuten, 
3fting§ 3öntmer, Älag’ unb £cib, — 
Du fd^lummerft ftitt unb frieblid^ 
3m lebten weiten fileib. 

jtbefaibe von ^oiiderg. 


c;Srifeaflrui. 


Durch ber Dünen lanngehcge 
gliegt ber $erbft auf müben Schroingen, 
Äü^t bie ^ca am 3GBege, 

Da9 bie rotten ©lödfchen flingen, 

Seife, leife 

©rügt mich ihve Böubenuetfe. 

aWahnt mit hoR^^m Slüthenmunbe 
aJtich an jene golbnen läge. 

Da im fonn’gen Dünengrunbe 
SRofen bu mir brachP oom §age, 

Unb mir laufchten 

2Baö bie blauen gluthen raufchten. 


3ebe Slüthe, jebe äßette 
©in ©eheimnig un§ enthüllte, 

Da§ bie Sielt, bie fonnenhette, 
Sßonneathmenb ring§ erfüttte: 
^immelSauen 

Sieg eS uns ^imieben fdhauen! 

SBelfcnb fonf bie SÄofe nieber, 

^erbftroinb geht burch’3 lanngehege, 

Unb baö aWeer raufdht ÄbfchiebSlieber; 

atur bie ©rica am ©ege 

©rügt midh leife 

2Kit ber alten 3tiwbern)eife. 


Ob beS Sommers ©lang oerglühet, 
Ob fleh f^riben unfre ©ahnen, 
tief in unfern §ergen blühet 
gort ein h^Hg ©lüdfeSahnen, 
SBunberprädhtig 

Strahlt bie Siebe, gaubermüdhtig. 


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?«■ 


ts 


dntiDcbei, obeil 


Söillft bu in gricben leben, 

@0 mugt bu bid^ beftreben, 

Stets ^öftid^ unb gelaffen 

®ic ffiett mit §anbfd^ul^n anjufaffen. 


©itt bir baS nid^t gelingen, 

ÜJlagft bu’S burd^ ©rob^eit jmingen, 
2)a§ fid^ jur Seite trollen, 

S)ic beine fiveife ftören motten. 


Jtinu5 ^turm. 


'^inteimän^en. 


9luf bem Saum oor meinem genfter 
Sa§ im rauben SBinterl^aud^ 

6ine ®roflel, unb id^ fragte: 
„Söarum manberft bu nid^t aud^? 

SBarum bleibft bu, roenn bie Stümte 
Sraufen über glur unb gelb, 

®a bir minft im fernen Süben 
®inc fonnenfe^öne 9Belt?" 

9lntmort gab fie leifen loneS : 

„®eil id^ nic^t roie anbre bin, 
i)ie mit ©efebidfen 

fficcbfcln i^ren leidsten Sinn. 

®ic ba roanbern nad^ ber Sonne 
SRu^eloS oon £anb ju Jonb, 

§aben nie baS ftitte Seudbteu 
3n ber eignen Sruft gefannt. 


3}tir crglübt’S mit em’gem Strahle; 
Ob au(b ^aebt jur ®rbe jiebt. 

Sing icb unter glocfenfcbauern 
©infam ein erträumtes £ieb. 

SDBunberfamer Iroft in Sdbmerjen! 
S)ocb nur fene fennen ibn, 

®ie in 5lta(bt unb Sturm beharren 
Unb oor feinem SBinter fliebn. 

^ir audb leuchtet b^tt baS Sluge; 
®eine ffiange jroar ift bleidb, 

S)odb eS fdbaut bein Slief noch innen 
3n boS em’ge Sonnenreich. 

Sa§ uns hier gemeinfam mobnen 
Unb ein Sieb oon 3^^^ 5^ 

Singen mir in 2ßinterf^auern 
Renern ©ianj ber ©migfeit!" — 

frnß. 


^[age um Öen ^efießten. 

5Wacb bem ©b^nefifeben. 

Serlagne 9tefter bangen am Sache in ben SJeiben, 

®ie 3iU^^9^äff^ im 3öinbe auf ber ^)aiben. — 

O Sieber, roarum gingft bu oon mir mit foltern SWutb? 

O §erj, mein §erj, roic mebe bein jogenb Sangen tbut! 

5lm ©rabeSbügel raufchen ein fdbaurig Sieb bic SRüftem, 

9lm Uferranb roic Seufjen ertönt beS Schilfes glüftern. — 

O Sieber, ach! roer raunte oon mir bir Schlimmes ju? 

O $erj, mein ^er^, nun finbeft bu nimmer, nimmer SRub’l 

Rehmer. 




-fi 


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176 


Are Maria. 


Seife regen fid^ bie Säume; 

Unb auf meid^en 

3icl^n bie träume; — 

Sem bie Slbenbglocfen Hingen: 

^Ave Maria.“ 

@anfte§ ©ingen bringt l^emieber. 
®ur(^ ber Stätter Slbenbraufd^en 
filingt e§ roieber; 

Äonnft bu jenen ©ang erlaufenen?: 
„Ave Maria.“ — 


gtenenb fniet ber ffianbrer nieber; 
©ein @e6ct roirb aufmärtö bringen! 
Unb bie Sieber 

Iragen eö ouf ncil’flcn ©enroingen. 
„Ave Maria.“ — 

Unb ber Obern ®otte§ roaöet 
SDuren bic fternenlicnten SRäume; 
©ae^t uernaKet 

®t5cftein§ ©ang in SriebenStröume: 
„Ave Maria.“ — 

jlerntaiiit fCemetis itofeC. 


'i'eifttnßnes 


®ort blünn bie alten Sinbenbäume, 
3)ort mft ba§ Äircniein jum ®eBct — 
golbbefenroingten 3ugcnbträume, 
2Bie feib i^r fcnattengleien uerment! 

§ier roar’ö, mo mir ber ©trom ber JBorte 
SÜuS übemottem §erjen flog, 

3Bo mir ber Siebe Slumenpforte 
3Jtit aOen 3öubern fun erf^log. 


§ier roariS, roo id^ in beineö SliefeS 
©eneimnigüoticn ®runb oerfanf 
Unb au§ bem Som be§ reinften ®lüdfe§ 
®cn Seuerroein ber Siebe tranf. 

SRun ftc^ idn on ber alten ©teile, 
fam ber grüniing über SRad^t, 

3u meinen rinnt bic OucIIc, 

Unb aöc Slumen finb ermad^t. 


2ÖO immer aud^ im ©turmgetriebe 
5ütcin ScbcnSfcnifflein cinfl jerfenettt, 

3lcn fürd^tc nients, — mit meiner Siebe 
Segmb id^ lang fc^on meine SBclt! 

«jtffreb 3So<ft. 


Jtfafle 5ex gungfiau. 


3m ®rit, 

Oa jog mein Siebter in baS gelb 
5ütit feinen Äampfgenoffen. 

©eit üWonben leib’ id^ JpöOenpein 
Unb n^ute traf bie fiunbe ein: 
SWein Siebfter marb erfenoffen. 


3dn manfe fterbenämatt einher 
Unb pnbe feine Jl^ränen me^r, 

®ic einft befreienb floffen. 

Sor meinen Singen flammt unb flirrt’3, 
Sor meinen Ol^rcn febriOt unb fd^roirrt’S: 
fDlcin Siebfter marb erfc^offen. 


3d^ mad^c nid^t, idb fd^lafe nid^t. 

Umgiebt mid^ ®unfel ober Sic^t? 

3d^ bin toic eingefd^loffm 
3n einem Äerfer eifigfalt, 

3u bem fein Ion be§ Scbcn§ ^aöt. 

2Retn Siebfter marb erft^offen. 

9* 9t* foscalio. 


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177 







Theodor Fontane erhielt baS JÄitterfreug 
bfS ^o^cnjolIem’Jcl^cn ^ouSorbcnä, 

- ♦- 

4)erou8Qegebcn non Dr. ^ermann ©cic^clt 
in Oictc^enberg i. ©. erfd^eint bcmnäM eine 
„Deutsch-österreichische National - Biblio¬ 
thek“ in ©onbdben gum greife non je 20 
aifo ein ©eiten|tücf gu 9teclam8 ^UninerfaD 
bibliotl^ef". — 3n berlelben joüen nac^ unb 
nac^ bie ÜWeiftennerfe ber beutfdjien ^Di^tung 
in Oeftenci^ — non ben üytinnefängem an 
bis gur gmeiten ^)älfte beS 19. Ja^r^unbertS 
— gum ©rfc^einen gelangen unb groar bie 
gröberen epij^en, bramatif^en unb pro{ai(ci^en 
Serfe in noUftänbiger, unnerfürjter 2Bieber= 
gäbe, bie Iprifd^en unb fleinen epijc^en ^ic^t? 
ungen bage^en in umfafjenben, bie eingelnen 
2iteraturperioben erjd^öpfenben illnt^ologieen. 
iBiograp^ifc^ ^ bibliograp^ifd^e Einleitungen 
ge^en ben ^nt^ologieen, {oroie aud^ ben be' 
treffenben Eingelroerfen noran. 

- « - 

Jakob von Falke neröffentlid^t foeben ein 
neues fBerf unter bem 5;itel „5luS bem roeU 
ten 9^eid^e ber Ä'unft". (5lÖg. 23crein für 
©eutfd^e Literatur, Berlin.) 

- 4t - 

„^Jtaria be Mobilia", ein neues fünfactigeS 
5:rauerfpiel non Rudolf von Gottschall, wirb 
bemnäd^ft am ©tabtt^eater in 2eipgig gur 
^uffül^rung gelangen. 

- He - 

Heber bie erjte 5luffttl^rung non Paul Lin- 
dau’s neuem 2ufl|piel „^>ie beiben Sconoren" 
am fönigl. 9?enbengt^cater gu ÜRünd^cn fd^reibt 
bie „iaglid^e 9tunbfd^au" u. 21,: 


ben Erfolg ber 2)arftellcr ab, fo nerblieb für 
ben ®erfaffcr eine fafl fe^r gute 2lufnal)me 
beS erjlen unb groeiten 2lcte8, eine anftänbig 
freunblid^e beS britten unb eine fragroürbige 
beS nierten 2lctcS übrig. 3^ur bie burd^auS 
tüchtige SDorflellung nermod^tc biefeS unglaub^ 
li^ fäinac^e 9uftjpiel nor bem (c^licblid^en 
5)urd^fan gu retten. — ©umma: ein fd^au* 
fpielerifd^er Erfolg, eine bid^terifd^e 2fBeber5 
läge." 


2)a8 neue fiuftfpiel „5)ie talentnolle Xod^s 
ter" non Ernst Wiehert ijt bei feiner fürgs 
lid^cn erften 2luffü^rung im „^Berliner X^ea* 
ter" abgele^nt roorben. 

- « - 

Emile Zola ^at fid^ non feinen bisherigen 
üRiherfolgen ouf bem Xbeater nicht banon 
abhalten laffen, fein Eluef als Xramatifer 
nod^ einmal gu nerfudhen. Er überreizte 
nor einigen Xagen ber Xirection beS '^^arifer 
Thöatreliibre ein neues 5)rama »La Made¬ 
leine“, in welchem er bie phpfiologifchen 
Eefe^e ber S3ererbung bargufletlen nerfucht. 
©ein neueÜer Sloman „Xer Xraum" foü 
nachftenS, in Eeftolt eineS Oratoriums, in 
ben Eoncertfaal roanbern. XoS Xeptbu^ be* 
forgt Louis Gallet, bie ÜRufif febreibt Alfred 
Bruneau, ein ©chüler Masseners. 

- * - 

Ignaz Brüll’s neue romantifche Oper „XaS 
fteinernc J&erg" h^t bei ihrer Erft'2lufführung 
in Hamburg eine fehr beifällige 2(ufnahme 
gefunben. 

- ♦ - 



Jidmehr unb lur «jinfftfüntttg. 

Xie SRebaction einer 3«itfchrift, bie fich feit einigen nergeblid^ bemüht, unferm 

5Blatt feine ©tetlung in ber Literatur ftreitig gu machen, nerfud^t eS neuerbingS, unsere ©es 
ftrebungen burch liebenSroürbige ©rieffaflennotigen in unnorthcilhaftem Sichte erfchemen gu 
laffen. 2Bir bemerfen im iBorauS, bafe mir feinergeit mit bem SBerleger jenes 23latte8 übers 
eingefommen ftnb, ber einen 3«itf^nft in ber anbem nicht namentlich Erwähnung gu t^n, 
unb trop ber freunbfZaftlichen Eefinnung, welche jenes waefere SBlatt für unS an ben Xag 
legt, höR^'i wir norlaupg noch an biefer 2lbmachung feft. Xa bie fragliche 
ihres XitelS oorgugSweife 'ißrofa bringt, woEen wir berfelben in biefer Erörterung ben Elamen 

& - 


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178 


fst -^—n 

^^eutfc^c ^ro(a* beilegen. 933ir bürfen un§ felbfi boS 3^'‘9n*6 ^>^6 wir jener 3«i' 

fd^rift gegenüber feit ber furzen ^th ibreS 33eftcbenS mit oufeerftcr Öourtoifie nerfobreu finb 
unb berfelben fogor einmal im 55rieffQften in burebauS rooblrooUenbem 0 inne gebaebt haben, 
worüber ficb f. 3 - berühmter berliner S)i<bter noch mit befonberer Stnerfennung äiiBcrte. 
SSielfod^e Eingriffe auf jenes 5?Iatt, bie unS oon febr beaebtenSwertber 0eitc jugingen, haben 
mir geglaubt 3 urü(fn)ciffn 311 müfjen, obglcieb ficb bie ,,‘I:entfcbe ?5rofa'' unS gegenüber fd^on 
früher in nerbeefter ©picgclfeebterei erbiebteter ©rieffaftennotijen gefiel. 0 o würbe nor 
3abreSfrift bie 9RcubauS’|(^e '^Magiatangelegenbeit in jener 3^ilfcbrift mit oielem 33ebagen 
burcbgebecbelt, obwohl wir bereits oerfpvocben hatten, bie 9lngelcgcnheit nach Söeihnacbten 
aufjuflären; cS mufete baS um fo mehr beficmben, alS cS bem Herausgeber ber „®eut|d^en 
^rofa", wie unS oon burebauS glaubwürbiger 0eitc mitgetbeilt würbe, früher als heiler 
einer ffiiener J^ufirirten 3 fitang geglüeft ift, Julius Hammers „9?ertraue bicb bem i?i(bt 
ber 0 ternc" als neue 0 Köpfung eines hoHwwngSoollen jungen Talents jum ^bbrurf ges 
braebt unb als SÖinfelricb ben (^infenber in bie Literatur eingefübrt 3 U haben. S33er in 
einem ^5laShaufc fipt, foflte boeb nicht mit 0tcinen werfen! — 4"cr 0cbiner*fcbe 5luSfprucb: 

„ber fiebenbe hat D'iecbt" feheint bem Herausgeber ber „^eutfeben ^rofa" ein leerer 0cball ju 
fein, benn er macht feine 3 eitfcbrift 311 einem griebhofe, auf bem ficb bie 0 eelen 2 lbgefcbie= 
bener unterhalten unb wofclbft halb oieDcicbt feine eigenen fühnen Hoffnungen ihr ^rab 
ftnben bürften. UebrigenS feheint au^ baS SPlatt oon oorn herein nur als oorübergehenbe 
^febeinung gebaebt gu fein. SBürbe fonft ber geiftoolle Herausgeber bamit begonnen haben, 
in jeber 3?ummer baS ^ilb eines bebcutenben lebenben J'i^terS gu bringen, ba er bo^oorauS* 
fehen fonnte, ba^ er nach einigen Jahren hiermit abgewirthfebaftet haben müffe? ‘feer grobe 
Erfolg ber „5)eutfcben 'Profa", ben fie bie Söelt glauben machen wiQ, finbet einen gang 
eigenartigen 2luSbrucf in bem Umftanbe, bab fie jept behufs 33erlängerung ihrer SebenSbauer 
nur noch in jeber gweiten stummer ein 5?ilb bringt (ober foOten bei biefer ©infebränfung 
etwa gar 0parfamfeitSrücfficbten obgewaltet haben?). Slueb fonnte ficb „^^eutfebe 

^rofa" bei bem ungeheuren Slnflang, ben fie angeblich in ber ^ejewelt gefunben hat, uns 
geftraft geftatten, ben tertlicben ^biloerfcbmucf fd^winben gu laffen, mit bem fie anfänglich 
1 auSgeflattet war*), unb neuerbingS jegar ben 3lbonnementSpreiS gu erhöhen- (®ic niuB 

I baS 5^latt profpenren!) 3Jtit wie feinem Xafte ferner unb mit welcher ^^ietät bie Ofebaction in 

j ihrem ^eftreben oerfährt, ihre ?efer mit bis jept noch ungebrueften biebterifeben 0 cbäpen ber 

, ^orgeit gu erquiefen, geigt ficb a. 31. in ber ^rt unb Söeife, wie fie nacbgelaffene (^ebiebte 

SffücTertS oeröffentlicbt, nämlich mit bem auSbrücflicben 35emerfen ber Tochter beS Richters, 
bap berfelbe biefe (^ebichte „möglicher, ja hötbÜ wahrfcheinlicber Steife" gar nicht für ben 
J)rucf beftimmt habe. 9ficbt minber feinfühlenb hat fi^ ber Herausgeber ber „^^eutfeben 
1 33 rofa" bei anberer (^Gelegenheit gegeigt: in einem oon ihm felbft oerfapten 9luffape über 

I 0torm giebt er einen 3^rief beS oeritorbenen ‘Trichters wicber, in bem biefer ficb nach ÜJtöricfe 

I für ben einzigen wahren Sinifer feit (Goethes lob erflärt unb babei O'eibelS 3^erbienft herab? 

j gufepen oerfuebt; biefeS Urthcil 0tormS über bie neuere Vprif miip für bie 3Jlitarbeiter ber 

I „5i)eutfcbcn ^)3rofa" um fo anregenber unb fcbmeicbelhafter fein, als ber gefcbmacfoolle Heraus? 

j geber nicht gögert, bemfelben feine mapgebenbe 33eftätigung gu ertheilen. ÖJerabe wegen bic? 

I feS ©eweifeS rebactioneUer geinfühligfeit begüglicb (BeibelS gingen unS oon oerfebiebenen 

unferer angefehenften Mitarbeiter Äunbgcbungen ber (S-ntrüftung gu unb gwar theilweife mit 
! ber 3lufforberung, biefelben abgubruefen. SBenn wir bamalS oon einem berartigen Vorgehen 
noch aus conegialifeber SÄücffi^t 3lbftanb nahmen, fo ift boeb bureb eine neuerliche 3leuperung 
freunbfcbaftlicben JßohlwoÜenS für unS in bem geiftfprühenben 3^rieffaftcn ber „^)eutfcben 
^rofa", ber fich burep ben höflieben, manierlichen Ion gegen bic Sefer gang befonberS auS? 
geiebnet, biefeS feebenfen hinfällig geworben. ^Der Änabe ^arl, ber unS fürchterlich gu wer? 

Den gebenft, tbeilt bort feiner ^tamensfebwefler (Emilie in oertraulicbem 3n)iegefpracb mit, 
bap Die „5^eutfcbe ^rofa" mit jenen „fleinen Iprifcben Herbergen ber C^itelfeit nicpt oerweeb* 
feit werben bürfe, welche guerft ihren Tribut forbern, ehe fie bem armen 2 )icbterling bic 
greube, ficb gebrueft gu fehen, gewähren*. SaS unS angcht, fo befennen wir offen unb 
ehrlich, bap, unferer Uebergeugung unb Erfahrung naep, ein 3^latt, welches Der ^oefie bient, 
aud^ auf bie materielle Unteritüpung derjenigen angewiefen ift, welcpe fiep biepterif^er ^ro? 
buction wibmen, unb wir forbern bcShalo — felbftocrftänblicp abgefepen oon unferen 
älteren Mitarbeitern oon 8 ?uf — aUerbingS oon unfeni (Jinfenbern ben Abonnements? 

I nad^weiS. doep betrachten wir unS baS SBerfabren ber „deutfepen ^rofa* in biefer 
Hinficpt einmal etwas näper. der H^auSgeber berfelben ift weit entfernt baoon, fo grau? 
fnme gorberungen gu ftellen; er beantwonet gwar oüe ^infenbungen nur im ^rieffapen, 
ober bieS pat natürlich niept ben 3^rrcf, bic „dicptcrlinge" (biefe freunblicpc it^egeiepnung 
trifft feine jüngeren Mitarbeiter boep ebenfo wie bie unfrigen) gum Abonnement gu gwingen, 
fonbern eS gefepieht nur beS 0i)ftemS wegen. SBer über baS 0cbicffal feiner ^infenbung 
etwas erfahren wiH, mag nur gcfälligft — abonniren. O ebleS 't^harifäertpum! dieS 
giebt 93eranlaffung, überhaupt einmal bie gcfcpäftlicbc ^rag’iS beS Unternehmens etwoS näher 

♦) «dj tote balb, a<b wie balb 

©chioanbcn 6 chönhcit unb ®eftalt! 

Amn. b, ©eSer«. 

s-at 


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179 


ju belcu^tcn. ^iatürlid^ nur ou8 SJienfd^cnfreunblid^feit l^ot e8 ber Herausgeber früher 
regelmäßig unterlaffen, unuerroenbbare 93citräge mit ftaren ©orten clS angelernt ju begeid^s 
nen. 5)enn roer möchte bem niebrigen 33erbQd5t 9^aum geben, boß er mit feinenjroeibeutiaen 
Sntroorten etwa bloä 3lbonnenten gu galten oerfud^te! ©enn er in ber leßten Stummer beS 
oerfloffenen Ouartalä bie abgele^nten ^Beiträge ni^t begegnet, fonbem feine StuSfunft über 
eingegangene ©enbungen auf bie näd^ße 3>^ummer ocrfc^iebt unb auch in biefer fein ÜScr* 
fprec^en nid^t einlöft, fo leitet i^n babei natürlid^ nie^t bie SlbMt, Abonnenten in*ä neue 
Ouartal ^inübergugießen; aud^ ift eS nic^t etroa ber Slerger über 3Kißerfolge feiner 
fonbem ber eble 3orn über unfer unoerantroortlic^eS 53eßrcben, ejiftiren gu rooden, bem er 
in ber ritterlid&en ?lu8Iaffung an feine Emilie 5uft ma(^t. ©o ergaben bie „^eutfd^e 
'l^rofa" über unferm 53lQtte gu thronen behauptet, fo menig oerfeßmäbt fie eS, unfere ©ins 
rießtungen unb ©epflogeubciten mit anerfennenSroertber ©eroiffenbaftigfeit naebguabmen. 
(3Wan beachte g. iö. bie faft roörtlicbe Uebereinftimmunj im $ej:tc unferer „33eftimmungen 
oon aUaemeiner ©eltung" mit ben entfpreebenben i!8orfd()riften für bie ©infenber ber „T’eutfc^cn 
$rofa"j ©8 erübrigt eigentlich nur no^, baß fte au^ unfere ^reiSauSfebreiben in ißr 
^rojramm aufnimmt. Äber roer roeiß, roa8 bie äufnnft in ißrem ©cboße birgt? ©elcb eine 
üppige ©inbilbungSfraft enblicb ber Sciter ber „T)eutfcben ^rofa" befipt, beroeiß er babureb, baß 
er ben oerbienten aebtgigjabrigen ©ebriftfteUer unb 5)icbter ©ilbelm Sangeroiefebe, ben eigents 
lieben ®erfaffer ber itleinpaul’icben „'ßoetif" in ihrer jepigen ©eßalt, in [einer 3eilftbrift bem 
Iprifcben ^aebrou^S am ^aßentifebeben beigefellt; eS ma^t baS ber literarifeben Gilbung beS 
H«rm H^auSgeberS alle ©bre, unb wenn e8 ibm beliebt, unfer ©latt al8 ein fleineS ju begeicb' 
nen, fo böt er roobl nur ben äußern Umfang beffelben im üluge; beim bei feiner tiefen ©ins 
ficbi fann eS ibm boeb unmöglich entgangen fein, baß bie “28 Jahrgänge unfereS ©latteS 
unb feiner mit ihm oerfcbmolgenen Vorgängerinnen, ber ©cfßein’fcben unb i^oftenratb’fcben 
Tiicbterballcn, ihre ©cbeutung in ber Siteratur geroonnen b^ben, roäbrenb bie öebenSfäbigfeit 
feiner 3citfcbnft erß noch gu beroeifen bleibt, diatürlicb liegt e8 auch nicht in feiner tlbßcbt, un8 
unfere greunbe unb üRitarbeiter, bie bem „^^icbterbeim" gum großen 'Ibeil feit langen Jab« 
ren treu gur ©eite ßebn, etroa abfpenßig ^u machen; e8 roürbe ba8 auch ein febr oergebli^eS 
©emüben fein, benn roir roiffen, baß roir auf ben guten ©efebmaef nnb ba8 ©iUigfeitSs 

e unferer fiefer oertrauen bürfen, unb unterßeden bcdbolb biefe 2lngelegenbeit mit größter 
i^rer eigenen ©eurtbeilung. ©enn un8 öffentli^, roic bi« gefebeben, ber Jebbebanbs 
febub b'ngeroorfen unb unfere literarifebe ©bre angegriffen roirb, fo roerben roir ßet8 auf bem 
^laße gu ßnben fein, unb fodte ßatt eines einzelnen ein ^upenb b^^b^tütbige 

grangofen anrüefen. — ©ir holten un8 ber „^)eutftbcn 'profa'' beßenS empfohlen; möge ipr 
^be, roenn ib« 3eit gefommen iß, ein ßideS unb friebfameS fein; benn ihre lauten Hilf«' 
rufe an bie ©Jebilbeten ber 'lUation febeinen feine ©rbörung ßnben gu foden unb fönnen um 
fo roeniger ^*olg hoben, fo lange fie auf ben bisher betretenen ©ahnen oerborrt. 

$ie Jtebadion brs 



Dr. F. V. H. in T—r. ©eßen 5)anf für befonberS in ben ^^rofobeitrögen erfdbroert roirb, 

3bi^e ^ittbeilung! ©8 gilt roeniger unS als baoon roirb ßcb Wr unbefangene Sefer feinen 

bem ©erfaffer. ©o febr roir auch jüngeren ©egriff machen fönnen. 

5:alenten gegenüber auf möglicbße ©abrung Dr. A. W. in A —n. ©u^ rourbe 
ber gorm unb beS SluSbrucfS holten niüffen, oerfanbt; ©ebiebt bieSnial leiber nicht recht 
fo roenig fönnen roir unS oerpßicbtet fühlen, geeignet. 

an ben ©oeßen älterer leichter, bie ßch burch v. S. in B —n. dfadb Sh^« eigenen 

ihre ©igenart ©eliebtbeit unb flangooden Eingabe iß Jbnen unfer ©latt gang rechts 
dcamen erroorben hoben, irgenb roelche Aenber- geitig gugegangen. ©ie fönnen bie dtummer 

ung oorgunebmen. ©ir bringen berglcichen nicht eher als frübeßenS 9 3:age nach Dfebacs 

unbebingt gum ^bbrudl, fobalb ber innere tionSfdbluß erhalten. Jb^^ ©ebichte ßnb leiber 

©ehalt nur überroiegt. 2)aß roir übrigens iinoerroenbbar, roeil inhaltlich adgu fchlicht. 

für dfeinheit ber ©praebe eintreten, bürfte V. L. in R—SlOerbingS hoben roir, um 
loohl deinem entgangen fein, ber unfer ©lott mit 3ho<n gu jprechen, „in ber Einlage 3b^« 

mit Äntheil oerfolgt, ©ie unS aber bieS ©ebiebte", aber roir hoben in 3h«” ©ebi^ten 

©eftreben burch 2lnroenbung oon grembroörtem Einlage gefunben. 




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160 


jR- 

P. G. in 8—a. SBir ^ob<n fd^on öfters 
betont, baf^ loir unS ni^t auf nad^traglid^e 
bricfli^e ®curt^eilung im ^öcieffc^alter ab= 
clc^nter ©ebid^te cinloffcn fönnen, roenn 
icfelben nid^t ju biefem Steuern 

eingefonbt roerben; aüc unnerroenbbaren ^in= 
fenoungen merben alSbatb oemiebtet. 

P. L. in N — b. mir immer ru^ig 
unfern Seg oerfolgt haben, ohne nach red^ts 
unb linfS obguroeitben, haben 5lnbcrc aeglaubt, 
ficb an uns reiben ju fönnen; baOiefelben 
ficb barin oerrcebnet haben, roirb 3bacn ber 
0precbfaaIartifel biefer ^^tummer beroeifen. 

H. P. in B—g „5)em Groigen"; C. G. in 
B—y „SSergangneS ^eib'' (mir bnngen nur 
35efpre(bungcn unS ju biefem 3*^ccfc über= 
reiebter 93ücber); G. R. in B —n „?ln bic 
©cliebte" unter bem 5itel „9fcucS ßeben"; 
A. B. in H—r „(^eftänbni^". Angenom¬ 
men! 

H. K. in C—1 (ohne fraftooOe (Eigenart); 

S. V. S. in A—g u. Ph. S. in K—g (jcbmicrig 
im 9luSbriicf); P. S. in M—g (löblimcS 0trc: 
ben nach Eigenart, boeb oielfacb fteife 2:iction); 
H. F. in G—z (ju oicl crfünftcltc Reibens 
febaft); L. J. J. H. in J—g ßb^e frühere 
(Jinfenbung mar ja in 5tr. 8 erlebigt); J. L. 
in B—X (beadbtcnSmertbe 2?erfucbej; M. K. 
in A—m (befebränfen 0ie Sortreijb^ 

tbum einigermaßen unb pflegen ben ^eim 
forgfältiger); Th. G. in H —z (gu breit am 
gelegt); J. B. in B — g (unregelmäßiger 
©tropbenbau); R. Z. in C—a (;u xcrfließ- 
lieb); A. L. D. in C—a (ohne fclbftftanbigeS 
@^räge); H. G. in B—d (gcrabe baS ©onelt 
befriebigt unS am menigflcnjj E. N. in B—n 
(ftubiren 0ie junäcbfi bie (heieße ber SDtetrif); 
M. M. in B—(menn 0ic briefliche 2lntmort 
münfeben, ertüUen 0ie unferc cinfcblogigen 
©eftimmungen) ; E. S. in R—g (gu oer: 
braucht); R. W. G. in B—n; L. D. in ©ab 
W—eh (ftreben 0ic nach gcbanflicbcr ©ers 
tiefung); A. E. in H—g (mir haben erft 
fürjliÄ ein ähnliches C^ebiebt gebracbO; G. 

P. in L—k (ocrläuft leiber gegen ben Schluß 
bin); F. R. in N. T—k. Dankend ab¬ 
gelehnt! 

T. V. in P—l. 0ic haben gan^ ungu? 
treffenbe ©orfteUungen oon unfern ©epßogens 

(6(bIuS ber Slebaction biefer 


beiten, menn 0ie benfen, baß mir gute ©es 
biebte megen üRangel an flfaum gurücfroeifen; 
eS fann oieS nur bei befonberS langen ©ei* 
trägen ßattßnben, beren Umfang bem innern 
©evtbe nicht entfpri^t. 3ßaS unS beS Slbs 
bruefs mürbig erfebeint, bringen mir, ohne 
fleinlicb ju berechnen, baß mir bin unb mieber 
einen halben ©ogen mehr geben müffen. 

M. M. in H—r. 0ie haben Xalent, lehnen 
ficb aber gu febr an 3br ©orbilb an. 3lußcrs 
bem achten 0ie mehr auf D'feinbeit ber gorm 
unb ©lätte beS 3luSbrucfS! 

E. K. in B—th. SBir haben bereits oft 
bemerft, baß cS feinen 3n>ecf bat, ohne unfere 
3lnregung bereits abgelebnte ©ebießte noch¬ 
mals gu fenben. Waffen 0ie gelegcntlid^ 
3lnbereS feben! 

H. W. in T—z. 5)er |>crr, beffen 3lbrcffe 
0ie oon unS gu haben münfeben, ift unS 
oöUig unbefannt. 

P. S. in S—g. T^crartige 9^acbrufe bringen 
mir nicht; bem anbern ©ebicht fehlt bie inhalts 
liehe SluSgeftaltung. ^^aß 0ie troßbem Talent 
befißen, mieberbolcn mir au^ jeßt. 

M. S. in C—g. $öenn 0ie auf eine 0enb5 
ung oon 3)titte October bis b^nte noch feinen 
©ejeheib empßngen, haben mir biefelbe ni(ht 
erhalten. 

H. R. S. in Sehw. H—11. UnS fehlt ber 
'^Uaß, alle uns gugehenben D^euigfeiten auch 
nur in ber 9fubrif „9^eue ©üeper" unter? 
gubringen, gefchmeige beim, baß mir über 
2ßerfc, oon benen mir nicht einmal ein S^e? 
cenrionS^öremplar erhielten, ausführliche ©e? 
fprechung bringen fönnten. UeberbieS iß eS 
mißlich, uns ohne auSbrücfliche 9lnregung 
unfererfeitS Äritifeii gu fenben, ba mir bie 
betr. ©ü(hcr bann gumcilen fchon einem anbern 
©Mitarbeiter gur ©efprechung übermiefen haben. 

H. M. in B—n. SBenben 0ie fich mit 
;5h^fn ©inmürfen an bie richtige Slbreffe unb 
machen 0ie unferen Herausgeber nicht bafür 
oerantmortlich, maS ein 'Mlnberer in ber „©üchcr? 
fchau" fchreibt unb mit feinem ©amen unter? 
geichnet. 

3lllen oerehrten greunben, bie unS 
mm Sah^^^Smechfcl burch ©lüefmünfehe er? 
freuten, fprechen mir an biefer 0tene unter * 
berglicher ©rmieberung unfern oerbinblicbßen 
4)anf aus. 

9lummet: 6. 3anuar 1889.) 


9ti$a(tsoeriet4ni|. 


•eMdite oon iKor llolbrifc, ^ofeplitne Jrrttn von ttnorr, fingo KiiHnlfinter. Kofo fielerboner. K. ID. 
tOQ, (Dtto SrUrrbotttr .frobor lOrbl, .Albrrt iRöfrr, Drinriib Abtlaibe von •ottberg, Anno OolQt, Soliof 
dtnrn, QDtto (SrnfI, Kidiorb Dtbmrl. Dtrnionn Cienent fiofel, Alfrtb 6o(fe unb 3. iU. dosrolfo. — Der PoroUeUf- 
nni in bentfiben Oolliftliebe. i^iterarifd^e @tubie oon €. Ooreßfib» Ce^ortfebung.) — Citerotnr nnb tnnft. — 
Ofener 3pred)fool. — Srieffd^olter. 


Stad^brudt nur nitler genaitei: dneffeitangAde geflnftet. 


©eßeOungen finb gu richten an bie Expedition (Paul Helnie’s Verlag), ©infegbungen ) 
an bie Redaotion dee „Deutschen Dlchterhelni'' in Dresden-Striesen, ©ornngiffion: 
Trflb’sohe Buchhandlung (S. 0 (hmittner) in Zürich unb E. Steiger L Cie. in New-York. 

k --- 32 

(Shef^S'^ebacteur unb ©igenthümer: ^^auf ©ebacteur: Jtnboff 

iCnicr oon gfetbtnanb iCbomaS in — fpopiet oon ber S)reebcncT m^opierfobriL 


Hierzu je eine Beilage yon Ed. Wartig*s Verlag Leipzig und des „Eunstwart**-Verlag 
Dresden, die beide wir der freundlichen Beachtung unserer Leser empfehlen. 


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Drgaii für DidltKiiii^ iiiid (3)ec „Deulfi^en Diditerliaffe" 18. £niid.) 


Herausgeber: 


Monatlich 2 mal. Freia: 6 uV halbjährl., yoranaaahlb. Man abonnirt durch Jede Bncbhandlnng, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des ^ Deutscheu Dichterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nur bis 
1. März beziehentlich 1. September angenommen. Einzelne Xummern k bO 5 Stttok einer Nummer jä 1,60. 


1 





er 9 «tten <^ampf mit feinen ^eiigenoflTen 
IF^rgeSfi^ rang nnb Veimging ianm bta^Ut, 
Jnbetn er na^ bein «^d^’ren nur geiraiftei^ 

Pe« wirb erfi ans betn $ra 0 ber /orbeer fproffen. 

Pann iotntni in ^nCTe jener ^neit ge^offen^ 
betn ber /ebenbe fo (eifi gef4in<^4^^^9 
Pen i^tn tierioeigeri, bie ben gln^nt gepaiftei^ 
pie |n ben ^erjen i^tn ben gbeg oerf^fofT^* 


Penn er (at ni^U getooKt^ afa nnr gebannt 
gienen fein, fbr bie er au^ gefiftieben, 
^nr bie er loar gef^afjfen nnb gefanbt. 

gSenn ^e i^n iennten, würben fit i(n Heben, 
9a4 biefer ^offnnng fa^ er nnoerwanbt 
Jinb bie ifi an^ fein fester %rofl gebCieben. 


Obermann /ingg. 





iS 


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182 


?8' 


-5? 



Per '^araffefismus im öcutWen 
'^ofäsfiebe. 

Siterarifd^e 0tubie Don ^orelfif. 


(©d^IuS.) 


IV. 


erübrigt nod^ bie ^cfpre^= 
ung bcö 'I^arnneliömiiö in 
einer gan 3 beftimmten 2)er= 
ioenbung, namli(^ ha, roo er 
erfdjieint al§ Einleitung 
eines gongen 2icbeS, roo olfo eine Hit- 
gie^ung befielt groifeben bem ytoturbilb unb 
bem folgenben l^icbe ober roenigftenS einer 
DJtebrgobl üon ©tropfen. 

^^iefe Erfcbeinnng ift burd^ouä nid^t feiten, 
roeber im auf^crbcutjcben noch fpecieO im 
beutfe^en 33olf6lieb. ©o l)at illUlb. ©euerer 
bie bereits oben einmal erioä^iilc'I5ogat[cbnigg= 
^errmonu’jc^e ©ommlung förntnij^er i^olfS: 
lieber borouf^in unterfliegt unb gefunben, 
boB non ben 1568 fiebern biefer ©ommlung 
130 mit folcbem tppifc^en 'Itotureingong on^ 
^eben. 

3unäcbft bilbet oueb l)ier boS ^oturbilb 
bie 'l^oroUele gu einem bireft folgenben E^e= 
bonfen; boS (^onge ober giebt bie (^runb= 
ftimmung beS folgenben Siebes an, fo bog 
fic§ ber 'I^orolleliSmuS ^icr monnigfoc^ mit 
bem Äe^rreim berührt, ©o gehören l^iebcr 
nerfdjiebene Sieber, oiiS benen mir fd^on 
früher EingelncS mitget^eilt: 

93?enn olle ©rünnlein fließen, 

©0 foll man trinfen — v 

bieS 93ilb fie^t gunodjft in 'Parallele gu ben 
beiben folgenben 

Unb irer ein’n lieben Nubien bat, 
$:er foü ibm minfen. 

Slber eS bilbet gugleieb bie einleitenbe poroUele 
gu bem gangen folgenben Siebe, beffen 3n= 
halt baS E5ejpräcb eines SiebeSpaareS ift. 

3lucb bie ^IbjcbiebSlicber finb 3^ 

fe^en. 5)aS einleitenbe Pilb; 

Entlaubet ift ber ©albe 
Een biefem ©inter falt, 

entfpridbt ber ©timmung beS gangen folgern 
ben Siebes, raenn eS fortföbrt: 

beraubet roerb’ icb halbe 
2Jtein’S Siebs, baS madbt miift alt. 

5*06 i(b bie ©d)ön’ mug meiben, 

5^ie mir gefallen tbut, 

Jpringt mir mann’gfältig Selben, 

21tacbt mir ein’n fdnoeren 2)tutb. 

Söftt bu mir nichts gur Sepe, 

3Jtein fein braun Wögbelein, 

^CaS mich bieroeil ergepc, 

2)0 icb aon bir mufe fein? 

.S'offnung mufe mich ernähren, 
fltacb bir fonft merb’ ich franf, 


Iba bt^roieber febren, 

Die 3^il ifl oiir gu lang. 

©ei meif*, lafe bicb nicht affen! 

Der Älajjer finb fo niel; 

$alt bid) gen mir recbtfi^affen! 
Ireulicb bicb rcamen roill. 

^üt’ bicb oar falfcben 3angen, 

Darauf fei roobl bebaebt, 

©ei bir, febönS Sieb, gefungen 
3u einer guten 9tacbt. 

Unb ebenfo in jenem onberen: 

ES ift mir gefallen ein folter ©ebnee, 
EefoUen auf meinen ^uß: 

)Diein Sieb ift oiergig Steilen oon hier 
Unb baS mir merben mug, mibe*) mufe 
Unb baS mir merben mu§. 

Der Eleliebte febrt oUerbingS gurüdf; aber er 
ift feinem 3J?äbcben treulos gemorben: 

Die Ireu, bie ich bir nerfproeben. 

Die mu6 gehalten fein, 

Unb menn ber geigenbaum IRofen trägt. 
Dann regnet eS fühlen ©ein mibe ©ein. 
Dann fou bie Voebgeit fein. 

Unb ben ©cblufe bilbet bie leichtfertige ©tropbe: 

3n)ifchen Irier unb ^obeleng 
Da ift eine fchöne ©tobt, 

Unb bem fein Sieb nicht re^t gefällt. 
Der fann eS laffen gehn mibe gehn. 

Der fann eS laffen gehn. 

©0 barmonirt auch b^^r ^aS einleitenbe 53ilb 
mit bem Eebanfengang beS gangen Siebes. 
51uS einem onberen Siebe: 

3ft alles bunfel, ift alles trübe, 

Diemeil mein ©ebap ’nen 3lnbern liebt. 
3cb bab’ geglaubt, fie liebet mich, 

5lcb nein, a^ nein! fie baffst mich — 

maren bereits oben bie gmei ^ittelftropben 
mitgeibeilt (f. unter I.); ber ©inn ber eins 
leitenben parallelen ift flar: Die gnnge ©eit 
ift trübe, meine Siebe ift babin. Diefev Ee» 
banfe giebt ficb burch bie beiben folgenben 
©tropben binbureb unb geminnt bann einen 
ergreifenben SliiSbrudP in ber ©cblulftropbe: 

3a bort auf jenem fWafenbügel 
ä^Qut man mir ein einfam .pauS, 

Unb menn ich fie nicht lieben fann, 

©0 fommen oü’ bie fchmargen Prüber 
Unb legen mich inS bunfle Erab. *•) 

*) ^tiefe« (J^infdilcbffl bat für ben @inn nicht» 
njeiter ju bebcuten; e« fommt nur für ben (Sefanß in 
S3etTacht. 

♦♦) ®ie in ben übrigen ©trophen fCheinbor fehlenbe 
fünfte 3cile toirb für ben ©efang burch ntehnnalige 
aöicberholung be» „8tch nein, Weh nein" refp. be» 
„älioron ich nicine ..." hergeftettt. 


to- 


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183 


Unb nid^t gu oergeffen jenes fc^öne !^ieb, 
baS guerft ^einrid^ ^eine in bcm fleinen 
fiiebcrcpfluS „Xragöbie" unter 9h:. 2 mittl^eih 
unb baS rool^l aUgcmein befonnt ift: 

(58 fiel ein SReif in ber Ji^ü^lingSnac^it, 

(5r fiel auf bic mrten SBlaublümelein, 

©ie finb uerroclfet, uerborret. 

^in üWäbd^en lieb, 

©ie flogen fjeimlidb uom ^)Qufe fort, 

(58 rougt’S roeber 5^ater nod^ 9Wutter. 

©ie finb gcioonbcrt l^in unb l^er, 

©ie höben gchobt loeber (^lücf noch 
©ie ftnb oerborben, geflorben.*) 

Sie treffenb unb roit poetif(h rcirb ba8 
Sieb mit biefem 9iaturbi(b eingcleitet! 

©elbft bie ocrfchiebenartigen (5mDfinbunQen, 
bie in einem unb bemfelben ©ebichte ihren 
9Ui8brucf pnben, enthalten ihr entfprechenbeS 
9^aturbilb in ber öingangSftroph«- Pngt 
ein ©<heibenber in einem 2lbfchieb8lieb guerft 
oon feiner Siebe, bann erjt fommt ba8 Seh= 
gefü|^l be8 ©cheibenS ^um Durchbruch; bem^ 
gemap lautet auch (5ingang, ben beiben 
oerfchiebenen ©timmungen entfprechenb: 

Sie fchön blüht nn8 ber 9)^aien, 

Der ©ommer fährt bahin. 

3n einem anberen Sieb erhält bie ©elifbte 
bur^ bie 92achtigall bie $)otf(haft, bag ihr 
Q^eliebter eine 9lnbere geheirathet. 9Jtag ba 
nicht eine tiefe 53e3iehung barin liegen, wenn 
hier, mo oon ber gebrochenen, erftorbenen 
Siebe bie 9iebe ift, ba8 Sieb mit bem 53ilbe: 

„9luf bem Äirchhof P«hl «i« 9?ojenbaum" 
beginnt ? 

‘9luch hi^r 3?e3iehung groifchen bem 

einleitenben 9?aturbilb unb bem 3*'%ölt be8 
golaenben nicht feiten unflar, ©o lautet ein 
liebliches Siebten: 

3ch höi^^’ ©ichelein raufchen. 

Sohl roufchen burch ba8 ^orn, 

3ch hört’ eine feine 9Jlagb flogen, 

©le hält’ ihr Sieb oerlorn. 

„Sap roufchen, Sieb, lag raufchen, 

3ch acht nit, loie c3 geh*; 

3ch höb’ mir ein’n 53uhlen erworben 
3n SBeiel unb grünem klee." 

„$aft bu ein’n SSuhten erworben 
3n ®eiel unb grünem Älee, 

©0 fteh’ ich alleine, 

Dhöt meinem ^erjen weh-" 

Ueber baS SSerhältnife beS @ingang8bilbe8 
gum Siebe fprechen fich Uhlanb unb ®i(mar 
aus. (5rfterer fagt (©chriften III, ©eite 419): 
„Dem nerlaffenen 4>Iäbchen ift baS 9faufchcn 
ber ©ichel eine 9JIahnung an gef(hwunbeneS 
@lücf, währenb baS liebeSfrohe, Icichtgemnthe 


*) ^einc bemerft bQ|u; „tiefes ift ein wirflicbeb 
SSoImieb, toclcbed icb am 9lbein gehört'*. (^8 ift tuohl 
thatfiUbttö) ein echtes flSoIfSlteb, menigftenS hötte hoä) 
&eine taum einen areifbaren ®runb ju einer abficht« 
U&en gfälfchung gehabt; auch ift an bem ganzen i^iebe 
ni$tS, toaS ni$t e^t bolCSmäSig wäre. 




noch unter abgemähtem Äom an S3eicl unb 
grünen Älee gebenft, an bie ^eit beS grüh= 
lingS unb ber ^ärtlid^en 93erhaltniffe." Unb 
®ilmar (^anbbiichlein für greunbe beS beut^ 
fchen ^olfSliebeS, neu h^rauSgegeben oon 
©öcfel, ©. 208): „@^8 fann raum etwas 
©d^önercS geben, als ber (SJegenfab unb 3 U= 
gleich (5inftimmung gwif^cn ber tiefen, 
ftillen SicbeStrauer unb oem hcitem, aber eins 
förmigen unb hoch auch leife wehmüthigen 
klingen ber ©ichel im reifen J^om ..." 

Ob IBilmar hirr nicht oieDeicht mehr brin 
jucht. olS wirflich brin liegt? Die (5rnte3eit 
ift baS ^nbe beS ©ommerS; ©ommerenbe 
unb $erbft ftehn im (^egenfa^ gu grühling 
unb ^ai, bicS ijl bie 3^*1 Siebe, jene bie 
beS ©cheibenS, wie wir erft oorhin ben (55egens 
fa^ f^atttn: „Sie fchön blüht unS ber 
59Iaien — ber ©ommer fährt bahin." 9llfo 
ber ©inn unfreS SBilbeS: Der ©ommer neigt 
fich gum ^nbe — meine Siebe ift oorbei. 

53efannt ift wohl auch jenes nette, fdhwä« 
bif^e Sieb: 

’© ücht no’ nit long, bag g’regnet ^)at, 

De Säuble tröpfle no*. 

3 hön anial a ©cho^ gehStt’, 

3 wollt, i hött’ ’n no*. 

3e^t ifcht er gange wonbere, 

3 winfeh’ em Sö^er in b* ©chuh; 

3e$t lieb i wieber an anbere: 

(^ott geb’ mir (S^lücf bagu. 

Der nächftliegenbe ©inn ber parallele ift: 
33or Bürgern höt*8 geregnet —- oor Bürgern 
oerlieg mich mein ©chap. @S mag aber hoch 
wohl eine tiefere 33egiehung in bem S3i(be oom 
9fegen liegen. Vergleicht man g. V. baS fols 
genbe Sieb: 

©chaut’S angi, wie’S regnet, 

©chaut’S auM, u)ie’8 giegt, 

©chaut’S ougi, wie’S Soffer 
Vom Dach abi fegiegt. 

@or’n wunberliebS Dirnbl 
Jpab’ i heut’ woanen fehn, 

Unb ba hög* i *8 höH g'frogtf 
SaS em Dirnbl iS g’f^ehn — 

unb bagn noch fo^nben ©trophen, wo 
ftetS baS Seinen beS WäbchenS betont wirb, 
fo ift bie innere Vegiehung gwifchen 9fegcn 
unb Seinen offenbar. Unb fo ift wohl auch 
baS einleitenbe Vilb „*© if^t no nit lang, 
bag g’regnet höt" aufgufaffen. 

So jeooch eine berartige innere Vegiegung 
nicht hergufteOen ift, höben wir einfa^ jenen 
rein ängerlichen '^aratteliSmuS oor unS, wie 
in ben unter III befpro^nen gälten. Ueber 
biefen Vwöft fpnth* ^Jlorip ^aupt in 
einer 9lecenfion oon SÄücfert’S ©chi s fing 
(Ueberfepung chinefifeger ©ebichte) auS: „Die 
oUermeiften Sieber beginnen bamit, bag pe 
bie Sahrnehmung irgenb eines ©egenftanbeS 

ober ^reigniffeS ber 9Iatur auSfprechen. 

Dergleidhen (Eingänge bilben ba, wo beftimmte 
Vegiehung mangelt, entweber ben lanbfchafts 
(id^en ^intergrunb, auf welkem gdp baS Sieb 


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184 


!K- 


-59 


ober: 


S ieroorBfbt, ober fic oerfeben roie ein Tnuftfa* 
ifd^eS ^rälubiunt in eine bent ©inbrurfe beS 
Qonjcn CiebeS l^omogene ©timmung unb regen 
bie ^^l^anta|le ju imbepimmten, aber jenem 
(Jinbrucfe günftigen (Jrinnerunaen an.* 

©0 fann man l^icl^er aud^ bie gal^Ireid^en 
3^agelieber red^ncn — eine 5)i(btiing8gattung, 
bie, roie befannt, erjl au§ ber romanifd^en 
Sprif in bie bcut[dbe l^öfifd(ie figrif ein^efül^rt 
roorben unb oon oa fe^r halb aud^ tn ber 
93olf8poerie Eingang gefunben ^at. Sieber* 
anfänge roie 

68 t^et in bem 0(!en, 

Xtx üJconb [^eint überall. 

3d^ ben lichten 9J?orgen, 

5Dar3U jein’n roerten ©d^ein, 

3^ roe(f fie mit ©efange, 

?)ic 3lDerliebfte mein. 

ober aud^ jenes (urfprünglid^ auch ein 
Staaelieb, ogI. baju Hilmar, ^anbbuc^lein 
u. f. 10.): 

68 fielen brei ©tern’ am i^immcl, 

®ie geben ber Sieb’ il^ren ©d^ein — 

berartige Slnfdnge d^arafteripren oon oom* 
l^crein burc^ ein lanbfc^aftlid^eS ^ilb bie 
©ituation, ben SicbeS. 

3n biejem roeitern ©innc gehören eben* 
ba^er aud^ fafl ade jene Sieber, bie überl^aupt 
mit einem Sanbfc^aftSbilb eingeleitet roerben 
unb für roelc^e jene oben citirte ©emerfung 
oon Üyt. ^»aupt gutrifft. ©o: 


68 fa^ eine Sinbe in*8 tiefe 3:]^al, 

Söar oben breit unb unten fd^mat — 

2)a broben roar meines ©aterS ^)au8, 

®a fielet eine grüne Sinbe, u. f. ro. u. f. ro. 

3u fd^lieplid^ aud^ jene Sieber, roeld^e bie 
^auptperfon ober roenigpenS eine ber Äaupt* 
perfonen innerl^alb einer lanbfc^aftlid^en 
©ituation be^nblid^ einfü^ren: 

3d^ Panb auf IJobem ©eroe, 

©d^aut’ l^inab in*8 tiefe X^al — 

@ut Dritter reitet burd^ ba8 ffixth, 

6r fang ein fd^5ne8 2:agelieb — 

68 ritten brei IReiter roobl über ben 
fR^txn — 

68 jogen brei [Regimenter rool^l über 
ben [R^ein u. f. f. 

9lu(^ ^ier roirb überall ber folgenben 
^anblung ein Sanbfd^aftSgemalbe al8 ent* 
fprec^enbeS ©timmungSbilb ober roenigPenS 
al8 paffenber ^intergrunb ooraufgefd^iot. 

3Ran pel^t, roeld^e ©ebeutung ber ©aralleliS* 
mu8 für bie ^ed^nif be8 ©olfdtiebeS unb 
roeld^e ©ebeutung fomit aud^ bie [Ratur 
überl^aupt für ba8 SBefen ber ©olfdpoepe bat. 
2luc^ [onp ip bie [Ratur eines ber roid^tigPen 
6lemente be8 ©olfSliebS, unb ©inn unb 
Siebe für bie erPerc ip eine nol^roenbige ©or* 
bebingung jum ©erpanbnife beS le^teren. 
9Ber nod^ für einfache unb natürli^ ©oepe 
empfänglii ip, roirb an unferem ©olfSliebe 
pets Gefallen unb @enup pnben. 


eSe^ ^nig. 


®u liegP fo bleid^ unb fHIl! 3n jhimmem Älogen 
SRa^t, ©ater, bir bein Äinb, — bu Pel^ft eS nid^tl 
2)cn 9Runb, ber nie me^r ein „©Billfommen" fprid^t, 
!^ie falten Sippen fü| id^ o^ne 3^gen. 

6in ©ngel wirb il^n, ©oter, gu bir trogen, 

®c8 ÄinbeS lebten @rup! — ®ein Slngepd^t 
©crflürt fo f(bön beS gricbenS milbeS Sid^t, 

®a8 fcmgcblicben beinen ©rbentogen. 

ÜRcin lebter ®rup, er fei ein ftitt ©cloben: 

3n beinern ©ei^e mitl ^infort iä) leben; 

©ei aller ©rbenpein, ber bu entl^oben, 

©oll ftetS bein Sitb oor meiner Seele fd^meben, 

S^ein freier ®eifl, er leiere mi(b oon oben 

®o8 SRiebre piel^en, no(b bem ^ötbpen ftreben! 


fffe $emel. 




4? 


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•5? 


. (9to(!^bru(f ttcTboten.) 

mas OolkratnslUli.*) 

^ tfin imffteK ^ 

Con 9»nii# 

(gortfe^^uHÄ.) 

3m ^farrl^aufe. 

©aftlic^ labet bie Pfarre beS iCorfd, umfd^attet oon £inben; 

Sänglic^ bad ftattlid^e mit bltnfenben genftern unb 9BetnIau6. 
@(^eunen umgeben ben $of unb blü^enbed ©artengetdnbe; 

Oben auf mooftgem nid^t fel^It baS flappembe @tord^neft 
Unb am Brunnen beS §of8 ber jierßd^c Robtl bcr laubcn; 

©c^aarenmeiS fliegen fie auf mit fd^metternbem Sd^Iage ber glügel, 
@4®örenn)eiä fommen fte fd^mettemb jurüdf auS ben fprojfcnben gelbem, 
©ei mir gegrügt, umgrünteS non ©icnen umflogen, 

ftönigSferjen, fte leuchten am ^aun unb fammtene SUtalnen, 

©onnenblumen jugleid^, unb tneitl^in flutl^en fie golben, 

©olben im fommemben !Cuft bie unenbßd^en äBogen ber Sichren; 

3lIfo lendetet bein ®ilb in ©rinn’rung banfbarer ®öfte. 

9tber fefet ift ber ©ommer nod^ fern, faum melbet ber Senj fic^, 

Unb mit tnärme;tbem ©tra^I einlugt er in traulid^e 9täume. 

©c^mueflod ftnb fte erfüllt non unfagbarem Böterbel^agen; 

9ln ben getünd^ten 3Bänben erblidfft bu mancherlei ^auSrath, 

SRöbel, uralt, mit gefchmungenem gu^ unb mit SReffingbefchlägen, 

9lber an ©teile ber ieppiche fnirfc^t auf ber ®iele bcr ffieigfanb; 

Ueber bem alten ©pinett grü§t manches Silbni^ im ^oljrahm, 

SRur ©ilhouetten nerfchollener unb am offenen SSBonbfchronf 
SBinft beim mit heurigem jfernobft. 

SautloS ift eS im (Srbgefchog; biSmeilen non oben 
lönt mit gemoltigem Älang ein Slccorb non ber Orgel beS §oufe§, 

SGBeifen uralt einfältigen ©innS, mie bie Sieber oon ©erhorb, 

Ober auch: Sobet ben $erm, ben mächtigen ^önig ber 
©olcherlei fpielt ber mürbige ©reis, fich felbft jur ©rbouung, 

3f^ er allein; hoch n’intmelt baS $auS non gelabenen ©äflen, 

9Bie eS bie ©Ute jur ßirme^^eit, bann führt er ben Borfih 
9llS ein behaglicher SBirth, unerf^bpflich an ©eher) unb an 
$eut ift’S anberS beftellt: 3”^ Sehnfhihl Pht er am Ofen, 

Unb ein Läppchen non ©ammt be^t märmenb ben fchimmemben ©cheitel; 
aber boS aug’ ip feurig mie fonP, unb bie forgenbe $anb fcht 
Oft bie pfeife in Branb, bie lang unb mit OuaPen herabhängt. 


treiben bnn laufenben ^{rsangc unfreS Blattes mit bdgebunben merben rönnen, ^efc 6ebaratabsUge, 
CO. 6 Bogen umfajfenb, mtb sum BelbfttoftenbTcifc oon 1 uiT ftr baS €tücC birect oon uns fotoie burd) Jebe 
BnC^^nblung |u oc|ie^ 

iPtf beo 


ß- 


£ 



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186 


W-J5 

„ßrroin", fprac^ er Bebnd^tfam nun, unb ba§ fpäl^enbc 5lugc 
SRu^t mit ©tolj auf bem 3Jtann, ber, bic feinigen ^rmc ocrfc^ränfenb, 
©d^rocigenb am jjenfterbret ftc^t unb ftnncnb in’ä Staue ber Juft fd^aut. 

cnblic^ ein äöort — S)u Irofi meiner Slugen im Filter — 

©iel^e, nun (ommft ®u l^eim au§ ftürmifd^em ffiirrfal ber grembe, 

5lber boeb nic^t ats uertorener ©o^n, uielmebr al§ ein Kämpfer, 

2)en ba§ lieben gereift unb bie gütige gübrung be§ §immelö; 

S)c§batb banf icb bem ^)crrn, ber ®icb unb reich an (Erfahrung 
®ieber ^um beintifeben beerbe geführt unb ben ©totten ber 
©cbmiegeft ®u auch, icb oerftebe S)icb febon, unb Icfe befonnen, 

‘Su mir febonenb unb männticb nerbirgft, icb tbeite ®ein ^ergleib, 

2)a6 ®u ben Sater nicht fanbft unb fonfl auch irübfol erfobren. 1 

aSenig jroor baft ®u erjäblt, boeb ich b®^^ 3Keifte errotben; 

^erjlicb bin ich erfreut, bog nimmer ber 3a«ber ber aOSeltluft 
Xrügcnb ben ©inn “Dir oerftrieft, ®u baft bie Serfuebung beftonben: 

©ei nur getroft unb forge nid^t mehr. SJlir nabet mein ©tünblcin, 

Salb febon, roer roei§, brum miffe oorauö: ®u bleibeft mein 6rbe —" 

9llfo mit'fcbonenbem Xon oermifebt er mit ®üte ben Sorrourf; 
f^b^t ©rmin jum ©preeber ficb um mit glübenbcr ©tirne. 

^unbertmol bütt’ er bereits oom ©cbicffol bcS SaterS begonnen, 

^deS erjöblt, moS er brüben erlebt, unb bennoeb frfcbien’S ibm 
©leiebfam ©ntmeibung ber fdbmeigenben Pflicht, dJtigbcutung ju meiben 
®effen, roaS Srou(b uiclleicbt unbegreiflich gefunben. — 

„Saßt boS fpracb er mit §aft, „ich bitt’ ©ueb uon §erjen, 

©cbenft, maS ^\)x habt, ben Firmen beS Dorfs, fie fönnen'S gebrauchen. 
Sdtcinetbalb forget ©ueb nicht, noch b^ff’ Seben ju bauen 

@rab roie bisher ouS eigener Äraft unb ben ©ieg gu erringen. —" 

„hoffen unb Jporren, Du fennft jo boS 2öort, mein innig ©eliebter — 

J£)öre mich an; loobl ifl mir berougt, Dieb blenben ju S^'l^n 
äRoncberlei ©rögen beS DagS; unb fieb» Deine beimlicben ©ege 
aUtacben mir ©orge, mein ©obn", unb er feblog mit milberem Done: 

„3lf8li<b^iw dJtenfcben oerlieb fein ißfunb bie bintmlifebe aillmacbt; 

S^iemonb foll eS oergraben bequem, nein, foll eS benu^en, 

aiber nicht träumen, er fönne ben Äampf mit 3}täcbten beS ©cbicffolS 

Äübn aufnebmen allein unb bie Orbnung ber ©toaten oerbeffern. 

©iebe, Dieb bannt ein Serfübrer beS SolfS. ©obl mei^ ich, oon fionbon 
golgte Dir manch gefährlicher greunb. S'tun pnnt man auf SWebe, 

9tebe oerberblicben DrugS. 3cb meine, fie finb baS Serbängnig 
Deiner ©efebiefe bisher, ©ei flug unb bebenfe baS ©nbe. 

©en ©Ott liebet, ben jücbtiget er, boeb er führt ben ©efcblagenen i 

Säterlicb milb on boS rettenbe ^id jum ©eftabe beS feiles. | 

TOerfe, noch leben Dir greunbe genug unb bdfenbe ^erjen, i 

©0 Du fie nimmer geahnt —" 

aibbracb ber 2llte bebacbtfom, 

Unb mie ein 3^8 oan barmlofer 2ifl unb greifer Serfcbmibbcil 
glog eS ihm über bie ©tirn unb über baS fcbmunjelnbe 2lntlib. 

^oebouf barebenb gefpannt folgt ©rmin ben fcbleiemben ©orten. 

I 1 

j /,®iffe benn," loieber begann ber 2llte mit paffeubem 3Bunbe, i 

! Son ber ©olfe beS SRauebS umroallt roie ein opfernber ^riefter; | 

j Sängft loobl b^^l ©tiHen geahnt, ba^ ein §erjenSgebeimnig j 

ti - 


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■58 


sr 

1 


©rroin öcrbarg, rool^l au^, ba§ fein c^rHci^ ®emüt^ fid^ gebunbeu 
gül^lt an bic Siebe ber 3lwgcnbjeit unb bie ircue beroo^rt ^at. 

©Heben auch roac^, ob erfprie^licber ©egen ju hoffen, 

©eit oon ber ^)ö^e bcS ©lücfö ba§ ^au§ in bie tiefe gefunfen. 

3)cö^olb fprac^ er mit prüfenbem ton unb mit forfc^enbem ©liefe: 

^©ic^e, mein Siebling, e§ nal^n 5)ir erl^obne, oerl^eigenbe 
Unb mit ^ulbrcid^ fegnenber ^anb umfebirmen ticb ®cnien. 
ffiiffe benn, geftern gefcbab'ö, bag fie roicber unb roieber gefommen" 

„5Bcr, mein Obeim?" 

„TOein ®ott eine bctrlicbe t>ame oon ©tanbe, 
Unbefannt mir, boeb fennt fic t)icb mobl/ eine bolbe ©rfebeinung, 

®anj ein ©ilb ber 2Jtobonna, fo milb, jungfräulicb erhaben, 

Sieblieb, finblicb gugleicb, ftolj, oornebm roürbig unb loortfarg. 

SBabrlicb, fo alt icb marb, nie b^b icb bergleicben gefeben, 

©elber bem ®rei§ roarb'^ mann um ba§ Jpcr§. 3Ba§ bliefft t)u fo finfter? 
ffiiebtig ift, toaä icb ^^n mci§, im ©cbloffc oon ^irfebbrunn, 

fioum jroei ©tunben im 3öalb, feit Söoeben loeilet ber ^offtaat, 

3lucb bic begleitet oon fömmtlicben 'tarnen. 

5lbncft tu immer noeb nichts? ®leicboicl, fei flug, mein ®elicbtcr. 
©icberlicb fommt ftc jurücf —" 

Unb bcoor noch bic SRcbc geenbet, 

^oreb, ba raffelt ein ®agcn gürftenfalcfcbc, 

glott mit befpannt, unb oon treffen funfeit ber Äutfeber; 

©tiU jebt b^^i ba§ ®efäbrt, unb jum genfter b^iflct ber ^farrberr. 
,,ffiabrlicb, fie ift'ä, millfommen benn bi^t’" unb er eilet jur Pforte. 

©olfram aber, er ftanb, roie oon 3Rärcbenjaubcr umfponnen, 

Unb fein männlicbeä $crj, cä poebt mit ftürmifeben ©cblägcn. 

ffiunber mc^buib — roaS fann ibm gefebebn — ioo§ ift ibm bie grembe — 

Sangfam manbclt er noch, unb er öffnet bog tbürlein beö ®artcnö; 

©iebe, ba febritt ftc b^ran auf bem febimmernben Äicöroeg. tcr ©u^§baum 
Äüßte ibr roebenbeö Äleib, unb ben ©dbleier füßte ber SWärjroinb; 

©dbtoarj in trauer gebüllt, fo trat ibm entgegen bie grembe. — 


©in Söieberfebcn. 

Sßclcb ein ^nblicf — febrt bic ^uflcnb micber? 
9Bie ein ©cblcier fanfö auö gotbner Suft — 
^l§ fic b^bt bic bunflcn 5lugcnliber, 

9taben ©elige im ^immclöbuft? 

5lcb, berfclbc ton loie oor fdbon, 

Unb „©ettina" feine Sippe ruft. — 

3a, fie roar’ä, bicfclbe einzig ©ine 
Unoergeffne beb^e ^ulbgcftalt. 

2Bic umglänjt oon leifem ^eiligcnfcbcine, 

3Bic oon fonnigem ®en)ölf ummaHt. 
Unoeränbert liebt leuchtet ibr ®cricbt 
Unb ibr 3lug’ ooU magifeber ®cn)alt. 


& 




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188 


K-^ 

Unbjin roürbetjottcm 5W3^crfd^rcttcn 
3l^m entgegen fhreeft pe i^re ^anb: 

,,®cnft bi^rocilcn alter 

Cb feitbem aud^ mond^cr greunb entfd^roanb, 

3}tanc^nial unocr^offt l^örten roir boc^ oft, 

Cft oon G^urer go^rt im fremben i!Qnb. 

©lücflid^ bunft midb biefc^ Jßicbcrfel^en —" 

3[^re Stimme tönt mie Sp^orenflang, 

®enno(^ roiH’ä mie St^oucr i^n umrocl^en, 

?:iefe Iraner überfd^lcic^t ibn bang. 

„Sßie erfläf ic^ mir, bag 3'^^ ^icr, 

@Iei(^ al^ mär’ c§ nac^ SJeltuntcrgang?" 

„fraget nur, id^ mill @uc^ 5lUc§ jagen, 

^cin geliebter Sater, er ift tobt. 

@lü(fli(^ mar er nod^ in ©reifentagen, 

Unb aud^ mir pd^ neue §eimat bot. 

®enf ic^ bran jurüdf, fc^ulben mir bieö ©lücf 
©uc^ allein, bieö fpäte 3lbenbrot^. 

„§eute fomrn’ ic^ mit be§ Sater^ Segen, 

, iltöc^t aud^ Guc^ be§ ©lütfeö Sotin fein, 

®uc^ im ^iiiicrften baö §erj bemegen, 

©uc^ oieHeid^t erlöfen unb befrein. 

3)tenfc^ent]^at unb ffiort mirfet fort unb fort, 

§ülfe fann ben ©eniuö nic^t entmeil^n —" 

Seife fprad^ jle, unb bie Söange glühte, 
äöar’S Sermirrung, ober mar jle franf. 

3mar, al§ göttlich reinpe Seelenblüt^c 
©ilt, mie menfc^lid^ SKitlcib, auc^ ber Sanf. 

'2lber i^n oerftört, ma§ er Paunenb l^ört, 

Unb fein Stolj fop jur ©efc^ämung fanf. 

! ,/®iffet benn: ber ßönig miß ©uc^ feben, 

3^anglo§ fe^^n auf ber näcbpen 3agb. 

! ©bien ©eijiern jiemt'^ oercint ju Peben, 

Unb bem wül^t, mer !übn gemagt. 

Ie§botb fam icb Sorgen fermer. 

Ob ©ueb foicber greunbcöbienP bebagt." 

3ögernb fproeb pe, Polg mie Königinnen; 

3)enno(b pnprer 5lrgmobn ^udft empor: 

Sd^önbeit mag mobl gürpengunp geminnen, 

Schönheit, bie gcblcnbet pcb oerlor — 

Unb beö SKanneö ^er^ bäumt pcb auf im Sebmerj, 

©iltp bu bicr al§ Streber ober 

Söeiter fpracb Settina: „Sapt mid^ b^Ü^”/ 

®ap bem gürjlcn 3b^ begegnen moUt. 
i\>ipt, fein ©brgeij ip bem ^ödbPen offen, 

Unb fein ©eip ben 3lbcalen bolb." 


te- 


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R-» 

Unb mit offnem ®licf fpradb fic: „9Kein ©cfd^icf ! 

j ^)at mir bicömal ma^rlic!^ nic^t gcgroUt — ! 

j 9lllcö banf i^ bicfcm bem frommen, I 

I Unb oorau§ ber Königin; fic fom, j 

I (Sal^ mid^, ^at mic^ ^ulbooU aufgenommen, | 

I SUö i^ fo^ oerlaffcn unb in @ram. 

* SBo, auf mcitcr ffidt, lebte mir ein §elb ..." 

I ©riuin überfam'ö roie tiefe @(^am. 

1 

I 2ßeitcr fproc^ fic bann nac^ bangem Säubern i 

I 2)ic§ unb 3l^ne^, unb bie oerftric^. i 

I Selige Stunben flogen ^in im ipiaubcrn, j 

I ®ie ©ntfrembung langer i 

I 3öie ein füpc§ Sieb Jroft unb JperjenSfrieb’ i 

I Sid^ in örroinS mübe Seele fc^lic^. — | 

I Jöifbcr fprad) fie bann mit fd}cuem Stodfen: 

I „6urcn ®unb aud^ mit bcö ®olfcö §aupt : 

I Äennt man; boc^ roiberftrebt bem Sodfen | 

I Solcher Üe^ren, bie fein @ott erlaubt. t 

I $3eil 3^r abgcle^nt, maS er ^ci^ erfe^nt, | 

j Unfrei gürften ^o^cr Sinn (äuc^ glaubt — " | 

Staunenb ^ört (Jrmin ©ettinenS SRebc. I 

} inön erful^r, j 

^einungöftreit bebingt noä) feine gc^bc, ' 

I ^o(^ bie Sage folgt ^icr falfc^cr Spur. | 

, Unb fo lang fein ©fab aufmörtö ge^t jur 'I^at, | 

: ©erb’ idb trculid^ l^alten meinen Sc^iour!" | 

i ,,®3o^l, bann l^örct, roic ber ^elb geenbet", j 

I Unb fic rocift i^m ein jerfnittert Slatt. j 

I 㤚rt, mic fic^ ein 3Renf(i^cnfcl)idffal menbet, | 

^ ^lomm’^ empor auf Sahnen, ftcil unb glatt." 

I Sorgenooö er fa^ unb Settina la§, 

SSBaö gemelbct auä entfernter Stabt. 

I ,,3l;n, ber glammen marf in ©olfeö Waffen, , 

i irog ein 3Bcib, golblocfig, engelgleit^, ! 

Unb ein SRcbenbu^lcr jiclt gclaffen, ^ 

I Unb gum Staube fanf er ftumm unb bleid^; j 

' Unb ben ^Iblergcift in bie D^tac^t e§ reifet, i 

j 3*1 iobeS bunfleö Scl^attcnreid^ ..." j 

I tief erfd^üttert ^ört ßrmin bie Äunbe — j 

I ADag bein @nbc, fonnengleic^er $clb! 1 

j Unb er felber fül^lt be§ greunbeö SGöunbe, ^ 

I gü^lt oerfinfen luieber eine äöelt. i 

3m oergoffnen ffilut lifc^t auc^ ©ciftcöglutl^, 
j Unb bie gal^nc finft l^crab oom 

j 3P’^ ein ffiiuf, ein plö^li(^ S^idffaljeic^cn? 

„Sci’S" — er fprid^t — „3^ miU ben gürfien fel^n, 

k^a 


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Äann ein 9Kanncön)ort fein crrcid^en, 

3)orf id^ au(^ mit gürften oorroärtS ge^n. 

Ol^ne Äompf nnb @c3^Iac^t, wirb e§ fo ooUbra^t, 
Unb befd^rooren mirb bc§ ©turmeS 

„3ene8 aber tagt un§ fd^onenb benfen; 

Söieber liegt ein Opfer am 3ntar. 

®o erlag ein ftoljeS Jperj ben SRänfen, 

6^’ bie fül^nften iräume mürben mal^r. 

5lber fül^n unb grog mar fein 6rbenloo§, 

Söie fein SöoUcn unberechenbar — 

„©rügt ben gürften — ©flaoifc^ mich ju büdfen 
@inem 3Jtenf^cn, ich oermöcht' c§ nicht. 

®enno(h fönnte UnermeffneS glüefen, 

2ÖiCl mein 3Bort er h<>ten treu unb fchlid^t. 

3lft er bann ein 3Jtann, thut er ma^ er fann, 
®ann erfüllt ift unfer ®eiber ^gicht!" 

Unb er fügrt ®cttinen au§ bem ©arten, 

Unb fte fuhr oon bannen ftiH unb bleich. 

®c5h^^ ©rmarten, 

5)eöh^lb iraumeömonnen mär^engleich — — 

träume, piegt bahin — falfch mic 3)tännerpnn, 
Sebte Himmelreich! — 

% ^ 

% 

3toch lange fchritt ©rmin im ^Ibenbfchein 
©ebanfenooll auf froPerparrten ©egen. 

2Bie manbelbar ip allc§ 2}tcnfchenfein, 
tic tiefpe ©cele mollt' eö i^m bemegen, 
tag hingefprüht fo h^hc ©eiPe^fraft 
gruchtlo^ unb boch c^fch^^ffen einP jum ©egen. 

2Bie feine Sahn geenbet räthfelhaft, 

®ohl jeigt pch ®iclcg in erneutem Sichte 
ter täufchungen oerlogncr Seibenfehaft. 

3uoor längP miberPritten bie Sendete; 

5tun meig man, bag cs ©rögcumahnfinn mar. 
3um ©ittenpranger mirb bie^ ©tücf ©efchichtc, 
toch ihnt jur ©h^^ tenu cin§ ift flar: 

Um eine ©chlange nur, bie reijumgopen, 

SePanb er eitel toUfühn bie ©efahr. 

©in ©partacuö Parb mit ben Äampfgenoffen, 
Um feines ®olfeS heilige ©ache pel 
3ludh ©racchuS einft, boch SiebeSpo^en. 

©0 enbet h^ut ein fläglicb trauerfpiel, 

Unb mär’S ein ©atilina, ber erfdhlagen, 
tann fommt ein fühnrer ©äfar erft jum 
2Bie oiel noch 5^ f^gen unb ju flogen 
®on 'h’^ 3^^^ oerfehlt — 

tönt auch fein 5Ruhm oielleicht ju fernen tagen, 
©r mor berufen, boch auSermählt! — 


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191 


W-IS 


ScbcnS^öl^en. 

äöalbcinfamfeitcn ring§, ©crgcinfamfcttcn, 

3Bo 3Bo(fen leuchten unb äBtlbrooffer fprü^n. 
SKilc^iüeigc 3hbcl brou’a ob ^cfcrbrcitcn, 
ffio Silberftröme ^ic^n bureb äßiefengrün; 

(?in ®cicr fteigt in blaue ^immclsrocitcn, 

5lm gelfenfcbrotfcn (Sonncnlicbtcr giübn, 
gern auö ben üefen bin unb loiebcr 

^öertorner ^örnerflang unb ^ngcrlieber. 

Dann @cbu§ auf Sebug im §oI^e, fern ©cläute, 
Jpalali bann, oerraebter ^nebä^tfebrei, 

Dann naher Särm oon bunter ^unbemeute; 

Den folgen Dreiber oUerlci. 

SBaö g ebfä bort oben auf ben filmen b^ute? 

Der hinter mich, faum jog ber Sen^ 

Sßie mancher gürft nach 3lngerfrcuben trachtet, 

So auch ber Äönig, ber nadb Sergluft febma^tet 

®r (ommt ju gufe, gefteibet nach ber ÜJtobe; 

Doch mit ihm fommt ein 3Kann, nach feinem §ut 
3Jtit Spielbö^nfebern, ooflenbö noch ber Sobe, 

©in Jöilbrer febien e§ cb'r mit ^^gennutbr 
fonft ein B^b^ncr, ber in 9lmt unb ©robe; 

Dem gürften boeb bünft 3lüe§ febön unb gut. 

„3cb benf, mir fabn un§ febon oor manchen fahren, 
9((§ man noch ÄünfHer mar mit langen ^oaren — 

„Srinnert ©ueb — man mottf ©ueb bomolö merben 
gür jenen $of, al3 entflogt. 

©rocht eignet @lücf in Scherben, 

^lä ber ^cimat ©ueb unb unö entjogt? — 

3lb^ meint, e§ 3}^alen ^dt oerberben 
3[n Dagen, mo bo§ £ebcn maebtoott mögt, 
äöoblan, alö ebet feib ^f)x uns empfohlen. 

So plaubert benn oon ©uren Droumibolcn." 

„Da§ mill ich, $err, brum moUt mich guöbig hören. 
2Rir fam in biefer Utodht ein graufe§ ©ilb: 

©in SRiefenmeib, umraufebt oon ©ulcncbören, 
hohläugig, bürr, bie $oore müft unb milb. 

Dag Jpaupt umhüllt oon febmarjen Drouerflören, 

So febritt fie i)in ouf qualmenbem @efilb 
Son Sanb ju £anb, mo arme äRcnfcbcn mohnen, 

Unb hinter ihr naebftürmten Millionen. 

„Die gacfel febmang fie in entfleifcbten ^änben 
Unb mo fie hintrot, mähte auch ber Dob. 

Der Qucilm flieg ouf oon Stäbten unb ©elänben, 
Unb mag ba glühte^ mar fein 3lbenbroth. 



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192 


unb Jütten lobten auf in ®ränbcn. 
jC)a3 t^at ba§ S^iiefenroeib, ba§ t^at bic SKotl^!" — 
fabelhaft — fc^ilbcvt mit ®e^agcn, 

Unb maö miU folc^cä traumgebUb befogen?" — 

„Jlnb baö miß fogen, iperr: — ^ögt erbeben, 

6in »Stunn roirb nai)n rat^lofem ^^enfcbenroilj. 

3Ber roeig, ob i^n loir Sebenben erleben: 

Ttn Sturm ber Trinen gegen ben ®efi^. 

5)aQ 2anb trägt ^e^ren unb ber ®erg trögt Sieben, 

T)ie Saat, fie reift tro^ ^agetfturm unb ®li^; 
äSeit ift bie @ibe fruchtbar für 'ÜRiÜionen, 

S)o(b ®ienenf(ei§ ij^ töbtlic^ für bie ®ro^nen: 

SJ^enfd^enleib jum SJtenfc^enrool^le tinbern, 

Sei @ott, ^^r gürften fönnt eö unb foßt. 

@in 9Wenfdbcnbafein jiemt auch (^(enböfinbem. 

®oci^ man oei-lac^t bie ßJtenge, loenn fie größt, 

®er Sc^reefen (ommt; fonntet i^u ner^inbern — 
So l^abt ben Umfturj benn, ^abt'ö gerooßt!" 

„So rebet — mit n)c((^en förbenmäc^ten 
möglicb/ ^icr ju ringen unb ju rechten?" 

„9Wit roeteber 3Jta(bt — b^t nid^t ber Staot ©ematten, 
5(uf ba§ er ffiobn* unb ©igenfu^t befebränfe, 

3luf baß er bie Enterbten unb bie 9Uten 
Dlilb ^u fid} jiebe, bie Serirrten lenfe; 

Saßt ibn boeb nadb ß^efiloömeife malten, 

5(uf baß er ber gebenfe; 

@r fann erquiefen )le, fann fie crlöfen, 

Der Staat ift ftarf genug trob oßen Söfen!" — 

„SReebt febön. ßRicb bünft, mir fennen biefe SBcife", 
©rmiberte ber Äönig, fafl erfd^reeft, 

„Doch Sänger auf bem 6ife, 

Der alte ®ei^b^ii entbceft —" 

„O glaubt mir, §err, erlaßt mir bic ®emcife. 

Sein Donnerruf oiel laufcnb noch erroeeft; 

^JJacbfolgcr fommen, feiner Sebren ©vben, 

Söenn nicht jum Segen, mobl, bann jum ®erberben!" 

„Xbul^ <3b^ fönnt, roenn 3b^ fo Port 6ucb brüftet, 
Do^ roenn ^^b^ roelterfabren feib, 

@cbt einen Jtatb — barnacb uns febr gelüftet. 

3Bißt, roenig gilt bie gürftenmaebt jur 3eit, 

Sßir füib gereift, gcftad)elt unb entrüftet —" 

„Da liegt eö, ^IRajcftöt — nur ©inigfeit 

Äann (Such crbaltcn. Schließt ©ueb an bem Starfen 

Unb Schub unb griebc bleibt geroabrt ben ßltarfen —" 

„ffiaö meint ^b^ alfo?" — „i^tagt bic ©infiebtönoßen, 
9Rir febeint c§, ßRafeftot, bic '£age nabn, 

3Bo febroeren ÄlangS bie ©ifcnroürfel roßen. 

^luöbrcdbcji roivb bei* lobernbe Sulcan, 


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@c^on treibt ber £cn^ im Strom bic lofen Sej^oßen, 

S)ann fragt 6uc^ Älio, maö ^abt <3^r get^an? 

Unb c^ern matten bann bie •ßumciiiben —" 

„SDtein @ott — roetc^ Iraum — ein Äampf im tiefen grieben — 

Unb Äampf mit roem? bie bcutf^en ^^otentaten 
Sinb einiger, al§ je feit jenem Äricg 
3Jtit 3)äncmarf — bae Spiel mar mol^tgerat^cn/' 

9tod^ eine SBeitc ©rmin Wolfram fc^mieg. 

„^err", fprac^ er bann, „icb |a^ bic greien Staaten, 
miterfoc^ten me^r atö einen Sieg. 
ßJtan nü^t ben beutfeben 9Jtann mobl, ber oertrieben, 

®ocb ®eutfcbtanb felbft, oeradbtet i]Vö geblieben! 

„®eracbtct, ^err, oerböbnt auf meiter Grben, 

SBeil eö jerfptittert, macbtlos bi^ jum @runb. 

9}tan fcbäl^t un§ nur, mie jene Sflaoeubeerben, 

®ie man am (Jongo tauft alö 9Jtcnfcben)cbunb. 1 

O @ott, maö tonnte einft bie^ ®eutfclßanb merben! ! 

3[n tiefftcr Seele marb mir meb unb munb. 

Sab id), mie mir mifebönbelt unb jertreten 
©leicb tro^ aller ©ottpropbeten. 

„2Ba9 lacitu^ einft fdbrieb in feinem Suche, 

9tocb ift eö mabr; meil mir mißgünftig finb, 

3Sarb un§ bie eigne 5:refflicbteit jum glucbe. 

Der beutfebe 9tiefe blieb ein tböriebt Äinb. 

©riebt man nur oiel fürftlicbe Sefudbc, 

Si^lägt man bie 9totb bei Seiten in ben 2öiub; I 

Dodb Süb unb 9torben trennt ein grunbtoö $)af)en, ' 

Unb unoerftanben bleiben ficb bic Staffen. j 

„greilieb, mag gilt blog ftärtre SJtacbt bem SBcifcn, 

Der Söltcr 9lufgang unb ber Sölter Dob. 

Der 9)tenf(bbcit ©rbcnglücf, mie foß icb"ö preifen, j 

Dag bleibt ein traumgicicb bämmemb SQtorgenrotb- ^ 

Sei fremben Söltcrn unb auf fernen ßteifen | 

Sergi^t ftcb auch beg Saterlanbeg 9?otb. ! 

©rft an beg SJeltcncnbcg grauem Straube, 

Do tom bag ^cimmcb nacb bem Sotcrlanbc. 

„©in Deutfdblanb, feft unb ftarf mie feine ©icben, 

Soß ^)errtid)teit, menn auch im Sürgermommg — 

©in mäd}tig Soeltreicb unter oßen 9tcicben 
Som Seegeftab big ju beg 9Upenfammg 
§ocbmortcn, mer auf ©rben tonnte gleichen 

Der eb'rnen ©inbeit beg ©ermonenftommg — | 

3e^t erft beim frechen beg fleinen Dänen, 

Do tom ber 3^^*^ — febmoßen beine Sehnen!" — 

„SRccbt febön, mein greunb, mir feunen biefe ®eften 
Unb biefe SReben längft, bic einft oerpönt. 

Der Stacbflang ift’g oon bwnbert Sebü^enfeften, 

3Bo aWaneber fi^ im ocvmöhnt —" 

I 

-ä 


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194 


»-Sl 

gnäbigcr ^)crr!" rief ©rroiu, im gepreßten 
Sufen bic ftolje aHanneöfectc pöl^nt, 

,,3[Rit SBorten roirb ^cut nimmermehr gejünbet, 

^it Siut unb ßifen mirb boö SReidh gegrünbet! 

„TOi(Jh bünft, ich ^ore bonnem bie jlanonen, 

"Cann mirb fich jeigen, roas bie :iBö(fer merth, 

J)och auch bie J^ürften. greunbe roirb man fchoneu, 

2)och löfen roirb ben ßnoten nur baö Schroert. 

Ä^ahr roirb ber Xraum oon oierjig 3}^ittionen, 

®och onberö, als bie Sdhroörmer einft begehrt!" — 

Setroffen ftanb ber gürft in langem 0chroeigen, 

©eroaltig raufcht ber ^Oiär^roinb in ben 

,,;3h^ rathet alfo?" 3n bie SBeite bringen 

1) ie Gingen SBolframö, roie in 

„^err, alle gürften müffen Opfer bringen, ; 

©chtiegt an ben ©rösten Such mit (Surcr 3)^acht. i 

I ä>ieUeicht fann fo ba^ ^errlicbfte gelingen, I 

I C^rfpart unö roerben Sürgerfrieg unb Schlacht. j 

i O hötf ich h^^l geuerjungen, 

^eil mir, roenn ich gürftenherj bejroungen!" — | 

(Sin ^Reitfnccht benft: roo^u bieö ©ilbenbrefchen. I 

®a trabt h^ran ein ®ote, ein Gourier, i 

h®^^ 3Balbranb unter (Sfehen, 

' 3eijt fteigt er ab oom fihaumbebecften I 

^ie neuften iöriefe bringt er unb ©epefchen, 

Sängft enbete bie ^a%\> im äöalbreoier. 

®er gürft, er laö unb ftanb mit fahlen SBangen, 

3lu§ pnftern klugen geuerblicfe brangen. 

„3Bohl ober übel, mag fich'ö benn entfeheiben — i 

3ch roollte — meinem 3>olfe fei es funb — 

2) en h^iflcn Sruch, fo lang eö ging, oermeiben. 

:3ch h^ll^ g^oB^n Oeutf^en Sunb! ! 

®ir roerben fämpfen unb roir roerben leiben, 

Unb ginge fclbft mein alte§ SReich ju ©runb, 

5Bir roerben ftarf fein, roir oereinten Staaten, 
troh afler Späher, Streber, SRenegaten!" 

©r fprach’ö unb rointt h^^^ei bie ^Ibfutanten, 

Sie roarteten im ®lo(fhauö lang genug. 

5)ie ^ofherrn nahn, auch mancherlei ©cfanbten, 1 

SSooon ber 6ine oft ben ^nbern frug. t 

3u 9tog fchon fihen plaubcrnb bie ©eroanbten, ! 

SBalbein, bergunter lärmenb ging ber 3wg; | 

2)ic ^örner flangen unb bie gunfen ftoben, 

2llö im Salopp ^u ih®^ 3t<^ff^ fchnoben. 

So roU’ empor, ©ermanienö 9Serhängni§, 

Setritt bic Sühne nun mit S)onncrgang! 

S)ic 3^ll» fic fommt mit 3ögcn unb Sebrängnig, | 

3u ehernen tönen rüflc bich, ©efongl 

^ -ö 


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195 


2Ba§ monc^cr ®btc träumte im ©cföngnig, 

S^un roirb'g erfüüt in btutigem ©c^lacbtenbrang. — 
©in mächtiger 5lbler miegt pd) im Stauen, 

SBie ferner 5)onner ^attt’§ burc^ ®cutfc^tanbö ®auen. 


©ntfei^eibung. 

S)ie SReben btü^n unb 2Raienlüfte fofen, 

©in Stumcnl^aud) mebt über Serg unb 3lf)aL 
O weite 9S>elt im ^^übtingefonnenflrabt, 

3Bic bufteft bu oon Sitten unb oon 5Rofen. 

ift bie uerfdbnjiegner Siebe^noebt, 

®a ittacbtigalt unb C^ödbjeit moebt, 

5tl§ gadetn Ääfer glübn in fommtnen 3}toofen. 

3Baö mag bie Sebaaren b^ut jur SRübte torfen? 

©in IRärdbenjauber tiegt auf bem 3^i)tt, 

$äie SonntagSfrieben, feiertidb unb ftill; 

3Ricb bünft, icb b^r’ auch nabe Äird^engtoden. 

SIRit Saub unb Stumen ift ber 9Beg beftreut, 

®ie Äinber warten, wie bie alten Seut’, 

Unb manches ORäbdbenauge btieb nid^t trodfen. 

9tm 3owne taufebt beS ®orfeS biebte 3Renge. 

2ßaS giebt’S? — natürtidb Sräutigam unb Sraut. 

3iie b^t ntan eine botbere gefebaut. 

„2öie febtiebt fie wanbeit ot^ne geftgepränge —" 

„'Ja {(baut: ber ©räutigam, ein frember SRann, 

@ott weiß, wie ber grob ^tennebenS §erj gewann", 

Unb teifeS gtüftern gebt bureb baS ©ebränge. 

„Ja febt, was rottt b^ran im 3Raienftaube, 

©in Jöagen ift'S, ber an ber SRübte bätt." — 

„3tba", fo tönt’S, „jebt fommt bie feine 33elt, 

©in Jämeben ift'S mit gebern auf ber §aube. 

3Bie oornebm, ftotj unb febwarj im Jrauerflor, 

3ebt ftebt ixe jweifetnb an bem ©artentbor — 

Jort unterem gtieber bei ber ©eifebtatttaube —" 

„Ja febaut, febon fommt ber Sräutigam entgegen. 

3lebt fpriebt er mit ber Jame wie oerftört; 

JaS fiebt ja auS, ats ob man ibn oerbört ..." 

Sta§ waren feine 3Rienen unb oertegen. 

„Settina, \db b^^S^i^b unS gegrillt —" 

Ob foteber ©rüg oerfebroiegneS Scib oerfügt? 

Sergeffene Iröume bringen fetten Segen. 

Unb fie: „3Rein greunb, wie ift eS abgetaufen? 

3|d) fragte nach f^on man(bcn Jag feitbem. 

3lb^ fdbeint ju teben febr bequem —" 

«3^^ n^i^b — §auptftabt 3cttungStraufen, 


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196 


R-S5 

®ie ^fenmgfci^ret6er roiffen, n)o§ gcfc^o^: 

®n Abenteurer au§ Slmerifo 
©rfc^ien, um feine grei^eit ju oerfaufen. 

,,®ocb ^at man gnöbig i^n be§ Sanb§ oermiefen, i 

@0 etroo flingt’S, unb olfo fte^fö gebrueft. i 

Ob mir empört bie rounbe ®eele jueft, I 

trieb ein ©ngel mid^ ou§ ^arobiefen, I 

®o§ fragt mic^ nid^t; bod^ ein§, 2>ere^rte, mi^t: | 

Äurjfid}tig SO^i^traun fanb ic^, ®rug unb 8ift 
Unb fteine Beeten, mo id^ mahnte SRiefen —" 

Unb mieber fprad^ fie — unter ^affiflorcn 
^inmanbeln pe — i^r 5Iuge febien oerroeint — 

„®ann mar mein i^^n ocrgeben§, t^eurer greunb, 

Auch mic^ i)aht an biefem £ag oerloren —" 

I „SSerloren freilich, roa^ i^ nie befag, 

1 ®odb milber, fc^eint e§, mipt beö oc^ieffat^ 3Wa§, | 

i Unb mitleiboott erbarmt aud^ be^ ®b*^ren! 

; „Sei @ott, b^ut mä^n’ idb Meö mir gemonnen, 

Aac^bem uerfpielt bic lefete Hoffnung mar; 

®enn mipt — id^ trete beute jum 5Utar,- 

®er SBelt jum ^obn. 50^an nennt mich unbefonnen. 

loß fdbeint eö, im ©emitterfturm ju freien. 

Stueb ^ögt fotebe nerjeibn, 

®ocb ireue frönt, ma§ Xreue b^t begonnen. 

„3n frübPer 3wgenb mar fie febon mein eigen; 

^ @ebt, eine Sieb’ ift’ö, mic im alten Sieb; | 

< l)U(bt ^cit, nod) 0d}icf]al unfre ^erjen febieb, ; 

®ie ficb mie eiuP b^ut ju einanber neigen. I 

ßRag braufen halb bie 3Öe(t im .^riegeöbrang, j 

gür midb audb nabt ein ernfter Sebcu^gang; ! 

3ui)or boeb fdbntüd idb mich mit "IRprtbenjmeigen. ' 1 

' • I 

„3Bie lange blieb ba§ 9^lätbfel meinet Sebenä j 

Aon SBirbelftürmcn meiner ®abn oerbüUt. i 

§eut enbliib b^^ lieblidb ficb fvfüUt. j 

@ebt: ^)öß unb ^immel ftritten pdb oergebenö | 

j Um mi^ unb meine Seele jabrelong. 

i ^Jhin bringt be§ treupen ^erjen^ Ueberfdbmang 

i 3Rir ^immelöfrieben iu’@ ©emübl be^ Strebend." , 

j Unb )le: „So ift eö äBabrbeit, maö man leife 

' ©epüftert längft — idb ölaiibt’ eö nimmermebr." | 

! ®ann fdbritt fie oormärtö mürbeooß unb bcb'^. 

Unb mebmutbooß flang ibre^ 2öorte^ ffieife: 

„Seglüeft, mer nie on ^)er 5 cn übt 5>erratb, 

3(b fo entfdbloffne ®b^^ 

Unb münfeb’ 6udb @lücf auf ßurer Sebenöreife. 

„®oblan, lapt tbeilen mi(b be§ gefteö Stunben; 

3cb n)ill jum ^Itar führen (Sure ©raut, 

K-S 


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197 


s?-^--- fS 

®tc !nu§ ja Itcb fein, tugcnbl^aft unb traut, 

Sc^on meil nctgungsiuürbig ftc gcfunbcn —" 

^ •iJtoc^ fprac^ fic ftotj, ba plö(jli(b njarb ftc hla%, 

I 3[}?it errci(^t fic faum ein ©rbgctog, 

I 3[n tiefer C^nmac^t ift i^r Sinn geje^njunben . . . 

I 6rft ©tunben fpätcr toar’ö — bic ©ebroatben flogen 

Um’§ SJtüblenbacb ben altgcroobnten 5^ug. 

' 2)a roaHt jum 3)orffir(iblein ein bunter 3^g, 

I 93orau§ unb nac^ ber 3Jtcnge laute Jöogen. 

f^mucfloä flcinen Äirc^lcin am 5lltar 
I ^i'crbanb ber ^^farrberr ein bcfrän§tc§ ^aar, 

SWaiblumenbüftc bureb bic genfter jogen. — 

1 

S)ie ©locfcn läuten. 5luf bem Äircbbof laufeben j 

9Siel ragenbe 2"cnfmälcr bufeboerfteeft. I 

3)tan(b 3}tübcr rubt im ©eblaf bort b^ngeftreeft, 

5Utit ©rbcnleiben burft’ er grieben taufeben. 

I §eut fcballfä mic Juft b^nuntcr in bic ©ruft; 

j 5)cnn ©rbenglücf blübt fort im ©onnenbuft, 

j Jiurcb’ä Weltall ^icbt’ö mic croig ©erberaufeben. 

J (govtfe^ung folgt.) 


I 


in5(^te|i fo 5u immei 6fei6en. 


O, möebteft fo bu immer bleiben, 

3Bic lebt bu bift, fo lieb unb rein, 
©Icicb mic im ücnj bie Äno^pen treiben 
Unb rötben ficb im ©onnenfebein. 


ÜTcö SWenfeben ^erj gleicht einer Slume, 
feimt, eö fnoepet unb eö blübt, 

®cr l^ampe glcicbt'ö im ^eiligtbumc, 
$ic in ber ©tiHe immer glübt. 


Gin jeber £enj bringt neue Slütben 
Unb Vogelfang unb 3Kaienglü(f, — 
jDcin jungeö ^erj, baö moÖe büten, 
febrt ein grübling nie jurücf! 


9^rirbri<b ^riebritb. 


toeil nic^t, o6 aum aioeiten "gSal. 

(D^acb 3Jt. Äonopniefa.) 


3cb n)ei9 nicht, ob jum ^meiten 3Kal 
Gin 9Jtai erblüht im Grbcntbal, 

3öie jener unS in lauer Suft 
®oll garbenpraebt unb ®lütbenbuft! 
3lllmorgcn3 febmebten galtcr bunt 
33om Stofenbag ^um Söiefengrunb, 
SlUabcnbö raufebt’ jum Glfentanj 
®cr Grlcnbacb, im SUtonbenglanj 




ia 


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198 


Si§ in bcr Dlcbeflonb, 

^cU gli^ernb tok ein ©ilberbanb 
Unb fpicgclglatt, inic ©ergfrpftoU; 
®raut(ieb fang grau 9^ac^HgaII, 
®aumfronen flochten unö ba§ ®adb 
3um gecnfc^Iog, jum — Srautgcmac^! 


jtreert SSeiH. 


ociforeni 

ffiic ob’ ift’^ um mi(^, feit bu oon mir gingft 
3?on graufem 3Ba^n ^um Opfer auöerforen. — 
fag’ e§ faum: ®ag bu mein Sein umftngft, 
©eliebteö 93eib, mir emig nun ocrlorenl 

J^ein 5lug\ ba§ fonft fo mittenöftarf geblicft, 

3rrt ru^loö o^ne 3'^^^ ^on ^tac^t umbüfiert. 

®er ©itberflang ber Stimme ift erftieft, 

Unb ficbernb jueft ber äRunb, ber finnloS püftert. 

9tur manci^mal, lädbelnb mic ein mübe§ Äinb, 

©rgrcifp bu järt(i(b fc^meicbelnb meine Jpänbe 
Unb fpricbft oon greuben, bie oorüber pnb, 

®ann fc^cint’S, al§ ob bein (Seift jum Jid^t roenbe. 

®oc^ halb erfenn i(^, baß bu mir geraubt, 

T)a§ nur ein Iraum bicö furje (Slücf mir gönnte. — 
9tun mel^e mir, id^ ^ätf e§ nie geglaubt, 

®ap id^ bereinP fo clenb merben tonnte! — 


%m ßoöen '^icis. 


SBenn ®inb unb 3BelI’ cntfd^licfen 
3Wit leis erfterbenbem Sc^aÜ, 

®ann fd^immern auS 3WecreSticfcn 
^aläpc oon ÄrpPaH. 

®ann ^emmen 3öubcrtone 
®eö 9^acbenS mogenben JÜauf; 
®ann taucht in blenbcnbcr (^öne 
üßeerfönigS loc^ter herauf. 

Sic jic^t mit füpem 3”^onge 
®cn Jüngling in bie glut^, 

Unb faugt auS blü^enber ^ange 
3§m fofenb baS marme Slut. 


Unb grüpt bcr Älang ber ®locfen 
®cS jungen iageS 2ic^t, — 

®onn füffen S^aumespoefen 
®eS ®obten Slngepc^t. — 

3ur ffia^r^eit jog mic^ ein Seltnen, 
®in unerbittlid^eS 3}tup; 

®oc^ jal^lf auc^ ic^ mit ®^ränen 
®cn $reiS für i^ren Äug. 

Unb nun mir aufgegangen 
®eS SBiffenS SKorgenrot^, — 
gül^l ic^ mit tiefem Sangen: 
aWein $erj, mein Jperj ip tobt! 

_ «urf T^ot^axhU 


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199 


-58 

M meine /^xant 

3Eßa§ mic^ in monier (äugen D^ac^t Unb roenn bu mir aud^ gern öcrgicbft, 

Um meinen Sci^lummcr f^on gebracht, 3}^ein ?ieb, mcU bu midb eben liebp: 

2)aö tfl ber bange @(aubc, 3Birft bu audb glüeflieb bleiben?! 

®o§ ic^ mit bem, mas id^ get^an, ®irb, mic beö grellen 33(i^e§ Sic^t, 

J)ir betneS ©lücfeö ftitlen SBa^n §erj bir bie ©rfenntnig nic^t 

Unb betnen grieben roube! 9JUt ^erbem ©riffcl fc^rciben? 

3[c^ gab mic^ bir, )o roie ic^ bin, ffiirb, mic auf Slumen eif’ger I^au, 

ajtit allen meinen ©cbmädben ^in; 0icb nid^t auf beincr träume Slu 

3c^ fann bir nic^tö ocrl^e^len! — — Gin SReif ertöbtenb (egen; 

2Bie aber fönnen, frag id^ nun, SBirb, mic bie äöcUe auf bem Sec, 

5luf emig in einanber rul^n Sieb jögernb nicht ein bittreö 2ßcb 

3n)ei fo üerfdbicbne Seelen? — beinern Innern regen?! 

®u bift fo ebel unb fo rein, 3öer roci§! — gebulbig fein 

Unb fo ooH lauter Sonnenfehein, meinem (Mlücf unb meiner ^ein. 

So ooHer 8ieb’ unb @üte 1 — ®uten, mie im ©Öfen! — 

3ch aber lohnte ©otteö §ulb ffiill’ö ®ott, mirb bann mit einem 2Ral 

3Rit manchem Unre^t! ^Ranchc Schulb Si(h aller meiner Dual 

©erpnftert mein ®emüthc! 3n l^uft unb ffionne löfen! — 

_ SRattfias 


3luf fln^iei 'gSa^n. 

Die Dkdht ifi bunfel, unb mir beibe fchreiten 
troftloö einher auf enblo§ büftrer ©ahn, 

Äein Stern — unb bennoch millft bu mich begleiten. 

Du unglücfjelig Äinb, maö pdht bich an?! 

3Ba3 focht bidh an, ba§ bu au§ ®lan§ unb Stimmer, 

5luä beineö ®lücfeö golbenem ^alaft 

Dem 3Rannc folgen mollteft, ber hoch nimmer 

Dir geben fann, maö bu oerlaffen hap? 

§aft bu gehofft, c3 mürb’ mit unferm ©unbe 
Sidh Srieben fenfen auf mein mübe§ §aupt? 

Die Hoffnung flang fo fü§ oon beinern 3Runbe 
Unb ich, ich ^^or, h^b felbft boron geglaubt. 

Der träum mar furj, o mär’ er mahr geroefen, 

O roonneooHeö, nie geahnte^ ®lü(f, 

mar fo furj — e§ brachte fein ®cnefen 
Unb um fo pnftrer fehrt bie 9tacht jurücf. 

G§ ifl fo trüb, in troftloö fernen SCBeiten 
3lbgrünbe ringö, i^ feh fein Gnbe nahn, 

Äein ®lücf, fein Stern; maS millft'bu mich begleiten. 

Du unglücffelig Äinb, ma§ fodht bich an?! 

_ ^nHuex 'j^fännn )it f hat. 


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200 




iA0en5an5a($t. 

®ic Sonne ifl ^tnaBgefunfen 
üKit einem lebten müben Strahl, 

Unb oon be§ 3ouber trunfen, 

Sel^nt fid^ gur 9^ul^’ ba§ fHUe I^ol. 

S)er SlBenb na^t ouf leifen Sd^rotngen 
Unb ftiffer mirb’ö in glur unb ^ain, 
Serfiummt ifl ringö ber SSöglein Singen 
Unb aud^ bie ®[umen nidfen ein. 

5)iun (enft bie ou^ meiten fernen 

®cn 3öuBer|(^ritt ber (Srbe 
Sic trägt ein 2)iabcm non Sternen 
Unb i^rer gä^rte folgt bie 

3Jtit i^rem fcBroorjen aJtantct berfet 
Sic milbc glurcn, ffiolb unb Jpog; 

Still ru^t bie 3SBelt, Bi§ fic errocefet 
3u neuer S?uft ber junge lag. 

Unb biefe SRul^c toill mic^ mahnen: 

2luc^ bu cntfc^läfft cinft glei(^ ber glur, 
ift ber SCob, fo lägt’g micB a^nen, 

©in leifeö Schlafengehen nur. — 

2)rum ftill, mein $erj, gieb bidh jufricben, 
@chft bu bercinft jur SRuhc ein, 

3Birb nach beö S^lummerö fergem grieben 
^uch bir ein lag Bcfchiebcn fein. — 


^att «grault* 


Per 'gSoiat^on-^ote. 

@8 fchüttclt ber Sturm ben ©ichenmalb; 

@r fingt ein Öcb mit ©raufen; 

®r fingt ein £ieb, ba8 jauchjenb fdhaHt, 

3öie Speers unb Schmerterfaufen. 

6r Brauft bur^ bie SBipfcl mit Siegc8macht, 

©in ^clb auf ftürmenbem SBagen: 

$ei! ajtarathon, ruhmroürbige Schlacht! 

®a8 mar ein milbeS Schlagen! — 

Unb burch ben ^ain, — Bebeeft mit StauB, — 
2Ber eilt mit fliegenbem guge? — 

©8 neigt fich be8 CclBaum8 h^lig 
®em ©ilenben raufchenb jum ®ru§e. — 

®u müber grembling, jügle ben Schritt; 

©eich fühlen ©albern. — 




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201 




„Sorübcr! Sorübcr mit ftürmcnbcm Jritt! 
fommc oon 3Karat^on§ gelbem!" — 

©d^on manft er unb ftraud^elt, jum tobe matt. 
©4on toid ber Slidf ftdb umfloren, 

®a — fte()t er 2lt^en, bie febimmernbe ©tabt, 
Unb baö 93oIf auf TOauern unb t^oren. — 
Unb bange§ ©noarten bie üJtenge burebfliegt: 
w®ing JpeflaS’ ^eer gu ben tobten?" — 


„§cil cud^ Sltl^encr! SBir ^oben gefiegt!" 

Unb ftcrbcnb jinft er ju ©oben. 

Slruno SSagener. 


fcbüttelt ber ©türm fein SBoUengepeber 
Unb lägt ficb braufenb am 3Jteerftranb nieber. 

,,2öie ^ab ic^ mic^ lange nach bir gefeint, 

O ©ec, bie fic^ cnbloS ftreeft unb bc^nt! 
Umfcbmci(^elt oon IHci^t unb ©onnenfdbcin 
SBo^l fd^einft bu fromm mie ein Äinb ju fein; 
®o(i^ flieg ic^ mit ®igantenluft 
®ir an bie mac^fenbe äßogenbruft, 
t)o fpringfi bu ouf, bu ringfi bte^ loö, 
t)oS £anb erftürmenb mit tonnergetoö. 

2Ber fd^roingt bort ben fprül^enbcn gunfenfranj? 

©er labt unö praffclnb ein jum tanj? 

tu roogft i^m entgegen, bu reiebft bie ^)anb 

tem tobernben 33rubcr gcuerbranbl 

toc^ mie i§r euc^ sifc^enb unb bampfenb oereint, 

3B3a3 flucht i^r ber ©rbe, bie fricblic^ erfd^eint? 

©ei i^rem oermitterten Ängcfid^t, 

tie tod^tcr ber ©onne, i^r fennt fic nic^t. 

©ie fd^läft itur. i^ren 3lbcrn freift 
Sletl^erifc^cr @cifl oon eurem @cifi; 

Jpa, lange oer^alten, ooö ©e^nfu^töglutl^ 

©nft brid^t i^r ^eroor ba§ Saoablut; 
tann finben mir, mie lange getrennt, 

Uns roieber in ©inem ©lement, 

Uns roieber in ©incr ^immelSfraft — 

©rlöft, oergeiftigt, fonnen^oft." 

©0 fingt ber ©türm fi(^ ©d^lummcrlieber 
Unb fd^üttclt leifc fein SBolfcngcpcbcr. 


fngefSert 

- ^ 


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Konrad Telmann, ComtesBe Cle- 
mence. (^inbcn in Seftfalen, 

3 . (5. (5. ®run§ 3?erlag. 1887.) 0o cin= 
fac^ her l^cgcnfianb bcr Serroicfhing — „the 
plott“, fagen bic (^nglonbcr — in biejcr 
gä^Iung ijt, — bic ^c^anblung, bic l'öfung 
bcr 5lufgabc jeigt aOc i'Oi^üge bcr (Eigenart 
beg SBcifaffcrä, rodele in nnferen lagen bc§ 

— mit ^^cfpec^ mclben — jüngflbcutfc^cn 
ÜMturaliänuiö non Bolöö (Knaben 511 menig 
gemürbigt roirb. ^clbfiDcrflänblid). l'cr 
UJtann ift oiel ju nome^m unb gu fein, in 
ein bic^tcrifd^cö „C^oipg" einjufpringen: er 
trägt feine „(Couleur", al§ bic ivarbc lcl= 
mann§; roic foUten i^n bie ( 5 orp 9 brübcr, bic 
er nii^t l^at, nmbraufenV Uebrigenä gebe C^ott 
ben jungen Leuten nod; lang auöbanevnbe 
klingen unb flüffige linte: beim ein eebteveS 
0 tü(f 5tomif fann nic^t erfonnen roerben, al§ 
biefeS (^eba^ren, roeld^eö, in beftem (Glauben, 
unabläjfig nerfic^ert, näc^ftenS roerbc roirflic^ 
ctmaä Literatur ^Ummäl^enbeä fic^ begeben, 
ober aud^, e§ ^abc fid^ bereits begeben unb 
bie ^tenfd^^eit ^abe eS nur nod) nic^t loa^rs 
genommen. ITie fogenannte Kritif ftanb rao^f 
raum je in l'cutic^Ianb auf fo niebriger 
0 tufe geiziger ^^ilbnng unb Tittlidjcn C^rnfteS. 

— Der Änoten ber fünftlcrifc^cn Slufgabe in 
biefer fea^lung ift fe^r locfer gefd^ürst: mau 
errät^ alSbalb, roic er gelöft roerben roirb: 
aber mit roa^r^aft bid^terif^er '^^efriebigimg 
fie^t man nun ^u, roie funftgcrec^t unb gicr= 
tid^ bie oerroirrten gäben auSeinanbergelegt 
unb bann auf’S 'Jteuc — bicämal bcfricbis 
genb — georbnet roerben. (^S roerben unS 
nur fec^ä ^l^erfoncn oorgefü^rt: groci über’S 
Äteu 3 oerlobte 't^aare, eine laute unb ein 
gan; oortrcfflid^ gezeichneter .^oUänber alö 
fünftes 9?ab am oierräbrigen Sagen ber l'iebe. 
3US befonberS gelungen ift beroorznheben bic 
0 chilberung bcr unruhigen ©ehnfucht, roctdhc 
ben gelben unabläffig in bic Üiähe bcr (Wc= 
liebten treibt. Vielleicht fonnten bie Janb^ 
fehaftsbilber fnapper fein: fie finb zroar üor= 
jüglich gemalt, nehmen aber — nidjt immer 
m folcher 5IuSführlichfeit oon ber 0timms 
ung ober ^anblung erforbert — ein roeuig 
oiel Dfaum ein. ^m (Stanzen: ein Ä'unfts 
roerf, unb zroar ein hoch erfreuliches. 

Felix Dahn. 

Panzacchi. Stecchetti, D’Annunzin. 

3>lcuefte italienifd^c ^prif, überfetet oon Julias 
Litten, (^cipgig, C^. ^feifener.) Die neuefie 
italicnifche i?prif ift in Dcutfdhlanb fo gut 
roie unbefannt, unb hoch oerbient fic bic 
roärmftc Veachtung Miller, bic überhaupt für 
bie mobernc i'prif 0inn unb Verftänbnife 
haben. Die eigenartige 2)lifchung roman; 


tifdher unb naturaliftifcher Elemente, roie fie 
unS in einer zumcift berounbernSroerthen, 
äußeren gaff ung in ben reizoollen 'l^oefien 
ber fogenannten „Veriften" bcS jungen ^ia- 
liens entgegentritt, ift überaus fcffelnb. 

Bittens Unternehmen, unS eine SluSroahl oon 
fiebern biefer Veriffen s ©chule in einer ge^ 
rabczu meifterhaften Ueberfehung oorjuführen, 
muß fich baher uneingefdhränfte ^Inerfennung 
unb cingehenbe Vea^tung jebcS ?itcratur= 
freunbeS erroerben. IMtten bringt unS be^ 
fonberS bic (^'cbichtc beS nächü ßarbucct im 
heutigen Italien zrocifelloS populärften unb 
auch begabteften l'priferS ßoreiuo 0tec: 
chetti, oon bem übrigens auch ^i^aul ^epfe in 
feinen „Verfen auS unS (^inioeS 

überfeßt hot- Bittens Uebertragungen erroeifen 
fich benen biefeS großen UcberfeßungSfünftlerS 
burchauS ebenbürtig. (5v h^t eS oerßanben, 
ben ganzen fanften Schmelz unb bie eiacns 
thümlid)C Klangfarbe 0tec(^cttiS cbenfo roieWs 
jugeben, roic feine beißenbe ©atire unb feine 
ironifchc ©chroermuth. Daß ein großer Ih^tl 
biefer lieber unter bem fichtbaren öinfluffe 
^einri^ .V'eincS ficht, roirb ben Ktnner ber 
mobernen italicnifchen ^f'oefic nic^t befremben. 
©pmpathifdher noch, als ber geniale, aber oft 
innerlich z^rriffenc unb roilb^groteSfc ©tecchetti 
roirb ben beutj^en Icfer bcr roeicherc Enrico 
'’^'anzacchi anhcimcln, ber oft an lenan er= 
innert unb an liefe ber (^mpfinbung unb 
Sohllaut bcr ©prache ben oiclfeitigeren unb 
ftürmifchcren ©tecchetti no(^ übertrifft. 3lm 
roenigften roirb man ben ©onetten beS 
C^'abriele D’^lnnunzio (Mcfchmacf abgeroinnen, 
ba bcr Icßtcre fchon als 5tachahmer feiner 
großen Vorbilber zu oft bic nadtc ©innlich- 
feit in feinen gutgebauten ©trophen roaltcn 
läßt; intereffant unb charafteriftifch finb aber 
auch fic. littcnS Ueberfeßungen, benen roir 
recht Imlb y^achfolger roünfehen, finb bringe 
ric^n }u empfcljlen. Telmann. 

Der Menschenkenner. 5ußfpiel in 
oier Slufzügen oon WolfganiC Kirehbach. 
DreSben, S. G’hlermann. Der „V^enfeben; 
fcniier" ift eine leiftung, zu bcr roir oem 
Verfaffer aufrichtig (^lucf roünfehen. Vor 
ädern ift bie C^rfinbung eine äußerft glüdlidhc 
ZU nennen; cS büvfte nicht zu uicl ©tücfe 
geben, roelche fich als fo echte unb feine 
fuftfpielc erroeifen roic baS oorlicgenbc. Der 
philofophifche ©runbgebanfe bcS ©tücfcS ift 
ber, baß bcr theorctif^ hrroorragenb gebilbete 
SOlenfch, ber oon anSgebreitetfler pfpchologifcher 
Erfahrung ift, in bcr praftifeßen Ihütigfcit 
oft über ben fleinften ©tein ftolpert, ba ibn 
baS admächtige ©chicffal an oödig unfidhl' 
baren gäben leitet. Dicfer ©ebanfe ifl ganz 


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Dortrefflid^ auSgefül^rt. Uiib anä) im ©ingcl: 
nett netbient baS ©tücf aOeS ?ob, benn eS 
jcid^net buvd^ (prad^li^e Platte unb 0d)ön5 
beit ebenjo fe^r auS, roie fid^ nielfeitige 
fa^nmg in bet pfpd^ologifc^en ^Beobachtung 
barin erfennen giebt. ^'er J^ialog ift 
fnapp uiib flie^enb, «roür^it mit feinem unb 
geiftreichem ^umor; ©reite unb ©chroerfäUig- 
feit finb forgfältig nermieben. 3Iud) bie 
Wotiüirung ift frei unb natürlich, nieüeicht 
mit SluSnahmc ber ©^ueKigfeit, mit melcher 
fich S^erFetep burch bie gürftin ©arafd^anin 
fangen lö^t, ba fie hoch anfänglich jebe polis 
tifche flFoUc ablcugnet. 5^er (Mang bes 0tücfeä 
ift in Äurjem folgcnber. ü'orb ©erfelcp, ein 
angehenber englifther 0taatämann, bcr foeben 
ein höchft geiftreichcö ©uch „^Jta^imen eines 
9J?enichcnfennerä" neröffentticht höt. mirb non 
feiner ^Regierung nach gefchicft, um, 

mic er inenigftenS glaubt, über ein ©ünbnife 
(^nglanbS mit Italien ui nerhanbeln, n)el= 
cheö (eine 0pipe gegen ^Fufelanb fehren fofl. 
3u berfelben 3 ^*^ bepnbet fuh ?orb 
(^nanbalc, ein niel geroiegterer Diplomat, auf 
bcm 2öege na(h 9rom, um biefe ©erhanb= 
lungen roirflich gu leiten. 5)cnn ©erfelcp 
foK, ohne baß er eS ahnt, nur negatin roirFen. 
^Fan meig nämlich im englifchen (^abinet, 
baft eine ruffifche gürftin unterroegS ift, um 
biefe ©erhauMungen gu burchFreugen unb roo^ 
möglich ein ©ünbnifi ©nglanbä mit JHufilanb 
u 0tanbe gu bringen, 5)ie gürftin, gleich^ 
aUS iu bem Glauben, bafe ©erFelep 'ber 
roirFIichc ©enoUmächtigtc (JnglanbS fei, trifft 
mit ©erFelep gufammen unb bringt eS bur^ 


ihre geiftnoKe Schlauheit bahin, bag fie bem 
©erFeiep, ber eine tiefe Zuneigung gu ihr ge= 
fafet hflt, ben 3^^^^ feiner Senbung entloät. 
Sic lücife ihn fogar burch gefälfd^te ^Ftem 
ftüdfe gu betnegen, ba6 er bem 2luftrage feiner 
9Fegierung untreu inirb unb ein ©ünbni^ 
^glonbS mit 9?u6lanb untergei^net. ^)enn 
er, bcr f'ch ÜJFenfd^enFenntnih 

beruft, tappt noflftänbig im ^unFcln unb 
lägt fuh non ber gürftin grünblich 
?id^t führen, ^ic gürftin aber oeröffentlicht 
fofort ben untergei^neten ©ertrag, um ben 
^orb, ben fie roegen feineä ^Fenf(henFcnner= 
thumS hQfet, politifch unmöglich gu machen. 
3nbeg ift ber mirFliche (Mefanbte auS SFFom 
urürfgeFehrt, er hot bort feinen Sluftrag er^ 
üOt. ©erFelcp hot foeben burch feine grau 
gu feiner grogen ©cf^ämung ben loirFli^cn 
Sa^rerholt erfahren, ber ihr burch einen in’S 
(^^h^^wioig cingcroeihten italienifchcn StaatSs 
mann mitgctheilt mürbe, ^oanbale Fommt 
an unb roill eben im ©cifein ber gürftin 
bem ©erFclen ein 3lncrFcnnungSfchreibcn für 
feine ©erbienfte überreichen. ‘Tic gürftin, 
bie über ©crFelep oöOig gefiegt gu hoben 
glaubt, läfet fich gu bcr oerhangnignollen 
fvrage h^oreiften, roaS baS bebeuten foHe. 
i^arauf giebt ihr öoanbalc bereitroillig ?lu§- 
Funft über ihre totale ^Fiebcrlage. — ÜJFÖge 
baS Stürf überall ben roohluerbienten ©ei^ 
fall pnben unb mögen au^ biefe 3ftlcn bas 
gu beitragen, bem „©'FenfchenFcnner" einen 
großen SeferFreiS gu geminnen. 

Dr. M. Manitins. 



Beitlmmongen Ton Geltang. Jede Eiiuendimg, aber deren er. Verwendnng Aua> 

kanft gewauscht wird, muss deutlich und mit nicht su blaeser Tinte geschrieben sein. Ferner ist Jeder 
Beitrag auf ein Blatt Papier besonders su schreiben und darf eine Einsendung deren höchstens fünf 
enthalten. Briefliche Kritik ertheilen wir nur unseren Abonnenten und zwar sind fOr das Antwort¬ 
schreiben und Bttcksendung der Manuscripte jedesmal 50 Pf. in Briefmarken (resp. 30 Kr., 60 Cts.-etc.) 
nebst adresairtem Couvert beiznftigen. Bei Einsendungen, welche au dieser Stelle Erledigung finden 
sollen, bewahre mau sich dagegen Abschrift, da wir in diesem Falle Oedichte Oberhaupt nicht, grossere 
Arbeiten aber nur dann zurUckseuden, wenn der volle Betrag zur Bestreitung des RUckporto’s bei¬ 
liegt. Bei erstmaliger Einsendung ist Angabe der Bezugsquelle des „B. D.“ erforderlich. Briefe, welche 
mit Strafporto belastet bei uns aulangen, werden ausnahmslos zurUokgewiesen. Anonyme, sowie alle 
diesen Bestimmungen nicht GenOge leistenden Briefe verfallen dem Papierkorbe. Es werden nur 
Originalbeiträge acceptirt. 


Dr. M. A. in C— n. ©3ir banFen 3^oen 
für ^'inmeiS auf ben jeber fachlichen 

©egrunbung entbehrenben pöbelhaften in= 
griff, roelchen bie am ©Ici^cftraub erfcheinenbe 
„(MefeUfchaft" gegen unS rid^tet unb beffen 
flcinliche ©eroeggrünbe mir oollftänbig burch- 
fchauen. $)er ^on biefer '^luälaffung ift aber 
Don fo beifpiellofcr SFFobheit» ba^ mir un§ 
fd^lechthin nicht überminben Fönnen, uiifrc 
klinge in einem Kampfe mit Leuten gu bc^ 
fubeln, benen mir ba§ ©ermögen abfprechen, 
un3 in Sahrheit beleibigen gu Fönnen. Sir 


bitten gu entfchulbigen, ba6 mir ba§ faiiberc 
Unternehmen h^^^ überhoiipt nur genannt 
haben. — ^benfomenig oermögen unä bie 
planmäßig betriebenen ©erhepungen bcS 3^' 
richer SinFclblättchenS im (Meringften gu bes 
rühren. (Memiffc Scutchen Fönnen ihre 5lii5 
feinbungen gegen un§ in ber anftänbigen 
beutfdhen ©reffe nicht anbringen unb gehen 
beäholb natürlid^ nach — 3'^^*^- ^o= 

ben in bcr maßgebenben beutfehen ©reffe bie 
meitgchciibfte 2lncrFcnnung unb 5:bcilnahmc 
gefunben, unb glauben ben eingefchlagenen 


I 




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204 


Ä“ 




unbeirrt rcrfolgen gii füllen. lleBrigenS 
ifl e§ ja nur begrciflid^, ba^ ein S^latt luie 
bQ§ unfrige, roeld^cS fo üiele eitle 3 ®üufc^c 
unbefriebigt laffen mufi, nid)t unaugefod^ten 
bleibt; roir rounbern un§, baß berartige Sin? 
griffe nic^t (d^on früher ftattgefimben hoben. 

F. G. in S—t. ©ie roünfchcn über fünf 
rerfchjebpc ^'ebichtc ein ^ufammenfaffeubeS 
Urthcil in TOcnigen ©orten. ift burdh: 
Quä nicht immer möglich; geringer bie 5ln; 
3 ahl ber gefonbten (^ebidhtc ift, um fo eljer 
merben fi^ biefelben in Äürje fenn^eichnen 
laffen. 3^re (S^ebichte fmb au§ fehr oer= 
fchiebenen (^rünben nicht oenoenbbar. 

t^rf. C. Z. L. in L—n. Sollten 0ic Feinen 
33efcheib auf ;,\hr (5^ebicht befommen hoben, fo 
ift baffelbe nicht an unö gelangt. 

C. Vy. in P—g. ©ir Fennen ein 0 chau- 
fpiel biefeS 'JtamenS oon '^^aul l'inbaii, jeboch 
Feinen fltoman. (^^cbichte finb 311 unferm 
Bebauern nicht oerroenbbar. 

F. P. in C—n. 0ie fchreiben, bafi 0ie 
nunmehr un§ 3 nm 3 iDÖlftenmal C^ebichte 
fenben, auch jeht, roie 0ie beuFen, roieberum 
oergeblich. ©arum fo oermgt ? 0ie gehören 
ju 5^enen, bie 5?eharrli^feit 3 nm ßiele ge= 
führt hot; Sonett ift bieömal oerioenb: 
bar. ©ir hoben bei Solchen, bie mit Gmft 
meiterftrebten unb fich burd) roieberholte $lb-' 
loeifung nicht abfchrecFen ließen, oft gang 
hübfehe (Erfolge gefehen. ©aö iin§ übrigens 
am crtoünfdhteften ift ? 5:idhtiingen mit that= 
fachlichem Untergninb, namentli^ 35allaben. 
©ine angiehenbe 33egebenheit, mit G'efchmacF 
unb ohne gu grofee Breite poetifch bargefteUt, 
hat immer ihren ©erth, mährenb ein IprifcheS 
©ebicht oft oon einer äußern geroiffen S3olI= 
enbung fein Fann, trohbem aber, roeil ber 
^nholt gu roenig neu unb eigenartig, ohne 
Berechtigung ift. 

J. K. in D—au „Sebnfucht"; H. H. in 
F—t a. M. „Schön ©lg" (mit einigen %enber= 
ungen); L. M. in M—m a. K. „©internebel" 
unb „l^er ^ob" (leßtereä geFürgt); A. B. in 
G—n „^einiFehr"; Th. S. in S—t „ge’^nab"; 
C K. in P~g „3iu Slbenbfchotten"; K. M. 
H. in W—vv „i%nefung"; K. S. in L—au 
„l'ieb im SF^olFöton"; A. S. in G—a oierteS 
Stücf ber „^leinigFeiten"; A. K. in B-—n 
„Vorbei"; A. H. in B—au einige ber 
„Sprüche". Angenommen! 


C. S. in W—n (leiber mehrfach gu fchroierig 
im 3luöbrucF); K. S. in R—dz (nicht ohne 
©mppnbung, aber formloä); H. v. T. in Z—s 
(Sic hoben fchon oiel 5?effcre§ gefanbt); 0. 
W. in 0—g; I. S. in A—n (oiel gu jpot); 
W. H. in ß—d (inholtlich oerfchroommen 
unb unFlar im ?lnöbvud); G. R. in B—n 
(boö eine ©^ebid)t Fommt gu fpät, ber Stoff 
beä anberen ift ju oerbraudht); J. H. in 
Z—n (Sie oermogen ^MfereS gu leiften); 
M. D. m H—c (laffen Sie mehr fehen); E. 
> 1 . in 0 —s (boö angenommene ©iebicht roirb 
gu geeigneter ^eit erfcheinen); A. S. in B—n; 
A. K. in B—d (gu herFömmlich); F. 0. R. 
in I—dt (nicht choraFteriftifch genug); H. S. 
in A—ch (nicht gleichmöfiig burchgearbeitet); 
A. K. in W—g (gefucht). Daukeud ab¬ 
gelehnt! 

R. V. in 8 —g i. E. ‘^a Sie für S^tX' 
mann i'inggö Sdjöpfungen befonbere S^or-- 
liebe hoben, freut eö unö, i^hnen mittheilen 
gu Fönnen, baß roir bemnächlt einen ©inaFter 
oiefeö ^^ichterö oeröffentliihen roerben, roelcher 
eine glücFliche bichterifche Vöfung ber Streit^ 
frage über bie Urheberfchoft hex ^^ramen 
ShoFefpeareä bietet unb beöholb geroiß hoppelt 
roiüFommen fein bürfte. 

F. T. in H—g. ©ir prüfen jebeö eingelne 
©ebicht auf baö ©ingehenbfte; bie Shci^cn 
finb, roie roir ^'sh^'cn bereits mittheilten, nid^t 
giim 5lbbnicF geeignet. 

F. 0. S. in I—dt ©enben Sie fich on 
baS UnioerfitätSfecretariat in 55erlin. 

G. H. in E—ck. ©ir roerben jeht merF= 
roürbigerroeife mit ©ebid^ten über bie Schlad^t 
bei ^öniggräß gerabegu überfchüttet ©arum 
benn bie 3 eit beutfdher 3 ertiffenheit roieber 
heraufbefchroören? 0 !>iebt eS nicht erfreulichere 
Stoffe? 

H. Frhr. v. K. in W—n. 33eften S^anF 
für 3hre frcunbliche ©^efinnüng; baS Sonett 
paßt leiber nid;t recht in ben 9*Fahmen iinfereS 
53lattc§. 

5 ^ür bie fo überaus gahlreichen Äunb^ 
gebungen ber ^ofti^umung, roelcße roir am 
läßlich beS SprechfaalartiFelS in ooriger 
'iRiimmer auS ben Äreifcn nuferer gefdhähten 
greunbe empßngen, fprechen roir hiermit uns 
fern beßen ^aiiF ouS. ©S hot unS unges 
mein roohlthuenb berührt, bei biefer ©clegens 
heit eine ÜJienge neuer greunbe Fennen ge« 
lernt gu hoben. 


(6c^Iu6 ber WcbacHon biefer Stummer: 19. Januar 1889.) 


Snhaßspergetchnii 

6rbiditt oon flrrmanti finoQ, Slfr (Srmet, ^riebridi Irirbrtd), Ulbert IDH6, CStiQeti Hanr, €vrt OotbarM, 
ültltbiof Hoben, Sv. HOttnrr Pfinner )u <bol, llarl firontb, Smno IDoqrnfr unb (Engelbert Albreibt. — Dai 
Oolkrontflieb. 6anfl au9 unteren ^agen. Son Snlino •roffe. (^ortfebung.) — Der PnroBeUfmns in 
brntfiben Dolksliebr. idterarifebe @tubte oon €. Dortlfd). (3(bluß.) - Dliberribon. — Drieffibaltrr. 

^achbniA nur unter genauer 0neirenanga0e geblattet. 


^eßellungen fmb gu richten an bie Expedition (Paal Helnze’a Verlag), ©infenbungen 
an bie Redaction des „Deutschen Dlchterheim** in Dresden-Striesen, ©ommiffton: 
Triib’ache Bachhandlang (91. Schmittner) in Zfirlch unb E. Steiger 4 Cie. in New-York. 


ö- 


©hef^^el^octeur unb ©igenthümer: J^auf «jbeinie, 99ebacteur; SCnboff ^oette. 
Srutf oon 9<rb(nanb ^omab in ^refbot. — tßopter oon ber Srefbenex tpapierfabrtt. 




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Drgnii für und üritifi. (Drc „Dritifdifii Diltfrtinlff" 18 . ißniid.) 

Herausgeber: Aeiit}e. 


Monatlich 2 mal. Preis: 6 UV halbjahrl., yorauszahlb. Man abonnirt durch jede Bnchhandlnng, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des „Deutschen Dichterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nlir bis 
1. Mürz beziehentlich l. September angenommen. Einzelne Nummeru k 50 5 Stück einer Nummer .4f 1,50. 


as ftanti i<$ nit^t Orgreifm, bal auf frbeu 
pU <jd 9 a)int$en in gsfuffe fiefn^ 

!pa|| ^Cdteu unb $dgen fttH ufrmiftb^n^ 
pa|i fro$f SS^fuft^fu im fanje bre^n. 

9inb mdir’ bic Jbffi ein c^ansenmaCT non ^einben. 
^di brdingie bnr<^ bie ppeere für uns 33a9n. 

(^in feilster Regner nur i^ unnermunbOar^ 
9(ntt0erminbfi<9 9arr( er auf bem ;3^fan. 

9bir ^anbeu ge^ern unter P^ruffingsOftumeu 
gsrutfenOffttterfair, ber nieberOrac^; 
pu refntefi fc^fuc^ienb bi<9 an meine 
Jifs OeOeub i4 bas fe|te ^ort bir fpta^. 

taumefte, mie trunften, 9^n natb jbaufe, 

Pu gingfi aurntft, mofin bie ^friift bi4^ rief; 
SInb fautfos fc^rien mir ndt^tens unfre |9:amen^ 
^fe^nteu <iber| an <iber), unb fteines ft^fief. 

SInb ftdme (eut ber treufie mdner ^reunbe, 

: 31 m mii$ )u trdffen, ge^e, Odt’ gef^ 

mif^ alTein, mi<^ graut vor beinern gSaffam, 
30 as (ifft beiu ppruc^fein für bie mifbe pee. 


Petfeu ^reif err von «^ifienerou. 


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206 


!r 


-SS 



'paffßci pon bei '^oflcfipeibe. 

$on SS. c^orett). 


enn tüir einen 93licf auf 
bie SSefle mittcl^od^bcutfd^er 
$oefic roerfen, bic aii§ bem 
‘feunfet früherer 
berte auf unfere 3«^^ 
fomnten finb, fo loerben roir roenige 
ungen unb lieber ftnben, bie noc^ l^eute im 
0 tanbe mären, unfere noHe 33crounberung m 
erregen. fD'lögcn fic «inji in ber 3cii# ber [ie 
entpammen, me^r gegolten ^aben, je^t, mo 
bie 3^ti*n tn ^efe^maef unb 3?ePreb= 
ungen geänbert l^aben, fripen pe nur nod^ 
ein fümmerlic^eS Seben. 

Um fo lieblid^er tritt au8 jenen 
ba§ ^JUttef^o^beutfd^e bic 0praci^c ber ^^oefie 
mar, bie Sprif aßalttjerS oon ber 93ogelmeibc 
entgegen, beffen Seier fo ooU unb rein tönte, 
bap einer feiner 3 «ii 9 cnoffcn oon il^m fagte: 
„er impfete daz örste ris in tiutsehen Zun¬ 
gen“. Unb aud^ mir, bie mir fed^S 
lunberte fpöter leben, füllen unä noc^ jept 
burd^ feine Sieber mepr angejogen alä burc^ 
mand^en unferer jepigen 2)i$ter; mir ftaunen 
über bie Sicblicpfeit unb anbererfeitS über bic 
Äraft in benfelben, an benen, mie eS fd^eint, 
bie lange meld^c pe fd^on in unoergäng- 
lid^er griffe überbauert ^aben, oöDig fpurs 
foä norübergeeilt ip. 

$)ie fd^mere 3cii» öuä ber l^eraiiS SBalt^er 
feine Sieber bicptetc, bie Senbe be§ 12. 
punbertS, mar für $)cutfc^lanb, mo bie 0türme 
beS ©ürgerfriegeä burc^ ba§ Sanb tobten, eine 
fdjmcrc unb troplofc. 21IS cd^ter ^ic^tcr oer^ 
folgt SBaltl^cr biefelbe fo lebhaft, bap mir 
au8 ben Siebern, meiere auf biefe Kämpfe 
53egug nel^men, un§ ein flarc§ 33itb mad}en 
fönnen oon ben 3upänbcn jener 3«'i unb 
ben ©droben, mel^c ber ^Di^tcr barin aup 
beeft. ®od^ in biefen ernft^aft männlichen 
unb au3 märmper 23aterlanb§liebe hc’^uors 
gegangenen Siebern erfchöpftc 2öaltl)cr feine 
bi^terifche Äraft nid^t, er fanb and) für fein 
perfönlicheä Seben, für ÜJUnnc unb 9iatur 
oor SlÜem, noch iöne genug, unb in biefen 
offenbart pch eine fo heitere, frifche ^nppnb= 
ung, ein fo inniges unb für aOeS ©d^öne 
empfängliAeS ©ernüth, bap man no^ jept 
oon bem 3uubcr biefer Sieber ungemein an= 
gezogen mirb. 

$)er 3)tinne mögen mohl feine erPen Sieber 
gemeiht gemefen fein, ©chon frühzeitig hot 
fte ihn in ihre ®anbe gcfchlagen unb mit 
ber 3eit fo feP an pch gefettet, bap er fetbp 
in feinem reifen 2JtanneSalter unb barüber 
hinaus fid^ nicht hot oon ihr befreien fönnen. 
33on aUcn greuben ber Siebe, bie er gefoftet, 
oon bem ©lüd, baS er in bcrfelben in ooüen 
|Uigen genoffen hot, pnben mir in feinen 
3lJUnneliebern ben lautepen fltachhoH. jDer 
ÜJfinnebienp ip ihm ber liebpe, ber füfinne, 
bie er mcip perfonipeirenb als eine machte 
ooUe Königin auffapt, als „grau fOtinne, 


meiner ©eelen Königin, 2ltlbepegerin", beugt 
er raillig feinen ^Jfaden unb läpt pÄ gern 
oon ibr auf ben ihr eigenen ^faben führen, 
^r felbp Paunt über ihre 3lllgcmalt, baher 
feine grage: „wer pp dir, minne, den ge- 
walt, daz du doch so pwaltic bist?“ in 
jenem Siebe, mo er auSfiihrt, mie pe ohne 
Unterfchieb über 3ung unb Sllt ihre gern ge= 
trogenc ^errfchaft auSübt, befonberS aber 
über ihn. 3” ih^cm T)ienP lernt er ben 
oollcn 2Serth beS SßeibcS fennen, baS über? 
aÖ in feinen erpen TOnnclicbem im eigents 
licbpen ©innc als bie Ärone ber ©chöpfung 
befungen mirb. 5)eutfche fD'fänner, erflärt 
er, pnb mohl gezogen, beutfepe SSciber ba: 
gegen pnb reine unfd^ulbSoofle 6ngcl. ^:iefer 
hohen 5luffaffung beS SSeibeS entfpricht bie 
fehi^fu^cht/ mit Der er petS oon ihm rebet 
unb baS reichliche Sob, baS er ihnen fpenbet. 
^Tcnn fo oft er 5)eutfd^lanb preift unb eS oor 
anberen Sänbern ocrherrlicbt, rühmt er ftetS 
an erPer ©teile baS beutfehe 2Bcib. 30/ er 
mag oon grömmigfeit, Jreuc ober irgenb 
einer anberen Xugcnb reben, immer gipfelt 
fein Sob in bem auf bie grauen, in Denen 
er jebe !J:ugenb im heÜPen Sichte prahlen 
fielet. 

^och fo fehr er auch befangen ip oon ben 
D^ei^en beS SBeibeS, fein Sieb bleibt PetS rein 
unb pnft nicht zu jener ©innlicpfeit unb @e= 
meinheit anberer ^)ichter herab, bie, meit cnt= 
fernt oon einer ibcalen 5luffaffung ber Siebe, 
in ihrem Sieb nur bie unlautere unb unfeufche 
Siebe bepngen unb ihre Scier, fo heÜ biefelbe 
tönen fönntc, zu ben fchmupigpen SBcifen 
herabmürbigen. Ä'einc ©pur baoon bei 
©alther. ©eine ©inne fejfeln ein rother 
^uno unb purpurfarbige Sippen; fann er 
biefe fchauen ober gar geniepen, bann ftrömt 
fein Sieb fo marm unb lieblich über feine 
Sippen, bann mirb er, menn er an bie ge^ 
fopeten greuben pd) noch einmal nirücfträumt, 
niebt feiten fo lebhaft, bap er balo in nedifcher 
©cpalfhaftigfcit, halb in jugenblichem 3Jtuth= 
miflen einzelne SiebeSfeenen, bie er crlcM 
hat, ganz ^u fein Sieb aufnimmt. (5S ip 
bicS ein überaus anmuthenber S3orzug ber 
Söalther’fdhen 3Jliunclieber, bap pe niept iu 
allgemeinen (J^ebanfen pdh bemegen, fonbern 
bai^ pe uns meip einzelne (^rlcbniffe geben, 
bic ber 2)ichtcr mit fühnem @riff pep h«rouS= 
greift unb mit munberbarer SebenDigfeit bar? 
PcQt. 5"abei hoben mir oft Gelegenheit, 
über feine ©cholFhoftigfeit zu Pounen. 5öcnn 
er z- 33. in einem feiner Sieber ein Räbchen, 
baS unter einem Sinbenbaumc in ben Firmen 
ihres Geliebten fclige ©tunben oerbracht hot, 
an pch felbp gragen pellen läpt: ob er mich 
gefüpt? als ob pe oon einem Slnberen er? 
fahren moUc, maS pe felbp am 93ePcn meip 
unb bann gleichfam marnenb ben 93ögeln, 
bie pe belaufcht hoben, zurufen läpt: fd^meiget, 




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207 


sc 


laubert eS nid^t au8! fo roirb gcroife S^ber, 
er bicS tieft, ron bet ©d^alf^aftigfeit, bie 
aus ben Sorten bcS 3)^abci[ienS fprid^t, auf’s 
3(ngenc^mftc berührt rocrbcu. am liebs 

lid^lten unb natürtid^ften tritt biefer 3ug bcS 
SDid^terS in bem „SicbcSorafer l^cruor, roo 
er, ungeroip, ob bie (55clicbte feine iJleigung 
erioiebert, feine 3ufluc^t gu ©raSl^atmen nimmt 
unb an i^ren knoten abjä^lt: si tuot, si 
entuot, fo lange, bis er gcfunben, bafe jeber 
^)atm i^n i^rer Siebe oerftd^ert. ©d^alf^aft 
freut er über biefen Xroft. 5lbct in bems 
felben Slugenbticfc, roo er feine greube mit^ 
t^eilt, roagt er i^n nur nod^ ein 5:röftelcin 
gu nennen, }u bem ein ftarfer (Glaube ge^ 
|öre. Ser fa^c l^ier nic^t ben 5)ic^ter auf 
grünem S^afenplä^c^en fifeen, roie er einen 
^alm nad^ bem anbern gur $anb nimmt, 

S einbar mit gefpanntem 3Iuge feine knoten 
gö^It unb mit fc^etmifc^em Säckeln p« 
roieber roealegt! Sem b^iuc^te biefer naioe 
3:on beS heiteren i)id^tcrS ni^t ctroaS oon 
ber freubigen ©timmung ein, in ber roir il^n 
fipen fe^enV 

©0 befingt ber ®id^ter in feinen 3Jlinnes 
liebem in ber anmutbenbften Seife bie ^öc^fte 
©etigfeit, bie je ein 3}tenfc^ in ber Siebe ge^ 
foftet ^at, bie l^ealid^ften unb boc^ unfd^utbtgs 
ften greuben, bie fie i^m je geboten l^at. 
SittenfoS überlägt er fid^ bem ©piel ber 
©ebanfcn, er genügt unb roürjt ben @cnug 
burdg bie Seier, auf roetd^er er bie l^errli(£jten 
unb innigften Seifen anftimmt. 2)od9 in 
biefen leisten SicbeStiebern gegt er nid^t auf, 
er pnbet aud^ 3®^^ tDtinne oon einem 
^ö^eren ©tanbpunfte auS nad^ il^rem Sefen 
unb Sert^ gu betrad^ten, lieber igr Sefen 
fann er nid^t red^t flar rocrbcn. 

f^din minne ist weder man noch wtp, 
si häs noch s^le noch den Itp, 
si geltchet sich de^ keinem bilde*\ 

Senn er fie in feinen geitem 3JtinneIiebem 
ftetS „frowe minne“ anrcbct, fo folgte er 
barin nur ber 3(uffaffung ber 3€it/ ber 
grau 3Jtinne bie geroö^nlid^e 3lnrebe an fie 
roar. 5)od^, roie bem aud^ fei, er grübelt bar= 
über nid^t lange nad^, fonbern ögnet igr fein 
ganges |>erg, benn: 

„unde enkam doch nieman äne sie, 
der gotes hulden nicht gewinnen.“ 

SDamit roeifl er auf ben golden Sert^ ber 
^Dtinne gin, ben er auc^ in feinem Siebe: 
„Sa^re Siebe" in ber nac^brücfli^gen Seife 
betont. 5Da tabelt er bie oberflächliche S?e= 
merfung berer, roelche behaupten, bie 3Jlinne 
fei ©ünbe unb nennt fie folc^en gegenüber 
oielmebr bie SQueUe, auS ber fo man^e eble 
2 :ugenb hcroorgebt, ein (Sut, baS @lücf unb 
©egen mit bringt unb fogar ben Ürieb, 
baS ©Ute gu thun, in roeeft. 5)och 

roarnt er auch, als ein freunbli(her D^atg« 
geber, fidh blinblingS ber 2Jtinne in bie 
arme gu werfen; benn aueg unter ben grauen 
feien nid^t aüe ogne gebier, oft berge fleh 
unter einem fd^önen ©ejid^t ein gänrifcheS 


unb gehäfftgeS ^l^erg unb eS fei gerathener, 
ein tiigenbhafteS Seib gu minnen, als ein 
f^öneS mit falfchem licbelofen ^)ergen. "Dar^ 
um flimmert ihn ber ©pott ber Seute roenig, 
bie fi(^ barüber luftig machen, bag er fein 
ptxi einem 2)läbchen fepenft, baS groar weniger 
fchön, auch arm, aber, roie er wohl übergeugt 
ift, oon ©efinnung gut unb brao ift. 

@ng oerroanbt mit ben Il^inneliebem, fo= 
wohl im ^onc, in bem fie gehalten, roie in 
ber 3^inigfeit unb Scbenbigüit, mit ber fie 
ber $)id^ter anftimmt, finb bie Sieber an bie 
D^atur. Seither ift ein groger D^aturfreunb, 
unb fo fühlt er fich ftetS in ber freien Ü^atur 
am roohlften. 2)a belebt er ©erg unb ^h^l/ 
gelb unb Salb mit ben lieblichften ©ilbem 
feiner ^hontafte, ba figt er auf lauf(^igen 
©lägehen im Salbe ober auf grünem fHajen 
in ber 5lue unb ergählt ben ©ögelein wie 
trauten ©efannten feine Seifen. Äört er 
ihre ©timmen über feinem ^)auptc, fo roirb 
fein h^iür geftimmt; eS fliegen aüe 
©orgen oeS SebenS, bie ign fonft bisweilen 
brüdfen, er roirb ba am meiften gum ©cfang 
angeregt. Uebergaupt ift fein ©crgältnig gu 
ben ©ögeln ein augcrorbentltcg gerglicgeS. 
3 n ignen begrügt er liebe greunbe, barum 
nennt er fie aueg mit grögerer ©ertraulid^feit 
„©ögelein", mit ignen plaubert er, als ob 
fie gleid^ ibm bie menf^licge ©prad^e oer? 
ftänoen uno erfreut fieg mit ignen ber gerr^ 
liegen Statur. 2lber audp für bie leblofe 9^atur 
fcglägt fein Jg>erg roarm. ©alb feffelt fein 
^uge ein Quell, ber munter bureg bie grünen 
Siefen ficg fcglängelt, halb bie Siefe felbft, 
roo roie auf einem Xeppieg bie ©lumen in 
igrem fegöngen garbenfegmuef prangen unb 
bie Suft mit roürgigen Qüften erfüllen. Sille 
biefe ßinbrücfe ftnoen in feinen ©ebiegten 
einen SluSflug. 5)icfe felbft erfegeinen roie 
ein fonnengcHcS ©emälbe, roeld^eS, fo bunt 
eS aueg gufammengefegt ift, mit allen feinen 
3:geilen ein rooglgcfiigteS garmonifegeS ©angeS 
bilben. Seniger geiter finb feine Sieber an 
ben Sinter. Senn biefer mit feiner Äälte 
unb feinem ©cgnee gefommen ig unb bie ©rbe 
ihr roeigeS Sinterfleib angelegt gat, bebrängen 
ign ©orgen um feine neben greunbe, bie 
©ögel. ©r benft weniger an fidg als an ge, 
unb bie Ütotg, bie gc Sinter leiben, gegt 
igm ;fegr ju v^erjen. ©r gört niegt megr igre 
fröglicgen ©timmen, benn bie meiften gaben 
ign oerlaffen unb bie wenigen, bie bei igm ge' 
blieben gnb, maegt ber Sinter ftumm. 5)a5 
ger möcgte er beS SinterS „grämli^e 3^it" 
oerfcglafen; ja er roill fogar — gier blieft 
roieber feine ©cgalfgaftigfeit burig — in 
feiner ©cr^^roeiflung „ÜJtön^ in Qobrilugf" 
werben, wenn beS Sinters 4)errfcgaft gu lange 
roägrt. 

3 n biefer 3«it, roo er gegroungen ig, nur 
unter ©tenfd^en gu weilen, mag er man^mal 
in ©ebanfen über feine SHcgtigfeit unb uns 
bebeutenbe ©tellung unter ben äWenfegen oers 
gnfen. ©r ift arm, gat niegt einmal ein 
gegereS ^cim, roo er beS SlbenbS fein $aupt 
ginlegt. ‘JJager überfommt ign mancgmal 


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208 


her SBunfd^ nac^ einer angefe^eneren ©tcllung 
unter ben SD^enfci^en, noc^ ©efi^ unb @§re. 
(5r mod^te fid^ gern im ©ep^ eines fie^enS 
felgen, roo er, unbefümmert um feinen Unters 
^alt, nur feinem Siebe leben fönnte. !I)a6 
er pdb fo gan 3 lid^ ru^ms unb bep^loS pe^t, 
brürft i^n etroaö nieber, barum roenbet er pc^ 
an ben Äönig mit ber ©itte: „O fdientet 
nielebler Äönig non fRom mir ©ure @unft!" 
2lud^ in bem Siebe: „ich saz üf eime steine“ 
— tritt uns baS ©erlangen nad^ ©bre ents 
gegen, roo er pc^ auperbem noc^ irbifd^ @ut 
unb (Lottes ©nabe roünfd^t, guglcic^ aber bes 
bauert, bap biefe brei ©üter auf einmal gu 
beppen Ü^iemanb gu Xi^jeil rocrben fönne. 

5)od^ biefe emften Klagen, bie fein perföns 
lid^eS Sebcn betreten, pnben mir feltener. 
Qx fennt mel^r beS SebenS ^eitere 0eite, 
weniger bie buftem unb wenn er auc| arm 
ip, fo lapt er pc§ bod^ babiircb nid^t fo traurig 
Pimmen, bap er p4 gang in fein Seib oers 
rübe. leichtem ^ic^terpnn bc^anbelt er 
ie 9totb me^r ironifA. ©rnper bagegen 
pimmen i^n bie ©rfabrungen, bie er im 
Saufe ber 3^it an 2lnberen gemacht ^at, über 
Untreue, gcinbfc^aft unb D^eib ber Wenfc^en. 
3n biefen Siebern tritt unS ber gweifte ^Kann 
entgegen, ben nid^t me^r bie ÜJUnne fo fep 
^ält wie in früheren Sabren unb bem ber 
©lief für bie ©cbred^cn feiner immer 
geller geworben ip. Unb er entbeeft fo oiele, 
bap er in fc^r ernPen 3:önen gur Umfe^r 
aufforbert. $)ie ©linne, bie fonft bie garteften 
©aubc um bie ÜJtenfd^cn fc^lang unb oerebelnb 
auf pe wirfte, ift auSgeartet gur unfeufc^en 
HJtinnc unb fc^eut ben ^reubrud^ nic^t me^r. 
2lud^ in ben übrigen SebcnSoerf)ältniffen ges 
^ört Xreulopgfeit nic^t mc^v gu ben Seitens 
beiten, 3iiemanb traut bem ?Inbern, ja, mau 
betrügt pdb unb oerbittert pd^ baS Seben burd^ 
©e^äfpgfeit unb Wipgunft. 0f?ur ber ^ic^ter 
lebt nach ber alten guten ©Seife, er iP oon 
ber 5:ugenb nicht abgewid^en unb l^at ein 
offenes ^uge bemalten für bie geiler feiner 


3eit, fo bap er, fo lange feine Seier nod^ 
einen ion giebt, energifd^ gur Umfe^r ratzen 
fann, wenn er aud^ fe^en mup, bap er taus 
ben O^ren prebigt. 

^)iefe eniftcn itlange, in benen er bie 
gebier feiner 3«*t geipelt, werben nur noch 
feiten oon einem beüeren ÜJUnnelieb unters 
brocken, pe pnb bie D^ufe beS gereiften ©Cannes, 
über beffen ^5)icbtung pcb lept immer rne^r 
bie Debatten beS $llter8 breiten. ©Melancholie 
unb Ptepgnation, früher bem $)icbtcr fo fems 
liegenb, oerbüpern feinen fonp fo problenbcn 
©lief unb pimmen fein Sieb ernp. ©r bat 
eine heitere Sugenbgeit burcblebt, wo er mit 
ben ©ögeln beS ©albeS im SBettPreit fang, 
wo feine Sieber fo frifcb unb innig auS feiner 
©ruft quoüen unb er bie bab^*^ greuben ber 
©Minne genop. Jept ip eS anberS geworben. 
0 ein ^aar beginnt pcb gu bleichen, feine 
fonft fo fePc Stimme ocrliert immer mehr 
oon ber alten Uraft, fclbft fein ^erg, fo ftürs 
mifdb eS früher feblug, wirb ruhiger, ©ur 
in Der Grinncrung leben bie oerpoffenen 
3abrc ber in feinem ©eiPe noch biSs 

weilen auf; alle bie freubigen ©tunben, bie 
er burcblebt, gieben an feinem ©eipeSauge 
oorüber unb füllen fein ^erg mit pifler 
ffiebmutb an. 3cne 3öbw erfebeinen ihm 
jept wie ein füper Jraum, oon bem er eben 
erwacht ift unb, weil er bie febönen Traums 
gebilbe oergebenS fuept, pcb Mttcr getäufebt 
fiebt. ©ergeblidb ruft er nach ben alten ©es 
fpiclen, mit welchen er fröblicj bur^ ©Salb 
unb gelb fprang, oergeblicb fpabt fein 2luge 
nach bem trauten ^^Slcipcben im ©Salbe, wo 
er fo oft geruht unb bem Sang ber ©aebtis 
gaÜ laufebte. ©ur bie Quelle riefelt noch 
leife wie oorbem unb gemahnt ihn, bap er, 
was er faum raffen fann, in ber .fjeimat ift 
unb nicht geträumt hat. Unb biefe traurige 
©ewipheit prept fein ^erg gufammen unb 
troploS feufgt er in bie ©Seit hinaus: „owö 
iemer möre ow^“. 

(Schlup folgt.) 


'aHacfttjinl 


Sonne ip gur 9Mub’ gegangen, 
©ämmrung breitet ihre glügel 
©ebirmenb über Jb^^ nnb ^ügel. 
Stillt ber müben ©ruP ©erlangen. 
2lbenbglocfen pnb oerflungen, 
©öglein b^t fidh auSgefungen, 
Iräumt in treuer ^ut ber Sterne: 
Sdhlofe loobl in weiter gerne, 

®ute ©acht, mein trautes Sieb! 


©ingS umber in weitem Äreife 
2llleS ftill —: nur ©acbtigallen 
SoPen noch ibr Sieb erfebaOen, 
Älagenb, febnenb, leife, leife. 

Unb bei ihrem füpen Singen 
©ilen meiner Seele Schwingen, 
^in gu bir, ach wie fo gerne! 
Schlafe wohl in weiter gerne, 
®ute ©acht, mein trautes Sieb! 

7aitr 


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209 


IR-ai 

Ave Maria. 

Still ru^t bcr See, — c§ bämmert Icifc; 

5)ic Sonne fanf am Serge^ronb. 
broben au§ bcr ffialbfapcttc 
Ä(au§ncr§ tönt ba§ ®löcflcin Ivette, 

Sein Sauten jittert burd^ ba§ Sanb .... 

Ave Maria. 

... 9tun l^aßt eö au§ .... nun ift’3 oerftungen, — 

3 n fünften träumen ru^t bcr See. — 

j Unb mie bic 9 ^cbcl tl^alroärtö fc^roeben, | 

I ©ntfliel^t ber tag, cö fc^läft ba§ fieben, j 

I Unb mit il^m fc^lummcrn Sufi unb 3 Bc^. , 

I Ave Maria. | 

I | 


Pem c3wgcn. 

SBcnn bcr Sau bcr SBcltcn jcrbric^t, menn bonnernb 
Sid^ bcr @rbc Slbgrünbc öffnen unb jum 
^immefebogen roolfcnaufftcigcnbc geueräi 
©lut^en cntl^aud^en; 

SBenn bem Jpimmcl funfclnb bcr SK^ cntlobcrt 
Unb bcr Donner rottenb bic Suft burd^^allet, 

3Bcnn bcr Sterne golbenc Sd^oar l^crabftürjt 
Jpod^ au3 bem Slct^cr; 

2Benn baS 2Kecr erbraufet in feinen tiefen 
Unb bic 6rbc fc^äumenb bebedPt, ba roedffi bu 
3luf bcr tobten ja^Uofe Sd^aaren unb e§ 

Älaffcn bic ®räber. 

taufenb brängen fic^ bann unb aber taufenb 
Sor bem em'gcn throne, non bem bu Segen 
Spenben mirfi unb gludji unb pc jittern oor bcr 
Sap il^rcr Sünben. 

Unter i^nen merbe auc^ id^ bid| flauen; 

Stber jagen roerb’ brum nic^t, ta§ beben 
geige Seelen. §immlifc§cr merb’ id^, größer 
Dann nur mid^ fugten, 
fetter roirb bcr göttliche gunfd Pammen 
®ieine§ ®cipc§, (ebig be§ ©rbenPaubcö 
®lcic^en Stoffs fü^t id^ mic^ wie bu, aßmäc^t'ger 
^errfc^cr ber SBelten. 

SBonnefc^auernb merb’ id^ alSbann mid^ naiven 
Unb mic| an beinen göttlichen Sufen merfen 
Unb eS mirb mir flrahlen bie treu gcfud^tc, 

(Smige SBahrheit. 

Sk. ^eilenpaiit. 


fiS-^- 


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210 


^ a n D m e 6. 

©nc SRl^apfobic. 

©mpor, empor tm Icud^tcnbcn aWorgcnglanj! 

©inpor, empor ju etoiger §immer§ruft! 

Sreit’ mut^ig, Slar, bie {luggeiool^ntcn 

Sehnigen Sd^mingen fü^nftem glug au§! — 

Sd^on finft ber ©rbe quoimcnbcä SWebelbüb 
lief unter mic^ in fc^minbelnbe Dämmerung, 

Unb üon ber aKcnfd^cn Slngft unb 9tot^ bringt 
Äaum ein oemc^mbarer ^aut mc§r aufmärtö .... 

3^r, graue 3Bolfen, feib mir gegrüßt! ffiie oft 
SWit ncib’f^cm^ Sliefe mag ic^ bie Sagn cuc^ nac^, 

SEßenn il^r auf Stürmet f^neUem gittig, 

9täd^tigc ©oten, im glug ba^injogt! 

9tun fc^meb’ ic^ jauebs^nb, ©toljc, mit euc^ im SRaum, 
3 >m uncrmcglic^ grogen! boc^ ^ö^cr, traun, 

9llö i^r! — §inburcb! l^inburc^ burd^ eure 
©rütenben Dünflc jum flaren 2(ct§er! — 

O Oöttevluft, fd^on begnen fic fi^ oor mir, 

@lcid^ trägen SRiefen, tief in unenblid^en, 

Orabbunflcn gernen! 9ld^, unb broben! 

Droben nur lac^enbeä ©lau, fein Duft me§r! 

3 cu§, ©ötteroatcr, l^örfl bu mein 
Üuftfe^ouernb bebt bie bienenbe Jponb mir fd^on. 

Die fügen 9teftar bir, bem JpeiPgen, 

9 teic^en foQ! §örfl bu midb? — ^ör mid^, ©otcr! 

^)crj, ftürmifc^ roilbeö, jügle ben Drong nun! 9lug’, 
©lanjtrunfneö, fc^roeif nun fe^nenb ni^t me^r l^inauä — 
6 § fagt mid^, l^cbt mid|, l^ält mid^, fügt mid^l 
©migerl $err!id^cr! B^uS! Da bin id^l 

_ 8«rf fugen 


^3^ e I f e f m i e 6. 


Du nennft mid^ einen ©crfefc^mieb —: 
©in mol^l bamit jufrieben: 

Bn biefer eifenl^artcn 

®itt’ö auc^ ben ©erö 511 fd^mieben; 


3 n ©affen garrenb, bebarf bie 3 «f 
Des glut^gc^ärteten Siebes, 

Das Äampfgemü^l ber 3^^ bebarf 
Des — ©erfcroaffenfd^miebcS. 


SloOerl fefsfer. 


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211 


I»-S1 

foßnt W 

@3 lag ein Sfticfcngcift am SQßirbriftromc 
®cr crotg o^nc 3*^^ ^influt^cnbcn 2ltomc. 

@r griff ^inrin, er batitc fle jufammcn, 

I Unb er burc^brang ben ®all mit feines ObemS giammen. 

9tun fc^mamm, mit i^rer Oceane loben, 

I I)ie (jrbe ^in am §immet fternburd^rooben, 

I 3^ roeld^em 0terb(id^e ben ®lidf erhoben. 

I Unb als baS 2Berf ootlbrad^t, fein Schöpfer fprid^t: 

„6S lol^nt fic3^ nic^t!" 

®enn feinen ©ötteraugen lag tm Sichte 

®iS ju bem lebten Saum bie mepbenbe ©efd^it^te. 

(5r fa^ nad^ leerem 9^ul§m bie §elben trad^ten, 

Um ein geraubtes 3Beib fid^ ®ölfer^eere fd^lat^ten, 

©al^ 3ungfraun mit jerriffenem ©emanbe 
®on frecl^en Siegern bulben Seib unb Sd^anbe 
Unb 6ble fallen in ®errät^erbanbe, 

Unb bann ein fpät unb unfrud^tbdr ©eric^t. 

@S lol^nt fid^ nid^tl 

Der Sänger ^olben Siebern moUt’ er laufd^en, 

Dod^ un^armonifc^ Hang hinein beS ÜKarfteS Slaufd^en. 

^ 6r fa^ ber ©ötterbilber Sc^ön^eit prangen 

Unb um fie l^er bie 3Belt im 9riebrigflen befangen. 

I (Sr fal§ bie gorfd^er in baS Xieffte bringen, 

I beS ©ebanfenS lid^te ^ö^n ftd^ fc^mingen 

Unb bod^ beS ^erjenS grieben nidj^t erringen. 

(Sr las in aller Singejtd^t: 

@S lol^nt ftd^ nid^tl 

SBol^l fämpfte oormärts biefe SBelt jum g^eiem. 

Sie magt’ eS, ber Statur ©el^eimnig ju entfc^leiern. 

Dod^ med^felte baS Seben nur bie Äctten, 

®ermod^t’ auS Unfal nur in SBirrfal flc^ ju retten. 

3e reid^er bie ßmpfinbung fid^ befaitet, 

3e tiefer flingt, maS feinblid^ fte beftreitet; 

3um Slbgrunb füp bie Seele ji(^ geweitet. 

®n Drauerfpiel wirb biefeS SGÖeltgebic^t. 

6S lol^nt fid^ nid^t! 

©d^on flredft er auS beS ©ötterarmeS ©tärfe. 

Sernid^tung bro^t fein 3orn bem fü^nen SBunberroerfe. 

Dann ^ält er finnenb an; er laufdj^t ben Stimmen, 

Die lufti unb fd^merjenSooH in allen Süften fd^wimmen. 

Stun fprid^t er löd^elnb: ,,^ 6 ) miU weiter l^ören 
Den ftreitenben ©efang oon taufenb ß^ören. 

300^1 war’ eS leicht, in’S S'tid^tS i^n ju ^erftören. 

Den SBec^felbalg oon ginfternig unb Sidj^t — 

6s lol^nt pd^ nid^tl" 

_ iihotf SStieger. 


•) 3lu8 „©titb unb werbe*', einer nod^ ungcbrudftcn 5)idjtung. 


b-lä 


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212 


IS---^^-«1 

^(Qneefluim. 


^mmer toöcr, immer bici^tcr 
Sßirbcln fic, bic roilben j^oefen, 

Unb ber Sturmminb fauft bajroifd^cti 
®umpf mit braufenbem gvo^toefen. 


®od^ ^inroeg, i^r ©pufgcftaltcn 
®angev lebenSmüber Iraucr! 

®ring’ ^iubur^, mein @eift, unb banne 
3)iefe§ JobeSflurmcS ©d^auer! 


9Bie ein büftrer grauer ©d^leier 
®rcitet’ö ficb nor meinen ®d)ciben; 
@rb’ unb ^immel finb ocr]d)n)unbcn 
3n bem wirren müften ireiben. 


©ic^, ber ©(^Icier roirb (tdb lüften 
Unb ber pnftre ®rau§ nerfd^minben. 
Xic oerfunfne ©eit, bu wirft ftc, 
Cb oeränbert, wieberpnben. 


3lft eö bod;, alä ob baö £eben 
Um mid) l}er oerfunfen wäre, 

Unb ic^ ftünbe nun nereinfamt 
$ier in öbem S^ebelmeere. 

®(eiern wie ein ?(lpbrucf finft mir’ö 
5luf’ö ®emüt^ unb pre^t eö nieber; 
5Uter ©cbwermutl^ D^ac^tgebanfen, 
§alb oergeffne, fe^ven wicber. 


3J?ag ber ©c^nee bie bunten garben 
lilgen, 9UIe§ neu geftalten: 

im Sa^rtuc^ wirb bie @rbe 
6ine eigne ^rad^t entfalten. 

©erg unb I^al im ©tra^l ber ©onne 
©irb mit taufenb Sichtern flimmern, 
Unb ber ©alb in jarter ^nmutl^ 

©te ein 3ou^f^lfntpcl fd^immein. 


grifc^er groft^aud^ wirb belebenb 
2UIe ^4^ulfe neu bur^bringen, 

Unb in l^ellem ©intcrfubel 
2Ragft bu beine lieber fingen. 


#tti^ non $<(än0etg. 


im 'pdföe. 

^ier lafet midb fäumen tief im ©albe 
Unb ru^n im rotten ^aibefraut 
5ln fonnbeglän^ter ®erge^§albe, 

Carob ber ©ommerl^immel blaut. — 

DUd^tö t^un, nid^tö l^ören, alä ba§ 9ftaiifcben 
5)cv ©äumc über meinem ^aupt 
Unb nU bem ©inbeöflüftcrn laiifcben 
©iK^enwipfeln, bid^t belaubt. — 

9iic^t§ müd)t' ic^ fd)aun, bie 9lugen (erliegen, 
®er ©clt entfernt unb i^rem ©cbein. 

9hir grieben will mein ^erj erliefen, 

Unb all mein ©eignen fc^lummert ein. 

9}lir ift, al^ tränf id^ neueö X^eben 
Unb war’ evlöft oon altem ©a^n 
Unb fönnte 9llle§ nun oergeben, 

©aö man im $a^ mir anget^an. 


i _ ß. fatwer. 

L--« 


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213 


-SS 

PoifBiunnefetn. 

O Srünnclein, Heb ©rüunclein O nein, o nein, ^iT'orfbrünnelcin, 

unter ber fäujetnbcn ^inbe, 5)u roirft nid^t mübe beim Sc^mä^cn, 

9Sic liebt im ®ovf bic^ @ro^ unb ^)ältft -l^lauberftünbcben für ©ro^ unb 

Älein, Älein 

9Ba§ plauberft bu im 3)?onbenf(^ein Unb labefl ftctö luicber ju morgen ein, 

SRit meinem blonben Äinbe? Unb fc^offft ftctö neueö förget^en. 

3)er Ärug fte^t unter beinern Olo^r Unb fleljft bu allein, unb roorb eö ftill, 

Unb lief fc^on ^unbertmal über, So plauberft bu bennoeb meiter 

5)ocb feine ^onb jic^t i^n beroor; ‘?ie ganje 9t'acbt in ^üU’ unb güU', 

35enn mer baö tbät’, ber mär' ein Viebeben enblicb fcblofen mill, 

jCann mär’ jo boö ^^loubcrn oorüber. Unb Dkcbtigoll* fingt beiter: 

„O Srünnelein, lieb ®rünnelein 
3)ort, unter ber fäufelnben Sinbe, 
ffiie liebt im 2orf bicb @ro§ unb ’Älein, 

2öaö plauberft bu im üJ?onbenfd}ein 
3J^it meinem blonben Äinbe?" 

3tttboff SSttiige. 


cSieö im 'g^oläslon. 

Unb mein Siebfter ritt luftig ^um Zi}OXt binou§, 
3Jfein Ströuglcin am ©ifenbut, 

Unb er roinfte nodb maneben Sebeibegru^ 

Unb icb glübte oon feinem lefjten Äug, 

2)eun idb mar ibm oon ^erjen gut. 

®ie Stofen blühten unb Scigelein, 

®ie SRa^tigaU flagte im 3Balb; 

3}?ir febmoU oor Sebnen baö jungfrifebe ^erj, 

3cb frug bie SBolfen in bangem Sdbmerj: 

Sagt, fommt mobl mein Siebfter nun halb? 

Unb er fam, mein Sträuglein am ©ifenbut, 

93on feinem Slute fo rotl;; 

Unb gar 33iele gaben il^m ba§ ©eleit 
Unb icb n)einte gar bang bie gonje 
®cnn acb, mein Siebfter mar — tobt. 

ffia§ mebt ibr 3Binbe, ma§ lacbft bu, JBclt, 

3lu fonnengolbnem Sebein? 

3J?einen Siebften pnbet ibr nimmermebr — 

O, fönnf icb fterben, fo jung mie er, 

Unb nibn im bunflen S^rein. 

3 lo0etf 




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214 


'^ü(ftfoi5eiunö. 

red^ncnb |^ält bte Siebe feil ®nim, fpridbl flc bic^ liebt, 

6in ©tücfcben i§rc§ Slüt§enfranje§; öffne roeit unb fül^n bie ^önbe, 

©ie fennt fein jubemeffen Il^eil, Unb nimm bie ©penben, bie ftc giebt, 

giebt fie ober giebt i^r ©onjeS. il^rer güüe fonber 6nbe! 

©ie ift bie ^Idoerf^roenberin, ©ie i]t bie Sldbege^renbe, 

®ic ijürftin aller ©eberinnen; Unb ^ot fie etrooö bir gegeben, 

©ie füp, olö ^öd}fte ©penberin ©ift bu ber i^r ©e^örenbe 

SÖSirb ^öd^fteS fie jurüefgeminnen. Unb forbert (tc jurücf bein Seben. 

_ S^enfen. 


Pie biei ‘^age. 

3mmcr an bem nSd^fhn ?^age, „©inb bie ®ogmen meinet aWeiftcrö", 

SBcnn id^ roor bei meinem Siebd^cn, Stag’ id^ fü^l, „unmiberleglid^? 

©i<j’ i^ über meinem ^lato ;3|l füt ftaubgeborne 3Kenfcben 

©mft in meinem Slrbeitöftübdben. Steine ©eiftigfeit erträglidb?" 

äJtit ber SCSal^rl^eit Äraft ocrglicben, ®er ©erlauf be§ britten lageö 

©dbeint mir alleö 3lnbre fdbn)ädblid|, ©teigert leiber bie ©cbenfen; 

Unb idb meibe bie ©enüffe SReinem greunbe ©lato möc^t’ ic^ 

®iefer ©d^einroelt alö gebredblid^. ©eine ganje SBeiö^eit febenfen. 

Slber menn ber £age näd^fter „Sllter ©nedbe!" ruf’ i(b ^ümenb, 

3Jticb geroedft au§ tiefem ©cblummcr, „Steine ©eblüffe finb betrüglidb!" 

©0 befd^leidben leife Unb ju meinem Siebeben febr’ i^ 

ajtidb 5 u meinem tiefften iiummer. Äurj cntfcbloffen unb oergnüglicb. 

_ S^iffefm S^tuitn. 


Peine ^liefe. 

®a6 midb’ö nicht ju febr befeure, Sieber 2)i^ter! Unoerfänglidb, 
©proebft bu midb gar förmlicb an, Slber bodb beglücfenb flingt’ö; 

Sllö idb beiner ^nlb, bu roarm empfänglicb/ 

3;üngfl ein ©rieflein abgemann. SJtädbtig in baö bringt’^. 

Saffe, bat idb, ©erebrung, ©elig lobr’ idb immer lichter — 

©dblic^c mehr bein ^erj mir auf! ©in id) auf ber rechten ©pur? 

4^11, in jogenber ©emäbrung, ©nblidb ftreicbft bu auch ben 3)idbtcr, 

©ebriebft mir „Sieber Sichter" brauf. 5llfo bleibt bein „Sieber" nur. 

Unb fdbon mödbt’ ich fHll mir fagen: 

SJtebr noch giebt, bie fo oiel giebt! 

©iö ich bidb barf fubelnb fragen: 

;Jft bein Sieber aud; geliebt? 

^lepfan gKifoio. 


_-____ £8 


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215 


;s-Si 

2n '^oinpqt 

®ir l^abcn ber ®öttin Scrgängtid|feit 

G^rfürc^tigcu @ru§ entboten, 

ffiir l^abcn burdbroanbert fo manche 3^*^ 

®ie febroeigenbe Stabt ber lobten. 

febreitenber gug gebaöt 
5tuf bem aiten ^aoapflafter, 
darüber bereinft in S^tenfebengeftatt 
©eroanbelt lugenb unb Safter. 

2Bir [(britten bie ©affen hinauf, binnb, 

®cr SSinb loar unfer ©cleite, 

3Bir f(bauten non manch’ oerfaQencm ®rab 
§inau§ in lacbenbe JBeite. 

SBir jogen oorüber ftaunenben ®Ii(fö 
Stn freöfengefcbmücften 3Jtaucrn, 

®ie 9täbe eine^ geioalt’gen ©efibicf^ 

©mpfanben mir nadb mit Sdbauern. 

®ocb ba mir unö enblicb mübe gefebaut 
5ln 3Jtavft, unb Sebenfen, 

So tag un§, benen ber ^immel noch blaut, 

®e§ Jtecbtö ber Sebenben benfen! 

SBir taufebten ftumm bem erhabenen SBort 
®er Söelt, bie einft bi^^ beftattet, 

Dtun tabet bie Ofteria unö bort, 
jRingö oon (Jppreffen umfebottet. 

9tun labt im ®ta§ un§ ber funfelnbc ©ein, —• 

5tcb, tag uns trinfen unb fingen, 

Sag, ba er nodb teuebtet, bem Sonnenfebein 
®en ootten ®c(bcr unS bringen. 

Unb fann auch unS febon ber merbenbe Jag 
®erfcbüttcn im geuerregen. 

So lag uns banfbar, eS fomme, rooS mag, 

9^ocb manbeln auf btübnben ©egen. 

Sttoeb motten mir freun unS beS rof’gen SiebtS, 

®cg, bag mir atbmen unb leben, 

3urücf oon ben froft’gen Schauern beS DiidbtS 
Uns froh jur Sonne erbeben. 

Unb meeft unS einft auS bem ®unfet ber 5tacl}t 
I 5tucb deiner ciuf’S Dicue jum Jage, — 

I ©ir btibcn gelebt, mir bobcn’S oollbradbt, 

; ©aS frommt unS bie eitle Ätagc? 

I ®en ®ed)er gefüllt unb bem bolben ^eut 

(^in fiibelnbcr @rug fei entboten! 

®aS fei bie Sel^re, bie mabnenb unS beut 
®ie febmeigenbe Stabt ber Jobten! 

itotttab fefmauiu 


8$-^-ä 


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216 


^ein '^atei^aus. 

SBittfommcn, ®Qtcrl^au§! ®cit langen 3!a^ren 
23etrat mein %\i^ bic liebe ©c^roellc nid^t; 

®a^in finb Spiele, bic mir treuer maren, 

®Q^in bic Äinb^eit, fonncn^cH unb (ic^t. 

$icr ift ba§ geboren, 

5So mi(b bie 3)iutter in ben 0d)laf gcroiegt, 

9?oci^ tönt i^r liebet Sieb mir in ben O^ren, 
dlo^ fel^ ic^ mi(^, an i^rc Sruft gef^miegt. 

®ort ftanb ber Scl^nftu^l in oergangnen lagen, 

Cft flickte id^ in feinen Firmen ^u^’, 

®ie flcinen ©lieber bel^nf ic^ ooH Scljagcn 
Unb fa^ bem ®an^ ber ©onncnftäubc^en ju. 

®ro^oater§ Änic, auf bem ic^ mic^ gefc^aufclt 
So ftolj unb fro^, mar meine (5ifenbal)n; 

3^r rof'gcn iräume, bie midb ba umgaufelt, 

SÖol^l niemals merbet i^r mir micber na^n. 

®ie SonntagSpuppe mit ben rotl^cn ffiangen 
33eflagf idl) tief, als fic in Si^erbcn bra(f|; 

5ld^, Zieles ift in 

Unb mand^er eitlen Hoffnung feufjt’ id^ nad^. 

Jeb roo^l, leb mo)^!! 9Ud^t länger barf i^ fäumen 
3m 33atcr^auS, roo id^ fo glücflid^ mar, 

®enn grembe roo^nen jef^t in biefen SJtäumen, 

3ÖO ic^ gcfpicU mit ber ©ef^roifter Schaar. 

9Joc^ eine ®lumc miß ic^ fd^cibenb pflücfcn 
3m ©arten, roo fo traut mid^ 5llleS grii^'t, 

Unb biefe I^räne miß id^ nic^t jerbrüefen, 

®ic auf ben l^eimatlic^en ©oben flicj^t. 

_ Jittita 38;etibcr-^ar6tttg. 


c^inet ^(^funnnernöen. 

So fd)lummre benn! Unb frö^licbeS ©elcite 
3n’S iraumreid) gebe ber entfd)iüunbnc Xag — 

3üngft trugen ^Ijantaficn bid^ noc^ in’S ffieite, 

3e1jt ru^t gelälptt beS ©eifteS glügclfd^log. 

So mirb bereinft an beineS i^ebenS ©renje 
®cr unbewußte ^(ugenblicf bir na^n, 

Unb bu entrinnft nadb froljburd^lebtem Senje, 

3Bic fcl^t bem jag, bonn beiner ©rbenba^. 

_ ^tniff SBeUEopf« 




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217 


'3^ 0 I 6 e i 


@0 Tüte td^ bid^ geliebt, 

@0 fann tc^ nid^t me^r lieben! 
®enn Sdbutt unb 3lfc|c nur 
©inb na(^ ber ®lutl^ geblieben. 


3(db Tüar fo fro^, fo fromm 
3n meinen golbnen lagen; 

3)u l^aft ben ©laiiben mir 
9ln Jieb’ unb Jreu’ jcrfd^lagen. 


Unb roic bie flic^n 

Unb i^re Sen je f^roinben, 

SBill boc^ ba§ arme ^erj 
3!)e§ gricbenä $ort nic^t pnben. 

ji. itunerf. 


'Vaganten-^eimfec^i. 

9^un feib i^r mir üorauögeflogen, 

3l^ir meine Sieber — gro| unb tlcin — 

Unb frö^lid^ fomm id^ na^gejogen 
3ltn Haren §erbfte§fonnenf^ein. 

blaut ber reine ^)immel nieber, 

Unb finnenb fd^reit' id^ burd^ ba§ I^al, 

Unb fc^meid^elnb nal)n bie SReime lüieber, 

®ic id) bir, §errin, fang einmal. 

©a§ bu gebadet, nid^t mirb e§ binben 
3u fügem Jöort bein rotier 3Runb — 

©d^mer ift e§ oft, ben Slang ju pnben, 

®en redeten Slang jur rechten ©tunb\ 

5lu(b mag id^ nimmermel^r ju ^offen, 

5Benn id^ bir na^e, fd^eu unb bang; 

SRur roiffen mödjt’ id^ mal^r unb offen, 

Gb bir mein Sieb ju ^erjen brang. 

®ann leg’ id^ gern bie Seier nieber 
Unb fc^reite rüftig für unb für, 

33i3 idb ben 355eg gemanbert mieber 
3urüd ju beineö @d^loffe§ S^ür. 

Unb mirb bein ®licf mid^ leuc^tenb grüßen, 

®onn fe^lt jum ©ang audb mir ber Oteim — 
fü^lt mein §erj, ju beinen gügen 
3{ft enblic^ ber Sagant ba^eim! 

S^iffeftn jitminin§. 




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218 


§ e H tt n b n 16- 


3Bcil bu mir gicbp, 

nur ein 325eib fann geben, 
233ei( bu mid^ liebfl 
3}^e§r als baS eigne Seben, 

@eb’ id^ jurücf, 

SBaS Siebe mir bcfc^ieben: 

3J?ein 953unfc^ betn @lücf, 

93^ein ^id bein Seelenfrieben. 


@S ift fein Sftaufd^ 

®er roilb erregten Sinne; 

6 S ifl ein loufd^ 

Son ebler, reiner HKinne. 

Sang fträubte fic^ 

ilRcin J^erj unb rang im Stillen: 

91un liebt eS bic^ 

Um beiner Siebe mitten. 






§m 


trägt 

ber meite 3Balb oerborgen 

3!n 

feiner 

jaubertiefen ©ruft 

m 

unfer 

Sieben, unfer Sorgen, 

aa 

unfer 

Seib unb unfre Suft. 

2BaS mir 

gel^eim im tragen, 

3i>« 

Sd^attentempel mirb eS funb: 


®er SGBalb ^ört unfre ^)erjen fcblagen; 
6 r fd^aut unS auf ber Seelen @runb. 

6 r fie^t’S, roenn mir unS glül^cnb füffen; 
Son fern' erfennt er unfern Iritt; 

Unb menn mir traurig fd^eiben müffen, 
®ann fiöl^nt er auf, bann meint er mit. — 


'parti. 

®ie falte SBelt barf’S nid^t erlaufd^en, 
SBie uns baS ^erj nor Sel^nfuc^t bricht.— 
O 3Balb, mo^l magft bu'S meiter raufd^en, 
5)ie falte Söelt nerfte^t bid^ nid^t. 

SRur bir allein ift aufgefc^loffen 
2)er jungen ^)erjen golbner Schrein. 
®id^ mahlten mir jum Sc^merjgenoffen, 
Unb mit uns barfft bu felig fein. — 

3 [a, menn nun halb bid^ milb burc^jittert 
®er $Binterfturm mit grofl unb Sd^nee, 
®ann benfen mir, bu fpric^ft erbittert 
3Son unferm tief geheimen Söel^. — 


Unb ^aft bu lang genug getrauert, 

Unb feiert ber Senj bir bann jurücf, 
®ann benfen mir, bag bid^ burd^fc^auert 
©in @tanj oon unferm SiebeSglücf. 


® fp«<6 

Sd^au nid^t fo fcltfam, fprid^ ju mir, 
®u l^ei§geliebter 3}iann! 

®ein büfterer ©tief jerrei^t mein ^erj — 
3öaS ftel^ft bu mid^ fo an? 

®ämonifc^, graufam nennt man bic^, 
Söärft ^erjloS, liebeleer — 

Unb rief eS auc^ bie gan^e SBelt, 
glaubt’ eS nimmermehr. 




iVL mii^ 

9tur bir gel^ört mein ganjeS Jperj, 

®ir geb’ i^, maS id^ bin. 

3 u beinen 5^6^*^ ' 

Sonft beine fiönigin. 

O fprid^ ein löfenb ffiort ju mir! 

®cin Sd^meigen ängftigt mic^ — 

3Bittft bu mein Seben? ()Umm eS l^in, 
geb’ eS gern für bic^. 


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219 



Gerhard von Amyntor erl^iclt bcn preu^i- 
fc^cn ^roncnorbcn brittcr ^lafjc. 

- * - 

SßoUcnbung bc§ „Sßolframgticb" non 
Julius Grosse roirb baä „5)eutfci^e ^id^ter^ 
^cim" ein neues größeres ^oS „@un^ilb" 
non Gustav Kastropp nevörfentlid^en; bcn 
©toff m bemfelbcn cntlcl^nte ber 2)id^ter bem 
©agenrrciS beS norbifc^cn Sirtert^uniS. 

- « - 

3nt SScrlaje non ©. ©d^ottlänbcr in ^rcS« 
lau roerben im Saufe beS 
genbe intcreffante beHetriftifcbe 2öcrfc erf(^cis 
neu: „2(uS meiner ißaterftabt. $)ie ^^ßerfia- 
nifÄen Raufer" non Wilhelm Jensen; „‘»Die 
jtöcpter Sübe^ablS", Spontan non Rudolf von 
Gottschall; „grül^üngSflimmen", Dioneüen 
non Otto Roquette unb „(5ine Orientreifc" 
non Paul Lindau. 

- « - 

Unter bem Xitel „^uSgeroä^lte 9?omane" 
non Friedrich Spielhagen rcirb bemnäd^ft 
ein ^pcIuS ber großen 3^itromane beS X)i^= 
terS tn roo^lfeiler, .aber gut auSgeftatteter 
SieferungSauSgabe erfd^einen; ber (5i)cluS 
roirb folgenbe fRomane enthalten: „^robles 
matifd^e 9^aturen'' — „^>ammcr unb 2lm- 
— „3*^ unb (^lieb" — „©türm? 

a "* unb „Oie non §o^en(tein". (S. ©taaef^ 

Uf ß^iPöiöO 

- ♦ - 

Otto Franz Gensichen lägt foeben feinen 
erften größeren 9?oman „Oer ÜRabonna!" 
erfd^einen. (O. 3uufe, Berlin.) 

- ♦ - 

Max Kretzer l^at einen neuen Dioman, „Oie 
©ergprebigt'', nollcnbet, rocld^er im SSerlage 
non ^icrfort in OreSben erfd^einen roiro. 

- ♦ - 

Ludwig Anzengrubers neues 33oIfSfd5>aus 

E „$cimg^unbcn", rocld^cS bcfanntlid^ mit 
großen ©rillparjcr^^rciS gefrönt rourbe 
unb rürglic| im SeffingsXb^ater in 53erlin 
mit ungcroöj^nli^ großem ^folgc in ©eene 
ging, erfd^eint im Saufe beS Februar bei 
^ierfon in OreSben in 33ud^form. 

- « - 

Orei neue ^r^ä^Iungen non Ernst Wiehert 
gelangen foeben unter bem Xitelv„OaS @rafen= 
rinb unb anbere ^'foneücn" 3 ur ^^ublifation. 
(@ebrüber ^aetel, ^Berlin.) 

- « - 

„üRobemc Xenien* nennt Emst Ziel „ein 


(^laubenSbefenntnife in ©prüd^en unb ©tro= 
pl^en", roelc^eS nor Äurjem bei §. ^>aeffel 
in Seipgig erfd^ien. 

_ * _ 

„Oie (5bba", beutfe^ non Wilhelm Jordan, 
erfd^cint in ben nSc^ften Xagen in SS. ^ox- 
banS ©elbfberlag in granffurt a. ÜR. 

- ♦- 

3m ©clbftnerlag beS 23erfaffer8 erfd^ien 
nor Äur 3 em „Oer 9ieim in feiner ©ntroidf« 
lung unb gortbilbung", bargelegt non Sigmar 
Mehring in 33erlin. 

- « - 

(Sin intereffanter ^^rojeg fd^roebt jur 
groifdben ber „©taatsbiirgerjeitung", einem 
angefel^enen unb nerbreiteten S^latte S3crlin8, 
• unb bem ©d^riftftcUcr Karl Emil Franzos. 
Oie „©taatsbürgerjeitung" bel^auptete nam« 
lic^ fürglid^, gran;o8 ^abe auS ben hinter« 
laffenen papieren feines nor 36 3o^^^u alS 
©tubent ber 3Rebicin nerftorbenen S3ruberS 
„berauSgebid^tet"; biefe iBeflccfung feiner „lite^ 
rarif^cn (5bre" burfte SrunjoS notürlicb 
nicht gefaflen laffen unb fo but hen ^rojeb« 
roeg gegen bie „©taat3bürger3citung'' betreten. 
- « - 

SllS neuer 53anb ber „(55efcbicbte ber SBclts 
literatur in ^in 3 clbarftenungen" gelangt jur 
SluSgabe bie „(i^efebiebte ber ungarifeben Sites 
ratur" non J. H. Schwicker. griebrieb, 
2«PJ«9-) 


Oie altberübmte J. G. Cotta’sche Verlags¬ 
buchhandlung in ©tuttgart ift^jugleich mit 
ber „SUlgemeincn 3citung^ in SÖcüncben, in 
ben S3efip ber ^erlagSprma (5)cbrüber Äröner 
in ©tuttgort übergegangen. 

- ♦ - 

iRadb bem „S3orfenblatt für bcn beutfdben 
S3u(bbttnbel" erfebienen im 3öj^^« 1888 17 OOO 
neue Bücher gegen 15 972 im 3ubr« 1887. 

- * - 

OaS Siterarifebe 3uPitut ©reiner unb ^omp. 
in Berlin eröffnet ein Preisausschreiben für 
einen Zeitungs-Roman. Preisrichter pnb 
Äarl grcngel, Slbolf ©lafer, Slleyanber ^aron 
non Roberts, 3uliii3 SRobenberg unb ©rnp 
SBecbSler. Oer auSgefebte Preis beträgt 
10()00^f. Oie ©inreiebungSfrift läuft mit 
bem 31. 3uuuar 1890 , 6 Uhr SlbenbS, ab. 
SlUcS 97äberc ip bur(b baS genannte Sites 
rarifebe 3ui^'lut 3 u erfahren. 

- ♦ - 


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^ux nnb int Jlnffttitritiig. IL 

S^ad^bcm §cvr Äarl ^il Jran^oä bereits burd^ nid^rfad^e oerftecfte Slnfeinbunaen, 
als beven Cueüe loir allein bcn blaffen 53robneib nnb bcn 2lerger über baS ftcte Saufen 
nnb ^ebei^en beS „Ü^eutfci^cn 5^id^terr)eint" erfenncn, bcroiefen ^at, roeß ©eifteS Äinb er ifl, 
bürfen roir nnS über ben roürbelofcn, aÜeS Iitcrarifd)en 2(nftanbS baren Ion feiner (Jntgeg: 
nung auf unferc notl()gebrungenc ^Jlbmcl^r in 9lr. 9 feineSroegS rounbern. ®er 2öut^auS= 
brui^, ber biefem §errn bcn letten D^cft oon 'i^cfmnnng raubt, gciat nur, bag unferc ^)icbe 
fiten. 2Ber fid^ baS fauberc ^ac^rocrf, roelctcS er bem neueftcn (9tcn) .^eft feines iÖlatteS 
beilegt, etioaS nätcr bctrad^tet, roirb leidet erfcnnen, bat unferc rootlbegrünbctcn Slnflagcn 
in feiner 2öeife cntfräftet fmb, bat grangoS fid^ oiclme^r bcftrcbt l^at, bcnfcibcn auf (Sd^Ieic^= 
roegen auSäurocid^en. 3Bcnn roir anfänglid^ nod^ Qcroiffc D^ürffid^tcn nahmen, roollcn roir 
ben §crrn nunmel^r in feiner gangen (^cfinnungSgröte an feinen „Dfodffd^ötcn", bic er 
burd^ ein 5lttentat unfrerfeitS fo fetroer gefä^rbet glaubt, fcftnageln, fo bat i^ux fd^rocr 
roerben foü,^ nod^ ferner mit bem ^rufttön gefränftcr Unfctulb fein -0piel gu treiben. 

3uuäd^ft ift eS eine fe^r fütne 53etauptung, bat u)ir nur mit bem cl^cmatigen, nid^t 

aud^ mit bem jetmen 33erlegcr ber „"j^cutfeten 5)id^t-* bitten m cntfc^ulbigen: ,,.$)eut5 

fd^cn ^rofa" — 93crcinbarungen getroffen ^aben, bie babin ge^cn, oat eine gegenfeitige (Sx' 
roäbnung ber beiben IBlätter iicrmieben roirb; bicfelben finb mit bem bergeitigen 93erleger in 
ber Seife erneuert roorben, bat Suferate n i ^ t getaufebt roerben follen, roona^ gegenfeitigeS 
rebactionelleS 3luSfd)rocigen ficb gang »on felbft Dcrfianb. ^S ift ferner eine lügcnbafte 
SSebauptung, bat niir bic ^cubauS’fcbe ^^ßlagiatangclegenbeit guerfl gefliffentlicb uerfiproicgen 
bätten unb‘ nur auf 'Drängen ber !^cfcr gur Darlegung bcS gaUcS gefebritten roären. 
43cgcicbnenb für bic Daftif eines IRenfeben roic gramoS ifl eS, bat er unferc ©rflärung 
unbeachtet lätt, bergufolge roir bereits in einer frühem 'jtummer auf bic Slngclcgcnbeit 
bingcroiefen bullen. ~ DaS eigentbümlid^e ©cfcbicbt^cn non einem ^errn 'ifortig, ber 

grangoS für unfern 3^rl'^um nerantroortli* gcmad)t buben foll, erfebeint unS nur alS eitel 

blauer Dunfl. 3I| uicbt eigcntbümlicb, bat unfer grangoS fclbfl biefen 9<^amcn für 

einen möglicberroeife nur angenommenen bült? bebarf roobl einer ^intertbürc? (5S 
ifl ferner eine auf Döufcbnng Unfunbiger berechnete (^ntftcllung ber Dbatfacben, bic 

„Deutfdbe ^rofa" als berart in ^cfcgirfeln eingebürgert m begeiebnen, bat eS ihren ^its 
arbeitern möglich fei, ben 33rieffaftcn gu ncrfolgen, obne fclbfl baS ^latt ;n bulten. 0oroeit 
uns befannt, ift baS Slatt g, '-ö. in DreSben auch niept in einem Sefcgirfcl oorbanben!*) — 
gerncr ifl eS erlogen, roenn grangoS eS als eine unS befanntc Dbotfacbe binfleUt, bat feiner= 
feits jebem SJiitarbeiter feines ^4?latteS ein ^43elegercmplar über abgebrnefte Beiträge gefanbt 
rocrbc. ^S ift ferner eine abfid)tlid)e Orntflellung ber '^bulfud)en, roenn jener grangoS erflärt, 
bat roir planmätig bereits gebrudftc (i^ebid^te namhafter ?lutoren oeröffentlidbtcn: er rocit 
felbft, ba er trop feiner 5lbleugnnng unfer 53latt mit fo liebeooUcr Sorgfalt ucrfolgt, bat 
bieS nur in oerfebroinbenb feltcnen gaHen bei (:^cbicbten oon mcift aftueUcr 93cbcuti(ng gefdbeben 
ifl. äubem bu^>^u roir folcbe 5luSnabmen nur gemacht, roenn unS ©ebiebte oon ben 
33erfaffcrn felbfl gum 5lbbrucf überroiefen rouroen. Sir fönnen bicS auS ben oorbanbes 
nen ÜJlanufcripten nacbrocifen. (^S ift ferner eine lügenhafte (hxtftellung, roenn grangoS bic 
©tim bul, 3 U oerficbern, bat bic Dbeilncbmcr am ^^>reiSanSfcbreibcn Durch pei ©emeflcr 
mm Slbonnement gehalten feien. Ser ben ^reiS baoonträgt, roirb, gleicbmcl ob er noch 
Slbonnent ifl ober ni^t, gur rechten oon unS bieroon benachrichtigt; auterbem ifl jebe 
plummer cinjeln gn haben. 6inc brciflc Däufcbimg feiner ?cfer nerfucht ^en grangoS, 
inbem er crFlcirt, bat roir feine ^Ibonncnten befäten, bic unfer 33latt lebiglidb anS ^ntereffe 
für bic ©a^e hielten, ohne 9lnfprucb auf ^itarbcitcrfd;aft gu erheben. Soher roeit er baS? 

3fl er als ©pion um unfer ^^auS gefchlicben? Dann hat er fehr fcblccbt beobachtet. Sir 
fönnen ihn babin belehren, bat faum ber oierte ^b^ü unfereS 5lbonnentenfreifcS nnS, gum 
Dheil auch nur gang gelegentlich, (^infenbungen für baS „Dichterheim" gufommen lätt. 

Slfle aber, baS roiffcn roir, freuen ficb bcS (Gebotenen, mag ein ^enfeh non ber geifligen 
©efebaffenbeit eines grangoS baraii h^^ummäfeln ober nicht. Sir haben biefen inbuflricll 
oeranlagtcn, fo oielfacb irrenben „Witter oom @eifl" bisher nur für einen leiblichen ^looeUiflen 

♦) unfern (Ermittelungen bei 12 ber erften unb ongefebenften fiefecirfel unb fieibinftitute ber 
270000 (Stnujebner §dblenbcn ©tabt 2^re8bcn, bem literatur s freunbllcben Skrlageorte be8 Untemebmen», bot 
nur eine biefer girmen „früher bie geführt, ober ouaaWQngel an ©etbeiligung toieber aufgegeben.*— 

®en ®ett)ei8 für biefe Slngaben fönnen mir ^etm §ranso8 auf JEBunfeft ©ebtoarj auf SBeife erbringen. — lEBaS 
nennt man nun nach reebiSüblicbem 83egriffe „X^orfpiegelung falfcber ^botfacben?!* 

k _^_ 18 


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221 


K-^-55 

gehalten; bod^ jc^t jeigt er plö^tid^ al§ anmut^ig fd^äfcnibev J^iimovi|l, inbem er bcs 
hauptet, fein ^latt bo^>e ben fünffa^en Umfang beö unfrigen. aber mand^e (einer 
Sefer biefen 0d^erj für ®rnff i^alten fönnten, (o rooöen mir bemerfen, ba^ unfer ^latt bi§ 

9 bc§ iQufenben iBanbeä 180, bie „^eutfd^e 'Isrofa" aber bi§ gu berfelben 'JZummer nicht 
me^r a(§ 228 0eiten umfaßt, ßubem leibet ba§ arme 35latt an ber galoppircnben ©d^roinoj 
fuc^t, benn noc^ ber oorige i^anb jö^Uc bi§ giir gleid^en ^himiner 284 Seiten. ^T^eS^alb ift 
I roa|rfd^einlid^ aud^ ber ^l^reiö auf lü ^IJ^arf erbost iinb bem ißiicbbänbler ber 9?abatt öerfür 3 t 
roorben. — roerben eben aHe §ebel unb .^)ebelcben in ißemegung gefegt. — ^Ht rceld^ 
(auberen 3Witteln ^err granjoS gegen un§ arbeitet, gc^t audb au§ folgenber fc^ier unglaub= 
lidben SBabrbeitänerbrebuna bemor. fteUt nämlidb ^roei an ficb ganj bcbcutungälofe ')lu§' 
laffungcn ber „®eutfcben 'ßreffe" alö Urfacben unjereS Sprccbfaalartifelä in D^ir. 9 bar, obgleich 
jene 0^ummem am 6. be 3 . 13. Januar erfebienen, mäbrenb bie 9iebaction unferer 9^iimmer 9 
I bereits ctm 5. Stinuar abgefdbloffen mar;*) baS l^orfatibetifetn einer „T)cutfdben '^reffe* 

I mürbe iinS aber überboupt erft burdb .5>errn granjoS* 3Jtacbmerf beEattnf! 

©S ift übrigens bie fopbiftif^e ^Jteifterfebaft gu bemunbern, mit mclcber eS ein granjoS fertig 
befommt, jmei auger allem inneren ^ufönimenbange ftebenbe Slngclegenbciten bermapen gu 
oerquidfen, bafe fie bem 2cfer mirflicb in innerer iBcgiebung gu fteben icbciiien; mir beneiben 
ibn aber um berartige fünfte nicht. — ^^a bie „D. ^j^reffc" bie 4'flicbt literarifeben ^nftanbeS, 
uns non jenen 5lnfeinbungen irgenbmic in Ä'cnntniö gu (eben, ocrabfäumt boUf/ fo bcftellten 
j mir biefelbe, na^ niclen nergeblicbcn ^erfueben, fic in TreSben gu erlangen, am 26. 3anuar 
Vormittags fofort auf telcgrapbifcl)cm 39ege unb fertigten bie i^rmiberung nach 
(empfang beS VlatteS am 27. ;^anuar bereits am 28. Januar nach Verlin ab. 3n jener 
2luSlaffung ber „^eutfebeu ^^^refie" nun marb nufer (5ircular, bureb melcbeS mir um Eingabe 
i rein facblicber ÜJtittbeilungen für unfere Siteraturgefebiebte baten, im Stil eincS menig ge= 

I bilbeten Scribenten tenbengiöS beurtbeilt, mobei nicht eine eingige fachliche Vemerfung uns bie 

.^anbbabe gu einer (Entgegnung bot. ^enugeiebnenb für bie (>)erinnung eines gefdbmeibiaen 
lÖienf^en, ber grangoS nun einmal ift, ermeift ficb Vublen unb innige 2iebeSmcroen 
um baS 2ßoblmollen beS „Teutfebeu ScbriftfteüeroerbanbeS", mobei er eS oerfuebt, bie 
Leitung jenes VlatteS mit biefer gtörperfcbaft gu ibentificiren! 2öir miffen übrigens, 
roic unfer (5ircular in fchriftftellerifcben Greifen aufgenommen ift; mir hohen allgemein, unb 
gerabe bei ben nambafteften ScbriftfteHern, inSbefonbere auch bei oerfebiebenen VorftanbSs 
mitgliebern beS „^eutf-cbeu ScbriftftclleroerbanbeS" unb feiner '9' 
oereine baS freunblicbfte (Jntgegenfommen gefunben. 3[9eldf)e Sclbftacbtung aber fann ein 
I 3}tann befi^en, ber ficb oi^^t f^cut, gu fo maeferen Streitmittcln feine ^uflucbt gu nehmen, 
bie ficb bei rein facbli^^^r (Ermägung fogleicb in ihrer gangen 5lrinfeligfeit cutbütien! 

• 29enn mir biefen ^errn, ber ficb fo fauberer "?}?ittcl bebient, um ficb noch ein ©eil« 

I Aen mit [einer 3cil^fbrol über Jüaffer gu holten, na^ biefen ^Tarlegungcn noch einer 
^olemif mürbigen, fo gcfchiebt eS, um unfern 2efern einniol einen (Einbficf 'in bos Treiben 
I einer gemiffen .ftlaffc oon literarifeben .itlopffechtem gu gercäbren, bie ficb in lefeter 

Oieicbe eingeniftet hoben unb beneii gegenüber bie ebrlic()en ©affen eines beutfehen ScbrirtflellerS 
gumeilen ben ^^ienft oerfagen. ©ir ftellen aifo gunäd^ft feft, bafi unfere bem pp. grnngoS 
gemachten Vormürfe begüglicb beS auf Ummegen ouf feine ^Mitarbeiter auSgeübteu 3o>ongeS 
gum ^Ibonncment, ferner beS raffiuirten ^''oltenS ber 9tbonnenten beim VierteljobveSmecbfel, 
foroie begüglicb rcbactionellcr Ungefebief lieb feiten io Soeben Storni unb 9Mücfcrt in feiner ©eife 
entfräftet finb. ®ie 3o)eibeutigfeiten oon graiigos’ Vrieffaften^^liisfünften finb binreicbenb 
baburdb ermiefen, ba^ er felbft in feinem Vrieffaften mehrfache flfeclamationen nach biefer 
9ficbtung bin beantmorten niubte. (Erft als er fab, baß )eine (Einfenber ficb biefeS (E^aufel^ 
fpiel nicht länger bieten ließen, bequemte er fid) gegmungenermaßen gu beutlicbeu 2lnt= 
roorten. — ©aS StormS Unheil über bie beutfebe Sprif betrifft, fo ßnbet man aUerbingS 
auf Seite 28 im laufenben SobrQong ber „beutfehen 'l^rofa" nur eine Veftätigung biefeS 
UrtbeilS bureb ^^erm grangoS; freilich hoben mir in bem ^emäfd; oon „objectioer unb fubjec= 
tioer Vereebtigung" baS Streben nach 3^®^ibcutigfeit mobl erfannt. iMueb bie gmeite Stelle, auf 
roelcbe grangoS oerroeift, önbert baran nichts; böcbftenS barf man oermutben, baß bie erßere 
SluSlaffung unferm lieben grangoS manche 3nrecbtmeifung feitenS feiner IJMitarbeiter eins 
getragen bot, roas ihn bann gu jenem’gemunbenen ©iberruf oeranlaßt hoben mag; bie .freug= 
unb fcuerfprünge, gu benen ihn unfer Vormurf in ber 9Müdcrtnngclcgcnbcit oeranlaßt, er* 
innem böcbftenS an baS (^ebaßren beS in rittlid)c C^ntrüftung oerfalleneu ÄomiferS. — ßnt^ 
näheren Grläuterung bafür, mie grangoS mit Trichtern erßen ilfangeS umgufpringeu beliebt, | 

roenn er oon benfelben feine Vovtbcile meßr gu erioartcn ßot, oermeifen mir auf bie nach- 

ftebenbe (Erfläruflg beS .^errn Dr. ^nliuS (^'roffe, ber fomit gleich nnS oon bem- 

anftänbigen Verhalten beS »^}errn grangoS ein heiteres 2ieb gu fingen meiß. — So redßt 
begeiebnenb für ben geiftigen (E^efiebtSfreiS eines grangoS ift eS übrigens, baß ber Äoften^ 
punft in feiner famofen JIritif unfereS VlatteS fo gang im Vorbergrunb ßebt. ©ir 
miffen nicht, mie oft er unS oorgercebnet ßot, baß ein $lbonnent bcS „5)icbterbcim" im Scs 
mefter fünf 9J?arf begaßle! Ueberboupt ift ißm Talent für ginangangelegcnbciten unb gefdßäfts 


♦) ÄBie wir nacbträglicp erfafreen, hätten biefc Sturnntem ber „^eutfdjcn treffe'' felbft bei birectem 
SBejuge überhaupt erft am 8. bcj. 15. Januar in unfern §änbcu fein rönnen! 

SS_— 


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222 


li^c (^alculationcn in l^ol^em ©rabc eigen. 3?ei biefcr bcneibenSroert^en @abc i|! eS ja oers 
geibiid^, ba6 in feiner 0eclc bic gciftigcn ©cfid^tSpunftc gang nor bem praftifc^cn ©lief bcS 
(^cfc^äftSmanncä ncrfcl)iDinben, bie fonft ja aüerbingä bei ©curt^cilung einer mafe^ 

gebenb roaren. 2öie fxd) .<>eiT ^rango§ feinem 9^aturell entfpred^enb an bie rein äupcrli^c 
Seite unb nic^t an ben Äern ber 4^inge \o tiucb unfere ©emerFung begüglicb 

bcö Äultuä, ben er mit literarifeben Uebcrbleibfeln in feiner 3cilf<^nft treibt, nöUig mig; 
nerftanben. SBir meinten nicht baö rein ?lcu6erlicbe be§ lRaumc§, fonbem rooOten nur auf 
bic geiftlofc 3lrt unb SBcife bini>fwten, mit ber gransoä gum oöUig n3crtblofc litcrar= 
ifebe ^Fetiej^uien. barbictet, natürli^, roeil ntit folcben Ausgrabungen in ber ©reffe 2ärm 
fliegen la§t. Auch menn er, roie in feinem jüngften ©taebroerf, auf bie nermcintlicben ©or^ 
gitge feiner binroeijt, fo betrachtet er biefclben rein äuf?erli(b unb gäblt mit ber 

©erebtfamfeit eines ^aufirerä bic oerfebicbenen (Mattungen ber “^iebtFunft auf, bic ibm ©flegc 
unb gorberung nerbanfen follen, obiuobl bei ber ©egrunbung ber „^eutfeben ©rofa" bereits 
Otto oon ?eij:ner febr ricbtigjbemcrfte, bafi baSjenige, looburcb fie fi^ oon einem ©latte roie 
bem unfrigen unterfebeibet, ^onatsfd^riften mie „Ücorb unb ©üb" unb „©>eftermannS 
natSbeftc" beffer unb rcicbbaltiger gu bieten ncrmöcbtcn. — (^erabegu erbeiternb rcirft eS 
aber, menn granjoS an feine iOefer bic prablerifcbe grage richtet, bei meinem non beiben 
©lättem „mit DFücFficbt auf ben ©FitarbeiterfreiS uno bic ©erbreitung" für ben jungen 
Oi^ter roobl mehr C^rfolg unb ©b^^ Sii erbofjen fei; bem gegenüber loeifen mir auf bie 
ftetig ma(bfenbc ftohe DFeipe unjerer berühmten ©Fitarbeiter bin, mclcbe oorläupg ben ©lang 
ber „^eutfeben ©rofa" noch oerbunFeln unb auch für bie 3nFunft oerbunfeln roerben. ©er 
aber oerfcbltc biebterifebe t^ebilbc Fennen lernen' roiü, braucht ficb nur in bic (^ebeimniffe ber 
„Oeutfeben ©rofa" p oertiefen. ©Fcbrcrc unferer ©Fitarbeiter febeinen bie richtige Ömpfinbung 
p höben, ba6 ü« baS minber ^'elungcne bei ^errn grangoS anbringen Fönnen. Iböiföcb« 
ift, baß mir febon loiebcrbolt Ü'elcgenbeit batten, bid^terif^c ©aben ber „Oeutfeben ©rofa" 
0 0 r ^errn grangoS Fennen gii lernen. SBir begrüben bann fold^e alte ©cFannte immer mit 
befonberer greubc. — 9SaS bie locitcre ©ebauptung anlangt, ba^ bic „Ocutfebe ©rofa" 
unfer ©latt an ©erbreitung übertreffe, fo bcmerFcn mir bloS, baß mir, öJott fei OanF, 
nicht nötbig höben, fo traurige ©otbfcbrcie auSguÜoßen, roie fie bie „Oeutfebe ©rofa" nacb 
noch gu Fenngeicbnenbcr Steife in ber ©reffe ertönen läßt. Xroß ber maßlofeftcn 3Butb 
fommt aber bei unferm granjoS immer roicber ber praFtifd^c 9Fed^ncr gum ©orfebein: er er* 
fiinbigt ficb mit etroaS gubringlicber 3:bcilnabmc nach unfern ^onorarocrböltniffen. 2Bir 
bcnFcn inbeß nicht baran, feine ©eugierbe gu befriebigen; biefelben geben ihn gar nichts an. 
Süßlich gerabegu ift bie ©ebauptung biefeS ©Fcnfcben: „mir hingen unS an feine 9FocFfcböße", 
eine für unS ebenfo unoerßänblicbe als unferen (^'cf^maef beleibigenbe ©orftetlung. — ©ehr 
munberbar erfebeint eS auch, roenn ^err grangoS gefliffentlicb immer baS ^igentbumSreebt beS 
»Herausgebers unferer 3citfcbrift betont, ©egiebt er oicllei^t nicht feinen „©acht" als $erauS= 
geber bcS oon ihm „gegrünbeten" ©latteS unb ift bic biefeS „©ad^teS" ni^t oielleicbt 
auch oom (Ertrage beS ©latteS febr abhängig?— Oa eS biefem ©Fenfcbcn ©ergnügen macht, 
bic fcbmad^Dollftcn ©erbäebtigungen jegen unS gu oerlaiitbarcn, fo rcoUcn mir, ooroobl ungern, 
nur Furg bemcrFen, baß mir ocrfcbiebcnen loirFlicb bebürftigen junacn 5:atcnten febon feit 
©efteben unfcrcS ©latteS baffelbc unentgeltlich geliefert unb ihnen feine ©palten bis gum 
heutigen 5.ag geöffnet höben. 

JRcebt erbebenb aber n3irFt eS. roenn ein ©latt, baS ficb iö eitler ©elbßbcräucbcrung 
als Hort ber beutfeben Literatur auffpielt, nicht nur feine Abonnenten öffentlich um Almofen 
bittet, inbem cS benfclbcn mit Flarcn ©>orten gumutbet, bcigelegtc unfranFirte ©oßFarten 
für erbetene ©otigen im Sntereffc beS Unternehmens mit ber greimarFc gu oep 
feben, fonbem jept fogar and) coram piiblico bureb bic 3eitungcn männi^licb um ©Fits 
tbeilung ejeeigneter Abreffen bebufs ©erfenbung oon ©robenummern angebt. Sir loiffcn nicht, 
loaS anftanbiger ift, bie ©coölFeriing ohne Sapl um 5 ober 10 ©fennige in Oieftalt oon 
©oftFarten unb ©ricfmarFen gu erfueben ober namböftc ^)icbter in böflicb^in Zon um 
ihre ©Fitarbciterfd^aft gu bitten; SeptercS macht unS ©Feifter grangoS nämlich gum tobeS^ 
roürbigcn ©erbrechen, er, ber bo^ früher unfern Het^öuSgeber perfönli^ mit ben bringlicbften 
©itten um ©efpreebung feiner ©ü(bcr anging! ^in folcber S^cvx fühlt ficb berufen, über 
Sabrung unb ©erlcpung ber ©taiibeSebre gu (Bericht gu fipenü — ©cblicßlicb möchten mir 
barauf oerroeifen, baß cS boeb ficber beffer unb auÄ ei^rculicber ift, roenn ein ©latt ficb öuS 
Fleinercn Anfängen erweitert, als roenn ein mit irompetenftößen ber OFcclamc begonnenes 
Unternehmen aUmäblicb mehr unb mehr babinfic^t; fo böt cS benn S^^txx grangoS roobl= 
loeiSlicb untcrlaffen, unfere Hit^roeifc auf bie ©ermiiiberung bcS in feinem ©latte Ö^cbotenen 
nur mit einem Sorte gu berühren; aud| b<^öte noch eiFcnnt er übrigens burdb feine Fnccbtif^e 
©aebbilbung unferer ©inriebtungen, bie ficb S^r ©aebabmung ber bei Feiner anbeni 3ctt= 
fd^rift üblichen Angabe bcS ©ebactionSfebluffeS erftredft, unS als H^rrn unb ©Fcißer an. 

Um nun baS buiiFle ‘Treiben biefeS ©itterS ber ©eclame noch in baS oöllig rechte 
Sicht gu ftellen, oeröffentlicben loir gum ©cpluß hier einige AuSgüge auS ©riefen beS H^rrn 
grangoS an ben H^trauSgeber beS „beutfeben ^iebterbeim" unb uberlaffen eS lebiglicb uns 
feren Sefern, gu entfebeiben, roann biefcr (Ehrenmann „geirrt" böt: bamalS, als er fi^ als 
greunb unfercS ©latteS gcberbetc unb biefe greunbfebaft auSgunupen trachtete, ober jept, mo 
bie blaffe ^ißgunß auf unfere Erfolge ihn oergebren miÜ. 




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223 


i»-ß 

2ßieu, 11. October 1881. 

2efcn 0ic nur ba§ bciforgenbc ©cbid^t, unb finben Sie, baß e§ J^nen nic^t taugt, 
fo laffcn ©ic c8 uugcbrucft! 2luf ade gäKe bitte ©ie, mir 3^^ e^rlicbeä, ungef^minfteä 
Urt^eil über baS (^cbic^t gu jagen. sÖcrjei^en ©ie — aber i^ bin al8 ?9rifer fel^r jag^ 

^aft.-ben de^eti SBnnfc^eti ffir ba5 ^ebeil^en fc^dnen ^e- 

Qiitiieii5 (folgt bic ^mpfeblungäformel) 

(gej.) grangoS. 

SBien, 12.'J^ooember 1884. 

I (3lu8 einem nier ©eiten langen 53riefe.) 

I ©ie ^aben offenbar baö «nb tpailerffe ©treben, unb bertci foll 

I man imntet unterftö^eti, foiom man immer Sann* (geg. grangoS.) 

I 28ien, 27. 3)Järg 1885. 

^a8 erfte (8ebic^t, ba8 mir glücft, geprt meinem ^datte, ba5 folTeu Sie 

I (baS leptere Sort unterftrid^en) l^aben« (geg.) grangoä. 

Slanbbemerfungen ^iergu finb überflüfftg. — 

?D7an lernt ^eutgutage literarifd^c gecbterftücfcl^en fennen, burcb meld^e bie (?l^re bc§ 
beutfc^en ©c^riftftellerftanbes bejubelt wirb, unb eä Drängt unioillfürlic^ 
bie grage auf: mann roirb ein WejfiaS mit (^eißetbieben ben lempel unjereö ©cbrifttbumS 
reinigen V! 

® r e S b e n: © t r i e j e n, am 30. Januar 1889. 

pie ^ebacftott bes „Pettffi^en 


^ttr 'gUi^ttg^effttttg. 

SBenn (5. grango§ in feinem ?lrtifel ^Ibioebr" auch mein 93olfram8lieb 
erroäbnte, rocl^cä, roie er f^revbt — „oorber unS an^eboten mar, aber oon un8 abgcle^nt 
mürbe, roeil mir principieU nur oöllig UngebrucfteS bringen unb eingelne gropere ^21bjcbnitte 
biejcr I^ii^tung jd^on früher in einem Tiiipterbucb publicirt morben mareii" — jo mup ich 
bieje ‘T^aritctlung aI8 nicht richtig bcgeichnen, ba .^err Q. grangoä überhaupt niemals in ber 
2age gemefen ift, ein ihm ;uge)anbteS 9)tauujcript jener 'Dichtung abgulebnen. 5^er ©ach= 
oerhalt mar oielmehr folgenoer: 2luf eine freunbliche (^intabung beS i^ernt (^. grangoS gur 
9Jtitroirfung an feinem ^Hatt janbte i^ ihm (im ©ommer 1886) oorläufig gur gtenntnips 
nähme bie bereits im ©ächrtfch = ^^*tr*^ 9 Uchcn ^^id^tcrbmh abgebrucfien 59ücher IV unb V 
beS SßoIframSliebeS unb fnüpfte baran bie Slnfrage, ob ihm oieCteicht bie Awjcnbung ber 
noch ungebrucften S?ücher I—III als fragmentarijeher 33eitrag für feine 3cijd^rift miflfommen 
fein mürbe. ^?on bem gangen, erft oiel jpäter in XII Büchern ooUenbeten, 2Bevfe epiftirten 
bamalS nur bie erften fiinf iöücher. 

3luf jene 'Anfrage antmortetc A^err graugoS, ba& er bei aller 3lnerfennung*) ber 
eingefanbten ^^roben hoch principieU nid^tS gragmentarijeheS oon lebenben Slutoren bringe, 
darauf hit^ ift jebe 3ttfenbung ber ungebrurften ^heite beS ^poS unterblieben, unb unjere 
Unterhanblungen hottete in biejer Oiiehtung ein ^nbe. — ©ic eS jeheint, hot bamalS ein 
dWipoerftäiibnife obgeroaltet, beim ben nochmaligen 5Ibbrucf jener 53üchcr IV unb V höbe 
ich 4)errn (S. grangoS niemals gugemuthet. dJIein ?lngcbot betraf lebiglidh bic 3ofcobung 
oon ©uch I—JII. 3o biejer ©enbung ift cS aljo nicht gefominen, aber oon einer „2lbiehnung 
einer angebotenen epijd^en 5)ichtung" fann roohl nicht bic 9tebe fein, ba ^err (J. graugoS 
hoch unmöglich etroaS ablchneii fonnte, roaS er nicht fannte. 3^ ^otte cS für nothiocnbig, 
biejen ©achocrhalt fcftguftcUcn, roeil eS mir nicht gleichgültig fein fann, burch bie obige 
gafjung gleichfam ein ’^^räjubig gegen bie Dichtung im i^orauS crioecft gu jehen, bic übrigens 
nicht „noch manches liebe 3oh’^" bauern, jonbern jehon in roenigen Wonaten im „Teutfehen 
^id^terheim" gum 9lbjchluj3 fommen roirb, um bann jofort in ^.nichauSgabe gu erfcheinen. 

dJIünchen, 29. Souuar 1889. Jttfina ^roffe« 


♦) Tiefe SInerfennung lautete titrigen» »iel lüänuct unb fann butth ettoaige aWittheilung feiner S9ricfe 
conftatirt roerben. 


_iS 


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224 



M. S. in E—f. 3^^ unb roirb 

näd^ftcnä jur iöefprccbung ocrfQnbt roerbcn. 
©0 fc^ncU, roic bie 2)^ci)ten glauben, gebt eS 
bamit aber nicht, ©elbft ilMätter, bie pch 
auäjchtie^lich ber literarifchen ^ritif roibmen, 
fonnen 8^eccnfionen oft erft nach 3ohr unb 
lag bringen. — „5)aä ?<aterhauä" wäre ocr= 
wcnbbar, wenn nicht ber ©chtub fo (ehr ab? 
fiele. 2luch wären ©treichiingen erforbcriich. 

M. L.^in K—g „5ln eine lobte" (unter 
©innfprüche); W. H in A—a „^luntengru^" 
Qu geeigneter 3eit); A. H. in H—d „t^hafel" 
(mit einigen ^enberungen); W. M. in T—n 
„©empach"; A. J. in B—n „^iebeöwerbung"; 
A. B. in H—r „Meum est propositum“; 
H. K. in B—1 „©abbath auf bem Jlrieg3= 
fchiffe" (nur bie erfte (^pifobe); H. H. in 
E—n „©chwärme! ©trebe!" (unter ^Iphoriö^ 
men); H. B. in G—g „©uth" u. b. I. 
„^ampf"; E. H, in E—d „*J)eä grühlingä 
ißccfruf"; M. W. in B—g „'i^ogel 'i^h^uir". 
A n ge nomm en! 

G. W. in F—t a. M. (^a§ ©onett er? 
forbert burchweg fünffüßige 3ambeu); G. R, 
in B—n ; M. R. in K—g (ein Talent, baö 
no^ ber ©chulung bebarf); Rh. D. in D—dt 
(trifft ben Xon oe§ SBolfäliebeö hoch nicht 
aanj); H. H. in P—g (wählen ©ie einfa^cre 
gormen; „gewunfen^ geht nicht); A. L. D. 
in G—a (alltäglich); E. P. in T—n (nicht 
recht burchgearbeitet); A. F. in G—a (beften 
ranf für 3h^^c intereffanteu ^llittheilungen; 
wir werben bem (55runb 3h^^^ 5yerbacht§ auf 
bie ©pur gu fommen juchen); }\. VV, in 
M—g (aügu befcheiben); P. B. in N—dt (gu 
wenig charafteriftifch); W. E. in H—g (fehlt 
Rare Durchführuim beö (^ebanfenS); H. H. 
in H—g; H. C. K. in B—au (ju blumig); 
J. G. 0. in B—1 (oon 3huen bürfen wir 
©effereö erwarten); H. B. in D—n (gebanf? 
li^ gu unfertig); A. B. in M—n (baä 'i^rünn: 
lein fließt augu fpärlich); 0. S. in M—m 

( 0 ( 41 u 6 ber Stebaetfon bfefer 


(ohne innere 53egrünbung); M. S. in M—1 
(formell gewanbt, aber gu breit angelegt); 

F. E. in F—g (theil3 baroef, theilä oerbraud^t); 

G. B. in D —11 (nicht wuchtig genug im 2lu8? 
bruef); A. 0. in W—n (ohne fraftooHe 
Gigenart; hoch lajfcn ©ie mehr (eben); A. 
S. in R—s (gortfehritt erfennbar); E. H. in 
Z—a (ni^t ohne latent, läßt aber bo* bie 
rechte Ürfprünglichfeit oermiffen): F. F. in 
C—d; R. S. in L—au (bie 5?allaoe oerlangt 
größere jlnappheit); C. N. in B—n; R. K. 
m S~e (gu alltäglich); R. S. in 0—n (thcilä 
formell mangelhaft, thcilä inhaltlicb nicht ge? 
nügenb au§geftaltet). Dankend abge¬ 
lehnt! 

F. S. in B—n. ©ie bießten: 

Stknn bolbe ^rübling^blütben fpric^en 
^ann fenb’ iw mein Okbiebt nö(b Striefen. 

2Bir erwibern: 

2öenn Sic, (^febäbter, bo« nur lieben! 

M. S. in B—m. ©ie hntteu jene ^l^rief? 
faÜennotig nicht (o tragifd^ nehmen foHen! 
^iefelbe ^alt burchaub nicht au§fchließlich 
3hnen; wir wollten gleichseitig alle unfere 
jüngeren ^Mitarbeiter barauf hinweifen, baß bie 
^ermeibung formeller !Machlä)Tigfcit bringenb 
gu wünjehen fei. 2llfo fei bie ©treitapt bc? 
graben! 

C. P. in W—ch. 3hr ^ndh wirb befpro^en 
werben; ba§ (^ebicht ift gu lehrhaft gehalten. 

21tit ebenfo großem Unwillen alö 
53ebauern oernchme ich, boß oerfchiebene 
5lbonnenten oon einem, auS meiner iöerlagä? 
hanblung ingwifchen bereits oerabfehiebeten 
Ülngeftelltcn in ungiemlicher SSeije an bie ©e? 
glcid)ung rücfftänbigcr Beträge erinnert worben 
finb. 3^ ^>in leiber gegwungen, mich in Gr? 
lebigung gcfchäftlicher 2lngclegenheiten burch= 
aus auf mein itcrfonal ;u ocrlaffcn unb 
bitte, biefe unliebfamen iöorfommniffe gu 
cntfchulbigen, welche ich burd)auS mißbillige. 

'^3aul ^leinge. 

»lummer: 2. fjebruar 1889.) 


j^nhartspergeteSnig. 

•ebiditc bon Detlm ^rtberr oon Cillencron, Pont PoOaik, €n|lao Jollie, f|. Prttenpanl, Corl Cfnorn 
ddinitM, Pobert (Deibtltr, Abolf Prirqrr, CSrnft oon dtbbnber^, P. Carmrr. Pnbolf Pnngr. Pobert 3dinh, nuibüm 
3enrm, WUbelm Pensen, dtepbon ÜKloio, fonrob Prtmonn, Anno WrnbrUillorbnrq, Comill WrUliopf, A. Pnnert, 
fPilbrlm Artninini, A. OeffrB, CSbrifUnn idunitt unb cftoilor. — IPaUber non brr Ooqeliorfbr. IBon UP. Corenj. — 
Citrrotnr nnb finnft. — (Pfmrr ^prnbfoal. - 6r{rfr<balter. 

nut nutet genanet ^nelTenangaOe geblattet. 


I tBefleüungen ftnb gu richten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag), Ginfenbungen 

an bie Redaction des „Deutschen Dlchterhelm“ In Dresden-Striesen, Gommiffton; 
Trüb’sche Buchhandlung ( 91 . ©ci^mtttner) in Zürich unb E. Steiger k Cie. in New-York. 

K-St 

Ghef< 99 ebacteur unb Gigenthümer: S^aitf e^etnie, IMebacteur: Stuboff poetle* 
fCtntf bon Sc^bbiaiib Xhomag in XreSbat. — t^opict bon bo XreSbener ipapkrfabrtt. 


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Drgan für DiititSuufl und (Der „Drutfffieii Diditerfiiiffe“ 18. £(iiiil.) 

Herausgeber: S^attf 


Po4 beinern <$er}en l^elTe 

Jw reinen JStanb bie $aSe }n empfangen^ 

9ann weiH id^ fi^er: fie war fi^bn nnb gut. 

3Sii biefetn Stid^tfpmc^ ira|’ id^ alten ^pbitern: 

S^aa bnr4 bas ^ener beiner SSrnfi gegangen, 

Pas i^ gefeit nor ^enfc^en nnb vor ^diternl 

^einrii^ SSttfif^^npi. 



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226 




-5S 



'pttft^ei pon 6cx oflefipeiöe. 

S5on gft. <^orett}. 


(@d)Iu6.) 


11 bcr ^ßcl^mut^ gefeilt fiA ber 
0d)nicq um fein ^Satcriaiib, 
roie ci* aud^ in bem 0 c^Iuf 3 = 
liebe: .,ow0 war sint ver- 
Bwiiruien allin mihni jar!“ 
eigenes Seib unb Jammer um fein ©aterlanb 
jufammentrefjen. ..Uns sint unsenfte briewe 
ner von Rome körnen.“ 3^ieS ift ber Önmb, 
roamm im ganjen D^eid^e ber frö^lid^e 
fang nerftummt i[t, marum bie Jugenb fic^ 
nid^t me^r Belufligt mit Xanj unb steigen, 
ja felbft gegen bie 2Rinne falt unb iincm^ 
pfinbli(^ geroorben ift. ('g ift bie traurige 
3eit, bie je^t über ^'eutfi^Ianb ^ereingebrod^en 
iftf bie 3ung unb 5Ut nieberbrüeft unb jebem ’ 
baS v'nerg ferner mad^t. “IDod^ deiner fül^lt 
ben 0^mer; lebbafter, als Sßalt^er, ber flarer 
im ^licf als alle feine beutfe^en ßanbSleute 
ben Rlud^ beS 33ürgerfriegeS noll fannte unb 
barum über bie 0cbäben unb 2öunbcn, bie 
er bem Sßaterlanbe (erlägt, in laute Klagen 
auSbrid^t. 

0 c^on in ben ©ebid^ten, meld^e er frei non 
allem politifd^en ißeiioerf frül^er auf sreutf^= 
lanb fang, ^eigt er eine roarme Siebe für fein 
93aterlanb, uno fo fann eS unS nic^t jßunber 
nehmen, bag er bie Kämpfe ber einzelnen 
Parteien gleid^fam mitfämpft unb an 3UIem, 
roaS im 9^ci^e norfällt, lebhaften 9lut^eil 
nimmt, ^r fennt, roie er in bem Siebe: „ir 
sult sprechen willekoinen“ — auSfü^rt, 
fein fepönereS Sanb, atS 5)eutfd^lanb, feine 
Heimat. ;^a er ift ftolj barauf, i^m ange= 
hören 311 fbnncn, beS^alb min er eS ftetS im 
lUeb ner^errlic^en. Unb mie er felbft nid)t 
nöllig gleic^giltig barüber l)infie§t, ob er in 
angelegener Stellung an eines Jvürften v'nofc 
ober als ein armer faf)renber 0 änger, ber 
unangefel^en ein fteteS ilßanberlcben fül^rt, . 
fein Sieb bid^tet, fo loünfdjt er aud) feinem 
ißaterlanbe ^ul^m unb einen gefürchteten 
9^amen. 2llS baber X^eutfchlaub na^ bem 
Xobe Heinrichs IV-. ein Ä'ampfplag für gioei 
ftreitenoe isarteien roirb, alS JRteiner mehr 
roeißf mer in 5!)eutfchlanb bie ^errfdjaft führt, 
ba lägt er feine 0 timme machtooU erfchallen, 
um bie SBahl eines beutfehen J£'errfd)erS 311 
beflimmen, ber roieber ben (^efegen iHuerfenn: 
ung oerfchaffc unb beutfebe einführe. 

^Die i^ögel unb anberen ^SaR 

ther in einem Siebe auS, bie 3 n)ar nidü ohne 
0 treit leben, h<iben alle ihren itönig, haben 
S^fecht unb C^efeg, nur I^eutfchlanb ift ge= 
fpalten unter mehrere J^'>errfchcr, loeld^c nn 
33ruberfampfe baS eigene Sanb 3 errütteu. ^n- 
bem er über 3 eugt i)t, bag ^eutfchlanb nur 
bann, roenn aller ^mift beigelegt ift, feine 
Stellung oor anbern strichen behaupten fann, 
fchliegt n fich entfehieben ber ^artei 
an, ni^t, meil er biefem perfönlich gemogen 
märe, nein, ign leitet babei nur ber SÖunfeh, 


fein Skterlanb in einer §anb 311 roiffen. 
^r ermahnt ign, geh ben SBaifen, mie er 
bitter bie hcr^^^ulofc beutfdhe Ärone nennt, 
aufsufegeu, ba gierig 3 eher banach feine ^änbe 
auSftreefe. 9tach $hi^‘PPö menbet er 
fich IV. 3 u, ba biefer bereits uim .ilaifer 
geraöhlt mar; bod; hing er feiner 'If^artei nicht 
io fcfi an, bag er nicht, als er oon Otto 
feinen ^rieben mehr ermartet, pch Jriebrich II. 
angefcbloffen hätte. 

Sichtig erfennt er, bag ben grögten 'ThcH 
an 5)eutfchIanbS Unglücf bie ifirdhc trage, 
unb er ijt muthig genug, ben ^^^apft in ben 
fchärfften 2ßortcn offen unb fchonungSloS an^ 
juflagen, bag er cS fei, ber alles Unheil über 
i^euticlilanb heraufbefchmoreu habe. (5*r burch= 
fchaut baS gan;e Jntriguefpiel, baS ber ^^apft 
unb feine SSerf^euge mit 5)eutfchlanb treiben, 
mie er bem 0 d)eine nach 3 ^ai)ligfeiten 
fdflichten mill, in Sahrheit aber fid^ nur oon 
feiner .'pabfucht treiben lägt, bie SBirren 311 
benugen unb fdfamloS bie beutfehen Sänber 
auS 3 ufaugen. Oie hahe 0tetlung, bie er ein= 
nimmt, beutet er nur auS für feine perföm 
li^en fchänblid)en 3 ’accfc, ohne im entferm 
tefteii baran 311 benfen, melche raichtigen '|.^flich= 
ten ihm fein ^eruf als 0 tatthalter 

(5hrifti auferlege. 3a miebei'holten ^Utalen 
führt SSalther beii 'l^apft felbft im ^Ronolog 
oor, mie er ootl 0 d)abeiifreube über bie 
Äämpfe, melche Oeutf^lanb 3 errüttcu, fich 
rühmt, bie il^cranlaffung ba 3 u gegeben 3 U 
haben, mie er fi(J freut, feine Äiften unb 
itaften fülleu 311 föniien mit beutfdjiem (^elbe. 
Unb bem fchlimmen '.I^eifpiel, baS ber ’f^apft 
giebt, folgen feine 'Ufaffen nur 311 gern. ^Jluch 
fic benugen ihre 3ßürbe nur, um ein forgen^ 
iofeS, behaglid^eS Seben 311 führen, gu bem 
bie „thörid)ten" Oeutfd^eri bie ^Uttel liefern 
müffen. 0 o charafterifirt IBJalther in ben 
fräftigften 3 ägeu bie römifege Hierarchie in 
ihrer Ausartung, mit ihren ^nmagungen unb 
Ungerechtigfeiteu, mie fie burch Jatrigue jebe 
flaatliche i^^emciufchaft 311 3 ertrümmern fucht 
unb burch habfüchtigen, unmürbigeu 
iRertreter ben Ateim bcS ^erberbenS unter bie 
^l^ölfer trägt. Uiib biefer hahe "IRuth, bag er, 
ber Oichter, mit fo feharfen SSaffen gegen ben 
(Klerus 311 gelbe 3 icht, ermächft ihni nur auS 
feiner i^aterlaubsliebe. S?on ber Ä'irche fiegt 
er baS i'aterlanb gefährbet uno barum erfüllt 
ihn glüheuber Hag gegen biefelbe. Ooch fann 
er mehr, als in feinem Sieb bem ^I>apft all 
fein fchäublichcS 0piel oorhalten, fann er 
mehr, als um fein il>atcrlanb Th^änen oer= 
giegeu unb Irauerlieber anftimmen, in beiien 
fein 0 chmer 3 einen erfd)üttcrnbcn 3luSbrucf 
finbet? Oie grauen tragen traurig ihr 
0tirngebänbe unb bie Dritter, fonft hadh 3 u 
^og, oertaufchen ben Hamifch mit Brauers 
fleibung, aber ber Oidhtcr fingt für alle baS 


fe- 


-J3 


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227 


j itlaaelieb: „uns ist erloutet trüren und 

froide gar benömen“, in beffen Dfiefroin: 

! „ow6 und iemer mere owA“ Icifc bic Jitlage 

I auSbaUt, bie ficb ^urcb bag gange Üicb licbt 

3Jian muf; ficb buten, auS ber 0teuiing, 

I bie föaltber ber ^ircbe gegenüber einnimmt, 

' einen falfcbcn D^ücffcblub auf feinen (Glauben 
I gu machen. 2öenn er ba als ein 

I erfebeint, ber an ben altbcrfömmliqen ^n^ 

1 ftitutionen rüttelt, fo belehren unS feine 

I religiofcn (^ebiebte, roo er 'Vapft unb Kirche 

j nicht berührt, eineg gang Slnberen. 5)a lernen 

I mir ihn alä gläubigen tShrift fennen non 

I folcber finblicben Jrömmigfeit, baf? aud^ biefer 

I 3u9 feineä (^horufterg ung an ihm in bem= 

felben t^rabe gefällt, roie feine ^eiterfeit in 
ben SKinneliebern unb feine 3nnigfeit in 
' ben Syrühlinggliebem. Sir finben an ihm 
I niebtg Don jenem 0cbeinn)efen, roie eg bamalg 

I bie Kirche cbarafterifirte, niebtg non jener obers 

fläcblicben ^uffaffung aUeg ^eiligen, roomit 
man ficb bamalg begnügte, ©ein (glaube 
rourgelt tief im ^>ergen, fein @ebet erhebt ficb 
roeit über bag inhalt= unb oebanfenlofe C^c- 
, plapper, roag man bamalg ^ebet nannte, gu 
einer Jnbninft, bie für jene ^eit erftaunlich 
' ift. 5)ie Jungfrau 2Raria ijt ihm bag Jbeal 

I ebler Seiblicbfeit unb nicht nur eine tobte 

I ^*^**9^' @unft man bureb (^ebet unb 
I Seihgabe geroinnen gu fönnen glaubte. 

I Slueb ift er non ber echt mittelalterlichen 
j burebbrungen, ba6 bag heilige @rab in 

I Jerufalcm, febon lange ber ^egenftanb ber 
©ehnfuebt ftrenggläubiger Öhriften begSlbenb^ 

I lanbeg, ben Ungläubigen roieber entriffen 

I roerben müffe. ©ein lieofter Sunfeb roäre eg, 

j perfönlicb an bem ^reugguge Ih^il ju nehmen, 

I anftatt gurücfgubleiben uno ben auggiehenben 

©(haaren fein* Sieber nacbguleiern. ®ocb er 
muü biefem Sunfebe entfagen, ba fein oor= 

' gerüefteg alter ihn bagu nicht mehr befähigt; 

I aber im Sieb roill er roenigfteng für ben 

I ^reuggug thätig fein, unb fo ruft er laut 

Äaifer unb jtrieger gu ben Safjen. 

!I^ieg ift fein näcbfter geitli^er Sunfeh, 

' bafe Jerufalem roieber eine cbnftlicbe ©tabt 

I roerbe; hoch alg echter (5 hrift richtet er feinen 

I 59licf au(h in bie 3ufuuft, er benft an bag 

Senfeitg. 5)ocb um felig gu roerben, plagt 
er feinen Seib nicht bur% förperlicbe 33u6e, 
auch Icfen roir nirgenbg, ba6 er Saüfahrten 
I unternehmen rooHe, roomit man bamalg ficb 
ben ^immel gu öffnen glaubte, fonbern fucht 
' bureb ^üi freieg 3?efenntni^ feiner ©chroäcben 
unb bureb inbrünftige grömmigfeit ficb ber 
eroigen öJnabe roürbig gu machen. — 

Senn roir nun am (Jnbe einen SÄücfblicf 
I roerfen auf bie ©toffe, bie Salther biebterifeb 
I behanbelt hut^ ft> ragt er roeit über anbere 
' ^)icbter feiner 3eit babureb h«rnor, bag er 

I ficb niebt roie jene auf ein (Gebiet befebränft 

at, fonoem, inbem er ficb uon biefem 93rancbe 
er bamaligen ^^iebter freimaebte, nng einen 
gangen ©traug bietet, ber nicht nur aiig ben 
nerfebiebenften 55lüthen unb Blumen gu= 
fammengerounben ift, fonbern auch in ben 
glängenbften garben prangt unb bie roürgig* 


ften Sohlgerücbe augathmet. 5)enu roeber 
bie gorm, nod^ bie ©pracbe, mit roeld^er ber 
®i^ter bie ©toffe behanbelt höt, gehen bem 
ißorguge, ben er roegen feiner ^aunigfaltigs 
feil oor anberen h<tt, na^. Salther ift über= 
an n)feifter, reid^ an ^onen, greng im 93erg: 
bau unb ©pracbe, lebenbig unb anfebaulieb 
in ber ®argeQung unb mannigfaltig in ber 
©infleibung. 

3e nadb bem (^harafter beg Siebeg roeig 
er ihm halb einen leidet geh beroegenben 
fd^netten ^on, halb einen jegroereren gu geben, 
fo bag febon beim Sefen oft ber Ton er^ 
fennen lägt, roelcben C^ht^rafter bag Sieb bot, 
ob heiter ober ernft. ^Der 33erg ift mit ©orgs 
fall aufgebaut; nirgenbg hot ber 5)icbter ficb 
eine grögere grelheit gegattet unb bureb Uns 
regelmägigfeit ben 2^erg um: ober gar mig= 
gegaltet. n)fan fühlt, roie leicht ihm bie 
®erfe aug ber Srug grömen unb auch bieg 
erhöht ben anmutgigen (^inbruef, ben ber 
©toff auf ung macht, ba bag äuge nie bureb 
einen gehlgrijf beg i)icbterg aufgehalten, glatt 
überaU hinroegeilen fann unb ber Sefer oon 
bem ruhigen gleicbmägigen ging ber ^erfe 
roiUenlog mit fortgeriffen roirb. Jo ber 
©prad^e unterfebeibet er ficb roefentlicb non 
feinen 3^iig*ooffen. Sägrenb man bei 
manchen oon ihnen eine augerorbentlicb groge 
3ohl oon Sortbilbungen giibet, bie eingelnen 
^ialeften, aber nicht ber ©efammtfpracbe 
eigen roaren, fo bag man oft mit ©egimmt: 
heit gu fagen oermag, roelcber ^Nationalität 
ber dichter angehört hot, ohne feine Sebeng: 
oerhältniffe gu fennen, roährenb anbere roieber 
oiele Sorte aug bem grangörifcheii in ihre 
©pracbe hinübergenommen hoben, hot Salther 
burchroeg geh oon biefen beiben Mängeln frei: 
gehalten, (^r oerroenbet rein bie ©pracbe, 
bie bamalg Jeber oerganb, unb roeil er bag 
reinfte ^Httelhocbbeutfcb fchrieb, barum ig eg 
aud^ ung leicht, feine Sieber gu oerftehen, 
roag bei einem ©ottfrieb oon ©tragburg mit 
grogen ©ebroierigfeiten oerbunben ig. 

Jn ber ^argeQung berounbem roir an 
ihm bic ^-infaebheit, mit ber er feine ©toge 
oerarbeitet. 'JNie oerliert er gd^ in ©h^ofen 
ober übertriebeneg ^^athog, beim er oermag 
ohne biefeg bureb eine fcblicbte, aber boeb un: 
gemein anfcbauliche ©pracbe ung gu feffeln. 

Jn ber ^infleibung bietet Salther bie 
grögte abroecbglung unb befunbet eine ']0Neifter= 
Uhaft auf allen (.Gebieten ber Dichtung. 
Sährenb in ben meigen ÜJfinne: unb 'Jtaturs 
liebem bag rein Iprifcbe ©lement überroiegt, 
roo ber ^)ichter unmittelbar ung feine (5m: 
pgnbungen niebergelegt hot, hoben anbere 
(^ebiebte, roie g. ©. oer Iraum: „nemt fronwe 
etc.“ einen mehr epifeben ^harafter. OHcbt 
feiten glaubt man in feinen Siebern bag 
©tücf cincg ^I'ramag oor geh gu hoben; 
benn bei feiner augcrorbcntlicben Sebhoftigfeit 
giegen bem Siebter anreben, 2Wonotoge, ja 
fogar ^)ialogc, bie geh feenenartig erroeiterii, 
in fein Sieb ein. ©g mag bieg roeniger ab: 
gebt geroefen fein, alg eine golge feiner Seb: 
haftigfeit. Senn er g. ©. ben Opfergoef, 


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228 


«- 


IS 


ber für ben JPapü gefammeltcn ©clb^ 
fummcn aufnimmt, bctradbtet unb babei an 
bcn 33cttug unb bic Ungcrcc^tigfeitcn bcffelben 
benft, fo empört bieS fein 3nnere§ fo fe^r, 
bag er im Slugenblicf nur in bem Opferftoef 
bie Urfac^e atleS Unl^eilä fie§t, unb barum 
flagt er aud^ il^n, ben Icblofen, in ftrafenben 
Sorten an unb bölt i^m fein ungerechtes 
Treiben oor. ®aB er ^aifer unb 'fapft an^ 
rebet, ftatt oon ihnen abroefenb gu fprechen, 
ift ihm fehr geroöhnlich. 3n feinen (Mebich^ 
ten an ben ^aifer ift bieS meift felbftoeri 
ftänblich, ba ein großer Xh^i^ oon ihnen nur 
an ihn junächft, an irgenb welche 33eran= 
laffung anfnüpfenb, gerietet ift. 3lnberS ift 
eS in feinen ©ebichten an ben ^opft, 5)iefen 
perfönliÄ angufprechen, wie ben £aifer, h^ttc 
er nie Gelegenheit, unb trohbem roenbet er 
fich oft gegen ihn, als ob er oor ihm jtänbe 
unb ihm auSfprechen fönnte, roaS fein ^erg 
befchroert. 5)aburch werben bie gegen ben 
^^^apft erhobenen ^(nflagen in ein oiet grelleres 
Si(ht gefegt unb feine Saffe empfinblicher. 

3a, Salther befchränft fich nicht auf ^n* 
reben, er geht in ber bramatifchen ^ehanblung 
feiner Sieber noch weiter unb führt fogar 
3Jtonologe ein. Sie ber bramatifche dichter 
uns ftetS am unmittelbarjten in baS (betriebe 
beS §ergenS blicfen läßt, wenn er feinen 
ben uns im 5RonoIog oorführt, wo er um 
belaufcht non eines uJtenf^en Oh^/ ^*nt er 
^an^eS geheim halten möchte, mit pch felbft 
ju Sftathe geht unb unS ^IQeS aufbeeft, waS 
in feinem ^erjen fchlummert, fo geigt unS 
auch ®öIthS5 feinen (^ebichten ^er? 

fonen im Monolog, ^uch ift nieift 

ber ?5apft, ber im ©ctbftgefpräch frohlocft über 
bie 33ortheile, bie er burd) ^rug unb ^)inters 
lift beutfehen gürften abgenommen hnt. wie 
er, ungufrieben bamit, aut neue 0chtiche finnt 
unb bie 3Jtittel erwägt, bie ihn gu feinem 
3iele führen foUen. ^tanchmal auch führt 
er ihn im 3n)iegcfpräch mit feinen ^^Mnffen 
nor, wie er fie aufforbert, baS Seben gu ge^ 
niesen unb gu pflegen mit bem, waS ber 
^eutfehe fich abbarbt. 


3n allen biefen Siebern, wo Salther, ob« 
g^leich fein T^ramatifer, hoch ben bramatifcj^en 
gormen fich anfchlie&t, geigt er fich recht gliicfs 
lieh unb weife baburch bem 5luge beS SeferS 
eine ftetS anfprechenbe 3lbwechSlung gu bieten. 

6eine 5luSführung ift halb weich unb 
innig, namentlich ba, wo er oon ben garteften 
(^mpfenbungen bcS menfchlichen ^ergenS, oon 
Siebe unb SiebeSglücf fpri^t, halb hnmoriftifch 
unb fehergenb, wie im 3:raum, wo er, oon 
einem ungewöhnli^en ^:raum erwacht, fich 
an ein altes Seib wenbet mit ber 3?itte, 
ihm ben Traum gu beuten unb biefe ihm 
ben ©efcheib giebt: 

,.zwSn und einer daz sint du 
dannooh seit si mir dä bt 
daz min düme ein vinger sl.“ 

T)iefer §umor ift wahrlich einfach unb nid^t 
weit h^rgeholt, aber bennoch fpricht er wegen 
feiner (^infad^heit an. 2luch "ber berbe ja« 
tprifchc Ton fehlt nicht gämlidh; allein wir 
finben ihn nur feiten, ba Salther in feinen 
Siebern mehr weich, bisweilen auch fehergenb, 
weniger aber berb ift. 2Jtännlicher Grnft ba^ 
gegen tritt unS wicber häufiger entgegen unb 
entfpricht am meiften bem ^h^rafter ber 3«it- 
Schönheit er einen erhabenen 0totf, fo nimmt 
fein Sieb fogar bie ^cftalt eines (ihorafS an, 
er glaubt bann gleichfam im (JJotteShaufe oor 
anbächtiger 3}tenge gu fprechen, ber er feier* 
lieh ®on bem ^)öthften unb ^belften prebigen 
foU. 

T)icS war, waS Salther in feinen ©e« 
bid^ten feiner 3^ft barbot. ber That ein 
©chap für ber ein warmeS .^crg hott« 

für Sieb unb (^efong; unb er ift ein 0chob 
geblieben au^ für unS. T)anf oerbienen bas 
her jene ©tänner, bie gu Slnfang unfereS 
3ahrhunbertS biefen ©chap, ber Sohi^hunberte 
lang oerloren war, wieber an’S Sicht brachten. 
2)töge bie 9tachwelt Salther ftetS hochholten 
unb ihn nicht wieber in 93ergeffenhcit ges 
rathen laffen! 


'Sbinterncßel. 


2öic feierlich fchout SBinternocht 
2luS 3D^hrioben ©ternen! 

®aS glihert in ©trahlenpradht 
2luS unerme^nen gemen. 

T)cr SWcbclgcifl fchout grimmig brein, 
3fhn ärgert baS ©efltmmer, 

6r hüöi t« bichten Schleier ein 
®cn gonjen ©ternenfehimmer. 


T)och fieh! 9lm ®torgen, reifgefdhmücft, 
3Bie reich bie ®äume prangen! 

„3lft in ber Jtacht",* rufft bu cntjücft, 
„@in Söunber oorgegongen?" 

— O möchten SKiggunfl ftetS unb $Weib 
©0 holb oermanbelt werben, 

S)ann gab cS wohl in furger 3^it 
Stur grieben noch nnf ßrben. 

_ 'gttwts. 


-« 


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229 


_ (Slad&brurf Derboten.) 

IDa:« bolkramslü)».*) 

Cili $«118 «tts nnfittn fageiu ^ 

Son Sntins Stoffe. 

(gortfetjung.) 

ISUemiies '^u^. 

Sieb Dom 93unbe3tag. 

3m 35unbc§]^au§ ju granFfurt nod^ bömmcrt bic alte 
Unb 3Konbc§fd^immer roanbclt bur^ l^o^c ©älc fac^t; 

6r muflert bic alten Äarten ©uropaö an ber SBanb: 
fircujfpinncn l^aben gemoben ein 9Fet über manc^eö Sanb; 

2)o3 TOittelreicj^ (SuropaS überfpannen jle ganj unb gar, 

S)o gcl^t ber SWonbfd^ein weiter, eS graufet il^n fürwal^r. 

3m ®unbc§]^au3 gu grantfurt, ba fi^cn om grünen SRunb 
2Bo^l fed^Sunbbreigig ®cife, bic 3^Pf^ beutfd^cn Sunb. 

(Sie rieten unb fic fcblid^tcn unb bafteln unb bau’n auf’§ Sefi 
9Kit geberej^en unb ©tro^^ölmd^cn am bcutfc^cn 5lblcrncft. 

Sie roSgen mit Sotl^ unb Ouentd^cn, bod^ giebfö ein grog ©efe^rei, 
®cnn bie 2ßaagc ^at breigig 3i^wglcin, ob aud^ nur ©dreien jwei. 

©ie fHdfcn unb fliefen am ®ad^e, bo^ unten meidet ber ®runb: 

2Ba§ fclfenfefl gcflanben, in’3 SRoHcn Farn jur ©tunb\ 

®er ®äne frod^ ju Äreuje, nun rege bid^, S3unbc§rcid^, 

Serpfänbet ifl bein gricben, @intrac|t unb 6^r’ juglcid^! — 

3m SunbeS^auS ^u granffurt nod^ brütet bie alte SWad^t, 

@3 wadfeln bic breigig 3öpfc halb l^cftig unb halb fad^t. 

®urd^’3 l^ol^c genfter bämmerfS oom 9torb wie blutiger ©c^ein: 

S)ort liegt bc3 ©icgc3 ®cute, wem foH fic ju eigen fein? 

©o(l’3 werben ein ncuc3 ©taatlein al3 offne SonbeSmorF? 

Ober bem ®ro§en ^u eigen al3 ®ollwerF treu unb ftarF? 

©ie aber jerren unb jic^cn ben ©treit in’3 brittc 3«^^ 

Unb beugen fid^ attjufammen bem boppelFöpfigen 2lor. 

3m ®unbe3^au3 ju granFfurt, ba Flingt oon ©tal^l ein ©pom, 

Unb ber ©efanbte oon ^reugen, er ftögt in’3 SRolanböl^orn: 

„®ol^lan, wir wollen rufen ein bcutfd^cS ^arlomcnt, 

®ann mog ba3 SolF entfc^ciben, ba3 feine üJFciflcr Fcnnt; 

Unb wanFt 3^^ noch in ^önn, prcugifc^cr ^blcr, flieg’ — 

3n biefc3 TOantelö galten ift grieben ober Äricg! 

3JFog @ott ben ©inn @ud^ IcnFen — 3^^ SBal^l!" — 

Unb fprod^’8 unb ging oon bannen — c3 gitterte ber ©aol. 


♦) ßicTburcft maAen »ir bicjeniflcn unferer Äbonnenten, 
gnb, ^öflid^ barauf aufmerlfant, bafe »Ir bon ben im 8.3ab 

JBolframaiiebe» 6ctoatata^üae flenou im Formate bc8 -55eutfcbcn ... 

biefelben bem laufenben paQ^flange unfree S9(attee mit beigebunben merben rönnen, ^iefe ©ebatatobittge, 
CO« 6 Sogen umfaffenb, ftnb 9 um @elbftfoftenbreife bon 1 uT für bag Stüd birect bon unS fomte bureb 
Su(^^anblung gu begielien. 

3>fr bcf „peutfi^i» ^Werpeim**. 


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230 


3 m SunbcSl^ouä ju granffurt, ba ftappcm bcr oiel, 

5)a§ ifl ®crrat^ am ©uiibc! — ®aö roirb ein eifern Spiel! 

Unb f^metternb fliegt bie ^unbe über baö meite SReic^, 

®e§ SunbeS ^)eere marfd^iren, bie Sranbenburger jugleic^. 

®o§ fd^aUt mie in grouen Jagen be§ alten grife: 

2 luf, ^)ufaren, fal^rt lo§ al§ ^reu^enS ©li^. 

^uf, @nfel ber ©anburen mit Saubon unb mit ®aun, 

Sa^t (Sure rotten SWäntel in ©ö^men roieber fd^aun! 

3 ßie fc^mettern bie ganfaren in ^ien unb in ©erlin — 

®ie blauen unb bie n)ei§en (Solonnen ju gelbe jie^n. 

©alb frad^en bie Sdblac^tenbonner am grünen ©Ibefbranb, 

®oc^ bu oer^üttft bein ^ntli^, mein beutfd^eö ©aterlanb. 

3 m ©unbeö^auö ju granffurt, ba l^ängt mand^ Äaiferbilb, 

3 Kand^ ein§ im Ärönung^prunfe, manc^ ein§ mit Sc^mert unb ©c^itb. 
2 Bie bliefen l^eut fid^ feltfam bie alten Äaifer an — 

3Bie tönt geheimes ©rollen unb Staunen bann unb roann; 

S^od^ bünft mid^, tiefe§ Ät^rnen unb freubig SKurmeln auc^ 

©ing burc^ be§ Saaleö J)ommcrn wie fc^weUenber grül^lingö^auc^, 
^lä wäre bie Saft gewichen ja^r^unbertlanger ©d^macb, 

5llö märe ber giud^ im Sd^minben, ber auf ©ermanien lag. 

3Bie Schauer oon Orgelflängen roeht’ö burdh ben bunflen Saal, 
3)urdh ade genfter fluthet ein flammenber üRorgenftrahl! — 


3m Slhncnfchlo^. 

©in roettergraueö Sd^log im 2Balbe§thal 
2 Jtit epheugrünen Jh^imten, morfdhen — 

3 mei Pfauen fonnen fidh im ÜJtittagäftrahl 
Slm S^ieferbad;. SJtand^ Säclum fa^’ä oerrinnen, 
®en ©auernfrieg, bie Schmebenjeit jumal. 

^eut häufen in ben J^^rmen Spat unb Spinnen, 
Seiö plätfdhem ©runnen in be^ §ofeö fallen, 

Unb tief im ^arf nodh flöten Stachtigaßen. 

©lücffeliger ©nfel, ber in ©infamfeit 
3 n trauter §alle barf bcr ©ätcr häufen. 

3 hm flüftert SJtaucrmcrf im ©pheuflcib, 
Jhurmfahnen püftem ihm im Sturmeöbraufen: 

3öir fannten beiner ©ätcr gropc 3cit 

3ßir fahn fic reiten, jedhen hier unb fehmaufen, 

3i>a§ pc für bich erbaut, erfämpft, erroorben, 

®ir blieb'S jum Segen, ba pc langP gePorben. 

Sluf biefen Jeidhen fd^mamm manch Poljer Sdbwan, 
Unb Sautenflönge jitterten oon broben; 

®ic Stiegen fchritt manch feböne grau hinan 
ÜJtit ^clj unb ©crlcn unb mit fammtnen Stoben; 
3luf biefer Schmede fniete cinft bein ^h^/ 

9ll§ hulbood ihn fein Äaifcr aufgehoben. 


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231 


2 )u bift bcr 6 nfcl l^cut an ^eiligen Orüften, 

®ic Söter fd^aun ^crab au§ goftnen Üüften. 

^[ebipcbcr Orö^c S^^uber, jebe @lut^ 

2 tuö jener grouen §etbenjeit, ber ^e^ren, 
ba§ lebt fort, rotrft fort in beinern ©tut, 

®u bift ber (Srbe — @rbe ouc^ ber Klaren. 

S)rum fei ein 3Jtnnn beroc^rt mit ^elbenmut^, 

@in ebler @tolj, bie befte ifi’ö ber SOäe^ren. 

3 cit ij^ nur SBa^n, Urfraft in beinern ©tommc, 

©ie lobre fort nod^ ^eut qIö ^eilige glammc —" 

©on ^eitigfter Gmpprtbung überquittt 
©rroinö ©emütl^ beim 9 lnblicf biefer 6 id^en. 

2öie frü^fter bämmernb iroumgebilb 

SBitt feine ©eeP eä abnungSooö befebteid^en; 
©rinnrungen on 5öalblonb unb ®eptb 
9tuftQU(ben neu nu§ nebelnbem ©erbleidben. 

^ier marp bu fd^on bereinP oor langen 
©0 ruft’5 i^m ju mit Stimmen mutibcrbarcn. 

Unb bodb roie fremb, roie anberö 9llte§ 

Statt Pillen griebenö an ber 9lbnen §erbe 
Sumult unb SBaffenlärm unb ©turmgelöut — 
Kanonen, Xrommelflang, ©ePampf bcr ©ferbe, 
SRingSum ein Säger — ^dit bunt jerPreut, 

©eben irrt im ©arf bie roilbgctoorbnc §ccrbc. 

9lm SGBalbranb braupen bie ©atrouillcn febmärmen, 

3 [m ©dbloftc felbcr ©läfcrflang unb Särmen. 

3 um 9lnruf fam’ö — ,, mobin, mein ^err, roober?" 
;3m gelbe mittert leidbtlicb man Spione, 

„gübrt mich ^um ©rafen!" — mor @rroin§ ©egebr, 
2 )er 9lrgmobn mich oor feinem pdbern lone. 

Salb Pebt er broben, unb fein $erj poebt fdbmcr; 
©Icidbmie ©roaten lärmen bie Patrone. — 

3lebt nabt er einem ©reiö mit mcigen Sodfen, 

SSie füblt er pdb betroffen unb erfdbrodfen. 

Jöobl pebjig ^^“9 ©rei§ 

3Rit Parrcr Haltung, Icbcnörnüben 3 w 9 cn. 

9Bie rubt fein 9lug’ auf ©rmin tief unb b^ip, 

Unb nimmer fanb fein gorfdben nodb ©enügen. 

!l)ann murmelt feine Stimme bumpf unb leiö: 

„Seim bob^n ©ott, bie§ 9lntliö fann nicht trügen, 
UmfonP, bap breigig S^b^^ oerronnen —" 

Unb pittc SRübrung mill ibn übermannen. 

„ 2 Bie nun, mein ©obn — ©rinnert 3 b^ nidbt? 
3 cb tief ©ueb b^^*' folltcn longp un9 fermen. 

2 lu§ ©udb grüpt bcr Serlorncn 9lngcp(bt, 

®odb ib^en ^tarnen miß idb b^^^ nennen —" 
®a, roie gePreift oon eines SlibeS Siebt, 

©inft ©rroin btn, unb feine brennen. 


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232 




t? 


,,®vo§Dater!" rief er — „mein ge^eimfleS ©e^nen 
SBirb ^eut erfülltI" — ®ocl^ 6r: „SWein, feine D^ränen, 

„dltin, feine ©d^roSci^c l^eute — längft gejäl^lt 
©inb meine ©rbentoge. 3Sa§ nergongen, 
mog nergeffen fein, ©ie l^at gemailt 
Unb l^at gebüßt i^r irbifc^eS 93erlongen. 

Umfonft, bo^ SReuc fid^ mit SKünfe^en quält — 

SßieEeiebt" — unb fonfter feine äöorte flangen, 

,,i'ielleid^t, baß ÜJtilbe cbriftlicber geroefen, 

2 öer mog bic 3wfunft in ben ©ternen lefen — 

„©leidboiel, bod^ migt, bort brüben mirb gejed^t, 

®ie Settern finb’S, bie bcmnäcbft mid^ betrouern, 

3 db n)ill nid^t benfen, bo^ fic flug unb fc^lec^t 
^Ißein auf be§ ©etogten @üter lauem. 

®u barfft beftc^n auf ®einem guten SRed^t 
5llö einziger @rbc neben jenen ©(^lauern; 

3 inbe^ nod^ einä quält mic^ in Äümmemiffen: 

SBeg Seiftet Äinb S)u bift — ba§ möd^t id^ roiffen; 

„2>enn Seinen Soter l^ab’ ic^ nie gefannt. 

roüfler Häuptling roilber Semagogen 
SBavb er mit SRec^t geächtet unb nerbannt!" 

„§err!" rief ©rmin, unb (eine ^nl\t flogen 
Unb feine ©timme bebte zornentbrannt: 

„Jlein 2Bort oon i^m, ber in empörtm ffiogen 
^m ©teuer ftanb. ©nttäufd^ungen jmar famen, 

Sod^ ^eilig bleibt mir meinet Saterö -Romen, 

„Senn Seutfd^lanbö ©n^cit mar fein Sraumibol!" 

„^Of mie’ö nun fommen fotl mit ©lut unb ©d^reefen, 
ffiir fennen folc^e Strafen, leer unb l^o^l. 

Srum fpricb, mer bift Su? molU unS frei entbeefen, 

Cb Su aud^ unfer g^inb?" — 2öie ©d^auer mol^l 
Slnmc^fö C'rroin, al§ mü§f er ©tein erroeefen. 

^odb an ber SBanb ftanb Äönig griebrid^ä ©üfte, 
mar, aU menn ein grog 

„Sort ift bie ^ntmort!" — rief er. „©lieft hinauf, 

ÜRir ift, alö ob fein ©ilbni§ ju 6ucb fpred^e. 

(Sr ^at erprobt fafl glcii^en 
Ser große Äönig lä^elt (Surer ©c^mäebe. 
ör mar e§, ber (Such fd^irmte, ol§ ju^uf 
(Suropa [türmte, baß e§ Ceftreid) räc^c. 

©ei &udb in ©apreut^, ^eigt’3, ^at er gefd^lafen, 

Unb Suren ©tamm er^ob fein Sanf ^u ®rofen. [ 

! 

„®laubt, alte merben mieber neu, i 

^Rir ift, al§ ^ört’ id^ l^cut^enö ©ieg^fanfaren. I 

Srum feib ber Senfart Surer 2l^nen treu. | 

3 ;cb meig, fie trotzten ärgeren ®efa^ren: j 

3 n Vutl^er einft fie hielten o^ne ©d^cu, i 

3 u S^eugen fpäter unb ju ©lüdberS ©d^aaren. 

-ä 


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233 


K-^-SS 

2 Bo immer Ing unb ginpernig gefd^icben, 

®a fämpften fic für ben ©cmiffcnSfricbcn. [ 

^Soruffia — bu ©c^trmerin bc§ 2id^t§, 

©ermanienS §ort auf bornenooüen Söcgcn — | 

©in 3Sort, ein ®c3^lag, ein ®onncr beö ©erid^tö, , 

aO^itlionen ^erjen fubeln bir entgegen! t 

®cr ^^bra fc^leubrc in baö 9^id^t§ I 

Unb 5)euttc^lanb ruft, bi^ preifenb, §eil unb ©egen. 

©rringen gitfS, roaö ^)abö6urg tängft oertoren, i 

I 3lu§ biefem Äriege roirb ba§ SReid^ geboren!" — , 

I „©tc^t’S fo" — oufflöl^nt ber 3ltte, feinem SKunb ! 

Sntflo^ ein ]^erbe§, ein migtönenb Sa^cn. | 

„SRap immerju — noch lebt ber ®eutfd^e Sunb, I 

Unb nieberfc^lagen mirb er jenen ©rod^en. | 

®a§ ^reugent^um, roa^ ifl'§ im tiefften ©runb? I 

3Ro(i^t ge()t oor SRed^t — ©eroöltigung beö ©c^mad^en!" I 

„©rogoater!" ruft ©rroin — „lagt 6ud^ befc^mören!" I 

S)oc^ nichts me^r mill ber ©rimmcrfülltc l^ören. | 

„©d^meig! unb jur ©trofe mie jur ©icber^eit 
©ei’ä ®ir oerboten, unfern ©ieg ju fc^auen —" 

Sängfl ftanben olle Settern i^m jur ©eif, 

Unb Unmutl^ömolfen lagern auf ben Srauen. 

„©reift ben Spion, ben Söid^t ooß ©itelfcit, I 

äöer mag Serrät^ern unb S^antoften trouen. I 

©teßt i^n oor'ö Ärieg^geric^t!" fo rief mit ©rimme | 

3n müftem £ärmen me^r ol§ eine Stimme. 

„SRid^t bod^" — ber 2llte fprad^ — „im J^urmoerlicg i 

®ort mag getroft be§ S^^ugenfiegö er ^arren, 

2 luf beffen Äommen er prop^ctifc^ ioic§. 

^ur SRitleib l^aben fann man mit bem liltorren, i 

2)er an ber ffianb fid^ feine Stirn jerftieg; 

©ein Sater fd^on litt an bem gleid^en ©porren." t 

Unb alfo marb er eilig fortgerijfen, | 

§inou§, ^inab ju tiefen ginflerniffen. 

5)ort im Serlieg — inbeg faum ^RadbtS ein Stern 
§creinbli^t burd^ ber Sinbenmipfel 3Biegen, 

Sernal^m (Srmin halb Srommelfi^lag oon fern, 

I lumult unb Stufe burd^ bie ©tiße giegen. | 

®ie Crbre (am: grifd^auf, in’§ gelb, ^erm. I 

I ®er Äönig oon ^annooer ifl im Siegen! — 

Unb traben l^ört er'§ oorioärtS mie ©d^mabronen, 

I ®ann äöagentrog unb gugooK unb ßanonen. 

©0 roul^ empfing i^n feiner ^^nen ©c^log, 

®en fpäten @nfel ^eut, ben o^nungölofen, 

3 l^n, ber fo lang beä ©lenb^ ©turmgenog, j 

©0 fpät erblül^n fa^ feinet ©lüdfeS Stofen; | 

Unb nun ein 2enj i^n blüt^enreid^ umfprog, 

2Bitt neue Sturmflut)^ braufenb i^n umtofen, 

1 »-_ 81 


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234 


p-J5 

Unb roiebcr, fd^ctnt’§, l^icr fämpfcn ocrgebcnS, 

IrugDotIc Tronic bcS 3Wcnfcl^cnIcbcn§ — 

3n)or gortunat ein ©Icid^cS roibcrful^r, 

®ag oU fein ®Ianj, wie ©preu unb SRaud^, jerronnen; 

2)0^ unfer §cfi) n)ttr fdblouerer Statur, 

Unb fHCie ^)eiterfeit roiH il§n umfonnen: 

3lrmut^ unb SRotl^ roarb bem jur JRoUe nur, 

2)em fold^er SHücfl^alt blieb, wie er gewonnen. 

(Sin fold^ @e^eimni§ bürgt für flet Seggen, 

Drum Io§t i^n träumen ^ier oon beffem logen. 


®efifeergreifung. 

Unb Iräume fommen: eine §u(bgeftolt 
©d^eint ju bem ©cblummernben ^erobjufc^roeben 
Unb btieft i^n an mit mogif^er ©emolt 

Unb neigt fid^, wie oon 3let^ergtonj umgeben. 

„Sift bu eä, tl^eure üJhitter, fei gegrüßt", 

2Bie Slumenbuft oom @rab mill’S i^n ummeben — 

„Du l^oft mit £eib bein (Srbenglücf gebüßt, 

SWun miUft ben ©o^n bu fd^irmen, ber oerloffen, 

©0 wirb ber Äeldb ber ^^rüfung mir ocrfü§t." 

3[ett roor’S, al§ t^ote feine §anb fie foffen, 

Unb Seibe fdarneben mit bem TOonbenflro^l 
Durdb’ä genfter ^in ju fc^immernben Derroffen, 

Durd^ ffieijenfelber bi§ ^um Sud^ent^ol, 

3um ©trom i^n fü^rt fie unb oom ffiilbgel^ege 
©d^log jurücf unb bort oon ©ool ju ©ool. 

©§ mor, ol§ maßte fie bie alten SBege, 

3u übergeben 3lße§ i^rem ©o^n, 

3luf bag er’§ näl^me nun in eigne pflege. 

ßoum waren eS SJtinutcn, bie entflo^n, 

Unb bod^ wie 3o^re fd^einen bonn ©ecunben; 

©ie fielen in ber fiapeße — bläulid^ lo^'n 
Die Äerjen om 9lltav — oon glor umwunben 
©inb aße Säulen — no^ ein Drudf ber ^)onb, 

Dann plö^lic^ war bo§ Suftgebilb entfe^wunben, 

©ntf^wunben in ber ©ruft, bie offen ftonb. 

Slufful^r ©rwin, oon fold^em 2raum erfd^roefen, 

©in bleid^er 3Jtonbftra^l gittert on ber SBanb — 

Son ©c^auer fül^lt er feine ^ulfe ftoefen. 

SBor ba§ ein Sraum nur, war’§ ein 2ruggebilb? ' 

3ln weiter gerne war% al§ Hängen ©locfen. 

O SWutterfegen au§ bem 3enfeit§ milb, 

9Eßie l^eilige S^tül^rung wiß’ö i^n übermonnen, 

3ll§ winfte feiner 3wlunft ©lanjgefilb, 

Ob fe^t il^n aud^ nodb fierfermouern bannen. 

Donn wieber fanf ber ©d^lummer auf il^n fc^wer, 

Unb anbre Dräume fül^ren il^n oon bonnen, 

H --«! 


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235 


R—...— 

Unb anbrc Silber Icud^tcn l^od^ unb 
©0 fpenben Iräumc Iröftung feinen ©orgen; 

®ie 3rft nerflog — brei £age rool^l unb mel^r. 

* * 

* 

®o plö^Iicb tagte ber Sefreiung SWorgen: 

®ie ift offen, auf ber ©d^roelle ftc^t 
®er braoe ©d)to6oogt, ber i^n milb geborgen. 

„§err" — faft oerjroeifelnb feine ©timme fle^t, 

„§err, fommt unb ratl^et — ^elft unö au§ ben ©(^lingen. 

2)ie ®ienerbrut ^ed^t freci^ bei Söein unb 9Äet^. 

®ie DJteiflen liefen fort. S)ie ^Rotten fpringen 
Som leefen ©c^iff. '^ttf ©ud^, Steifet ein. 

3(^r feib ber ©rbe. @ud^ nur fann’ö gelingen, 

2)rum fam id^ eilig l^er, 6uc^ ju befrein. 

§err, bofe S^itung giebt e§, fc^recfenSooHe. ' 

ift ein Üärni im £anb — ^ört 3^^ ©c^rein? 

®a laufen jie, ba brängt ba§ Soll, baö tolle, 

Joll oon Oerüd^ten — unfer ©c^af^irt ©d^err, 

®er raubte mel^r, al§ blo§ oon §eu unb SBoIIe." 

„3Saä ift’ö mit ©urem Wirten?" — „Sejter $err, 

S)er 5llte ^at bie Sorfd^au fd^on feit Salären, 

©d^on bamalä gab’ä ©ejeter unb ©e^err: 

3n SBolfen fal^ er ^iel^en Äriegerfpaaren, 

©in blauet $eer, roie nie bie äöelt gefc^aut, 

Unb raffelnbe ßanonen fal| er fahren 

9tm SRonb oorbei — UnS ^en ^at’§ gegraut, 

5lud^ ©c^lad^tenlärm oerna^m er au§ ben ©eiten, 

Unb ©d^limmreS nod^ l^at er un§ anoertraut: 

©d^roabronen fal^ er, bie oon SRorben reiten, 

Herrgott, mar ba§ ein ©etter le^te SRad^t, 

©ebt ^^t, roirb Sllleä mal^r in biefai 3«ten. 

©er roeig, unb längft oerloren ift bie ©d^lad^t. 
bitt’ ©ud^, fommt — bie £eute finb oon ©innen, 
fiommt, fommt, 3^^ ©ad^tl" 

„©aö fümmert mid^, ma§ Srugpropl^eten fpinnen." 

„Stein $err, ba§ ift ba§ ©enigfte — 3^r feib 
2)er ©rbe, rül^rt ©ud^, mollt geminnen. 

©igt, tiefo^d^ulbet fd^on feit langer 3cit 
3jt unfer $err — oerfd^rieben unb oerpfonbet 
©inb ©d^log unb gorft unb gelber meit unb breit. 

^a, $err, baö alte ©appen ift gefd^änbet, 

Sängft famen ÜJtanid^äer fd^aarenmeiS, 

©eitbem beö §aufe§ ©d^id^at ftd^ gemenbet; 

3cbt gilt'ö ben lebten Staub, ben l^öd^ften ^rei§. 

©ie ftürmen auf ba§ SlaS, mie gierige Staben, 

©d^iff unb ©efd^irr ift l^errenlo^. — 3^^ 

I)a§ ©urc gndbige SJtuttcr ^ier begraben. 

©Ott, meld^e 3^'ten! bamal§ mar icb ©room, 

Slud^ ©uren Sater fannt’ id^, ber auS ©d^maben, 

Unb l^örte oiel oon feines StamenS Stul^m —" 

„©ut benn, mo finb fie, bie fd^on tigerten moHen? 

3d^ merb’ ©ud^ fd^hrmen, mie bieS ©gentl^um — 

iK_- 


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236 


-SS 

9?o(^ SWittcI gicBfö, bog ftd; bic ®ölfc trotten. 

@cmo^, 3^^ jcigt ^nrc ©d^cinc oor. 

©d^on gut, id^ fcl^c, loic bic SBürfel rotten. 

^tiemonb fott fogen, bog er ^ter oerlor — 

®crnc^mt, id^ jagte ottc fälligen SRoten, 

§icr 2Bc(gfcI negmt ouf ÜRoinj oon Sottimore — 
gür’ö SBeitre fpredgt mit meinem 2tboocaten!" 

®a gob’ö juerft ein ftounenb ^Jtägergegn, 

©ei ©eite bann ein Staunen unb Scratgen. 

S)ann al§ geprüft, ein um ©ergcbungficgn, 

Unb fdblicgtid) blieb'S ein cgrfurdgtoott ©erpummen. 

„gagrt mögt, 3gi* §crrn, auf SUmmermicberfegn — 

®er grabe 9Bcg ift beger, al§ bic frummen! 

9tun, alter g^cunb, bie @ütcr finb befreit; 

©ielleidgt ifUö ©egob’ um bic gemagten ©ummen, 

®ocg tgat idg nur bic ©pidgt ju günft'gcr 
©in (üge§ Sroumbitb jeigte mir bie ®ütcr 
9llö ©igentgum in fünftiger §crrlidgfcit. 

3Bo§ fommen mog — ermarten roir’ä als ^)ütcr!" 


©iferne äBürfcl. 

Unb alfo mar'S unb alfo fam’S glorreicg, mic ^elbcnfagcn: 

®er Ärieg oon geben ÖcWlogen in geben tagen. 

3n Äorn unb ffialb, auf gclfengögn marb fügn baS ©pici begonnen, 
©ei ©itfegin, Staegob, trautenau im ©tuvm ber ©icg gemonnen; 
„®cfd)n)inbigfeit nadg Eigenart" — gögnt geinbeSgrimm oerbiffen. 
©^0 blieb ber ©lan beS ©enebef? — loie roarb fein Stcl^ jerriffen — 
Sann ÄonigSgrä^.^ ein banger tag, er leudgtet in ben ©ternen: 

9luS taufenb ©dglünben Sonnerfraeg auf gunbenmeite gernen; 
3erfcgmettert faft im g^werftrom, unb bennodg feft, mic ÜRauern, 
3n3Ölf ©tunben lang in tobeSnotg bic ©lauen gegn unb bauern — 
©in tag, roic baS ^flg^gunbert niegt feit SBaterloo gefegen — 

©iS enblid; burdg bic ^ebel ©glumS ©rinj g^iebridgS g^g^^cn wegen. 
Sann oormärtS marfeg, unb mcilcnrocit bic glügelgömer fegmettem; 
©0 gegcSgolj gog nie ber 9lar feit i?eutgcnS ©dgladgtenmettem! 

Unb alfo roar’S, mit gleicgcm ßlang gell fdgotten bie gonfaren: 

©ei Jongcnfalja mar ber tag mögt treuer ÄönigSfegaoren. 

©>ie fdgugen geg mit ©ärenjom bic braoen SBelfenWeger — 

3Bic feglug bie ©tinbgeit igren ^errn; oerlaffen finb bic ©ieger; 
©ergebenS war ber treue Äampf, oergebenS baS ©crbluten, 

^infanf in'S Äorn bic Seid)enfaat, roic rotger Stofen ®lutgen. 
Äurgegen unb ^annoocr fonf, fo roitt'S ®crmoniaS ©Balten: 

3lgr rootttet Ärieg, fo braufc Ärieg auS beS ®cfcgicfeS galten. 

©>aS Söclfenroagn für Ungeil fdguf ^ag^gwnbcrtc bejeugen. 

Stiegt megr roic ^ogeugaufen cing gdg §ogenjottcrn beugen. 

Sang gat ber ®rimm gefammclt g^ bureg Steigen ber ©efcglcdgter, 
Sod; enblicg traf beS Rimmels ^ovn ber ©inigfeit ©erädgtcr. 

Unb alfo roar'S: ben SRain ginab inarfdgiren bic ©olonncn. 

©ei Äiffingen, roic roufegten fong geilfräftig fügte ©rönnen; 




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237 


a-a 

tDirb ein onbrcr Iranf frcbcnjt, unb qHc ©crgc raud^en, 

I @ntfc^t oor bcm Äononcnfd^aU ^inab bic 9ii)mp]§cn tauchen. 

I Ob oud^ mit Sömenmut^ gefämpft bic baprifd^cn Legionen, 

3urüif, jurücf bu ®unbcä^ccr, für SeffreS bid^ ju fd^onen! 

®cr galfcnftcin, er breitet mcit bic fü^nen Jol^cnflügel, 

Unb nicbcrroufdbt bie Uebermad^t l^erab bic Slebenl^ügcl. 

®Q ^ebt ber ©cbrccfcn auf fein §aupt, ju Srümmern unb ju 5^^cn 
Sei §ünfelb [tob bic SReitermad^t in gä^nenbem 6ntfc(jen. — 

Unb olfo iDar’ö, loaö nie bic SBctt, bic ftounenbe, erfd^aute: 

3n 2Bo(bcnfrift ein Sßeltumfturj, fo mcit ber §immcl blaute. 

5Iud^ granffurt fäüt bie fprobe ©tobt, bic tro(jenbc, uermö^ntc, 

I ®ic freie ©tobt am blauen 3Rain, bie cinft bic Äaifer frönte. 

Unb Staffau fällt unb SBürttemberg, nic^t anberS mic Äur^effen, 

3erfd^logen finb bie tl^rone l^eut, brouf 93anfcnbc gefeffen. 

oc^tunböierjig nic^t uollbrad^t: l^eut ge^t ber ©trom mit @ife, 

3crflattcrt ftnb bie §öfe aU’, bic gürften auf ber Steife. 

* 

®er ©trom er na^t ber glüd^tigen bem ©d^lo§ im ©id^cn^aine, 

©c^e^te Steitcr, ^uloerfarrn, ©eneräle unb ©emcinc, 

Äanonen mit jerfd^offnem Stab, ber train mit ^Imbulan^en, 

2lud^ Äutfc^cn unb ©efid^tcr brin mod^Sblcicber, golbner ©d^ranjeu. 

3m erften 2Sagen grabc^jtiß non ©rom mc^r, alö non SBunben, 

2)cr greife ©raf. 2lm ©c^log erfe^oH ©eminfcl non ben $unben. 

I Sarl^äuptig ftanb ©rroin am il^or, ol3 auö bem Steifemogen 

' ®er ©raf auf einer Sa^rc marb l^inauf in’§ ©d^lo§ getrogen. 

I 'Unb ^intcr^er ein bunter lirog, unb Stiemonb mei^ ju l^elfen; 

I SJtan fagt, eS na^t ber Äönig aud^, ber Sefete oon ben SBclfcn. 

®o§ Solf i^n mäl^nt in 3^9licbf«i unb meiert jurüdf in ©d^cuc. 

Stur wenig folgen fd^mcrjgebcugt bem blinben §errn in Üreue. 

®a§ mor ber i^auf beö S)tär(bcnfrieg§, bc§ ^riegö non fieben logen, 

Stod^ fpäte 3^it berounbrung^oott wirb baoon fingen unb fagen. 


3lm ©terbebett. 

3m fflalb i|l SlUcä ftill. SBic toufenb gunfen 
©in ©d^roorm oon Ääfem burd^ bie Süfe^e flog. 

©d^wül ift l^erab bie ©ommernoibt gefunfen, 

I gern am ©ebirg ein bonnemb Jöctter jog. 

3ui ©d^loß auc^ Sllle§ fd^roieg, oon ©cblummer trunfen, 

S)cr f^cinbar nur beä gricbenö 3öubcr log. 

Sc^utfam fd^lcicbcn Siener burd^ bie büftern 
©dbloggänge ^in, wo ©nippen fielen unb flüftern. 

„2Bic ge^fg bcm §errn?" fo wc^t ein leifcS gragen; 
üJtan jueft bie ©d^ultern fd^weigenb; ouf ben Änicn 
Siegt baö ©cfinbe mit ©cbet unb Älogen: 

SBie wirb eö enbenV ©elbfl bie ©d^lo^u^r fd^ien 

lJi_-» 


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238 


3Jiit 309 ^^*»^ Wc üWittcrnad^t ju fd^lagen. 

@d^on Bonge ©tunben reglos ftonb (Srroin 

3lm ®ett. Son O^ranod^t wor ber @raf umfangen, 

©ein 3lntlife ftorr mit eingefunfnen SBongen. 

als ber ©^lo^ul^r ©erläge auSgeflungen, 

S)a jueft cS um ben 3^unb, ber fc^on entftellt; 

©ein 5luge öffnet non $öc^ burci^brungen, 

©tral^lt ouc^ bie Stirn ge^eimnigoott erhellt, 

5llS fd^oute feine Seele unbejroungen 
einmol nieber in bie ©rbenmelt. 

„SßetdB SBieberfe^n, mein @nfet. fei roiHfommen, 

S)ag j)u nod^ ^ier, fott meinem ©d^eiben frommen — 

„®ieb mir bie §anb; @ott l^at fein Spiel gewonnen, 
@r firaft unS fd^wer im Ungtüdf unfreS SanbS. 

Unb fo geroanbelt worb beS ©egenS Sronnen, 

S)a§ er oerfd^lungen ^ot bcS §aufeS ®lanj; 

3Rit meiner ioc^ter l^at ber gluc^ Begonnen, 

Unb biefen lag ooHenbet er fid^ ganj. 

BerBrod^en wirb mein ©c^ilb. 2ßir finb gerid^tet, 

Unb fo mein Stamm auf immerbar oerni^tet." 

„SWid^t fo, mein 9l^n —. mid^ bünft, id^ warb gefenbet, 
Um ju oerfBinnen jenen alten glucB —" 

„®ott fegne 2)id^ — mein SeBen ifl ooUenbet, 

3d^ pnbe gricben Balb im Seid^entud^; 

Dod^ wie flc^ aud^ bie gro§e ©ad^e menbet, 

©ins fd^afft mir ®ram unb ^crjeleib genug, 

S)a§ felBfi ein gürfl, ben ®otteS ^onb gefd^logen, 

3n meinem §auS nid^t barf ju raften mögen —" 

„Seru^igt 6ud^, ©rl^oBner — lagt 6ud^ pflegen, 

©ins gicBt mir 3}tut^, Sertraun unb BuoerficBt: 

Dtod^ biefe 9tac^t reit' i(B bem geinb entgegen; 

©r ^anbelt ritterlid^ no^ ©^r’ unb ^ffic^t." 

„SBillft S)u baS t^un, nimm meinen ganjen ©egen, 
äJtein le^ter Sroft ®u, e^’ mein 5luge Bricht; 

Unb eins log mic^ nerfünben, el^' id^ fterBe, 

®u Bift oor ®ott all’ meiner @üter 6rBe. 

„3Kog'S ®ir getingen benn, fie ju Behaupten, 

®em Seic^tgnn brol^te fd^mä^lic^er Sanfrott; 

9lud^ jenen Settern, bie ®id^ gern Beraubten, 

®rof SBenjel, ®ünt]^er unb bem milben ©d^ott 
®ieB nimmer nad^. ©0 niel pe erlaubten. 

Sie mac^e ®eine gefKgfeit ju Spott. 

Seoor mir unS für biefeS SeBen trennen, 

SBitt id^ ®id^ l^ier oor Stilen anerfennen." 

„9^ic^t bod^, mein t^eurer Sl^n, moüt ©ud^ erfparen 

Bcbmebe Sorge biefer 

®ie ®üter mag ein Stnberer Bewahren, 

3d^ meefe nimmer Seibenfd^aft unb Streit; 


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239 


- 

borf c§ jum Srofle offenbaren, 

S)og ic^ ©ie l^eut oon atter Saft befreit, 

9Iuf ba§ beö §aufe§ ©^re rein erl^aiten, 

3^)r mögt nac^ freier 2Ba^( mit i^nen fd^alten." — | 

Song lag ber ©terbenbe in bumpfem ©tammein; 

„®eim feiligen @ott, bas roirft mie ©nabenmein, 

©0 roitlft ®u ftrafenb glü^nbe Äol^len fommeln 
2luf biefe§ §aupt — icb ^ab’ oerbient bie ^ein. 

Riefet l^iif, i(!^ miCl, fie follen ftc^ oerfommeln 
2ln meinem ®ette aH', id^ milt fein Stein; 

®u l^oft bie Ic^te Saft oon mir genommen, 

©el^’ ruf' fte Sille — Sitte fotten fommen!" — 

Unb al§ fle Sitte, bie berufen, fomen, 

SBie ©(i^atten ftumm, bie ein Ulpg befc^mor, 

®ie ©d^aar oon altem unb erlauchtem Stamen, 

®a hob ber ©terbenbe bie ^anb empor, 

Unb fchmeigenb, ftaunenb fie fein ffiort oernahmen, 

Sllö flöng e§ nieber au§ ber ©eligen ©ho^^* 

©rog ftarrt fein Slug' geöffnet in bie SBeiten 
3(n ferne ®ämmrung glücferfüllter 

„SBie mirb mir", flüftert er, ,,©ott fei gepriefen" 

Unb feine ©timme fchott prophetengleidh — 

,,tt)tir ijt, als roenn beS §erm ^ofaunen bliefen, 

Unb ®onner fahren nieber, ©treicb ouf ©treich. 

©rftanben feh ich ©cfchlecht oon Stiefen, ' 

©rftanben feh ich beutfeheS Steich, 

3u alter ©röge ^errlichteit errichtet 
Unb allen ©treit im Sruberfinn gefchlichtet. 

©lücflichen, bieS ju erfchauen; 

®rum beugt ©udh bie ber ^err erhöht. 

33eugt ©uch bem SDtächtigen in ©ottoertrouen, 

©eib SSrüber, ®eutfche, baS ift mein ©ebet; 

®ann mirb ber §err fein Steich auf ©rben bouen, 

Unb atte 3^^ifl^‘ochi^f^ürme finb oermeht. — 

©S fommt bie f^^ golben tagen, 

SSiel anbreS noch ©nfel fogen — 

„®enn biefer ift'S, auS unfrem ®lut entfproffen, 

^ein ©nfel unb mein ©rbe, ©uer ^)ort. 

©ehordbet ihm — erfüllt, maS er befchloffen. — 

Sebt mohl". unb mählig ftoeft beS ©rofen 2Öort, 

©ein Slntlii^ fchien oon ^immelSglanj umfloffen, 

©r fanf jurücf. — ®a fchmetterte im Storb 
®rompetenflang auS gernen erft oerfchmommen, 

®ann fcholl'S im §ofc laut: ®ie ^reugen fommen! — 


-a 


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240 


S- 


fjcinbcälagcr. 

3lm ®olbfaum roar’S im blaffen £agc§grau'n, 

3Bctd^ fricgrifdb St(b — ^iifaren finb fc^oun; 

®ic ©inen pflegen i^rcr 33unben, 

Tit ^nbern bechern an bcr geuerflatt. 

®ort fte^t @rn)in, nom Jlittc müb iinb matt, 

5)Kit n)et|em luc^ ift nod^ fein 2tug’ nerbunben. 

3>m 3Rorgeniüinbe bie Stanbarten mc^n, 

Äanoncn bro^enb über’m ^ol^lroeg fle^n; 

®ort marb (Srmin mit „^)att" empfangen, 

Unb er entfc^loffcn brauf mit barfd)cm Sßort: 

„3uni ©eneral galfcnftcin roünfe^’ ic^ fofort, 

3ft’§ 9^otl^, geb’ id^ bem ©ieger mid^ gefangen. —" 

Minuten brauf er oor bem gelb^crm ftanb; 

®er graue ®olIbart unb ber ^ugen ©raub, 

3Bic miß ba§ ^Ue§ il^n erinnern 

5tn anbre 3cit; — aud^ biefer 3Jtann ift 6rj, 

®on äugen fmfler, flarr für Snft unb (Sebmerj, 

®ocb gütig ftrabtt fein 33(idf au§ marmem 

Unb mut^ig bringt @rmin bie Sitte uor, 

®ocb 3cner ^^um mit halbem 

Sa^er?" fragt er lauernb. 

„Dticbt ©dbmab, nod^ Saper" — ©rmin brauf begann, 

„Äcin ^effe auch, nid^tö, alö ein beutfeber 3Jtann, 

Unb um ben SniberMeg im ^erjen trauernb —" 

„®cib ogne Sorge" — brauf ber ©eneral — 

,,2Bir führen Ärieg, bodb nicht nach freier SBahl, 

®ern ift (Such Schonung jugeftanben —" 

„§crr, Schonung braucht ein Sterbenber nicht megr, 
j)och Sebenbe oieUeidht oom Sunbe^h^er, 

®ic bei bem ©rafen le^te 3wflucht fanben —" 

„3Bir jagen 9Uemanb, bcr fich felbp oerbannt!" 

„Siel 5)anf, §crr ©encral, fci’S brum befannt: 

Gin ^errfcher f)axxt bei un§ mit Sangen." 

„Sortrefflieh, greunb — mir bauen gern 

^udh golbene Srüdfen folgern blinben §erm, 

SBa§ fönnt’S unä frommen, gäb’ er fi^ gefangen. —" 

♦ ♦ 

♦ 

Serfchrounben mar aß’, ma§ bebrohüch fdhien; 

®och alä ein ©anhoort magen moßt' Grmin, 

®a rief bcr Äriegömann: „Spart bie 
Seutfclig mciter fprach bann galfcnftein. 

3n nöchf^cr Stunbe fagen ße beim 3öcin, 

Unb auf ben gricben flang ba§ @la3 am ®lafc. 

1S$-Sl 


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241 


IS---—--SS 

®raiif roar’ä, alö ob bcr bcfann: 

„©rabauS bcnn — gcfoUt mir, junger 3Wanu", 

Unb lifHg feine klugen funfein — 

fö^f int Ärieg bie ®inge in ber 92ä^’; 

9 Bag meint maä am beften nun gefd^ä^’? 

2)ie größten SBcifen manchmal pnb im 2)unfeln." 

„ 3 Rein ©encral, ba 3 ^r fo gnöbig fragt, 

Sei e^rlid^ meine 3 Jteinung benn gefagt: 

Sd^onung allein mirb nid^t genügen. 

SDtan mißtraut Gud^, man ^a^t Gud^ auf ben Job, 

2 )ie beutfd^e grei^eit fürchtet man bebro^t; 

3 }tan glaubt feinbfeliger Slätter fd^limmften Sügen! 

„ 2 Ba§ fänn’ id^ aud^" — fprad^ er befc^eibcntlic^ — 

„2Ba§ 6uer großer Staatsmann nic^t bei fic^ 

^grünbet flug unb längft ermogen. 

®aS, maS ic^ mein’, cS ift ein fü^ner träum, 

6 in SBolfenbilb ^oc^ über’m gtut^enfe^aum 
SeS ÄampfS, ber mäklig fenft bie ^o^en ®ogen. 

„SSoHt 31 ^r 3 Sertraun im meiten Saperlanb, 

SReic^t el^rlicb unS bie beutfd^e ®ruber^anb — 

Schließt einen ©unb" — er fprad^’S bcflommen — 

„ 3 ufammen fte^n gerüftet mir ocreint 
gür böfe 3 ^il^n gegen anbern geinb, 
t)enn emfte, große tage merben fommen!" 

„ 5 Ri(^t übel, junger 3 Rann", bcr gelb^err fprid^t; 

©in fcltfam ©litten judft burt^ fein ©cfid^t, 

©r ftreic^t ben Sart, mie mit ©cl^agen. 

„ 3 BaS 3 l^r ba träumt, baS l^altet flreng geheim, 

SiSl^cr mar ©unbeStreu’ ein fd^led^ter Seim, 
aber benft gut preußifd^, muß id^ fagen — 

„Saßt in ©erlin in beffrer 3^1 ®nd^ fel^n, 

SBir lieben Äöpfe, bie il^r ©olf oerfte^n; 

ÜWand^ offner 2 lrm bort mirb pd^ pnben. 

SRel^mt biefe ilartc, fragt ^l^r einP nac^ mir, 

3 e^t linfSum marfcl^ — bort märtet ©uer tl^ier, 

©lüefauf jur fernem Steife ©urem ©linben!" 

« * 

* 

Unb eine Stunbe fpäter mar’S im Schloß; 

3 lni $ofc mirb gerü^et 3^9 3 ftoß. 

3Bie flang’S auS anbrem eblem üRunbe: 

I „ajtein greunb, bcr l^öc^pe §crr Pnb müb unb franf, 

I S)od^ fagt er ©urem Dienfte bePen tan!, 

I Unb ©uc^ gebenfen mirb man biefe Stunbe. 

i Äommt nad^ $ 3 ien, ben alten Söclfen treu, 

1 tann melbct ©ud^ in ^)ieting ol^ne S^eu, 

Stemmt ^eut im ©orauS biefe harten." 

is-_«[ 


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242 


^^ 

fanf bcr 9(benb — fc^rocigenb fam bic 
3fnt ^l^ncnfoal l)idt man bie Eobtenroac^t, 

5(m Sarfop^agc ragen bic Stanbartcn — 

i 

®rci Eagc glül^n in golbnem ©onncnbuft 

I ®i§ über'm Sarg fic!^ f^Iog bic 3I^ncngruft, j 

ift ba§ ©rafcnmappcn. 

; 3Ba§ nun? — 3*» Sd^loffc mattet njotfenfd^njcr j 

©cmittcrfc^müle. ©rütenb l^in unb ^cr i 

5)ic ebten Settern fc^Iei^en unb bic Änappen. 

j i^mar fanb fic^ uor ein fettfam ieftament, 

I Eaö S3ünfc^e jroar, bod^ feine ^)tamen nennt; 

3Selc^ greubenfeft für ^boocaten: 

2ßaö galt fetjt ,^cugcnfc^aft uom letzten Eag, 

Eer ^a§ bcr Settern fermer auf ©rmin tag, 

Unb nimmer mugte fid^ fein @cift ju ratzen. 

I Ea na^t am teilten 3)^ittag, roie gefc^cuc^t, 

[ Ecr roaefre Sd^logmart, feine Stirn mar feud^t, 

I @ang at^emto^ fam er gefd^ritten. 

I „3}icin gnäbiger §err, man fragt im Eorf nad^ (?ud^ — 

, ^an roünfe^t, man ftreitet ficb — mic fag ic^'ö gleit^^/ 

3}ian tä^t ®ud^ ganj gc^orfam bitten. — i 

„3nt 35Birt^§^au§ unten, ^ei^t jum blauen §cc^t, 
iSflan fagt, bic alte ^)erbcrg fei ni(|t febted^t — 

Eort finb groei Eamen abgeftiegen. 

I Eämc^cn, eine füge, junge 5^ou, 

Eie 5tnbre ftotj unb oornc^m non ©efd^au, 

Unb ©eiben fd^cint fe^r niel an 6ud^ ju liegen." 

„So ift fic ba, mein ^Icnnd^cn, mie fic f^rieb, 

Eag Sorg’ unb Unrulj’ fic jur Sffeife trieb, 
j SBaö ift am ©rbftreit mir gelegen — 

I gort mit ^rojeffen jcljt unb i^rem @rau§! 

2Jfan fann auc^ glüdflid^ fein im ©auern^auö, 

3lft fic bei mir unb i^reö (Jngelä Segen!" — 

(gortfepung folgt.) 


c i m li e ö r. 


S^un ragft bu roicber, alter El^urm, 
3u §äuptcn mir, fern grü^t bie Stabt, 
3u meinen gü^en roc^t ber Sturm 
3m SBirbeltange ©latt um ©latt. 


Unb 5lllc§ roelf, fein §ä(mcl)en fprogt, 
Eoc^ bu, mein ^erj, bift ftarf unb frei; 
§or^! über mir f^roingt ficb gen Oft 
©in galfcnpaar mit lautem Sd^rei. 


®en Oft! ffiic Sonncnaufgang§glut^ 

Eurd^flammt eö mid^, i^r Schatten flicht, 

3Ba§ aud^ im Sd^oo§ bcr 3wfunft rul^t: 

SJfcin §ort unb ^offen bleibt mein Sieb! 

__ jtffreb SSodl. 

g$-ö 


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243 


'5!Cu 5 5em 'gSoinßofmci ^ftigaen6u(^. 


I- f^ub^iem. 


(Starre gclfcn, urroett^grauc, 

SRogen um bic grüne Suc^t; 
®runtcn mögt bie 5^ut^, bie blaue; 
®roben jagt ber 2Bolfen glud^t. 

(Stille gifd^er^ütten roinfen 
Iraut l^erüber, rot^bebad^t; 

3Bei§e ®egel fernl^er blinfen; 

5lQeö grünt unb blü^t unb lad^t. 


Selbft be§ alten Äird^leinS ffiänbe 
Ueberranft ein Stofenl^ain, 

Unb mit milber Slumenfpenbe 
©c^müeft er Äreuj unb ©rabgeftein. 

ffien ba§ ©d^icffal ^at uerfd()lagert, 
©ub^jemö ^'ort in beinen (Sd^oo§, 
3n)eifelnb mag er roo^l fic^ fragen, 
3Saö i^n bünf ein fd^öncr Üoo§: 


§icr ^u leben, ^olb ummoben 
®on ber Siebe linbem 3lrm, 
Ober unter SRofen broben 
5luö^uru^n oon allem §arm? 


11. Sitonbttiig. 

(2tm §ammerberg.) 

3ln fä^en SBänben fWrjt bie ©c^luc^t 
3um jadfigen Älippenftranb ^inab; 

!£rin mül^lt, mit nimmer müber Suc^t, 

®ie SSBoge fid^ il^r gelfengrab. 

^oil^o! ba§ bonnert, jifc^t unb fd^äumt; 

5)aS raufest unb fc^mettert, ftö^nt unb fc^naubt! 

®leid^ einem SRiefenfd^lac^trog bäumt 
®ie ©ee ba^ roeiggemä^nte ^aupt! 

I)er Urroelt ©agen merben mad^, 

3)er 2lfen unb ber X^urfen ©treit; 

Son ^ammermurf unb (Sd^ilbgefrad^ 

©rbrö^nt ringsum bie ©nfamfeit. — 

O 3Banbrer, trägft bu @ram unb ©roll, 

Dtic^t ©üblanböroein, Orangenbuft 
Jpeilt i^n fo gut, al§ baö ©eroH 
X)er ©aljflut^ in ber Älippengruft. 

3tur jögcrnb fteigft bu brauö empor, 

Unb lange, lang in Suft unb Jöe^ 

2Birb braufen nod^ in beinern O^r 
®a§ ©cl^icffalSlieb ber SRiefin ©ee! 

SKeiitQofb $ti4s. 


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244 


Pon Suan’s ^tdnbc^en. 


©tiH fomm’ id^) gcjogcn, 
©pä^cnb burc^ bic SRoc^t, 
Ob am gcnflcrbogcn 
3Rir ein fiicbc^cn roac^t. 

Siebc^cn, §olbc, traute, 
Slcib nid^t unbewegt, 
ffienn uor bir bie Saute 
©anft mein Ringer fc^lagt. 


©ie^, bir ift ergeben 

mein §er^ unb ©inn 
gür baö ganje Seben 
©i3 jum tobe l^in! 

©d^Iteg’ mir auf bie t^üre, 
Sag mid^ ju bir ein: 

Sred^’ ic^ meine ©cbmüre, 
SGBiß oerbammt id^ fein. 


§ord^! Sie Stiegel flingen 
Unb mein ©d^ä^d^en eilt. 

SJtorgen miß ic^ fingen, 

2Bo ein anbreö meilt. 

^eobor 39eQ(. 


^ e tD i t t e I. 


Äein Süftlein regt fid^/ 
Äein Slatt bewegt fi^, 
mac^t bie ©c^wüle 
Sa§ 2ttgmen fd^wer. 

Sod^ fd^on roßt mäd^tig 
Ser Sonner, präd^tig 
SurebjudPen Slifee 
Sag SBolfenmeer. 


Unb feljt! 0 ©egen! 

tränft ber Stegen 
Sie bürren 5(uen 
SStit fü^Ier gtut^. 

©d^on jogen weiter 
Sie SBolfen, Reiter 
(Srglänjt am ^immel 
Ser ©onne ©tra^l. 


©0 wirb jum Stetter 
Un§ oft ein SBetter 
SJtit ©türm unb Slijjen 
®on fd^wüler Ouol. 


S^nfiiis ^tnrni. 


gm :X5en5f(^atten. 


3tm tage wo^l mein Seib entfc^Kef, 
Soc^ pnft ber 2lbenb nieber. 

Sann flingt e§ mir im §erjen tief 
3Bie iängft oerraufc^te Sieber. 

®§ braufet, wie ba§ SJteer in 3But^, 
3n ©türm unb SBeßenfdbäumcn 
Unb wie ein ©d^ifflein auf ber gtut^ 
SBiegt fic^ mein ^erj in träumen. 


Sa§ tönt wie Stad^tigaßenfang 
SJtir Uagenb im ©emüt^e, 

SSon @lücf, bo§ längft bie 3cit oerfd^Iang, 
SSon aSaicnluft unb Slütl^e. 

®ar Sieles fommt mir in ben ©inn, 
Son ©d^merjgefül^l burd^put^et; 

©0 maß’ id^) bü^er träumenb gin — 
©tumm jueft mein ^erj unb blutet... 

_ ÜUem. 


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Später 3fri^ßwg. 


3Bcnn mir in büflcrn ®intcrtagcn 
®er trübfinn fc^tcid^enb na^e fam, 
Unb ic^ ein troftloS ftumm ©ntfagen 
gür ^oc^flc Sc6enön)ei§^cit nal^m: 
$at immer jufl jur redeten 
Ser grü^ling febopferifd^ geroaltet 
Unb ^ot in mitber ^»errlid^feit 
Sie ganje ffielt mir umgeftaltet. — 


Ser ©onnenfd^ein, ba§ ©lUroinbmel^en, 
Saö jugenbgrüne ©aatenfelb 

meine ffle^mut^ ftiil nerge^en 
Unb mieber liebt’ ic^ biefe SSett. 

raufest’ im golbburc^glänjten ^)ain, 
3m ber ®räfer fonnt' ic^’§ lefen: 
2öaö ift, ifl lüürbig aud^ ju fein, 

Sa§ Seben me^r alö nur oerroefen. — 


Umfonjl nun l^arr’ idb lange SWonbe 
Sem trofteöreic^en grü^ling§glücf — 
SBär’ä möglidb, ba§ bo§ függemo^nte 
9^ie fäm ber 3D^enfd)^eit me^r juruef ? — 
Soc^ fd^on fingt fro^ bie S^^ac^tigaü; 

fe^nt baö ^jer^ fu^ nid^t uergebenS, 
Salb glänjt im TOaienlicfet ba§ Ätl 
Unb beutet unö ben 2üert^ beö ÜebenS. 


3U ^olTe. 


'^ttö tDäi’ mein c^eBen? 

2Ba§ lüär’ mein Safein, roenn ic^ bid^ nid^t ^ätte? 

Ser 323ogen fiurmberoegteä ©piel! 

Senn mic ber ^^ilger ftrebt ^ur- SBaüfa^rtSftätte, 

Sifl bu mein ^ei^erfe^nteS 

Unb menn id^ überfliegen Serg unb Älippen, 

Sein SlidP mir frifd^e Äraft uerleil;t, 

3d^ trinf ben !üol^n non beinen Sippen, 

Unb mein ifi ^öd^fte ©eligfeit. 

3d^ fü^t bie ©c^ranfen nid^t non fRaum unb ©tunbe, 

SBenn mid^ bein 5lrm umfc^lungen l^Slt 
Unb menn ba§ SBort non beinern äRunbe 
3n meiner ©eele Siefen fällt. 

©0 ifi’g bem Pilger, ber am ©nabenbilbe 
Sen §immelöfrieben fid^ erpel^t, 

^'lac^ langer SBanberung burc^ Somgeplbe 
3n 2lnbad^t meltoerloren fte^t. 

O lag mid^ rul^n, in beiner ©(^au uerfunfen, 

9ln beinern ^)er^en treu unb ma^r, 

3u ließen glammen lo^’n bie gunfen 
5luf meiner Siebe §od^altar. 

$ieg0. fii^etigröti. 


S- 


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246 




flieht in 

bie roürj'gcn 93(umenbüftc 
Steigen auf Dteid) bev Vüfte, 

So la^ bu in frommer ^^i^eife 
5)ein @ebet ju ©ottecs '^>reifc 
3lufmärt^ burc^ bie 3Bolfen bringen, 
grieben in bie ©ruft ju bringen. 

glie^e baö ©eräufc^ ber ^age, 

3^re greuben, i^re Älage; 

C'ir im ©eift ;ium ©eltenoater 
bem meifeften ©erat^er; 

Ü^iemalä toirb beö jtinbcö gieren 
llnge^ört oor i^m oerroe^en. 


MI 

5)urd^ beä Scben§ 2Be(i^feljeiten 
©>irb bid) ©otte§ §ulb begleiten, 
greube fpriefiet allerroegen, 

Sclbft ba§ Unglücf mirb jum Segen. 
5)er, be^ ^änbe SBeltcn Icnfen, 

2öirb auc^ gnäbig bein gebenfen. 

cf^eirge geier, fel’ge Stunben, 

©>enn bu fo mit ©ott oerbunben. 
^Jtid)t bie ^öcbfte Suft auf ©rben 
3Jtng bamit oerglid^en werben. 

Sßa^reö ©lücf blü^t bir ^ienieben, 
Strebft bu nur nac^ innrem grieben! 

_ 9iA. 



Islandfi8cher. ^ou Pierre Loti. 
Ucbcrjc^t oon Carmen Sy Iva. (^onn, 
Crmil Straiifi.) (^in t)ocbcrfreulid)cö unb 
bebcutenbeä ©erf, baö ben ^i'erfafjcr mit 
einem Schlage in bie erftc S^eihe ber leben: 
ben ?lutoren ftcUt unb boö moblgccignet er: 
fcheint, ba§ beutl'cbe Urtbeil über bic neu: 
fransöfifche D^omanliteratur roejentlich ab: 
juänbern. Ta^ ein |old}e§ il'erf, ba§ fi^ 
ju allen 3tu§njüd)fen ber neuen, naturalifti: 
fd^en 9?ichtung in entjdjiebenen (''e^nfah 
fteOt unb überhaupt burch feinerlei Mittel 
ber ^echnif, burch feinerlei inhaltliche Spann: 
ung ober Ülbfonberlid^feit jeiue ii'irfuugen 
erjielt, bie lepteren oielmehr auöichlicbiid^ 
feinen ungeroöhnlichen, rein poetifd)en © 01 *= 
3 Ügen oerbanft, im granfreich oon heute fo 
qro^eö 3luf|ehen erregen fonntc, ift fidjcrlich im 
fetanbe, mond)c§ beutjehe ©orurtheil fiegrei^ 
ju roiberlegen. Unb roenn bie Ueberfeperin, bie 
ja felber eine bebeutenbe unb feinfühlige 
^^ichterin ift, im ^^oriiort ju ihrer begreif: 
lieber SSeife meifterhaft auägeführten 'Arbeit 
— benn (Farmen Sploa bidjtet felbft in fram 
göfifdjer Spraye, roie in beutfeher — bie 
Wartung auöfpricht, bap bieg 3i5erf ba^ii 
bienen werbe, bie beiben Stationen, bie fo 
gum Unheil für bie ©eit fich als geiube be? 
trachten, einanber brüberlich angunähern, fo 
ift bie§ ein ©uiifd;, ben wir nur auf’ä 
3nnigfte theilen fönnen, beffen (nfüllung 
mir aber leiber bei bem bebrohlich wachfen: 
ben (5hauüini§mu§ hü^u^u wie brüben mehr 


al§ je bcgweifeln müffen. ^oti’S „SSlanb* 
fifcher" finb ein überaus reigooüeS, h^th* 
poetifcheS Jbpll ooU fein empfunbener, gum 
^heil finnig:fchlichter, gum ^Ijcil rührenber 
unb wieber großartia gefchilberter Scenen. 
^"ic ^efchreibung biefer bretonifchen gifcher: 
börfer in lanbfchaftlicher unb fultureOcr .^'im 
bie Schilberungen beS 3}tecreS bei ©inb: 
ftille unb Sturm, bie ViebeSgefchichte ber 3u)ei, 
bie fich fd^lie&lich nur finben, um fich halb 
wieber gu oerlieren, baS 5llleS ift in jeber 
3eile meifterlich, in iebem Strich eigenartig, 
paefenb, acht, bis in’S Äleiiifte aujchauli^ 
unb wahr. Taä imch oerbient bie aUfeitige 
3Iufmerffamfeit unb wirb fich alle bichterifch 
geftimmten t^^emüther im Sturm erobern. 

Konrad Telmann. 

Karl Gerok, ber Senior unter ben beut: 
fchen dichtem — er würbe 1815 gu 5l«aihingen 
geboren — ber Schüler C^uftao SchwabS, hat 
feinen gahlreichen i'ieberfammlungen unb 3rit' 
gebichten, religiöfen ober patriotifchen 3nh"altS, 
in Stuttgart bei (^reiner & i'feiffer (1887) 
ein nun bereits in fünfter Sluflage erfchie= 
nenes fehmuefeä 58änbchen „Unter dem 
Abendstern** folgen laffen. ^Tie reich mit 
Silber unb (^'olb, Stern, ?eper unb Korber 
gefchmüefte (^inbanbbeefe birgt gunächft eine 
reine .fpeliograüure beS greifen ^TichterS, beffen 
fdjarfgefchnittene 3ügc an grang ^ifgt ge: 
mahnen; eä liegt etwas wie S^merg, Strenge, 
3weifel über ben gufammengegogenen ©rauen. 






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- 5 ? 


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I 


ben gcfd^loffcnen Sippen. ‘I^ic wcifien bcr 
neuen ©ebic^te finb fo 3 ufQgcn 0 i(^oiiettcn 
üon ^Humen. ®cv 3)leifter tneift non glad)§= 
blüt^c unb |>en-gottöbrot, ©d^äfertäjcl^c^en unb 
2 öegioartc ctroaä i^ioetifdjeö ober (^eiftnollcä 
511 lagen, unb fleibet (iJebanfen unb (Mefiit)ic 
in reine ^eime, lecjt fic lüic 53lumennnbenfen 
3 n)iid)en raed^feheic^e unb jierlid^e ^^er(e. 
2 tiicb (^elegen^eits^ebidjte, ein @vuii an ben 
JKci^öfanjler ^um ^ 0 . (Geburtstag, ein glcii^cr 
an 3 - Sifc^er, finben fid) in bem (^3olbid)nitt= 
büdjlein. 3.^on bem ^^anbe fann man auf 
bie grage (^'erof’ö ( 3 n ein jungeä 'l'farr^ 
^au§, 0. 120): 


„^0 trifft mau noci^ ben grieben 
;gn biefer 2öelt noU ©treitV 
feo Raufet no(^ ^ienieben 
^^erborgne ©eligfeit?" 


autroortenb jagen: .^ier, fjier in biefen Sie= 
beru roe^t ein .i^ud) mit bem Seben fertig 
ober ein§ gcroorbenen griebenö! Unb unter 
fo manchen fnappen ©prüc^en ^at unä bei* 
am beften gefaücn, meil er eine — feiten be= 
l^erjigte — 2 )ta^nung enthält: 


„5)ein befteS 0 ÜJtenfc^enfinb, 

^i^erebe bir mit nid)ten, 

T'afe e§ erfüllte SBünfe^e finb, 
fntb erfüllte '|>flid^ten!" 

Alfred Friedmann. 


Edgar Steiger, Der Kampf 11 m di« 
nene Diclitung. Äritifc^e U^eiträge jur 
(^cfd)i(^tc bcr 5 citgcnötrifd)eu X'eutfd)en Stte^ 
vatur. Seip 3 ig löC'O. Verlag oon JHein^oIb 
SBert^er. llO ©. ^er e^ilicp nad^ ^Balirbeit 
ftrebenbe JÖerfaffer bce^ oorfte^enben 
loiU bie 'Slleinbcred^tigung eiiieä neuen 3I'eIt= 
beiDu&ifeinä auä bcr angcblicbon fittlidien 
unb rcligiöfen ^^encbelei bcr (^cgcnioart be= 
mcifen, aber bie gleiche ^Inflage ift mit 
glcicbem 9?ed)t unb Unrecht fd)on* oor Jsabr= 
punberten erhoben morben. '^iefe§ iK>eItbe= 
rou^tfein foU in (^kf^idbte unb 0 -in 5 eIleben 
3 iDar ba§ i^arioiniftifdic (^ntraicfelnngögcfeb 
gelten laffcn, babei aber boeb ber ©elbft: 
berrlicbfcit bc§ menfd^lid)en ' 2 BilIen§ geredet 
loerben. ^ber biefe iöeltanfcbanung ift ibrem 
innerften SBefen nad) nid;t neu ((^oetbe, ia 
(^pifur unb Sucre 3 !), noch forbert, loaä eben 
©teiger annimmt, eine nene Scltanfd^auung 
ohne Seitereä eine neue i'ocfic. 5 )er il^er^ 
faffer tappt, trob feiner pbilofopbifd^cn ':iMlb= 
ung, bo(b im ^unfein, inbem er fid) SBefen 
uno bcr '-l^oefic nicht flar maebt. reä- 
balb fann er fid) auch, trop reblid)en CHferä, 
oon bem ' 2 knnc ber „nnflarcn nnb nnbc= 
ftimmten" 53leibtrcn’fcben ©d)Iagu)orte nicht 
gan 3 frei mad)cn. (s^r miU „bie Sieblofigfcit 
be§ poetifdfen Tarminiömn§" gemilbert miffen 
„bnrd) ftärfereä Jperoortreten ber fubjcctiocn 
©eite be§ Sebenö nnb bnreb baö bentfd)e (^'c- 
mütb", b. b- «r geucr unb il'affer 311 = 


fammenbringen. gerncr fpriebt er oon einem 
„menfcblicbcn llnenblicbfeitäbeiuuptjein", toeI= 
cbeg ben enblid)cn ©toff burd^bringen fott, 
aber ein toabreö UneblicbfeitSbeioubtfein giebt 
ja ohne 2 öeitere§ ben ^bealiämng, unb ba§= 
jenige, maS ihm in bcr materialiftifcben 2 öe(t= 
anfd^auung am näcbften fommt, b^t febon 
oor 19 3 o^rbunbertcn im 2 ucre 3 ifd^en @c- 
biebt feinen erbebenften Sliiäbrucf gefunben. — 
91ur barin bat ber ^erfaffer 9fecbt, bag bureb 
bie er^äblenbe 'ßoeric bcr (^iegenmart nnb 
gum Übeil auch bureb ba§ moberne Ü)rama 
ein realiftifcber 3 ng gebt, aber biefe (hfd^ein= 
ung bat mit geioiffcn iüngftbeutfd)en (^peeffen 
in übcorie unb bid)terifcber '“lirajriS roenig 
311 tbun. — Ü'er Ü^erfaffer ebarafterifirt auep 
bie .'Jauptoertreter ber neuen 9 iid)tung, 100 = 
bei er ÜHeibtrcnö ©treben überfebäbt unb 
bie Seijtnngen .itircbbad)ö unb bcr ^art’S 
unterfdbäpt. ü^ic lueltcrlöfcnbe „^toefie ber 
übat" aber, oon melier er fpriebt, ip ein 
Üranm gäbrenber (i^eifter, ber mit bcr lflär= 
ung febioinbcn roirb. 

Adolf Brieger. 

Jngendklänge. SBalbs unb SiebeSliebcr 
oon Pani Hildebrand. Berlin 1888 bei 
maic .f*>artmann. 3 a, frohe 3 ugenbflängc 
finb cä, bie nnS in befebeibenem Ö^cioanbe cm 
reidbbegabter junger ü:id)ter barbietet. 3 ngcnb= 
flänge finb eä aber auch 00 m ©tanbpunft 
einer ftrengen Äritif aus, beim bie gönn bat 
bem „©ängerämanu" manchmal nod) locnig 
A^arm gemacht, unb anper unreinen nnb Der= 
brauchten fReimen hier unb ba, groci biä brei 
unrichtigen 9fcimftetlungen, finben ficb fogar 
oereingeltc 3 »terpunction§febler oor; auch 
märe manebeö ( 8 ebicbt an§ frübften lagen 
beffer uugebnicft geblieben, — aber trop aUc= 
bem greifen biefe Seifen bem Sefer tief in 
bo 0 Aperg, benn eä quellen marme «pergenS^ 
töne au§ ben fcblicbten Üfaturfinbern bcr 
^>ilbebranb’fcben 'JJtufe nnb ein feiner Ü^uft 
fünftlcrifd)en (F^mpfinbenä febmebt über ihnen. — 
berührt anpcrorbentlicb mobltbuenb in un= 
ferer 3 eit, in ber robfter Ülaturali§mu§ unb 
faifcb aufgcfaüter 'PeffimiämuS in öbeftcr C 8 c= 
fpreigtbeit bie grofie .^ccrftrafic entlang gicben, 
einer bavmonifcb abgeftimmten Ü'iditernatnr 
gu begegnen, bie in ihrer glücffeligen (5-igen= 
art fingenb nnb fnbelnb an ben Jtlippen* bcS 
Ü'afeinä oorüber manbclt unb ben llummer 
nur in breierlei (i'eftalt fennt: 5 ^aä ©dunoHen 
ber Siebften, fcblecbteä Setter unb — fdblecbten 
Sein, ^inem 'piebfer, bem folcbe marme, 
ed)te Älänge, mie bie bter gefpenbeten, gu 
(>^ebote neben, bem fann ber liebeoollüc '21 n§: 
bau bcr gorm nicht febmer fallen. Senn 
'Baut .^ilbbranb feinem ©treben nach ^'ofls 
enbung, mie es bie fteine ©ammlung in ber 
(vntmicfelung geigt, treu bleibt, bann mirb 
er febr halb ein froh begrüßter @aft unter 
3J2entd)cii oon mabrem (^5efübl fein. 

Hermann Meissner. 




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C. A. U. in A.-A—i. (Sie meinen n)a^r= 
[(^einlic^ ^crn]()arb non 2 epcl (lbl 8 —1885), 
ber als preuftifc^er Cffuier 1848 feinen 2 lb= 
f(§ieb na^m iinb 33crfaffer ber „lieber au§ 
^om" (184G) unb „©cbic^te" (18GG) ift. 

3 *^ fWamen beä ^errn '^^rofeffor Äavl iiiciß 
in 'iprefeburg erfud)en mir biejenijen nnfercr 
£efer, benen ber 33erfaffer be§ i^ebicl()te§ 
(^iöcflein non Joness" befannt ift, um gefl. 
^^itt^ciliing hierüber. 

I)r. H. H. in B—n. Sie nerfic^iern, baft 
unfer 9’?unbfcbreibcn, mittels befjen mir boS 
ebrndt norliegenbc ^Katerial für unfere 
iteratnrgefd^ic^te m ergangen fud^ten, auf 
Sie ben beften ^inoriid gemacl()t ^abe. 3^^^^ 
Unparteiifd^e mufe, roie Sie fefjr richtig be^ 
merfen, baran erfennen, ba§ unS anS ber 
(5in^oIung fold^er fad^lit^cn ü)Utt^eiln^en 
nid^t eine ^rleid^terung, fonbern eine Sfers 
mebrung ber Slrbeit erroäd^ft. 

K. W. in H—g einige ber „^IpboriSmen“; 
E. P. in T—n „öinfl unb jept"; G. v. B. 
in J—a „Sebau auf mic§ ^ernieber" u. f. ro. 
unter bem 4itel „iöitte"; C. S. in W—n 
„(SromroeQ"; H. K. in M—r unter bem ‘i:itel 
„2(m nereiften Strome*; Th. K. in Z—au 
„jebenäbilb* (geben Sic unS ein roeniger 
abfonbcrlid^cS 'ßfeubonpm an); Dr. A. W. 
in D—f „^u ober Äeine*; P. S. in VV—r 
„9^ad^tge[ang"; R. S. in L—au „(Srifa nom 
9iiebe* (unter (Strcid(|ung ber legten Strophe). 
Angenommen! 

R. J. in B—n (^u aUtäglid^); A. H. in 
M—m ( 3 U ^efd^raubt im 3luSbruc(; fReime, 
inic bie ennal^nten, finb juläffig); H, P. in 
T —r unb E. K. in B—z (o^nc (Stimmung; 
Sic leiftctcn ®effcrcä); P. F. in G—n (fud^en 
Sie eigenartiger 311 gefialten); P. K, in K—f 
(in^altlid^ nid^t gefd^maefood); T. v. P. in 
B—n (faßt gegen ben Sd^lufe bin ab); L. 
W. in S—tz uu unfertig); I. A, v. S. in 
G—z; H. M. m N.-R—-n (febon formell 
ohne aHeS QJIeicbma 6 ); H. H, in S—p (gu 
roenig burebgearbeitet); Cb. W. in S—g (eS 
freut uns febr, bafe audb 3 '^”«^^ ißolframSs 

t6(blub ber Slebaction biefer 


lieb gefällt; boeb mir fonnen feine ©ebiebte 
barüber bringen, jumal mir febon etroaS 
2 lebnlidbeS oeröjjcntlicbten); Th. M. in N—n 
(bäufig nüchtern)- H. D. in B—n (nicht 
gleicbmäüig ausgeftaltet); K. A. H. in ü—n 
(niebt recht flar)- R. P. in A—n (ftreben 
Sie nad) licbtooucrcr ‘I)arftcllung unb ners 
meiben Sie gefuebte Söenbungen); G. E. in 
L—ck (oerbraudbter (^ebanfe); P. W. in 
N—g (gu breit angelegt); R. E. in W—s 
(ohne rechte innere fitötbigunflp; A. Sch. in 
B—n (gu nüchtern facblicb); E. K. in G—n; 
M. M. in A.-B—y; C. J. v. J. in J—1 (gegem 
üanbSloS); A. K. in W—g Tgu bürftig); 
R. 0. in E—n. üankencl abgelehnt! 

J. L. in G—a. T}\t mitgetbeiltcn groben 
3brer literarifcben ^)umorcSfc machen unS 
begierig, baS (i^ange fennen gu lernen. 

L. P. in B—1. Sprüche, fepigramme unb 
berglcicben merben mir in einer ber nächflen 
5^ummern bringen. 

F. S. in P~m. SSir fönnen in foicben 
gäücn, roo eS unS gu oiel 9faum fojlen 
mürbe, bie ©rünbe ber Ablehnung bargulcgen, 
eine jbitif im ©ricffcbalter ni^t ertbeilen. 
53enugen Sie unfern brieflichen ^erfebr! 

Dr. V. H. in T—r. ©enn Sie bie be? 
treffenbe ^4^cricbtigung im „Spredhfaal* abges 
brudt münfeben, bitten mir, unS biefcibe bruefs 
fertig ftilifirt gu liefern. 3 ^^^ ®ucb ift »ers 
fanbt roorben. — 53ei genauer Äenntnife ber 
23crbältniffc mürben Sie in ber bemühten Sin« 
gelcgcnbeit anberS urtbeilcn. S®ir hoben 
nun halb gebnjährige (Erfahrung für unS. 

A. M. in H—g Sicherlich brütet unfer 
(SJegner mieber über finftcren dfacheplänen; 
Sie merben unS jeboeb geroih nicht im ©mfte 
mmutben, unfere l!cfcr noch ferner mit bem 
^allc „fvrangoS" m langmeilen. SoHtc biefer 
.perr neue Störchen gegen unS im Umlauf 
fepen, fo merben mir unS fünftig nur noch 
auf furge, rein facbli^ gehaltene SBiberleg« 
ung berfelben befebränfen; auf bie neueften 
Glaborate im 33ricffaften feines 58latteS ift 
aber Sebmeigen bie cingig gebührenbe Slntroort. 

stummer: 16. gfebruar 1889.) 


Snhaßspergetdfnti 


CebiCbte bon flrinridi Snltbanpt, €. Ülrorf, .Xlfrtb 601k, ttrinbolb /nikf, /robor IVebl, Snlfiii dtnmi, 
Carl tlie«, K. Cale, iblrob. CiibrvQri« unb <Srn(l 3i(k. — Woltbrr von brr Doorlnribe. S)on M. Corenj. (Scblug.) 
— Dai Ooikramfiirb. (^n @ang au8 unferen 2:agen. S8on 3Qlint Crojfr. (f^ortfrbung.) — Btiibrrriboa. — 
BrieffibaUrr. 


^cifbntdl mtr unfer geucner ^uelTeiiaiigiiOe geduftet. 


Sefledungen ftnb gu richten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag), (Sinfenbungen 
an bie Redaotion des „Deutschen Diohterheln“ in Dresden-Striesen, ^mmiffton: 
Trüb’sohe Buchhandlung (91. Sdhmittner) in ZQrloh unb E. Steiger iu Cie. in New-York. 

--Ö 

(i^ef«9tebacteur unb (Sigenthümer: dieinie^ dfebacteur: gtuMf ^oeffe. 

soll Rcsbinoiib in ICrcibca. — fpapicr Don bar ^rtBbata ftaptarfabttt. 


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Drgnii für DiltKuti|i und ^ritiK. (Der „Seutflen d)iititrrfiaffe" 18. £iinil.) 

_ ^erttitgflcber: y^nC «^einje. _ 

Monfttlich 2 mal. Freia: 6 halbjährl., Tonaacahlb. Man abonnirt durch Jede Buchhandlung, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des „Doutscheu Dichterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nur bis 
1. Mftrs beziehentlich l. September angenommen. Einzelne Nummeru k 50 ^ 6 Stock einer Nummer Jt 1,50. 


I 

I 



V 

1| litt ifeittes ^ittO^ett, fiurgen 
^ \ §tin ^ett^er Ofiill 

7ott ieitter SSorgeurdlfe fpxid^Vsj 
S^it gofbgeiPttttbet Qellrett ^tittHttefsgA^ett. 

fs iPttttbem Um in gtnnent iiCeib 
Vorbei bie ^inttben; rnngfiitn f^xtiUi 
Per jirbeitstttg; nnb fern nnb nieit 
c^iegt brnnHen nnr in ^fnn} bie JbeCi gebreiiei. 

Po4 e9’ ber fng fi^ neigt inr 
Pnrtbf^^ntinert’s feis bie bCeii^e ^nrbe 
9nb nnQt nnb grn||t^ nnb nfb^fitb fnft 
Sbriift es Qerein mit gotbner ptrnQfengnrbe. 

po bes Gebens SS&fetng 

^m mntten nii^t }n fd^enen 
9ttb jn Qnrr’n^ bal man vermag^ 
jittf feine jibenbfonne ^4 in frenen. 





Sbif^efm Jenfen. 


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?r 


5? 



Jui '3’^ü(ßeitfiiexatui. 

^in fritiici(|:Iiteranf(^e8 9?otum uon 'ISrof. Dr. (p. 


I. 

' 8 begreift fid^ leirfit, bafe, roenn 
bie 53a^n auf irgcnb einem 
Gebiete unter günftigenÄufpis 
eien eröffnet ift, fic^ goblrcic^e 
aWenfd^en pnben, bie Hdb auf 
berfelben beS ©eiteren uerbreiten ©itlenä 
fmb. ©0 mar e8 non je^er auf tec^nifebem 
Gebiete, (o ift e8 b«ute no(b auf bem 5^lbe 
ber Literatur. !Der ^folg be8 93abnbred^er8, 
beffen S^iingen 9'^iemanb nennt unb beffen 
Opfer man ni^t fennt, reigt in8befonbere 
auch bie ungufriebene 2Rinberfraft be8 ©tre= 
bertbumS, an jenen ^folgen tbeilnebmcn gn 
rooHen, ficb einen ^b^it ber ^erbienjte beS 
'Pioniers angueignen, ja, |o e8 möglid^ roore, 
an feine ©teUe ficb 3 ^ brängen, um ficb fo 
mit bem (^lorienfcbein einc8 nur bem 55abn' 
breeber gufommenben 33erbienfte§ umleud^ten 
gu taffen. 

^ueb auf bem früher ganglt(b unbebauten 
jjetbe ber D^üeferttiteratur, auf bem noch feine 
gurebe gegogen mar, b^t e8 ficb 4>erau8= 
gäbe meiner erjien D'iücfertbiograpbie im Xobe8= 
labre be8 OiebterS in erfreulicher, aber auch 
gum Xbciic roirflidb bebaucriicber Seife gc= 
rübrt. (58 finb — meifi auf (^runblage be8 
non mir beigebraebten Origina(material8 — 
mehrere ^Jubiifationen crfcbienen, roetebe nacb 
meinen gingergeigen einige für biefc ober jene 
Oiebtung betangreicbe (5ingeIfor(cbungcn er^ 
gaben. (3Wan oergteicbe bie arbeiten ^)uncfer8, 
ffiingeratb8 unb 3lnbercr, roetebe icb in „S^acb- 
gct. Ö5ebicbtc unb 3fleuc8 jc." gebübrenb ans 
erfennen burfte.) 

?tuf ber anberen ©eite erfebienen aber auch 
gtiefs unb ©toppetarbeiten, bie ficb oon bem 
näbrten, roa8 roir auf ber ©trabe tiegen 
tiepen, bie fnodbenabgebrenben (5ompitationen, 
roel^e ficb guroeiten ben ftotgen 9iamen 
j,9*iücfertftubien" beitegten, bie idb aber roegen 
ihrer 93ebeutung8tofigfcit biStang ignoriren 
;u müffen gtaubte, roenn icb immerhin 
oei einigen relatio befferen Slrbeiten Unridbtigs 
feiten, Ungenauigfeiten u.a.naebroeifen miipte. 
(ÜWan oergteid^e begüglidb ber ?lrbciten Äüb- 
ner8, (5aj. ÜKotterS, ®brarb8 u. f. ro. meine 
„iWeuen 3Kittbeitungen" II. 33b. 2ü ff.) 

ülteinen S3eruf, b*^^ ^cinc 33abn gu fdbaf: 
fen, ergiebt roobt unaroeifelbaft ber Umftanb, 
oab im nadbgerabe Drei Oecennien binburdb 
bie beite ^aft unb meine8 2eben8 ber 
©rforfebung, 3lufftarung unb 'fSoputarifirung 
0 e8 bi8 1866 in unburcbbringticbem i)unfel 
getegenen 0ffücfert’f(ben (^cifteStebeiid nicht ohne 
burqgreifcnben ©rfotg geroibmet unb in g e b n 
gröfeeren, gum Xbeit mehrfach aufgelegten 
$ubtifationen, roie in ungabtigen Heineren 
dffapS mit ben größten Opfern ba8 nunmehr 
allcntbatben benu^te Quettenmaterial 
gelief ert haöcj Die nacbroei8tid&en gebter 
in ber ©dbrift: J^einridb 9iücfcrt8 Veben oon 


©obr unb SRcifjerfdbeib, foroie bie leichtfertig^ 
feiten in ben merfroürbigen ^ublifationcn 
eines Dr. 5^opbcrger, oon roelcben ich für bie« 
fc8 Wat nur feine fogenannten 0ffücfertftubien 
bctcucbten roill, inbem icb Vs beS feine 
geber an ben ^)3rangcr fteflenben ©efebreibfets 
für beute noch febenfe, roürbe ich nur oorübers 
gebenb bebanbett haben, roenn mich nicht eben 
biefer ^err 33orberger in gerabegu frecher 
Seife getegenttieb einer 33cfpre(bung meiner 
geboten '^Tublifation: „griebricb ilfücfert. 
(^in 2eben8s unb Oba^afterbitb für ^auS unb 
©d^ute. granffurt, ©auerlanber, 1888", 
berauSgeforbert hätte. 

„Sill ber ^err ein länjlein roagen, 
mag nur fommen, idb fpiet ihm ein8 
auf." 

Wöge man mir atfo oerftatten, gunäcbft 
bie faubere jHecenfion biefeS ^erm ^^o^berger 
im „iUtterat. 33t." unter bie 2oupe gu nehmen. 

11 . 

griebridb 9fücfert8 ©ebanbung im 
(^rabe! 

Wotto: a) „3u allen 3eiten empfahl e8 fidb, 
auf ojienem Warfte gu flrebern, 
ftatt ftiller 33erfenfung in bie ^unft 
gu leben." 

53teibtreu (in „Slfeootution 
ber i'itteratur"). 

b) „Wänner, bie fernab oom 2arm 
be8 WarfteS ben innerften ^in« 
geroeiben ibreS SefenS Original« 
feböpfungen in blutenber grifdbe 
entreinen, müffen fnb’S ebenfogut 
aefaticn taffen, oon noferoeifen 
impotenten befritictt gu loerben." 

(Derfelbe ebenba.) 

Der D^ecenfent beginnt feine fogen. Slfecen« 
fion mit ber 3lnerfennung: „Der Xon biefeS 
33u^e8 habe ihn überrafebt; er fei — fo 
febtiebt unb gugteidb fo roarm, roie er ihn 
oon Dr. 53e9er noch nicht geroobnt fei." 

©dbon mit biefem (5inteituna8fap fpriebt 
ber D'fecenfent roiber beffereS Siffen — Uns 
10 ab re 8. ^r bat mich früher naebroeistieb 
in ben Jpimmel erhoben, bat oon ber „bin« 
reifeenben ©pracbe be8 gelehrten 3ierfaf)er8" 
ber D^ücfertbiograpbien, oon bem ihm (33oj:= 

a geroabrten, „oollenbeten öftbctifcben 
" auf b:m 33eper „burdbauS beintifeben 
33oben" ^efproeben, er erfannte bie 3lutoritat 
be8 oerbienfloollen ©dbriftfleHerS 33eper be« 
fdbeiben an, er fpracb oon bem Danfe, ben 
man 35e9er fcbulbig fei, nannte ficb feinen 
©dbüter, feierte ihn at8 Weifter u. f. ro., er 
empfahl bem 'Uublifum 35eper8 Serfe über 
JRücfert gu eifrigem ©tubium n. f. ro., bi8 
mein 33erle^r bie unoerbältnifemaßig um« 
fangreidben fenttebnungen au8 meinen Ser« 


te- 




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251 


feil, u)el(^c o^ne 'aufü^rungögeic^en erfolgten, 
gum ÖJegenftanb einer Äloge gegen ben Sjer* 
leger ber ©oirberger’fd^en ^rof^üre gii ergeben 
I bneflii^ ÜKiene mad^te. 

I 3 *^ SBerlaufe ber Jlfecenfion oermog 93oj:= 
' berger nid^tS gegen mein 33ud^ gu fügen, ja, 

I er ift fo gütig, mir gu begeugen, Sag i^ 

„ooHfommen geleiflct, roaS i(§ mir oorgenom= 
men*', aber Dafür nörgelt er am 'Titel unb 
oerfud^t gur T)ampfung ber „a^nung", roem 
ber SSorrourf beS abfc$reiben§ unb beS uns 
berufenen Öntle^ncnä gelte, biefen ©onourf 
— mon flaune über fold^e Sogif — auf ben 
mir aufrid^tig befreunbet geroefenen ^einri(^ 

I Dfürfert gu lenfen, — auf §einrid^ fÄurfert, 

I ber meinen fRüefertarbeiten bie böd^fle au 8 = 

I geid^nung ni^t nur in freunbfd^aftfünbenben, 

I oon „aufrichtiger Ergebenheit unb 

I T'anfbarfeit" oefeelten, gur Einficht burch 

©erufene bereitliegenben ©riefen beroie«, fons 
bern auch in einem benfroürbigen artifel 
I über mein ©u^ bie fchlechten Erfahrungen 

I branbmarftc, bie „bem ©iographen Sltücfertä 

I . nicht erfpart blieben". 3^^^ 90 ^>e nie mit ben 
I ungähligen anerfennungen meiner authens 

I tilgen gorfchungen unb arbeiten auf bem 

, fHücfertgebiete, nie mit ber greunbfehaft ^ein= 

j rieh 3’füäert3 mich »Qe^niftet", obroohl ich 
@tolg berfelben ebenfo enoäbnen barf, al 8 
ber anerfennung ber allDerehrten geifioollen 
I Tochter SfücfertS, ©'taria, mit ber ich ®«^e 
hundert literarifche ©riefe geiocchfelt ha^>e, 

' unb bie mir fchrieb: „fücbPer greunb! T)urd^ 
0 ie lerne id^ erft gr. JÄücfert fennen", roie 
fie benn fpecietl über meine gehnte ©ublifas 
tion folgenbe genugthucnbe©emerfung machte: 
„3ch mochte unb mufe 3 '^««*^ heute nur baß 
fegen: 3 (h habe foeben 3 hr ©ud^: „gr. 

1 ’ fftuefert für ^auß unb Schule" oerf^lungen, 
in ununterbrochener golge gelefen, mit fÄiihr- 
' ung, mit greube, mit T)anf. Eß i(t ein nors 

j trefflicheß S®erf! 3 ^^ fchüttle 3 ^aen banfenb 

I bie ^anb bafür. Cfi pnb mir Thranen ba= 
hei gefommen. Sieber Toctor, ich 
bolb mehr" u. f. to. 3 ®» i^h fönute mich auf 
I baß Urtheil ber aHerbebeutenbften nuferer 
I Station berufen, g. ©. auf baßjenige ©uftao 
greptagß, ber mir roörtlich fchreibt: „ 3 ch 
, Darf 3haen fügen, bah i<h oiit roarmem ans 
theil 3 hre literarifche Thatigfeit begleite, unb 
I mich ®an ^^ergen über bie roarme unb pietSts 
I DOtle Seife gefreut habe, in roeldber Sie bem 
I beutfehen ©olfe bie ©ebeutung gr. g^üefertß 

1 barfteäten. 3}togen gute Sterne auch femers 

I bin 3h^ litcrarifchen SAaffen leuchten, unb 
j 3h^ eigeneß Talent ben T)eutfchen fo roerth 
1 werben, roie Sie bie geiftige arbeit anberer 
! unferer 3 «t gu machen gefugt haben u. f. ro." 
Taufrnbe ähnlicher außgeiAnenber ©riefe unb 
Erflärungen ftehen gu EJeoot. 

9^ach biefer TJigreffion, gu welcher ich 
nur ungern burch bie ©rooofation beß Dte* 
cenfenten beflimmen laffen mugte, fomme id^ 
auf ben lepteren felbfl gurürf. T)erfelbe roagt 
I eß, einen außfpruch, Der fich in „Heinrich 
SÄücfertß Seben" alß Urtheil ber ^eraußgeberin 
beffelben ohne anführungßgeichen fim 


bet, Heinrich fRüefert in ben SJtunb gu fchie« 
ben, roahrfdheinlich um bie il^außge^rin 
jeneß ©ucheß gu entlaßen. T)ie Stelle (oer* 

Ö eS. 81 meineß ©utheß) loutet: „agneß 
infeier, amaroQiß unb ungSblige ber 
fchönften ©lüthen feiner (ber fRuchcrrfchen) 
Sprif bonfen ihre reichere EJeftalt ber 
geiüoollen itatbeiterf^aft beß 
greunbeß Stoefmar". ©opbei^r bes 
hauptet nun, btefe Stelle ftomme nicht oon 
ber ^raußgeberin oon J^einrid^ 3>fücfertß Se« 
ben, fonbem — man hßw oom Sohne 
griebrich IRfirfertß, bem ^Jrof. \{)eins 
rieh fRüefertü 3<^ wup hegrünbete Aroei* 
fei biefer ©ehauptung gegenüber gur (^^na 
bringen. Sollte biefe Stelle oon ^>einri$ 
dtücftrt hetrühren, fo muhte fte mit anfüfhrs 
ungßgeichen, bie nach ©ojrbergerß ©erficherung 
oergeffen würben, gegeben werben, nid^t alß 
Tert ber ©iograppie. 3(h behaupte, bah 
Heinrich JRürfert biefe haarftraubenbe ©tits 
theilung gar nicht gemoAtraben Tann, 
ba er feine 3ugenbgeit nicht im Eltern* 
häufe oerbra^t hat. Sie foHte er gur 
^enntnih eineß folchen Sachoerhalteß auß 
feineß ©aterß unb erflen Ent* 

roicTlungßperiobe beffelben gefommen feinV 
T)och fchwerlich auß ©iittheilung feineß ©a* 
terß, ber ftch hoch bem Sohne gegenüber 
nicht in foldper Seife felbfl blohgefteHt höben 
Tonn. 

T)emna(h forbere ich C)errn 
©opberger ouf, ben ©eroeiß ber 
Sahrh^it feiner ©ehouptung gu er* 
bringen, inbem er bie ©leifliftauf* 
geichnungen ^)cinrich füüdfertß ent* 
Weber an JÄegierungßrath Dr. gauft ©ach* 
ler in Sien, ober an Sied^tßanroalt Dr. 
^armening in 3ena, ober on ben ^erauß* 
geber beß „T)ichterheim" ©aul J&einge in 
T)rfßbens Striefen fenbet, welchen ^)erren icb 
burefi Ueberreichung meiner ©riefe ^>einri^ 
3Tücfertß eine SchriTtoergleichmig ermöglichen 
werbe, ©taria 9Tü(fert fchreibt mir: „3<h 
bin alterirt unb empört über biefe ungloub* 
liehe EJefchichte. 34 örgerte mich 
gang miferable Schreiberei, ein niebertrochtigeß 
Eefd^mier; ich gerrih eß in fletne Stüdfehen 
unb roorfß in ben Ofen. Er fiel auch öber 
Sie h«^^ unb madpte fich 3um Sltitter biefer 
fd^eu .... Sieber, theurer greunb! T)iefe 
Sache muh außgetragen werben" u. f. w. Unb 
fte hat stecht! 

Sollte biefer ©ochweiß nicht ge* 
liefert werben — unb er fann nicht 
geliefert werben — fo erflare ich ua* 
menß ber JÄücfertforfchung ©opber* 
erß ©ehouptung alß eine (Irafbore 
erfünbigung gegen bieSabrheit! 
Oie Suche i fl ernfl. Oie Ehre gr. würfertß 
forbert ben ©achroeiß, ob Süge, ©erleum* 
bung — ober ein 3rrthum 4)einrich DTücfertß 
oorliegt. 

Oen Ungrunb ber ©ehouptung würbe ich 
nadhguweifen in ber Soge fein, ^Ibfl wen« 
biefelbe oon 4)einrich DTüAert j^er* 
rühren follte. Ein mir roerther greunb 


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252 


P- 


S8 


auf Siücfertafbietcn, J£)frr Öarf ^ub, {(^reibt 
in bicfcrJÄi^tung unaufgeforbert: 4 )cmcige 5 
nen Urt^eil ^einrid^ fRücfertä in biefer 
2 iel^ung traue ic^ nid^t ganj, ba er nod^ auiS 
ber (Srlanger 3 «« oie urfadbe ber 0 tefls 
ung beffelben jur bortigen Drtbobojie eine 
fo fc^icfe Slnfid^t l^atte, roie 0 ie baoon im 
biograp^ifd^en ©enfmal gr. D^ücfertS 3}iit= 
tl^eilungen ma^en. — Soeben erhalte id^ 
non graulein SKarie 9’^ücfert Slbfd^rift eines 
^Briefes non ber 2:o4ter i^rcS ^erm ^ruberS 
2 eo, aus roeld^er icp folgenbc ©teöen abgu^ 
brucfen mid^ im Jntereffe ber © ^ r e g r. 
SiücfertS gejrounaen fü^Ie: ^^apa (2eo 
9lücfert) behauptet, oaoon roare feine 9 ?oti 3 
ba. Onfet ^einrid^ §ätte fo etroaS nie nie^ 
bergefd^rieben, baS roäre lebhafte gafctei 
ber So^r. 3d^ §abe im 33ii^ genau nac^s 
gefeiten unb ^abe feine Slnfü^rungSjeicben, 
mit benen ft« ^agebud^S^ ober ^riefjtellen be? 
leid^net, barin gefunben: ber befte ^emeiS, 
oa^ biefe Stelle ibr eigenes ^Jtacb^ 
roerf!!" 

@iebt eS eine fd)arfere 33erurt^eihing? 

3lm Sd^tuffe feiner fogen. Otecenfion roagt 
eS ^err ®ojberger, mi(^ weiter 3 U prooociren, 
obwohl er fid^ erinnern mu 6 , bag id^ f. 3 - 
nur einige wenige feiner Unge^eucrli^feiten 
unb fieicptfertigfeiten, ja Unwahrheiten 
unb ^onjecturen — auS Schonung — in 
einem, ihm uigefanbten, fteineren ^43ratte 
(@if. 3«itung, vir. 70 1879) behufS Söahrung 
gegen fernere Oberflächrichfeit nergeichnete. 
?luch h^wi« roifl ich 3?ruchthcil ber 

93o^berger*fchen Sünbcn, nicht einmal bie 
tobeSwurbigften, aufbecfen, ;uoor aber ben 
non ihm am Sd^iug feiner fogen, Ofecenfion 
geforberten ,,9iachweiS ho^n^^ gehler* 
baftigfeit* beS iBucbeS: ^^)einrich 9iücfertS 
Seben'' norerft in gropen Umriffen liefern. 

III. 

^ßeinrich 9iücfert in feinem 9eben 
unb SBirfen." 1880. S 3 on 5lmalie 
Sohr unb 9ieif ferf (heibt. 

$)iefeS 93uÄ ftrömt gerabegu über non (ei(ht= 
fertigen üJiittheilungen. 5)ie 5?erfafferin fennt 
— um ab ovo an^ufangen — nicht einmal 
ben Geburtstag beS ^^iebterS, beä Katers non 
Heinrich lÄücfert, als beffen ^iographin fic 
auftritt! Sie neriegt benfelben auf ben 24. 
aiiai. ©eiterhin lafet fte gr. 9fücfert nom 
3ahre 1807 au in ©ürjburg ftubiren unb 
fobann „im 2. 3fih^* feiner Stubien" in 
J^cibclberg (S. 2.), währenb 9iücfert bereits 
1805 am 9. 9ionember fich inS HJiatrifelbuch 
gu ©ürjburg, wo er fechS Semefter ben 
Stubien oblag, inferibirte. (33ecul. gr.Oiücfert. 
Gin biogr. ^)enfm. S. 32). Sen 33ater gr. 
D'fücfertS beförbert ber T'amc Gnabe gum 
3 ufli 3 amtmann in Cberlauriugen, wah= 
renb berfelbc greiherrlich n. $:ruchfe 6 *f^ er ?l m t ^ 
mann unb ^ameralnerwalter war, wie ihn 
auch 9iücfert felbft nennt. (33ergl. a. a. O. 
S. 201 ®em 20 jährigen 9füdfert beliebt 
SBerfafferin einen 32 lährigen ©angenheim 


gegeniiberjuftellen. 9Iun würbe aber ber Septere 
1773 geboren, SRüefert am 16. 3Wai 1788 
(nicht 1789, wie fo niele 2iteraturgefchichten 
uaehfehrieben, bis mein actenmägiger 9IachweiS 
aus bem Schweinfurter Kirchenbuch bie Sache 
enbgiltig fi^irte). ©enn alfo viücfert 20 
3ahre alt war, fo jählte ©angenheim 35 
ber 2en;e. 2 luf S. II läpt fie ben Sohn 
an gr. ^liefert „amSchluffe beSerften 
SchuljabreS bie 33erfepung nach Tertia* 
melben. ^Cann fährt fie minbeftenS etwas 
gcbanfenloS fort: „SDer SSater antwortete um* 
gchenb am 1. 3i*«i 1830: „93ei ber großen 
Kälte hüte ®i$ ;u oiel 2uft mit offenem 
2 }Iunbe ein^ufchlucten", W 03 U bie Butter bei^ 
fügt: „Xrample nicht au tief im Schnee her= 
um, wie bie ‘^foffs 5Buben!" SDenn, entweber 
ftimmt eS nid^t mit bem Schluffe beS Schul= 
jahreS, ober aber eS ift baS „umgehenb" als 
fleine glunferei ju betrachten. üJIinbcftenS 
müfete eS ber GeifteSfehärfe ber S3erfafferin 
noch bei Öorrectur aufgefatlen fein, bap baS 
ein gang abfonberlicher 3 i*ni gewefen fein 
mu 6 , in bem man bie 9uft oor Kälte nicht 
einathmen barf! ©eich 23ergnügen, im 3 uni 
im Schnee hcrumjutrampeln! 5Der ^erfafferin 
ift baS fleine lHalheur paffirt, 3“*'' tinb 
^anuargu oertaufchen! ©aS foHen 
wir aber bagu fagen, wenn 33erfafferin S. 27 
1 behauptet, bie „Geharnifchten Sonette, bomalS 
56 an ber 3öh^"» in' 9Iooember 1813 
auf StoefmarS Ktitif h'n umgefchmolgen 
worben, baS 3)>Ieific beruhe auf Wittbeilungen 
beS 2eptcren, unb 9fücfert hn^>« ihnen nur 
bie gönn gegeben? (©egüglich „2lgncS" u. 
f. w. oergl. oben!) ÜJIou wunbert fich wohl, 
warum bie ^erfafferln ba nod^ über 9fücfert 
unb nicht über Stoefmar fchreibt. So hülle 
ich alfo 25 3ahre lang bie beiben S^Iamcn 

3fücfert unb Stoefmar oerwedhfelt ?!- 

Solche ®inge laffe ungerügt, wer ba fann; 
ich oermagS nicht. 5)aS ift einfach Grä 5 
berfchänbung, baS ift ^efubelung 
beSSÄücfert’fchenGeniuSinhochjter 
"ipoteng. GSifteinfachunwahr! 3 ch 
oerweife, abgefehen oon obigem beweifenbeu 
®rief ber Gnfeliu gr. DfüaertS, auch auf 
meine wohl begrüubeten ülachweife über bie 
Gntftehung ber 3lgncS= unb SImarolliSbich' 
tungen a. 0 . D. S. 52 u. ff. J)ie fchönften 
ber ungähligen fchönen ^lüthen 9fü(fert’fcher 
$prif entftanben ja erft 1820—21, gu einer 
3eit, ba Stoefmar fich fchon lange nid^t mehr 
in Koburg befanb. 2ln ber geile betheiligte 
fich gwar ^ohubaum, nicht aber Stoefmar, 
welchem Dlücfert im 5)ecember 1813 mel= 
bet, bap eS 52 gcharnifchte Sonette (nid^t 56) 
waren. 3fh oerweife au^ auf bie oon grau 
'Berger mitgetheilten ^Briefe 3ffücfertS. ^tx 
S3rief ift ein beweis bafür, ba^ Stoefmar 
nicht mitgearbeitet haben founte. C-Bergl. 
gr. D'fücfert. Gin biogr. ^enfm. S. 78.) 
i)ie Behauptungen aber ber 2JIitarbeiterin in 
9fücfert finb etwas gweifelhafte Kornblumen 
im 2lehrenfelbe. 

(gortfepung folgt.) 


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253 


I Pes ^ammeid Jbeim^ofung. 

I 33al(abe. 

I §cro6 oom blumigen Scrge^l^ang 

j Sal^ jur fproffcnbcn @rbe, 

I ®Q§ Äomfelb mögt, unb mit ©locfcnflong j 

! Steift §ccrbc ftc^ an §cerbe. j 

! „SUtir bienen bie SRiefen gut unb gern, | 

£/ie lac^enbe 5^ur ift mein eigen, 

Unb greia, bie blübenbe, bleibt nicht fern. 

^ 3um gefte ftimmet bie ©eigen! 

[ ®en ^)ammer oermocht’ iä), ber Sieg oerleibt, | 

2)em fcblafenben tb^^ S“ entraffen, i 

Unb nur um bie ©öttermaib 

3ft feil mir bie befte ber ©affen. 

I 2)a§ gab mit Sebadbt ich ben ©eligen funb, 

©ie roollen mir greia geroäbren, 

®a^ ^b^^ §ammer§ oerftänblicbem üRunb 

^ £ann geinbe be§ §immelä belehren." 

I 

j Unb fiebe! 35a blinft eS ben §ain entlang, 

I ©eit febimmern bie Süfebe oon ©olbe. I 

I)u börrenbe§ §erj, ma§ jitterjl bu bang? 

I ©ei froh, begrübe bie §olbe! 

I „O, nabe ^um ©lüefe bem SRiefengau, 

j I)u blübenbe fiöniginne! 

5Run feiern mir ^oebjeit auf leuebtenber 3lu, ^ 

I ©ei mein in feliger ^inne!" 

35a mölbten bie Jifebe ficb fcbtoellenb unb febmer 
3n blütbenumfebimmertem ©aale; 
j ®a mürben bie ©cbüffeln im ginge leer, 

' ©0 häufte bie ©öttin beim 5IRable. 

j ©ie tilgte bie faftigften 93raten im ging, 

j ®ocb fdbm^t^tc ber 2Retb ibv noch beffer; 

* ©ebier machte beä ©afte§ gemaltiger 3^9 

i SSerebben bie glutben ber gäjfer. 

I „©ie a§ nicht unb tranf nicht unb bannte ficb lang, 

I)a febnenb nach bir fte begehrte, 

I ©ie ftöbnte fo milb, fie flöbnte fo bang, 

' ®a Siebe ju h^rt fie befebmerte." 

1 

©0 fcbmeicbelt ber graue gefebmäbig« SKagb 
I 35em SRiefen mit fcbelmifcbem ^Reefen; 

I 35er lacht in ben Seeber, meil’g lieblich ihm tagt, 

Unb benft ficb: bann mag e9 ihr febmeefen. 

S$--a 


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254 


(Sr ^ebt i^r oom begel^iltc^ empor 

Den jaubrifc^ fnnfelnben Schleier. 

Da fprül^t eS in jomigem Sßben l^eroor — 

Da meidet ber lüfterue greier. 

glül^en bte SUigen fo mitb uub bang, 

Da 2iäe ju l^art fie bef(^n)erte, 

Die ^errlid^ fd^Uef nix^t unb ^ärmte ftc^ franf, 

Da feüfgenb nac^ bir fic begehrte." 

®o flötet bie 3Kagb, unb be§ fiiebenben ©lut 
(Sntflammt jlc tollem ©nt^üefen, 

$ell jaueb^t er ^m ^immel in truntener (Slutb; 

Da^ ©lütf miU ben ^ünen berüefen. 

„SRun blü^t nidbt am leud^tenben ipimmelörunb 
Den ©ePgen ein Sooö gleich bem meinen! 

Durch h^i^is^ äBeihen foß un§ jehunb 
Der Jammer beö @otteö oereinen!" 

0ie bringen ben Jammer unb freuen fuh laut. 

Da fagt ihn mit ftittem Schagen, 

Da jüctt ihn mit gettenbem 3ubel bie Sraut — 

Der Sliefe liegt erfchlagen. 

3u früh bei ehlidh^n ^reuben beraubt 
ganb einfam fein Sette ber freier. 

2luf fteinernem Riffen ba§ blutenbe ^aupt 
Umfunfelt ber SWörberin Schleier. 

Die roinbet fich h^f^*9 fchimmernbem glor — 

Da loirb fie jum fchrecflichfJen ®otte. 

3u ®aft bei ben SRiefen ift 3lfathor, 

Sütit ©raufen erfennt ihn bie Sftotle. 

@r moebet im ©rinune ber geinbe ©efchlecht, 

Dticht einer ift fliehenb entronnen^ 

Dann fährt er in Stürmen aud gremfem ©efecht 
D'tach ^ägarbS golbenen Sonhen. 

Stnboff #oetfe. 


'SSonbaac^t. 

Dn§ Sütonblicht jittert auf beö Öanbfec§ S^nthen, 
Daö Sieb ber Sänger im ©ebüfehe fchmeigt, 

Unb tief bie alte 3ßdbe ihre D^ul^hen 
^)emieber auf beä 3SBa(fer$ gläxhc neigt. 

©S ift ringsum fein lauter Don ^u hören. 

Die ©rbe ruht, oerfenft in (5Hanj unb ^^^racht, 

Sou fern laufd^t bu bem SRaujehen nur ber Röhren, 
Sie grügen bie oerfchmiegne Sommernacht. 


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255 


S- 

! 3 )ic OucHcn murmctn unb bic ®äc^e fd^oumcn, 

I Sie jic^n l^inuntcr in'ä umbufc^tc J^al, 

j I)ic ©lumen mit gefenftem field^e träumen, 

I 3 lnbc^ ftc fü^t bc 3 3 JlonbeS feufd^cr Strahl. 

I ©cfcligt grü^t bein §erj bie fHIIcn SRäume, 

I ©eläutert fd^mingjl bu bid^ ber ©ott^cit 

j Unb cingclutit in ©lanj unb ©c^ön^cit, träume, i 

®cr Slume gteid^, auf ftitter glur, auc^ bu! 1 

_ <^eiiiH4 Jeife. i 

^lotntpefL 

! ^umpf fallen ^ammerfd^täge uor SS^ite^aUd l^o^em £^or. 

©dbroarg fteigt ein fc^roanf ©erüfte in 6 ile ^ 0 (b empor. | 

3 )er ©ifenfeiten 3 Rauer fperrt {eben SBeg jum ©c^Iog; i 

Äentauren gleid^ oerioac^fen erfd^einen üKann unb j 

2 Beit mögt beS ©olfeö SKenge; cS be^nt fid^ ©t^oar an ©d^aar, 

9 ^unbföppg meip, nur fetten ein §aupt im Socfenl^aar. j 

6 in banget gtüftern Icife bie Sftei^en aß burc^roe^t, ’ 

©in ©cbaufpicl langer ^^wt fä^ ju ©nbe ge^t. 

I 3*^ Äönigöjimmcr thronet be§ 2tttgemalt’gen ÜRac^t, 

©epüfet ba§ Sinn, baö breite, bie ©tim ummölft oon Jlac^t, 

1 ®er ^attafc^ liegt am ©oben, i^n beeft ber geber^ut, 

I 2 )aS 2 tuge funfeit geller al§ beä fiamineS ©lut^. 

j ©r fprid^t: i^ron ber Iprannei; 

®er $err gebofö. ®aö loben ber Reiben ip oorbei. 

* O 2llbion, Poljeä ©ilanb, frei bift bu, neu gezeugt, 

®a nimmer bu oor 2l^ab unb ©aal bid^ gebeugt. ' 

i * ©lücffelig fianb, nun ^ebft bu bid^ ^od^ ju SRu^m unb ©l^r’! i 

leite bid^ jum ©lanje in Parfer ^^^ei^eit SBe^r. 

3 c^t gilt eö ju ooüenben, ma§ mir ber §err gebot. 

Ob ©nglanbö gluren hämmert ein freubig 3Korgenrotl^. 

! 3 )a§ geplanb ip entfräftet oon grimmem Sölferfampf; 

j ®cr alte ®rac^e ©panien, er jueft im lebten Ärampf. 

I ©efügt oon ©runb au§ fepe, fteigt auf ber I^urm ber Äraft, 

j 9luf unfern Sau ber SBelt^errfc^aft." — 

' Unb als pd^ fo in Iräumen erging ber ftolje 3Jtann, 

®a reichte feine Sinfe jur Ärone leis l^eran. — 

$orc^! — ®umpfeS ©raufen brunten! ©r ful^r erfd^redft empor. 

, ;3efet trat aufS ©lutgerüPe ber Äönig Äarl l^eroor. 

^ Unb ©rommeU laufest, bie 9lugen befd^attenb mit ber Jpanb. 

I ffianft nid^t ju feinen güpen ber ©runb, brauf jener panb? 

I grauer gerne fc^mebte ein 3Jiann, il^m täufd^enb gleid^, 

I Umfräd^jt oon 9 tabenfd^märmen am ©algen falt unb bleid^. 

I _ StQeinfdnber. 

L- 8 ' 


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256 


O ÜJ^örberbold^, ber mir bie ©lütl^e 
2)c3 fd^önen 2cben§ graufam fnitft, 

®ie glammc, bie jum §immcl glühte, 
irbifd^ bunft’gen Qualm crfticft. 

®ic »Stunbcn ftodfcn unb bie 
Stelen plöfelici^ ftill in i^rem Sauf; 

®a minft ber tob, ber gro^e ©d^roeiger, 
Unb feine ©chatten fleigcn auf. 

O ^elena, fo fd^ön oor aßen, 

®cr greuben unerfd^öpfter ®om: 

3JUr roarb ein fd^mad^ooß Sooö, ju faßen 
SBon eines 3HenelaoS ^oxn, 

3ld^ ^atte fie, ein gaujl, befd^moren 
3}iit meines ©eifieS 3ouberfraft: 

3Kein ^tic^ten mürbe neugeboren 
3m Queß oerjücfter Seibenfc^aft. 

3cb war ein unoerbroffner ^eö^tx 
Unb §im unb ^er^ ein geuerbranb. 
3e^t reifet ber tob ben ooßen Sed^er 
^eimtücfifd^ auS erlahmter §anb. 

©r raffe fort bie SebenSmatten, 

®ie fd^on ber @rbe fealb entflo^n; 
t)er ©chatten manble ju ben ©d^atten, 
3m ©onnenlid^t ber ©onnenfofen! 

Söarum benn mid^ ber ffielt entrücfen. 
tic mir mit taufenb SKonnen minft, 

2luS melier taumel unb ©ntjücfen 
TOein §erj mit ooßen 3^9^*^ trinft? 

9}on einer ©^önen trieb jur anbem 
9Kidb atl^emlofe ^ajt unb glud^t; 

3cb in nimmermübem SBanbem 
®aS 3Beib, baS göttliche, gefud^t. 

Q meiner tid^tung geuergeifler! 

®on euren ©cbmingen troff ber SRubm. 
3^ mar, ber Äunft gepricfner ßWeijler, 
©tolj auf bieS ^obenprieftertbum. 

®a quoß aus aßen SebenSqueßen 
©in ©trom, ber ooße ©eget trug, 

Unb mi^ ber ©onne ju gefcßen 
®ermafe fnb fübn ber ©eete glug. 

®ocb jcbt . . eS finfen meine ©terne, 

3bv ©lorienfcbein mirb matt unb bteid); 
®afe i^ ben tob noc^ lieben lerne, 
Segräbt er meinen Sftubm jugleic^. 
ßJZein Sorbeer melft . . ein anbrer frifdber 
SBirb eines jungen ®idbterS ^kx: 

®er jücft ben ®ol(b no^ mörberifdber 
2llS granciS ^Ird^er felbft nach mir. 






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267 


J8-^---Ä 

O ©c^wan oon Sloon, betn ©efieber 
S^oud^t aus ber mit (ic^tem @(i^etn; 

®u pngP, fürma^r, nid^t Sd^manenliÄer, 

S)ein £t^ totrb unoergängKd^ fein, 

Semunbert unb geliebt oon SQen, 

3um $§öni^ mirb ber ©ilberfd^man. 

SBie meRe SUtter fe^ id^ fallen 
3e^t meinen „gauft'* unb f,Zamtxlm^. 

!Den fpäten ^drer, fpäten Sefer 
(Sntjücft ber Sieb’ unfterblid^ 2öort: 

lebt ber glü^nbe SSeronefer 
SKit feiner 3ulie emig fort. 

fte^’ ic^ bettelarm baneben, 

SBSo ©dtterfüQe blü^t unb lenjtl 
@ü^ ift bad ©terben, menn baS Seben 
Und nur nod^ fd^alen £ran{ frebenjtl 

3 litb#rf «#it 


Per Pic^ter unb fein ^erft. 

©titi l^inlcbt ber ^oet, abfeitS oom Sihrm 
Unb ©treit bed £agd, unb feinen ^einb gu ^aben 
3ft, rocnn aud^ nic^t fein ©tolj, bod^ feine Sufi. 

6r pc^t, er l^ört, wie bitter pd^ bcfc^ben 
®ie SWcnfd^en lag für Jag, mit Süge pc^ 

®egctfcm, mit SSerleumbung Jag für Jag. 

35Bie wSr’d, benft er, oom Jreiben angcwibert, 

SBenn biefen Slüen einmal, Patt ber ©d^mä^ung, 

J)er blinben, bldben, bran i^r O^r geiodl^nt, 

SWapooH, parteilod Giner im ©cioanbe 

S)cr Ji^tung, in p^antaflifd^ 5 neeffeiern ©piel 

J)arböte i^r gemeffned J^eil oon SBa^r^eit? — 

Unb er oerfud^t’d. Gr giebt bem Jaumellürm 
3)ed Jagd, jur SWclobic gebSmpft, ein Gc^o 
Unb weift ber 2Belt, ber 3^1 ©piegelbilb, 

Gin fc^alfl^aft grinfenbed ipol^lfpiegelbilb, 

3n beff’ grotedfem ©d^aufpiel pc^ erfennen 
!Jie SBirUid^feit, bod^ aud^ belä^eln mag. 

J)a fd^ldgt ein wilb ©egeter an fein O^r, 

Gr pe|t ber J^eunbe 3wgc grimmoergerrt; 

J)ie feinem ^ergen fremb, Pe werfen pd^ 

3§m an bie ©ruP; ^ol^nrufe gellen ringd, 

SWan büdPt nad^ ©teinen pd^, unb SRac^e we^t 
©e^eim bie Älingen . . 

„9Bad l^ab id^ getl^an?" 

gragt ber ^oet erPaunt. „SSBe^ mir, id^ merfe, 

©ebämpp nid^t, nein, oerpSrft ^aP bu, 0 SDlufe, 

ÜOtein ^ort gu ^oUenbem ^ofaunentonl 
iSBo id^ gu füufeln glaubte, ^at’d gebonnert, 

-82 


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258 


fSt -- « 

Unb meine luftig praffclnbe SRalete, 

@ie ging als ^euerregen jünbenb nieber. 

Iraun, eine Stimme ^at au§ mir gefprod^en, 

®ie lauter al§ bie meine, unb ein @eift, 

SDer flörter als ber meine. SBeld^e SÖBenbung! 

SDod^ nic^t entmutl^igt fül^r ic^ mid^ — otelmel^r 
®olI eines 5IJtut^eS, ben ic^ nie gefannt. 

®er 3Jtut^ beS Sc^mad^en, er erroad^t im fiampfe. 
treu fü^P id^ mid^ bem ®eift, beff' SBerfjcug ic^ 

S^ier unberou^t bei meinem il^un gemefen, 

Unb maS bie Stimme, bie nur ^alb bie meine, 

9tuS mir gefpro^en, ic^ nertreP eS gan^." 

_ S^oderf i^amerUitg. 


Jinfamfeeit 

®u öffnefl beine Pforten, ©infamfeit. 

Still t^ronenbe Se^üterin beS SebenS, 

3öie mirb ber ©lief in beiner ©nge meit! 

gern blieb baS Stauf^en freifenb bumpfen StrebenS, 

®oS ftreitenbe ©eroü^l ber 3Jtenfc^enftimmen; 

®er §aber fu^t, ber 9^eib mic^ l^ier nergebenS. 

2a^ meinen ©tief in beinern ftitl nerfd^roimmen, 

®en braunen SRantcl §ütle roei^ um mid^. 

So mirb baS geuer, baS mid^ brennt, oergtimmen. 
aßie iDcbt eS ^ier, roic feimt eS leis um mic^, 

SBaS braunen fic^ jerftreut auf 3Barft unb gelb, 

6S fammelt roieber, formt unb runbet fic^. 

O ^ab’ i^ je beS SebenS ©ilb cntfleUt, 

9Kit prunfenb eitler J^at, mit falfd^em SBort, 

So f^affe nun in mir bie reine SBelt. 

®u fannft eS, fonnft ein ^er^, baS fc^ier oerborrt, 

3u neuem Schlag, ju neuer Suft beroegen, 

®u nimmft ben Staub oon §aupt unb ©ufen fort. 

fü^lc, ^ol^c ^)eirge, beinen Segen! 

3ln meines ©lüefeS falben ©lättern roül^lt 
®ic ^anb nie^t me^r oerjroeifetnb, roieber regen 
®ie ©Jünfd^c fic^, feit mi^ bein Obern fül^lt. 

Sie roerben ju ©ebanfen: ^Ir^eneien 
®em Sterblichen, ber attju tief gefühlt. 

Unb roie fie leicht fich an einanber reihen, 
gühr ich SBonne ber ©rfenntni§ tief! 

3a, log mi^ benfen, ganj mich ju befreien! 

Oer ®eift, ber roie im ®ämmertraume fchlicf, 

©r regt bie Sdhroingen. bie ihn aufroörtS tragen. 

®ie roeit? ©iS an baS ©nbe? 3Birb er tief 
.^erobgeftürjt, om ©rbenrunb jerfdhlogen? 

3ft bieS baS 3icl — fo fei’S! 3«^ w)itl nidht flogen! 

_ SSttttfaupl. 


g$---28 


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280 




Per 5eutf(9e §dget. 

3n SBalbcSticfcn ift beS Ort, 

„®ie 2lugen auf!" fein ftcte§ SofungSroort, 

®er Srunft^irfd^ fcincä @c^uffc§ beftc 
*®cr tanncnroud^S fein ©c^önl^citSibcal. 

ÜJ^it unb $irfd^ ein SRorbmanianafor|i, 

3Bilb, roeit unb tief mit mant^^em ^au unb ^)orft; 
6^^eu im SRingfompf mit bem ©ic^enbaum, 

@0 malt ber träum. 

Unb fd^au ben SBalbbac^ bir im grü^Iing an, 

Oer über gel§ unb ffiurjeln fpringen fann, 

Oer l^in ju t^ale brauft in milber i5^utl^, 

OaS ip beS beutfd^cn frifd^cr SPhitl^. 

Unb fragP bu nad^ beS beutfd^en Jägers §crj, 
Äomm in ben 2Balb unb pe^ ben ®alb im 3Rärj: 
3Kit milbem §auc^ ^ie^t ba bie ©e^nfuc^t ein 
Unb füüt be§ ^äger^ §crj mit füfeer $ein. 

§eia! i^r HKabd^cn, fd^aut tn’S ^erj bem ORann, 
©in raul^cr, reicher, unburd^forfteter tann; 
Ourd^brcc^t, burd^ftra^lt i^n mit ber Siebe Sid^t; — 
©el^t il^r bie SSeild^en unb bie mitben Stofen nic^tV 


7 Htt} 3 leit||. 


Renten uni) $piü(Qe. 


Ou reebneft bid^ fcibfl jum ®i(bterabel 
Unb forberft oon mir bie jtrenaftc ^itif; 
tod^ fomm’ id^ bir je mit Xabel 
Unb fpenb* id^ bir nicht ooUioicbtiged ^o6, 
00 f^auft bu mich an mit fcbeelem 5BIidt 
Unb roirft grob. 


„UebergangSgeit*, boä 2öort ifl bnmm, 
Sebroebe iP e§ geroefen; 

Unb hätten bie ^Dichter gefeiert brum, 
Sir hätten jept nichts gu (ejen. 


0ie feiern ti^terjubileen 
Unb machen ein großes Sefen, 


^)och müßt ihr oerftehen: 

Unter hwnbert 0chreiern 
Unb toaftenben ^43iebermeiern 
0inb gehn, bie ben T)ichter gelefen. 


Senn bie ^enn 33uchi)erleger 
Unb iRecfamcpaufcnjchläger 
3ur empfehtenben ^hörafteriflif 
Shrer ^BeUetriftif 

RichtS ©efcheuteS gu fagen miffen, 

00 fmb fie petS beßiffen 
Unb eingebenf 

0ie gn preifen als „pnnigeS Jeftgefchenf" 


SiÜft bn in ^cutfcßlanb oerberben, fo hielte; 
SuchS bir bie !I^ichtung an’S ^>crg, fo oerbirb; 
Lorbeer unb ©lenb — bie alte (Mcfchichte! 
'Todh minp bu erprahlen im StuhmeSli^te, 
00 pirb! _ 


Ter a^öttlichen ÄunP 
0ci Seber ergeben! 

Unb lacht bir nicht ^ufengunp. 
(5^epaltc gum Ännproerf bem ^ebeii! 

<fir0erl SRdfer. 


fe. 


-iS 


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260 


er 


Jiftet 'gleib. 


Reiter enbete loiebcr 
^un bie ©onne bie ®a^n, 

©tromob gleitet l^ernieber 
©c^roer beloben ein Äo^n; 

©id^er lenfet ber ©d^iffer ben Sauf, 
©(baut befeligt jum S)e(fe hinauf, 
9Bo, bed roonnigften ©lücfeS 93ilb, 
©eine ©attin ben ^aben fHQt. 


IRaufcbe, SSeltftabtgebraufe, 

®eine lörmenbe ©a^n, — 

3)ort ifl grieben ju ^aufe! 

Sich, auf eigenem Äa^n 
äSeib unb fiinb gu bem $afen ber 9hih' 
©elbft JU fteuem, — ©lücffeliger bu! 
3)er no(b nimmer mein §erj entweiht, 
^eut empfanb ich ben erften 9teib! 


#11# 3(r#ii| 


Per cäuftfc^iffer. 

§ 0 (hPiegenb waren immer meine ^lane, 

3um Slether fdhwang bie ©ehnfucht fich empor —, 
Unb fo oertraut’ idh mich bem fchwanfen Äahne, 
iDer fich ^uft jum Ocean erfor. 
iRoch fnüpften mich an’S 3i^bifche bie ©eile 
Unb wehrten mir bie gohrt in’S ©Seltenall; 

®och fecf jerhicb ich ntit fcharfem ©eile, 

Unb gen ben ^immel flog ber flolje ©aH. 

Unb fleiner warb, ma§ ehmalS mich erbrücfte, 

2)ie ©tenfchh^il Kein unb flein ber 6rbe SRunb, 
©lanjloS erfchien, wa§ fonft mich n)ohl berüefte: 
®ic Stichtigfeit oon 3lllem warb mir funb. 

©rlöft unb frei oom ©Seltgefeh ber ©chwere, 
(Sntführte mich bie luftig leichte Äunfl, 

Unb in ber überfeinen ätmofphöre 
©rgriff midh 6fel oor bem irb^fchen S)unft. 

®och als nun gar beS SRebelS breite ®ecfe 
®en Slnblicf beS ipianeten mir entjog, 

®a fühlt’ ich niich: ein Uebermenfeh, ein Slecfe, 
!Der grobes ©SegeS in ben ^imrnel flog. 

©Sohl ging ein gröfteln mir burch alle ©lieber, 
©chwer brüefte mich ber gluch ber ©infamfeit; 
®och feine ©chnfu^t jog ben glüchtling nieber, 
©rhaben thront’ ich über greub’ unb Seib. 

®a plöhlich ri§ ber wei^e 5tebelfchleier, 

®er unter mir fich laftenb ; 

®uft quoll empor ju mir, ber ©lief warb freier, 
3ch föh erfdhreeft. 

®a lag fle wieberum, bie alte ©rbe, 

©om ©onnengolb umrahmt, ein ©rachtjuwel, 

Unb grüßte mich mit liebenber ©eberbe 
©leich einer üKutter ohne galfch unb gehl. 


Si- 




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261 


S-SS 

^ 6 ) formte faum ber Jl^räncn inid^ cntl^alten, 

©c^nfu^t erfaßte mtcb, ic^ fa^ burc^'ö 9fol^r — 

®a fliegen taufenb roimmelnbe ©eflalten 
3luö ferner %txnc ^cimifc^ mir empor. 

3öie aber loarb mir 3lrmen gor ju Sinne, , 

icb ein ©eib auf grünem $lan erfc^aut, 

®a§ felig ba§ ®el^eimni§ echter 3Jlinne I 

3m ^uffe bem ©eliebten anoertraut. 

aWit roilber ©cl^nfud^t ^og eö mich jur 6rben, 

33on meiner eif’gen ^ö^e trieb mic^’ö fort, 

3n ftitlbefdbränftem Greife fro^ ju roerben, , 

50tit 3}tenfc^en 3Kenf(i^ ju fein an fic^rem £)rt. ! 

3um gürten marb mein ät^erteic^teö ®enfen, ! 

3m ftotjen 3lblerf(ugc l^ielt ic^ an; j 

I)er Satt fing an ermübet fu^ ju fenfen, I 

Urfräftig ^og ber ©rbe 3öuberbann. j 

Unb burfüg naö^ bc3 SebenS frif(j^er Oueüe, 
j SSorn ©otfenberge ftürjf id^ jad^ 3 U I^al 

Unb fu^r l^inab mit für^terlid^cr ©c^neöe, 

ÜHd^t mastig meiner fclbjl unb ol^ne ©a^(. 

®ic ©eile riffen, bie mein ©cbifflein jogen, 

Unb faufenb ging’ö l^inab auf irrer ®a|n; 

S)oc^ nidbt bem gefUanb fam ic^ jugepogen, 

9Iuf weiter äRcerputl^ lanbetc ber Äa^n. 

®a treibt mid^ nun ber Elemente ©üt^en, 

®er ^ei§c S)rang ber fieibenfd^aft uml^er, 

Unb fein ©ebet oermag mic^ gu behüten, 

Unb nie, ad^ nie! beruhigt ba§ 3JfecrI 
Oft möd^r ic^ nod^ an eine üanbung glauben; 

Oann träumt mir mieber oon bem fePgen ^aar, 

Unb um i^r 9^eP bencib’ idb biefe tauben, 

©in pügeltal^mer, ein gebürgter äar. 

_ i^enieiu 


Aye Maria. 

Ave Maria — langfam treibt ber Äal^n: 

®ic SRuber lapt unb faltet fromm bie ^änbe; 
3m 2lbenbrot]^e glü^n bie gdfenmänbe 
Unb fonnengolbig glängt bie ©eUenbal^n. 

9Som Oorfe ^attt ber ©locfen gricbenSfang 
Unb laufc^enb ftel^n bie ®ergc in ber SRunbe, 
Ave Maria — tönt’ö oon jebem 3Wunbe, 
®urcb aDe ©eelen gie^t ber fromme Slang. 


®u junger ©teuermann im bunfeln ^)aar, 

©aö träumt bein 5lug’ in ungemeffne ©eiten V 



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262 


6 '^ fc^iocift ^uv gerne, frei burd^ iHaum unb 
ffiie burd^ ben 5 let^er leicht fc^roingt ber 3 Iar. 

fc^roebt bein @eip jii fenen ^ö^en rocit, 
ffio^in fein ©locfenton me^r Äunbe bringt, 

Unb bod^ ber griebenSgrup in’s ^)erj bir bringt: 
Ave Maria — Sergeöeinfomfeit! 


i^enitiitr piener gr0. «• «jiiCTeirit. 


I 


c^rmunterutifl. 

Jap, n)a§ nergongen ift, oergangen fein! 

röaö frommt e§ bir, in'§ ©inft ben Stief ju fenfen, 

5 ln tobtet, fc^atten^afteö ®lücf ju benfen, 

Unb ju erneuen atte, ^erbe ^ein? 

3 lP nidbt baä ip nid)t bie Bwfunft bein? 

53 erfud^’ eö, i^nen etmaö @unP ju fc^enfen 
Unb bein @efd)icf mit feftcr ^)anb ju lenfen, 

00 fc^eint bein Sorgen nid^tig bir unb flein! 

So lang nod) ®öge( pngen, Slumen blü^n, 

®ie Sonne lac^t, ein ©(ücflid^er noc^ lebt, 

^aft bu fein Sfteebt, oerjioeifelnb ju entfogen. 

Stirb, wenn bu nid^t erträgft beö Jebenö ÜKül^n; 

2 )enn nur bie Äraft i)V§, bie empor bid^ ^ebt, 

2 )a§ Spiel geioinnt nur, roer eö loagt, ju magen! 

jktbdtid^ ^reifr. oon jiorf. 


0 I ß c i. 


Cebe läge, trüb unb traurig! 

TOeine Sonne ift oerfcbiounben, 

Unb oorbei pnb meine lid^ten, 

2 lc^ fo furjen grü^lingöftunben. 

Äoum erf^loffen, ift bie Änoöpe 
3 )teine^ ©lütfe^ oerborben. 

Sitte SSlumen, bie mir fetmten, 

Sinb mir, faum erblüht, geworben. 

S)te id^ fang, bie frol^en Sieber, 

Sinb oergeffen unb oerflungen. 

HKeiner Seele Saiten jittern 

35 on bem Sc^merj, ber fie burebbrungen. 


3 ntmer nun mit feigem Seinen 
SOtup icb in ba§ ®unfel ftarren: 
äßaö oerloren, fommt nic^t loieber, 
Unb oergeblic^ bleibt mein garten. 

Slc^, roarum bod^ melft bem armen 
®rbenfo^n jebroebe greube? 

3 lp fein SRaum für einer Seele 
®otteä @lüdf im Sßeltgcbäube? 

ttftup benn febe Sup ber Sünbe 
glu(^belabncä 6 rbc tragen? 

C mann enblic^ loirb bem ttitüben 
J)er (Jrlöfung Stunbe fc^lagen? 


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263 


8K-S-l 

Sid^t, bo§ feinem ®unfel meieret! ^iebe fouber ^eiu unb ©c^vanfe! 

greuben, bie mir einig mähren! 8ebt i^r nur in ero’gen ©paaren? 

- 1,011 |^(^ait0er§. 



Psychodramen. 'IRatcrial für ben rbc= 
torifcb = beclamotoriftben i^ortrag. ^on Ri¬ 
chard von Meerheimb. (^etp 3 ig, '‘^^^i^ipp 
9ieclam jun.) 9fid^arb non ^eertjeimb roirb 
in ber Siterotur ftctä (einen bleibenben S3?crtb 
bemalten, benn er eine eigenartige „ur= 
iprünglicbe" 5)icbtung§art non Söcrtbc 

gefeborfen. Unter fp cb o b r a m e n — 33or5 
tragSbramen — will ber Slutor i^ortroge 
nerftanben roiffen, bie, non einer ^^'crfon ge= 
fproc^en, bic fortfebreitenbe J^anblnng (Jins 
;elncr ober ebnerer rebeplofti)^ nor- 
führen. 2Öie C^eorg ®üd)mann al§ Jperaii§= 
geber ber geflügelten SäJorte, roie grip ÜJtamb' 
ner al8 (^rpnber: „9^acb berühmten 5&inftern", 
roie Swlinä ©tinbe alö 33ater ber „gamilie 
93ucbbo4" unb öJeorg (^ber§ alä Siebter 
orientalifcb = cnlturbiftorii^er 9tomane, wirb 
aud^ er eine merftnürbige ©pecialitöt non 
unleugbarem SGöert^e nerförpern. ÜJ^it ^)?ec|t 
fügt ba^er Sßittmann, welcher ^u ben '^'|>ci^o= 
bramen bc§ S3erfaffer§ ein i^onnort ge= 
(daneben -- obfd^on er meinet (^rac^tenä 
auf ben 2uru8 eincö SBorinorteS aiiä ber 
geber eines nur roenig bcFannten 9}tanncS 
batte nerjid^ten rönnen —, bafi bicS eine neue 
^rm fei, „in roeld^cr baS g c f p r o e n e 
& 0 r t bic laufd^enbc '^s^antajlc beS 3'*'^orerö 
bermanen anregt unb beflügelt, baß bie 
agirenWn ©eftalten, o^nc fnptbar gu fein, 
bennod^ plaftifdj) nor bic ©ecle treten." ilein 
©cringcrer roie ©eorg ©berS ()ut bem 
ter eine noKe ©djaale beS i?obcS frebengt, 
inbem er i^m bie Sorte fd^reibt: „^TiaS 55ilb 
3^re8 menfd^cnfreunblid^en SirfenS ^at mir 
gcroaltig imnonirt. ©lücflic^cr ÜJrann, ber 
©ie in ^^Joefie unb So^lt^nn, beS TanfeS 
fo SBieler gcroife, 3^rc Dliibcgeit in ernfter, 
erl^ebenber, tegcnSrcic^cr !l^ätigfeit burd^leben! 
$5ie non 3^ncn gefd^affenc unb gepflegte Xid^t= 
ungSgattung bringt an erfter ©teile 3^^cn 
3ffamcn auf bie ^Jeat^roelt unb ift roobl ge: 
eignet, bie notle ©c^affenSfraft eines rcid^: 
begabten ^iDic^terS in 3lnfprud^ gu nebmen." 
3^ ©elcgenbcit gehabt, eingelne ^f^cbo: 
bramen non Sifecitatoren nnb JHecitatorinnen 
gu unb ich mu6 fagen, bafe bic Sirf: 
ung, roelcbe biefe ^J}rccrbeimbf^en (^abinetS: 
ftüde bramatif^cr ©eenen auf ben 3ubörer 
übten, eine tiefgebenbe unb ergreifenbe roar. 
Ohne ©ffectmittcl, ohne l5ouliffenreif?crei roirb 
hier ein geroaltiger feinbruef ergielt unb groar 
auSfd^lieflid^ nur burd^ bie ÜJtacbt ber 5)idbt: 


funft, bureb bie padfenbe Äraft bramatifd^er 
©eelenmalerei. ©in roabrer 3uuberfünftler 
ift biefer ^3übnenbicbter ohne U^übne, biefer 
iramatifer ohne ein 5^rama, biefer ^fpebo: 
log obne ein Äatbeber. ©r gehört gu ben 
Senigen, roel^e gleicbfam „'iHicbbramen" 
febreiben, bic aber ancb im bramatifeben 3.^or: 
trag — unb ba noch glöngenber! — üfb be= 
roäbren, roeldie in ber ^eetüre foroobl roie in ber 
Ofecitation bie gleichen ©rfolge ergielen. 5^ie 
uns norliegenben „''V(i)d)obramcn" enthalten 
13 ^^.Had)tftüde non gang eigenartigem 3feig. 
3n '|>rofa foroobl roie in gebunbener gorm 
finb biefe föftlicbcn ©enrebilber glei(b in: 
tereffant unb roirfungSnoU. 33ei aller 33er: 
ebrung für bie auficrorbentlicbc biebterifd^e 
3?egabnng flfid^arb non 9}?eerbeimbS unb 
feiner iinbeftrittcnen b^bfu 23crbienfte muß 
id) eS boeb bernorbeben, baft bic 33crberrlicb* 
ung beS i'icblingSbunbeS beS ©iebterS — 
©äiar biep ‘^bic^ “ uiir' burebauS nicht 
behagen roifl. 3<^ ©efübic 

beS fDTitleibS unb ber Sebmutb für ben 
treuen greunb beS ^Jtenfeben, aber ihn pfpebo: 
bramatifcb gu beringen — nie! einer folcben 
©Icgic auf einen 33ierfü6Ier unb bic6« 
auch ©äfar, fann ich, gu meinem 33cbaueni, 
feinen ©^ef^mad abgeroinnen. Senn biefeS 
33cifpiel ^taebahmung finbet, roirb man, roie 
hier „^feufunblanbS D^icfen bcb^"f uueb 
bie Doggen, 3lffenpintfcbcr unb noch onberc 
‘Ihic^^ iui ?iebe ncrcroigen. gür mein ©c« 
fühl ift bieS eine ©^efebmaefsnerroirrung. Dem 
cblen ^)ergen beS Jperrn non ^Jfeerbeimb mag 
ja ein folcber '^5ancgpricuS auf eine 33ejtie 
aüc ©hre moeben, aoer bie ^Soefie bat benn 
boeb höhere 3*ff^ 3lugen als oie 33er: 
bcrrlid)ung eines §unbcS, ben ber Dichter 
eine „©eelcnfccle" nennt. Daft ich, trop: 
allebem, biefe „^^fp^obramen" nur auf’S 
Särmfte allen JKecitatoren inSbefonbere unb 
aOen greunben roabrer Dicbtfunjf empfehlen 
fann, nerfteht ücb uon felbft. 

Adolph Kohat. 

Martin Greif, Gedichte, günfte 
3liiflage (©tuttgart 1ÖÖ9). Die früheren 
3luflagen non Martin ©reifS Di^tungen 
finb in biefer 3^itfcbrift mehrfach befproeben, 
nach 3lnficbt bcS ©ebreiberS biefer ^tikn in: 
be^ nicht gang billig bcurtbeilt roorben. ©S 
leibet feinen öuf bem 


S$- 




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264 


K 

Jcibe her ^titnmuiigSlprif fe^r 5^cbeiitfamc§ 
gelciftet ^ pon (^oetbc gc^ 

gcbcnen (^ninbtonc nach ben ücrfcbiebenftcn 
jKitbtungen racitcr aii§. Sinnige (jm; 
pfinbung nerflärt bic ©rlcbeinnngen, bic er 
I un8 geigt, roie ein golbftimmernbeä ©cfpinnft. 

1 $)a§ ©timntungöbilb ift üor ibm faum mit 

foicber 33ietfcitigfeit bebanbelt unb jolten mit 
' fo anmutbigrm 5}nft umfleibet roorben. Salb, 

1 ©cfilbe, Siefe unb Seiber, 2llle§ erfebeint in 
I reigponer, eigenartiger 33elencbtuna, bie eben 
ben Siebter erfennen lägt, ^ueb bie „3?alla5 
j ben unb JRomangen" @reif§ finb im Sejent- 

' lid^en baOabeSfe Stimmunoöbilber. bie= 

I fern Sinne ift namentli^ „veopolbäberg" febr 

anfnreebenb. C^in beutjeben i^täreben nacb= 

I gebilbeter Stoff ift in bet ^PaUabe „^a§ fla; 

‘ genbe Jieb" mit feinem (^efebmaef bebanbelt. 

uebrigenS ift boeb noch immer manebeä ^tin: 
berroertbige in bem ftarfen 33anbe enthalten. 
Sa§ bie 33ebanblung be§ JReimeä betrifft, fo 
toirb e§ fcblieglicb langraeilig, loenn man in 
©efpredbungen immer mieber auf biefen 'IBunft 
gurüdfommt. Slbcr (^reif febeint guioeilen 
I törmlidb nach unechten ^Heimen gu fueben. 

' $)a möchte iA benn einmal beroorbeben, bag 

I nicht nur bie ^ortbilbner ber flaffifcben £ung= 

form unter ben 5)i(btern einer i'erquidung 
pon D^eim unb 2lffonang Siberfprinb ents 
gegenfegen, fonbern bag ficb auch bie nam« 
balftegen ©ermanigen, roie S^^ob (?^rimm unb 
pon Sebenben Silbelm ^Jtüller f(^ött.), babin 
au§gefpro(ben hoben, bag bem Sefen nnferer 
Sprache in biebterifd^er gorm nur ber eebte, 
pöllig gleicblautenbe S’ieim entfpreebe. 

Rudolf Goette. 

Gedichte Pon Johann Hinrich Fehrs. 

(^)annoper, 2lmolb Seid^elt, 1880.) |>inter 
ber grausf^roargsgolbenen ^nbanbbeefe bet- 
por grügt ein eqter dichter ben getS etroaä 


migtrauifeben mobemen $efer. (Gleich bie 
erfte ^eibegropbe ber i^ermifebten (^ebiebte: 
„‘T^ie ?üfte gill unb nab oob fern ^^ie braune 
ftille ^>eibe, 3ot Woor manch lichter 33lumens 
gern, ^I^aS SoO^aö roeicb mie Seibe", nimmt 
unä bureb ihr S^alerifcbeä unb Soblflingens 
beS ein. Tit alte ^Trube mit bem: Sir roa- 
ren flein, boeb grog ber Glaube, 9'iun gnb 
mir grog, ber ©laiibe flein — hält unö noch 
mehr gefangen unb ba mir fag in jebem (^es 
biebte ein eigenes Sort, einen inbioibuellen 
5luöbrucf gnben, — fo g. 3?. bie im 2eng „frob= 
erfebroefene Seit" (S. l.S), bie nä^tenS 
„miinb gemachte Seele" (S. 19), ober eine 
feböne '!]3erfonigcirung: ^eben mir febreitet 
baS lieber bie garre ^eibe (S. 24) 

ober einen burebauS polfstbümlicben 23er§: 
3)ie 9leffel mäcbg am (^artenrain — Ttv 
Unbanf in ber SÖlenfcbenbrug (S. 25) ober 
ein (Mcbicbt Pon ungefebminfter Schönheit, 
mie „ber Ö5efang ber Sogen" (S. 27) ~ fo 
lefen mir baS anmutbige ^Büchlein mit 
bagen gu (^nbc. Sir freuen unS, im um 
enblicben beutfeben $)icbtermalb roieber eine 
echte Ci^olbammer, eine richtige Scblagbroffel 
entbeeft gu haben. Unb auch baS Sonett, 
^aS patriotifebe ?ieb (S. 28) trifft gebrS 
auSgegeiebnet, ebenfo mie bie ^aHabe, menn 
febon hier manche Stoffe unS nolens volens 
auf .?)ebel, ben 3llemannen, ben (Jrlfonig, 
baS 3^obenfeelicb (vt'err @ott, fo rittet 3h^ 
über ben See) u. 31. gemahnen, ^ntgücfenb 
im^ 3lu§brucf unb Gefühl gnb einige ber 
3}läbcbenlieber unb bie ©ialectgebicbte mürbe 
felbft itlauS @roth nicht alle abröeifen. gebrS 
bat übrigens audb ein ©poS: „^ieg unb 
^ütte", einanbereS „Eigene Sege" unb einen 
33anb „3o ber Surff^aufel" peroffentlicbt. 
Seine .^'auptgdrfe febeint mir fein ^inSfein 
mit ber lebenbigen 97atur! 

Alfred Friedmann. 



Adolph Kohut erhielt in 2lnerfennung feiner 
literarifeben SSerbienge Pom ^ergog Pon Sacb= 
fens^lltenburg bie Verdienstmedaille für Kunst 
und Wissenschaft mit der Krone 

- ♦- 

2lm 24. Slpril b. % feiert Klaus Groth feinen 
gebgiggen ©eburtstag. 9Jlan barf annebmen, 
bag bie geier beS Geburtstages meit über bic 
Grcngcn SdbleSmig ^ .^olgeinS h^oauS hob^ 
XbeilnabmeVerroecfen roirb; in Äiel b.ot gdb 
gut Serangaltung einer begüglicben geier ein 


3luSfcbug gebilbet, bem u. 31. bie .^erren Ge^ 
beimratb p. GSmareb unb 9fector ^4>rofcffor 
L)r. ^^enfen angeboren unb in melcbem ^Bürgers 
mciger gug als ^orggenber, Slebacteur 9^liepa 
als Schriftführer roirfen. 5Dem $)icbter foU 
an feinem Geburtstage ein Gb^^OÖ^i^^of ober* 
reicht roerben. 


Albert Möser mirb bemnödbg bei 3- g- 9^i^* 
ter in ^)amburg einen neuen — ben pierten — 
93anb l^rifcber Gebidbte unter bem Xitel 
„Singen unb Sagen" b^^ouSgeben; ebenfo 



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265 


roirb bafelbft pon bcn bereits (eit einiger 3cii 
pergriffenen ^©ebiebten" — ber erfteu Iprijcbcu 
Sammlung ^töferS — eine neue, brittc 2Iuf: 
läge erfebeinen. 

Stephan Milow peröfientlicbt eine neue (¥e: 
bicbtfammlung „^uS bem Sübeu*. plb. 
^on 5 & (5o., Stuttgart.) 

-»- 

53ci üöilbelm griebricb in ?eip;ig erfd}eincn 
in Äürge „(^ebiebte" Pon Detlev Freiherr 
von Liliencron. 

-- ♦ - 

^in neuer 'J^opellenbanb pon Hermann 
Lingr?, „gureben", erfebeint bemnäcbft bei 
5lb. '45on3 & C'o. in Stuttgart; ber ^anb 
entbält: „^ur einmal. — 3le(cbpIo§. — T\t 
eifernc Ä'rone. — ^crbüllt. — 2lm ?ago 
b’’2lperno. — ^oet unb Sängerin." 

- 4e- 

„Stabl unb Stein", eine (Jrjäbtung auS 
ber (^egenroart, Iä§t Gerhard von Amyntor 
foeben bei 3Ö. griebrieb in Scipjig erfebeinen. 

- » - 

^cr literarifebe 9ftacbla6 Franz von Dingel¬ 
stedts foU bcmnädjft bureb .Julius Dodenberg 
peröjfentlicbt unb bcrciuägcgebcn raerben. 

— * — I 

,,ein literarifcber ^ffop" über Friedrich 1 

Spielhagen erfebien por Äurjem auS ber 
geber Gustav Karpeles’ bei Staarf: I 

mann in ^eip^ig; ba§ 33ucb ift mit bem 'iMIb; | 
nife beS Richters gejcbmücft. | 

-♦- I 

Feodor Wehl lä^t bcn erften ^anb eines 
größeren ^Jtemoircnroerfeä „^rit unb ÜJ^en- 
feben. iölätter auS meinem ^agebuebe, 1863 
bis 1888" (oeben bei 21. G. 3tebcr in llltona 
erf^einen; baS Serf roirb pielc interef(antc 
23citröge gu unferer literarifcben 3cit9ci^icbtf 
bringen unb (oü au^ u. 21. auS bem Xagc^ 
buche ScblS in eutipreebenber gorm biSber 
ungebruefte 23ricfc pielcr feiner pcrftorbencn 
greunbe — roic greiligratb, ^infel, v'noltei, 
Vaube, C^upforo, 2Jarnbagen, t>barl- 2^ir(b= 
^^feiffer, iTapifon, 5^eoricnt k. — cntbalten. 

-- ♦- 

Unter bem Sebupe Carmen Sylva’s, ber 
Königin Pon 3iumänien, ift in '^^ariS eine 
merfroürbige Bibliothek im Chitftcben be^ 
griffen, roelcbe bie literarifcben Serfe aller 
Schriftstellerinnen der Welt pereinigen foll. 
^cv “ipian ftammt pon gränicin 2lnbcgia be 
2BolSfo. Die 2^ibIiotbcf foU ben 23ortbcil 
bieten, bap auch roeniger befannte literarifebe 
Dalente biftbureb (Meleaenbeit finben, befannt 
gu roerben unb gu pcroienter Ö^eltung gu ge? 
langen. Sic foll febon ben 2.^efud;ern ber 
^arifer ScltauSftellung geöffnet fein. Die 
'^ibliotbcfSräume roerben au^ eine bauernbe 
iÄuSfteUung pon C^emälben Icbcnber Üünftler 
entbalten. Die jährliche i'efegcbübr roirb 
20 granfen brtragen, ein einmaliger 23e(ucb 



foftet 25 Centimes. (^S roerben auch nach 
'Jtationalitäten georbnete 2llbumS aufliegen, 
roelcbe bic i'botograpbie ber bureb SBerfc 
pertretenen Sebrif tftellerinnen enthalten roerben. 

- » - 

Josef Zorilla, ber ältefte unter bcn jept 
lebenben fpanifeben Dichtern pon 2?ebeutung, 
fod in ber 2llbambra, roelcbe er fo oft be= 
(ungen bat, in aller gorm zum Dichter¬ 
fürsten gekrönt werden. 3onlIa ift ber ^^ioet 
(^ranabaä, ber begciflerte Sänger ber Segen« 
bcn unb (Erinnerungen, bie ficb an bcn reigen« 
ben (Erbcnfled fnüpten. ©r bat ber Literatur 
feineä £anbe8 roabrbaft polfstbümlicbe ®erfe 
gefebenft. DaS geft foü im ?aufe bcS grüb« 
labreS in bem alten ^balifcnfcblofie Por einer 
gelabencn (E'efedfcbaft pon lÜOiX) ^serfonen 
ftattfinben. Die itrone 3oridaS roirb auS in 
bem glupbette beS Duero gefunbenem öiolbe 
gefertigt. 

- » - 

3n bcn dänischen 3^*tungcn finben fiA 
neuerbingS roicber 23cfanntmacbungen, nach 
rocicben Pom Staate an literarisch unci 
wissenschaftlich hervorragende Männer 
tbcils bauernbe Jabri'SQcbälter, tbeilS ein« 
malige Unterftüpungen gen ährt roerben ünb. 
Unter benen, roelcbe abermals bebaebt roerben 
foden, befinbet ficb auch ber befannte bänifebe 
ßprifer, dtopedift unb Dramotifer ^olgcr 
Dracbmann. begiebt febon feit längerer 
3eit ein JabreSgebalt Pon 2(X)0 Äronen, unb 
foü nun auch, ba ihm fein 2Ir;t eine (?rbol« 
ungSreifc angeratben bat, gu oiefem 
eine einmalige Unterftüpung in berfclben .V>öbe 
erhalten. Dem augenblicflid) in ^SnikeS bei 
^^ariS anfäffigeu SopbuS Sebanborpb rourbe 
fürgli^ (ogar baS 3abreSgebatt Pon 2000 .*^ro= 
nen für brei Sab^c auf einmal auSbegablt. 
Schon biefc beiben 2?cifpiele geigen, ba Dracb« 
mann ber rechten unb Sebanborpb ber linfen 
'J^artei angebört, bap bic bänifebe Jfegierung 
aden irgenbroie berporragenben literarifcben 
cHväftcn ohne Jtüdfiebt auf ihre politifcbcn 
2lnf^auungcn in einer überaus freigebigen 
Seife Unterftüpungen gcroäbrt. Dicfcloe gur« 
forge für bic füiiftlerifcbcn Äräftc beS CanbeS 
taffen ficb befanntlicb auch Sebroeben unb 
dtorroegen angelegen j'ein. Ä'aum einer Pon 
ben pambaften Sebriftfiedern ber norbifeben 
Jiei^c entbehrt ber bilü^itbcn .^anb feiner 
jRcgierung. — Unb Deutfcblanb? 

-» - 

Adolph Wilbrandts neuefteS Sebaufpiel, 
„Der dJteifter pon 'palmpra", bat bei feiner 
fürglicb erfolgten (Erft52luffübrung am dJtünd^e« 
ncr .fpoftbcater einen burcbfcblagcnben ©rfolg 
gehabt. 

- ^ » - 

Carmen Sylva’s bramatif^eS (^ebiebt 
„Dämmerung" ergielte bei feiner ©rffauf« 
füb^ang im .poftbeatcr jn 2Beimav einen epren« 
poden, roenn auch feinen grofmrtig bureb« 
fcblagenbcn G'rfolg. @S umfapt nur groei 
dfoden unb entbehrt beS eigentlich bramatifeben 


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266 


K- 

'4>iilöjc^Iagcä, tüictüol^I cö fid) biivd) poctijd;c 
0c^önl)eiten Qu§5cid)nct, bic ^o^eii ^obcä 
njürbig finb. 

- ♦ - 

^sm .s^ambiirgcr 0tabtt^cater ftnb Fürdidb 
CiiipoiPö" üon Ernst v. Wildenbnich 
311m elften ^alc in 0cene gegangen, ^cv 
„^>amb. C^orr." beiid)tet über bie ül^orflcnunij: 
„C.^inen fo unbeflrittenen, nollen Chfolg, ime 


ibn 2 !BiIbenbnic^§ nenefteS 0 d^aufpie( im 
0 tabrtf)eater erhielte, bot (^efebiebte beS 
iio lepten T'cccnniiim faiim 3 um 
5 mciten 'iD?ale 311 per 3 eicbnen. ^ie .pernorrnfe 
nach ben ^Ictfcblnffen rooflten Fein (5-nbc neb' 
men nnb ber ben 0 d)anfpiclcrn ^efpenbete 
Beifall 3 cigte jenen C^'rob non SBarmc, ber 
nur 311 evicicben iü, luenn baä ^*>ev 3 beö 3 ^' 
(cbaneiö bei ben 3?orgängen auf ber ^iibne 
engagirt loirb." 



Jlttfrttf }tt ^ricbrii^ 901t ISobetißettts 70 . 

Ttv 0 ängcr beö ^?ir 3 Q 0 cbaffp — roic 3.^obenftcbt nun febon feit einem ^l^cnfcben: 
alter afl überall genannt roirb — begebt am 22. '3lpril bic geier feineä 70. @ebnrt§tage§. 
5^er nimmermübe i5?anberer, ber bic 2öelt Dom Orient 3 um Occibent, oom ÄauFafuS biä 
0 an Francisco burebftreifte, ber bie beutfebe '^^ation nicht nur, fonbern bie gan 3 e gebilbetc 
Seit burd) bie lebfrifcbcn 0 (bilberungen feiner jÄeifcn erfreute, ber bic 0 cbäpe ber orienta= 
lifeben Siteratiir crtd)loö — er bot ficbcr einen gegrünbeten 3lnfprucb auf bie '3lnerFcnnung 
unb ben OanF aller Jiationen. Ungeachtet feiner raftlofen '?lrbeit mar ibm baS tS^lücF nicht 
günftig! ^bttt nunmebr nad) langer ^ebenöfabrt ein bcfcbcibcneS, eigene^ A^eim, ihm bie gu 
angeftrengter (^eifte§arbeit nötbige DFubc 311 f^affen, ift bie 'Jlbficbt feiner untergei^neten 
i^reunbe unb il?ercbrer. ^''arren boeb no(^ einige gröj^ere SerFe^ 'i^obenftebts ihrer 53 oll 5 
enbung. 2JFöge bem greifen Siebter an feinem Vebcnäabenbe oergönnt fein, roaä ihm güg- 
ung unb (^efcbicF biö babin nicht geroöbrten. Unb fo locnben loir un§ an unfere ^anbsfeutc 
nicht nur, fonbern an aÜe 'Verehrer 53 ob nftebtö — in ber alten loie neuen Seit —, roelcbcr 
0pradbc unb nationalen iMbftammung fie a ich feien, mit ber'Bitte: bc§ beuorftebenben XageS 
nnb beä Oiebterö eingebenf fein 311 looUen, bamit cö nn§ oergönnt toerbe, griebrid) Bobern 
ftebt eine C5brengabc an feinem 7U. ^ob^^’^tage barjubringen, feiner poetifeben traben loertb 
unb roertb ber SlnbänglicbFeit nnb Berebrung, beren ficb ber be^oorragenbe unb gemütbreicbe 
Oiebter ber lieber beö "J!}tir 3 a 0 d;affi) erfreut. ~ 

D. Surmb, 9Fegierung§präfibent, Dr. jur. o. JbeH, Oberbürgermeificr, Bi’ofcffor Dr. 

^efeniu§, i^ebeimer Joofratb, Dr (^eorg (5ber6, Bt’ofcffor, in Sic^baben, Bronfart 
0 . ^dbellcnborff, O^eneralintenbant be§ 05roBbcr3oglicb 0 äcbfifcben §oftbeaterö in 
Seimar, O^raf 0 . oebaef in OJFüncben, Dr. .fSeinr. 0 . 0i)bel, Oirector ber Äönigl. 
0taatäarcbioc, (^rnft o. 'Silbenbrueb, "Hobert 0d)iDeicbeI, Dr. 'faul öinbau, Dr. 
JÄobenberg in Berlin, greiberr oon unb 311 ÖHtfa, 5tönigl. jlammerbetr unb ^otem 
bant in Gaffel, Dr. .i^cinr. .ilrufe in Biiefeburg, Ctmil ?)Fitteräbau§ in Barmen, Obers 
bürgermeifter Dr. 9Jtiquel in graiiFfurt a. Öel). 3i*fti3ratb Dr. 0 . (5unp, flFeicbä^ 
tagöabgeorbneter, Berlin, Oieb- l^ommcr^ienratb Oecbelbäufer, ^)^cicbötagöabgcorbneter, 
in ‘Oefjau, 0 tabtratb 0 . Ouoigneau, jTieicb§tag§abgeorbneter, in BFagbeburg, ^ultoS 
Solff in Obarlottcnburg. — (Melbfcnbungen finb an baö BanFbauä ÜJF. Berle & (5o. 
in SieSbaben :u richten. ^ 2 lnfragen in ber 'Jlngclegenbeit bcantroorten: Dr. (^b. 5lu8s 
feib, 2lrcbioar, unb gerb, ^^ep’l, ^urbireFtor in Sieäbaben. 


I ^erfauf be$ febten unb Jinüttttbigung ettte$ 
I neuen ^retdanöftbreißenö. 

9J?it Bebauern muffen mir bt^rbureb 3 ur allgemeinen Äenntniü bringen, baü baS 
0d)iebgrid)tereoüegium babin iibcreingcFommcn ift, Feine ber cingefebenen Arbeiten eines 
BreifeS für mürbig erflären 311 Fönnen, obgleich bie Betbeiligung bieämal ftieber eine febr 






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267 


reftc war, btt 189 Senbungcn mit gegen 4(MJ (^ebid^ten eingingen. ^>ie 3Scrfttffer beejenigen 
C^cbi(f)te, bie jum 'Äbbriicf beftimmt jinb, ^ttben mir bereits benttdjrid^tigt; ttlleS anbere ift 
ttlS unpcrrocnbbar ju betrttd^ten. Sir untcrittffen nic^t, ben .^erren ^Preisrichtern für bie 
geroiffenhttfte imb forgfaltige 'Prüfung ber ^onuferipte nerbinblichft gu banfen, gumcil bie= 
{etben fi^ mit einer äuSncihme frcunblichft bereit erftärten, bciS 'preiSric^terttmt für biefeS 
3tthr lüieberum gu übernehmen. 9?iir V'crr non Silbenbruch rour leiber biirch Ueberhttufung 
mit 'Arbeiten nerhinbert, unS eine gleiche Saftige nmehen. 

Um nun bie (5‘rreichung beS burch unfere 'preiSnuSfehreibungen ttngefirebten 
ncich Kräften gu förbern, h«'^cn mir beidjloffeii, bie in biejem i^^ht oertheilten preife 
ben Petragen für ein neues preiSauSfehreiben hingugufügen, jo bafi mir in 9tr. 1 beS lOten 
Jahrganges preife im (^efammtbetrag non 600 üJ^arf auSje^en roerben. Sir be= 
abfichtigen, bie Pebingungen gu unjerm nächüen preiSauSjehreiben bebeutenb gu nereinfachen 
unb gu erleichtern, bafjelbe nach roefenUidh neuen (^efichtSpunften gu regeln unb bemerfen 
norläufig nur fo oiet, bap mir auch ein literarijcheS geuiüeton in ben ÄreiS unjerer preiS= 
aiiSfd^reibung gu giehtn beabfichtigen. Ju biejem noch ein befonbereS 0chiebS: 

ric^tcrcoUegium gujammentreten, bejjen'IRitglieber mir j. 3- namhaft machen. ^S follen 
bei biejer ^Gelegenheit jolchc Allheiten berücffichtiat roerben, bie brennenbe fragen unjereS 
geiftigen 9ebenS mit Pegiehung auf bie Literatur behanbeln. T^ic Ih^niata roerben roir j. 3- 
näher bezeichnen. Sir hoffen guoerilchtUch, bag auf (Grunb ber beoorftehenben ^Neuregelung 
ein erfreulicheres (5-rgebnijz crgielt roirb, unb namentlich auch bie preife für (Gebichte roieber 
jämmtlich nertheilt roerben fönnen. 

pie ^ebuction bes 



G. R. in W—1. 5^aS ift bereits über; 
troffen. Gin tieffinniger Gelehrter, ^err o. 
0g. beroeift neueibingS im „UrbSbrunnen", 
bafe bie ebbifchen 0agen, beutfehen PoIfS- 
märchen, foroie Götter^ unb ^>elbcnjageu ber 
römijehen Mythologie entflammen, oon 
Äloftergeiftlichen erft in 5^eutj^lanb eingeführt 
unb auf beutjehe 9Namen übertragen finb. 
Risum teneatis amici! 

F. R. in T~l. 0ie finb offenbar nicht ohne 
Talent, aber baffelbe ift noch nicht auSgereift 
genug. Senbungen roie „Pater mein", bie 
Ginf^iebung oon „jo" lebiglich als jvlidroort 
finb Itenngeichen beS 5>ileitautiSmuS, unb 
roir empfehlen bereu Permeibung nicht nur 
Jhwfii» jonbern bei biejer Gelegenheit unfern 
jüngeren Mitarbeitern überhaupt. 

H. K. in B—1. 0ie hoben groar latent, 
aber baS 0onett ift in ber gorm nicht forreft, 
baS anbere Gebicht gu roenig flar in ber 
0ituation. 

Th. K. in Z—au. 'I^aS ncuerbingS ge^ 
wählte pjeubonym erjeheint unS ebenjo ab^ 
fonberlich roie baS frühere. 

0. F. in H—g „glüchtigeS Glüd"; J. L. 
in G—a „')llte Grinnerung": M. D. in S—x 
„Sicberjehen"; E. W. in W—n „Giche unb 
Pilg"; W. M. in T—n „2)ie Sajjergeujcn"; 


P. W. in G-n „0abbathÜiUe". Ange¬ 
nommen! 

R. S. in L—au i. S. (gu niel 9Nh«lorif); 
H. S. in V—n (jenben 0ie MunbartlicheS); 
E. G. in S—n; H. M. in N.-R—n (aUgu 
jchli^t); G R. in W—n (inhaltlid^ gu 
roenig neu; bie fragliche Ginjenbung hal>«n 
roir nicht erhalten); C. W. in P—g; H. D. 
in B—n (farbloS); A. H. in B—au (ners 
fehlte lonart); R. H. in R—dt (ohne rechte 
0timmung; „0ehnjud)t" erjeheint in einer 
ber impften 'JNummern); E. G. in K—e 
(jehon äujicrlidh unfertig; eS thut unS im 
Dorliegenben gaü bejoüberS leib, ablehnen 
gu mujjen); E. P. in T—n (nicht ohne 
latent, bod) nid)t genügenb biirchgcarbeitet); 
H. M. G. in D—n unb 0. F. K. in R—g 
(gu h«r9fl>rocht); C. R. in C—1 (gu roorG 
reich); tn M—g (gemacht); G. M. in 
M—g (nicht gang ohne Talent, aber gu regeP 
loS); M. W. in S—t (gu fchroungloS im 
3luSbrutf); P. K. in L—ck (etroaS gefunftelt); 
J. 0. in B--th ; H. S. S. in A—ch (roir ner^ 
mifjen noch bie jorgfältige Ueberarbeitung; 
überbieS roäre ^ürgiing nöthig); G. K. in 
\V—g (haben 0ie fein anberes Übema als 
bie leibige ^iebe?); E. H. in Z—a (gu über: 
jchroängiich); S. E. in M—n (meiben 0ic 
abgerijtene participialfonftruftionen); G. B. 
in I)—n (fehlt innere Pertiefung); E. H. in 


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268 


W—g (un§ ju rocHlid^); C. H. in M—n 
(bis auf bie ^übjc^e ©d^lugrociibung (icif im 
^uSbrurf). Dankend abgelehnt! 

F. H. in W—n. 2Bir banfcn 3^ncn 
beflcnS für bie 93ciprec^ung unfercS 55lattc8. 
Son Sl^rer ncuftcn (^nfenbung ift Iciber 
nichts ücrrocnbbar. ^incr poctif^cn (^cftalt: 
ung jenes traurigen (^reignifjcS 9’taum lu 
geben, ift für unS nid^t t^unlic^. 

H. R. in B—n. 5 )qS eine C^ebic^t ift 
breit, in bem anbern ift bie politifd^e Üage 
nic^t richtig gefcnngeic^net. ^ie gcinbc rücfcn 
boc^ no 4 nid^t an. — 9>tur ber gan 3 e im ad^teu 
3al)rgang erfc^ienene X^cil beS „SSolframS; 
liebes^' ijt nollftänbig i;u ^aben. 

F. E. in F—g. j^re ©ebid^te fnib 311 
wenig eigenartig unb halber nid^t braud;bar. 
2 öir nennen S^iieu „ 0 faIbenfränge" non 
iöaUeftrem unb 2ingg (^reSlau 1883), „IMe: 
ber unb iöatlaben" non ^Jeinridj) SÖierorbt 


(^eibelberg 1881), foroie last not least 
„^-BaUaben unb Sieoer" non geliy ^al^n ( 2 eip= 
Sig 1878). 

G. M. S. in E—f. 33ci Slcnberungen, gu 
benen wir angeregt ^aben, beliebe man unS 
baS betr. (^eoid^t gang roieber eingufenben, 
ba mir bie erlebigteu (Jinfenbungen befannt= 
lidb nid^t aufberoa^ren. 

W. E. in H—g. Leiber uic^t nerroenbbar; 
bie Uebertragung ift gu wenig (id^tnoO. 
0 enben 0 ie gelegentlid^ StnbereS! 3 ^re iBe= 
ftcUung wirb wopl ingwifd^en non ber 33 u ^5 
banblung auSgcfü^rt fein; anbcrnfaflS wenbcn 
0ie ftc^ gcfl. unmittelbar an unfere SSerlagS? 
^anbiung. 

A. H. in B—n. 5?eften T>anf für 3^re 
freunbUd^e (^^eftnnung, aber baS ©ebic^t pa^t 
in feiner potemifc^en Raffung nic^t in ben 
JRa^mcn unfereS SBlatteS. 


ber Stebaction biefer ^himmer: 2. 3Rärg 1889.) 


9nSartspergei(Snig. 

Cebidite üon Wilhelm 3ritreii. Knbolf 6octtt, ^einridi iBngo Kbcintfinber, Knbolf bo« (Sottrdioa, 

Kobcrt tiomerlina, tfeinriib Snltboupt, Priu) Hritß. Albert illorer, (Ptto ^ron) iPenMen, nuibrlm Renten, Termine 
Diener qeb. non Billern, i^rinriib irriberr non ftorff unb (Srnfl non dibOnbrrg. - 3nr nfldierUiteratnr. fri' 
tifd) s lÜcraTif(bc8 äSiotuni üon Prof. Br. fleger. — Dfidierrition. - Citeralnr nnb flnnfl. - (Offener dpreiblBot. 
~ Derionf bes lebten nnb Ankfinbignng eines nenen preisansftbreibent. - DrieffibaUer. 

^ai^bntdl nur unter genauer ^ueffenangaüe geglättet. 



(J^cfsfRebactcur unb (Sigcntl^ümer; yanf <^ein|e^ lÄcbacteur: Stnboff ^oette. 
Svttdt non gfcrbinotib X^bomag in S)refbau — gtopier Hon bet S)refbcncr tPopieriabtiL 


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Drgaii für 3)i(fitfiiiii|l und (3)ec „3)eutfdlen Dii&ierfiaffe" 18. £niid.) 

4>erau8geber: S^auf 


Monayioh 2 mal. Preis: 6 J( halbjährLf vorauszahlb. Man abonnirt durch jede Buchhandlung, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des „Deutschen Dichterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nur bis 
1. Mära beziehentlich l. September angenommen. Einzelne Nummern h 606 Stück einer Nummer Ji 1,60. 




♦ 


\nb fftg’s tto<9 fo vetbot^tn, 
Slnb lo&t €5 no($ fo 
Wittmar 0rid^t in bein ^immrt 
noCT brr ponnenf^^ttt; 


^ntnaf dCnft ts voft ’gioftn^ 
30ie fang to ani^ gemafri^ 
3lnb mUtrn-innr ßtf^ß bn 
^rndiferig nnb nrrftrftri; 


$r gab ttn5^ was (irnieben 
mt ^tiuto ißy 

Pafi man fo xafd^ brr <$ribrn 
SInb nir bto $fndi5 nrr§i||t 

prnm: to bnnftrf »rrbrn 

SItnfrr nnb rinfatn 
po faflrn mir bir ibftnbr: 

38ir brr <Prrr^ to »iCT. 


SInb wrifil mir grftominrn 
Pir »onnrrri^r 3elt, 

Pn nnr: Ja nnb Pmrn 
Pn $oltr5 JlrrnnbRi^ftrU. — 

Pof^ fol[ß btt nitnntrr fragen, 
38ir fang to banrm mag: 
por ^ott (Inb tanfrnb Jafrr 
po nirr, aCo mir rin f ag. 


Prnn in brs <prr|rns firfrn 
SSfribi gofbig-frll rin p^rin^ 
Prr gfttfi im (rCTfirn ^fan) not^ 
Jm iirfrn t^obtrnfi^rrin: 

prr pf^rin, bas iß bir «^irbr^ 
SSrnn ^r gmoffm pB^rr: 

$ar tranrig mag rr mrrbm — 
SlngfödiRi^ nimmrrmrfr. — 



Slif^arb «^ranbrr. 


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270 


sr 


-55 



$ui ^ücRertfiteiatui. 

@in fritifd^=literanfci^c8 3Sotum oon '$rof. Dr. 

(gortfe^ung.) 


ic 33erfaffenn läfit auf 0ettc 50 
gr. Dlücfcrt 1839 in (5ni§ fein, 
mo^renb biefer 1829 mit 330^= 
mer imb 33rcntano bort roeittc. 
_ rSScrgt.gr.S^ücfcrtä @cfammt= 
auägabe. iöb. XII, 0. 427.) 

T>aS @ut 97eufc6 lä^t, bic ißcrfaffcrin bem 
^)i(i^tcr erft 1839 abtreten, roä^renb bieä fc^on 
1838 gefc^eben war. 0o oerlanfen bie ^ittfieil; 
ungen ber Sierfafferin ad Infinitum mit C^ra^ie. 
3 n tabetn finb gorm, 0 til, wie 3 n^oIt. 2 Jlan 
roirb fortroä^renb burd^ D^amenSneriocIfd^: 
ungen gefiört. 3- fc^l^cibt fie §o^enbaum 
flatt ^''o^nbaum, ^enbel ftatt ^enfel! ^Taju 
Port bie Orthographie nicht minber al§ ber 
0 tÜ. 0 ie fchreibt ftatt 'palifanber — ^a= 
lijanber, ftatt ftetg — ftötS! (^0. 123). 0ie 
trennt burch Kommata, mo feine pehen bür; 
fen, g. 33. 0. 13: „er 30 g h”'ou§, burch’ä 
gelb." 

„6r befap eine 9feligion beä §erjen§, in 
roelche bic 9feligion im engpen 0inne ges 
hört." SBar etroa Heinrich Piüdfcrt anberS 
organiprt als anbere? 

00 lauft 3llle§ Inpig burcheinanber, roie’S 
eben fommt, ohne einheitlichen ^)3lan, ohne 
flare S^iäpofition. §ier peht ein 0ah über 
gr. Pfücfert, bann ohne jeglidjie iöermittelung 
ein folcher über ober oon .^einrich 9fücfcrt, 
beffen Biographie fortioöhrenb mit 9^^otijen 
über gr. Sffücfert oerquieft ip, um mit oer 
(^efchichte be§ 9fachlaffe§ gr. 9iüdfertä 
gefchloffen gu roerbenü ^i^eifpiete bc§ 
bunten sburcheinanber pche 0. 26 fj. 5lfan 
erhält ba etroaä oom Könige gr. 3Bilhelni 
au8 bem 3ahrc 1840, bann folgt Jl'app, her^ 
nach 33amhagen 1837, bann 0torfmar, 0o= 
nette, 3lgnc8, 91marplli§, SSei^heit be§ 53rah' 
manen, ^ajiergang, ^i>almfonntag, 2lpril= 
morgen, 2)Hinchen u. f. 10. 0^8 gehört ein 

guter ^agen bagu, biefe 5D7ocfturtelfuppc 3U 
oertragen. ©8 loirb aber auch reine „gafelci" 
nicht oerfchmäht, roenn pe ben 0ohn auf 
ben Änieen be8 Ö5ropoater8 i8olf8büd)er auf= 
f^lagen unb J^olgfchnitte erflären läpt. 3lud^ 
ein hoh^^f lebergepolfterter 2ehnpuhl mar ba, 
buntgeroürfelte ^^amaftferoietten, eine .ilaffec= 
fanne mit ber 3ipfc^müpc unb fniftcnibe8 
geuer im Ofen. SDie reinfte erfunbene 9fo= 
manfdhreiberei I 33om 33iographen oerlangt 
man — 3ßahrheit unb feine 
taPerei! Slud^ bie rührenbe .^''iporic oon 
ben eingepaeften „©iilbenfcheinen" ip roman; 
haft angehaucht unb roirb ju ben 3lnQd)roni8= 
men gehören. (2)ian ocrgl. bie 0taaten, 
roelche ju jener 3eit (^ulbenfcheine au8gaben!!) 
Unb erft bie folgenbe heitere 9fomanepifobe! 
2)ie 53erfaffcrin löpt nämlidh ben fpöteren 
0taat8miniper oon Söangenheim 0. 73 roie 
einen 0eiltän3er auf bem Jtopfe pehen, al8 


9füdfert ihm auf ber 33ettenburg oorgePellt 
rourbe. 5)a8 greunblichPe ip, roie pe ber 
burch mich oeraiilapten (^ebenftafel an 9iücfert8 
9iebe8frühling8haufc gebenft: ' „(^ine 3:afel 
be 5 eichnet noch 0chlojgaffe 

biefe8 ^au8." „9ioch ^^eine 

T'ame, 0ie fcheinen nicht mehr ober nidht ju 
roipen, bap erft burch ^ängft oer? 

geffen gcroefene 9jebe8frühling8hau8, ba8 in 
Ä'oburg S7iemanb* fannte, roieber aufgefunben 
unb erft auf meine S3eranlaffung am 
3. ^ai 1869 mit ber C^cbenftafel oerjehen 
rourbe, ^8 ip bodh ein Heiner UnterjÄieb 
jioifchen „ n 0 cp " unb „ e r p " ! 3^^ 
lolche .Ipeiterfeiten im S3orau8, roe8halb ich 
mich 1- 3* energiieh roeigerte, meine oon $ein= 
rieh 3^ücfcrt ftammenben ^^^rioatbriefe ber ros 
mantifchen geber einer ^ame auf guten ©lau« 
ben au 85 uhcinbigcn. C^s roäre bamal 8 faP ju 
einem C^clat jroifchen mir unb ber 33erfaffcnn 
gefommen, roenn berfelbe nicht burd^ 33er= 
mittelung einer O^ame auS 

0d^rocrin oerhütet roorben roäre, beren oon 
mir infpirirten 33rief bie romantifche 33ios 
graphin fchrocrlich an ihren 0piegel gefteeft 
haben bürfte. 

ethe ich ®on ber 9e|^teren mich oerabfd^iebe, 
mnp ich i'och conpatiren, bap pe ihren §ein= 
rid) Pfücfcrt „'Jiflanjen, Ääfer unb 0 teine 
orbnen unb befchrciben" läpt 0 . 11 , roa 8 ich 
oon gr. D^üefert erzählte. (33iogr ®enfm. 
0. 15.) C5^benfo läpt pe .^cinrich 9füdfert 
mit feinem 'IHmbcr .(Carl hinau 83 iehen „burch 
gelb unb ‘Iho^ $öhen hinauf" 

(0. 13), roa 8 ich (a. 0 . 0.) auch fchon au 8 
bem 3nh^c 1798 oon griebrich 9'fücfert 
unb beffen ©ruber erjählte. 3Jfan peht bar: 
au 8 , roie p(h ba 8 Sngcnbleben bei ben „3lltcn" 
ähnelt! (?) 

5)amit fommen roir nunmehr gu ber jroei: 
teil ^ 4 ^ublifation, bie fchon ctroaS prätentiöfer 
airftritt, al 8 ba 8 nicht aUju ernft 3 U neh= 
menbe ©nch über .^einri^ 9iücfert. 

^'iefe groeite Bnblifation nennt pdh „Pfüdferts 
piibien" unb beanfprucht alfo eine roiffen: 
fd^aftlichc 0tellung. 0o legt pe un8 bic 
©flicht auf, ctroa8 näher auf biefelbe ein: 
jugehen, al8 auf ba8 bi8hcr behanbelte £amen= 
bud). 2)iefcn fogen. „Pfüdfertpubien" fehlt 
c8 aber oor 3lllcm an ©crpänbnip für 
gr. Pt ü cf er t; pe bcioegcn fich in Unfennt: 
nip D'tücfert’fd)en 2eben8 unb 2)ichten8 unb 
befunben eine fträflich’lci^tfertigc glüchtigfeit, 
ja litcrarifche Oberflächlichfeit unb 0cichtheit, 
gegen roelche minbcften8 ©erroahrung eingelegt 
roerben mnp. 3ch objcctioen sSahr: 

heit8beroei8 burdh ©efpred^ung beS ©uchc8 an. 


6 ^ 


-«8 


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271 


3)iefc 23ojbccgcv’fd^en fogen. ^9lücfert(lubien" 
bieten: ^ 

1) ®in paar ungebrucfte ©ebid^te in 
mangell^aftcr, nerftümmelter gorm; 

2) JHiirfcrtS fo benanntet lepteS (^ebic^t, 
baS ber ^id^ter nad^ bem obigen iBerfaffer 
„jToei Xage oor (einem Xobe" (al(o am 
29. Sannar 1866) gebid^tet l^aben fotl, roeb 
d^eä aber fd^on am 5. $)eccmber 1865 
non Ü^eufefe abgefd^icft mürbe; 

3) ©cbid^te 9iüdfert8, bie al8 ^ i e r ft r e u t 
unb oerfd^ollen'' gegeben merW, mäb- 
renb biefelben bocb in aQen ^u8gaben be8 
S^üdtert’fcben 2iebe8frübling8 unb in ber (5^e= 
(ammtau8gabe längft gebrucft finb (!!); 

4) SBieberabbrncf einiger lateinifdber 33erfe 
an8 ben 9©iener 3ab*''^wcbern; 

5) SBieberabbrürfe unbebeutcnber lieber^ 
febungen au8 bem 3Ircbi» für fiiteratur- 
gefdbid^te, roie au8 einem Erfurter @ratnra= 
tion8programm; 

6) ©leberabbmcf non etlidben oerleumbers 
ifcben llrtbeilen über ben @eniu8 gr. 9tüdfert, 
unb 2Bicberabbru(f eine8 (SonoeriationSle^is 
fon8=3lrtifel8, foroie cine8 SluffapeS anä ber 
^31. 31. Leitung"; 

7) 33erftümmelten ©ieberabbrncf ber non 
93üacrt unterbrücften 17ten ültafame. 

ffieiter ift in bicfen feltenen „Slücfcrtjtus 
bien" entboiten: 

8) Sertblofe (^rganjnng ber oon mir in 
meinem Slbbrudfe mit 3lbficbt roeggelaffes 
neu 5Briefauf(cbriften unb 33rief(cbluji'e bei 
©riefen an (5otta. (©crgl. 9leuc ©tittbeil. 

107 ff.) 

gerner finb barin entbolten: SBertblofe, 
mcijt gefcböftlidbe unb anbere flcinc büiiSticbe 
3lngelegenbeiten betrefjenbe ©riefe, bic ba8 
©erftanbnife be8 X4cbter8 burcbau8 nicht för^ 
bern, bie i^ roegen tbreS rein prioaten Ofba- 
rafter8 nnb roegen anberer nacbb«^ nens 
nenber örünbe fortgelaffen bof>«/ obroobl Üc 
einzig unb allein mir burcb bie 3**®®^* 
fommenbeit be8 greiberm oon (5otta T®. 106 
ber „9teuen ÜJtittbeil.") 3 U (Gebote ftanben. 
SBa8 icb gab, oermittelte icb bebufS ^lar« 
legung biogropbifcber unb literarbiftorifcber 
©exiebungen. ^icbt SlfleS in ben ©riefen 
93ncfert8 ift oon Sicbtigfeit für fein Scben 
unb feine SBerfe ober für irgenb eine allgemein: 
roiffenfcbaftlidbe, rcinfünftlerifcbe ober rein: 
menfcblicbe ©egiebung. 3lber eine fimple ©neb: 
macberei mag barna^ febmad^ten, jeben 
„©afcb^ettel an bie SSäfd^crin" mit^utbeilen. 
feie naebitebenbe ©eroeiSfübrung roirb nicht 
nur ben ^acbroei8 beS UnroertbS ber in 9tebe 
(tebenben Jlompilation liefern, fonbern ancb 
bie Obcrflad^licbfcit ber ©tittbeilungen, um 
nicht ju fagen, bie gremenlofe Unroiffenbeit 
be8 biefer „93ücfertftubien" 

bartbun. 

2)ie ungebrueften 93ücfert: 
gebicbte ©o?berger8 finb mangel: 
baft, inforreft, oerftümmelt unb 
oerratben mangelhafte ^enntnife 
ber ©tetrif unb '^rofobif in ihrer 


Siebergabe. ©eroeiS: Q^leicb im erften 
©ebiebt (tebt anftatt „3n meiner ©ruft bie 
Sunben finb" gebruÄt: „3” beiwet ©ruft 
u. f. ro." gür ift gebrucft 

„eine 9taft . gür: „®ocb l)u b^ft e8 be: 
ftanben" ift gebrucft: „5)ocb ®u bflft’S über: 
ftanben" u. f. ro. 

21 2luf ©. 3 geben biefe „©tubien" gols 
genoeS: 

33ücfert8 legte8 ©ebiebt. 

(3n)ei Xage oor feinem Xobe) (V) 
(alfo 29. Sanuar 1866??). 

©erroclfte ©lume, 

3Jtenfcbenfinb, 

ÜJtan fenft gelinb 
®icb in bie ^be 
hinunter: 

$)ann roirb ob 5)ir 
SDer 9fafen grün 

(iöter fe^It bei Oorberaet bie sanu 3<iie:) 

Unb »turnen blübn, 

Unb ^u blübft 
©Bitten brunter. 

68 ift eine unerhörte biftorifebe gSIfcbnng, 
biefeS (Schicht al8 „legteS" ju bezeichnen uno 
anzngeben, bafe e8 ber tobtfranfe 93ücfert 
noch baju 8ttiei läge oor feinem ^obe ge: 
febrieben b^üe. ®ie8 ift einfach gelo: 
gen! ober e8 ift pbantafirt. ^)a8 tbatfäcbs 
lieb Irgte ©ebidbt ift in meinem „©iogr. 
‘I)enfmal" ©. 444 nach ber mir oon 93ücfert8 
©ebroiegertoebter 3llma, gcb. o. groriep übet: 
gebenen ^)anbfcbrift abgebrueft. !Da8 oon 
ben „93ücfertftubien" al8 legteS ©ebiebt aufs 
geführte ©oem rourbe aber bereit8 am 5.5)e: 
cember 186 5 oon ©taria 9tücfert „„in bc8 
©ater8 97amen"" oon ^teufeg nach Büffel: 
borf gefenbet unb bat in ber Urfebrift folgenbe 
©er8anorbnung: 

©erroelfte ©lume, ^Wenfd^enfinb, 

üWon fenft gelinb 

^)icb in bie ^be hinunter. 

5)ann roirb ob ^)ir ber 93afen grün 

Unb ©lumen blübn 

Unb $)u blübft mitten barunter. 

ÜJteine peinliche Öleroiffenbaftigfeit in @r: 
forfebung be8 3nfammenbang8 oon Seben 
unb ^Jiegten D3ücfert8 bat mid^ bereit8 früher 
befähigt, bie Q^ntftebung aud^ biefe8 (^ebiebteS 
aufzubetlen. üJteine oerebrte greunbin üJtaria 
9ffücfert febrieb mir feiner 3«U barüber: „3cb 
Babe biefc8 (^ebiebt, fooiel ich mich erinnere, 
felbft abgefebieft in be8 ®ater8 Dramen, furz 
oor feinem Xobe. 5Der Düffelborfcr Äünftler: 
oerein batte um einen ©eitrag für ba8 l^ünft: 
lersSllbum gebeten unb befam ba8. Sie bie 
^anbfebrift be8 ©ater8 lautet, roeig ich nicht 
mehr. 3^ febrieb bie8 bi«r hei mir ab. $)ie8 
(^ebiebt lieg id^ mir einrabmen; idb nahm 
e8 au8 bem mir nach bem Xobe be8 ©ater8 
zugefebieften 3abre8ej‘emplare be8 ^Düffelborfer 
jtunftler:3llbum8. Sober — roie beigt er? 
— in Erfurt e8 befam, ahne iep nicht". 


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272 




$)ic rere^rte ®anie, roeld^e im »oct. 3:aae5ud^ 
550 boffclbe nad^ ihrer nicht ganj forref^ 
ten Slbfchrift veröffentlichte unb 008 ßiebicht 
in*8 3flh^ 1866 verlegte, hott« vergeffen, bofe 
pe f^on anfangs ®ecember 1865 oaffelbe gc^ 
fanbt hatte. $)er ^ünpier 2. 39aumann, roel^ 
eher uns im Sluftrage beS „WalfapenS" eine 
von uns aufberoahrte, biplomatifch genaue 
^Ibfchrift unterm 1. gebruar 1879 lieferte, 
vermittelte unS auch folgenbcS 
obige ©cbicht rourbe unS am 5. 5)ecember 
1865, alfo Tvenige Jage vor bemJobe 
beS JichterS mit einem eigenhänbigen 
Schreiben beffelben gugefanbt. 5Die SSerlagS^ 
hanblung.* Jen /rWenige Jage vor 

bem Jobe beS JichterS" überfegen nun biefe 
erheitemben 9tücfertpubien in „groei Jage" 
vor bem Jobe beS Jid^terS. M nenne boS 
eine oBieftiHe Ob eine 

fubjeftive vorliegt, mill ich gar 
nicht unterfuchen! 

3(h niill nur noch bie infonefte fchreiber? 
mäßige ©iebergabe rügen, ^ättc ber 9?er= 
faffer nur ffanbiren gelernt, fo mubte er 
überzeugen, bap in feinem Jnicf eine iKerS; 
jeile fehlt unb burdh ©lipon im Sortfup 
„brunter" für „barunter" ber gefällige 2lnas 
päp verborben rourbe. J)ie maimelnbe ©pm^ 
metrie feiner beiben einzelnen Strophen pel 
ihm auch nicht auf. 

3) als „zerpreuteS unb verfdbols 
leneS" ©eoiAt brueft ber JRücfertpubien« 
fchreiber „ JaS Jeutfehe ^ünpierfep in 9tom" 
mit allen von 9?ücfert längp roegforrigirten 
gehlern bcS erpen JrudPeS auf 7Va Seiten 
(0.10—-17) roieber ab. ©inen erften Jruef 
öiefeS ©Jebid^teS höbe ich bereits in „D^eue 
9Jtitt^eil." 11. 124 nachgeiviefen. Jaffelbe 
peht übrigens in allen 9tü5ertgebichtau8gaben 
mit erheblichen ©rganzungen D^üefertS ab* 
gebrueft. ^ormaprS „areniv", in bem baS 
©ebidht ebenfalls Panb, ift nachmeiSlid^ fap 
gleichzeitig mit bem „grauentafchenbuch" er? 
Phienen. 

4) auf ©. 22 — 0. 30 brueft biefer $err 

bie in meinen „Si^achgelaffenen ©Jebichten 
9fücfertS" 0. 298 längP ermähnten ©iebichte 
„SSmael unb abbaUap"; ferner 0. 31 bie 
von mir a. a. O. ebenfalls ermähnten „0anb: 
Jünen", enblich von 0. 32— 43 ben ganzen 
flfücfert’fdhen „3009 ben ich 

reitS in meinen „Stachgelaffenen ©Jebiebten 
9fücfertS" (0.372 ff.) mit ©rlaubnip beS Jper^ 
auSgeberS ber „SahreSzeiten", beS ^errn ^of* 
rathSÜJ^arbach,abgebruefthabe. 3^fannte 
irSung Jripan" fepon früher, ebenfo bie 2efer 
meines ©ucheS „iöiograpp. Jenfm." (18^, 
0.384), fomie meines 33uche8 „9^achgcl. ©Jeb." 
0. 425. Jennoch fdhreibt ber 33erfaffer ber 
SRücfertPubien: „Jen 9tadhmei8 von JÄücfertS 
autorfdhaft höt di. ©echftein geliefert." 

©ei aller anerfennung ©echPeinS mup ich 
bemerfen, bap bem Kenner lÄüdfert’fcher ©oepe 
unfer 9fücfert als autor fchon auS ben 
„3ahreSzeiten", ^)erbp 1839, befannt mar, 
mo fogar ber 9^ame 9iücfertS 0. 157 ge* 
nann t unb aud^ in ^arenthefe beim abbruef 




beS ©rudhpücfS „Jripan unb 3foil" greifbar 
gegeben ip. 

5) JaS von mir in „flieue üRittheilungen" 
I. 0. 223 in feinem erpen Jruefe nach* 
gemiefene 0onett „©or ^af^xtn ip burch beut* 
fdhe @auen" :c. brueft ber ©erfaffer ber 
„9tücfertPubien" auS bem abbruef beS „9iüms 
berger .fonefponbenten" mit einer mahrpap 
flafpfchen ©erpümmelung na^. 0tatt: 
„3Jtir m a ch bie bämmernoen ©rinnerungen" 
brueft er pnnloS: „©iir noch* u. f. m. 

SUuPrirt folcher Jefeft nicht bie U n f ä h i 9 * 
feit zur Jejtfritif?! — 

6) 3n taftlofer SBeife bietet biefe ifompis 
lation oie rein zmecflofen abbrüefe eines jeben 
3ettel8, fogar eines ©illets an ben auto* 
grapbenhänbler 3fune in Seimar. ^Rament* 
lieh fch^iut eS ber ©erfaffer in mahrhöft er* 
fchredfenber ©^anie auf ©riefauffebriften ab* 
gefehen gu höben. 2öo er beren feine Pnbet, 
macht er melche — nach ©utbünfen, g. ©. 
0.77, unb mar in einer Sßeife, bie von 
©tangel an ^caepbenfen ober von Mangel an 
geographifchcr ^enntnip zeugen bürfte. Jer 
0chlup beS S'fücfert’fchen ©riefeS: „©ei [0 
frönen ©intertagen, mie h^ute einer ip, 
föiinten 0ie mohl einmal meine grau in 
ihrer ©infamfeit befudhen^, müpte ihm boeb 
bemeifen, bap 1843 (als bie ©ifenbahn noep 
nicht nach Itoburg ging) unmögli* ein ©es 
fuch von 0chmeinfurt nach 9teu(ep bei Jfo« 
bürg in einem 9iachmittag auSzuführen 
mar. aber ber ©erfaffer fchreibt pugS ^cbmeins 
furt. 9^i^t „0chmeinfurt", fonbem „Jams 
bach* bei If oburg mar zu ergänien! I (©ergl. 
mein „©iogr. Jenfmal" 0.263, fomie noch 
befonberS 0. 142 u. f. m.) 

7) Jer fogenannte „ungebruefte* ©rief 
biefeS ©erfafferS 0. 78 ip bereits in meinem 
„©iogr. Jenfmal" 0.6 (1868) abgebrurft! 
freili^ mit ^inmeglaffung ber voOpänbig uns 
mefentlichen Unterphrift unb ©rupbepeuung. 
Jiefe ©rgänzung nennt ber ^err ©erfaffer 
baS „0einige"! 

8) Jem recht überpüfpgen ©ieberabbruefe 
langathmiger Ueberfepungen im inbifeben 
0lofa giebt ber ©erfaffer ein paar mit feis 
nem iltamen unterzei^nete ©emerfungen bei, 
in melchen erlehrt,(!) bap9fücfert „jebens 
falls" (!!) nur bie ©alcutta’fcpe auSgabe 
beS ©fahübhSrata vor pch hötte, bap er bie 
Verausgabe einer ©hreponiathie beabpdhtigt 
ZU höben f che int (!) u. f. m. (0.84). auch 
verpdhert ber Pfücfertpubienverfertiger, bap er 
mit ber Literatur ber ©arabel „©8 ging ein 
©tann im 0prerlanb" nicht unbefannt fei. 
(©i, ei!) Um bieS zu »eigen, führt er neben 
„Orient unb Occibent" VöiumerS „©Jefepiebte 
ber fchönen 9febefünpe ^rpenS" an, bie ich 
im „©iogr. Jenfmal" 0.101 nannte unb in 
„©eue ©tittheil." ©b. 11, 125, 1873 mabrs 
fcheinlich zuerp als bie Oueüe für bie 
9fücfert’fche ©arabel nachmieS, inbem ich 
VömmerS Ueberfepung mit ©JegenüberpeHung 
ber 9iücfert’fdhen Umbilbung abbruefte. ©S 
ip hoch recht fonberbar, bap ber ©erfaffer 
ber „fRüefertpubien" meine bezüglid^en eins 


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273 


ge^cnben litcrarMorifd^cn S^adbroeife über ben 
urfprung ber Parabel in »Vcb. u. SDicbt." 
6.185—i 89 t. 3.1866, in ben „9^euen üKits 
tl^eil/ n, 125, 1873 unb befonbcrS meinen 


bierber gehörigen in ben „9^acbgetaffenen 
©ebicbten 9tücfert8" 0. 311—320, 1877 nid^t 
mehr fennen roiU, nadbbem er biefelben bod^ 
in einer lobcnben JÄecenfton oergeicbnet batte. 


(@d^lu6 folgt.) 


^ e I t r u 5 


©pccrfämpfcrin, fcclcngclicbtc, 
fiomm mit jum ©tranb, an ba§ 9Kccr! 
®a jicbcn fo fröbticb bic SBolfcn 
Unb 3D7öocn über unö l^cr. 

®a melden fo roür^ig bic SBinbe, 

®a braufl fo gcroaltig bic glut^, 

9lfe fönnte fie mit un§ fühlen 
Unfrer ^erjen ho<h^t)bcrnbc ©luth- 


@in ©dbifficin nenn idb mein eigen, 
Unb ift e§ au^ fdbmucfIo§ unb flein, 
303ir fahren mit ooDen ©egeln 
3ln bie febäumenbe ©ec hinein. 

3öa§ fümmert mich ©Räumen unb 
Unb be§ ©turmcä roüthenber ©tog? 
3ldb hnite bidb ©dbönfte in 3trmen, 
Unb nimmermehr lag idb bidb loSl 


3[ch trinf bir bie ©ertrubenminne 
^it febem ^ergenöfdblag, 
©peerfämpferin, feelcngcliebtc, 

SiS an ben {üngften lag! 


3 U 39* ^itlleittag. 


^eefempanberung 


©ittbolb mar ein ®om im 2lug’ 
©eineg 9tadbbarg ^olanb £ra^ten, 

®ag er ju nidbtg 5lnbrem taug’, 

3tl8 ju ©treit unb Ärieg unb ©dblachten: 
Ihat ihm leib für ÜKcnfch unb Xht^' 
gür bie fegenfdbönen Sanbe, 

®ie jur SBüfic mürben fchier 
Unter ©ittbolbs milber ®anbe. 

©uAt’ ihn auf in feinem Jport, 

©teutc grimmig ihn jur SRebe, 

Äünbet ihm jur ®ahl bag SSBort: 
Umfehr ober blut’ge gchbe! 
lolanb lacht ihm in’g ©efidbt: 
„3D7ciftcm miHft ®u Äamcraben? 

©oll idb tn^h^^n, jaubr’ ich nicht, 

3D7ag ®idb oor bie Älinge laben." 

SQBar ein fur^er SBaffengang, 

Jolanb lag in feinem ®lute, 

SRidbt jum ^eil ber ©ieg gelang 
©ittbolbg ©tolj unb Uebermuthe: 


2llg ob beg Sefiegten ©eift 
3n ben ©ieger mär gefahren, 

97eu ber ©chlachtengeicr ^cift 
Ueber greunb? unb 5^inbeg5©dbaaren. 
©ittbolb hat ben $ort jerftört 
©eineg einftigen ©enoffen, 

®cr fein marnenb äBort erhört 
Unb bie SRetterhanb oerftogen. 

Uncrlöft am gleidben 3«l 
fiam er an auf gleichen Sagnen —: 
©ein ©ebein ber SOBinbe ©piel, 
®rüber mehen griebengfahnen. 

SQBer hoch l^nbet nun, mohin 
©ei gemanbert ©ittbolbg ©ecle? 
®iefc, meint ^rophetenpnn, 
glog in oielc ^erjfanäle. 

©orgoott pdb bie äßelt ermehrt 
S)cr Sebrängcr, mie ®efreier 
Unb ber 3lbler fie belehrt, 

©ich ^t)r bem ©eier. 


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274 


R-a 


_ (Sna^brudT verboten.) 

IDa« OolktantsUelt.*) 

$atig ans mtferen %Ageit. 

$on Stoffe. 

(gortfetung.) 

9^cuc Sterne. 

^Jöillfomnten, Äinb — fo füg id^ einft geträumt, 
i)ic^ in mein ®ätererbe einjufü^ren, 

9tun ^ab id^ bod^ be§ Sd^icffalS ®unft oerfäumt, 

@in grembling bleib’ id^ oor ben offnen I^üren. 

3Bo^l finb mir ^o^e Steckte cingeräumt, 

fie ju nü^en, mügt’ i^ Äämpfe fc^üren; 

S3or fold^en SBirren fträubt fid^ ad mein Söefen, 

®rum fei e§ nur ein fc^öner iraum geroefen — 

„‘JDu bift mein Sttteö, Slennc^en, meine ®elt, 
aRein guter ©ngel. — 2lud^ im Sauernl^aufc 
93lü^t ung ein @ben. S)aä 3*9^wnerjelt 
®e§ ©lücfg erbaun mir fern oom 2ßeltgebraufe 
2lm flaren S9ac^, am golbnen Ste^renfelb 
Unb ftnb jufrieben in befd^eibner Ätaufe. 

3Rag immerhin ju l§o§en SebenSbal^nen 
SJerfuc^ung roinfen unter fremben S^^nen —" 

Unb 2lcnnd^en fpradb: „®u marft ja ftetä apart 
Unb träumft am liebflen oon entlegnen 
So bag ®ir fremb bie fc^öne ©egenroart." 

„^aft SRed^t, Äinb, nimmer mugt’ i^ flug ju fpielen, 

Unb meiftent^eilä ^at mic^ mein £oo§ genarrt; 

®od^ 3enc ^aff’ icb, bie nac^ Sort^cil fd^ielen. 

2Ba§ gilt mir £o^n, maä Sob oon ÜRenf^enjungen 
Seit ic^ mein l^öd^fteS ®lüdP in ®ir errungen —" 

Unb fie: „SRan roeig, raie ^cien ®u oerroöl^nt, 

®ein 6belmut§ für oHe ffielt mü^te, 

Unb jeben ®egner fä^ft 5)u gern oerfö^nt, 

3luc^ menn ®ir meiftenö Unbanf nur erblühte. 

ÜRein armeö Seben §aft ®u reid^ oerfc^önt, 

®oc^ ^eut anruf’ ic^ ®eine ^erjenSgüte, 

SMe ^elfenbe, für ^cr in atötl^cn —" 

®ie fammtnen Sßangen übergog ©rrötl^en. 


*) fiierburc^ mac&en toir btdenigen unferet Slbonncnten, bie in biefem ^abrgange neu biniugctrcten 
nnb, böfii*Tt batauf aufmerffam, bafe »it bon ben im 8. Sabroange erfebienenen erften fünf ©ifebern be« 
©olfTamSliebeS ©eborata^üae genau im f^ormate beg ,.2)eutfcben ^tebterbeim^ haben anfertigen (affen, fo ba^ 
biefelbcn bem laufenben aabrflange unfre« ©latte« mit beigebunben merben fönnen. 2)iefe ©eoarotabjüge, 
ca. 6 ©ogen umfaffenb, ffnb sum ©elbftfoftenbreife oon 1 utr für baS ©tü(f birect Oon uni» fotoie bureb jebe 
©ucbbanblung gu begieben. 

9<( exrrbition bc# 

K-^-^i 


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275 


fS 


un§ eine greunbin mitgebrad^t, 

3)ie auc^ oom Äviegögetümmet roarb nerfcblagen. 

©eitbem im Dlovb verloren ©d^lac^t auf (Sd^lac^t, 
®egann aud^ i^r baö glüd^ten unb ba§ 3agen. 

3lc^ traf fie l^ülfloö in ber lebten Stacht, 

3erbroc^en mar ber umgeftürjtc SBagen. 

Sie fetber faß oerjagt auf einem ©teine, 

®u fennfl bie ®ame längfl fd^on, mie id^ meine — 

„©rinnre ®id^, ©rroin — mie eine gce 
S)amalö am ^od^jeitstag mar fie erfd^ienen. 

35Bie fag fie bia^, mie in oerfd^miegnem SSBel^, 

SBie überirbifc^ fha'^tten il^re ältienen; 

Unb fprac^ fie, mar’ö, als menn im ®lüt^enfd^nee 
®ie fummeln fummen unb bie golbnen Sienen. 

6in SRärd^en mar’S — nun traf id^ fie oerlaffen 
Unb ^ab fie mitgenommen oon ber ©tragen." 

„5BaS t^ufl 2)u, fiinb!" rief ©rmin al^nungSbang; 

®a öffnet fic^ bie J^ür oom SRebenjimmer: 

®ettina nal^te — jögernb mar i^r @ang; 

®od^ @rmin roar’S, als flut^e ©tral^lenfc^immer 
Um bie ©eftalt; mie ^immlifc^er ©efang 
Älang’S auS bem Sid^tmeer bem oerlornen ©d^mimmer, 
©ein §erj, eS fc^lug mit ungeftümen ©dringen, 

Sie aber flrecft bie ^änbe il^m entgegen. 

„Söie rafd^, mein greunb, marb ®o§r§eit 6uer 2Bort: 
j)er ©türm, er tarn mie über Stadst befdt^moren, 

SRig SBaö unb ®ämme, 2:i^ron’ unb fironen fort, 

®ie ffieifen prüft er ^eute, mie bie J^oren. 

^eil noc^ blieb ein fid^rcr $ort, 

3d^ ^ab bie le^te ^cimat nun oerloren —" 

„5Rid^t boc^" — rief Stennd^en — „ujoju ängftlid^ forgen. 
Sie bleiben bei unS, l^ier finb ©ie geborgen — 

„©0 rül^r’ ®id^ bod^, ®u böfer 3Jlann, unb fprid^." 
©rrnin in tiefeS ©c^meigen flanb oerfunfen; 

6S mar, als menn ein ©rau'n i^n überfc^lic^, 

Salb bann, alS- mär' er ^ol^er Söonnen trunfen. 

O aJlenfd^enlooS, oerflod^ten munberlid^ — 

SBie fc^lummern glammen in erlofc^nen gunfen, 

S)aS mar baS ^beal, einft unerreid^bar, 

Unb l^eute fafi Serfommenen oergleid^bar! 

®oc^ fletS noc^ leud^tenb überirbifd^ f^ön, 

©elbft leiboergrämt unb mit oerl^ärmten Sßangen, 

3tlS minft’ ein §immels.bilb auf SBolfenl^ö^n 
Unb jeigt’ i^m, maS auf @rben i^m entgangen. 

Sfl baS ber un^eilooller gö^n, 

®er braufen mirb mit brennenbem ©erlangen? 

©c^on ^eute mar'S, als fäng’ er ©turmeSlieber — 
©tiHfinnenb noc^ fc^vitt ©rmin auf unb nieber. 


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276 


IK-0 

5Boju? l^inab! bic Iräumc finb oorbci — 
gort mit bcr ©d^mad^l^cit, ^icr gebieten ^flic^ten, 

6in fc^roüter Sommer fam nad^ reichem SKai, 

3ur ©mtearbeit gilt’§ jlc^ einguric^ten. 

I Unb alfo marb bie 3KanneöfeeIe frei, 

I 6in §erjen§gtü(f mag leicht auf 2Bal^n oerjid^ten. i 

„©efegnet fei ber Jag" — mit ^eitren ÜKienen 
begann er je^t — „ba mir 6ud^ fönnten bienen. 

,,@enügt ein einfad^ §eim 6ud^ auf bem Sanb, 

I SBiöfommen feib SBertl^efte, un§ ®eiben. 

I J)er ^DafeinSfampf miß eraig SBiberftanb, 

j 3^ ÄriegSbebrängnig mirb man halb befc^eiben; 

j ®odb eble 3Kenfc^en reid^en fic^ bie §anb 

j Unb Reifen fic^ im aßgemeinen Seiben —" 

Unb pc ermibert: „§eil fo fc^önem ©tauben, | 

3^ möd^f 6uc^ nid^t fo ropge Jäufd^ung rauben. 

j „aJlic^ bünft, 3]^r baut ein Sc^log im JBolfengtaP, 

Sel^t greunbe überaß unb gute Seelen, 

Unb bod^ fd^eint 2lße§ emP, feinbfetig faft — 

Sel^t ®uc^ bod^ um, man mirb’S 6ud^ nid^t oerl^el^len: 
j aJlan bulbet un§ ^ier nimmermel^r ju ©ap." 

I „SSBie meint 3^^^ mü|t’g am ®ePen festen, 

i ^oßa, $err SEBirt^ I — bringt, maS ber Jifd^ miß tragen, 

3t^ fpüre junger nad^ fo ferneren Jagen. 

2Bir bleiben l^ier!" ein langes Sc^meigen, bann 
©n gtüPem, ©rängen, Jpins unb SDBiebertaufen, 

3tud^ böfe ®lidfc, SWurren bann unb mann, 

©ie Seute fd^aaren fic^ in bid^ten Raufen- 

^2BaS giebt’S, ^err 32äirt^?" Unb Poefenb ber begann: ^ 

„3Jtein gnäbiger ^err, ic^ furcht’, eS fommt jum SRaufen. 

3ci^ bitt’ 6u^, ge^t — e§ giebt fo oiele grager. 
aWan meip, 3^^ 6ci atad^t im ^reupenlager. 

„Seib felbp rool^l einer — immerl^in, bod^ mipt: 
gür ^reugen roirb bei unS fein ®rob gebaefen. 

I Sragt ben ßaptan, baS ip ein frommer S^rip —" 

Unb aufre^t ftanb er ba mit peifem SRaefen. 

„atec^t!" fc^rien bie Säuern — „menn’S ein $rcupe ip, 
aWag er pd^ troßen unb oon bannen padten. 

^ier giebt’S fein Srob!" unb brol^cnb fd^moß bic aKcngc, 
gaP famen unfre greunbe in’S ©ebränge. 

©aS mar bcr ©anf für ©rminS Sd^onungspel^n. 

2Bo blieb baS fc^öne Jraumbilb fcncS ©reifen 
Son ©nigfeit, bic er erfüßt gefel^n? 

„So fpannt ben 5Bagen an, auf bap mir reifen!" 

! „6S fe^lt an $ferben, müpt ju gupe ge^n, 

i ©ern moßen mir ben näd^ften Söeg ©id^ meifen —" 

Unb mieber aJlurren ringS unb pnftre aJticnen; 

©a ip ein SRetter in ber SRot^ erf^ienen. 

* * 

- }Si 


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©in ®Qgm raffelt ^cr im ©ommerftaub 
3Kit ^citfc^cnfnaH. lärmt im §qu§ baö ©ekelten. 

,,Äommt", fprad^ ©rmin, „bic ?cute ^ier fmb taub 
gür SWcnfd^lic^fcit, roaS fann Vernunft biet gelten." 

®a plö^licb flingt ein 3unif: „^it Scrlaub, 

§e, ®olfram ©rroin — feib felbft? ©anct Selten! 

3Bo fommt 3^r b^r?" ^Da gab’ö ein ©taunen, fragen, 
Unb ein langmäbnig ^aupt enttauebt bem ffiagen. 

3Bel(!b feltfome ©eflalt — roer fennt ben §erm? 

3m Änopflodb prangt ein ©anb oon bunten garben, 
Unb unterem ©rufttudb bli^t ein J)emantftern; 

5lu(b ficbt man ibn nicht mit bem Xrinfgelb barben, 

®ie Säuern lauf(ben ftaunenb unb oon fern. 

ÜJtit folcbem ®aft e§ ffiirtbe nie uerbarben, 

3umal betreßte ®iener im ©eleite; 

S)rum minft ber SBirtb bie Säuern rafcb bei ©eite. 

,,©i, fennt man nicht ©ineHi? — in ^axx^ 

Sor mar’ö, ba ©ueb alö 9lttentäter 

Stapoleonö ^)ermanbab oerbaften ließ — 

SJticb peitfebt ber Äriegälärm b^ut; bie rocifen Säter 
Som reichen granffurt trauern. Ueberbieä 
SJoDf ich nach SRußtanb, nadb fpäter, 

SRun roinft ein anbrer ©tern an anbrem ^erbe, 

^eba, SBirtbfdbaft — erft ©ein, bann frifebe ^ferbel" 

Salb fibt man froh im Saubengang beim ©ein. 

S)er Jonbclb ift% gcfcbniegelt unb gebürftet; 

3b»^ We Äunfi, gleicbmie ber ©eifen ©tein, 

ÜKit ^Qi^^crfräften, wie einfl gaufi, gefürflet, 

®er auf bem SRantel fuhr im ©etterfebein. 

©0 fährt aueb er bureb Sänber, bie gebürftet, 

©ein ^aupt ju febaun unb gl^big anjubeten; 

®roß ifl bie ^^wt folcber ionpropbeten. 

r/3^i^ tbeurer greunb, ift atlc§ Sumperci — 

®u§ UnglüdP muß ficb ®lücf julcbt gebären. 

©aä liegt am Äricg un§ unb So^^t^igefebvei. 

Un§ blüht ein beffreö SReicb in böb^^*^ ©pbären, 

©in ©olfenglücf, gleicbmie ein eraiger 3Kai, 

©0 alle ©rbenmünfebe fi^ nerftären. 

3cb benf, 3^^ ^öbt bie Äunbe febon üernpmmen — 

3cb weiß geroiß — 3b^ roerbet mit unö fommen. 

„©in aJlärcbcnfönig benrfebt im Saperlanb, 
greunb unfrer Äunft in halber 3 ii 9 enbfdböne, 

®er fein 3^öl in unfrem TOeifter fanb, 

®em bob^n SDteifter in bem Steicb ber £öne —' 

3Kerft roobl: ®er einft auf Sarricaben ftanb, 

3um ^errfeber frönt ihn beute bie ©amöne — 

©0 roanbeln fub bie 3eiten — bie im ^torben 
®eä(btet, pnb im ©üben §errn geroorben! 


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278 




IS 


„Sein JBerberuf ertönt mit B^ubcrmaci^t, 

6r ruft bic greunbe ade, bic ®cnoffcn 
S)cr ©turmc^iol^rc, ba fic ®ann unb 5td^t 
3[n’ä ^tuölonb jagte, menn fie nid^t erfd^offen. 

Unb 5ttte fommen unb in ©lanj unb ^rad^t 
Stellt unfre neue $^alan^ feftgefc^loffen. ^ 

Sängft.^errfd^te fic mit il^ren B^ubermcifen 
Unb bahnte unö ben ffieg, unö ben lempleifen. 

ift’§! 923a8 35Bolfram fang im ^arcioal, 

®a§ mirb in Sßa^r^cit ^errli^ ^eut uottenbet: 

©c^cimnigooß crftel^t bem neuen ®ral 
@in tempclbau, mo jebe Äunft ocrfc^mcnbet; 

©in ®au, umglänjt oom grü^nngäfonnenftral^l 
®er gürPengunft, bic fclbfl Sanaufier bienbet. 

3fl erft bieS neue 3Konfalüagc erftanben, 
ffiirb’S leuchten 3ion gleich in beutfd^en Sanben. 

„3Ba§ l^offt 3l^r fonft uon öber SBirflid^feit? 

Slieft ©ueb bod^ um — man fprid^t oon großen Saaten — 

®ic Jßclt, fic flarrt in SBaffen rocit unb breit, 

©in ^ummclplab für ©treber unb ©olbaten; 

®ort aber blül;t bic £unfl in ^errlic^fcit, 

9 Bir planen mcl^r, al§ Opern unb ©onaten. 

®ort lenktet ©öttlic^cö in’§ ©^aoö nieber, 

2)a§ SReid^ ber B^^wnft lebt im 3teic^ ber Sieber! 

I 

„@o mirb bic§ SRonfaluagc burdf) ®öttergunft 
j)ie beutfdbe ©inl^eit, beutfe^e grci^cit retten. 

9tic^t Sänberraub, nod^ $arlamcntcrbunft, 1 

SRo(^ 9Rac^t auf ^unberttaufenb Saionetten, 

®aö SReicb ber £önc unb ber reinen Äunjl 
SBirb S)cutfcblanbö ©tämme brübcrlid^ uerfetten. 

Sommt mit, id^ fü^r’ ©uc^ ein in’8 neue Seben, 

SBir ^aben aWiUioncn ju oergeben!" — 

Unb flammenb rociter feine fRcbe fd^moH, 

®ic grauen fagen fKU mit großen klugen; 

9luc^ ©rroin laufc^te lang gcbanfcnuoll, 

©e^nfüd^tig, neue Hoffnungen ju fangen. 

weiß nid^t, ®cfter, maö ic^ fagen fotl, 

9to4 roie \d) fönnte ©uren Pänen taugen? —" 

„Sie mögt 3l^r fragen fo, ber große 9Rcifter 
Sebarf ber 8^9^*^ niebre ®eiftcr! 

„3(0, fömpfen gilt’§ mit geuer unb mit Äraft, i 

Oa fönnt t^ätig fein unb fönnt ©uc^ meffen, 

Äönnt fc^üren auc^, loenn laue @unft crfcblafft; 

©tgrünbet näc^ftenö merben neue ^^>reffcn. 
ffiie immer tobt be§ H°ff^^ Seibenfebaft 
3Biber baö ©ötttidbe, oon Dtcib befeffen. 

©g möchte ibn uertreiben, 

35a barf fein ebler Kämpfer müßig bleiben!" 

S$- ^ 


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II 


I 


SHcS SCBort entfc^ieb. 6in ncucS Sid^tproblcm 
SQSinft l^icr jum ffampf tm SRcid^ bcr 
9luffprang ©rroin — ein neu Serufalcm, 

©leid^roic auf Sabor flammt im SWorgcnftral^lc. 

benn, id^ jic^’ mit (äud^ tro^ attebem, 
©Icid^fadS ein SRitter @urem neuen ®rale. 

2Bie trojltoS mid^ bie SBirflic^feit umfebäume, 

einmal flüd^f ic^ in ba§ SReid^ ber Iräume!" — 


^e^ntea 

Obe. 

Jl^eater — ffielt ber ®reter, ffielt be§ Irugö — 

Unb bod^ bie SSBoIfenbal^n bcS ®eiftc§flug§! 
t^eater — ®elt be§ glitterS, Jaumelä, ©d^einS — 
Unb boc^ ein mä^tig 3^'wbcrrci(b, mie fein§! 

35Sa^r§eit unb ©c^ön^eit febimmern lidbtentfaltet, 
©ereebtigfeit, bie nicht auf ßrben maltet, 

§ier fiegt fie — nor ber SRufen Ib^^” 

ßnien gürften. ©eböpferfraft bö* neu bie JBelt geftaltet, 

Unb Sorbeer ifl beS ©dböpferS 2obn. — 

Sb^ol^r — SReidb bc§ ®obllaut§, ber SRufif — 
Olpmpifdbe ®elt ber ©eifter iRepublü! 
ffienn ringS bie SIRenfcbenmelt in SBaffen ftarrt, 

Umfonft auf ©dbönbeit unb ©rlöfung batrt, 

3Bobin bann fliebn in foldben ©ifenjeiten? 

!Dodb roo SfiJalfpren bureb bie Sßolfen reiten, 

®a flammt empor ®egeifterung — 

SBiHfommen, gelben, bie mit emigen 5IRädbten ftreiten, 
JöiHfommen, ©ötterbämmerung! 


SK a t i n e e. 

„Unb alfo ift’ä! mer magt nodb SBiberfprudb? 
©olcb SBeibfeftfpiel, e§ ijt ein ©otteSjeugnig. 
©uropa fenbet mit beö 2)ampfeS glug, 
©rftaunenb ob bem äßeltereigni^, 

SlBie fläglidb fonft bie nneb oerfladbten, 

5111 feine SBoten ju ben Opernfcbladbten. 

SEBaS finb beS ©opbofleS, beS ©baffpear SEBerfe, 
SBo§ ©oetbe gegen SRiebatbS ©ötterftärfe — 

@r übertraf nodb SRatur! 

©ein einjig Sieb miegt alle SKeijier auf, 


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280 


R-ss; 

®ic SoTtfunfl üBernal^m bie gül^rung ber Cultur, 

®ic lonfunft Ien!t bcn SBcltcnlauf!" — 

ifl SlIIcS: ScBcn croigfc^ön, 

SBciö^cit unb Xugenb, fittlicBc SoOcnbung — 

2Bcr fic erfaßt, fte^t auf ber SKcnfc^^eit 
Unb ^at erfüllt bie ©rbenfenbung — 

3Kufif ift 5ltte§; Üeibenfd^aft unb 2Sa^rl^eit, 

ÜKufif ift SReligion unb ©eifleSflarl^eit — 

Äein gortfe^ritt me^r feit Sut^erS großen Jagen, 

9U§ nur burc^ ©etbfl feines Staatsmanns SBagen 

Unb feines ffieifen SBeltf^ftem 

SReidB* iemalS an ber Oper ^ciUgtl^um — — 

§eil fold^em 3Jleifter, ^eit! 5UIen Stnat^cm, 

S)ie rütteln je an feinem SRu^m!" 


„©anj fd^ön, baS 5llIeS flang red^t munberbar 
Unb SRand^em auS ber Seele mar’S gefproeben; 

®ie Stabt, mimmelt, mie fonß 5iom fürmabr 
93on pilgern mimmelt in ben Oftermoeben; 

©n jclpbi fdbeint’S, oon jcglicbem 9lltar 
®ampft ffieibraueb. Sc^macbe ©eißer unterjoeben 
SKag 6ure SRebe; mächtig flang’S biSroetlen, 

Doch bruefen fann icb nimmer folcbe — 

,,SBeSbalb? fo ift ber äReißer @udb oerbaßt?" 

fam, um feine Sabne bocbjubalten, 

2)o(b fcbäblidb mirfen müßte fol^ ®om6aß 
Unb neu entfeßeln feinblicbe ©eroalten!" 

„SSBarum? 3b^ Slbßcbt nicht erfaßt, 

®enn neue ^läne gilt’S b^ut ju geßalten. 

3b^ roie oiel bereits beSbalb gefebrieben; 

®r meibet biefe Stabt, bie ihn oertrieben; 

Seit fr fdbmollcnb in Sujem, 

®ocb unfiebtbar mirft feines ©eniuS Stärfe, 

Unb boeb regiert bie SBelt fein Sonnenßern, 

Unmiberßeblicb padPen feine Söerfe — 

O biefe Stabt — mie reuig unb mie gern 
®erief ße ihn juruef; jeboeb, ich merfe, 

3br ffib fein geinb, mie anbre Unbanfbaren!" 

So fpracb ber SirtuoS mit langen paaren; 

3u ©rroin fpra^ er'S in bem ^ebenraum 
®eS SäulenfaalS nadb jener glammenrebe, 

Unb meiter fdbmoH fein ffiort mie Sfaueb unb Schaum: 

„So 3br meigert, fünbet unS gebbe, 
j)aS freilich buchten nimmer mir im Jraum! 

^rüft feiner Opern jegliche — 

(Srfdbließt unS eine 2Belt oon Seligfeiten, 

8 $-R 


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281 


fSt --fil 

2)od^ l^öl^cm Sieg gilt’ö bicSmal ju erflrcitcn. 

©0 jauber^aft lan^äufcr unb fo ^olb 
®ic 3Keiftcrfingcr, ©rögreS ifl gelungen, 

3m ©chatten fielen ^eut Xriftan unb 3folb\ 

©elbft £ol^engrin x\t fiegreid^ üBerfprungen. 

®erblüffenb mirft bereits beS SR^eineS ®olb, 

®oc^ fommt nun erft bie 3^'^ SRibelungen, 

®enjunbrung roirb beS SRu^mS ^ofaunen blafen, 
äöenn bie ©alfpren burc^ bie SSoIfen rafen. 

3Ran flürmt baS §auS atttäglid^ — §eute fc^on 
©pürt biefe ©tabt eS ^eig mie geuerfol^len!" — 

„SBoju bie "ipalmen unb bie Ouation, 

@0 lang ber 3)^eiftcr ni^t jurüdPbefo^len —" 

,,©0 migt nod^ einS: 5IWan ge^t bis an ben Il^ron, 
fflWt allem ®lanj gilt’S i^n jurüdPgu^olen. 

®i§t, me^r als ^unbert ®amen finb uerfc^moren, 

Unb fein ®enie obfiegen mirb ben t^oren. — 

®rum brueft bieS ®latt — ic^ fag ®uc^ mel^r uorauS: 

^eut Slbenb gilt’S ein ÄeHerfeft ju feiern — 
din fetter roirb’S in ©auS unb ®rauS, 

®ort erfl roirb bie SSerfc^mörung pc^ entfd^Ieiem: 

®em fül^nen ^lane gilt’S beS neuen ®auS, 

3um SRu^m ber ©tabt, jum SRu^me für getnj ®apem. 

2) eS gePfpiel^aufeS ®runbftein miß man legen. 

SSießeid^t, ba§ auc^ ber ßReiper felbP jugegen, 

SBenn aud^ incognito -— bie eble ©tabt 

3Pr mie man xoti^, ja immer noc^ in ®äl§rung —" 

' ,,®ortreffIid^, bann gel^t 2lßeS gut unb glatt, 

©obalb fein ^)auptmunfd^ pd^er ber ©eroä^rung; 

®od^ fe^t jurücf ne^mt 6uer pnnloS ®latt!" 

,,2)rudPt 3^^ fo ip cö ÄriegSerflärung; 

®ott fc^ü^e mid^ oor greunben, mirb er fagen, 

3Rit meinen geinben miß id^’S felber magen —- 

©ilt ®ud^ mein SSBort nid^t, l^ört bie 2lnbern aß’, 

Äommt, l^elft baS redete ÜRittel aufjufpüren—" 

Unb mad^fenb roieber fd^roißt fein SRebefd^roaß, 

SBeit offen ffel^n beS ©äulenfaaleS Spüren — 

SBelc^ feltne ©c^au, als mör’S im Cameoal, 

©in glor oon ®amen blü^t, nein, oon SBalfpren, 

3Ran blieb oereint, um oiel nod^ ^u bepimmen; 

©0 raufd^t’S im SReer, too ßiereiben fd^ioimmen. 

SBer fönnte fd^ilbern folc^en grauendbor: 

^icr tantaliben, fe^nfuebtSooB im ©cbmadbten, 

©aedbontinnen mit Prablenbem ^urnor, 

3) ort Jötoinnen, bie ftiß nach Seute tradbten, 

®ann §ulbgePalten mie im SRebelpor, 

ÜRimofen, melcbe lang i^r ^erj betoadbten, 

®er 3wfunp ©app^o’S aß’ mit ©enuSiooben, 

!3)ie alte ©arbe trunfner IhinftmAnoben. 

lES-«I 


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282 


©rrotn ifl jiarr. gaft warb i^m fd^roüt unb bang. | 

®a bleibt nid^tS übrig, al§ bie ®affcn jhcdPcn — 

S)cr ®rajien ÜKac^t gilt mcl^r, afe Sobgcfang 
3ln 3)a8 pnb bic magren 9lccfcn, 

®o gcl^c benn, SSerberbcn, beinen ®ang! — I 

©in Sc^tcS bleibt: beim l^o^en SRatl^ entbedPen, 

Ob man ben Saupla^ unb ben ^lan beroittigt 
Unb ade ffiünfd^e feinet ÜKeifterS billigt. 

2)eö^alb ^inroeg — ©d^on mar er im ©ntflie^n, 

®a Hingt ein Jon au§ fernen ^ugenbtagen, 

Unb eine Stimme ruft i^n an: ©rmin! 

Unb eine ®amc grügt au§ einem ißSagen. 

3^m mar’8, alö roenn bic Sonne plö^Iid^ fd^ien. 

^©lotilbe, Sie?" unb bann ein Sturm oon Stagen: 

„Sie ^ier unb je^t, o ®ott, roeld^ SBicberfel^en!" 

5Bie ®lütl^enregen fül^lt er’8 niebermel^en. 

Sie roar’8, baS unoergeffne grauenbilb 
2)eö 3ugenbtraum§, an SReijen unoeraltet, 

S)ie ©ötterftim mie einft, bie gönnen milb, 

S)od^ l^eute ooüer, üppiger entfaltet; 

3m glammenaug’ ein feud^ter Sdbintmer quillt. 

SBie feltfom boc^ baö aJlenfd^enfd^icffal maltet, 

S)er Jraum ber 3ugenb tritt i^m ^eut entgegen, 

©in greubenfturm rniH i^m baö Jperj bemegen. 

Unb bennod^ mar’8, al§ menn oon Jraurigfeit, 

9Son tiefftem ©mfl il^r ganjeS Sein umfloffen, 

2Wit Saoafd^mudPe prangt i^r fd^marjeS filcib, 

©in bunfler Sd^teier 0lt i^r ^aupt umfd^loffen, 

3n i^rer Stimme bebt oerfd^miegneS Scib, 

9118 mär il^r $erj oon be8 ©ef^idtS ©efc^offen 
SRod^ l^eut oermunbet. 93eibe lange fc^miegen; 

©rmin mar in ben SBagen eingefliegen. — 

„9Be8]^alb id^ l^ierl^er lam, ift halb gefagt; 

SBenn ganj ©uropa feine ®oten fenbet 
3ur Jonfd^lac^t, bie ba8 9ÖIer^öd^jie magt 
Unb aud^ erreicht unb atte §örer bienbet, 

2) a8 ift bie Stätte, mo mein ©ben tagt. 

3) er ÜRül^en oiel l^ab id^ an Äunfl oerfd^menbet. 

3^r mi^t e8 fa — fd^on bamal8 nur in Jonen 
Äonnt’ id^ mein unge^UteS $erj oerfö^nen. — 

„üWein ©atte liegt im ©rab feit mand^em 3a^r, 

5Ba8 btül^t in 3wHinft meinem öben Seben — 

So piel^’ id^ ju ber ^eiligen Äunft 9lltar, 

Um ben mir ^eut no(| ^immelSftra^Ien fd^meben, 

3a, mand^mal fommt mir Sel^nfud^t, ganj unb gar 
9118 ^riefierin ber Äunft mid^ ju ergeben; 

SRun treff ic^ ©ud^ guerft bei fremben ficuten, 

J)ie8 ]^öd^fle8 ©lüdt bebeuten. 

SS-a 


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283 


K-58 

„ßrtoin, iä) bcnfe, barf xä) ocrtraun; 

Siedeid^t, bag mir ^clft, mein erreid^en. 

3d^ roiH’S gefielen, id^ ^offt’ (Sud^ ^icr ju fd^aun, 

3^r gcUct ^icr" — ©rmin fü^It erblcid^cn. 
j ffiie ^immelSglutl^ ummaHt’S i^n unb roie ©rou’n, 

äßeld^ 3)ämon jroingt il^n plö^Iid^ ju Dergleichen — 

I 5lm liebften möd^t’ er an bie SruP pe fchliegen, 

j Unb bodh — ©ecunben fd^meigenb Bang nerpiepen. — 

„SBenn geraupt, bap \)itx ich ^)cimat fonb, 

@0 raipt auch nieHeicht —"er fpradh’ä gemepen, 

I I)a lobert auf ber tiefen ^ugen ®ranb — 

„3la raohl, raa§ alä ©erücht mir fam inbepen, 

3lh^ üermöhlt, nichtraahr?" unb ihre ^anb, 

@r fühlt bie feine pe glüdPraünfdhenb prePen, 
r,3ch h*^Pe —am ^ötel raarb fchon gehalten — 

„ßrrain, rair Bleiben be^hölB hoch bie Sllten — 

„3«^ Nflcn raarum 3h^ 

9ta4bem 3h^ ßrbenglüdf gefunben. 

^ebraeber rairb uon feinem ©tern Bepegt, 

©iäraeilen h^den ©enien alte ®unben. 

S)er ©tarfe Peigt, ber ©dhraache unterliegt, 

®ohl benen, bie noch gefunben. 

®rum lapt midh @urcr ©attin Balb Begegnen, 

2Bie gerne raerb’ ich förraähtl^ fegnen!" 

©8 raar etraaS in ihrem müben Ion, 

®a8 fap raie SDBehmuth Hang unb letfe Älage, 

^}lit f^rainbet ganj ein alter SieBeSfrohn, , 

SRoch raaltet fort ber Sann entfehraunbner läge, 

SlHgegenraärtig Bleibt, raaS längft entpohn. 

dtun h^ilf ©rrain ihr ouS bem Äutfchenfchlage 

Unb fpradh: „©eim gep raill ich ©uch oiel erflären, 

Jöoßt 3h^ ©egenraart geraähren." 

(gortfepung folgt.) 


c^in einfam jbeia. 

©in einfam ^er^, ba8 mochte manchmal fragen, 

3n Bange oerfenfet — 

2Eo ip bie ©eele, bie in trüBften lagen, 

S)ie noch am ©rabe mein gebenfet? 

2 ) 0 ^ jraeipe nimmer an bem reinen gühlen, 

I 5lm greunbfdhaftSglücf, ba8 bi^ nodh fegnet; 

3G3ie SJtorgcnthau rairb’8 beinc Slugen fühlen, 

9ticBt ahnp bu’8, rao bu ihm Begegnet! 

SS-:-^-» 


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284 


(Sin eingig iEBort bu ntelleid^t gefproc^en, 

Seht ^)att burd^jicl^t bcr ©cclc ©aiten, 

3Kit einem Slicfe marb ein Sann gebrod^cn, 

3)u fagtcft eine $anb im ©leiten! 

(Sin ißSinbl^Qud^ l^at bein ©eufjcn fortgewel^et, 

©n ©tral^I bir um baS Jpaupt geleuchtet, 

Unb eine SKenf^enfeele für bidh flehet, 

©n Suge ftdh in ^Rührung feuchtet! 

@0 leife fchroebt fein galtet um bie Slüthe, 

9Bie treu ©ebenfen fich erhebet, 

@0 ftarf fein ©türm, roie ©ehnfucht im ©emüthe, 
SBie eine ©eele, bie jur onbem fhcbet! 


Jtngnfl 


Pu, o6ei jieine. 


(31 a (h SK. 

deiner h<^t für bidh gemorben, 

SRicht ber Sater, noch SKutter — 
SRur ber Serche üRorgentriller, 

®en fie jubelt’ in bie SKailuft, 

SRur ber Quell, ber fitterflare, 

2)rin trftnfte meine Kappen, 

SRur bie Iddhtbefchmingte £aube, 

Kur ber xBeg ju beiner $ütte, 

Kur beS ^irtenfnaben glötc, 

®te erfdhafit’ am SergeShange, 

Kur ber SEBinb im Jann unb Köhrid^t 
Kief mir ju: SDu, t)ber Äeine! 


Äonopniofa!) 

I Seiner h^t für bich geworben, 

Kicht ber Setter, nodh bie SKuhme 
Kur beS göhrenwalbeS Kaufdhen, 
Kur ba§ ©ebnen, ba§ im Jper^en 
SBudhert, roie im gelb ba§ Unfraut 
Kur bie thaubenehte SKatte, 

2)rüber Kadhtö bie Kebel roaHen, 
Kur ber S^rpurglanj ber ©onne, 
®ie oerglimmt im Kiebergange, 
(Sinen SMbenb, roie ben anbem, 

©tili mir fotgcnb auf bem gu§e, 
Kief mir ju: 2)u, ober Seine! 


Seiner h^t für bidh geworben, 

Kicht bie Kadhbarn, noch bie greunbe — 

Kur beS SKonblidhtS ©ilberfchimmer 
Unb ber ©teme (Solbgeflimmer; 

Seiner hßt ntir jugerebet. 

Seiner auf bein SBJohl getrunfen, 

Koch oon bir gebracht mir Sunbe — 

Kur bie nächtlich ftiüe ©tunbe 
©tanb ich unter beinern genfter, 

SiS ber SKorgenthau mich ne^te 
Unb mich roecft’ au8 fügen Iräumen, 

Irug ju mir manch liebeS SEBörtdhen, 

SRief mir §u: ®u, ober Seine. 

Jtnert SSeiH. 


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285 


Scnjprmc braufcn unb fd^aucrn burc^’S £anb, 
fd^Iögt i^r graucS, bcflerntcS ©croanb 
®ic SRad^t um bic ©d^ultcrn fic^ loicber; 

Sie filmte ben blcnbcnbcn tag jur 9tu]^\ 

Sie brüefte il^m leifc btc Slugen ju, 

SRun fingt fic bem ©d^Iummcmbcn Sieber. 

SDie Sieber finb milb unb i^r Sltl^em fliegt, 

©ie l^at fic^ mit buft'gen ©(i^Ieiern umfd^miegt, 
®ie Pattemb entfe^meben unb maßen, 

©0 brouP pe auf ©turmeSptt’gen halber, 

Unb unter i^r pebet unb jifd^t baS SWeer, 

Unb bie bonnemben ®ogen l^aßen. 

®a§ ©tromeiS jerbirP mit Jägern ©efrad^, 

6§ Pürjen bie gurgelnben SBaRer nad^ 

Unb ftrubeln herauf auS bem ©runbe; 

SSBie ©efläP ber üReute, bie feig entmeid^t, 

3n ben ^ol^en fiüpen ein ^)eißen preid^t 
Unb ein §eulen im ©rbenf^Iunbe. 

Unb in aß’ bem tobenben Slufru^r fc^mißt 
®er ©ap, ber bem ®aume ^eimlicb entquißt 
Unb bie finoSpe treibt im ©ejroeige, 

Unb baS ©turmgebrauS in nerfd^roiegner Äluft 
5)urc^mittert e§ leis, roie mit SSeitd^enbuft, 

©tau fpropt e§ auf moopgem ©teige. 

Unb mer ba laufd^t in bie fd^aurige 9tad5t, 

®em ip in ber ©ruP ein 9ll^nen ermac^t 
©on ben fommenben ©onnentagen, 

2)er möd^te fauc^jen in feliger Sup, 

ÜJtit bem ©türm möcbt’ ringen er ©ruP an ©ruP, 
SBie um tobteö meinen unb ftagen. 

Unb er mei§: ob bunfel über ber ©Belt 
®ic Jtad^t nod^ ben bergenben JJittig ^ält, 

®od^ fc^apt fc^on ber Senj in ben Süften, 

Unb fo fern er fei, mu§ fommen ber Jag, 

Der bie ©lütl^en ftreut über glur unb ^)ag 
Unb Seben ermeeft au§ ben ©rüften. 

Unb uns, bie beS ©Bcltenfrül^lingS ©eginn 
ÜRit trauernber ©eele, jagenbem ©inn 
(Sr^arren als - ßJtal^ner unb ©Böd^ter, 

Uns braufe ber ©türm, ber bie ©Belt burd^toP, 

3n baS bange §erj ben gläubigen JroP, 

®a§ il^n fd^auen fünp’ge ©efd^lec^ter! 


itonrab f eCwan«. 




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286 


(^itpieöcrte Jiafle. 

33onfommnc§ 

^ab ic^ cö je genoffen? — 
fc^au jurücf 

Unb fc^c $Rofcn fproffen. 

^arfin f^rrifl 



Bnnte« Buch von Max Kretxer. Haachlach. C^rjöblun^n au§ bem mo' 
(5)re§ben, '^^ierfon.) 3118 Äreper mit (einen benten (^gppten non O. Fachs (Calab). 

erften ^Berliner (Romanen bcroorlrat (5)ie 3Ser5 (Xreäben, '^icr(on.) ‘^ei bem erleichterten 

fommenen — 5)ie ^Betrogenen — Sonber^ 3'erfehr mit fremben Säubern M f^^on 
bare ©d^roärmer :c.) mürbe er oon einem längfl eine intcniationale Siteratur über Scin= 

gemiffen tonangebenben "iprejfe als ber unb S3ölfer gebilbet, roelchc immer noch im 

«'berliner 3ola" auf ben 0chilb erhoben. fBachjen ift. 0elbftnerftänbIich meine ich bas 

©pater in ben „©ittenbilbern" roie im „iRiefens bei nicht bie ^icifelitcratur, bie auf 3^ahnhöfen 

neft* fehlen e8, al8 ob er T'icfenä al§ feilgeboten roirb, jonbern bie, roelcbe eigentlich 

neues dufter geroählt h^be, jept in feinem fchon oon (5$oethe8 italienifcher JWeife ihren 

lepten 5Buch höl abermals eine neue 3^ahn 3luSgang genommen unb mit i3ücflers3Ru8fau, 

eingefchlagen; oieHeicht h^l bamit feine l^regorooiuS, ©teub, ©tonn, .^aben pch 3'* 

(Eigenart geroonnen, unb gmar auf bem ®es einem breiten 3lrbeitds unb (Jrntefelb ent* 

biet be8 fogenannten ^)aä micfelt h<il* I^ahin johlt auch baS obige 

iBuch enthält eine (Reihe oon fcharf umriffes iBuch oon guchS, mclcheS unS in neun (Ros 

nen (5^enrebilbern, grÖfetentheilS ebenfalls au8 oeUen eine genauere J^enntniB ber h^wlis^o 

bem berliner Seben, aber fe^r ungleich in ber Seute unb Canbfehaft am (Ril oermittelt, als 

33ehanblung. ^en (Preis möchte ich ber erfien eS in einem bicfleibigen gelehrten SBerfe ges 

juerfennen: „(Räthfel beS (JobeS", bie •S'iftorie flehen fönnte. (Balb fmb eS merfroürbige 

eines roahnfinnig roerbenben ^^obtengräberS. einheimifche (S5cftalten beS (PharaonenlanbeS, 

— 3ludh „ 3oWl^Tiwfch * ift eine präi^tigc mie ber „^nmalt beS (BolfS" — „$)er ©cheich 

Originalftgur. ©tarf ber (^aricatur nähern ber fd^arjen §unbe" — bie „dReupenfarlah" 

fi(h „^>ie blutige ^ugcl" unb „©ein erftcr — „(IRein blinber Jvr^unb" — roelche burch 

SScrleger" — (bic leptere nebenbei eine boSs ihre Seibenf^aft unb .g'crjenSgefchichtc unfer 

hafte ©atire auf einen jüngeren (foQegcn). J’^tereffe feffeln, halb auch Mebniffe unb 

3)ic „^gelmacherin" unb „3ln ^ofbefannte"' (Vinbrüefe feitenS bort lebenber fyremben — 

erinnern roieber an 2)icfenS, bagegen „©es feien eS ©nglänber ober 5^eutfche, roie fie uns 

färbteS i^aar" roieber an 3 oIö- «iber ift in ben O^ooellettcn „3m ©anbbab" — 

biefeS mit ooUfommencr ©achfenntnip auSs „ ©chlangcnbip" — „Serirrt" unb „T)er 

geführte 33ilb auS ber (proftitutionSfphäre fchroarie ^cilanb" oorgeführt roerben. Tie 

baS bebeutenbfte ©tücf ber ©ammlung, ober (Behonolung biefer ©fijjcn ober farbigen (Pho= 

baS (Buch macht ftch baburch unmöglich für tographien ift leicht feuilletoniftifch unb hoch 

ben ©alon roie für baS gamilienjimmer. roirfen fie burch fcharfe 3cichnung, brennenbe 

Äreper fepeint auf einem gefährlichen SBege garbe unb geiftrcichen (Bortrag roie breite 

m fein, roirb leidet bie Erfahrung machen, llulturbilbcr oon Jporace (Bernet. dRan oers 

oap roer einmal mit giftigen garben unb gipt biefe urfprünglichen ©eftalten fo roenig 

ÄnaDeffecten arbeitet, fehr rafch jur ©renje roie biefe majeftätifchen Sanbfehaften. Tem 

beS dRöglichen fommt unb fich erfdiöpft, benn gcroöhnlichen Sefer, ber auS ber Seihbibliothef 

er fann fich f^ll’ft nicht mehr überbicten. jeinc geiftige Olabrung bezieht, mögen biefe 

dRöchte eS ihm gelingen, fein eminentes Tors fleinen ^nftroerfc C^aoiar fein. Ter literars 

ftellungStalent an ©toffen auS gefünberer ifd^e geinfehmeefer unb itenner bagegen roirb 

SebenSfphörc ju erproben. Tann fann er fol^e Seeferbiffen roillfommen h^tp^n, jumal 

noch fehr bebeutenbe 3nfunft halben. er ihnen nicht bloS eine flüchtige Unterhaltung, 

J. Gr. fonbern eine ©rroeiterung feines ©efichtS- 


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287 


1 *- 

freifcS unb eine ^We^rung feiner ^enntniffe 
frember fianbe unb fieute oanfen roirb. 

J. Gr. 

Die dentsche Nationalliteratar, 
]^erau§gegeben non Joseph Kürschner. 
(0tuttgan, 2D. ©pemann.) ®ic norliegen^ 
bcn Lieferungen enthalten: 5)ie altcpe beutfe^e 
Literatur bis um baS ^af)x lObO, bearbeitet 
non ’ßrof. Dr. tpoul ^ISiper; 5)eutfci^cS Leben 
im SBolfSUeb um 1530, ed. 9>iocbuä gr^r. n. 
Liliencron; 23olfSbüc^cr beS 16. ^^r« 

renbud^, ed. gelir 33obertag; ^anS 0ac§8’ 
2ßerfe 1—2, ed. Dr. Slrnolb; glcmming, n. 
Logau, OleoriuS, ed. ^rof. Dr. Oefterlep; ^cr« 
berS ©erfe, 33b. 2, ed. §anS Lambel; 

^aulS SBerfe, 33b. 2—6, ed. Dr. I^aul ^err^ 
lic^; 3nimermann8 ©erfe, 33b. 2 — 4, ed. 
33rof. Dr. 2Ray ^od^; ^iecfä ©erfe, ®b. 1—2, 
ed. Dr. % Wmox. $)aS Urt^cil ber ^ritif 
über ^ürfc^nerS Unternehmen als ©an^eS 
barf als abgefchloffen gelten, ^inftimmig ift 
anerfannt roorben, ba^ bie einzelnen 3lu8- 
gaben ben nerjehiebenften Llnforberungen ge? 
uügen; benn einmal finb bie 3:eptc in äufeerft 
iorgfältiger gaffung geboten unb bann finb 
bie beigegebenen Einleitungen mit ©achfennt'- 
ni§ gefchrieben unb fe^r baju geeignet, au4 
ben roeniger Äunbigen in baS 33erftanbniB 
ber betreffenben ©chriftfleUer einmführen. Die 
„'J^ationalliteratur" geftaltet fich mehr unb 
mehr ^u einer 0chapfammcr, roelche bie ge^ 
lammten (^üter unfereS 0chriftthumS um: 
fa^t, fie roirb ein TOttel ber 33olfSbilbung 
im höchflen 0inne. Specht nad^brücflich hin= 
roeifen möchte ich auf ben erftgenannten 33anb, 
ber ben öltcften ber beutfeben Lite: 

ratiir behanbelt. Ein 33uch, baS in fo flarer 

t afjung bem Laien einen Einblicf in ben 
>ang oer 0prachentreicflung ^iebt, baS oe: 
meinoerftänblich aber auf roiffenfchaftlicher 
©runblage unfere alteren Literaturbcnfmale 
erfchlieBt, hol eS bisher niÄt gegeben. Dafi 
'^3iper bie non neueren gorfepem au8ge|proche= 


nen 33ebenfen gegen einzelne SluffieHungen 
ber älteren ©ermanifUf (j. 33. bie 0chafarif8 
gegen bie germanifefie ^erfunft ber 33urgun: 
Dionen) nicht berücffichtigt, foll nicht gerabe 
getabelt roerben, ba eS fich um offene gragen 
hanbelt, unb bie oon berufener 0eite gegen 
Einzelheiten oon Jofob ©rimmS mptholo: 
gifchen 3lnfichten erhobenen 33ebenfen ohnehin 
oon einigen mehr oerroejenen als umfid^tigen 
jüngeren fogen. ©crmanifien in’S JRiefenhafte 
aufgebaufcht unb unter jnbianergeheul jum 
2lnfturm ^egen baS Dafein einer germanifdhen 
^Jipthologie überhaupt benupt roerben. 0ehr 
banfenSroerth iÜ auch ^aS beiwgebene 2ö5rter= 
ocr^cichnift. Der oorliegenbe ®anb ermöglicht 
audh bem jeber 33orfenntniffe Entbehrenben 
— ctroa unter ^jinjunahme oon 0chabe8 
33arabigmen — ernfte 33efchäftigung mit go« 
thifcher unb althochbeutfcher 0prache unb 
Literatur. Ebenfalls eine tüchtige 3lrbeit ift 
ber an peiter 0telle genannte ©anb: ber: 
felbc giebt einen Ueberblicf über bie gcfchicht: 
liehe Entroicflung beS 33olfSliebeS unb bietet 
fine reichhaltige 0ammlung folcher LiebeS: 
blüthen in ber ©cflalt, roel^e bie fÄcforma: 
tionS^eit ihnen oerlieh; oielfach ünb 9ioten 
beigegeben, gelip ©obertag giebt bie fomifchen 
Erzählungen auS ben lebten feiten beS Mittel: 
alterS rote „ l^alenberger" unb „^ieithart 
guchS" mit Einleitungen oerfehen unb burch 
Siebewabe ber ^olzfchnitte oeranfdhaulicht 
als „^arreubuch" unb in feinem groeiten 
©anbe bie ©olfSbücher beS 16. JahrhunbertS 
gauft, 0chilbbürger, Eulenfpiegel h^^auS. 
3luch bie oon Dr. 3lrnolb mit ausführlicher 
Einleitung h^^auSgegebenen 3Berfe ^anS 
0achS’ finb mit ^^olgfÄnitten gegiert. Die 
3luSgaben neuerer Dichter oeroienen nicht 
minber aHeS Lob. DaS SBenige, roaS ©aul 
D'^crrlicb in feiner Einleitung über 3ean ^ul 
fagt, fenngcichnet biefen Dichter trefflich tu 
feinen geioinnenben Eigenfdhaften unb feinen 

Rudolf Ooette. 



H. C. K. in B—au. 3öenben 0ie [ich an 
bie Leitung eines ^iinftinilituteS, oießeicht ber 
DreSbener ober Düffelborfcr 3lFabemie; uiiS 
finb bie ©erhältniffe nicht genügenb befaunt, 
um 3huen SfFath ertheilcn gu fönnen. 3h’^f 
EJebichte finb rhetorifch gu fehr oerfchleiert. 

R. S. in Z—au. Sarum nicht, roenn 0ie 
fleh an guten ßJiuftern bilben; jept ift freilich 
noch üJiancheS ungelenf. 

F. S. in R—g. 3Öir nennen 3huen EJraf 
Doru, „l^efchichte ber .^Fepublif ©enebig* unb 


fReu^lin, „EJefchichte 3talienS". Unfere ißoes 
tif ift noch uicht erfchienen. Der ^reiS roirb 
oom Umfange berfelben abhängig fein unb 
lägt fteb nicht im ©orauS beftimmen. 

S. W. in D—n. ©ie thun unS fehr um 
recht, roenn 0ie eS als eine ifU^tachtung hin: 
ftellen, bafe roir 3h^ ®uch niit befprod^en 
haben. 0o gern roir unfern greunben ge: 
fäflig finb, fo roenig finb roir in ber Lage, 
über 3lUeS ©efprechungen gu bringen, roaS 
uns gugeht. SBir haben gunächft oie ^Jflicht, 


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288 




-t5 


ble ^robuftion 3U forbent, unb fonnen baBcr 
nur einen 93ru(MeiI ber eingelaufenen 53ü4cr 
einer fritifc^en feürbigung unterbieten, ultra 
vires nemo potest! 

Dr. L. G. in S—au. 2Öir toben atters 

bingS gegen bie „^cutfete 5)icttung" Strafe 
antrag gepellt, roeil biefclbe eine itr non unS 
mgefanbte ^eriettigung niett alSbalb gebraut 
tat. ai8 ®egengef%enf lieg fie unä ein 
nwrf mfommen, baä gleictfattä eine 55ericttig5 
ung fein fodte, baS mir aber burüefgeten liepen, 
ba e§ ben gefeblict^n ©ebingungen nidtt ent-- 
fpract. 

H. V. P. in M-n „©lürf"; W. I. in W—n 
„Jortuna* unter bem 'litel @lü(f"; 

A. V. in D.-P—n „grütlingSpurm"; A. v. 
M. in D—n „0pateS SBieberfeten*" (mit 
einigen Slenberungen). Angenommen! 

H. C. in B—n (311 fetönrebnerifd^); 0. 
M. in H—g (jeugt oon Talent, ermangelt 
aber roirfungSooUer Änappteit); F. E. in 
B—n (ohne flare 2lnf(toulictfeit); H. H. in 
P—au (gänilict oerfetlt in ber SBatl ber 
©über); J. S. in B—g; S. v. S. in 0—z 
(@ie laffen entfetieben na(t); K. H. in B—n 


(gam tübj(t, aber gu befdteiben); R. K. in 
S—e b. S.; C. G. in B—y; H. P. in B~g 
(im Gin;elnen ni(ti genngeno burctgearbeitet); 
H. K. in M—e (gefd^acttelte 0abbilbung); 
E. M. in C—8 (berartig oielgebraudtte 0toffe 
muffen mit größerer Eigenart betanbelt roer^ 
ben); P. S. in W—r (ju perfönli(ten 3m 
talteS); G. F. in E—n ; S. T. in E—f Qu 
loenig erbauUet); F. W. in S—au unb M. 
S. in C—g (311 fctlitt*; fucten 0ie fict^be^ 
beutenbere 0töffe): E. M. in 0—n ( 3 U fpät). 
Dankend abgelehnt! 

L. D. in W—ch. 2Bir banfen 3^aca für 
3tre freunbli(tc ^itttcilung. Seiber iP baS 
i^ebictt unoerroenbbor, ba f^on auperlict baS 
©erSmap niett gleictmapig iP. 

H. D. in N—m. ^ic Ginfenbung, auf 
roeicte 0ie fict be3ieten, iP niett in unferc 
^)änbc gelangt. 

Prof. Dr L. K. in M—u. St^c 
fenbung taben mir ertaltcn; bei briefli^ 
ju beantroortenben 0enbungen fonnen mir 
inbep für eine Slntroort ni^t unter 4 — 6 
SBoeten auffommen. 


ber 8lebaction biefer inurnmer: 16. 1889.) 


•ebiikte bon Küborb Ceanbrr, U. W. •«ttmtai), ffitbnlfi /oglar, 3ilbrrflriii, Albrrt Weiß, flonrab 

9tl«aiiB unb JHarti« - Sir «lifcrrtlUfratttr. &in frinftb < literarifcbeb 3)otuin bon Prof. Dr. 9. Peytr. 
(^rtfebung.) — Daf OolkmMfUtb. (Hn ©ans ouS unferen Xagen. Son 3«liu •roffr. (^o^ebung.) — 
lii|erfi|(iB. — iritffibBlter. 

•V «nt ittifer geit«iiet ^iteffeii«itg«9e 


©ePeOlungen Pnb ßu rietten an bie Expedition (Paul Helnze’s Verlag^ (^nfenbungen 
an bie Redaotion det „Deutoohen Olohterhelni** in Dresden-Striesen. 3n ^ommifpon: 
Triib’sohe Bnohhandiung (91. 0(tmittner) in ZOrlch unb E. Steiger Cie. in NeW'York. 


Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. 

A. Ton Humboldts ges. Werke 

(Kosmos. Reise nach den Aeqninoktialgegenden.. Nen-Spanlen. 
Ansichten der Natnr. Cnba. Lebensbeschreibung.) 

in neuer vorzüglicher Ausgabe. 30 Lief, k 50 Pf. 

Zu beziehen durch Q. A. Kauftnajm’s Sortiments-Buchhand¬ 
lung, Dresden, Breitestrasse 20. 


Manuscripte, 

Hnmoristische Erzählungen und No- 
vellen, heitere Skizzen, Reiseerleb¬ 
nisse etc. werden angekauft durch 

J. Boos, Bttsseldorf, 

Herzogstrssse. 


F 


ür eine angesehene literarische Zeitschrift 
werden 

kritische Mitarbeiter 

gesucht. Gefl. A^ebote unter A. 100 er¬ 
beten an Franz Wagner, Buchhandlung, 
Leipzig. 




(^cf«9tebacteur unb @igenttümer: ibeiii|e^ Dtebacteur: Stnboff ^aette. 

iUcatf so« gfctWaaiib Xbonab in ayceSben. — ^optev bon ba iUtcfbcKa tNyicrfabtiL 


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Herausgeber: 7ati( 


Monatlich 2 mal. Frei«: 6 J( balbjährl., vorauuahlb. Man abonnirt durch Jede Buchhandlung, sowie di¬ 
rect bei der Expedition des „Deutschen Diohterheim** in Dresden-Striesen. Abbestellungen werden nur bis 
1. M&rz beziehentlich l. September angenommen. Einzelne Nummern h 60 6 Stück einer Nummer Ut 1,50. 




^in tiebCid^ ^innertt bttrd^toagf mir bie SSrufl^ 
Poiß finn’ vergebens^ movon es mir fpri^ü 
^S8ar’5 jemab SSefi^i^itm^ mar’s irmais l^rriitff? 
mri^^ e$ mar bod^ rrlienn’ id^ es ni^i« 


gSas fagt es bem <$er 3 fn mit ^immfifd^em ^ru^? 
’^if^t ma^nt’s an ber itinb^eit unfd^ttfbiges 
IHif^t ma^nt’s an beßricftenben ^innengennH; 

IHie mar es l^erfangen^ nod^ iboffnnng nnb 9if(. 


9er ^ttfttt unettbCiiße ^anbergematt^ 

9es ^ruftings (^rf<ßeinen anf fonniger ^fur^ 
9ie ^d^dnfeit in jegfid^er ^orm nnb f^eßatt 
^rrlifärt uns im Sbnfen bie eigne ^atur. 


9ann binft ift (^rinnrnng an fefiges $ein, 

9as niemafs beflanb^ bas Hein ^terßCiißer faf^ 

9ann mirft ein ^efeimni^ ben tanfd^enben 9^ein^ 

^fs mir’ uns ein (^ben geraubt nnb bod^ naf. 

^0tm, 



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Jut 'glficftcitßteiatur. 


(Sin fritifd^^iterarifd^eS Sotum von $Tof. Dr. Steyet. 


(©d^Iuf.) 


er tiefgubeftagenbe Slbbrudf eints 
unenbUc^ lücfenbafter 
Öerlcumbungen gr. 9<iücfert8 
erinnert mic^ an ben 2lu8ruf 
ber ü^iecflenburgifd^en 3^ »iung: 
-O über biefe urtbeilälofen Äompilatoren, 
Die ben ^erabfe^en, ben üe feiern unb ergeben 
iDotten!* ®a8 mufetc fid^ ber Cerfaffer (a* 
gen, bag baS abforec^enbe Urt^eil ber frans 
gofenfreunbiit^en §rau 5:^erefe ^uber ners 
roirrenb roirfen müffe, ba SRücfert bei ber 
neuen (Generation ol^ne^in — unpopulär 
würbe. 

(Sr brudft ©. 124 o^ne Kommentar ab, 
wie ^)uber unferem 9'iücfert „S3telfeitigs 
feit unb Steife beS (Geft^madfS" abfprid^t: 
M^eigt ba8 beutfc^, was 9tücfert bid^tet? 
^ei^t baS bid^tcn, roaS er fafelt?" fcfireibt 
biefe 3:^. ^uber, unb ber 93erfaffer brucft e8 
jd^lanfroeg nac^. üJiel^r noj^! (Leiber mu6 
\d) 3 um ^eweife, wie pietöt8lo8 btefe8 (Ges 
bahren ift, einige ©teilen na(^brucfeu): „©odte 
i(^ eine S^iecenfton oon biefem „Äranj ber 


tranj ber 


fo fd^rieb i(^ furj; .... in Werften geroefen 


3c^ fönnte in biefer 9^i(^tung nodj anbere 
(Srflärungen reprobuciren, j. biejenige be« 
©o§ne8 fHücfertö. (S3ergl. mein jüngfieS 
©ud^: gr. fRüdfert u. f. w. ©auerlänberS 
S3erlag 1888. 33orrebe unb ^rofpeft.) 

10) ^)urd^ ben Ubbrucf eines ©riefeS |)ams 
mers^urgftallS erwedft fobann ber fÄüdferts 
fiubienoerfaffer bei bem fiaien 3*®«if<f ö« 
ber SDiffenfd^aftlid^feit fl’iüdfertS. UlS ©eleg 
fege id^ einige ©teilen §ier^er: 

„(SS ift gar lu läc^erlic^, bafe er (9'fücfert) 
auf poetifd^e Sicenjen Ofegeln ber SluSfprad^e 

g rünbet unb ba^er ©Örter fabricirt, oon 
enen nie 9 «^ört: eS i(l 

läÄerlid^, baS er aui in ben gebier fo oieler 
Ueberfeper faßt, welcpe baS engltfcpe u alS a 
nacfifd^reiben, wä^renb eS englifc^ gefpro(^en 
e lautet, bag er, fage ic^, umgefeprt nema 
fc^reibt, weil ein (Snglanber inconfequent 
numa ftatt nooma fd^rieb; eS ift enblic^ gar 
;u läd^erlicb, bag er, ber nie einen i^eqer 
fprecpen gehört, mid^, unb nid^t nur mic^, 
fonbern äße 9'feifenben meiflem will, bie fe 


„9Sncfert« 3luf bem 5:itel ift bie 
nähere ©eftimmung: für ^anbs 
werfSburfcbe unb ©ierfcbenfen oers 

g effen woroen, übrigens entfpricbt 
aS ©erf feiner ©eftimmung oolls 
fommen*. — „3^ ^ic o^fs 

werfen, warum fo ein teenf(^ ni^t ©(^loge 

befome .... fo ein ßJtenfc^ oon geftem_ 

5£)er legt feine ro^e, fd^mupige ^anb an ein 
Beid^en, baS nid^t feine unb nid^t taufenbe 
feiner (Gcfellen .... um baS $)enfmal ber 
©efd^ic^te bringen fann." (®er Orben ber 
©^renlegion ift gemeint: ßeute bürften bie 
®eutfcben auf ©eiten ßfücferts fielen, unb 
grau vuber bürfte feinen ©eifaH mel^r pns 
Den. ä)ie ©tette ift eigentlid^ eine ©(^meis 
d^elei an ßiücfertS ^eutfcbtl^um, ^ätte aber 
niebt wiebergegeben werben bürfen, ba p« in 
biefer ©eife eine ©(^mäpung inooloirt.) 
©citer: „Sfiüdfert ift ein ganzer ©auer in 
feinen ©itten; ^äplic^ wie ein 'iSaoian, aan^ 
rol^, — in ber neuen ©efc^ic^te weip er 
nid^tS. — 9ioc§ geftern fragte er: waS baS 
Äattegat fei?" (Nebenbei bemerft, wäre ber 
grau 4)uber ^u fagen, bap bie grage nad^ 
fern Kattegat feine ^iftorifc^e ift.) 2)ieS 
wirb genügen, um gu geigen, waS ber ©ers 
faffer bot. 3^nt (Glüa pabe icb baS ©ilb 
beS eblen ßfücfert in meinem „©iogr. $)enfs 
mal" fo rein unb fo ^od^ gei^nen fönnen, 
bap id^ nic^t me^r nÖt^ig l^abe, bie obigen 
©teilen gu rectificiren. (^ine näd^ftc ©ers 
wanbte SfücfertS fc^reibt mir empört, ents 
rüftet „über bie Xaftlofigfeit" biefer ©ers 
öffentlid^ung, ^injufepenb, oap geäupert wors 
ben fei: „baS ^dtte Dr. ©eper nie get^an, 
bagu ]^ot er gu oiel ^ietät unb iaft." 


- (©. 127.) 


©old^e 5lnflagen, oon einem ^jammers^nrgs 
ftaH erhoben, lefen roie bered^tigt. 3lUein 
einer ber bebeutenb^en gad^männer ber (Gegens 
wart erflärt mir, bap ^)ammer im Unrecht 
fei. 3^^ bemalte mir oor, eine auSfüprlid^e 
Dleplif an anberer ©teile gu bringen. 

11) 2llS ein anmapenber ©linbl^eit 

mup id^ eS betrachten, wenn ber jüngere |)err 
©erfaffer, ber fiep in einem ©rief meinen 
„©(hüler" nennt, miA meiftem miß, ins 
bem er behauptet, ich 9^tt< (NB. oon 
ihm olS „ßfüdfertbriefwechfel" begeidbneten) 
D^üefertbriefe an ^otta „unooliftanbig 
unb fehlerhaft" gegeben. Um fo ans 
mapenber ift bieS, als i^ ©. 106 ©b. I. ber 
„ßteu. ßJtittheil." auSbrücflich erflärte, nur bie 
intereffanteften5:heilebiefer©riefe 
geben xu wollen, wie beim bie fünjtlerif^e 
^fe (^ftrebung eines bios 
grophifchen 3^ealS mir ©efchranfung aufs 
erlegen mupten; fonft hätte ich natürlich längft 
jene nach oielen §unberten gäblenben, tn 
meinen ©efip übergegangenen wücfertbriefe 
unb gerftreuten (Gebiete oeröffentlichen fönnen. 
Sluch bei ©iebergabe ber mir oor oielen 3Qh= 
ren oon §errn oon ^otta giir ©eröffentlichs 
ung übergebenen ßfücfertbriefe hat mid^ bie 
©ietät, fowie ber auSbrücfliche ©unfeh oon 
gräulein ßJtaria Sltücfert gu ©efchränfung unb 
gum ©eglaffen aßeS Unwefentlichen oeranlapt. 
5^er ©erfaffer ber „ßfücfertftubien" aber brucft 
bie, wie er fchreibt, „bei ©eper gar ni^t ober 
gum Heineren ^h^il abgebrueften ©riefe" neu 
ab, inbem er (oermeintlich corrigirenb) meine 
©eglaffungen feinen ©enchtigungen unb (Srs 
gängungen einreiht. (Sr gtebt g. ©. aße oon 
mir unterbrüeften ©riefaufjchriften, oon jebem 


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Briefe neu bte Unterfd^nft, bie Ort^oorapl^te 
— ungefähr in folgcnber Seife: 110 

3 . 13: fo fam er auc^. — Slm 0(^luffe be§ 
3?riefe8 febU nidbtS. ©.111 3*9 fe^It nid^tS. 
3 . 13 fel^lt: SJiit innigfier 2)anföcrpfli(^tun0 
31 ^r ergebenfier. ©. 112 3* 17: ^atbarr. 
©.116. 55er Stnfang beS lebten ©riefeS laus 
tet: ©einer ^oc^njoblgebobren (sic!) beS 
ÄgL ©a^erfc^en |)crrn Ädmmerberm greis 
berm ^otta non (Sottenborf. frei. $od^s 
roobigeborener, ^oebsunerebreuber Äcrr! u.f.ro. 
5)cr gefangineiltc Sefer roirb jugeben, bag eS 
bebauerlicb ift, roenn Unberufene fi(b bes 
rufen glauben, ausgetretene 53abnen ernfter, 
pietStSnoder gorfebung nacb^ugrafen unb bie 
non ibr entfernte ©preu aufjutifeben. 

5)er ®erfaffer füUt mit ben (jrgangungen 
unb bem Sieberabbruef gang langer 
©riefe bie ©eiten 135—186 (!) feiner fogen. 
,,5Rü(fertftubien". 

©erabegu roiberlic^ wirft eS, roenn beS 
©erfafferS ÄompUatton, bie roeber 3ffücfert8 
@eifl erfaßt, no^ ben ^barafter unb bie ©e= 
beutung non Suife SRüdfert begriffen bot bie 
unnergleicblicbe ^auSfrau no(b im @rabe 
nerlebt unb groar bureb ben ®bbru(f einer 
naA 9Jtaria SlfüdfertS 3 ^ 09 oi 6 ber augens 
blicfli(ben ©timmung entquoDcnen ^ungeretb' 
ten", non mir aus Pietät roeggclaffenen ©e* 
urtbeilung flfndfcrtS (©. 135 feines ©mbcS): 
^2lm ©(bluffe fehlt: „im Äleinen, bol ficb 
aber bem größeren Unterfangen eines ^auSs 
bauS, baS teb ib^^ ungebübrlicb übertrug, nicht 
geroa(bfen gegeigt uno mi(b erfd^recflitb prellen 
faffen. ©le empfieblt M mit mir Sbuen 
ergebenft. |)ocbocba(btungSnon ber 3bi^9« 

SRüdfert/ 

3ur @b«i^^^lli*^'9 dfücfert ners 

roeife \d) auf meine im „©iogr. 55enfmal" 
©. 395 gegebene (5borafleriftif oerfelben unb 
auf JRütfertS eigenen 2lu3fpru(b, ben roobl 
ber ^err ©erfaffer nicht fannte: 

Senn 6r im Junem nun beS fiebenS grüebte 
geitigt, 

.^at fte bie ©törungen non ^ugen ihm bes 
feitigt. 

Unb roaS @r fo nodbringt, baS bot 
mit nollbracbt, 

Seil fte für ihn gelebt, roeil (Sx für fte 
gebaebt." 

12) ©on ben bö<bfl unintereffanten, einen 
©ücbertaufcb betreffenben ©riefen an ©rodfs 
bauS ift ber adein roefentlicbe in meinem 
„©iogr 5)enfmal" ©.409 (1868) bereits ber 
^auptfacbe nach (b. f). mit Seglaffung ber 
^nrebe: „©erebrter Jperr!" unb beS ©cbluffcS) 
gebrueft. Slueb bie geiftnode dtote, ©. 193, 
tfl feine neue 5bot beS ©erfafferS, roie ©. 409 
beS „©iogr. 55enfmal* bocumentirt ift. 

@nblicb ift baS nom ©erfaffer neu aufs 
getifebte @ebi(bt: „©cbleSroigboIftein febreib 
ich" furg nach dfücfertS 5obe non mir nicht 
nur bereits in ber erften Sluflage non mci= 
nem „£eben unb ^Diebtungen" («oburg 1866 
©. 281), fonbern auch in oer „2lugSb. %dgem. 
3tg/ beffelben 3 <ib^ 9 ongS unb in nielen an- 


beren 3cltungen bereits nodflünbig abgebrueft. 
©eral. au^ „dteuc dJUttb." I, 301. 

lö) dfücfert bot bereinft, „um eine ©eite 
eines ©riefeS an ^laten gu füden", eines 
feiner ©ebiebte im ©riefe abgefebrieben. 5)er 
©erfertiger ber „9'fücfertftubien* brueft bafs 
felbe ©ebiebt „bie inbifAen ©lumen", roabrs 
fcbcinlicb auch „um bie ©eite gu füden", auf 
©. 202 unb 203 gang ab. 5)er erfte 55rucf 
beffelben ift in meiner JRücfertbiogropbie nach- 
geiniefen. ©ergl. „dteue ©Uttb." X 211. $5ies 
feS finbet ficb tn aden D'fücfert’fcben ©ebiebts 
auSgaben, g. ©. granff. SluSgabe HI, 55, in 
ber ©ef.s^uSgabe ©b. II, 433 u.f.ro. ^un 
fönnte ja ein dfücfertfhibienfabrifant ade non 
mir naebgeroiefenen gerftreuten (Sebiebte abs 
bruefen unb bamit ©anbe füden, roenn bieS 
erlaubt rodre unb fid^ ein ©erleger bagu fins 
ben roürbe. 5)er ^err ©erleger !pertbeS roeig 
ein Sieb non ben „dfücfertftuoien" gu fingen I 
(3cb roid beffen©rief anmi^ nicht nerroertben.) 

14) (5ap. XII trägt bie ftolge Ueberfd^rift: 
„®in (Suriofum ber „D'füdfertUteratur*. SaS 
enthält eS? 5)en gerftücfelten, burchauS uns 
nodftdnbigen Slbbrucf ber 17. ©tafame, bie 
ber ^err ©erfaffer guerft in bem in meinem 
©eftg befinblicben erften ^anbepemnlar gr. 
9'fücfertS bei mir einfab wnb bie dfuefert bei 
ber neuen SluSgabe feiner dltafamen auS 
einleucbtcnben (Srünben roeglieg. 

dltcin dtücfcrt’fcheS ^)anbepemplar ber dltas 
famen enthielt etne dJtenge non diücfcrtS 
^anb nerbefferter 5)rucffebler unb ^tbroeicb* 
ungen, bie ber ©erfaffer bei mir gu 
notiren beabfiebtigte. 

3ch pwife «8 für bie dfücfertliteratur als 
ein @lücf, bafe mich mein guter ©tem roamte, 
ihm baS ^emplar angunertrauen, er roürbe 
groeifclSobne au8 bem 5)rucffeblcroergeichni| 
„ben dfaum eines ©ucheS gefüdt" unb eine 
enblofe dtücfertftubie geboren hoben, für bie 
er freilich nur bem nertrouenSfeligen ©ers 
leger nerantroortlich roerben mugte, unb bie 
unter aden ©terblichen roabrfcheinlich ich odein 
gu lefen nerurtbeilt geroefen rodre. 

15) Sie fähig er für eine foldbe 2lrt 
dfücfertftubie roar, beroeift fein ©uch 210 
bis 278 (sic!), roo er nach bem non $erm 
Antiquar 3«une in Seimar erhaltenen 5)rudfs 
manufeript bcS „Erbaulichen unb ©efchous 
lieben aus bem ?dtorgenlanbe" ade StbroeiA* 
ungen non bem fpateren 5)rucf anfgdblt, 
unb roo fein ©tubium fogar bie roiebtige (!) 
falfche ©aginirung eines dJtanufcrintbiatteS 
118 (auS ©erfeben ftatt 117) nidbt uberpebt. 
©0 macht man nach ihm roifjenfd^aftli^e 
©tubien. 55aS ift mehr als ^btli)lcrei, mehr 
als altfcbulmeifterli^e ©ebanterie. ©tan 
fonnte auf 78 ©eiten gant bequem baS 
dtücfcrt’fcbe ©ebiebt nodttdnbig obbrudCen. 
©terfroürbig, bafe ber ©erfaffer oer „dtücferts 
Pubien" bie in meinen „dienen dJlittb." I, 
213 dir. 93 ber ©ibliograpbie naebgeroiefenen 
erften 55rucfe ber Eebichte beS Erbaulid^en 
unb ©efehauUehen abgebrudft mittbeilt mit 
bem 3ofob* ®ergl. SBenerS dteue witth. I, 
©. 213 dir. 93. 


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@cn)i6 ein erbauUe^eS eigener 

0tubicn, freilid^ aud^ eine anfc^aulid^e 3Uu5 
fhration, roie man „JHücfertfiubicn" an JHücfcrt: 
ftubien nid^t machen fotl! (5ä ^Sttc ber 
Aperr 23crfaffer bei fid^ felbft junor noc^ mc^r 
^ücfertfiubicn mad^en müffen, non benen er 
D^iemanbcn etroaä f(^aucn laffen buvfte, um 
bann uieüeicbt fpater erbaulichere grüd;te ber: 
felben ber ^cenfehh^it ju bieten! 

16) 2Benn aber einmal ba§ gabrilrab im 
Umfehroingen iji, bann i(l fein 5lnl^alten mel^r 
möglich, IneberitiS unb 0criberiti§ reiften ben 
ergriffenen gabrifarbeitcr fort, er inuft 0eitc 
um (Seite, ^ogen um 33ogen füllen: J^^üüfel 
ift gleichgültig. @toff h^^J wnb roenn er 
auch 5lbfehricht entflammt. Tu JRaben 
nähren ftch non ^Ibfällen, unb ber §unb 
nagt am abgegehrten Knochen. 2luf 0. 203 
entolöbet fleh ber ^'^err 33erfaffer ni^t, fol-* 
qenbe empörenbe ^i^arobic eineö jlritifuä auf 
baö fchöne ÜiebeSfrühlingölieb „^ir ift, nun 
ich !^ich ((^.:2l. 1, 631) abgiibrucfen: 

?Dtir ift, roenn ich 
5ll8 müftt’ ich Sahnen, 

SBenn ich 2ehrftuhl fäftc (NB. roahr: 

fcheinlich 2ehnftnhl!!) 
2öürb* ich wiich bchnen. 

3Jtir ift, roenn ich bid) Icfe, 

3ch läa* im 33ettc, 

$)ein Liebchen — fei nicht böfe! — 
SBirb ^fuheftätte. 

3ch frage: 3ft ')}ictät§äuftcrung in 
Dfücfcrt’fchem 0inne? 3^^ ol§ 

foat ich...!! 

17) S3on 0eite 278 an roärmt ber SScr: 
faffer alten Ä'obl auf. ^ bringt nämlich 
eine längft non Dr. 2)uncfer auö meinen 21tit: 
theilungen, roie au§ nerfthiebenen ?lutographen 
bergeftellte abgebruefte (Kompilation über gt. 
yfücfertS Slufcntbalt in ^''anau roieber. hierin 
roieberholt er (— occidit erambe repetita 
magistros nicht allein, fonbern auch fämmt: 
liehe 2efer —) aufter einigen in ber „51. 31. 
Leitung" längft gebrudteh unb in meinen 
„9tad^gel. @eb. ^fuefertä" 0. 155 (1877) fo 
roeit nöthig aufgenommenen, non Kaufmann 
Ä'üngel übergebenen 3lutographen, roaö ich 
meiner Dfücfertbiographie unb in ben „Dienen 
DDlitth.", foroic enbgültig in Dtachgcl. 05eb. 
geboten höbe. 

©in fetter Riffen, ben er fich nicb^t entgehen 
läftt, ift eä nun hier für ihn, bie giage tobt: 
gubidcutiren, ob 0Äulge ben lag ber 2lb: 
reife DlücfertS mir richtig angegeben habe, eine 
grage, bie längft gelöft unb nie non mir in 
ben „^aihgcl. ©eb." 0.154 al§ ('i^cbächtnift: 
ncrroechfclung 0chulge’§ auf (Mrunb ber 
5:mnder’fchen DJiittheilungen conftatirt roer*- 
ben fonntc. ^^ergl. „Dtachgel. O^eb. Dlüdcrtö" 
0. 154. ©8 roar befanntlich bie Dlacht nom 
21. auf 22. 3ctnuar 1813. 5^er i8erf. möchte 
gerne längft geborene Äinbcr abcrmalen ben 
äßehen übergeben. Unb roahrlich, bequem 
mad^t er fich bie 0ache, man pnbet gange 
0eiten wörtlicher ©ntlehnungen, g. iö. 0.282, 
283, 285, 288 u. f. ro. diesmal wirb 


freilich citirt: „©eper, Dleue DDlitth. I, 
0eitc 46." 

Dlecht fonberbar ift e§ nun, baft biefer 
§err in Dfcflamation beS „0einigen" auS 
einer Kompilation, wobei er hoch ©ernöll: 
ftänbigung burch feine DJUttheilungen ner« 
fpricht, ben non ihm feitenS ®uncfcr ner: 
langten Dlachroei8 fdhulbig bleibt, „baft 
^anau am ailerroenigften ber Oxt 
eroefen fei, wo bie ©egeifterung 
ür bie beutfehe Sache aufflammen 
fonnte." ©r hotte hoch eine Dteinroafchung 
unterm 16. gebruar 1876 nerfucht. Dltin ner: 
giftt er plöftlich jene ^ur (SatiSfaction für 
5^uncfcr unbebinat nöthige, gubem aber nicht 
einmal genügenoe Dleinroafchung unb läftt 
baburch leine nerfprochene ©ernouftänbigung 
in ber Ihot fo unnodftänbig al8 nur immer 
möglid;. 

.''>aarfträubenb aber ift e8, baft er im 31 b= 
fchuitt XTV, 0. 270—298 (betitelt gr. Dtüdertö 
3UifeiithaIt in ^'^anaii unb Selbftbefeuntniffe) 
noüfommen ba8 bereits non Dr. Tunder in 
Dir. 3(»0 iinb 361 ber „31. 31. 3*9-" über 
DlüdertS ©cgichiingen gu 3ohonne8 Sehnige 
unb über ©ölfer mitgctheilte, nach Dr. Wunders 
©erficheriing ihm giigefanbte (!) ignorirt. 3^ 
einer D?ote gu Seite 297 fagt er jogar über 
©ölfer: „3luch biefer greunb .DlüdertS ift bis 
jeftt noch *'^^t weiter befannt." 2)iefe um 
erhörte '^ittheiliing fönnte als ein unner: 
gleid;Iid)e§ testimoniiim paupertatis gelten, 
roenn nicht Wunder auSbrüctlich nerfichcrtc, 
„baft er feine gorfebung bem gor: 
jeher ber Dtüdertftuoien gugefanbt 
habe." 

^a übrigens bie C'harafteriftif, welche 
Wunder non ©ölfer giebt, non mir in ben 
„Dlachgcl. (.^eb., 0. 177 flg., reprobugirt ift, 
fo weift man nid)t, roaS man giir ©er: 
f ch ro c i g u n g b e r T ii n d e r* f ch c n g 0 r f ch = 
ung fagen foU. Dlian barf ftch bcShalb nicht 
rounbern, baft Dr. !Dunder in einer Anrecht: 
roeifung biefeS unbegreiflichen ^emi ner: 
rounbert auSruft: „DDtan foütc meinen, baft 
ein jeber wahre greunb beS großen ^TidhterS, 
fo auch hier unfer ^'crr ©erfaffer, ftch freuen 
würbe über eine weitere Dlufheüung non 
beffen 2ebenS: unb ©ntroidelungSgang, auch 
bann, roenn ein non 3lnberen neugefunbeneS 
Dlcfultat feine eigenen DDtittheilungen nernoU: 
ftänbigt." 

5^under hett ftch im ©erein mit mir unb 
auf meine 3lnregung hin ber Sache weiter 
angenommen, ©inem ©riefe Sdbulge’S fdhidt 
er ^olgenbeS noraiiS: „glog boep bamalS bie 
Kunbe non ben Königoberger ©reigniffen wie 
ein Lauffeuer burch getng 5)eutfdftanb unb 
entflammte alle auf (Krlöfung hoffenben nater: 
läiibifchen Jpergen!" Tex ©erfaffer nimmt 
A^anau unb :)lüdert allein auS. ^ariim 
glaubt er wohl auf 0. 298 aueb ben Sd^luft 
eines 3lrtifclS nom 12. 3luguft 1875 un8 
noch einmal ferniren gu foUen: „3cbe bircctc 
©cgiehung non DlüdertS Chitrocichung aiiS 
^)anau auf DlapoleonS glucht unb DtudertS 
Sehnfucht nach '^h^Ünahme om ^prannen: 


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293 


fampf roirb oon nun an in ba§ ©cbict bc§ feit baju, fold^c ©d^ülcrarbeiten als 
ju nerroeijen fein." 0 o!! „ 0 tübten" üor 3 ufü^ren. 

34 fonn biefer für S^üefertö !i!eben unb 9 ^i(^t geringe 5 lufopfening§fa^igfeit unferer= 
^atriotiämuä roenig 33 erftänbni{t jeugenben feitä erforberte eä aber, biefcn erbarmung§= 

?D^einiing be§ 33 erfaffer§ nic^t beipflid^ten ntürbigen „JÄücfertftubien" nad^juge^en unb 

unb ^roar um fo luenigcr, alö ein no 4 nid^t biefelben im 3 ntereffe ber JÄücfertliteratur an 

neröfientlic^ter 33 rief richtige 0 telle ^u rücfen. 

fetbe nur roenige läge nad^ iHücfertä lobe ^-Bevfaffer ift erioiefencrmafecn ben non mir 
an ben nun au 4 ^cintgegangeueu'^'^iloloocn mit großen Opfern aller 21 rt flar= 

gr. ^titfd^I in Ceipjig richtete, u. 21 . golgenoeä gelegten 0 puren nac^gegangen, er ßat etlid^e 

melbet: „-ber D^üefjug auä üJtoöfau iSutograpßen eingefügt, oaju Drucffe^ler unb 

nerfeßte 4n (Dftücfert) in eine fold^e 2luf= anbere ßöcbÜ uberftüffige Dinge ergänzt: 

regung, baß er-^eimlid^ ent= lauter unnöt^igen 23 aflaft, ben rein SJrenfcß 

roid^!" lefen inirb; er ^at ein paar ungebruefte @e= 

18 ) 23 orßeßenbeg bürfte jattfam beroeifen, biente mangelhaft, unb al§ „nerfd^otlene 

baß be§ ^erfafferä „ 23 ernoÜftänbigung" noeß d^ebidhte" längft befannte Dichtungen 

re^t bringenb ber „ 2 ^crnotlßänbigung" bc^ abgebrueft, um ein 58 uch ;u machen, ba§ ihn 

barf. 0 inb ihm hoch bie einfa^ücn burch feine — feiner un§ brieflid^ 

Ih^^Htichcn unbefanut, fiub ihm hoch au§gefprochenen 2 lbricht gufolge — „at§ 

ganj befannte 9 fücfertbichtungen fremb! einen ücfertforfeher erfcheinen 

gehört eine gehörige Dofi§ ©rcifttßs laffen foll." 


'glachtflefanfl. 

©el^eimnißoottcö 9Hngcn in bunflcr TOittcrnadht 

SCBitI mich jum Sßachen jroingen in bunflcr SWitternadht. 

3ch träumte fügen £raume§ non h^ifege^iebter Äunft, 

D)ie nun mid) treibt ju ftugen in bunfler Mitternacht. 

®cr Äunfl Sefdhütjer führte midh liebenb burch ba§ 9ttt 
9tuf ftiüen ©angc^fdhmingen in bunfler Mitternadht — 

3|dh fdhau, mie über 3Bolfcn im flaren ©ilberglanj 
©eftirne ftdb umfdhiingcn in bunfler Mittema^t. 

3[ch h^^^ üoUer ffionne ber Sßelten ^jarmonie 
3u meinem Siebe flingen in bunflcr Mitternacht. 

3lch fühle 3lcthermogen mich fäufclnb leiö umrochn, 

Mein ganjeg Sein burchbringen in bunfler Mittenradht; 

Unb fcheint c§ nicht alö ob fleh SBirbeltanjc bort 
D)ie SBeltcn all umfingen in bunfler Mitternacht? — 

Unb mie entjüdft ich Pounc ob Danj unb ^immclöglanj 
9Son all ben lichten D)ingen in bunflcr Mitternacht — 

5Bie Sterne, Monb unb ^immel unb 3Bclt unb ®olfenmccr 
SSor meinen Sliefen hingen in bunflcr Mittcrnadht: 

®a fdhmoll be6 .Iper^en^ 2Bonnc oor lauter Sieb unb Suft 
®ag mir C9 fonnf gelingen in bunfler Mitternacht —: 

3lch trat ju meiner ©ottheit, mit fügem §arfenflang 
3h^ Sieheöbanf ju bringen in bunflcr Mittcrnadht. — 

Unb faum h^b ich noUenbet ba lägt auch pc mit Madht 
3lhi^ Saitenfpiel erflingen in bunflcr Mitternacht; 

§aB 6i^ jum grührothglühen mich nicht nach @4lnf gefehnt 
^lö mir baö 2111 burdhgingen in bunflcr Mitternacht — — 

Seit über ffiolfcnmogen ein @bcn mir erblüht, 

§op’ ich nöch oft ju pngen in bunflcr Mitternacht! 

_ yaiiC $4fdf|rer. 


SS-^-» 


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9fiing§ rockte tiefev griebe, 

Äcin muntrer ®ogcl fong, 

9tur Icifc tönt' auö bem Il^otc 
®er ^cerbenglocfen Älang. 

®a8 ©ditog, ba§ gcfc^cn — 
35er 3}^ofel Äronjurocl — 

@8 ift ba§ emig junge 
©c^ön-@4 im föl^getl^äl. 

3)ie Sonne l^at’8 umflut^et 
3Jtit i^rem golbnen l^ic^t, 

®o fd)icn’8, oon 3)uft umrooben, 
©n lieblid^eS ©ebid^t. 

JBo^l mög’ e8 weiter glänzen, 
Sungfräulicb lieb unb ^olb — 
3öol^l mög’ c8 weiter ftra^ten 
3n lichtem Sonnengolb, 

35a6 fommenben ©efc^lecbtern 
SRod^ glänjt fein geller Sd^ein 
Unb Sieber alter Seiten 
(Srwedtt ju neuem Sein. 

^nxi <j»om0uirg« 


'SJciflanflenes 

3[ft bir ein Scib einft wiberfal^ren, 
ffiarb eine $offnung bir geroubt 
Unb war’ e8 aud^ nor längft nergangnen 
SBenn fd^on oergeffen bu’8 geglaubt, 

®u fül^lft auf einmal bann im §erjen brennen 
®er bitteren (Snttäufd^ung Qual 
Unb ad^ ein 2Be^ erfaßt bid^ — faum ju nennen 
2)Ut einem üJtal! 

@8 jiel^en oor ber Seele büfhe Silber 
3lu8 einer fummeroollen 

Unb ber (Srinnrung Sebmerj wirb immer wilber 
— SRicbt8 giebt c8, wa8 bann Iroft ocrleil^t — 
®u möd^teft Sl^rönen l^aben, ^eige il^ränen, 

Stiö au8§uwcinen bein entf^wunbne8 Seib, 

®ann will nur (Sine8 nod^ bein ^)erj crfel^nen; 
Sergeffen^it. 


3d£^ ]^ab ein Sd^lo§ gefeiten, 

®a8 ^ub fid^ trauml^aft fc^ön 
50tit Stürmen unb trutjigen 
Cb eine8 §ügel8 §ö^n. 

®ie ©iebel blinften luftig 
3nt SDtorgenfonnenfe^ein — 

Sie ragten eng umwunben 
Son rotl^gelb fc^immernbem 2Bein. 

3m Sd^log^of wölbt’ eine Sinbe 
3^r grüne8 Sc^attenbad^ — 

Unb unter ber Srüdfe räufelte 
@in wilber, fd^öumenber Sac^|. 

‘Qal^inter ^oben bie Serge 
®ie §äupter ftolj unb fül^n, 

Unb fc^auten au8 luftiger gerne 
®a8 Sd^lögd^en im äBiefengrün. 


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2» 


Pei 'S^ctßantttc. 

3ia(!^ bcm ©nglift^cn oon il^omaS ^oob. 


®ic ©d^roalBc lenft ©oinmcrS 
@cn ©nglanb bcn 5^ug, 

®ic ©türme bcfuc^cn’S 
3n frö^lid^cm 3ug, 

®ic ©arte jic^t cilenb§ 

3um ^cimtf^en ©tranb, 

SRur — barf nie fe^en 
3Kein ©atertanb. 


®ort meinen rool^l mand^e 
3n Jammer unb Seib, 

®ocl^ ®ne meint einfom, 
Siebftcr ift meit; 

©0 leibooK ift Trennung, — 
3Bir miffcn’S nid^t mc^r, 
trennt fd^on un3 ber iob, 
Ober trennt un§ ba3 SKeerl 


ffienn leuc^tenb bie ©Bolfe 
3ur ©ee ftd^ geneigt, 

®ann ^ot fie mir liebenb 
®ein Sittnig gejeigt, 

Dod^ bie 3Bolfe, fte fliel^et, 

©c^mebt aufmärtS in'3 ©lau, 

SBo^l fc^' id^ mein Sieb erfl 
9luf l^immlif^er 9lu. 

f (eftCn Slnf4* 


^ ex n ab, 

$ord^, l^orc^! SBaS l^ör’ id^ Hingen 
S)ort l^inter ben bannen l^emor? 
ßinen Jon, ber bie fclige ^wgenbjeit 
SBie ein ÜKärd^en l^eraufbefc^mor. 

©8 fäl^rt ein 3Bäglein im J^le 
®ort unten luftig bal^in, 

®a§ ©öd^lein raufdE^t unb ba§ ©ofll^orn Hingt, 
SBie träumenb ift mir ju ©inn. 

@8 buften am 3Balbe8]^ange 
®ie SBiefen fo frifd^ unb grün, 

®ie SBolfen jiel^n unb ber ^)immel blaut, 
Grinnrung mül mir erblül^n. 

S)a8 ^om nerHingt, — jur ©age 
SlBarb fafl fo luftiger Jon; 

J)a8 ma^t ba8 Jreiben ber raftlofen 3c^t/ 
©5a8 jie fd^uf, — halb nergigt fte e8 fd^on. 

gemab nom ®etöfe be8 8eben8, 

O SBelt, mie fc^on, mie fc^önl 

SBo ein fanfter Älang au8 nerfd^oKener 3^1 

©id^ fd^mingt über einfame ^ö^n. 


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296 


PttiiDintttnet im 


Hefe, gramerfüüte filagc 
©d^roebt bir, mein ©emütf), empor, 
9Beil ber SWenfc^^cit cro’ge Srogc 
Älopft an meiner ©eele X^or. 

55rül^Iing ift bod^ oder Orten, 
Slumenfternc trägt bie glur; 

Unb ou§ atten ^)immeIäpforten 
©treut er Äränjc ber Statur. 

Stad^ bem erften roarmen Stegen 

©ternburd^gtänjtcr 

©tanb ein meifer Slüt^enfcgen 

SJtorgenö in ber ^rac^t! — 

— SBenig Soge finb oerpoffen, 

Unb bie Ufer^ö^'n am ©ce, 

Sluc^ bie JBiefen pnb begoffen, 

33Bie mit rointerlic^cm ©c^nee. 

Unb iÄ fc^reite fc^euen gupe§ 

Ueber aß bie lobten ^in, 

®cnen, ad^ fo furjen ®rupe§ 
£cud£^tetc ber Scnjbcginn! 

J^cute Prahlt ba§ Sid^t fein SBcrbe! 
borgen ift bie 6rb’ ein ®d^)rein! 
jDtup benn auf ber fd^ßnen @rbe 
©c^on fo frül^ geftorben fein? 

§at bie junge Stpfelblütl^c, 

Oie alö Sei^c nieberjinft, 
deinen O^cil an ®ottc§ ®ütc, 
SÖä^renb anbre — Seben trinft? 

Oenn id^ fann nid^t glüdßid^ nennen. 
Oie bo jung geftorben finb; 

Seffer ganj ba§ Oafein fennen, 

3U§ ju fterben f(^on alö Äinb! 

Seffer ip e§, grudE^t ju tragen 
Stn beö Jebenö großem Saum, 

2tl§ ju finfen, ol^ne Älagcn, 

3[ung unb frudE^tloö, noc^ im Oraum! 

5Birb nidE^t meife l^ier gcrid^tet, 

Oarf ein 5Binb un§ nieberftreun; 
3Birb nadE^ ®iflfür l^ier oeruic^tet, 
3Ba§ fid^ fonnen miß unb freun!? 


t5 


O^ronenb pfe’ id^ auf ber $ö^c, 

2(u§ bem Ötjale maßt ber Oampf. 
Älar bie gerne! Unb i^ fe^e 
Ä(ar be§ 8cben§ großen Äampf! 

§cß mie ©ternfd^rift fann id^’§ lefen: 
„Stur ba§ Se^re foß bePe^n; 

UngleidE^ feimen aßc JBefen, 

Unb baä ©d^road^e mup oerge^n!" 

Jöie bie ©onnc pe^fö gefd^rieben: 
„©c^ledE)te^ liegt in cm’gcm Sann! 
Ourc^ fid^ felbp fd^on mirb’ö oertrieben, 
Oap baö ©torfe reifen fonn! 

Ooc^ ou§ bem Serufnen, gePen, 
SQSinbet p(^ Statur ben Äranj — 
©tra^lt, gefdE^müeft mit oßem SePen, 
©tetö in emig fd^önerm ®lan 5 !" 

Unb id^ fd^auc, ma§ oerfd^rounben, 
^cß, mit fd^leicrlofcm Slief: 

„®utc§ ip bem Job entmunben, 

Unb mir pnfen nid^t jurücf! 

@mig Seffreö pd^ erroäl^lenb, 

©d^roang ba§ ®utc pd^ l^inauf, 

© 0 , fid^ on pc^ felber pä^lenb, 

3og cö burd^ ber ^ziten Sauf; 

Slättcrn gleidE^ am Saum, unb Slüt^en, 
gäßt manc^ menfd^lid^eS ®efd^IedE^t; 
©tarfeS trotzt bem ©turmeömüt^cn, 
3nnrc Äraft — fo ^cipt fein Sted^t! 

Söer jum ©iege ip erforen, 
äBurjelt pPer nur im ©türm; 

3lber f(^neß bie ©c^lac^t oerloren 
§at im ©taub ber fd^madE^e SSurm! 

Unb folang fidl) ©oiinen febroingen 
Ourdb bie grenjenlofe Sa^n, 

Stu^t ber Äampf nid^t, unbba§ Stingen — 
Unb ba§ ©dböne reift 


Unb idb feb’ e§: SePer Perben, 

3lung unb frud^tloö, Slütb’ am Saum! 

SU§ erliegen unb Derberben 

3ta(b erlofcbncm ^offnungStraum!! 

^ffreb ^tiebmanti. 


-S8 


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297 


5 n Silier 

O, bicfcS tüirrc, im Srcibcn, 

2Bic ^ot c§ intd^ fo müb gcmod^t! 

®o ift fein SRajlcn unb fein Sleiben. 

Sei mir mittfommen, fülle SRad^t! 

ÜKognetifd^ jiel^n ben SUcf nad^ oben 
®ie Sßelten an be§ §immel§ 3^It, 

Unb Sl^nung fagt e§ mir, bog broben 
Die SSol^nung aud^ für mid^ befteöt. 

Sittflits $fitrm. 


cSieö bei eätebenben. 


O, müffen mir bie SBelt nerflud^en, 
ffieil fte fo ooöer 3lugen ift, 

Sie graufom un§ ju trennen fud^en, 
33etouernb un§ ju feber grift? 

SÖBir gönnten Gebern fein ©ntjücfen, 
SBir gönnten ^^bem, roaö i()m blü^t, 
Unb bürften un§ nicht felber brücfeii 
3ln’§ $erj, baö fo in Siebe glü^t? 


®ir flehten gerne jeben ©egen 
3Som ^immel auf ber 9lnbern ®ohn, 
Unb fd^ritten felbft auf fünb’gen ffiegen? 
Unb fmb in ^dht unb ®onn gethon? 

3Sie fönnt ihr ®lücf fo ftören? 

33ir forbern ja boch ®ine§ nur: 

2öir moHen nichts alö un§ gehören, 
95erfchollcu felig ohne ©pur. 

_ ^frphait SfUfow. 


'älom JeSetben. 


ilBenn bir ein 3Jtägblein redht gefällt 
Unb fie nimmt einen 3lnbern, 

Sann h^gt e§ in bie meite Sßelt 
3u manbern. 

Sa brougen oiele üJtäbdhen finb, 

©0 oiele blonb’ unb braune, 

3U§ Sffofen blühn im ÜRaienmiub 
3lm 3oune. 

ÜKit neuem ®lücf on neuem Ort 
3ufrieben finb bie ÜRehrften, 

Oft treibt ein jmeiter 3tagel fort 
Sen erften. 


So(h menn bir foldhe Äur miglingt, 

@0 merbe Äapujiner, 

Unb roenu bir baS nicht ^rieben bringt, 
Srinf ®eltelliner. 

Jrinf ou§, unb mürfle bei ÜRorgenroth 
Um Sirnen unb leere gäffer; 

©täch’ bich oorher ein Sanjfnedht tobt, 
äBär’ö beffer. 

Unb thut er’ö nicht, fo jedhe fort, 

Sot^ roirf hinauf ouf bie ®offe 
Sie ÜJtenfchen mit ihrem Ärämermort, 
Sog Siebe ftch — 


3Benn bir ein SRögblein redht gefällt 
Unb fie nimmt einen Slnbem, 

Sann ift’S am beften, ouS ber SBelt 
3u manbern. 

Shrini )tt 


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298 


55 


'^inbe. 

®er fal^ be^ iigviö öbc§ I^al ^ 

®id^ breiten um ÜtimrubS irümmer^ügel, { 

33lutrot^ beglänjt nom 3Büftenabenbftra^l. i 

'Den ©eiern gleid^, bic fern auf breitem ^lügcl j 

®cn ffieften jogem lieg er 9^tubme§träumc i 

3ur §eimat manbern, SBünfe^e fonber 

Denn nic^t uergeblic^ bureb bas 3)kergefd^äume 
SBar er oon ©ngtanbS ^JJebelftranb gebrungen 
®iö in (Sbaibäoö tobte 2öüftenräumc. 

3ll§ gorfdber batte fübn er abgerungen 
2luö grauer ^orjeit manebeö ®cuteftücf 

Dem ©rbenfcblunbc, ber eö einft oerfcblungen. 

ai^ie batte, fefl oertrauenb feinem ®lücf, 

@r fitb @efobr unb 3}lübfal taffen reuen, 

Unb reicbbelobnt nun febrt’ er batb jurücf. 

©ranitgebau'ne mächtige gtügetleuen 
Unb bärtige ^errfeber, bie auf 0icbeln)agen 

3um Äampfe jiebn, umringt oon ben ©etreuen. 

Dann Äeitfcbrifttafeln, bunfle SRätbfelfragcn 
Der SBeltgefd^icbtc löfcnb: — 

Die ®rnte, bie fein bornig gelb getragen! 

Schon fab im Seift oon feiner J^eiber Schaar 
®r fi^ umbrängt in Bonbonä ^runfpaläften; 

©egrünbet feinen Stubm für immerbar. 

^eimfebrenb mit ber Sorjeit floljen SReften 
33ernabm er, mie man ben Sntbeefer pric§, 

3lba nennenb neben feinet SSolfeg Seften. — 

®r manbte fiÄ ^um ©ebn; ba ptöblich ftieg 
©r mit bem gug im Schutt auf einen guub. 

Der fcbnell jur ©rbe ficb ihn beugen tieg. 

Gin tbönern Säulcben mar’^, unfebeinbar, runb, 

3frbrocben halb, bebceft mit fraufen 3^t(bcn 
3lffprifcber Schrift, baä man cntmüblt bem @runb. 

Gr nabm’S unb laö: „3n allen Grbenretcbcn | 

2Bagt feine Stätte ficb ntit SRinioe 
2ln 33olf unb SIRaebt unb Dauer ju oergleicbcn. 

fe----33 


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299 


18-55 

®o roie btc flrömcn in bic ®cc, 

glicht, roaö bo )(^ön unb ^crrltc^ ift gcftoltct, 

3ufaTnmcn l^icr; nie mirb cS anbcrö je. 

§icr l^aben meine Säter fc^on gef chattet, 
j ©(eid^ Ätefelfleinen ac^tenb fiönigSfronen, 

I ®oc^ feiner l^at fo al3 i^ gemattet. 

j brong mein 9iu^m bi§ ju ben fernjien 3*»^^; 

2tm 9^it unb ®ange^ nennt man mid^ mit 3^9^*^; 
gortftral^len mirb mein 9fame burc^ 3leonen. 

®er ic^ genannt" — l^ier mar ber Stein jerfcä^tagen 
®om ©patenflid^ be§ armen ®ebuinen 
I Unb nerfhimmt auf aöe gorf(^erfragen. 

®er £efer ftarrte mit ummölften 3Rienen, 

SBie träumenb, auf bie ©c^rift nod^ lange 3^*^ 

®ann auf bie ftaubgemorbenen 3^uinen. 

Die Oebe fa^ er trauern jhimm unb meit, 

I Der giftigen Sümpfe regung§lofe§ 9io§r, 

I Unb fprac^: „D Gitelfeit ber ©itelfeit! 

j (Sr ober id^, roer mar ber grög’re D^or 

I alten 9^arren]^au§, genannt bie @rbe?" — 

Da fc^ilug ein Äinberftimmc^en an fein C^r: 

„©ffenbi, fomm, benn franf an unfrem §erbe 
Siegt Sruber ^li; fprid^ bein 3öwbermort, 

Da^ oon bem Söfen er gemieben merbe!" — 

Unb gläubig, mie ju 3llla^ö ©naben^ort, 

Sa^ ju i^m auf 3lifd^a, ^affanö £inb, 

Unb jog il^n fd^meid^elnb nac| bem Dorfe fort. 

6r l^ob empor bie Äleine, fü§te linb 
Die braune Stirn i^r, murmelnb, mie im Draume: 

„Der §err ift ©ott, mir finb mie Spreu im SSBinb!" 

Dann fd^ritt er auö bem fluc^üerfallnen Sffaume 

Sir§ i SJUmrubö fort, Sc^cid^ ^affanS Äinb jur ©eite, 

3nbe§ bie ©onne fanf am SBüftenfaume, 

Unb ftiHe Demut^ gab i^m baö ©eleite . . . 

SUiitQoCb 


2§ -® 


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ts 


?r 


2BaS fommcn wirb unb roaS bcrcinfi gcrocfcn 
3n (Srbcnjoncn unb in §tmmcl§n)citcn, 

2lu§ taufcnb borf’§ bcr ^orfd^cr Icfcn. 

migt fein ©cift bcr (Sonnen SBanbetjeiten, 

J)cS §immc(§ Sf^aum, unb oor i^m aufgefcblogen 
Siegt ftcmcnl^eK ba§ ®ud^ ber ©migfeiten. 

®om Seben felbfi au§ grauer Sorjeit iagen, 

2)a nod^ fein 3Rcnfd^ bcr ©rbc SRunb bemo^et, 
SSermag er Äunbe wunberbar gu fagen. 

(Sein ift bic 3D?Qd^t, ber ®rb’ unb Jpimmcl frol^net, 
®er SBcIt ©cl^eimnil i^m gu offenbaren, 

®i§ er im Sid^te bcr ©rfenntnig tl^ronet. 

@0 firebt fein ©cift empor jum ©roig^SBal^ren 
Unb gräbt nad^ äßeis^cit in bcr &bc Siefen, 

®ie bort oerfunfen feit 9Ki(Iioncn 

6r medPt bic gunfen, bic oerborgen fd^Kcfen, 

Sannt im Ärpftad bcr ©onnc Strahl unb Kd^tct 
9Kit i^m bcr (Sd^öpfimg bunfle ^icroglpp^cn. 

3Rit jener SRod^t, bic fctbft ben Sob bcfcbmic^tet, 

§at er ben SKfe in’S cl^mc 3iOd^ gejmungen, 

®cr nun ate Äncc^t beS §crrfd^cr§ Slul^m berid^tet! 

®e8 ®onnerS 3Baffcn ^at er feef entrungen 
®em ©rbenfd^oo^, banon bie 3Rären fagen, 

®a§ fte allein ber l^öd^fte ©ott gefc^mungen. 

31 ^m bient, gefcffclt an ben glammenmagcn, 

®cr ©cift be§ geuerS, um bc§ ©rbbaöS ©treefen 
3m ©turmeSbraufen il^n bal^in ju tragen. 

3m ftarren 6rj fclbfi mcig er aufjumeefen 
®cr ©el^nfud^t 3^9» polmärtS o^nc ilBanfcn 
3^n treu geleitet burd^ bcr ©iönac^t ©d^rcefen. 

®ic ilBctt burd^flammcn feinc§ ©ieg3 ©ebanfen, 

®ie er, ein Äönig, in Scfi^ genommen, 

®cnn feine SRad^t ifi ol^ne ^xd unb ©d^ranfen. — 

®od^ mer ba mäl^nt ber 3Bci§^cit ^)ö^’n erflommen, 
3Bcil ftoljcn gtugeS fc^on fein ©eifl ermißt, 

SBonn cinft bcr ©dE^öpfung jüngftcr Sag mirb fommcn: 

@r mag’S unb fünbe feinet ®afein8 griji. 






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Robert Hamerling erfreut bic jabfreid^e 
©emeinbe feiner fiefer mit einer <§eIbftbio= 
orapbie „©tationen meiner ^ebenäpilgerfcbaft" 
fSBcriagganftalt unb ^Crucferci. J^amburg). 

- « - 

Richard Voss neroffentlid^t foeben bei 
Sreunb unb ^Pertin feinen neuen 

«anb „0^oüeUen" (^er faule (^becco — (^ 0 = 
pitan i^affa — i^ie Tobteninfel — 5)er 
bifbere 5^on ^^^aSquale — (^ebot ber 
heiligen eignes —- 55iaroccbio); gleichseitig 
erfcheint non ihm in ber ^eutfehen S3ertog§= 
?lnitalt in ©tuttgart eine neue (STjahlung, 
„iRubia" betitelt. 

- m - 

Gottfried Kellers ©chriften erfcheinen bem^ 
nä^fl in einer wohlfeilen ^luggabe al8 „@e= 
fammelte Serfe" (9®. ^erh; ©erlin). 

- « - 

^®er JReferenbar" ift ber Xitel einer neuen, 
fürslich bei (^arl 9?ci6ner in ^eip^ig erfchie^ 
nenen ^f^ooeUe non Ernst Eckstein. 

- «- 

©on Gerhard von Amyntors 9?euen h9= 
pochonbrifchen '^?loubereien „gür unb über 
bie beutfehen grauen" gelangt foeben eine 
groeite, oermehrte ?luflage gur Slusgabe. 
(©erlaggonflalt unb X)ru(ferei. Hamburg.) 

- «- 

Öin neueg literarifch = fritifcheg ©ammcl^ 
roerf bejjinnt foeben bei ©rachoogel unb D^anft 
in ©erlin gu erfcheinen; e§ fino bieg „Deut¬ 
sche Literarische Volkshefte“, (^emeinoers 


ftänbliche Sluffähe über literarifche gragen 
ber ©egcniuart, h^rauggegeben oon 2to ©era; 
ihre ^itiöirfung bisher u. a. gerb. 

Sloenariug, .^cinr. ©ulthaupt, Heinrich unb 
;Juliug §art, ÜR. ?agarug, Ü^orbau unb 
t^raf ©(had gugefagt. 

—-- 

lieber „gürft ©igmarcf unb bie Literatur" 
hot Dr. Adolph Kohut oor Bürgern eine 
„politifch = literarifche ©tubie" gefchrieben, 
welche bemnächft bei 6arl D^ei^ner in üeipgig 
erfcheinen wirb. 

- « --- 

Rudolf von Gottschalls Xrauerfpiel „3Raria 
^abiüa" bei ber erflen Slufführung im 
2eipgiger ©tabtheater einen glängenben (5rs 
folg errungen. 

- « - 

Wilhelm Benzen h^t ein neueS X)rama 
„Gonrab oon Settin" ooUenbet, wel^eg an^ 
läftlidb ber bcoorflehenben S^belfeier beS 
800 fahrigen ©efleheng beg ^aufeg ©ettin am 
©tobttheater in Scipgig gur Slufführung ge= 
langen wirb. 

- « - 

Tu Münchner Künstler-Genossenschaft 
hat in ihrer lebten ©i^ung bcfchloffen, bie 
oierte internotionale ÄunttougfleUung im 
3ahre 1892 abguhalten. X'ie Einnahmen ber 
oorjährigen ÜlugfteUung beliefen fich auf 
5417t)G ^f., bie 2luggaben auf 425246 ©^f.. 
ber ©efommtüberfchuft einfchlieBlich bei 
©(hapunggwerthg ber ilehengebliebeneu G^im 
bauten im (^lagpalafle auf etwa 140000 ^f. 




^ttw teiiteu ^afe: ^att ^tnU nttb feine ,^antpfn>eife. 

9Rit wie tiefem Gfcl unb SBibcrwiUen eg img auch erfüllt, ung gum lebten ©lale 
mit einem 3Ranne befchäftigen gu müffen, ber, nachbem ihn feine ehrboren Kampfmittel 
nic|t gum 3ifl^ geführt, jetd gloubt, feinen SRuf mit ben gröbften ©efchimpfungen mieber= 
her)tellen gn fönnen, fo müffen wir hoch gur enbgiltigen SRid^tigfleUung wohl ober übel nod^ 
einmal bog 2ßort ergreifen, ©lenn man fich oag neuefle Globorat beg eblen ^obolierg 
betrachtet, tfl man weniger über ben Xon, ben man ja bei ^)erm grangog bereits fennt, 


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erf^aunt, fonbern man mufe rounbem, roic er fidj mit einigen elenben D’^ebenSarten 

unb SGBieberboIungen auf fed^S enggebrudften ©palten auöjubreiten nerflel^t. 53on unferen 
fc^roerroiegenoen roiber i^n erhobenen Slnflagen ijl auc!^ nic^t eine entfraftet, roie mir 
fpSter nod^ nac^roeifen werben, öö giebt eine Älaffe non ©d^riftfteHcm, beten 9 ^atur 
einer anftönbigen unb e^rtid^en ^ampfweife burd^aug wiberftrebt, unb bie felbft bann il^re 
innere Unbilbung nid^t 3 U nerleugnen nermögen, wenn i^nen ber 93erleger il^re ®ranbs 
artifel jur Umarbeitung jurüeffd^iat. SBenn perr grangoS bel^auptet, baf eine S3ro(d^üre 
nöt^ig fein würbe, un 8 gu wiberlegen, fo b^t er noch gu wenig gefügt; benn feine 
3Jtobrenwäfcbe würbe itjn bis gum (^nbe ber 3:age nid^t non unferen febweren unb gegrün* 
beten tlnfcbulbigungen befreien. Jn feiner nölligen Sftatblofigfeit beainnt grangoS wieber 
fein non unS bereits in ^ir. 11 entlamteS $5oppelfpieI mit ber „^eutfepen treffe'*, unb aber« 
malS bef^wort er bep @eift (JrbmannS ,,beS ©efränften" b^ouf, welcber, ber befannten 
©pecialität ber nerfannten ©enieS onjebörig, in ber „^^eutfeben ^reffe" fpaltenlange Sluffäpe 
über baS ©tbicffal feines bei uns nid^t gum 5lbbruä gelangten ©ebi^teS „^aligula" ner* 
öffcntliibt. 2lucb bie non unS bereits genügenb gefenngcicbnete liebenSwürbige 5luSIaffung ber 
„2)eutf4cn treffe" über unfer Gircular gerrt ^err grangoS wieber bernor. 2Öir nerfennen 
nicht bie ^Ibficbt beS bocböf^^uibcii ^^^obolierS, non nom b«ein ©timmung gegen unfere im 
öntReben bwriffene ÜJiteraturgefebiebte gu maefien unb ein auf ernfter, gewiffenbafter Slrbeit 
berubenbeS werf gu nerbaebtigen, lange noch benor eS bie ^^reffe neriaffen, ^ber eS genügt 
wobC wenn mir feinen unb feiner anonpmen (!) greunbe ©emübungen gegenüber bi« b<ä 
Urtbeil ^ermann SinggS wiebergeben, ber unS am 29. 2|onuar wörtlich (im pobolifd^ 
^eutfeh fügt man „wortwörtlich'') febrieb: „!£)em Siterarbifiorifer fonn eS nur non föertb fein, 
bie iSnftchten ber Autoren über ihre eigenen SSerfe fennen gu lernen, unb auch liefen felbfi 
mu 6 eS münfd^enSwertb erfAeinen, flargulegen." $5ann folgen in fiinggS ©d^reiben 
noch einige SluSlaffungen nerfchwiegener Statur, bie fich auf benfelbcn ©egenjtanb begieben. 
UebrigenS wiffen wir recht gut, welcher Suftgug bie in jenem Platte gegen unS erhobenen 
©erfegerungen gufammengemebt böt; unfere ©ermutbung, bafe biefelben in innerem Sufammen* 
bange ftanben, ift unS auS befter Duelle beftätigt worben: mir pnb unumpoSlid^ ba* 
non übergeugt, bah fich um einen planmagig, auS langer ^anb im ©tiüen norbereiteten 
^rehfelbgug huubelte, nehmen aber gur ®b« ber flicbaction ber „D. ^reffe" an, bah biefelbe 
nicht eingeweibt war. f^^i uun, nachbem wir bie ^infÖQigfeit feiner 

©tanoner mit ber „Deutf^en ©reffe" nachgewiefen, auf merfwürbige SBeifc auS berÄlemme 
gu helfen; er giebt fich nämlich ben 5lnf^ein, als begmeifele er, bah bie 9?ebaction ber am 
14. Sunuar auSwjebenen ^r. 9 beS „Dichterheim" tbatföchlich bereits am 5. 3unuar ab* 
gefchloffen fei. SBir brauchen hier nur auf frühere ©rieffaftennotigen gu nerweifen, in benen 
wir ausführlich auSeinanberfepten, bah uom lÄebactionSfÄluh an neun Dage gur gertigs 
fteUung einer 9^ummer bis gur ©erfenbung erforberlich pnb. Söabrfd^einlich erlaubt bie 
$luflage ber „Deutfehen ©rofa" eine rafchere ^erfleHung! UebrigenS fönnen brei ber 9tebaction 
beS „Dichterbeim" nabeftebenbe ©erfönlicbfeiten eiblim erborten, bah berfelben bei Slbfoffung 
ber Slbwebr in ?llr. 9 unb auch noch bei ©erfenbung oiefer stummer baS ©orhonbenfein einer 
„Deutfd^en ©reffe" überboupt gänglich unbefannt war, bemgemah bleibt bie non unS be^ 
bauptete Db^^ifud&c abfolut unb unumftöhlich beftehen unb bie Slnfchulbigungen unb un* 
finnigen Kombinationen oon grangoS foüen in 9iicht8 gufammen. — ffiic mir bereits im 
©riefjchalter ber oorigen 9iummer mittheilten, bat unS bie Leitung ber „Deutfdben Dichtung" 
in Krwiberung unferer „©erichtigung" ein gewunbeneS OpuS gufommen laffen, oaS gletchfaaS 
eine ©erichtigung barfteUen foö. Diefe angebliche „©erichtigung" legte hinlänglich B^ugnih 
bafür ab, wie eS bermal in gewiffen köpfen auSfiebt, ba biefelben fich nicht einmal befähigt 
geigten, einige ©teilen auS unferem ©latte richtig abgufchreiben: nachbem wir bie Seut* 
chen auf i^re geiler aufmerffam gemacht, haben fie baS ©chriftftuef nach unferen Slngaben 
geonbert wieber eingefanbt, nach wiahgabe ihrer gäbigfeiten wenigftenS einige ber ©^reib* 
fehler befeitigt unb wir fteben nun nicht an, baS Klaborat bu^fiabengetreu wieber* 
gugeben, benn ber Kneift, ben eS atbmet, fann nur feinen Urhebern gum 9{achtbeil ge* 
reichen. Die rein fachlichen unb gewichtigen ISnflagen, bie wir gegen oaS ©latt erhoben, 
finb in feiner SÖeife wiberlegt, wie mir unter ber „©erichtigung" beS 9^oberen barlegcn 
werben. Diefelbe bemüht fiep oielmebr, fleh um baS punotum saliens b«umgufchlängeln 
unb mit Sortfloubereien baS 9tebenföchliche ^ur ^auptfa^e ouf^ubaufAen. Serr grongoS 
hat uns ben ©ormurf gemacht, in unferer „©erichtigung" bie michtigften ©unfte feiner ©ranb* 
f^rift nicht berührt gu haben, ber ppfpge ©obolicr oerbeblt jeboch, oa 6 man nur tbat* 
fachliche ©ehauptungen, nicht aber böswillige, in’S ©ewanb beS 3u)eifelS gefleibete ©er* 
ba^tigungen berichtigen fann. ?ßun oergleiche man aber unfere „©erichtigung" in ber 
„Deutfehen Dichtung" mit ber nochfolgenben, um gu fehen, wo ^empunfte berührt finb. 

Dhatfächliche ©erichtigung. 

1. KS ifi unrichtig, ba| fich »^utfehe Dichtung" bem „Deutfehen Dichterbeim" 
gegenüber „fchon früher in oeroeefter ©piegelfechterei erbiebteter ©rieffaflennotigen gefier unb 
^9 bieS namentlich in ber 9^euhauS'fchen ©lagiatangei^enheit gefebeben. Die „Deu^che 
Dichtung" hat niemals auf baS „Deutfehe Dichterheim" begugliche erbieptete ©rieffaflennotigen 


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gebraci^t unb aud^ in jener ^Ntagiatfod^e tebiglicb an fic flerid^tete, mit ^aul dortig unters 
jeid^nete Briefe beantwortet, ot^ne gu roiffen, in roetc^m ^ilatte baS '^ilagiat erjd^ienen. @8 
ift ferner unrid^tig, bafe ficb in unfcrer 5)arfteflung ber 9teu^au8’(c^en ^ßlogiatfad^e irgenb 
eine ,,lügen^afte ^^e^auptung" finbet unb wir ocrroeifcn gum ^eroeife auf bcn 
^»‘XJeutfd^en 2)id^ter^cim" Vifl. Jahrgang, j)^r. 4, wo baä 'jjlagiat oeröffentlicht würbe, bi8 
'Jtr. 9, wo bie ^tichtigfieflung erfolgte. 

2. ift unrichtig, baß bie „T^eutfchc Didjtung* in bi rect auf ihre TOtarbeiter 
einen Stbonncmentägwana auSübt, inbem pc grunbiaplich ade G^infenbungen nur im Briefs 
fajten beantwortet mit ber ^enbenj: „wer über boS 0(hidffal feiner ^infenbuug etwas er* 
fahren wiü, mag nur gcfäHigft — abonniren." ^8 ift oietmehr ^h^^^fochc, bafe wir jebem 
^ytitarbeiter im gaUe bcS ^bbrucfS baS betreffenbe ^eft gufenben, fo baft dtiemanb, ber über 
baS ©chidffal feiner (^infenbuug etwas erfahren loiü, giim Abonnement gezwungen ift. 

3. öS ift unrichtig, bab bie „'Deutfche ^'ichtung" bie öinricbtungen unb Gepflogen* 
heiten beS „2)eutfchen ^)ichterhcim" „mit anerfenneuSwerther ö^ewiffenhaftigfeit* nachahmt. 
öS ift oielmehr Ihotfachc, baß jur 3«t ber ÖJrünbung ber „^)eutfd^en 2)ichtung" baS 
„^Tichterheim* wcber dtooeflen, noch öpen, noch ^^ramen, noch literahiftorifcheS Queden* 
material, noch ^ortratS, ober Autographen brachte, welche ade oon Anfang an ^eftanbtheile 
beS '^jrogrammS ber „i)eutfchen 5^ichtuug" bilbetcn. öS ift ferner unri^tig, baß jwifdhen 
bem Xepte ber „^cftimmuugen oon adgemeincr (Geltung" ber „$)cutfchen i)icbtung" eine 
„faft wörtliche Uebereiuftimmung*' h^r^fche. ^)ic 0 äpe „©ei erftmali^r Öinfenbung ift 
Angabe ber ©egugSquede beS „5)eutfchen I)ichterheim" erforberlich," — „©riefliche Äritif ers 
theilen wir nur uuferen Abonnenten unb gwar ftnb für baS Antwortfehreiben unb SRücfs 
fenbung ber dJtanufcripte jebeSmal 50 Pfennige in ©riefmarfen bei 3 ufügen" — u. f. w. 
pnbeu fich bei unS weber in wörtlicher noch in fachlicher Uebereinftimmung, welche leßtere 
pch barauf befchränft, baß auch wir anonpme 0 enbungen nicht prüfen, unfranfirte nicht 
annehmen, jeben ©eitrag auf einen befonberen ©latte, unb IprifAe ©ebichte nur in beftimmtcr 
3ahl erbitten. — öS iit ferner unridbtig, baß biefe (Gepflogenheit eine „dtathahmung** ober 
„fncchtifche dtachbilbung" beS „5)eutfchen $)t^terheim" fei, ba fie in ber gefammten 3«t* 
fAriftens'lJreffc 4:eutfchlanbS üblich ift unb eS ift enblich ebenfo unriAtig, baß fteb oiefe 
„rnechtifche ^acbbilbung" bis 311 ber „bei feiner anberen 3«itf«^^^ift übli^en Angabe beS 
ÖlebaftionSfehluffeS erftreeft". ba biefe Angabe bei einer 9feihe oon ©lätteni ©. „Äunfl 
für Ade ^unßort" u. f. w. üblich iß unb feit ^ecennien bei ahnlid^en 3cttfchrtften, wie bie 
unfrige, üblich war. 

4. öS iß unrichtig, baß eS ber Herausgeber ber „^Jeutfehen ^Dichtung" früher rcgel* 

mäßig unterlaffen, unoerwenbbare ©eitröge mit flaren ©Sorten als abgelehnt 3 U be 3 ei^nen.'' 
öS iß oielmebr ih^tfache, baß bie Ablehnungsformel feit ©egrünbung ber 3«ttW^rt wt« 
folgt lautet: „feit beften $)anf für Jh^ freunblicheS Jntereffe an unferer 3*ßßhi^'fi wüffen 
wir mittheilen, baß mir oon Öinfenbungen feinen (Gebrauch machen fönnen.* 

0patcr würbe biefe gormel wie folgt abgeonbert: „^it beßen 5^anf für ihr freunblicheS 
Jntereffe an unferer 3 ctlfthr'ft müffeu wir ben nachßehcnb oerieichnetcn p. t. Öinfenbem 
mittheilen, baß wir oon bcn unS angebotenen ©eitragen feinen (Gebrauch machen fönnen." 

5. öS iß unrichtig, baß ber JperauSgeber ber „$?eutfchen $)ichtung" in einem oon 
ihm oerfaßten Auffaß über 0torm einen ©rief beS oerßorbenen J)ichterS wiebcrgegcben, „in 
bem biefer nach ^Jtöriefe für ben einjigen Sprifer feit (GoetheS 3:obe erflört*'; benn bie 
betreffenbe 0tede lautet: „bie ©Seit eigentli^ nicht einmal eine Ahnung, baß eS feit 
2 Jc 3 eunien in ^icutfchlanb feinen ^prifer mehr giebt. 34 niuß 3^nen fagen, waS ich nicht 
gerne fage, baß ich, was ich einß in ber 2 prif leißete, reebt b^ch anfchlage.* 

2)ic ©Borte „feit (GoetheS 3:obe" ober ber dfame Wforiefe ßnben ßch in bem ©riefe 
nicht. — öS iß ferner unrichtig, baß ber Herausgeber ber ^)eutfchen 2)ichtung nicht gaögert, 
„biefem Urtheile 0tormS feine maßgebenbe ©eßötigung 3 U ertheilen", benn er hat im (Gegen= 
theil auSbrücflich heroorgehoben, „mau braucht feinen niebrigen (Gef^macf m ßnlbigen, um 
ber Anßcht 3 U fein, baß eS heute noch in i)eutfcblanb einige 2ßrifer giebt, welche biefen 
dfamen oerbienen! unb nur einfehrönfenb bemerft, baß ihrer „wenige* finb. 

6 . ®ie 0tedc: „©Selch eine üppige öinbilbungSfraft ber fieiter ber „5)eutfchen ^rofa* 
befißt, beweiß er baburch, baß er ben oerbienten BOjaprigen 0chriftßedcr unb dichter CSilbclm 
fiangewiefche, ben eigentlichen ©erfaffer ber Jtlcinpaurfchen ©oetif in ihrer jeßigen (Gewalt, 
in feiner 3eitfchrift bem Iprifchen dfachwuchS am ^aßentifch^en beigefedt, eS macht baS ber 
literarifchen ©ilbiing beS Herrn Herausgebers ode Öhre" — iß unri^tig. $)cr hier gemeinte 
SDießter biefeS dfamenS ift bereits 1884 geßorben unb fonnte baher iiicßt ©Mitarbeiter unferer 
1886 gegrünbeten 3eitfchrift fein; unfer ©Mitarbeiter ift ein gleicbnamiger (Gnfel beffelben, 
aber aueb biefen hüben wir nicht an baS „^aßentifchchen" oerwiefen, weil eS bei unS fein 
folcheS giebt, fonbern ein (Gebicßt beffelben in ber einmal in unferem ©latte gebrachten 3u< 
fammenßedung: „Junge 0 timmen" oerößentlicht. 

7. (SS iß unrichtig, baß bie 9febaftion beS ^eutfeßen ^ießterheim feiner ^txt mit bem 

©erleger ber S^eutfeßen Sießtung übereingefommen iß, ber einen rn ber anberen 

nießt namentliche (Srwöhnung 3 U tßun. (Sine berortige Abmachung iß meber oon bem eße« 


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maligen nod^ bem gegcnroärtigen 33erlcgcr unjercr 3citic^rift mit ber D^ebaftioii, rcfp. bem 
35crlagc beä ^)cutfd)cn ^)id^terbeim getroffen roorben. ^»^ö^'^ionbcre ift aud^ niemals eine 
allgemeine Slbrebe, baS nid^t getaufd^t roerben füllten, „roonai gegenfeitiaeS 

rebactioneUeS Sluäfd^roeigen fjcb gan^ oon felbft oerftanb", erfolgt. ^Bielme^r rourbe oie 
girma ^^lermann oon W girma ^einje auöbrürflic^ eingetaben, bem „^I^id^ter^eim" 
gugut^eilen unb mar ba^ii auch tatifd^meife bereit. 

8. ift unrid^tig, baf? nufere 3^ilf^rift „coram publico“ burd) bie 

moglid^ um ÜJiitt^eilungen geeigneter 5tbrcffen be^ufä 33erfenbung oon '^'robenummcrn an= 
ge^t". Sir höben nieinalä irgenb einer 3cilöng einen berartigen Sunfd^ gur '^ublifation 
uberfenbet, unb foöte irgenb ein ^Matt oon ber in einer ^^eilage ju unferem iMatte an bie 
greunbe beffelben gerichteten ^itte in feinen ©palten Ütoti^ genommen höben, fo ift bieä 
ohne unfer 3öthön gefchehen. 

9. ift unrichtig, bop, jroifd^em bem ^'erauögeber ber „TeutfAen Dichtung" bem 
©chriftfteUer ^arl Crmil ^ranjoS unb ber JRebaftion ber in 3?ertin erfcheinenben „©taatSs 
bürger^eitung" beShölb, meil biefe fürjlich behauptete „granjoä habe auä ben hiölcriaffenen 
papieren feineä oor 36 Jöh^cn al§ ©tubent ber 'iD^